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Thema: Literatur: Böhmen und Mähren
Richard Am: 21.02.2018 09:57:51 Gelesen: 1207# 1 @  
Heinz Wewer, Postalische Zeugnisse zur deutschen Besatzungsherrschaft im Protektorat Böhmen und Mähren

(hw) In seinem Erlass zur Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren sicherte Hitler den besetzten böhmischen Ländern Autonomie und Selbstverwaltung zu. Was die versprochene „Autonomie“ in der Praxis bedeutete, zeigte sich sehr bald. Die deutschen Okkupanten unterdrückten jede Regung von Opposition und begannen mit der Verfolgung der Juden. Die Gestapo-Gefängnisse füllten sich, Repräsentanten des kulturellen Lebens, Studenten, (angebliche) Regimegegner wurden in Konzentrationslager deportiert. Auf dem Boden des Protektorats, in Theresienstadt, entstand die größte Sammelstelle für Juden auf dem Weg in die Vernichtung. Die „tschechischen“ Behörden wurden bald auf allen Ebenen vollständig unter deutsche Kontrolle gestellt. „Autonomie“ und „Selbstverwaltung“ waren eine Fassade, hinter der sich ein System der rücksichtslosen Unterdrückung verbarg.

Mit Hilfe einer bisher wenig beachteten Kategorie von Dokumenten veranschaulicht der Autor ausgewählte Aspekte der deutschen Besatzungsherrschaft in Böhmen und Mähren. Es handelt sich dabei um Zeugnisse der postalischen Kommunikation: Postkarten, Briefinhalte, Briefumschläge, Zahlungsbelege etc.

Diese Dokumente werden in ihrem historischen Kontext gesehen, woraus sich eine neue Perspektive auf Geschichte und weitere Informationen zu Personen und Institutionen ergeben. Diese Methodik wird im angel-sächsischen Sprachbereich als „Social Philately“ bezeichnet, während sie sich im Deutschen u.a. als „historisch orientierte Philatelie“ zu etablieren beginnt.



208 Seiten, Hardcover, 380 Abbildungen, ISBN: 978-3-95565-245-6, 29,90 Euro. Bezug: Hentrich & Hentrich Verlag Berlin, Wilhelmstraße 118, 10963 Berlin, Tel.: 030/609 23 865, Fax: 030/609 23 866, E-Mail: info@hentrichhentrich.de, http://www.hentrichhentrich.de. Versandkostenfreie Lieferung innerhalb Deutschlands.
 
10Parale Am: 23.03.2020 21:13:42 Gelesen: 280# 2 @  
@ Richard [#1]

Heinz Wewer hat ja mittlerweile ein neues Buch aufgelegt "Spuren des Terrors", welches an anderer Stelle im Forum von Richard auch vorgestellt wurde. Ich habe es mir auch zugelegt.

Ein Buch, welches auf den ersten Blick nicht zur philatelistischen Literatur gehört, aber auch ein Teil der Geschichte von Böhmen und Mähren schildert, ist im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen erschienen und hat den Titel "Zwischen Prag und Nikolsburg, Jüdisches Leben in den böhmischen Ländern". Das Buch wurde verfasst von Katerina Capkova und Hillel J. Kieval. Es ist nicht billig, hat 428 Seiten und kostet 70,-- Euro.

Auf dem Titelbild des Buches wird eine Postkarte gezeigt, die ca. von 1900 stammt und eine Ansicht von Teplice (Teplitz) in Nordböhmen zeigt. Dort stand eine der größten Synagogen in Böhmen, bevor sie zerstört wurde.

Als ich letztes Jahr in Prag weilte besuchte ich dort eine der ältesten Synagogen (neben Worms) in Europa, the Old-New Synagogue. Meine rumänischen und ungarischen Freunde wollten nicht in die alten Mauern und warteten auf mich in einem naheliegenden Kaffeehaus. In der Jüdischen Allgemeinen schreibt Ralf Pasch zu dem o.g. Buch (Zitat): "Jüdisches Leben im heutigen Tschechien ist mehr als Golem und Kafka".

Ich habe das Buch nun mal bestellt und hoffe, für mich mit diesem Hintergrundwissen ein neues Sammelgebiet zu finden. Auch in Hermannstadt (Sibiu - Rumänien) steht heute noch an einer verkehrsreichen Straße eine wunderschöne, gut erhaltene Synagoge, wo sich eine kleine Gemeinde etabliert hat. Vielleicht finde ich einen roten Faden, der sich auch philatelistisch in Europa dokumentieren lässt.

Liebe Grüße

10Parale
 
10Parale Am: 26.03.2020 19:27:07 Gelesen: 240# 3 @  
@ 10Parale [#2]

Ich schulde zu [#2] dem Forum noch das Buchcover mit der Ansichtskarte von Teplice. Wenn es Ansichtskarten auf Titelseiten von Büchern schaffen, ist das nur gut für die Philatelie.

Liebe Grüße

10Parale


 
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