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Thema: Tschechoslowakei Luftpost 1919 bis 1938
Das Thema hat 292 Beiträge:
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Detlev0405 Am: 09.02.2020 13:01:39 Gelesen: 57172# 168 @  
Unser heutiger Brief kommt sehr attraktiv daher – frankiert mit der 2. Luftpostausgabe MiNr. 199-201 und dem Luftpostaufkleber Prag – London (Horka Nr. NP1c siehe Seite 181) - auf dem Weg nach London. Ich habe ihn Zuckmantel Brief getauft, da eine Zuordnung zu einer Destination nicht möglich ist.

Aber wehe ich gebe den Brief dem Prüfer, der rennt mit Freuden sofort zu seinem Schrank mit den Stempeln und holt den größten und dicksten Falschstempel heraus und würde ihn bestimmt gern quer über die Vorderseite platzieren. Und das schon wegen der Dreistigkeit des Produzenten dieses Briefes.

Was ist geschehen ?



Zum Ersten – die 2. Luftpostausgabe war nur bis zum 31.03.1931 frankaturgültig. Das es sich hier um einen „Durchschlüpfer“ handeln könnte, ist eineinhalb Jahre nach Ungültigkeit eher unwahrscheinlich. Die tschechoslowakischen Postbeamten waren in der Regel sehr korrekt.

Zum Zweiten – der Luftpostaufkleber von 1920 Prag – London hätte zwar verklebt werden können, aber nur bei gleichzeitiger Verwendung des seit 1930 (gemäß Horka, es gibt auch Quellen die sagen 1928) erschienenen neuen blauen Luftpostaufklebers. Dieser war für Luftpostsendungen zwingend vorgegeben. Der Aufkleber von 1920 allein hätte durchkreuzt werden und der Brief auf dem Landweg befördert werden müssen.

Zum Dritten – Teplitze verfügte über keinen Flugplatz. Demzufolge hätte der Brief nach Prag auf dem Landweg befördert werden müssen, um dort auf dem Flughafen in Prag 82 oder 7 für den Flug nach London bearbeitet werden zu können. Es findet sich aber kein entsprechender Bearbeitungsvermerk (Stempel) auf dem Brief.

Eine zweite Möglichkeit wäre der Weg per Bahn nach Dresden oder Berlin gewesen, aber auch hier hätten diese Flughäfen einen Transit bzw. Bearbeitungsstempel für Flugpost am Brief angebracht (Beispiele liegen mir vor).

Zum Vierten – der Stempel Zuckmantel.BHM ** Cukmantl v. Cechach C.S.P. Buchstabe a existiert zwar [2], ist aber eindeutig nachverwendet worden. Sein Einsatz war im Zeitraum 1920 – 1927 regelkonform. Er ist in diesem Fall eindeutig zu Fälschungszwecken eines ganzen Beleges verwendet worden.

Das Einzige was an diesem Brief stimmt ist das Porto. Für einen Auslandsbrief 2,50 Kc und für die Luftpostbeförderung ab 05.06.1930 1,50 Kc.

Ich bedanke mich bei dem Sammler, der mir nach Aufklärung über den Sachverhalt den Brief zur Veröffentlichung überlassen hat, um ihn hier vorzustellen. Ich bedanke mich ebenfalls bei Rudi63, der mir konsultativ für diesen Beleg zur Verfügung stand. Es ist sicherlich eine große Ausnahme, eine solch umfangreiche Fälschung eines Luftpostbriefes der 2. Luftpostausgabe zu finden.

Gruß
Detlev

[1] Monografie der tschechoslowakischen Marken Band 14, Seite 310 , Nummer 2789
[2] ebenda Band 17, Teil I , Seite 140 Nummer 255 Ziffer 1
 
Detlev0405 Am: 16.02.2020 07:28:11 Gelesen: 56726# 169 @  
Post aus der Schweiz hatten wir schon – und doch gibt es immer wieder etwas neues dabei zu entdecken.



Unser heutiger Brief kommt aus Rorschach, einer Stadt im Kanton St. Gallen gelegen am Bodensee.Normaler Weise hätte der Brief nach Zürich gehen müssen, um mit der CLS von Zürich nach Prag befördert zu werden. Seit dem 15.05.1935 gab es diese Direktverbindung auf dem Weg nach Marseille. Aufgegeben in Rorschach am 11.06.37 um 13 Uhr hätte der Brief in Zürich am 12.06. um 13 Uhr mit dem Flieger nach Prag befördert werden können, um dort gegen 15.50 Uhr einzutreffen. [1]



Unser Brief wurde aber nach Basel geschickt, um dort per Bahnpost auf die Strecke Basel – Luxemburg gebracht zu werden. Das zeigt der Bahnpoststempel des Zuges 2 oder 29 der Strecke. Und auf der Strecke liegt Straßburg – Flughafen der Air France auf dem Weg nach Prag. Laut Bestätigungsstempel in Straßburg ging der Brief um 23 Uhr ein. Somit konnte er in Straßburg den Flieger um 09 Uhr nach Prag erreichen, wo er dann um 11.40 Uhr eintraf. [2] Der Stempel vom Flughafen Prag 82 um 12 Uhr bestätigt die Nutzung dieser Verbindung. Also rund 4 Stunden vor dem Direktflug Zürich – Prag. Respekt den Schweizer Beamten, die diese Zeitersparnis trotz Umweges erkannt haben.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3704/cls374-4.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/af/af37p/af37p-06.jpg
 
wuerttemberger Am: 16.02.2020 20:12:56 Gelesen: 56678# 170 @  
Hallo Detlev,

ich lese immer noch mit voller Begeisterung mit. Mach weiter so!

Gruß

wuerttemberger
 
Detlev0405 Am: 23.02.2020 09:54:55 Gelesen: 56372# 171 @  
Heute habe ich einen Brief aus Istanbul. Obwohl der erste Flug der CFRNA , Vorgänger der CIDNA , bereits am 22.09.1922 statt fand, ist Post aus der Türkei in der Zeit bis 1939 etwas rar vorhanden. Kein Wunder, auch der Erstflug fand nur eine Resonanz mit zwei Briefen.



Unser Brief muss am 11.06.1935 in Istanbul aufgegeben worden sein. Der Stempel ist leider sehr schlecht zu entziffern. Der Flug ging mit der CSL jeweils Mittwoch und Freitag jede Woche von Istanbul ab. Der 12.06. war ein Mittwoch. Um 04 Uhr in der Früh startete der Flug in Richtung Bukarest, wo er 07.15 Uhr eintraf, um von dort 07.30 Uhr nach Belgrad zu fliegen. Dort um 08.50 Uhr angekommen, ging es weiter nach Budapest um 09 Uhr, wo der Flug um 10.40 Uhr eintraf. Hier war nur ein kurzer Aufenthalt, um gegen 10.50 Uhr nach Wien weiter zufliegen. Punkt 12 Uhr zum Mittag war der Brief in Wien, ehe er 12.30 Uhr nach Prag weiter flog. Letztendlich war er um 13.55 Uhr in Prag eingetroffen. [1] Das entspricht auch dem Ankunftsstempel auf der Vorderseite vom Prager Flughafen um 15 Uhr (oder 16 Uhr ?).

Leider sind die Stempel auf der Rückseite nicht leserlich, so das die Weiterbeförderung nach Brno nicht nachvollzogen werden kann.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3504/cls354-4.jpg
 
Detlev0405 Am: 01.03.2020 09:05:36 Gelesen: 55984# 172 @  
Manchmal muss man viel Glück haben, der Zufall spielt auch eine Rolle und die Zeit. Meine heutigen Ausführungen schließen sich nahtlos an den Beitrag [#129] an. Ich hatte da schon meine Bedenken zur Farbe schwarz des CIDNA Stempels geäußert, heute kann ich es beweisen.



Mein heutiger Brief geht wieder von Prag nach Paris und wurde im Büro der CIDNA aufgegeben. Das dokumentiert vor allem der Stempel vom Postamt 25. Dort wurde die Post vom Büro der CIDNA generell aufgegeben.

Beschäftigen wir uns als Erstes mit dem Aufgabedatum des Briefes – 25.11.1928 – scheint es dringend geraten, in die gültigen Flugpläne zu schauen. So finde ich im Flugplan 1927 (1928 ist nicht verfügbar) den Vermerk, das die Fluglinie am 15.November pausierte. [1] Mehr Auskunft liefert uns unser Horka auf Seite 70 in Tabelle 21. Daraus ist ersichtlich, das in diesem Jahr der Flugbetrieb durchgehend bis zum 31.05.1930 gewährleistet wurde. Bleibt die Möglichkeit noch in den Wetterdaten des Jahres zu suchen, aber das ändert nichts an der Tatsache, das der Brief auf dem Landweg befördert wurde. Der Stempel von Paris Gare du Nord am 01.12.1928 ist neben der Laufzeit ein deutliches Indiz dafür.

Das verklebte Porto von 2,50 Kc ist für die Zeit korrekt, auch für einen Luftpostbrief nach Paris durch die CIDNA – vergleiche Beitrag [#129].

Wichtig für jede weitere Betrachtung ist die Tatsache, ob der Tagesstempel auf dem CIDNA Stempel sitzt oder der CIDNA Stempel auf dem Tagesstempel. Sowohl auf dem ersten Blick als auch bei entsprechender Vergrößerung vertrete ich den Standpunkt, das der Tagesstempel auf dem CIDNA Stempel sitzt.



Setzen wir nun beide Stempel die schwarz sein sollen nebeneinander, können wir zweifelsfrei erkennen, das die Karte von Beitrag [#129] einen violetten , keinen schwarzen Stempel trägt. Auf unserem heutigen Beleg handelt es sich um den Metallstempel gemäß Horka Seite 184 Nummer RV4. Der violette Stempel ist der Gummistempel nach Horka Seite 184 Nummer RV3.

Fazit unserer heutigen Betrachtung – es gibt nicht nur die zwei Farben schwarz und rot, wie bei Horka beschrieben. Es gibt auch noch eine dritte Farbe violett als Neuentdeckung.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 09.03.2020 07:37:20 Gelesen: 55659# 173 @  
Der heutige Brief hat nichts mit der Luftpost als solches zu tun und trotzdem ist er ein Dokument der Grundlagen der Tschechoslowakischen Luftpost.



Es ist ein Geschäftsbrief der Flugzeugwerke in Zlin - Zlínská letecka A.S. . Es ist wohl ein glücklicher Umstand, das er auch gleichzeitig einen Freistempler der Bata Zlin trägt. Aufgegeben am 25.11.1936.

Es war Jan Antonin Bata, der am 18.04.1934 diese Firma gründete. Sein Vermögen aus der Schuhproduktion, der Bata A.S. , ermöglichte es ihm auch, seiner Liebe zum Flugwesen mit einer solchen Firma Nachdruck zu verleihen. [1]

Seine Flugzeugwerke konzentrierten sich auf die Produktion von Sportflugzeugen einmotorigen Typs, die auch als Mehrsitzer konzipiert wurden. Ab dem 01.11.1934 wurde die Flugzeugproduktion nach Otrokovice verlagert. [2] Die Erfolgsgeschichte der Zlin Sportflugzeuge hielt mit Unterbrechungen bis zum Jahre 1990 an. Ab dem Jahr 1936 versuchte sich die Firma auch in der Hubschrauber Technik (Avro 671), was jedoch nie zur Serienreife geführt wurde.

Gruß
Detlev

[1] http://www.vrtulnik.cz/zlin.htm
[2] http://www.vrtulnik.cz/ww2/protektorat-otrokovice.htm
 
Detlev0405 Am: 16.03.2020 08:19:49 Gelesen: 55392# 174 @  
Heute bin ich Dank des Erwerbs eines kleinen Nachlasses in der Lage, das Original zum Beitrag [#208] zu zeigen.



Es handelt sich um den Erstflug auf der Strecke Marienbad – Prag vom 04.07.1927. Und diesmal geht es wirklich nach Prag mit entsprechendem Bestätigungsstempel. Leider habe ich keinen Flugplan der CSA von 1927, aber auch der Blick in den Plan von 1928 zeigt als Orientierung, wie die Strecke bedient wurde. Auf der Strecke flog die CSA bereits 1928 zweimal täglich. [1]

Der Flughafenstempel ist nach Horka ein R2 157c , ab 1927 im Einsatz bis 1929. Auch der rote Kastenstempel ist ein Abfertigungsstempel von Prag, Horka RV2a .

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/ok/ok2803/ok28-02.jpg
 
Detlev0405 Am: 23.03.2020 08:43:17 Gelesen: 55180# 175 @  
Heute begegnet uns eine der wohl seltensten Destinationen aus den Anfängen der tschechoslowakischen Luftpost. Es handelt sich um eine Karte, die von Prag nach Yokohama geschickt wurde und das im Jahre 1927. Da die Karte einen Wasserschaden hat, verzichte ich ausnahmsweise auf das Zeigen der Bildseite.





Doch bevor wir uns der Karte und ihrem Weg widmen, folgen wir dem Hinweis von saintex ( Wolfgang ) aus dem Beitrag [#160] – die handelnden Personen beachten. Der Adressat ist nicht so aufregend, es handelt sich um den Konsul der japanischen Botschaft in Yokohama (Tokio).

Viel interessanter ist der Absender, es handelt sich um Jan Juzek. Besser bekannt ist er als John Juzek, ein genialer und international anerkannten Instrumentenbauer. Seinen Ruf begründete er und seine Familie ab 1900 bis in die 1920er Jahre in den USA und da speziell mit Lieferungen nach New York für das Sinfonieorchester. [1]

Die Firma Kleinhampel war eine renommierte Großhandelsfirma in der Zeit und wurde von Jan Juzek für seinen Handel genutzt.

Es war Jan Juzek wohl sehr wichtig, das seine Karte Yokohama erreicht, sonst hätte er sie nicht per Einschreiben versandt. Frankiert wurde die Karte mit der Mi. Nr.200 und der Mi. Nr.227 , also 6 Kc Porto. Das Porto betrug ab 01.01.1922 1,50 Kc für Karten + 2,50 Kc Einschreibgebühr. Die Luftpostgebühr betrug nach Japan ab dem 01.05.1927 für die Karte 2 Kc. Also korrekt frankiert.



Am 02.05.1927 wurde die Karte am Flughafen Prag aufgegeben. Das bezeugt sowohl der Tagesstempel vom Flughafen mit dem Kennbuchstaben b (Horka R2 Nr. 157b), der rote Achteck Stempel um 11 Uhr (Horka R2 nr.157db – nur im Einsatz 1926–1929) und der rote Abfertigungsstempel für Luftpost (Horka RV2a).



Um 10.45 Uhr flog die Karte mit der DLH ab in Richtung Berlin, um dort um 13.50 Uhr einzutreffen. [2] Das bezeugt auch der Ankunftsstempel von Berlin um 14.00 Uhr. Auch der Luftpostbestätigungsstempel von Berlin C 2.



Von Berlin konnte es sowohl am 03. als auch am 04.05. weiter gehen, um am 05.05.1927 in Moskau einzutreffen. Die DLH beflog ab 03 Uhr die Strecke über Danzig – Königsberg – Kowno – Smolensk um gegen 18.10 Uhr am gleichen Tag in Moskau anzukommen. [3]

Von Moskau aus ging es mit der Bahn auf der Transsibirischen Eisenbahn weiter. Und hier war es notwendig, einen Spezialisten für Post via Sibirien zu befragen. So habe ich mich an „ligneN“ aus unserem Forum gewandt mit der Bitte, mir behilflich zu sein.

Es gab drei Möglichkeiten des Transfers:

1. Der direkte Weg mit der Bahn bis Wladiwostok und von dort aus mit dem Schiff nach Tsuruga an der Westküste Japans. Von dort aus mit der Bahn nach Yokohama.
2. Der zweite Weg führt über China von Tschita – Mandzurija – Harbin – Mukden – Dairen ( heute Dalian ) und von dort aus auf dem Seeweg nach Japan.
3. Der dritte Weg ging von Mukden über Pusan ( Korea ) nach Japan

Die japanischen staatlich subventionierten Postdampferlinien bedienten diese Strecke ununterbrochen von 1926 bis 1942 auf der Hauptstrecke nach Wladiwostok.

Es hing immer davon ab, mit welchem Schiffsanschluss man in Wladiwostok, Dairen oder Pusan mit der schnellsten Weiterbeförderung rechnen konnte.

Die Tendenz kann man an der Häufigkeit der Postschiffsverbindungen ablesen:

1. Tsuruga-Wladiwostok und zurück 1x wöchentlich;
2. Dairen-Japan täglich;
3. Pusan-Japan 2x täglich, morgens und abends.

Route 3 wurde entsprechend als hauptsächliche Postaustauschroute Japan-UdSSR bzw. Sibirientransit im Juli 1927 festgelegt.



Die angebrachten japanischen Schriftzeichen sowohl in Rot als auch in Schwarz betreffen die Transkription der lateinischen Anschrift des Adressaten in die Landessprache.



Der Tagesstempel vom 29.05.1927 bestätigt die Ankunft der Karte in Japan, einen Ort kann man im Stempel nicht ableiten. So kam die Karte nach einer Laufzeit von 27 Tagen am Bestimmungsort an.

Ich möchte mich ausdrücklich bei „LigneN“ bedanken, der mir alle Angaben ab der Transsibirischen Eisenbahn zur Verfügung gestellt hat.

Gruß
Detlev

[1] https://en.wikipedia.org/wiki/John_Juzek
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/dlh27/dlh27-14.jpg
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/dlh27/dlh27-11.jpg
 
Detlev0405 Am: 30.03.2020 18:14:40 Gelesen: 54853# 176 @  
Post nach Wien von Prag aus gehört bereits zu den Anfängen der tschechoslowakischen Luftpost, auch wenn sie am Anfang von der CFRNA/CIDNA ausgeführt wurde. So stammt die erste Verbindung bereits aus dem Jahr 1922.



So ist es auch nichts besonderes, wenn 1927 eine Karte aus Prag auf Reisen geht nach Wien. Zumal seit März 1927 die CLS zusammen mit der DLH und der ÖELAG (österreichische Luftfahrtgesellschaft) die Strecke Berlin – Prag – Wien betrieben. Interessant wird es dann, wenn wir einen Anschlussflug nach Innsbruck dokumentieren können.

Unsere heutige Karte ging am 28.06.1927 von Prag (ab 16.20 Uhr) in Richtung Wien (an 18.20 Uhr) auf Reisen. [1] Das bestätigt auch der Ankunftsstempel in Wien um 20 Uhr.

Am 29.06. um 14 Uhr wurde die Karte in Wien abgefertigt für den Weiterflug nach Innsbruck, wo sie dann um 18.20 Uhr ankam. [2] Bestätigt durch den Ankunftsstempel um 19 Uhr in Innsbruck. Durchgeführt wurde der Flug auf der Teilstrecke von der Österreichischen Luftverkehrs AG Wien.



Auch der zweite Beleg zu diesem Thema besticht nur durch seinen Zielort. Am 30.08.1935 in Usti nad Labem aufgegeben, wird die Karte auf dem Landweg nach Prag befördert. Dort erfolgt am 31.08. die Bearbeitung als Luftpost gegen 8 Uhr, wie der Stempel beweist. Über Wien erreichte die Karte am gleichen Tag gegen 18 Uhr den Flugplatz in Salzburg. Wirklich über Wien ? Nein der Anschlussflug von Wien nach Salzburg geht jeden Tag früh um 9 Uhr. Die DLH gibt uns eine Alternative – aber über München. Um 09.15 Uhr ging der Flug von Prag nach München, wo er um 11.10 Uhr eintraf. Von dort aus geht jeden Tag ein Flug um 15.25 Uhr nach Salzburg. Dort trifft er dann gegen 16 Uhr ein. [3]

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/dlh27/dlh27-14.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/dlh27/dlh27-29.jpg
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/dlh35/dlh35-8.jpg
 
Detlev0405 Am: 06.04.2020 18:57:36 Gelesen: 54544# 177 @  
Ab Mai 1937 bediente die CSA zusammen mit der Ala Littoria, einer italienischen Luftfahrtgesellschaft, eine neue Linie in den sonnigen Süden. Es ging nach Venedig und im Mai 1938 wurde die gemeinsame Strecke bis Rom verlängert. Der Beitrag schließt an den Beitrag [#88] an, wo der Erstflug vorgestellt wurde.



Unser heutiger Brief kommt aus Pola (heute Pula), damals in italienischem Bestand und Sitz der Bezirkshauptmannschaft im gleichnamigen Bezirk Istriens. [1] Heute ist es ein Teil Kroatiens.

Am 25.08.1938 aufgegeben, wurde er auf dem Landweg nach Triest befördert. Dort konnte er dann am Flughafen auf den Weg nach Prag gebracht werden. Um 14.15 Uhr ging der direkte Flug ab über Klagenfurt und Bratislava, um in Prag um 18 Uhr einzutreffen. [2]

Auffallend und sehr attraktiv ist der Vordruckbrief der Luftfahrtgesellschaft Ala Littoria.



Der zweite Brief war ein Jahr früher auf der gleichen Strecke befördert worden Triest – Prag. Und doch ganz anders. Etwa 50 km von Triest entfernt, wurde der Brief in Grado am 13.08.1937 aufgegeben und auf dem Landweg nach Triest befördert. In Triest nahm die DLH die Beförderung auf. Der 14.08. war ein Samstag und somit ein Flugtag der Gesellschaft. Um 14.15 Uhr ab Triest ging es über Klagenfurt 15 Uhr, Graz 15.45 Uhr nach Wien an 16.30 Uhr. In Wien (ab 17.20 Uhr) wurde der Brief nach Prag (an 18.35 Uhr) befördert. [3] Das bestätigt auch der Ankunftstempel in Prag um 19 Uhr.

Gruß
Detlev

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Bezirk_Pola
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/ala38/ala38-14.jpg
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/dlh37/dlh37-17.jpg
 
Detlev0405 Am: 13.04.2020 05:42:41 Gelesen: 54275# 178 @  
Wer ein gutes Gedächtnis hat erinnert sich – den Firmenbrief von der CLS hatten wir schon. Richtig im Beitrag [#128] hatte ich ihn schon vorgestellt. Nur der heutige Anlass ist ein trauriger in der Geschichte der tschechoslowakischen Luftpost.



Im März 1939 besetzte Deutschland die gesamte Tschechoslowakei. Folgerichtig wurden auch die Firmen der Wirtschaft von deutschen Firmen übernommen. Die CSA und die CLS machten dabei keine Ausnahme. Hier war jedoch nicht in erster Linie die Flugtechnik Ziel der Übernahme, sondern die gesamte Logistik. Die Flugplätze aller Art auf dem Territorium der Tschechoslowakei und die Vertragsverbindungen speziell in Europa.

Deshalb ist unser heutiger Brief vom 23.05.1939 von der CLS als ein Brief der Abwicklung der Gesellschaft anzusehen. Im April 1939 wurden beide Gesellschaften von der Lufthansa geschlossen und abgewickelt. Frankiert wurde der Brief mit der Mi.Nr. 349 +400 der Tschechoslowakei und war somit ein Vorläufer aus der Periode vom 15.03. - 14.07.1939. Und einer der letzten regulär verwendeten Briefumschläge der CLS.

Gruß
Detlev
 
SH-Sammler Am: 16.04.2020 06:17:49 Gelesen: 54121# 179 @  
@ Detlev0405 [#57]

Hallo Detlev,

ich habe zum wiederholten Male Deine Briefe angeschaut und die Erklärungen dazu gelesen. Ich bin wieder und wieder erstaunt über Dein Wissen sowie Deine Fähigkeiten, die Flugrouten und Transportgesellschaften bestimmen zu können.

Ich selbst bin nicht auf Flugbelege spezialisiert, habe jedoch in meiner Heimatsammlung auch ein paar Flugpostbriefe. Einer davon ging von Schaffhausen nach Prag. Diesen möchte ich hier als weiteren Brief aus der Schweiz vorstellen.





Brief (oben beschnitten) abgehend von Schaffhausen am Mittwoch, 8. Januar 1936, gestempelt abends 9 Uhr. Er ist frankiert mit den Flugpostmarken F3, F6 und F8 (Zumstein Katalog, Schweiz), zusammen 95 Rappen. Anhand der Frankatur gehe ich von einem Sammlerbeleg aus, weil der Brief gem. Aufstellung unten entweder überfrankiert oder unterfrankiert ist.

Taxe für Auslandbriefe
bis 20g resp. 50g = 30 resp 50 Rappen
Einschreiben = 30 Rappen
Flugpostzuschlag = 10 resp 20 Rappen
Total = 70 resp 100 Rappen

Detlev hat im Beitrag [#57] beschrieben, dass der Transport via Strassburg schneller war als über das nahe Zürich-Dübendorf. Das war auch bei diesem Brief der Fall, belegt durch den Stempel “Strassbourg Gare Avion”. Die Frage stellt sich hier, ob es für diese Leitung einen Postvertrag mit der CIDNA resp der Air France gab oder ob die Postbeamten ganz einfach von der schnelleren Flugverbindung wussten.
Da die CIDNA im Jahr 1933 zur “Air France” wurde, ist der Brief mit der Air France nach Prag spediert worden, wo er am 9. Januar 1936 um 14 Uhr mit dem Ankunftstempel Praha 82 Letište (Flughafen) versehen wurde.

Eine weitere Frage stellt sich nach dem Flugplan. Bisher habe ich nur Flugpläne vom Sommerhalbjahr gesehen. Im Winterhalbjahr waren die Transportbedingungen sicher nicht so günstig. Es muss aber trotzdem Linienflüge gegeben haben. Wo finde ich die Winterflugpläne?

Mehr Informationen kann ich aus diesem Brief nicht herauslesen. Eventüll findest Du weitere Angaben zum Empfänger.

Grüsse

SH-Sammler
Hanspeter
 
Detlev0405 Am: 16.04.2020 16:37:28 Gelesen: 54068# 180 @  
@ SH-Sammler [#179]

Hallo Hanspeter,

zuerst einmal Glückwunsch zu diesem Brief - er gefällt mir besonders wegen der Marken aus dem Jahre 1923, eine Augenweide.

Zu Deinen Fragen kann ich folgendes noch ausführen. Der Brief ging offensichtlich per Bahn nach Straßburg, wo er Nachts um 1 Uhr eintraf. Die Zeit ist wichtig für die weitere Suche. Es stimmt, einen Flugplan der Air France, der Auskunft gibt über den Flug im Januar 1936, wirst Du nicht finden. Zumindest nicht den Inhalt des Flugplanes. Ich weiche dann immer aus wenn möglich. Entweder Du suchst bei der Deutschen Lufthansa oder wie in diesen Fall bei der CLS. Das ist eine der beiden tschechoslowakischen Luftfahrtlinien zu der Zeit. Letzteres habe ich gemacht. Der Flugplan ist 1936 bereits ganzjährig. Dort findest Du die Linie 471. Um 8.10 Uhr in Straßburg abgegangen, kam er um 9.30 Uhr in Nürnberg an. Hier ging es um 9.40 Uhr weiter nach Prag, wo der Brief um 11.40 Uhr ankam. [1]

Was Deine Frage nach vertraglichen Regelungen betrifft, so existiert bereits seit dem 13.10.1919 das Pariser Luftfahrtabkommen, was 1926 ergänzt wurde. Darüber hinaus regeln die zwischenstaatlichen Verträge das konkrete Vorgehen, so auch bei der Beförderung von Luftpost. Ich gehe davon aus, das die Schweizer Post genaue Aufstellungen zu den zur Verfügung stehenden Luftpostanschlüssen hatte, um die Post richtig zu leiten. Ich habe auch schon öfters gestaunt, mit welcher Präzision so mancher Brief effektiv geleitet wurde in Europa.

Zum Empfänger kann ich leider nichts sagen - weil ich ganz einfach die Schrift nicht beherrsche. Du kannst mich gern per Mail anschreiben (Adresse ist hinterlegt), wenn Du die Anschrift entzifferst hast oder weitere Fragen zu Flugplänen hast.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3504/cls354-3.jpg
 
SH-Sammler Am: 16.04.2020 18:00:12 Gelesen: 54057# 181 @  
@ Detlev0405 [#180]

Hallo Detlev,

Danke Dir für die Info und den Link. Ich werde den Brief nun korrekt beschreiben können.

Viele Grüsse

SH-Sammler
Hanspeter
 
Detlev0405 Am: 20.04.2020 07:52:56 Gelesen: 53817# 182 @  
Je länger ein Luftpostbrief auf einer Strecke unterwegs ist, um so interessanter wird die Frage, ob die einzelnen Etappen dokumentiert werden können an Hand der abgeschlagenen Stempel. Mir lagen schon viele Briefe vor, die nur einen Stempel vom Abgangsort (z.B. in Südamerika) und Ankunftsort in Prag hatten – zweifelsfrei Luftpost bezeugend. Aber so ist eine zweifelsfreie Dokumentation der Flugstrecke entweder nicht möglich oder wird zur Spekulation.



Mein heutiger Brief aus Marokko möchte gern das Gegenteil beweisen und hat an jedem Flugplatz, wo eine Landung erfolgte, sich präsentiert und Stempel eingesammelt.

Am 28.11.1934 in Marrakesch aufgegeben, fällt als erstes der provisorische Einschreibzettel auf. Frankiert wurde der Brief mit 1x Mi.Nr. 100 und 2x Mi Nr. 113. Von Marrakesch musste der Brief an die Südamerika Linie der Air France herangeführt werden. Es gab zwei Möglichkeiten, die etwa gleicht weit entfernt lagen: Casablanca oder Agadir.



Es war Casablanca, wie auf der Rückseite durch einen schwachen Stempelabdruck ersichtlich ist. Von dort ging der Brief um 5 Uhr morgens ab und erreichte Marseille um 14.35 Uhr am gleichen Tag. Der Stempel von Marseille um 16 Uhr bestätigt die Ankunft. [1]

Es fällt bei dem Brief auf, das es keinen Stempel von Paris gibt. Nach Marseille ist erst wieder Straßburg dokumentiert. Ich gehe davon aus, das die Etappe nach Straßburg per Bahn zurück gelegt wurde.

Somit schaffte der Brief in Straßburg den Anschluss nach Prag um 9.40 Uhr, wo er um 13.55 Uhr ankam. [2]

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/af34/af34-6.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/af/af3411uk/af34w-11.jpg
 
Detlev0405 Am: 27.04.2020 07:32:07 Gelesen: 53478# 183 @  
Der heutige Brief ruft bei dem genauen Leser des Threads Erstaunen hervor, sieht er doch dem Brief aus dem Beitrag [#150] sehr ähnlich. Ja und nein – er unterscheidet sich letztendlich gravierend von seinem Vorgänger.



Beide Briefe wurden 1934 in Buenos Aires aufgegeben, nur unser heutiger Brief nutzte die normale Luftpostverbindung Südamerika – Europa der Deutschen Lufthansa. Am 27.August 1934 in Buenos Aires aufgegeben, flog der Brief ohne Unterbrechung bis Stuttgart mit der DLH. Ich habe aus 1934 keinen Flugplan, an Hand dessen ich die Details aufschlüsseln könnte auf der Südamerika Strecke, aber die beigefügte Karte verdeutlicht anschaulich den Weg, den der Brief geflogen ist. [1]

In Stuttgart traf der Brief dann am 03.09.1934 gegen 23 Uhr ein. Der nächste Flug in Richtung Prag wäre am 04.09. um 14.35 Uhr nach Nürnberg. Das korrespondiert aber nicht mit den abgeschlagenen Stempeln auf dem Brief. Der Brief wurde in Nürnberg komplett neu für die Luftpost abgefertigt – sowohl Tagesstempel vom Flughafenpostamt als auch den Bestätigungsstempel für Flugpost. Es bleibt also nur ein Weg – die Bahnpost zwischen Stuttgart und Nürnberg. So erreichte der Brief den Flug von Nürnberg um 10.05 Uhr nach Prag an 11.25 Uhr. [2]

Auf dem Landweg wurde er dem Bestimmungsort Kasejovice zugestellt.

Kommen wir zum Absender des Briefes. Ich habe vergebens gegoogelt nach einem Prof. Francisco Havel, auch Frantisek führte mich nicht zum Erfolg. Also habe ich mich an das Amt in Kasejovice gewandt mit der Bitte um Hilfe – und erhielt sie auch. Im Geburtsregister des Ortes ist Frantisek Havel eingetragen und am 01.08.1901 in Kasejovice 68 geboren worden. Am 05.10,1924 hat er in Buenos Aires seine Frau Rose Vlkova geheiratet. Weitere Informationen konnte ich nicht finden.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/dlh34/dlh34-11.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/dlh34/dlh34-08.jpg
 
Detlev0405 Am: 04.05.2020 09:02:34 Gelesen: 53173# 184 @  
Unser heutiger Brief schließt nahtlos an den Beitrag [#154] an, wo wir bereits über die Nichtbeförderung mit Luftpost gesprochen haben, obwohl diese vom Absender angedacht war.



5 Jahre vor diesem Brief können wir eine zweite Version der Weiterbeförderung eines Luftpostbriefes per Bahn sehen. Es handelt sich um den amtlichen Zusatzstempel „ Nach Abgang des Fluges eingelangt …... “ von der österreichischen Post.

Am 25.01.1932 am Postamt aufgeliefert, der letzte Flug ging aber bereits um 14.05 Uhr von Wien ab. Der erste am nächsten Tag um 08.50 Uhr. [1]

So entschloss sich der zuständige Postbeamte den Brief auf der Magistrale Wien – Prag – Dresden auf Reisen zu schicken, so das er am Morgen des 26.01.1932 bereits dem Empfänger zugestellt werden konnte.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/dlh/dlh3105/dlh315-4.jpg
 
Detlev0405 Am: 10.05.2020 08:10:39 Gelesen: 52762# 185 @  
Heute knüpfen wir an den Beitrag [#123]an und stellen weitere Belege zur Masarykova Letecka Liga – MLL – vor. Über die Bedeutung der MLL für die tschechoslowakische Luftfahrt habe ich mich dort bereits geäußert.



Die Karte zeigt einen Sonderstempel aus Anlass der Eröffnung einer Flugzeughalle auf dem Flugplatz in Hradec Kralove. [1] In der Zeit der 1.Republik war dieser Flughafen einer mit gemischter Nutzung, sowohl für zivile als auch militärische Zwecke. Nach 1945 bis 1990 war dies ausschließlich ein Flugplatz des Militärs. Nach 1990 fanden auf diesem Flugplatz legendäre Flugshows vornehmlich der Militärs statt, die sowohl Aussteller als auch Besucher aus aller Welt anzogen.

Die Karte ist eine von vielen Aktivitäten der MLL für Spenden zur Finanzierung des Flugzeug Hangars. Der Hangar wurde in erster Linie zum Abstellen von Segelflugzeugen erstellt. [2]




Der zweite Beleg ist ein Original Mitgliedsausweis eines Mitgliedes der MLL. Ausgestellt am 01.01.1937 in Hrob, einem kleinen Ort etwa 7 km nordöstlich von Teplitz. Es ist ein sehr seltenes Zeitdokument.

Gruß
Detlev

[1] vgl. Die Sonderstempel der Tschechoslowakei von 1919 bis 1939, Paul Kipp, Heft 12 der CS Philatelie der ARGE Tschechoslowakei e.V., Seite 30

[2] https://hradecky.denik.cz/zpravy_region/letiste_serial_20100816.html
 
Detlev0405 Am: 15.05.2020 04:24:33 Gelesen: 52139# 186 @  
Offensichtlich war die Gegend in Teplice vor 1939 eine Hochburg der MLL. Nachdem ich im letzten Beitrag bereits einen Mitgliedsausweis aus der Region vorstellen konnte, habe ich heute einen Sonderflug der MLL aus Teplice.



Unser heutiger Beleg ist einer von zwei bekannten Veranstaltungen der MLL, die auch durch Flugbelege/Belege dokumentiert werden. Beim Flugfest In Karlsbad (siehe Beitrag [#1]) wird auch durch Horka angezweifelt, ob es sich hier um eine reguläre Luftpostbeförderung handeln kann.[1] Damit haben wir aber den Beleg aus dem Beitrag [#1] richtig eingeordnet.

Beim Beleg aus Teplice handelt es sich um einen lokalen Rundflug, der durchgeführt wurde. Er fand am 6. und 7. September 1930 statt. Veranstalter war die örtliche Gruppe der MLL in Teplice-Sanove, wie aus dem violetten Stempel hervorgeht.

Der ovale rote Stempel ist der eigentliche Flugbestätigungsstempel zu dieser Veranstaltung. Der zweisprachige Stempel verweist auf den Zweck der Veranstaltung. Dabei gibt es eine Besonderheit. Die Übersetzung von „propagacni let“ hat nichts mit einem Propagandaflug zu tun (hier ist die wörtliche Übersetzung nicht hilfreich) sondern es handelt sich um einen Werbeflug. Das resultiert auch aus dem Zweck der Veranstaltung – Werbung von Nachwuchskräften für das zivile und militärische Flugwesen und Sammlung von finanziellen Mitteln für die MLL.



Wichtig für die Echtheit des Beleges ist der dreistellige Nummerator. Es sollen etwa 100 Belege befördert worden sein und somit wird ein solcher Beleg einer der seltenen in der tschechoslowakischen Luftpost bis 1939 bleiben. [2]

Gruß
Detlev

[1] Katalog Trojan, Tschechoslowakische Luftpost 1918 - 1939 (Horka) Seite 148 Nummer 132
[2] ebenda Seite 149 Nummer 133
 
Detlev0405 Am: 24.05.2020 05:32:31 Gelesen: 51580# 187 @  
Frankreich spielt in der Geschichte der tschechoslowakischen Luftpost eine zentrale Rolle. Deshalb verwundert es kaum, wenn es viele Belege gerade zwischen Prag und Paris/Straßburg gibt. Marseille trifft man in der Regel als Transitstation auf der Südamerika Linie an, schon seltener als Bestimmungsort oder Abgangsort, geschweige denn von anderen Orten Frankreichs.



Welch eine Freude kommt dann auf, wenn ein Brief von der Insel Korsika einem über den Weg läuft. Versehen mit einer Einzelfrankatur der MiNr. 294 hat der Brief seinen Weg in Ajaccio, an der Westküste Korsikas, aufgenommen.

Im Jahre 1935 hatte Ajaccio noch keinen der üblichen Flugplätze, mit Asphaltbahn entstand er erst nach dem Krieg. Hier spielt der Hafen von Ajaccio die entscheidende Rolle – es wurden von der Air France Wasserflugzeuge eingesetzt. Die Strecke über das Mittelmeer wurde mit einer L´Hydravion Leo H 24.2 beflogen. [1]



Der Brief wurde in Ajaccio am 02.04.1935 auf die Reise geschickt. Welch ein Glück für jeden Sammler, wenn am gleichen Tag von der Air France der Erstflug auf der Strecke Paris – Ajaccio – Tunis stattfand und sich das Ereignis auf dem Brief in Form eines Sonderstempels niederschlägt. Er wurde offensichtlich am gleichen Tag auch für den Erstflug nach Algier genutzt. [2] In Paris traf der Brief gegen 1 Uhr ein bzw. wurde um diese Zeit abgefertigt. So konnte der Brief in Paris am 03.04. um 6 Uhr nach Prag geschickt werden, wo er gegen 11.05 Uhr ankam. So bestätigt das auch der Flughafenstempel in Prag. Das war aber ein Erstflug, der sich so im Flugplan nicht niederschlägt. [3]

Folge ich dem Flugplan der Air France von 1935, wurde der reguläre Flugverkehr zwischen Ajaccio und Paris erst am 01.05.1935 aufgenommen. [4]

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/af/af3504/af354-04.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/af/af3504/af354-19.jpg
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/af/af3504/af354-06.jpg
[4] http://www.timetableimages.com/ttimages/af/af3504/af354-10.jpg
 
Detlev0405 Am: 31.05.2020 07:34:32 Gelesen: 51212# 188 @  
Unser heutiger Brief bedarf einer geschichtlichen Exkursion im vorab. 1912 verlor Marokko seine Unabhängigkeit und wurde von Spanien und Frankreich besetzt. Der Status von Tanger wurde bis zum Jahre 1923 offen gelassen, ab 1923 wurde die Stadt und ein Gebiet um die Stadt herum zur Internationalen Zone von Tanger erklärt und von 8 Staaten verwaltet.



Aus dieser Stadt stammt auch unser heutiger Brief, aufgegeben am 30.07.1934. Frankiert war der Brief mit mit der Tanger MiNr. 1 und einer Marke der britischen Postagentur in Tanger. Gestempelt um 07.30 Uhr hatte er wohl noch die Möglichkeit, den Flug um 7.25 Uhr der Air France über Alicante – Barcelona – Toulouse nach Marseille zu erreichen. Dort kam er um 18.30 Uhr an [1].

Am 01.08.1934 ging der Brief von Marseille – ab 11.30 Uhr – nach Paris – an 15.30 Uhr. [2] Von Paris ging es am 02.08. um 06.30 Uhr ab in Richtung Prag, wo der Brief um 11.25 Uhr ankam. Der Stempel vom Flughafen Prag um 12 Uhr bestätigt den Flug auf dieser Strecke. [3] [4]

Ein Luftpostbrief aus der Internationalen Zone von Tanger in die Tschechoslowakei gehört wohl zu den außergewöhnlichen Destinationen seiner Zeit.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/af/af3405/af345-10.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/af/af3405/af345-09.jpg
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/af/af3405/af345-10.jpg
[4] http://www.timetableimages.com/ttimages/af/af3405/af345-13.jpg
 
Detlev0405 Am: 07.06.2020 05:46:25 Gelesen: 50825# 189 @  
Bei der Betrachtung der Infrastruktur in der Luftfahrt der Tschechoslowakei stellt sich dem aufmerksamen Leser die simple Frage, warum Plzen als einer der wichtigsten Industrie Standorte keinen Flughafen bekam. Die Antwort ist ganz einfach – die Nähe zu Prag verhinderte es. Sowohl auf der Straße als auch per Bahn war Prag mit etwa 100 km Entfernung in weniger als 2 Stunden erreichbar.

Das heißt aber nicht von vornherein, das es in den 20er und speziell 30er Jahren nicht derartige Bestrebungen gegeben hätte. Besonders die Skoda Werke waren auch auf dem Gebiet der Luftfahrt aktiv – wenn auch nicht in allen Bereichen mit Erfolg. Die Gründung der CLS als Hauptaktionär war eine Erfolgsgeschichte. Die Gründung einer eigenen Flugzeugabteilung im Jahre 1925 dagegen nicht. Der Lizenzbau der französischen Dewoitine D-21 C.1 mit einem tschechischen Motor Typ HS 50 endete nach der Fertigung von 25 Stück. Auch die Prototypen des zweisitzigen Beobachtung Doppeldeckers P-2 retten die Produktionsabteilung nicht mehr. [1]

Bestrebungen, ein Flugfeld/Flugplatz/Flughafen in der Umgebung von Plzen zu installieren gehen zurück bis in das Jahr 1874, wo bereits Ballonflüge stattfanden. Der Motorflug etablierte sich ab dem Jahr 1909. Abgesehen von den Pionierzeiten des Flugzeugbaus und dessen Erprobungen wurde die Ausrichtung auf den militärischen Bereich des Flugwesens immer deutlicher. [3] Die tschechoslowakische Geschichte des Flugplatzes in Plzen endete vorläufig am 16.03.1939 mit der Besetzung durch das II/JG 333 der deutschen Luftwaffe, ausgerüstet mit Bf 109 D/E . [4]



Unsere heutige Karte stellt ein Stück Geschichte des zivilen Bereichs des Flugplatz in Plzen dar. Der zivile Bereich auf dem Flugplatz in Plzen entwickelte sich im Bereich des Segelfluges und der Durchführung von Flugmeetings. Hier war wieder der große Einfluss der MLL spürbar.

1927 wurde ein Werbeflug nach Polen durchgeführt, ein Besuch im Warschauer Aeroclub mit 4 Brandenburg Flugzeugen und ein Jahr später ein Werbeflug nach Jugoslawien zum Belgrader Aeroclub mit einer A12 mit Maybach Motor 240 PS.
Die Piloten, die an diesen Flügen teilnahmen waren Sedevec, Jaroslaw Paket und Frau Formankowa. [2]

Eine kleine Notiz in der Chronik zur Fluggeschichte in Plzen führt auf den richtigen Weg. Dort finden wir die Notiz, das vom 01. - 03.05.1931 das 1. Internationale Flugmeeting stattfand. [3]



Auch in einer entsprechenden Tageszeitung findet sich eine Anzeige für diesen Zeitraum [10]. Zum Programm des Meetings gehörten auch tägliche Passagierflüge, die jeweils Vor- und Nachmittags nach den offiziellen Flugprogrammen absolviert wurden. [2] Zumindest am letzten Tag des Flugmeetings flog dann wohl eine Maschine mit der Post nach Prag (Hypothese).



Am 03.05.1931 wurde die Karte im Postamt des Flughafens um 18 Uhr abgefertigt. Es kann davon ausgegangen werden, das die Karte spätestens um 19 Uhr am Prager Flughafen eintraf. Der auf der Rückseite angebrachte Stempel der Auslandsabteilung vom Flughafen ist am 04.05.1931 um 12 Uhr datiert und weist auf den Weiterflug nach Wien hin. Warum nicht der Flug um 10.19 Uhr sondern erst um 17.35 Uhr genommen wurde, bleibt das Geheimnis der Karte. So traf sie um 19.20 Uhr in Wien ein, was sich mit dem Empfangsstempel auf der Rückseite um 21 Uhr deckt. Am 05.05.1931 wurde die Karte in Wien um 08 Uhr abgefertigt für den Flug nach Belgrad über Budapest, wo sie um 15.55 Uhr ankam. [5]

Widmen wir uns dem Stempel, der den Beleg so wertvoll und auch widersprüchlich macht. Der Stempel von Plzen Letiste ist in der Primärliteratur zur tschechoslowakischen Luftpost in keiner Weise verzeichnet. Es ist das Verdienst von Paul Kipp in seinem Werk zu den Sonderstempeln der Tschechoslowakei, diesen Stempel zu registriert haben. [6] Es gibt noch eine zweite Quelle zu diesem Stempel, das tschechische Pedant zum Katalog von Paul Kipp [7]. Bei dem von ihm angegebenen Anlass hege ich jedoch starke Zweifel. Er bezeichnet den Stempel als Sonderstempel anlässlich der Eröffnung des Flugplatzes/Flughafen in Plzen am 03.05.1931. Dem widersprechen jedoch einige Fakten. Zum 1. war das Flugmeeting vom 01. - 03.05.1931, da macht eine Eröffnung am 03.Mai keinen Sinn. Zum 2. existiert der Flughafen Plzen bereits für die Tschechoslowakei seit 1919 – egal in welcher qualitativen Form.





Zum 3. zeigt er einen Stempel mit Uhrzeit 15 Uhr, ich besitze einen Stempel von 18 Uhr. Das deutet darauf hin, das der komplette Zwischensteg mit den Zahlen variabel gefertigt wurde. [8] Das zeigt auch ein Stempelabdruck aus dem selben Archiv mit einer komplett anderen Einstellung. [8]

Für meine Erkenntnisse handelt es sich um einen Sonderstempel zum 1.Internationalen Flugmeeting der Tschechoslowakei in Plzen.

Eine Anfrage beim Postmuseum in Prag brachte die definitive Auskunft. Frau Dr. Zamrzlova äußerte sich dazu wie folgt:

„Es besteht kein Zweifel, dass es sich um Sonderstempel handelt. Der Stempel ist nicht in der Liste der Tagesstempel enthalten, die im Jahre 1931 in den Postämtern in Pilsen verwendet wurden, einschließlich Pilsen-Süd und Pilsen-Nord. Diese Liste (eigentlich ist es eine grosse Kartei im Schrank mit vielen Schubladen) wird seit 1918 von der Zentrale der Tschechischen Post, geführt. Im Gegenteil, der Stempel befindet sich in der Liste der Sonderstempel , die sich in der Sammlung des Postmuseums befinden. Beleg dafür ist die Originalregistrierungskarte (siehe Scan 9). Der Stempel hat die Inventarnummer PPR1931/2 ….“
[9]

Bleibt die Frage nach der kompletten Luftpostbeförderung des Beleges von Plzen nach Belgrad. Ich lege mich nun fest, das es sich auf keinen Fall um einen regulären, beginnenden Linienflug zwischen Pilsen und Prag handelt. Die Karte kann nur mit einem Sonderflug zum Abschluss des internationalen Flugmeetings per Luftpost nach Prag befördert worden sein und sich bei Horka in die Kategorie Sonderflüge einordnen (vergleiche Seite 148 ff.). Der zweite mögliche Weg ist die normale Post nach Prag und von dort aus weiter per Luftpost. Der Stempel der Auslandsabteilung des Flughafens lässt diese Möglichkeit eher als unwahrscheinlich erscheinen. Normaler Weise wäre dann ein Stempel nach Horka R2 oder/und R3 abgeschlagen worden.

Inzwischen haben wir aber auch gelernt, das es auch in der tschechoslowakischen Luftpost nichts gab, was es nicht gibt. Auf jeden Fall handelt es sich um einen außergewöhnlichen Beleg vom 1.Internationalen Flugmeeting in Plzen und somit auch der tschechoslowakischen Luftpost.

Bleibt die Frage nach den Unterschriften auf der Rückseite – da fehlt mir einfach die notwendige Kenntnis, um sie zu verifizieren.

Gruß
Detlev

[1] https://cs.wikipedia.org/wiki/%C5%A0koda_(podnik)#Letadla
[2] https://akletkov.cz/historie/vzpominky-clenu/letectvi-v-plzni-roku-1918-az-1934/
[3] http://www.vrtulnik.cz/ww2/protektorat-plzen.htm
[4] http://www.vrtulnik.cz/ww2/protektorat-plzen2.htm
[5] http://www.timetableimages.com/ttimages/cls/cls3105/cls315-6.jpg
[6] Paul Kipp , Die Sonderstempel der Tschechoslowakei von 1919 – 1939, Seite 62, ARGE
Tschechoslowakei
[7] Jiri Neumann, Jiri Vaclavovic – Katalog Prilezitostnych Postovnich Razitek Ceskoslovenska
republika 1918 – 1939, Pressfil Plzen s.r.o. 2004
[8] Stempelarchiv Postmuseum Prag
[9] PhDr. Jitka Zamrzlova, Kurator, Ceska posta s.p. , Postovni muzeum , Nove mlyny 1239/2 ,
110 00 Praha 1
[10]Narodni Politika 22.04.1931, Seite 11
 
Detlev0405 Am: 15.06.2020 06:17:11 Gelesen: 50495# 190 @  
Heute geht unsere Post von Schlesisch Ostrau nach Hanoi im fernen Osten. Wichtig bei dem Brief ist das Datum, denn es zeichnen sich große Veränderungen ab. Ein Teil der Tschechoslowakei ist bereits von den Deutschen besetzt und die Organisation der Flugstrecken veränderte sich wie die politische Lage.



Am 18.01.1939 in Ostrava aufgegeben, ging der Brief zunächst nach Prag, um dort für die Luftpost am 19.01.1939 früh gegen 7 Uhr abgefertigt zu werden. Nun stellt sich die Frage – wie wird der Brief an die Indochina Linie der Air France herangebracht. Der auf der Briefvorderseite angebrachte Weg über Marseille war wohl verschlossen. Post von Prag über deutsches Territorium durfte wohl nur noch die Deutsche Lufthansa befördern nach der Besetzung der Sudeten.

Wie auf der Rückseite ersichtlich, blieb noch der Weg über Italien offen. Zum Glück hatte die CSA eine Kooperation mit der Ala Littoria im Jahre 1937 aufgebaut und konnte nun diese Verbindung nutzen. So ging der Brief am 19.05. um 9 Uhr in Prag ab um am gleichen Tag in Rom gegen 16 Uhr einzutreffen. [1] Von Rom ging es weiter nach Neapel am 20.05., wie auch der Ankunftsstempel auf der Rückseite bezeugt. [2]

Hier wartet der Brief auf die Fernostroute der Air France und konnte dann am 25.01.1939 gegen Mittag in Hanoi auf geliefert werden. [3]



Bleibt noch eine mysteriöse Frage zu klären, die jedem Betrachter der Vorderseite sofort ins Auge springt. Ist von dem Brief eine Marke abgefallen oder nicht ? Auf den ersten Blick ein ja. Beim Blick mit der Lupe auf die Fehlstelle findet sich keine Spur von Kleber oder ähnlichem. Völlig sauber die Stelle.

Versuche ich es über das Porto. Vom 01.03.1937 waren sowohl für das Briefporto als auch das für Einschreiben jeweils 2,50 Kc, zusammen 5 Kc fällig. Ab dem 01.06,1937 war der Luftposttarif nach Indochina 4 Kc / 5g. Der Umschlag wiegt 5g, bleiben 10g für den Inhalt und der Brief wäre bei verklebten 17,50 Kc um 0,50 Kc über frankiert.

Keine Ahnung was die Fehlstelle nun bedeutet.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/ala38/ala38-14.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/ala38/ala38-21.jpg
[3] http://www.timetableimages.com/ttimages/af3810or.htm
 
Detlev0405 Am: 24.06.2020 14:19:29 Gelesen: 50193# 191 @  
Heute haben wir einen Brief, der das Gegenstück zu meinem Beitrag [#151] auf der Strecke von Prag nach Kopenhagen dokumentiert.



Am 14.10.1936 wurde in Turnov, eine Stadt etwa 20 km südlich von Teplice, der Brief aufgegeben. Auf dem Landweg wurde er nach Prag zum Flughafen befördert, wo er am gleichen Tag um 21 Uhr bearbeitet wurde.

Am 15.10.1936 wurde der Brief vom Flughafen Prag mit der DLH um 10.30 Uhr auf Reisen geschickt. Über Dresden – an 11.10 Uhr – traf er in Berlin um 12.15 Uhr ein. [1] Um 12.40 Uhr ging die Beförderung weiter nach Kopenhagen, wo er um 14.40 Uhr eintraf. [2] Das deckt sich dann auch mit dem Flugplatz Stempel um 15.15 Uhr.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/dlh/dlh3610/dlh36-08.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/dlh/dlh3610/dlh36-05.jpg
 
Detlev0405 Am: 05.07.2020 05:59:05 Gelesen: 49687# 192 @  
Luftpost von und in die ehemalige Sowjetunion vor der offiziellen Aufnahme der Luftpostbeförderung durch die CSA und Aeroflot im Juni 1936 ist relativ schwer zu finden. Zum Eröffnungsflug 1936 wurden 2239 Belege befördert, wobei allein 2000 Belege Sonderkarten der CSA waren. Davor muss man die Augen offen halten, denn die Luftpost ist in ihrer Art der Beförderung nicht immer einfach zu identifizieren.



Unser erster Brief geht von Prag nach Moskau und weist alle typischen Merkmale der Beförderung mit Luftpost auf. Am 19.05.1932 um 11 Uhr in Prag 1 aufgegeben, wird er um 13 Uhr am Prager Flughafen abgefertigt. Der Flug nach Berlin ging an dem Tag aber schon um 11 Uhr ab. [1] Ich gehe davon aus, das die Postbeamten wieder einmal alle Verbindungen im Kopf hatten und den Brief per Bahn nach Berlin weiter beförderten. So hatte er die reale Chance, am 20.05.1932 früh mit der Maschine der Deruluft nach Moskau befördert zu werden. Die These wird gestützt von der Tatsache, das in Berlin keine Luftpoststempel abgeschlagen wurden. Die Deruluft war eine Gemeinschaftsgesellschaft zwischen Deutschland und der Sowjetunion. Früh um 6.30 Uhr auf die Reise geschickt, traf er am gleichen Tag um ca. 20 Uhr in Moskau ein. [2] Die Abflugzeiten differieren zwischen 1928 und 1933 um maximal 2 Stunden, der Plan von 1932 stand mir nicht zur Verfügung.



Typisch für einen Deruluft Brief ist der 3 zeilige russische Stempel, der die Beförderung mit Luftpost bestätigt. [3]

Frankiert ist der Brief Porto gerecht – 2,50 Kc für den Brief und 4 Kc Luftpost Porto nach Moskau ab dem 05.06.1930 .



Der zweite Brief geht am 24.051936 von Moskau nach Prag. Hier war einfach Aufmerksamkeit erforderlich, weil bis auf den russischen Aufkleber zur Luftpostbeförderung keinerlei weiterer Vermerk zu finden ist.

Um 16 und 19 Uhr am Postamt Moskau 25 abgestempelt, wurde der Brief am 25.05.1936 um 8.30 Uhr auf die Reise geschickt, um gegen 17.20 Uhr in Berlin einzutreffen. [4] Auch hier wird der Brief anschließend per Bahnpost nach Prag geschickt. Eine Beförderung per Bahn von Moskau nach Prag ist auszuschließen in der kurzen Zeit, zumal es keine durchgehende Zugverbindung zwischen Prag oder Berlin nach Moskau gab.

Warum in Berlin keine Transitstempel abgeschlagen wurden, vermag ich nicht zu erläutern.

Gruß
Detlev

[1] http://www.timetableimages.com/ttimages/dlh/dlh3205/dlh325-2.jpg
[2] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/deru33/deru33-2.jpg
[3] vergleiche Horka Seite 87 Abbildung 74
[4] http://www.timetableimages.com/ttimages/complete/deru36/deru36-2.jpg
 

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