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Thema: Deutsche Dienstpost Böhmen und Mähren
asmodeus Am: 04.07.2009 18:52:08 Gelesen: 41720# 1 @  
Ich habe vier Belege, die durch die "Deutsche Dienstpost" befördert worden sind. Einmal durch die Dienstpost Böhmen und Mähren und die anderen Belege durch die Dienstpost Niederlande. Zwei Belege weisen Tarnstempel.

Wer kann mir den ungefähren Handelswert sagen und eine kleine Erläuterung zu den Briefen abgeben ?

Vielen Dank!



 
Jürgen Witkowski Am: 04.07.2009 19:28:02 Gelesen: 41713# 2 @  
@ asmodeus [#6]

Zur Bewertung kann ich leider keine Aussage treffen, jedoch habe ich zu den Tarnstempeln der Belege 3 und 4 Informationen.

Die Maschinenstempel sind von einer umgebauten Beutemaschinen vom Typ Hey & Dolphin International. Mit dem Unterscheidungsbuchstaben dd wurde sie in Amsterdam eingesetzt. Wenn ich bei dem Handstempel auf Beleg 3 die Unterscheidungsbuchstaben gg richtig erkannt habe, handelt es sich um einen Stempel, der für die niederländischen Städte Breda und Nijmengen nachgewiesen ist.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
reichswolf Am: 05.07.2009 00:16:33 Gelesen: 41679# 3 @  
@ asmodeus [#6]

Im Michel Spezial von 2004 werden Briefe der Deutschen Dienstposten mit 12,- bis 20,- € bewertet. Außerdem wird verwiesen auf das Handbuch und Stempelkatalog der Deutschen Dienstpost 1939-1945 von Dr. H. Schultz. Kenner der Materie finden sich außerdem hier: http://www.die-feldpost-2-weltkrieg.org

Ich hoffe, das hilft dir ein wenig.

Beste Grüße,
Christoph
 
Postgeschichte Am: 05.07.2009 01:18:05 Gelesen: 41669# 4 @  
@ asmodeus [#6]

Meine Ausführungen haben etwas mehr Zeit in Anspruch genommen, hoffe aber, daß Sie Dir trotzdem etwas weiterhelfen.

Eine "Dienstpost" gab es in verschiedenen besetzten Gebieten des 2. Weltkrieges. Bekannt sind die "Deutsche Dienstpost Niederlande", "Deutsche Dienstpost Böhmen und Mähren" und "Deutsche Dienstpost Ostland", weniger bekannt sind "Deutsche Dienstpost Adria", "Deutsche Dienstpost Oslo" und "Deutsche Dienstpost Galizien", um nur einige zu nennen.

1. Deutsche Dienstpost Böhmen und Mähren

Aus besonderen Gründen wurde neben der bestehenden Post des Protektorates Böhmen und Mähren eine "Deutsche Dienstpost" eingerichtet, die gewöhnliche und eingeschriebene Briefsendungen und Wertbriefe in dienstlicher Angelegenheit der Wehrmachts- und Zivildienstellen und an dieselben beförderte. Diese Sendungen mußten den Vermerk "Frei durch Ablösung Reich" tragen und wurden dadurch ohne Frankierung befördert, andernfalls mußten die Sendungen mit Marken des Deutschen Reiches frankiert werden.

Die Dienstpost nutzen konnten auch kriegswichtige Firmen (Zulassung auf Antrag) und Angehörige der deutschen Behörden im Protektorat Böhmen und Mähren. Diese Post mußte aber durch einen Abdruck "Durch Deutsche Dienstpost Böhmen und Mähren", handschriftlich durch ein liegendes Kreuz gekennzeichnet und frankiert werden. Zu verwenden waren die Marken des Deutschen Reiches. Marken des Protektorates Böhmen und Mähren durften nicht verwendet werden, auch keine Dienstmarken.

2. Deutsche Dienstpost Niederlande

Die "Deutsche Dienstpost Niederlande" wurde ab dem 5.6.1940 eingerichtet. Zugelassen im reinen Behördenverkehr waren u.a. Postkarten, gewöhnliche Briefe, Drucksachen, Warenproben, Geschäftspapiere und Mischsendungen, Zeitungen und Zeitungsdrucksachen, Einschreib- und Wert-Briefe, gewöhnliche Pakete und Wertpakete. Die Briefsendungen mussten den Vermerk "Frei durch Ablösung Reich" und den Dienststempel der absendenen Behörde tragen. Für Dienstpakete waren die Inlandsgebühren zu verwenden. die Paketkarten waren mit deutschen Wertzeichen freizumachen.

Auch der Privatpostverkehr des deutschen Feldpost-Personals war zugelassen. Außerdem konnten deutsche Firmen (sofern auf Antrag zugelassen) in den Niederlanden und deren reichsdeutschen Beschäftigten unter bestimmten Bedingungen die "Deutsche Dienstpost Niederlande" benutzen. Die Sendungen waren als Dienstpostsendungen mit dem Eindruck oder dem Stempel "Deutsche Dienstpost Niederlande", handschriftlich (oder auch eingedruckt) mit einem liegenden Kreuz zu kennzeichnen und mit deutschen Freimarken (keine Dienstmarken) zu frankieren.

Hier ein großformatiger Umschlag einer Amsterdamer Firma als Einschreibsendung an die Filiale der Deutsche Bank Frankfurt am Main. Der Brief enthält die Voraussetzung für die Beförderung mit der Dienstpost: Zulassungsstempel "DURCH DEUTSCHE DIENSTPOST NIEDERLANDE", das quer liegende Kreuz und die portogerechte Frankatur. Der Brief wurde über das Luftgaupostamt Amsterdam (s. Stempel) nach Frankfurt geleitet.



Da es sich bei Deinen Belegen um gewöhnliche Frankaturen handelt und besondere Stempel nicht zu erkennen sind, würde ich 10 Euro je Beleg ansetzen.

Gruß
Manfred
 
asmodeus Am: 05.07.2009 10:35:23 Gelesen: 41658# 5 @  
Vielen Dank für Eure Antworten !
 
Jürgen Witkowski Am: 02.09.2009 14:23:14 Gelesen: 41362# 6 @  
Über die Deutsche Dienstpost Böhmen und Mähren wurde anscheinend auch Feldpost abgewickelt, wie diese Karte aus der Fliegertechnischen Schule 5 aus Wischau zeigt, die am 30.3.42 abgestempelt wurde. Statt des Vermerkes "Frei durch Ablösung Reich" hat sie den für Feldpost typischen Briefstempel. Eine Feldpostnummer ist allerdings seltsamerweise nirgendwo angegeben.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Postgeschichte Am: 02.09.2009 16:20:53 Gelesen: 41354# 7 @  
@ Concordia CA [#6]

Hallo Jürgen,

die Karte wurde von der Fliegertechnischen Schule 5 abgesandt. Da es sich hierbei um eine Schule handelt, war m.E. auch keine Feldpostnummer erforderlich. Daß hier kein Vermerk "Frei durch Ablösung Reich" angebracht ist, ist darin begründet, daß es sich nicht um eine Dienstsache handelt, sondern um eine portofreie Feldpostkarte. Die Berechtigung zur Beförderung als Feldpost wurde durch das Dienstsiegel bestätigt.

Gruß
Manfred
 
epem7081 Am: 14.08.2021 13:11:15 Gelesen: 2221# 8 @  
Deutsche Dienstpost Böhmen und Mähren

Hallo zusammen,

bei der Aufbereitung eines umfangreichen Nachlasses einer befreundeten Familie mit Ansichtskarten, u.a. aus den beiden Weltkriegen, ist mir variantenreich auch Feldpost "über Deutsche Dienstpost Böhmen und Mähren" aus dem Jahre 1940 in die Hände geraten.











Für mich überraschend die Stempelvarianten "Deutsche Dienstpost Böhmen und Mähren". Bei dem seinerzeitigen Trend zur Uniformiertheit und der sprichwörtlichen deutschen Ordnungsliebe hätte ich hier eine einheitliche Stempelausführung erwartet.

Mit freundlichen Grüßen
Edwin
 
Shinokuma Am: 10.11.2022 20:31:13 Gelesen: 850# 9 @  
Der nachfolgende Brief mit Stempel Deutsche Dienstpost - Böhmen-Mähren ist einfach zu schön und sauber abgeschlagen, um ein echter Dienstbrief zu sein.



Der Umschlag ist zwar mit 12 RPf portogerecht frankiert, zeigt jedoch keinen Absender. Auch die Verwendung des Zusammendrucks S 245 aus MH 45 deutet auf eine philatelistische Beeinflussung hin.

Dennoch ein schöner Beleg mit einem nicht allzu häufig anzutreffenden Stempel aus Mährisch Ostrau vom 24.6.1939 mit UB a.

Herzliche Grüße

Gunther
 
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