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Thema: Fehlprüfungen von BPP und VP Prüfern
Das Thema hat 215 Beiträge:
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drmoeller_neuss Am: 15.11.2016 11:43:50 Gelesen: 89149# 41 @  
@ Harald Wimmer [#35]

Um zu meiner Frage zurück zukommen: Läge hier eine Fehlprüfung vor? Oder gilt dies nur, wenn eine Fälschung als echt geprüft würde?

Um kurz zu antworten:

Ja, es liegt eine Fehlprüfung vor. Die Marke ist unter objektiven Gesichtspunkten nicht einwandfrei. Der Auftraggeber kann eine Korrektur des Kurzbefundes verlangen.

Liegt hier ein Prüferskandal vor?

Nein, der Handelswert der Marke beträgt ca. 40 EUR. Die Mängel sind für jeden zu erkennen, in sofern wird der Käufer nicht geschädigt. Es ist eine Unachtsamkeit des Prüfers, mehr nicht.
 
drmoeller_neuss Am: 15.11.2016 11:51:30 Gelesen: 89135# 42 @  
@ Lars Boettger [#40]

Es kann gut sein, dass bei dieser Ausgabe solche Mängel noch als "einwandfrei" akzeptiert werden.

Das ist ein Widerspruch in sich. Ein "Mangel" kann niemals einwandfrei sein. Die andere Frage ist, ob ein Mangel von der Sammlerschaft akzeptiert wird, oder nicht. Bei dieser Ausgabe ist das bereits grenzwertig. Es wird genügend besser erhaltene Marken geben.

Der Prüfer sollte objektiv die Faktenlage wiedergeben, und keine Marktbetrachtungen anstellen, gerade bei "billigen" Marken.

Oder ein Beispiel aus dem alltäglichen Leben: Eine Waschmaschine mit einem Lackkratzer wirst Du wahrscheinlich (mit einem kleinen Preisnachlass) akzeptieren, einen Neuwagen mit einem Kratzer nicht, obwohl beide uneingeschränkt gebrauchsfähig sind.
 
Harald Wimmer Am: 15.11.2016 12:29:18 Gelesen: 89102# 43 @  
Demnach liegt es am Sammler, ob er die Einschätzung des Prüfers teilt? Egal ob der Sammler bei einer "einwandfrei" geprüften Marke einen Mangel erkennt oder ob für ihn ein im Attest oder Befund beschriebener Mangel geringfügig ist und für den Sammler dennoch einwandfrei darstellt. Ich weiß, jeder sieht seine Marke anderes an als ein anderer Sammler. Wieder etwas dazu gelernt.

Viele Grüße

Harald Wimmer
 
Lars Boettger Am: 15.11.2016 14:22:45 Gelesen: 89011# 44 @  
@ drmoeller_neuss [#42]

Ich will mich nicht zu der Marke äussern, weil das weder mein Sammel-, noch mein Prüfgebiet ist. Der aus meiner Sicht logische Weg wäre die Befragung des Prüfers gewesen. Damit hätte man einen Irrtum des Prüfers bei der Anfertigung des Kurzbefundes ausschliessen können: Zwei gleiche Marken, zwei Kurzbefunde, Bilder verwechselt.

Ich sehe darin keinen Widerspruch. Bei manchen Ausgaben sind kleine Abstriche in der Qualität trotzdem "einwandfrei". Sonst lässt sich bei ausreichender Vergrößerung immer irgendein Haar in der Suppe finden und es ist keine Marke mehr "einwandfrei".

Beste Grüsse!

Lars
 
Kontrollratjunkie Am: 15.11.2016 15:54:40 Gelesen: 88901# 45 @  
@ drmoeller_neuss [#42]

Mich würde einmal interessieren, wer schon einmal eine gestempelte Einheit der Mi.Nr. 90 oder 91 der OPD Halle aufgetrennt hat. Die Marken wurden auf griechischen Steuermarkenpapier gedruckt, dem sog. "Zigarettenpapier".

Da treten Büge und leichte Knicke schon bei normal gelagerten postfrischen Marken auf. Ein fehlerfreies Auftrennen solcher Bogen(-teile) erfordert einiges Geschick und das wird im Postalltag der Jahre 1945 / 1946 sicher oft nicht im notwendigen Maß an den Tag gelegt worden sein.

Insofern sollte man sich zunächst mit den Gegebenheiten des Sammelgebietes befassen und dann urteilen. Eine Kontaktaufnahme mit dem Befundaussteller wäre in jedem Fall vor einer öffentlichen Anprangerung in einem Forumsthema "Fehlprüfungen von BPP und VP Prüfern" angezeigt gewesen.

Gruß
KJ
 
Detlev0405 Am: 15.11.2016 17:07:28 Gelesen: 88843# 46 @  
@ Peter Stastny [#22]

Die von Ihnen angeführten Argumente kann ich ja nachvollziehen und respektiere sie auch. Nur was spricht dagegen, eine Datenbank aufzubauen, die nur das Sammelgebiet, darin die Michel Nummer und dann entweder das Prüfzertifikat (Vor- und Rückseite) oder beim Kurzbefund denselben und die Marke mit Prüfsignum (wenn nicht auf dem Kurzbefund verewigt) veröffentlicht werden.
Damit werden die Interessen der Eigentümer der Marken immer geschützt und keine Verstöße bezüglich des Datenschutzes begangen.

Dass die Prüfer zu schützen wären könnte ich nicht nachvollziehen, ihre Prüfzertifikate sind für die Öffentlichkeit bestimmt und kursieren frei und ohne Einschränkungen. Kein einziges Zertifikat wird personalisiert ausgestellt.

Und das Argument, ich könne aus der Datenbank ersehen, was die Prüfer leisten, halte ich für realitätsfremd. Solche Ämter wie das FA wissen besser Bescheid als wir alle glauben.

Ich habe großen Respekt vor der Arbeit aller Prüfer, egal woher sie kommen.

Eine solche Datenbank würde eben vielen Sammlern die Möglichkeit eröffnen, nachzuschlagen bei Angeboten und Prüffälschungen schneller zu entlarven.

Beste Sammlergrüße

Detlev
 
drmoeller_neuss Am: 15.11.2016 17:30:32 Gelesen: 88810# 47 @  
@ Kontrollratjunkie [#45]

Die Umstände dieser Ausgabe sind mir bekannt. Ich habe nirgendwo geschrieben, "diese Marke ist ein Knochen und gehört entsorgt". Natürlich gibt es auch bessere Marken dieser Ausgabe ohne Stockflecken und ohne Knicke. Bei einer modernen Bund-Marke hätte ich in diesem Zustand zur Papiertonne geraten.

Es geht darum, was in dem Kurzbefund stehen sollte. Die kurzen Zähne, der Knick und die Stockflecken sind nun einmal da und lassen sich nicht wegdiskutieren. "Leichte Mängel" ist für den Käufer als Hinweis zu sehen, sich die Marke selbst genauer anzuschauen, ob sie seinen persönlichen Qualitätskriterien noch entspricht. Diese Entscheidung kann der Prüfer dem Käufer nicht abnehmen. So hat es der Fragesteller Harald Wimmer auch aufgefasst.

Im übrigen muss ein Prüfer damit leben und zurechtkommen, dass seine Kurzbefunde im Internet, z.B. auf ebay der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und entsprechend auch diskutiert werden.

Und ich habe nirgendwo geschrieben, dass alle Prüfungen dieses Prüfers schlecht sind. Es geht nur um diese eine Prüfung.
 
Markus Pichl Am: 16.11.2016 00:19:08 Gelesen: 88669# 48 @  
Hallo KJ,

der Kurzbefund wird doch gar nicht angeprangert, lediglich wird hinterfragt, wie man die Qualitätseinstufung "einwandfrei" zu verstehen habe.

In den "Sonderregeln für das Prüfgebiet SBZ" des BPP steht unter Punkt 4 "Qualität" geschrieben:

Viele Ausgaben dieses Prüfgebietes sind unter schwierigen Herstellungsbedingungen und mit minderwertigen Materialen der damaligen Zeit entstanden.

Im Bewertungs-Hinweis, zu Marken der Sowjetischen Zone, schreibt der Michel, im Band 2 Deutschland-Spezial 2016 auf Seite 163:

"Bedingt durch die schwierigen materiellen und technischen Umstände in der Herstellung lassen sich für Marken der Sowjetischen Zone keine einheitlichen Qualitätsstufen in Bezug Durchstich, Zähnung und Zentrierung festlegen. Entscheidend für die Qualitätseinstufung ist letztendlich die Platzierung des Prüfzeichens."

Aus beidem ergeht aber nicht, dass im Insbesonderen bei gebrauchten Exemplaren der MiNr. 90/91 Büge, leichte Knitter und/oder Zahnverkürzungen häufig vorkommen, wenn nicht sogar der Regelfall sind. Im Michel ist bei dieser Ausgabe lediglich vermerkt, dass es sich um sehr dünnes, glasiges, durchscheinendes, sogen. Zigarettenpapier handelt, welches ursprünglich für griechische Steuermarken bestimmt war.

Ein gesonderter Qualitätshinweis, wäre bei MiNr. 90/91 durchaus angebracht. Dennoch stellt sich dann die Frage, mit welchem Wortlaut dies ein Prüfer dann in einer Expertise umsetzen kann? Grundsätzlich auch bei leichten Mängeln "einwandfrei" oder "einwandfrei mit üblichen kleinen Mängeln" und gänzlich einwandfreie Stücke dann als "einwandfreier als einwandfrei"?? Vielleicht doch ganz einfach "leichte Mängel, wie üblich"?? Ist alles sehr schwierig, aber derart berechtigte Fragen, wie von Harald Wimmer gestellt, werden in Zukunft wahrscheinlich immer öfters auftauchen.

Daher bedarf es m.M. einer Nachvollziehbarkeit, wann welche Marken, auch mit sichtbar kleinen Mängeln, noch als "einwandfrei" gelten, um diesbezügliche Nachfragen zu vermeiden. Das von Lars Böttger vorgebrachte Argument: "Nur der Prüfer kann Dir seinen Maßstab für 'einwandfrei' darlegen", sollte der Steinzeit angehören. Der eine Prüfer sagt "einwandfrei" und ein anderer "leichte Mängel", dass kann es dann auch nicht sein. Legt der Prüfer den Maßstab selbst fest, dann ist dies eine subjektive Sichtweise. Gutachten müssen aber objektiv erstellt sein. Letztendlich stellt sich bei manchen Ausgaben die Frage, welcher "Muckenschiss" als Mangel gilt und welcher nicht? Vielleicht muß man auch ganz einfach Sammlern klar machen, dass es manche Ausgaben überwiegend nur "bedingt einwandfrei" gibt?

Nachstehend möchte ich erst einmal einen tarifgerecht frankierten Brief mit waager. Paar MiNr. 90 und Einzelstück MiNr. 91, geprüft Dr. Jasch BPP, zeigen.





Die Platzierung des Prüfzeichens ist ein wenig erhöht angesetzt, aufgrund leichter Papier- und Zähnungsunzulänglichkeiten der Marken (der waager. Faltbug des Kuverts fließt hier nicht in die Beurteilung ein). Ferner ist ein handschriftlicher Vermerk gesetzt: "Wz. W/X nicht bestimmbar". Dies ist schade, aber nachvollziehbar, weil man sieht ganz einfach nichts, vom dennoch bestimmt vorhandenem Wasserzeichen. Herr Dr. Jasch konnte, ich vermute einfach einmal aufgrund der Papierstruktur, die Wz.-Varianten Y oder Z ausschließen. Insgesamt sind die Marken und der Brief selbst recht gut erhalten. Nach meiner Meinung, korrekt geprüft.

Als nächstes möchte ich ein postfrisches Exemplar der MiNr. 91 mit rechtem Bogenrand zeigen.



Bei Marken mit Kammzähnung kann man einen sogen. virtuellen Viererblock erstellen, um nachzuprüfen, ob es sich um eine nachgezähnte Marke handelt.

Hierzu schneide ich den Bogenrand virtuell ab und füge die Marke im Photoshop viermal in ein leeres Bild ein und reduziere die Deckkraft von jedem Bild auf 50%. Dann schiebe ich die vier Bilder so zusammen, dass zwischen den Marken ganze Zahnlöcher entstehen. Dies gelingt bei diesem Exemplar. Die Zahnlöcher sind typisch, etwas versetzt, die Marke ist nicht nachgezähnt.





Wenn ich dies mit der hinterfragten Marke versuche, dann kommt es leider nicht überall zu vollständigen Zahnlöchern. Glücklicherweise habe ich aber noch zwei Bogen, besser gesagt als "Würfelzucker" zusammengefaltete 50er-Bogenteile gefunden (es fehlen also die Bogenränder) und mit 1200 dpi eingescannt. Bei Betrachtung von diesem Scan ist zu erkennen, dass die Zähnungsmaschine wirklich sehr unsauber gearbeitet hat und ich meine, die hinterfragte Marke könnte gemäß der Zähnung zu Bogenfeld 30 passen (werde dies noch versuchen, an Bildmerkmalen zu verifizieren).



Der Stempel ist wohl der Landpoststellenstempel I, "JERICHOW über GENTHIN a"

Lange Rede, kurzer Sinn. Prüfen ist kein Hexenwerk und beide Seiten, Sammler und Prüfer, sollten nicht den gegenseitigen Austausch scheuen, ggf. auch öffentlich in einem Forum nicht.

MfG
Markus
 
Harald Wimmer Am: 16.11.2016 12:26:50 Gelesen: 88489# 49 @  
@ Kontrollratjunkie [#45]

Ich gebe Kontrollratjunkie recht, dass die Qualität der Rohstoffe (Papier/Druckfarbe) oder auch der Verarbeitung in Notzeiten berücksichtigt werden sollte. Jedoch hat mir ein BPP-Prüfer vor Jahren gezeigt, dass sich auch solche Marken durchaus ohne Zähnungsmängel trennen lassen und ohne Knicke auf einen Briefumschlag zu kleben sind. In meiner Sammlung habe ich auch Marken aus diesen Zeiten, die aus meiner Sicht ohne Beanstandungen sind.

Nach einer vergleichbaren Marke habe ich im Internet gerade gesucht. Aus meiner Sicht hat das Stück einwandfreie Zähnung und wurde auch so signiert. Abgesehen vom durchschlagenden Erfolg des Prüfzeichens. Die in meiner Sammlung befindlichen Stücke dieser Marken mit den Signaturen Jasch oder Ströh zeigen das nicht. Aber das nur am Rande.



Meine Meinung ist nach der Diskussion, dass die Fehler benannt werden sollten und jeder Sammler selbst entscheiden kann, ob ihm der Mangel passt.

Viele Grüße

Harald Wimmer
 
Schwämmchen² Am: 16.11.2016 13:15:57 Gelesen: 88439# 50 @  
Wie kommt man auf die Idee Marken mit so durchscheinenden Papier zu signieren?

Folgende Marke ist faktisch auch noch "Einwandfrei" (mit einer der Vollständigkeit halber zu erwähnenden Beschädigung oben). Würde sicherlich bspw. bei Altdeutschland in einer Tonne landen, in China reißen sich die Sammler darum.

Denke daher eine allgemein gültige Definition von "Einwandfrei" über alles Alles ist nicht so einfach.


 
Markus Pichl Am: 16.11.2016 14:32:21 Gelesen: 88381# 51 @  
@ Schwämmchen² [#50]

Hallo Schwämmchen,

mit welcher Begründung ist die Marke aus China "noch 'Einwandfrei' (mit einer der Vollständigkeit halber zu erwähnenden Beschädigung oben)"?

Warum ist sie nicht:

1) "Oben links beschädigt, sonst einwandfrei." ?

oder

2) "Oben links beschädigt, sonst ohne weitere Mängel." ?

---

Woher kommt dieser Zwang, dass in Expertisen, wenn irgendwie möglich, das Wort "einwandfrei" auftauchen muß?

Das vorhandene Mängel in einer Expertise aufgeführt werden sollten, stimme ich mit Harald Wimmer überein.

MfG
Markus
 
Schwämmchen² Am: 16.11.2016 15:06:30 Gelesen: 88345# 52 @  
1) "Oben links beschädigt, sonst einwandfrei."

Finde ich optimale Lösung.

"Woher kommt dieser Zwang, dass in Expertisen, wenn irgendwie möglich, das Wort "einwandfrei" auftauchen muß?"

Gute Frage, sofern nur eine einzige Beeinträchtigung vorliegt, ist 1.) sicher eine gute Lösung.

Liegen mehrere Beeinträchtigung vor, würde ich "einwandfrei" vermeiden, oder im Sinn: "Es liegt keine einwandfreie Marke vor"
 
Koban Am: 16.11.2016 15:45:44 Gelesen: 88315# 53 @  
Diese Art Zähnungsbild (unregelmäßige Kerben in den Zahnspitzen) der unteren Zahnreihe kenne ich nur von Marken bei denen ein oder mehrere kurze bzw. verkürzte Zähne kaschiert werden sollen.

Gruß,
Koban

[Redaktionelle Ergänzung: Kaschieren = "so darstellen, verändern, dass eine positivere Wirkung erzielt wird, bestimmte Mängel nicht erkennbar, nicht sichtbar werden" / http://www.duden.de/rechtschreibung/kaschieren ]
 
Markus Pichl Am: 16.11.2016 17:30:33 Gelesen: 88255# 54 @  
@ Koban [#53]

Hallo Koban,

Du meinst die SBZ MiNr. 90

Dies hatte ich ja schon angemerkt, dass zumindest kein vernünftiger virtueller Viererblock mit diesem Exemplar möglich ist.

Siehe nachstehend, das sieht ein bisschen grauselig aus. Daher hatte ich es über eine Abstimmung im Bogen versucht (siehe vorletzter Beitrag von mir).



Nach dem virtuellen Viererblock ist die Zähnung bearbeitet.

Im Bogen könnte sie auf Feld 30 passen, so wirklich gefallen will es mir aber dennoch nicht.

Irgendwie sehen einige Zahnlöcher wie "geschnitzt" aus. Die Frage ist, kann man dieses dünne sogen. Zigarettenpapier derart in der Zähnung manipulieren oder könnte diese durch ein Flattern der Nadeln im Zähnungskamm entstanden sein?

Zugegeben, mit der Ausgabe beschäftige ich mich zum ersten Mal. Bei Ausgaben anderer Sammelgebiete, wäre ich mir in der Beurteilung der Zähnungslöcher sicherer. Daher habe ich nicht "nachgezähnt" geschrieben, aber in jedem Fall interessant, dass Du auch Vorbehalte hast.

MfG
Markus
 
Kontrollratjunkie Am: 17.11.2016 00:01:20 Gelesen: 88133# 55 @  
Hier ein paar Werte der Nr. 90 W aus eigener Bogentrennung. Das geschah an einem ruhigen Abend im Jahre 2016 und nicht in der Schalterhektik der

Jahre 1945/46. Eine saubere Trennung ist möglich, aber nur mit viel Sorgfalt. Und es handelt sich hier um postfrische Marken !




 
Kontrollratjunkie Am: 17.11.2016 00:09:19 Gelesen: 88130# 56 @  
@ Markus Pichl [#48]

der Kurzbefund wird doch gar nicht angeprangert, lediglich wird hinterfragt, wie man die Qualitätseinstufung "einwandfrei" zu verstehen habe.

Nicht ?


drmoeller_neuss

Um zu meiner Frage zurück zukommen: Läge hier eine Fehlprüfung vor? Oder gilt dies nur, wenn eine Fälschung als echt geprüft würde?

Um kurz zu antworten:

Ja, es liegt eine Fehlprüfung vor. Die Marke ist unter objektiven Gesichtspunkten nicht einwandfrei. Der Auftraggeber kann eine Korrektur des Kurzbefundes verlangen.


Da nützen auch Deine wortreichen und reichlich bebilderten Beiträge nichts. Aber das nur nebenbei.
 
Markus Pichl Am: 17.11.2016 00:51:29 Gelesen: 88112# 57 @  
@ Kontrollratjunkie [#56]

Hallo KJ,

es ist halt mitterweile nicht nur mehr eine Frage der Qualitätseinstufung "einwandfrei" oder "leichte Mängel".

Jetzt ist auch noch die Frage nach "manipuliert" (nachgezähnt) hinzugekommen und dann handelt es sich in jedem Fall um eine Fehlprüfung - wenn dem so ist und danach sieht es aus. Die schiefen und zu tief liegenden Zahnlöcher entstehen nicht durch das Trennen von einer anderen Marke.

Wichtig ist es, Wissen unter die Sammler zu bringen. Kann mir vorstellen, dass viele der letzten Beiträge dazu hilfreich sind.

Unter Anprangern verstehe ich etwas vollständig anderes. Jedenfalls ist eine Diskussion über philatelistische Sachverhalte, ggf. an einer geprüften Marke, kein Anprangern.

MfG
Markus
 
drmoeller_neuss Am: 17.11.2016 07:58:06 Gelesen: 88048# 58 @  
@ Kontrollratjunkie [#56]

Nochmals: Die Marke hat Mängel. Diese werden von jedem Sammler anders bewertet. Bei herstellungsbedingten Mängeln kann man noch diskutieren, was "einwandfrei" bedeutet. Darunter fallen Gummibüge einiger Nachkriegsausgaben oder auch die modernen Aufdruckmarken in Thailand, die bereits mit Stockflecken am Schalter verkauft wurden. Hier sollte man aber auch ehrlich von "herstellungsbedingten Mängeln" sprechen. Einwandfrei sind diese Marken deswegen noch lange nicht, genauso wie B-Ware, bei der die ganze Serie bereits ab Fabrik die gleichen Mängel hat.

Hier sind die Mängel aber nicht herstellungsbedingt, schliesslich gibt es genügend einwandfreie Marken, die über den Schalter gegangen sind. Es kann niemand sagen, wann der Knick entstanden ist. Vielleicht war die Packkraft in der Druckerei durch kriegsbedingte Mangelernährung entkräftigt, und hat den Bogen beim Einlegen in die Bogentasche umknickt. Vielleicht war aber nur Jahrzehnte später ein Sammler auf einem Tauschtag beim Umblättern des Lagerbuches unaufmerksam.

Wenn ich Dir diese Marke als "SBZ 90 Z gestempelt - einwandfrei" (steht ja so im Kurzbefund) verkaufen würde, würdest Du dann die Marke reklamieren?

Ich gehe nicht soweit wie Markus Pichl und verlange vom Prüfer eine Festlegung, ob die Zähnung manipuliert oder nur schlecht abgerissen wurde, oder der Stempel wirklich aus "Jerichow" stammt. Das gibt die Prüfgebühr nicht her. Aber in der heutigen Computerzeit sollte es doch in ein paar Sekunden machbar sein, ein paar Auswahlfelder anzukreuzen, "leichte Stockflecken", "Bug", "kurze Zähne".
 
Markus Pichl Am: 17.11.2016 11:00:23 Gelesen: 87975# 59 @  
@ drmoeller_neuss [#58]

Bitte meine Beiträge genau lesen und keine spekulativen Eigeninterpretation hier hinein bringen.

Der Prüfer kann in diesem Fall den Stempel nur als "echt" geben, wenn er weiß, von welchem Stempelgerät er stammt und ihn dadurch auf eine zeitgerechte Entwertung hin prüfen. Der Teilabschlag ist ausreichend, um ihn einem bestimmten Stempelgerät zuzuordnen, dann anhand von der Stempelfarbe zu überprüfen. Selbstverständlich muß sich ein Prüfer festlegen können, ob es sich um eine mangelhafte oder sogar um eine manipulierte Zähnung handelt. Wenn ein Prüfer dies nicht kann, dann sollte er für die jeweilige Ausgabe keine Prüfungen vornehmen.

Welcher Meinung ich bin, von welchem Stempelgerät der Abschlag stammt, habe ich hier zum Ausdruck gebracht.

MfG
Markus
 
Markus Pichl Am: 17.11.2016 11:58:17 Gelesen: 87934# 60 @  
Hallo,

der Teilabschlag auf der diskutierten MiNr. 90 zeigt die Buchstaben "ERICHO" und ein Datum aus Oktober 1946.

Es kommt mit dieser Buchstabenkombination in ganz Deutschland kein anderer Ort als JERICHOW in Frage und dort gab es den Stempel mit dem Unterbuchstaben "a". Insofern sollte es auch kein Problem sein, das Stempelgerät im Kurzbefund aufzuführen.

Nachstehend ein Vergleichsabschlag "JERICHOW über GENTHIN a 11.10.46" auf einem Brief (Bildquelle: Anbieter "Zs_belege" auf delcampe.de). In das Bild habe ich die diskutierte Marke eingebunden.



Vor allem bei modernen Sammelgebieten, insbesondere dann, wenn Marken in gebrauchter Erhaltung viel teurer als in ungebrauchter sind, ist es wichtig, dass man als Prüfer eine rückdatierte Entwertung ausschließen kann, in dem man anhand unzweifelhaft echten und zeitgerecht angebrachten Abschlägen auf Belegen überprüft und eine zeitgerechte Entwertung, über Stempelfarbe und Stempelzustand, mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit annehmen kann.

MfG
Markus
 
Harald Wimmer Am: 17.11.2016 13:01:34 Gelesen: 87902# 61 @  
Eine Frage zur Erhaltung einer Marke. Stellt ein Falz oder Falzrest einen Mangel im Sinne von nicht einwandfrei dar?


 
WUArtist Am: 17.11.2016 13:29:49 Gelesen: 87870# 62 @  
@ Harald Wimmer [#61]

Dieser Prüfer scheint uns noch viel Freude zu bereiten.

Ich bin zwar kein Experte, aber warum er den Erstfalz (der auch ein Falzrest sein könnte) nicht dem Vordruck "ungebraucht" und statt dessen die fehlerhafte Zähnung, die von ihm ignoriert wird, den "leichten Mängeln" zuordnet, ist mir schleierhaft.

Gruß
WUArtist
 
drmoeller_neuss Am: 17.11.2016 13:45:08 Gelesen: 87852# 63 @  
@ Harald Wimmer [#61]

Ein Falzrest ist eine Abweichung vom ursprünglichen postfrischen Zustand und stellt daher ein Mangel da. Die kurzen Zähne aber auch. Scheinbar ist da Herr Schulz sehr großzügig.

Was der Sammler mit diesen Informationen macht, ist alleine Entscheidung des Sammlers. Ich persönlich halte solche Marken mit Falz für sammelwürdig, und sehe den Vorteil, nicht so viel Geld wie für postfrische Erhaltung investieren zu müssen. Ich kenne aber auch Sammler, die fordern schon von Altdeutschland Versandstellenqualität.
 
Markus Pichl Am: 17.11.2016 14:12:34 Gelesen: 87829# 64 @  
@ Harald Wimmer [#61]

Durch Anbringen eines Falz, befindet sich die Gummierung nicht mehr im Originalzustand und die Gummierung kann insofern als mangelhaft beurteilt werden.

In der BPP-Prüfordnung wird der Sachverhalt unglücklich ausgedrückt, siehe dort unter Punkt 6.5:

Beschädigte, reparierte oder verschönte Prüfgegenstände und ungebrauchte ohne oder mit verändertem Gummi erhalten das Prüfzeichen, je nach Grad des Mangels, höhergesetzt

Ein höher gesetztes Prüfzeichen steht letztendlich für einen Mangel.

---

Nach meiner Meinung unterliegt der BPP, als Prüferbund, grundsätzlich einem Irrglauben, da er "ungebraucht" mit mangelhaft gleichsetzt:

Postfrisch ist keine Erhaltung sondern ein Qualitätsprädikat für eine qualitativ tadellos ungebrauchte Marke.

Grundsätzlich kann man nur nach ungebrauchten oder gebrauchten Marken einteilen.

Ungebraucht mit voller Originalgummierung ohne Falz.
Ungebraucht mit Originalgummierung und Falz.
Ungebraucht ohne Gummierung, wie verausgabt.

Gebraucht (lose oder auf Briefstück/Brief), Entwertung durch Poststempel.
Gebraucht (lose oder auf Briefstück/Brief), Entwertung durch postamtlichen Federzug.
etc. etc.

Bei ungebrauchten Marken, die ohne Gummierung verausgabt wurden, ist z.B. ein Nachweisbar über die UV-Raktion des Papiers führbar, ob diese schon einmal mit Wasser in Berührung kamen oder nicht. Auch solchen, wenn sie sich in ursprünglicher, verausgabter Qualität befinden, kann das Prädikat "postfrisch" vergeben werden.

Bei Marken mit Fremdgummierung oder Marken ohne Gummierung, die ursprünglich mit Gummierung verausgabt wurden, ist in der Regel kein sicherer Nachweis führbar, ob es sich um eine gebrauchte Marke, die unentwertet blieb, oder um eine ungebrauchte, die aufgrund unwidriger Umstände ihre originale Gummierung verloren hat, handelt.

Das Wort "postfrisch" wurde einst in den Handel eingeschleust, um Marken mit Originalgummierung ohne Falz einen besonderen Status zu geben und zu höheren Preisen verkaufen zu können. Nicht mehr und nicht weniger.

---

Bezüglich der hinterfragten Marke mit sogen. Spargummierung:

Die Marke hat oben ohnehin keine fehlerfreie Zähnung und somit ist "leichte Mängel" die korrekte Beurteilung.

Folgt man der BPP-Prüfordnung, dann gehört "- Erstfalz -" hinter das Wort ungebraucht.

MfG
Markus
 
Meinhard Am: 17.11.2016 16:19:55 Gelesen: 87763# 65 @  
Auch von mir einen Kurzbefund zur Diskussion.

Nachstehend 2 Marken von Marienwerder, Ausgabe 1920, Zähnung: L 111/2.

Linke Marke: 14a in ultramarin (Kurzbefund)- Michel 2014 für ** 200,00 und
Rechte Marke: 14b in dunkelblau - Michel 2014 für ** 110,00.
Die Michel Preise deshalb, dass man auch einen Bezug zu den Marken hat.

Bei der 14a ist unten mittig ein "kurzer" Zahn. Zum Vergleichen die 14b mit rechtem Seitenrand, wegen der Zähnung.

Welche Meinungen gibt es jetzt dazu ?

a) Fehlprüfung
b) kurzer Zahn nicht relevant (Ausgabentypisch)
c) postfrisch (sollte jetzt dann auch ungebraucht mit Originalgummi sein ?)

Werde noch einige zur Diskussion einstellen - dazu später mehr.

Schöne Grüße, Meinhard


 

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