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Thema: Schweiz Dauerserie Sitzende Helvetia
Das Thema hat 624 Beiträge:
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Heinz 7 Am: 22.08.2018 20:16:22 Gelesen: 55800# 500 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#1]

Hallo Kevin,

In den letzten ca. viereinhalb Jahren haben wir viele Beiträge zu diesem schönen Thema geschrieben, das von Dir ins Leben gerufen wurde. Als Beitrag Nr. 500 möchte ich darum etwas Spezielles zeigen.



1871 wurde dieses Briefcouvert nach Rumänien gesandt. Der Tarif dafür war damals 35 Rappen; da jedoch offenbar ein doppelt schwerer Brief vorlag, waren 70 Rappen geschuldet. Frankiert wurde diese Gebühr mit zwei Sitzenden Helvetia: 50 Rappen lila (Michel Nr. 35, Zumstein Nr. 43) und 20 Rappen orange (Michel Nr. 24, Zumstein Nr. 32).

Ein Postbeamter tat sich schwer mit diesem Brief und brachte Farbstift-Notizen an, die aber offenbar wieder annulliert wurden. Schliesslich erhielt der Brief einen Stempel "PD" (= Port payé jusqu'à destination / bezahlt bis zum Ankunftsort).

Auf der Rückseite finden wir die Durchgangsstempel "WIEN 11/1 71" und "BACAU 14/1 71". Die Familie "Rosetti Tescanu" war meines Wissens eine berühmte Familie.

Heinz
 
bayern klassisch Am: 22.08.2018 21:03:29 Gelesen: 55787# 501 @  
@ Heinz 7 [#500]

Hallo Heinz,

ein beeindruckender Brief, der auch über Bayern lief!

Die Aufgabepost notierte zuerst 4 in rot und 30 in blau für das Weiterfranko, wie ich vermute. Ich vermute es hat damit zu tun, dass man den Brief hinsichtlich seines Ziellandes nicht richtig verorten konnte.

Dann wurden mit 6 die 4 und mit 50 die 30 überschrieben, was richtig war. Meines Erachtens behielt die Schweiz aber 10 Rappen pro Gewichtsstufe, das wären dann 20 Rappen für die Schweiz. Blieben 50 Rappen für den Transit.

Das sollten dann 30 Rappen für das Transitland Baden, Württemberg oder Bayern sein - ich tippe auf Württemberg, weil es 1871 noch keine Reichspostverträge im Transit mit der Schweiz gab.

Dann noch 2 mal 10 Rappen für Rumänien und wir haben - voilà unsere 70 Rappen Frankatur.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Heinz 7 Am: 22.08.2018 22:52:20 Gelesen: 55771# 502 @  
@ bayern klassisch [#501]

Lieber Ralph,

Danke für Deine Erläuterungen!

Der obige Brief ist nicht einmalig, es gibt noch weitere, ähnliche. Gerade heute stiess ich auf ein weiteres Angebot:



Die ist Los 1880 des Auktionshauses Rölli (neu in Rothenburg/LU).

Interessant ist, dass dieser Brief nur 65 Rappen kostete, obwohl er genau den gleichen Weg nahm, allerdings im April 1869. Aber Achtung: dieser Brief war eingeschrieben ("Recommandée").

Wir sehen an diesem Beleg sehr schön den Laufweg



Lausanne 28.4.1869
Lausanne-Berne 29.4.1869
(Schweiz) 29.4.1869
Romanshorn 29.4.1869
Cernowitz 2.5.1869
Folticeni 4.5.1869
Bacau 5.5.1869

Den dritten Stempel kann ich nicht genau lesen, vielleicht ein Zugstempel? (Zug 14?). Gemäss Notiz ("par Vienne") lief auch dieser Brief über Wien, aber einen Durchgangsstempel sehen wir nicht.

Es ist toll, dass man hier so viele Details erkennen kann. Da muss man auch hinnehmen, dass der Brief etwas fleckig ist: die 5 rückseitigen Siegel haben abgefärbt.

Für diesen Brief gilt bei Rölli ein Startpreis von immerhin CHF 800.

Heinz
 
briefmarkenwirbler24 Am: 22.08.2018 23:51:48 Gelesen: 55761# 503 @  
@ Heinz 7 [#500]

Hallo Heinz,

ein toller Beleg, der auch deine beiden Sammelgebiete Rumänien und Schweiz prima verknüpft!

Allerdings möchte ich gerne eine Anmerkung zu der vorliegenden Frankatur machen:

Dein Brief ist dem Tarif ab dem 01.10.1868 bis zum 31.03.1871 zuzuordnen. Das Franko für einfache Briefe der 1. Gewichtsstufe (bis 15 g) lag hier bei 40 Rappen, da dein Brief der 2. Gewichtsstufe (15-30 g) entspricht ("2" in blau notiert) hätten 80 Rappen frankiert werden müssen. Das könnte auch erklären warum der Postbeamte erst so irritiert gewesen ist. Das würde deinen Brief natürlich nicht schlechter machen, im Gegenteil, es handelt sich um eine Unterfrankatur, die natürlich sehr gesucht sind!

Den Brief den du vom Auktionshaus Rölli zeigst [#502] ist mit 65 Rappen frankiert.

Diese setzen sich richtigerweise zusammen aus den 40 Rappen für einen einfachen Brief der 1. Gewichtsstufe (ebenfalls diesem Tarif zuzuordnen) und 25 Rappen für die Einschreibegebühr. Das heißt hier ist die Frankatur absolut korrekt.

Erst ab dem 01.04.1871 bis zum 30.06.1875 war ein einfacher Brief mit 35 Rappen zu frankieren. Da dein Brief aber am 09.01.1871 auf die Reise ging, kann er nicht diesem Tarif zugeordnet werden. Eventuell gab es damals schon eine Kundgebung, dass sich der Tarif ändern wird und der Adressat hat fälschlicherweise gedacht, dass die neue Periode bereits begonnen hat (but just a guess...).

Zu dem Empfänger, ich kenne mehrere Briefe an diesen Adressaten aus unterschiedlichen Tarifperioden, bei Interesse kann ich diese auch gerne diesem Thread beifügen.

Vielleicht hilft diese Seite weiter:

https://www.myheritage.de/names/constantin_rosetti-tetcani

Liebe Grüße

Kevin
 
bayern klassisch Am: 23.08.2018 06:32:29 Gelesen: 55732# 504 @  
@ Heinz 7 [#502]

Lieber Heinz,

auch der 2. gezeigte Brief ist ein Sahnestück - er lief auch über Württemberg, wie der Romanshorn - Stempel zeigt. Durch Württemberg und Bayern lief er im stillen Transit, d. h. die Bahnposten bekamen ihn zuspediert in einem Schweizerischen Briefepaket, auf dessen Beutelfahne nur Wien oder ein noch weiter gelegenener Ort stand, so dass eine postalische Bearbeitung des Briefes nicht vonnöten war.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
SH-Sammler Am: 23.08.2018 08:25:33 Gelesen: 55712# 505 @  
@ Heinz 7 [#502]

Hallo Heinz,

vor kurzem habe ich den Stempelkatalog "ausgegraben". So habe ich relativ schnell den Bahnstempel finden und einstufen können. Der "schlecht lesbare" Stempel sollte eigentlich mit dem gezeigten Bahnstempel übereinstimmen, sogar die Zugnummer stimmt mit dem Abschlag auf dem Brief überein. Siehe selbst.



Bahnstempel der Gruppe 83 D, mit Zugnummern (je nach Tageszeit = 1. Postzug, 2. Postzug) 8, 9, 13, 14, 32, 36, 40, in Gebrauch in den Jahren 1866 bis 1869.

Liebe Grüsse

Hanspeter
 
Heinz 7 Am: 23.08.2018 14:15:23 Gelesen: 55667# 506 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#503]
@ bayern klassisch [#504]
@ SH-Sammler [#505]

Lieber Kevin, Ralph und Hanspeter,

ganz herzlichen Dank für die wertvollen Zusatzangaben zu meinem Beitrag.

@ Heinz 7 [#500]
@ Heinz 7 [#502]

Das eine oder andere hätte ich selber herausfinden können (müssen/sollen), aber ohne meine Literatur komme ich hier nicht weiter (ich weiss nicht alles auswendig). Umso besser, wenn man aufmerksame Leser hat. Bravo!

Damit haben wir (beim Rölli-Beleg) neun (!) verschiedene Stempel ausmachen und verstehen können, das ist schon sehr attraktiv! Mein Briefchen hat nicht ganz so viel (Rückseite "nur" 3 Stempel). Man darf gespannt sein, wieviel dieser (Rölli-Auktion-) Brief kosten wird. CHF 968 (CHF 800 + 21 %) sind schon eine Menge Geld, das wäre erst der Ausruf.

Man darf gespannt sein.

Herzliche Grüsse
Heinz
 
briefmarkenwirbler24 Am: 23.08.2018 14:36:15 Gelesen: 55663# 507 @  
@ Heinz 7 [#506]

Hallo Heinz,

bei der kommenden Rölli-Auktion werden ohnehin extrem viele schöne Briefe angeboten, man weiß gar nicht, wo man da anfangen soll zu bieten, :D ich persönlich habe mein Hauptaugenmerk auf einen Posten mit unterschiedlichen Sitzenden Helvetia-Frankaturen geworfen.

M.E. die beste Quelle, um auf einmal an möglichst viele Briefe ranzukommen, überflüssige lassen sich dann auch wieder prima verkaufen. Dabei sollte man dennoch immer auf die Qualität achten und nicht die Katze im Sack kaufen, aber da hat wahrscheinlich jeder eine andere Herangehensweise.

Liebe Grüße

Kevin
 
briefmarkenwirbler24 Am: 27.08.2018 19:29:56 Gelesen: 55007# 508 @  
Hallo zusammen,

heute möchte ich euch gerne zwei Belege vorstellen, die zwar in ihrer Verwendung sehr häufig sind, allerdings eine bestimmte Sache sehr schön zeigen.

Zu sehen sind zwei Trauerbriefe, die zwar in der gleichen Tarifperiode verschickt (01.09.1876 – 01.11.1884), jedoch unterschiedlich frankiert wurden.

Der erste der beiden Briefe wurde am 26.07.1878 in Rigi Klösterli aufgegeben und adressiert nach Altstetten bei Zürich. Die war bis 1934 eine eigenständige Gemeinde und bildet heute zusammen mit Albisrieden ein Quartier (Kreis 9) der Stadt Zürich. Angekommen ist der Trauerbrief bereits einen Tag später.

Beim zweiten Brief handelt es sich um einen Ortsbrief, der innerhalb Zürichs am 25.03.1881 verschickt wurde. In der Empfängerzeile lassen sich zwei Straßennamen erkennen, also war sich der Absender vermutlich nicht sicher in welcher Straße der Empfänger wohnte oder "Zeltweg" war ein bestimmtes Stadtviertel in Zürich.

Nun kommen wir zu den Frankaturen bzw. zu den Gebühren, die für die Briefe entstanden:

Einen Trauerbrief konnte man sowohl als Drucksache als auch als normalen Brief versenden.

Dabei war jedoch zu beachten, dass Drucksachen immer offen versandt werden mussten und das Couvert nur "Gedrucktes" beinhalten durfte. Drucksachen mussten immer offen verschickt werden, weil nämlich stichprobenartig kontrolliert wurde ob nicht doch "Handgeschriebenes" im Inhalt gewesen ist.

Der zweite Brief wurde, wie man an der Frankatur sehen kann, als Drucksache richtigerweise mit 2 Rappen frankiert. Hier gilt der Tarif vom 01.09.1876 bis zum 01.01.1915, nach dem sämtliche Drucksachen unabhängig von der Entfernung im Inland bis zu 50 gr mit 2 Rappen zu frankieren waren, über 50-250 gr wären 5 Rappen und über 250-500 gr 10 Rappen zu frankieren gewesen.

Der erste Brief wurde siegelseitig verschlossen, sodass man diesen auch nicht als Drucksache verschicken konnte. Demnach handelt es sich um einen einfachen Brief im Fernverkehr, der dann mit 10 Rappen zu frankieren war.

Also hat der Absender der Post quasi 8 Rappen geschenkt, denn er hätte das Couvert als Drucksache verschicken können, hätte er es nicht verschlossen. Man weiß zwar nicht was seine Absicht gewesen ist, vielleicht wollte er dem Empfänger sein Beileid lieber persönlich und handschriftlich mitteilen, jedoch rein "wirtschaftlich" gesehen, hätte er es billiger haben können.

Liebe Grüße

Kevin




 
bayern klassisch Am: 27.08.2018 20:25:07 Gelesen: 54996# 509 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#508]

Hallo Kevin,

gibt es wirklich eine Vorschrift in der Schweiz, wonach ein Brief, als handgeschrieben, dann als Drucksache gilt, wenn er in ein Trauerkuvert eingetütet wurde? Oder habe ich das falsch interpretiert?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass man an der "äußeren Verpackung" = Trauerkuvert eine andere Versendungsart (Drucksache statt Brief) festmachen konnte.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
briefmarkenwirbler24 Am: 27.08.2018 20:37:21 Gelesen: 54994# 510 @  
@ bayern klassisch [#509]

Hallo Ralph,

ich glaube du hast da etwas falsch interpretiert bzw. ich habe mich da missverständlich ausgedrückt.

Es bestand für den Absender die Möglichkeit das Trauercouvert als Drucksache oder als normalen Brief zu verschicken.

Wenn sich der Absender für die erste Variante entschied musste das Couvert Gedrucktes beinhalten und dementsprechend auch offen verschickt werden, damit die Post dies stichprobenartig überprüfen konnte.

Ich hoffe, ich habe mich nun etwas verständlicher ausgedrückt.

Liebe Grüße

Kevin
 
bayern klassisch Am: 27.08.2018 20:58:59 Gelesen: 54986# 511 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#510]

Hallo Kevin,

ja, jetzt macht das Sinn - sonst hätte wohl jeder in der Schweiz seine Briefe in ein Trauerkuvert gesteckt und sich 80% des Frankos gespart. :-)

Es gibt im Übrigen reine "Mourning - Cover" - Sammlungen, und, ob du es glaubst, oder nicht, das ist nicht der dümmste Gedanke in der großen Welt der Philatelie. Man kann nämlich aus der Klassik allerlei Länder, Frankaturen, Laufwege und Porti zeigen, ohne den eingeschlagenen Pfad zu verlassen, womit solch eine Sammlung niemals langweilig wird, wie man vlt. auf den ersten Blick meinen könnte.

So ein Dutzend dieser Trauerkuverts habe ich auch - aber für eine echte Sammlung reicht es natürlich hinten und vorne nicht.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
briefmarkenwirbler24 Am: 28.08.2018 11:40:38 Gelesen: 54837# 512 @  
@ bayern klassisch [#511]

Hallo Ralph,

ähnlich wie bei den Zierbriefsammlungen, finde ich solche Trauerbriefsammlungen sicherlich ebenfalls sehr reizvoll.

Nicht nur optisch sind sie wahrscheinlich ein Hingucker, sondern auch, wie du gesagt hast, gibt es auch hier unzählige Möglichkeiten Besonderheiten zu zeigen.

Bislang habe ich allerdings noch keine solche Sammlung gesehen, wird es wahrscheinlich auch nicht an jeder Straßenecke geben. :D

Liebe Grüße

Kevin
 
bayern klassisch Am: 28.08.2018 12:10:04 Gelesen: 54821# 513 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#512]

Hallo Kevin,

ich habe 2 bisher gesehen - sehr reizvoll und nicht zwangsweise teuer, weil man von Mauritius und Bergedorf dergleichen nicht zeigen muss (und es wohl auch keine geben wird).

Liebe Grüsse,
Ralph
 
briefmarkenwirbler24 Am: 31.08.2018 22:40:27 Gelesen: 54152# 514 @  
Guten Abend zusammen,

heute gibt´s mal wieder einen Beleg von der Sitzenden Lady, dieses mal verschlug es sie nach Österreich.

Aufgegeben wurde der Brief am 11.10.1865 in Rüti, einer Gemeinde im Kanton Zürich. Der Brief nahm dann die Route Zürich (11.10), Ulm (11.10), Augsburg, München und dann Wien (13.10.).

Kommen wir nun zur Taxierung des Briefes:

Da der Brief aus dem Jahre 1865 ist, greift hier der Tarif vom 01.11.1852 bis zum 31.08.1868. Er ist korrekt mit 40 Rappen (12 Kreuzern) frankiert, da Rüti ab dem 01.09.1859 im 1.Rayon zu ganz Deutschland/Österreich lag, sodass Schweiz hier 10 Rappen (3 Kreuzer) bekam.

Über 20 Meilen nach Österreich ergaben 9 Kreuzer, die Württemberg bekam ("9" in Rötel" als Weiterfranko), weil die Bahnpost Konstanz - Ulm als Aufgabepost im Postverein fungierte (siehe siegelseitiger Bahnpoststempel "Württemberg Fahrendes Postamt").

Vielleicht kann jemand noch Angaben zu den beiden "Wien"-Stempeln machen ?

Liebe Grüße

Kevin


 
briefmarkenwirbler24 Am: 02.09.2018 11:19:47 Gelesen: 53772# 515 @  
Guten Morgen zusammen,

heute gibt es mal wieder eine etwas seltenere Destination zu sehen (ähnlich bewertet wie Spanien), zwar keine Seltenheit, aber auch nicht an jeder Straßenecke zu finden.

Aufgegeben wurde der Brief am 22.12.1873 in Zürich und adressiert an "Monsieur Hermann Deutsch", in Helmond, Niederlande, wo der Brief am Heiligen Abend angekommen ist (wahrscheinlich ging es hier auch um Weihnachtsgrüße o.Ä.).

Zur Taxierung ist zu sagen, dass hier der Postvertrag vom 01.09.1868 zwischen der Schweiz und Holland anzusetzen ist, nach dem es ab diesem Tag eine direkte Auswechslung zwischen den beiden Ländern gab (wie auch bei Belgien, Frankreich, GB, etc), wonach der Brief korrekt mit 30 Rappen frankiert wurde.

Die Zusammensetzung der Frankatur ist etwas ungewöhnlich mit einem 5 Rappen Tübli-Couvert und einer 25 Rappen Lady, denn normalerweise wurden hier direkt 30 Rappen verklebt.

Den Brief habe ich mir damals mal auf eBay geschnappt, heute würde ich aufgrund qualitativer Gründe wahrscheinlich zwei mal überlegen selbiges nochmal zu tun, denn leider sind doch einige Altersspuren (wie Stockflecken) zu erkennen, was insbesondere bei der grünen 25 Rappen Lady öfters vorkommt (grün ist hier wahrscheinlich anfälliger als andere Farben).

Liebe Grüße

Kevin


 
briefmarkenwirbler24 Am: 21.09.2018 12:57:08 Gelesen: 51287# 516 @  
Guten Tag allerseits,

ich möchte diesen Thread mal wieder etwas aufleben lassen, indem ich euch einen hübschen Brief vorstellen werde.

Aufgegeben am 03.09.1879 um 16 Uhr in Genf und adressiert nach Basel, der Inhalt lässt darauf schließen, dass es sich um etwas Geschäftliches gehandelt haben muss.

Laut der Tarifperiode vom 01.09.1876 bis zum 01.11.1884 handelt es sich hier um einen ganz gewöhnlichen Brief im Fernverkehr bis 15 gr, wie es ihn zu Tausenden geben wird.

Warum ich mir den Beleg jedoch gekauft habe, ist wegen seines Stempels. Es handelt sich hier um den sog. "Genfer Sackstempel" (oder auch Bartstempel genannt), der unter den Schweiz-Sammlern sehr bekannt und auch beliebt ist.



Man unterscheidet im Groben zwischen zwei Typen:

Der erste ist der Sackstempel mit "PD im Sack":

"Diese Stempel von Genf gab es von 1871-1888. Der Hersteller, die Firma J.-J.Güller aus Hüttikon, fertigte diese Stempel in 3 Schritten, wobei zum Schluss 6 verschiede Stempel herauskamen, aber nur 4 (1a,2a,3a,5a) wirklich gebraucht wurden."



- Februar 1871 Zwei mit LET.EXP und einem breiten Sack 1a, 2a
- Oktober 1873 einer mit EXP.LET und mittlerem Sack 3a
- März 1875 drei mit EXP.LET und schmalem Sack 4a, 5a, 6a

Die zweite Form des Sackstempels ist mit "leerem Sack":

"Am 1. Juli 1875 tritt die neue Übereinkunft des allgemeinen Postvereins (des zukünftigen Weltpostvereins) in Kraft. Da Frankreich dieses Abkommen seit dem 1. Januar 1876 übernahm, wurde die Bezeichnung PD für bis zum Bestimmungsort bezahlte Briefschaften hinfällig. Die Post von Genf liess daher die Buchstaben PD im Stempelsack ihrer sechs Stempel ausritzen, um sie dann zur weiteren Benützung der zentralen Postsortierstelle als Abgangs- oder Transitstempel zu übergeben."



Bei meinem Brief dürfte es sich um Typ 4 des Sackstempels mit "leerem Sack" handeln.

Die Sackstempel [1] mit PD waren vom Februar 1871 bis zum 1.Januar 1876 in Gebrauch , während die Sackstempel ohne PD vom 01.07.1875 bis ca. 1888 im Gebrauch waren.

Allgemein kann man sagen, dass der Sackstempel mit PD erheblich seltener ist, als sein "Bruder", dennoch sind Belege mit einem solchen Stempeln immer wieder schön zu Betrachten.

Ich habe die Bleistiftnotierungen mal bewusst stehen lassen, vielleicht kann mir jemand sagen, um welche PF es sich hier angeblich handeln soll, weil ich konnte keine finden.

Der Brief war übrigens in einem großen Lot, also genaueres Hingucken lohnt sich oftmals. :D

Liebe Grüße

Kevin

[1] http://www.philaworld.ch/index.php/Sackstempel
 
SH-Sammler Am: 21.09.2018 15:46:55 Gelesen: 51252# 517 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#516]

Hallo Kevin,

im Zumstein Spezialkatalog sind die Plattenfehler folgendermassen aufgeführt:

Pf. 38.2.09, gespaltene Randlinien in versch. Stadien, L und R = linker Rand / rechter Rand
Pf. 38.2.10, senkrechte farblose Linien

Da die Auflösung Deines Scans zu klein ist, kann ich die 2 Plattenfehler nicht sehen.

Gruss

SH-Sammler
Hanspeter
 
briefmarkenwirbler24 Am: 22.09.2018 11:09:01 Gelesen: 51119# 518 @  
@ SH-Sammler [#517]

Hallo Hanspeter,

hier ist nochmal ein besserer Scan der Marke.

Ich sehe hier keine Plattenfehler.

Liebe Grüße

Kevin


 
SH-Sammler Am: 22.09.2018 12:32:09 Gelesen: 51098# 519 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#518]

Hallo Kevin,

ich sehe die gespaltenen Randlinien links und rechts.

Anderseits habe ich nur wiedergegeben, was unten auf dem Umschlag steht: Pf. 9 und Pf. 10. Allerdings finde ich auf Deinem zweiten Scan auch keine senkrechte farblose Linie. Vielleicht hat der Vorbesitzer aus jedem Fliegenschiss einen Plattenfehler gemacht, Wunschdenken vielleicht.

Gruss
Hanspeter
 
briefmarkenwirbler24 Am: 22.09.2018 14:00:11 Gelesen: 51087# 520 @  
@ SH-Sammler [#519]

Hallo Hanspeter,

die gespaltenen Randlinien reichen für mich jedoch nicht wirklich aus, um es tatsächlich als Plattenfehler zu bezeichnen und genauso wie Du, erkenne ich auch keine senkrechten farblosen Linien.

Nun ja, es soll Sammler geben, die sich selbst glücklich machen, indem sie jede noch so kleine Unregelmäßgkeit, die nun mal beim Druck passieren, als Plattenfehler kategorisieren.

Liebe Grüße

Kevin
 
briefmarkenwirbler24 Am: 28.09.2018 13:56:38 Gelesen: 49988# 521 @  
Hallo zusammen,

als Beifang bei einem Lot, möchte ich euch nur ganz kurz folgenden Brief vorstellen:

Aufgegeben am 11.06.1881 um 8 Uhr in Luzern und adressiert nach Roggliswyl (ca. 35 km Luftlinie).

Verklebt wurden richtigerweise 30 Rappen, 10 Rappen für einen einfachen Brief im Fernverkehr und 20 Rappen für die Einschreibe-Gebühr.

Kann mir jemand noch etwas zu dem lila Stempel "Generalagentur Helvetia Luzern" sagen?

Handelt es sich hier um irgendeinen Vereinsstempel oder dergleichen?

Liebe Grüße

Kevin


 
SH-Sammler Am: 28.09.2018 14:10:59 Gelesen: 49985# 522 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#521]

Hallo Kevin,

bei der Generalagentur Helvetia handelt es sich um eine Versicherungsgesellschaft. Sie existiert heute noch und rühmt sich für 150 Jahre gute Dienstleistungen.

Siehe auch Google, dort wirst Du fündig.

Gruss
Hanspeter
 
briefmarkenwirbler24 Am: 28.09.2018 14:11:25 Gelesen: 49985# 523 @  
Hallo zusammen,

es geht weiter mit dem nächsten Beleg.

Aufgegeben wurde die Postkarte am 05.01.1881 in Bern und man adressierte diese nach Delemont (Delsberg).

Hier gilt der Tarif für Postkarten im Inland gültig ab dem 01.10.1870, nach dem in der gesamten Schweiz 5 Rappen ausreichend gewesen sind. Nun wurde diese hier allerdings mit 20 Rappen auffrankiert. Des Rätsels Lösung liegt am Vermerk "Remboursement 20 Franken" in der rechten oberen Ecke, französisch für "Nachnahme". Wie es ja bereits mehrfach angeführt wurde, wurde bei Nachnahmen im "10 Franken" Schritt immmer 1% Provision von der Post berechnet, dabei war laut dem Tarif vom 01.08.1862 bis zum 01.11.1884 der Höchstbetrag 50 Franken und es mussten immer mindestens 10 Rappen für die Nachnahmegebühr erhoben werden. In diesem Fall frankierte der Absender 20 Rappen richtigerweise für die Nachnahme von 20 Franken, sodass ein Gesamtfranko von 25 Rappen verklebt werden musste.

An die Stempelspezialisten (Heinz), zu welcher Gruppe gehört der hier verwendete Kastenstempel von Bern und wie häufig wurde dieser verwendet?

Liebe Grüße

Kevin


 
briefmarkenwirbler24 Am: 28.09.2018 14:14:44 Gelesen: 49980# 524 @  
@ SH-Sammler [#522]

Hallo Hanspeter,

danke für die Info, hätte ich selbst drauf kommen können/müssen. :D

Liebe Grüße

Kevin
 

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