Thema: (?) (668) Postverhältnisse Bayern - Österreich
bayern klassisch Am: 25.07.2022 12:47:10 Gelesen: 76688# 569@  
@ bignell [#568]

Lieber Harald,

ich vermute, kann es aber nicht beweisen, dass der Brief von Rodach nach Asch lief und schwer war, womit sich die 18x rheinisch erklärten. Er hätte auch über Bayern laufen können, aber dann hätte man 2 Postgebiete für ihren Dienst bezahlen müssen und das wäre sicherlich teurer geworden, als so, auch weil Österreich mit 14x CM ein Maximo hatte, das danach nur über das Gewicht erhöhbar war, nicht durch eine weitere Leitung, während bei Bayern jede 6 weitere Meilen des Transits eine Erhöhung nach sich zogen. Vlt. sollte man "Asch" als Leitvermerk verstehen und man konnte, bis das geklärt worden war, damit eine potentielle Verzögerung erklären.

Aber 1843 waren Briefe nicht in 1-2 Tagen bei 650 km Entfernung transportierbar, da es noch keine Bahn gab, die ab April 1851 via Bodenbach und Prag zügig die Post nach Wien geleitet hätte, sondern es musste noch alles mit der Postkutsche (5-10 km/h) gekarrt werden. Von daher waren 6 Tage Beleg einer sehr ausgeklügelten Streckenregelung, denn die Pferde brauchten Rast, die Menschen sowieso, Nachts zu fahren war sicher kein Zuckerschlecken und wenn ein Kutscher sein Fuhrwerk umwarf, durfte er geraume Zeit dafür kostenlos arbeiten, wenn nicht Schlimmeres und ob beim Wechsel von Mensch und Material immer alles glatt lief, darf auch bezweifelt werden - der Imponderabilien gab es einige, an Alternativen aber keine.

Noch etwas zum Herummalen bei Stempeln: Das war eigentlich, so weit ich weiß, generell verboten. War die Datumseinstellung in dem verwendeten Stempel falsch, musste der Stempel annulliert = gestrichen und durch einen mit richtigem Datum ersetzt werden. Schon damals hatten Stempel einen dokumentarischen Charakter, den man nicht einfach manuell verändert durfte, denn es hingen ja Fristen, Gebühren, Kosten usw. auch an beweisbaren Daten, gerade wie hier bei Dienstbriefen, bei denen es ja immer um etwas ging. Hätte die Aufgabepost da herum gepfuscht, wäre das natürlich im Sinne damaliger Vorschriften ein Frevel gewesen, während es heutige Postgeschichtler umso mehr erfreuen wird, genau einen solchen Fall belegen zu können.

Zur 3x CM Taxe/Botenlohn: Ich weiß leider nicht, wie oft die Wiener Stadtpost damals zugestellt hat, könnte mir aber vorstellen, dass es im Bereich von 4-8 Zustellungen pro Tag kam, auch Sonntag im übrigen, was für uns heute ja völlig unvorstellbar ist. Von daher mag es sein, dass eine Spätzustellung (die Ämter wurden ja nicht so früh geschlossen, wie heuer) kostenintensiver war, als eine Gewöhnliche während der üblichen Amtsstunden. Aber dies final zu beurteilen bedarf es eines Kenners der Wiener Botendienste, daher weiß ich das nicht sicher und stelle es nur als Interpretationshilfe in den Raum.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
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