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Thema: USA Stempel (Fancy cancellations) aus Waterbury, Connecticut
Heinz 7 Am: 18.12.2019 21:43:38 Gelesen: 718# 1 @  
Es gibt zahlreiche phantasievolle Stempel weltweit und einige sind von Philatelisten sehr gesucht. Eine herausragende Stellung unter den berühmtesten Stempeln nehmen sicherlich die Stempel ein aus Waterbury, Connecticut, USA.

Der Postangestellte John W. Hill schnitzte aus Kork figürliche Stempel, die oft nur sehr kurz zum Einsatz kamen. Kork ist ein Material, das nicht sehr oft verwendet werden kann, bevor der Stempel Abnützungserscheinungen hat oder gar nicht mehr eingesetzt werden kann. Figürliche Stempel von Waterbury gibt es aus den Jahren 1865-1890. Die Stempel wurden auf den Marken abgeschlagen, daneben gab es normale Stadt-Stempel: meist Einkreisstempel, aber auch ein Stempel ohne Kreis oder ein Zweikreisstempel.

Hill werden mindestens 282 verschiedene Stempel zugesprochen. Paul Rohloff hat 1979 ein umfassendes (massgebendes) Buch geschrieben (8+264 Seiten)



In diesem Buch listet Rohloff 282 verschiedene Stempel auf, die er in 18 Gruppen (A-S) einteilt. In Gruppe U werden dazu noch weitere 22 Stempel gezeigt "unauthenticated" (unbestätigte Stempel).

Beispiele dieser Gruppen sind:

A 1 - A 14: Animals, Birds, Fish, Insects (Tiere, Vögel, Fisch, Insekten)
B 1 - B 19: Arrowheads (Pfeilspitzen)
C 1 - C 10: Crossroads (Kreuzungen)

u.s.w.

Nicht alle Waterbury-Korkstempel sind also so attraktiv und witzig wie die Stempel der Gruppe A.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 18.12.2019 22:29:28 Gelesen: 703# 2 @  
@ Heinz 7 [#1]

Sammlungen mit Waterbury-Stempeln gab es schon einige. Im oben gezeigten Buch zeigt Rohloff Auszüge aus einer Auktion vom 15.2.1919, in der 32 Briefe mit Waterbury-Stempeln angeboten wurden.

Eine sehr frühe Spezialsammlung mit diesen Stempeln wurde 1941 in New York verkauft. Innerhalb der gigantischen USA-Sammlung von Edward Knapp gab es eine Sektion "Waterburys" mit 84 Losen. 65 Fotos geben einen guten Eindruck dieser Sammlung. Schon damals war der Star unter den Waterburys ein Brief mit dem Stempel A-11 (Nummer von Rohloff, 38 Jahre später). Der Brief mit dem weltberühmten "Running chicken", gleich dreifach abgeschlagen, war und ist unbestritten das Stück non-plus-ultra unter allen Waterbury-Stempeln. Der Brief wurde als Los 617 angeboten.

Hier eine Abbildung aus einer viel späteren Auktionskatalog.



Das zweithöchte Ergebnis 1941 war Los 598, "The Fish" auf Brief.



Aber der Brief mit den drei running chicken spielte in einer anderen Liga. Sagenhafte US$ 1'400 wurden für ihn bezahlt, und das in Kriegszeiten.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 18.12.2019 23:01:02 Gelesen: 696# 3 @  
@ Heinz 7 [#2]

Ich habe im Thema: "Witzige, lustige und originelle Stempel" einige Informationen und Bilder bereits gezeigt, doch möchte ich aus aktuellem Anlass das Ganze ein wenig bündeln und habe es zu einem eigenen Thema gemacht. Der Anlass ist, dass auch bei Erivan Haub die "Waterburys" eine besondere Stelle einnehmen. Nicht weniger als 23 Lose an der ersten Auktion und 21 Lose an der zweiten Auktion zeigen, dass auch Erivan Haub diese Stempel leidenschaftlich sammelte.

Ein Stück habe ich bereits vorgestellt



An der zweiten Auktion wurde als Los 107 angeboten ein Valentinsumschlag mit dem Stempel "Heart with Arrow" (Herz mit Pfeil) (Rohloff Nummer J-3).

Es gab und gibt aber auch unspektakulärere Waterburys, so etwa Los 106 der 2. Auktion:



Dieser Brief zeigt den Stempel "pumpkin" (Kürbis),(Rohloff G-2). Obwohl auch dieser Stempel selten ist (nach Rohloff "RR", d.h. "nicht mehr als 15 Briefe bekannt") wurde er zu einem Preis zugeschlagen, den wir uns leichter leisten könnten: US$ 210.

Der Brief mit dem Herz hingegen wurde richtig teuer: US$ 9'000 plus Aufgeld.

Heinz
 
Martin de Matin Am: 18.12.2019 23:18:45 Gelesen: 691# 4 @  
@ Heinz 7 [#2]

Im Scott USA-Spezialkatalog von 1992 ist eine Werbeseite von Andrew Levitt; dort steht, das die drei Hühner 1979 für 264000 Dollar versteigert wurden. 1993 als Los 607 der Ishikawa-Sammlung brachte der Brief 255500 Dollar.

Gruss
Martin
 
Heinz 7 Am: 18.12.2019 23:28:11 Gelesen: 685# 5 @  
@ Heinz 7 [#1]

Die meines Wissens beste Sammlung aller Zeiten der Waterburys hatte Dr. Glenn E. Jackson, der meines Wissens in Waterbury lebte.

1970 wurde seine Sammlung verkauft, auch wieder in New York, bei Robert A. Siegel. Immerhin 181 Lose umfasste die Sammlung und auf 7 Fototafeln wurden nicht weniger als 119 Briefe (oft nur Ausschnitt abgebildet) und 33 Marken/Fragmente/Einheiten gezeigt.



Und wir sehen auch hier den Besten von allen Briefen auf der Titelseite: Der Brief mit den drei Stempeln "The running chicken". Er erzielte - natürlich - wieder den höchsten Preis, aber die US$ 6'750 waren weniger spektakulär als die US$ 1'400, die der Brief 1941 erzielte (siehe Beitrag 2).

Der Stempel "Soldier's Head" (Los 360) erzielte 1970 das zweithöchste Ergebnis, US$ 1600. Hier zeige ich das Bild aus dem Buch Rohloff (Seite 67). Im Auktionskatalog von 1970 war die Abbildung klein.



Heinz
 
Heinz 7 Am: 19.12.2019 00:09:21 Gelesen: 681# 6 @  
@ Martin de Matin [#4]

Lieber Martin

Ich habe im Thema "Witzige, lustige und originelle Stempel" bereits geschrieben, dass der "3 Running chickens"-Brief schwindelerregende Preise erzielte.

Folgende Ergebnisse kenne ich:
1941, Parke-Bernet Galleries New York: US$ 1'400
1970, Siegel New York: US$ 6'750
1977, Siegel New York: US$ 45'000
1979, Sotheby Parke Bernet, New York: US$ 240'000 + 10% = US$ 264'000
1993, Christie's New York: US$ 230'000 + (50'000=15 %, 180'000 = 10 %, Zuschlag 25'500) = US$ 255'500.

Wir wissen, wer die Käufer waren:
1979 war es Ryohei Ishikawa
1993 war es ... Erivan Haub.

Der Brief wird also bald wieder zum Verkauf stehen. Wir freuen uns... Aber das Ergebnis wird wohl kaum noch so hoch sein, wie 1979/1993.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 19.12.2019 22:33:05 Gelesen: 627# 7 @  
@ Heinz 7 [#1]

Ein sehr schöner Katalog zu einer Waterbury-Sammlung erschien 1990, als die Sammlung von Henry W. Houser - auch in New York! - versteigert wurde. Immerhin 118 Lose umfasste die Sammlung, und alle 18 Gruppen (nach Rohloff) waren vertreten! Der Katalog umfasst 48 Seiten, und viele Briefe werden in Originalgrösse und einige in Farbe gezeigt.



Henry Houser schreibt im Vorwort, dass er auch gerne den 3 Running chickens-Brief gekauft hätte! Aber er stieg aus, als der Briefpreis in astronomische Höhen stieg. Houser schreibt, dass er 1977 der Unterbieter war, als der Brief für US$ 45'000 verkauft wurde!

Houser hatte aber viele andere sehr gute und teure Stücke und dürfte mit dem Resultat der Auktion zufrieden gewesen sein.

Zudem wurde der emsige Sammler für seinen Fleiss belohnt. Nachdem er wohl schon annahm, er werde den Running chicken-Stempel nie in seiner Sammlung haben geschah Folgendes: 1985 wurde eine neue Korrespondenz erschlossen, und in ihr waren zwei Briefe mit genau diesem Stempel! Houser war glücklich und kaufte beide Briefe.

Los 6 zeigt den besseren der zwei neuen Briefe



Er erzielte ein hohes Ergebnis von US$ 32'000 + 10 % Aufgeld.

Auch das Stück auf der Titelseite - Bridgeport Fireman (Rohloff Nr. E-6) erzielte einen guten Preis: US$ 24'000 plus 10 %.

Ein schöner Referenz-Katalog für jeden Sammler von Waterbury-Stempeln!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 20.12.2019 23:10:21 Gelesen: 592# 8 @  
@ Heinz 7 [#7]

In der Erivan Haub USA-Auktion 2 wurde ein sehr seltener Waterbury-Brief verkauft. Der Stempel erhielt bei Rohloff die Seltenheits-Einteilung "RRR" (= rarity "RRR" (not more than 8 examples of this cancel exist on cover)). Es existierten also nach Rohloff höchstens 8 Briefe mit diesem Stempel.



Die Stempelbezeichnung lautet: "Three-Leaf Shamrock, Type 1 (Rohloff F-8)". Der Brief wurde zu nur US$ 500 ausgerufen, und wurde für US$ 1'300 zugeschlagen. Das heisst, dass sich doch relativ viele Sammler so ein Stück kaufen können. Das finde ich wichtig und schön an unserem Hobby. Wir haben zwar einerseits viele atemberaubende teure Seltenheiten (siehe Beiträge oben), aber daneben gibt es unzählige attraktive weitere Stücke. Es ist wichtig, dass wir viele Sammler haben, die sich sehr seltene, attraktive Stücke ebenfalls leisten können, so, wie die ganz grossen Sammler, die auch sehr grosse Summen investieren können.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 13.02.2020 00:20:37 Gelesen: 437# 9 @  
@ Heinz 7 [#8]

Ich zeige an dieser Stelle einen Brief mit einem Rohloff L-Stempel.

Rohloff katalogisierte die Stempel nach Gruppen, wie oben erwähnt. Die Gruppe L ist mit 51 Varianten die grösste Gruppe der Waterbury-Gruppe (gemäss Rohloff, Seite 133).

L steht für "Leaves", also Blätter. In Beitrag 8 zeigte ich einen Stempel "Three-Leaf Shamrock", der aber separat unter F-8 (Flowers and shamrocks) katalogisiert wurde, nicht unter Leaves (=Gruppe L)



Dieses Foto entnahm ich dem 2. Erivan-sale (Dezember 2019), Los 111:

Brief von Waterbury nach New York, frankiert mit 1861-Ausgabe 3c rose, gestempelt "WATERBURY CON AUG 1 '66" mit Stempel L-1 "Elm Leaf." Dieser Stempel ist selten ("RR")= not more than 15 copies known.

Heinz
 
22028 Am: 13.02.2020 08:22:37 Gelesen: 419# 10 @  
Das sind sicher schöne Briefe und Stempel. aber, ohne nun ketzerisch zu klingen, im Vergleich zu manchen Poststempeln meiner Sammlung "Irak Eisenbahn Postmarken 1928-1948" oder nicht wenigen Stücken meiner "Overland Mail Baghdad-Haifa 1923-1948" Sammlung fast schon Massenware, nur der Preis ist halt in anderen Universen.
 
Heinz 7 Am: 17.02.2020 20:53:38 Gelesen: 314# 11 @  
@ Heinz 7 [#9]

Nicht alle Waterbury-Stempel sind so spektakulär wie z.B. die Tierstempel (Gruppe A).

Eine grosse Gruppe ist die Gruppe B: "Arrowheads" (Pfeilspitze), davon katalogisierte Rohloff 19 Varianten (B-1 bis B-19). Viele dieser Stempel sind sehr selten (Rating: RRR), nämlich 10. Einige sind etwas häufiger (B-2, B-9, B-12 und B-17; RR; "not more than 15 known"; also 9-15 Stück bekannt). 5 Stempel haben Rating "R": "more than 15 known": B-10, B-11, B-13, B-14, B-15.

Im Handbuch Rohloff ist ein Brief mit einem B-8 Stempel auf Seite 31 abgebildet "Arrowheads, seven segments".



Genau dieser Brief war in der Henry Houser-Auktion als Los 10 angeboten. Der Zuschlag war bei US$ 550, das war für ein RRR-Stempel sicher nicht sehr viel.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 18.02.2020 23:34:01 Gelesen: 253# 12 @  
@ Heinz 7 [#11]

Die Gruppe "M" nach Rohloff ist eine kleine Gruppe: "Names and words" (Namen und Wörter), sie umfasst nur drei Stempel M-1 bis M-3.

Ich kann Euch M-3 zeigen: Der Stempel "US", der wohl für "United States" steht.

Nach Rohloff kennt man 9-15 Exemplare dieses Stempels (Seltenheit "RR") aus dem Zeitraum 5.2.1866 - 19.3.1866. Dann war der Stempel vermutlich defekt und kam nicht mehr zum Einsatz.



Dieses Exemplar war in der Sammlung von Erivan Haub. Bei H.R. Harmer New York, Dezember 2019, war dieser Brief Los Nr. 113 mit einem Ausruf von nur US$ 250. Es scheint so, dass dies der "Ersttag" war dieses Stempelabschlages.

Ein schöner Brief!

Heinz
 
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