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Thema: (?) (234) Altdeutschland: Paketbegleitbriefe
Das Thema hat 241 Beiträge:
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JohannesM Am: 12.07.2012 21:35:04 Gelesen: 94937# 92 @  
@ Ulf

Vielen Dank für die erschöpfende Auskunft. Wenn allerdings ein Pfund damals auch ca. 500 g waren, dann muß die 2048 eine andere Bedeutung haben, denn dann kämen auf eine Bibel nur 6 g, was wohl wenig wahrscheinlich ist. Waren denn Kirchensachen damals grundsätzlich portofrei?

MfG Eckhard
 
Magdeburger Am: 13.07.2012 12:01:42 Gelesen: 94876# 93 @  
@ JohannesM [#92]

Hallo Eckhard,

leider kann ich das Wort hinter Bibel nicht eindeutig lesen. So wird es etwas rätselhaft bleiben.

Der Beleg war innerpreussisch und wann genau das Zollpfund auch für die Fahrpost innerhalb Preussens eingeführt wurde, kann ich z. Z. nicht genau sagen. Zumindestens galt 1852 hier noch das preussische Pfund.

Die "Preussische Haupt-Bibelgesellschaft" wird die Portofreiheit genossen haben, es fehlt ja auch ein Vermerk.

Der Vermerk "Herrschaftliche Kirchen Sache" diente in Preussen jedenfalls häufiger als Portofreiheitsvermerk.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Richard Am: 04.08.2012 08:57:58 Gelesen: 94450# 94 @  
@ JohannesM [#92]

Waren denn Kirchensachen damals grundsätzlich portofrei?

Hallo Eckhard,

ich habe bei Google "portofreiheit bibel preußen" eingegeben und bin auf diesen Link gelangt:

http://books.google.de/books?id=T21DAAAAcAAJ&pg=PA615&lpg=PA615&dq=portofreiheit+bibel+preu%C3%9Fen&source=bl&ots=iwkQFKI5-9&sig=UL2gfFShRbnM7k3-z3hnpvYpmX0&hl=de&sa=X&ei=Bk4QUJbKApP14QShjIGwBA&sqi=2&ved=0CFwQ6AEwAQ#v=onepage&q=portofreiheit%20bibel%20preu%C3%9Fen&f=false

Auf diesem geht hervor, daß Friedrich Wilhelm am 13. September 1814 der Bibel Gesellschaft die Portofreiheit bewilligt und den General-Postmeister informiert hat (siehe Seite 615).

(Quelle: Annalen der preußischen innern Staats-Verwaltung, Bände 3-4; Band 7 )

Schöne Grüsse, Richard
 
bayern klassisch Am: 04.08.2012 09:48:51 Gelesen: 94428# 95 @  
Lieber Magdeburger,

zu [#92]: hinter Bibeln steht "halbst" für Halberstadt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Magdeburger Am: 24.02.2013 11:28:28 Gelesen: 90402# 96 @  
Liebe Sammelfreunde,

mein eigentliches Interesse gilt der Fahrpost, insbesondere der Versendung von Paketen. Dazu mal 3 Belege an J.P.Landfried in Baden von Magdeburg:

Als erstes ein Beleg vom 15.04.1862. Versendet wurde ein Paket von 3 Pfund 10 Loth.



Die Entfernung beträgt etwa 377 km was ca. 51 Meilen sind. Damit ergibt sich die Progressionsstufe 13 (48 bis 52 Meilen nach 2. Vertrag des DÖPV). So läßt sich nun auch die Gebühr berechnen:

2 Pfennige * 4 (angefangene Pfunde gelten als volle) * 13 (Progressionsstufe) = 104 Pfennige = 8 Sgr 8 Pfennige, was auf 8 3/4 Sgr aufzurunden war.

Am 06.05.1862 wurden nur ein 11 Loth schweres Paket versendet und hier würden nach obriger Formel nur 26 Pfennige heraus kommen. Jedoch wurde hier der Mindestfahrposttarif von 6 Sgr fällig.



Dazu die Siegelseite:



Beiden Belegen ist gemeinsam, dass dies vom Absender bar bezahlt wurden und auch siegelseitig nicht die Progressionsstufe notiert wurde.

Am 05.05.1862 war es ein 13 3/20 Loth, welches 175 Reichsthaler 6 1/2 Sgr in Gold enthält, auf Reisen gegangen.



Im Gegensatz wurde hier die Progressionsstufe 13 siegelseitig notiert.



Da er Porto aufgegeben wurde, hätte er spätestens vom ausgebenden Postamt taxiert werden müssen, was hier jedoch unterblieb! Auch hier wäre der Mindestfahrposttarif für das Gewicht fällig, also 6 Sgr = 21 Kreuzer. Dazu ist noch die Werttaxe von weiteren 6 Sgr = 21 Kreuzer hinzu zu rechnen. Damit ergeben sich ohne Bestellgeld 42 Kreuzer.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Marcel Am: 24.03.2015 19:39:38 Gelesen: 79009# 97 @  
Hallo!

Ich habe hier einen Brief der an Friedrich von Broitzem in Braunschweig ging. Der Brief wurde datiert auf 1773, wessen ich aber nicht bestätigen kann, denn zu dieser Zeit gab es kein Friedrich. Der einzige Friedrich um 1800 war der letzte von BROITZEM, Stats Friedrich * 21.07.1776 in Braunschweig, + 14.02.1836 in Braunschweig, und damit erlosch die Familie in Braunschweig. Der Großvater hieß auch Stats Friedrich (* 19.09.1689 in Braunschweig, + 10.09.1759 in Braunschweig). [1]

Ein Zweig des Geschlechts von Broizem etablierte sich ab dem 17. Jahrhundert in Riga, ein anderer in Sachsen. Die Familie von Broitzem gehörte der Oberschicht in Braunschweig an und stellte mehrfach Bürgermeister und Ratsherren.

Kann jemand das Jahr 1773 bestätigen? Leider ist der Brief leer und Siegelseitig kann man das Papiersiegel beim besten Willen nicht lesen, daher kann ich auch nicht sagen woher der Brief gekommen ist. Und meine 2. Bitte, kann mir jemand sagen was unten links steht?





schöne Grüße
Marcel

[1] http://www.online-ofb.de/namelist.php?ofb=NLF&nachname=BROITZEM,%20VON&modus=&lang=de
 
Magdeburger Am: 25.03.2015 15:25:41 Gelesen: 78972# 98 @  
@ Marcel [#97]

Hallo Marcel,

ich würde es als "Angeblich 2 Reichsthaler 10 Groschen 3 Pfennige" lesen.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Heinrich3 Am: 01.04.2015 15:53:48 Gelesen: 78875# 99 @  
Hallo Marcel,

könnte das Wort vor dem Betrag evtl. auch "Gebühr" heißen?

Gruß
Heinrich
 
roteratte48 Am: 02.04.2015 12:31:38 Gelesen: 78827# 100 @  
@ Heinrich3 [#99]

Ich bin zwar nicht Marcel (verzeih die Einmischung, bitte) - aber Du hast Recht, Heinrich - es heißt Gebühr.

Ein kurioser kleiner Paketbegleitbrief aus BERNCASTEL - er ist schon aus der Zeit des deutschen Reiches und begleitete eine Mustersendung von 6 Flaschen Wein für die Casino-Gesellschaft in Solingen. Die Herren wollten vor einer größeren Bestellung wohl erst mal eine private Weinprobe halten. Das "Kistchen" wog immerhin 16 Pfund 200 Gramm und war auch recht schnell beim Empfänger; nach zwei Tagen durfte die Weinprobe stattfinden (K2 Berncastel vom 29.5.1872; rs. Ankstpl. Hufeisen Solingen vom 31.5. vor 7 Uhr vormittags.) Hübsch für mich ist das Klebezettelprovisorium - der winzige Postort OSANN (eröffnet 1845 als Postexpedition, jedoch mit so geringem Postaufkommen, daß selbst der vorphilatelistische K2 kaum je zu finden ist) bekam offenbar größere Mengen an vorgedruckten Klebezetteln "aus Osann", die man natürlich nie verbrauchen konnte und die dann in ganzen Bögen an das Postamt in Berncastel kamen, wo sie mit einem Formular-L1 überstempelt wurden (auf dem Zettel links noch das Schluß-L des vorhergehenden Zettels. Beweis, daß die Bögen als Ganzes im Voraus überstempelt wurden.

Zum Porto hat mir Ulf bereits an anderer Stelle geholfen (nochmal Danke!) - bei zwei Pfg. pro Pfund und Progessionsstufe 4 (Entfernung ca. 18,5 Meilen) ergab sich ein Betrag von 136 Pfg, der umgerechnet zu gerundet 11 1/2 SGr. vorderseitig blau notiert wurde.





Gruß ins Forum - Rolf
 
Marcel Am: 06.04.2015 19:21:25 Gelesen: 78755# 101 @  
@ Magdeburger [#98]
@ Heinrich3 [#99]
@ roteratte48 [#100]

Vielen Dank, ich konnte es beim besten Willen nicht lesen. Siegelseitig und Datierung werde ich wohl als ? ablegen. Ich wünsche noch einen schönen Rest-Ostermontag.

Marcel
 
roteratte48 Am: 08.04.2015 11:05:40 Gelesen: 78683# 102 @  
@ magdeburger

Hallo Ulf,

wie an anderer Stelle bereits angekündigt hier der Scan eines etwas aus dem Rahmen fallenden Beleges - ich nenne ihn mal "Bayern incoming". Es ist eigentlich ein Fuhrmannsbrief - eine Firma Freytag aus Zürich sendet 1824 ein Paket mit Seidentüchern, Gewicht 14 1/2 Pfd, bezeichnet als "Ballgen" (von frz. " ballot" = kleiner Ballen), an den bekannten Händler Nicolaus zum Stein (zu dieser Zeit schon Zumstein) in Kempten. Auf der Formularseite wird allerdings kein Fuhrmann angeführt, sondern die Versendung "durch die Diligence [= Postkutsche]" genannt.

Kannst Du, trotz Herkunft aus der Schweiz, etwas zu den Dingen auf der Adreßseite sagen? Für mich ist das eine Formularverwendung eines Fuhrmannsbriefes als Paketbegleitbrief - siehst Du das anders?

Dank Dir für Deine Mühe im Voraus!

Liebe Grüße - Rolf


 
Magdeburger Am: 08.04.2015 12:23:36 Gelesen: 78666# 103 @  
@ roteratte48 [#102]

Hallo roteratte48,

viel werde ich dir leider nicht helfen können, da ich eher Preussensammler bin.

Mir fällt jedenfalls auf, dass erst 16 Pfund - dann 14 1/2 Pfund notiert wurden. Unter den Gewichtsnotierungen lese ich Valor f(lorin) 27 ? 1x (Kreuzer), was auf eine Wertdeclaration schliessen läßt. Neben der Gewichtsangebe wird eine Manualnummer stehen - erst 6 in 7 korrirgiert. Unter dem Namen Niclaus ist die Signierung des Paketes.

Zu den beiden roten Taxierungen, auch deren Berechnung, kann ich nichts beitragen. Lesen würde ich sie als 1 Gulden 8 Kreuzer und 1 Gulden 40 Kreuzer. Vom Empfänger? sind f(lorin) 2 37 Kreuzer bezahlt? notiert worden. Ob sich dies nur auf das Paket erstreckt - keine Ahnung. Auch was die Bedeutung von "Lind 14" - vielleicht für Lindau 14 Kreuzer - ist nur geraten.

Die wichtigste Frage noch: Es ist ein Paketbegleitbrief!

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
roteratte48 Am: 08.04.2015 16:00:44 Gelesen: 78647# 104 @  
@ Magdeburger [#103]

Hallo Ulf,

wie immer - schnelle Hilfe von Dir und, wie immer, bin ich Dir dankbar, daß Du Dein Wissen teilst und Zeit und Mühe für mich geopfert hast!

Liebe Grüße - Rolf
 
Magdeburger Am: 08.04.2015 17:05:53 Gelesen: 78633# 105 @  
@ roteratte48 [#104]

Hallo Rolf,

viel neues werde ich dir sicherlich nicht geschrieben haben und es ist auch für mich selbstverständlich zu helfen, wenn ich es kann. Leider war es mir bei diesem Brief nicht vergönnt.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
hajo22 Am: 08.04.2015 19:18:11 Gelesen: 78611# 106 @  
@ roteratte48 [#102]

Und ich lese noch: "enthaltend Seidentücher". Das muß schon eine ganze Menge davon gewesen sein, denn Seidentücher wiegen wenig.

VG, hajo22
 
kauli Am: 08.04.2015 21:16:31 Gelesen: 78595# 107 @  
Hallo zusammen,

bei dem Beleg bin ich mir nicht sicher, ob es ein Paketbegleitbrief ist. Es kann auch sein, dass die 15 Münzen, wie links unten vermerkt, damit verschickt wurden. Sicher bin ich mir bloß, dass er nach Potsdam ging und der rote R 2 rückseitig auf Wertpaketbegleitbrief bekannt ist. Die vielen Vermerke irritieren mich auch etwas. Wer bringt Licht ins dunkle?

Viele Grüße
Dieter


 
Magdeburger Am: 09.04.2015 07:00:39 Gelesen: 78567# 108 @  
@ kauli [#107]

Guten Morgen Dieter,

gelaufen ist er von Presnitz (heute Přísečnice) - ich denke mal 1856/7? - der Berliner Stempel sollte hier helfen nach Potsdam. Zum Aufgabeort vielleicht noch folgendes - paßt auch auch zu den Münzen: http://de.wikipedia.org/wiki/P%C5%99%C3%ADse%C4%8Dnice

Links sind 2 13/20 Loth als Gewicht notiert.
Recht von oben nach unten
2 1/2 Loth
2 13/20 Loth
Pr A letzteres steht für Ausland
fr(an)co 5 für Österreich darunter 8 für Sachsen und 8 für Preussen Angaben in Kreuzer C.M. (21 Guldenfuß)

In jeder Taxe sind jeweils 2 Kreuzer Werttaxe für die 15 Münzen (wird max 100 Gulden sein und weniger als 50 Meilen je Strecke) enthalten.

Als Brief ist er m.E. als 3fach schwer zu taxieren, tatsächlich jedoch nur einfach, was für ein Paket spricht: Für Österreich - möglicherweise bis Bodenbach und bei unter 10 Meilen passen dann 3 Kreuzer (Bei dreifach eigentlich 9 Kreuzer!).

Einen Vertrag zwischen Sachsen und Österreich habe ich nicht. Hier sind nur 6 Kreuzer (über 10 bis 20 Meilen Transit) für Sachsen berechnet wurden. Die 2 Kreuzer Werttaxe dazu sind 8 Kreuzer C.M. Dazu passt auch die vorderseitige Notierung von 2 8/10 Neugroschen Weiterfranco.

Für Preussen gelten die gleichen Angaben wie für Sachsen. Die siegelseitige Notierung von 2 3/4 Sgr. sind dann das Weiterfranco für Preussen.

Vielleicht finde ich noch etwas, was Aufschluß zur Taxierung bringt.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
kauli Am: 09.04.2015 11:07:56 Gelesen: 78533# 109 @  
@ Magdeburger [#108]

Hallo Ulf,

besten Dank für Deine Erklärung zu dem Brief. Ist schon eine Wissenschaft für sich. Der Berliner Stempel ist von 21.3.1856-13.7.1858 bekannt. Sollte also aus der Zeit sein.

Der Paketbegleitbrief ist einfacher. Laut Inhalt am 31.1.1856 geschrieben und von Düsseldorf nach Berlin gelaufen. Vorderseitig ein roter Ausgabestempel der Berliner Packkammer.



Viele Grüße
Dieter
 
Magdeburger Am: 09.04.2015 13:21:40 Gelesen: 78508# 110 @  
@ kauli [#109]

Hallo Dieter,

zum vorhergehenden Beleg möchte doch noch ein paar Worte verlieren. Laut Vorschrift im DÖPV sollte in der jeweiligen Landeswährung die Taxe berechnet und dann entsprechend reduziert werden.

M.E. hätte er mit mindestens 9 Kreuzer C.M. für Sachsen und Preussen frankiert werden müssen, denn dies sind auch 3 Sgr. bzw. Ngr. Dies gilt nur dann, wenn es tatsächlich ein Wertbegleitbrief ist.

Als reiner Wertbrief hätte er als 3fach schwerer Brief + Wert behandelt werden müssen. 1 Kreuzer C.M. sind 1/3 Sgr. Damit ergab sich für Österreich 9 Kreuzer + 2 Kreuzer Wert.

Für Sachsen und Preussen sind es jeweils 21 Kreuzer (bei jeweils 10 bis 20 Meilen), was sich aus 18 Kreuzer für den Brief + 3 Kreuzer Werttaxe zusammen setzt. 3 Kreuzer Werttaxe deshalb, weil der Wertbetrag in Thaler zu reduzieren wäre und aus dieser sich die Gebühr von mindestens 1 Sgr. ergeben würde.

Das Sachsen 2 8/10 Ngr. notierte liegt daran, dass auf ein Vielfaches eines Viertels Sgr. aufgerundet werden soll. 7/10 Ngr. sind weniger auf 3/4 Sgr. und somit ist auf 8/10 Ngr. aufzurunden.

Dies ist alles wahrscheinlich wahnsinnig kompliziert....

Der Brief Düsseldorf -> Berlin ist wirklich einfach:

Paketgewicht 3 Pfund 4 Loth - Entfernung ca. 64 Meilen.

Die Taxe berechnet sich mit 1,5 Pfennige * 4 Pfund(auf volle Pfunde aufrunden) * 13 (60 - 65 Meilen) ergibt 78 Pfennige = 6 1/2 Sgr. Diese Taxe ist höher als die Mindestfahrposttaxe von 6 Sgr. und somit wurde die Gewichtstaxe angewendet.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 10.04.2015 16:31:38 Gelesen: 78467# 111 @  
Liebe Sammelfreunde,

vielleicht traut sich jemand:



Der Beleg stammt vom 13.09.1856.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
kauli Am: 11.04.2015 11:29:45 Gelesen: 78415# 112 @  
@ Magdeburger [#111]

Hallo Ulf,

wer, außer Dir, soll sich da rantrauen? Nochmals Danke für den Nachtrag zu meinem ersten Beleg. Durchsehen tu ich trotzdem nicht. Ich mag ja diese Briefe wegen der Berliner Stempel.

Dann noch ein leichterer von Osnabrück nach Frauenmühle vom 11.4.1859. Rückseitig wieder der rote R 2 Berlin.

Viele Grüße
Dieter


 
Magdeburger Am: 11.04.2015 18:14:02 Gelesen: 78383# 113 @  
@ kauli [#112]

Hallo Dieter,

ich verstehe diese Briefe auch nicht viel besser als alle anderen.

Zu deinem Brief:

Die Taxierungsbestimmungen befinden sich im 2. Nachtrag zum 1. revidierten Postvertrag des DÖPV. Dazu gehörte, das siegelseitig die Progressionsstufe von der Aufgabepostanstalt notiert werden sollte. Dies geschah leider nicht immer. Bei den gezeigten ist es P17 (über den Berlinstempel). P17 entspricht einer Entfernung zwischen 64 bis 68 Meilen innnerhalb des DÖPV. Mit dem oben genannten Nachtrag, wurde eine durchgehende Taxierung vereinbart.

Laut vorderseitiger Angabe wurde ein 14 1/2 Loth schweres Röllchen mit einem Werth von 123 1/4 Reichsthaler aufgegeben. Das Röllchen wurde nachgewogen und neu 14 5/10 Loth angeschrieben. Der Krakel unter dieser Notierung könnte als "W" gedeutet werden.

Die Taxe setzt sich aus dem Mindestfahrposttarif + Wertgebühr zusammen. Danach waren der Mindestfahrposttarif von 7 Sgr. für das Paket und 6 Sgr. Werttaxe zu erheben. Letztere berechnet sich 3 Sgr. je angefangene 80 Thaler über 48 Meilen. Zusammen sind es 13 Sgr. wie vorderseitig angeschrieben.

Siegelseitig sind 15 Sgr. notiert worden, also 2 Sgr. mehr. Dies ist das Landbestellgeld für einen Paketbegleitbrief über einen Thaler.

Ich lasse die Beschreibung des von mir gezeigten Beleges mal noch bis morgen Abend offen. Ein Tipp gebe ich noch - er lief direkt von Berlin nach Sudenburg, also innerhalb Preussens.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 12.04.2015 19:57:49 Gelesen: 78293# 114 @  
Liebe Sammelfreunde,

dann werde ich mal den Beleg auflösen.

Die oberen beiden Zeilen sind die Declaration:

Beigehend 1 Kiste (Signierung) Nachnahme Neun Thaler acht Silbergroschen
.
Darunter die Anschrift:

S(eine)r hochehrwürdigen dem Prediger Herrn Hirschberg Sudenburg bei Magdeburg.

Unter dem Nachnamen "Hirschberg" ist Magdeburg - wieder gestrichen und nochmals vor Sudenburg falsch Magteburg notiert wurden. Warum auch immer dieser Spagat gemacht wurde, kann spekuliert werden. Möglicherweise wollte man vermeiden, dass die Sendung nach Hirschberg geht, oder auch das ggf. Sude rburg in Betracht gezogen wurde.

Sudenburg war jedoch ein kleine Stadt vor den Toren Magdeburgs.

Die Entfernung zwischen Sudenburg -> Berlin beträgt etwa 17 Meilen, was der 4. Entfernungsstufe entspricht.

Die Nachnahme von 9 Thaler 8 Sgr. entsprechen 278 Sgr. was auch als Auslage notiert wurde. Die Kiste wog 15 Pfund 15 Loth.

Die Taxierung:

Für die Nachnahme war 1 Sgr. je angefangenen 1/2 Thaler ProCura zu entrichten, also 19 Sgr. Für das Paket waren 1,5 Pfennige * 16 Pfund (auf volle Pfund aufrunden) * 4. Entfernungsstufe = 96 Pfennige = 8 Sgr. zu zahlen.
Damit ergibt sich eine Gesamtrechnung von: 278 Sgr. Nachnahme + 19 Sgr. ProCura + 8 Sgr. Fahrposttaxe = 305 Sgr. zu zahlen.

2 Sgr. Botenlohn für den Postboten waren ebenfalls noch zu entrichen. wie noch notiert wurde.

Das Paket selbst mußte im Sudenburg Postamt abgeholt werden und wurde dort mit dem normalen Ortsstempel bestätigt.

Siegelseitig befindet sich nur ein Rahmenstempel mit der "1" aus der Berliner Packkammer und der Ausgabestempel von Sudenburg.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 15.04.2015 15:46:37 Gelesen: 78182# 115 @  
Liebe Sammelfreunde,

nachfolgende Briefhülle paßt hier hervorragend:



Sie mag nicht schön sein, aber etwas vergleichbares muß man erstmal finden:

Adressiert ist sie "An den könglichen preussischen Kammerherrn und Ritter des Joh. Ordens " Herrn Grafen von Hagen hochgeboren in Möckern bei Burg". Aufgegeben wurde sie in Langensalza.

Mit gesendet wurde ein Paket mit 38 Reichthaler 25 Sgr. 5 Pfennige. Links oben ist das Gewicht des Briefes mit 5 Loth angegeben, darunter 1 Pfund 29 Loth (gewogen von Beinherr) des Paketes. 1 Pfund 28 1/2 Loth darunter stammt aus Halle vom Beamten Kaiser und dies wurde in Magdeburg durch den Hilfsboten Sonntag bestätigt. Dass ein Paket zweimal auf einen Weg nachgewogen wird und dies auch noch notiert wird, einfach super!

Für das Paket wurde das Geldporto herangezogen. Die Entfernung beträgt knappt 20 Meilen. Es waren 2 Sgr. von 5 zu 5 Meilen jetzt zu erheben, also 2 Sgr * 4 (15 - 20 Meilen) = 8 Sgr.
Ein Begleitbrief war nur bis 3/4 Loth frei. War er schwerer, wurde das Mehrgewicht berechnet. Bei 5 Loth - 3/4 Loth sind also noch 4 1/4 Loth heran zu ziehen. Dafür war die 5fache Brieftaxe nun zu erheben, was immerhin 20 Sgr. sind. Somit sind die "28" geklärt. Die relativ kleine Notierung links unten spricht für einen Francobetrag - muß es jedoch nicht.

Über der "28" ist notiert: "2 Sgr. Postschein zahlt (d.) Empfänger" - zumindestens ist eine große "2" doppelt unterstrichen notiert worden, was auch ein Postschein kostete.

Die 2 Sgr. für den Postschein wurde bei der Aufgabe, laut meinen Infos, immer von Absender bezahlt.

Der Beleg dürfte aus den Anfang der 1840er Jahre sein - müsste ich auch noch schauen, ob er sich weiter eingrenzen läßt.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 15.04.2015 16:11:18 Gelesen: 78178# 116 @  
@ Magdeburger [#115]

Liebe Sammelfreunde,

manchmal sollte man doch nochmal nachlesen.

In den Anmerkungen des §54 der Preussischen Porto-Taxe, gültig ab 01.01.1825, ist unter "G" zu lesen, dass das Scheingeld auch vom inländischen Empfänger erhoben werden kann, aber der Absender dafür haftet, falls der Empfänger dies nicht bezahlt.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 

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