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Thema: Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt
Das Thema hat 780 Beiträge:
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marc123 Am: 06.07.2021 16:35:17 Gelesen: 24360# 756 @  
@ Gauss [#754]

@ Heinz 7 [#755]

Ich hatte einmal ältere Bilder des Briefs gezeigt, allerdings waren die Abbildungen damals nicht so gut wie heute. [1]
https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=292&CP=0&F=1 (Beitrag 131).

Der Brief befindet sich auf dem Titelbild vom Buch von Peter Feuser: 2000–2020 Zwanzig Jahre Bleisulfidskandal. [2]

Im Auktionskatalog von David Feldman (1. Dezember 2016) heißt es S. 21 allerdings "The stamps are of contrasting shades and impressions-the right stamp very sharp and the left a little heavier-indicative of the primitive printing methods of a single impression from a copper plate on a hand press. Both stamps are of a brilliant colour and fresh with unusually large margins all round."

Das Attest von 2015 bestätigt die Echtheit, geht aber nicht auf den Zustand der Marken ein.

Liebe Grüße
Marc

[1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=292&CP=0&F=1 (Beitrag 131)
[2] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=14168&CP=0&F=1
 
Koban Am: 06.07.2021 17:35:33 Gelesen: 24328# 757 @  
@ marc123 [#756]

"allerdings"

Die Angaben im Auktionskatalog sind nicht nachvollziehbar! Derart "beschönigende" Prosa ist ein Armutszeugnis für den Anbieter, und m.E. nicht ansatzweise als Entgegnung auf das Buch/die Erkenntnisse von Peter Feuser geeignet.

Meint jedenfalls,
Koban
 
Heinz 7 Am: 07.07.2021 09:17:06 Gelesen: 24161# 758 @  
@ Gauss [#754]
@ marc123 [#756]
@ Koban [#757]

Werte Kollegen,

wir haben nun auch hier auf dieses Thema hingewiesen. Ausführliche Besprechungen zum Thema "Sulfid-Schäden" oder "Auktionsbeschreibungen" bitte hier nicht wiederholen bzw. in den bereits eröffneten Themen weiterführen. Danke!

Ergebnisse, die von allen ernstgenommen werden müssen, wurden behandelt in:
Thema: Peter Feuser: 2000–2020 Zwanzig Jahre Bleisulfidskandal
Dort ist auch die Frage von Gauss beantwortet.

Es ist durchaus möglich, ja sogar wahrscheinlich, dass der Bombay-Brief 2016 noch in deutlich besseren Zustand war als heute.

Es gab schon Fälle, da genügte EINE internationale Briefmarkenausstellung, und eine zuvor wunderschöne Briefmarke veränderte ihr Aussehen stark - sei es durch direkte Sonneneinstrahlung (!), zu viel Licht, oder chemische Einflüsse! Ja - das gab es alles schon! Viele Briefmarken sind eigentlich lichtscheu, und sollten nicht ständig starkem Licht ausgesetzt werden.

Dass heute praktisch alle Briefmarken auch mehrfach und offenbar bedenkenlos gescannt werden ist sehr schlecht für die Erhaltung dieser Briefmarken!

Ein schlimmes Beispiel ist übrigens auch die wertvollste Einzel-Marke der Welt, die British Guyana 1856 One Cent. Wir kennen das Aussehen der Marke seit Jahrzehnten. Es hat sich leider deutlich verschlechtert.

Heinz
 
10Parale Am: 06.08.2021 11:02:00 Gelesen: 16056# 759 @  
@ forum,

diese alte Reichs-Postkarte, freigemacht mit einer 5 Pfennig Germania (Michel Nr. 55), lief am 16.08.1901 von Dresden nach Grünhainichen.

Auf der Bildseite sieht man 5 Briefmarken aus dem 19. Jahrhundert. Ich schätze mal spontan, dass die spanische Marke ganz links die wertvollste Marke ist.

Jeder wäre froh, wenigstens eine dieser Marken zu besitzen.

Liebe Grüße

10Parale


 
Jahnnusch Am: 06.08.2021 12:54:38 Gelesen: 16020# 760 @  
@ 10Parale [#759]

Könnte mal einer ausrechnen was die 5 Marken 1901 für einen wert 1901 hatten. Ich kann mir nicht vorstellen das der Ansender 100 Reichsmark da drauf geklebt hat. Die Marken waren zu der Zeit ja schon alle nicht mehr gültig.

mit freundlichen Grüßen
 
10Parale Am: 06.08.2021 19:24:05 Gelesen: 15915# 761 @  
@ Jahnnusch [#760]

Da liegt ein Missverständnis vor. Die 5 Marken sind nicht aufgeklebt worden, sondern gehören mit zu der Kunstkarte. Man bedenke, die Karte wurde 1901 im Verlag Emil Enke in Leipzig gedruckt. Die Philatelie war noch ein recht junges Hobby, steckte in den Jugendjahren. Ich weiß nicht, wann die ersten Sammler nachweislich in Erscheinung traten, vielleicht kann uns da ein Forumsmitglied weitere Infos geben.

Auf jeden Fall gab es 1901 noch eine überschaubare Zahl von Briefmarken und die Katalogisierung muss ein Riesenspaß gewesen sein, besonders die Bewertung.

Die 37½ Centimes aus Luxemburg wird augenblicklich im Michel Katalog mit 1.000 Euro bewertet. In einem Lipsia Katalog von 1954/55 fand ich sie mit 500 Mark bewertet, also ein guter Aufstieg, jedoch spielt sie hier im Bereich "wertvollste" Briefmarken wohl in der falschen Liga.

Liebe Grüße

10Parale


 
bayern klassisch Am: 06.08.2021 19:32:51 Gelesen: 15911# 762 @  
@ 10Parale [#761]

Hallo 10Parale,

in Grossbritannien und wenigen anderen Ländern gab es schon Anfang der 1850er Jahre engagierte Sammler.

Für die deutschen Staaten kann man sagen, dass um 1860 daraus für Einige ein Hobby wurde.

Der große "Run" setzte aber erst um 1880 ein, als die ersten Archive öffneten und Material aus 2. und 3. Hand verfügbar wurde und nicht auf eigene Korrespondenzen zurückgegriffen werden musste.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Heinz 7 Am: 06.08.2021 23:47:02 Gelesen: 15825# 763 @  
@ 10Parale [#759]

Du zeigst uns hier eine schöne Postkarte. Das Motiv (Briefmarken) war immer schon beliebt, damals, wie heute. Seltene Briefmarken wurden/werden besonders gerne gezeigt und gesammelt.

Du hast wohl recht, die Spanien-Marke von 1851 war damals die wertvollste der dargestellten Marken. Ihr Wert gemäss Katalog "Senf 1913" war 800 Mark, damit gehörte sie zu den wertvollsten Marken der Welt.

Auf Philaseiten haben wir dieser Spanien-Marke ein eigenes Thema gewidmet.

Die übrigen Briefmarken sind (waren) deutlich weniger wert. Im Katalog Senf 1913 fand ich:

Grossbritannien No. 54 (1880): 200 RM
Württemberg No. 42 (1873): 110 RM
Norwegen No. 1 (1855): 75 RM
Luxemburg No. 22 (1866): 40 RM

Liebe Grüsse

Heinz
 
marc123 Am: 07.08.2021 11:28:40 Gelesen: 15646# 764 @  
@ 10Parale [#759]
@ 10Parale [#761]
@ Heinz 7 [#763]

Es freut mich dass in diesem Thema auch einmal über eine Luxemburg-Marke gesprochen wird. Diese gelten allgemein nicht als so wertvoll wie andere Gebiete, was aber nicht heißen muss, dass sie nicht selten sind.

Die hier besprochene Marke zu 37½ Centimes hat zwar "nur" einen Katalogwert von ca. 1000 Euro ungebraucht und ca. 300 Euro gebraucht, aber auch nur eine Auflage von 24100 Exemplaren und damit die geringste Auflage der Wappenmarken. Wie viele ungebrauchte Marken noch erhalten sind weiß ich leider nicht, aber sicher weniger als von anderen klassischen Gebieten, die wesentlich teurer gehandelt werden.

Was aber äußerst selten für dieser Marke ist, sind Einheiten. Ungebraucht ist nicht einmal ein Paar bekannt. Gestempelt kenne ich 6 Paare, davon eins als Dreierstreifen auf Fragment in Buntfrankatur mit einer 12½ Centimes.



Und dann gibt es noch das Unikat. Der Viererblock an den eines der 6 Paare anpasste [1]. Der Katalogwert dieses einmaligen Stücks beträgt lächerliche 5000 Euro. Was wäre dieser wohl in einem anderen Sammelgebiet wert?

Auf Brief sind mir nur 5 Einzelfrankaturen und wenige Fragmente bekannt [2].
Ich denke, dass wir es hier zwar nicht unbedingt mit einer der berühmten und wertvollen Briefmarke der Welt zu tun haben, der Viererblock kann aber in Bezug zur Seltenheit hier mit einigen gezeigten Marken mithalten.

Liebe Grüße
Marc

[1] https://phila-dudelange.lu/cphd/de/beitraege/luxemburger-wappenausgabe/75-besondere-stuecke-der-luxemburger-wappenausgabe-2-der-koh-i-noor

[2] https://phila-dudelange.lu/cphd/de/beitraege/luxemburger-wappenausgabe/654-briefe-und-fragmente-37-5-c-fabig-durchstochen
 
Heinz 7 Am: 09.08.2021 21:58:58 Gelesen: 15275# 765 @  
@ marc123 [#764]

Lieber Marc,

Deine Beiträge im Cercle Phila Dudelange sind sehr interessant und zeigen, dass Du ein wunderbares, wertvolles Stück besitzest (der gezeigte Viererblock). Ich gratuliere herzlich!

Manch eine Briefmarke ist einzeln nicht sehr wertvoll, in Einheiten aber "explodieren" viele Wertansätze förmlich, weil die Grundmarke in Einheiten heute kaum (mehr) existieren. Das gilt z.B. auch für manch eine Schweiz-Marke.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
marc123 Am: 10.08.2021 18:35:40 Gelesen: 15053# 766 @  
@ Heinz 7 [#765]

Lieber Heinz,

vielen Dank für die lieben Worte. Dieser Block gehört auch zu den absoluten Lieblingen meiner Sammlung.



(Abbildung Gärtner)

Da wir gerade einmal bei Luxemburg und Viererblocks sind, möchte ich noch einen bedeutenden ungebrauchten Viererblock der Michel Nr. 1 zeigen, das in der aktuellen (50.) Gärtner Auktion, Los 251, für 50,000 Euro liegen geblieben ist. Atteste liegen von Calves & Jacquart und von Martin Eichele bei. Wie Heinz so schön und richtig sagt: "Manch eine Briefmarke ist einzeln nicht sehr wertvoll, in Einheiten aber "explodieren" viele Wertansätze förmlich, weil die Grundmarke in Einheiten heute kaum (mehr) existieren.". Einzeln ist die Marke ungebraucht sicher keine Massenware aber in der Regel zwischen 500 und 1000 Euro je nach Qualität zu bekommen. Was der Block der liegen geblieben ist wirklich wert ist, wie soll man das beurteilen. Hier ins Thema gehört er meiner Meinung nach auf jeden Fall.



(Titelbild Sammlung Burrus 1963)

In der Losbeschreibung wird erwähnt, dass es sich um das am teuersten verkaufte Stück aus der Burrus Auktion von 1963 handelt.



(Links Sammlung Ferrari V 1922; rechts Sammlung Hind VII, 1934)

Was in der Gärtner Auktion aber leider nicht beschrieben wird, der Block stammt nicht nur aus der Burrus Auktion sondern auch aus der von Ferrari und der von Hind. Der Block stammt also aus drei der bedeutendsten Generalsammlungen.



(Ferrari V, 1922, der linke Rand ist breiter als heute)

Nach der Ferrari Auktion ist der Block links etwas gerade geschnitten worden.

Weiter heißt es in der Losbeschreibung bei Gärtner: "One of two (if there is another) or unique mint block of four of Luxemburg's first stamp". Die Frage ob es zwei ungebrauchte Viererblocks gibt/gab, stellt sich das Auktionshaus wohl aus der Beschreibung des Auktionskatalogs von Burrus "2 blocs connus" (zwei Blöcke bekannt). Diese Spannende Frage werde ich im zweiten Teil des Beitrags lösen.
 
marc123 Am: 12.08.2021 11:55:46 Gelesen: 14604# 767 @  
@ marc123 [#766]



(Heinrich Köhler 371, 2019)

Es existiert in der Tat ein zweiter ungebrauchter Viererblock. Dieser wurde erst kürzlich (September 2019) bei Heinrich Köhler für 3000 Euro ausgerufen und für 6500 Euro + Aufschlag zugeschlagen. Was ist der Viererblock aus dem vorherigen Beitrag also wirklich wert. 50 000 und 6500 Euro liegen weit auseinander, allerdings ist die Qualitätsunterschied groß. Bei Köhler wird der Block auch besonders schön mit einem Bild von Alfred H. Caspary präsentiert. Provenienzen spielen heute auch eine Rolle und ex Ferrari; Hind und Burrus zusammen sind wohl besser als "nur" ex Caspary.



(Sammlung Caspary 1957)

Der Zuschlag lag 1957 bei 240 Pfund.

Interessant ist auch dass vier der ganz großen Generalsammler einen solchen Block besaßen, die bedeutendsten Luxemburg-Spezialsammlungen allerdings nicht.

Liebe Grüße
Marc
 
Heinz 7 Am: 13.08.2021 12:53:54 Gelesen: 14334# 768 @  
@ marc123 [#767]

Danke für diese Beiträge. Die Auktion 1957 war in den USA, und das Resultat war nur US$ 240.

Ein Preis von Euro 50'000 ist wohl sehrsehr viel für einen solchen Viererblock. Die Seltenheit steht zwar ausser Frage - aber Euro 50'000 ist auch sehr ambitioniert.

Es gibt Auktionshäuser (mehrere, vor allem auch in Deutschland), die setzen aufs Geratewohl sehr hohe Preise an. Beisst ein Käufer an, hatte der Anbieter wohl recht. "Schöner" für eine gerechte Preisfindung ist es aber, wenn Lose günstig angeboten werden, und dann der Markt entscheiden darf, auf welcher Höhe der Hammer fällt. In der Regel werden - bei guten Auktionshäusern - wirklich gute Stücke dann trotzdem gut bis hoch beboten, aber das ist natürlich keinesfalls sicher und oft gibt es auch Schnäppchenpreise, und der Käufer freut sich über einen (zu) tiefen Preis.

Herzlichen Glückwunsch aber an Dich, solltest Du der Käufer bei Köhler gewesen sein. Dann hast Du eine "Granate" preisgünstig erwerben können!

Heinz
 
marc123 Am: 15.08.2021 13:27:25 Gelesen: 13799# 769 @  
@ Heinz 7 [#768]

Lieber Heinz,

Du hast natürlich Recht, das Resultat war in Dollar.

Ich bin gespannt ob und für wie viel der Block eines Tages verkauft wird und werde dann berichten.

Der Käufer bei Köhler war ich nicht, ich weiß aber wer den Block gekauft hat.

Liebe Grüße
Marc
 
marc123 Am: 17.08.2021 12:02:58 Gelesen: 13271# 770 @  
@ marc123 [#767]



Ich habe den "Capary-Block" in 3 Behr Auktionen gesehen 12. 25.5.2011, Los 3904; 15. 1.3.2012, Los 4508 und 18. 13.12.2012, Los 4472.

Der Ausruf betrug jeweils 25000 Euro. Ich weiß aber nicht ob er zum Schluss verkauft wurde. Ich bin auch nicht komplett was die Behr Kataloge betrifft.

Die Beschreibung: "N°1, 10c. noir. Bloc de 4. Fraicheur exeptionnelle. Ex colletion Bolaffi. seul Bloc de 4 connu à ce jour. RRR".

Interessant ist die Beschreibung als Unikat, war der andere Block doch schon längst bekannt. Die Beschreibung ex Bolaffi hilft weiter.

Liebe Grüße
Marc
 
Olivier Nosbaum Am: 17.08.2021 18:02:17 Gelesen: 13192# 771 @  
@ marc123 [#770]

Hallo Marc,

danke für das Zeigen und Erwähnen der beiden Viererblocks der Erstausgabe von Luxemburg.

Ein Teil der Sammlung Bolaffi wurde im Dezember 2004 in Monaco ausgestellt, unter anderem dieser Viererblock. Vermutlich hat schon Giulio Bolaffi den Block 1957 auf der Caspary-Auktion gekauft, denn ebenfalls wurde das Los 642 (siehe [#767]) in Monaco in der Sammlung Bolaffi gezeigt,

leider bin ich auch nicht Besitzer einer dieser Blocks; beide befinden sich zur Zeit in Händlerhand,

beste Grüsse

Olivier
 
Heinz 7 Am: 19.09.2021 12:17:41 Gelesen: 5756# 772 @  
@ Heinz 7 [#462]
@ Heinz 7 [#463]

Wenn man von einer Zahl "12" die erste Zahl weglässt, so entsteht die Zahl "2" daraus. Beim Druck der primitiven Marken 1850 von British Guiana scheint genau dies passiert zu sein. Jedenfalls sieht die Marke auf diesem Brief nach einer "2 Cent" Marke aus, obwohl sie in der Farbe der "12 Cents"-Marke gedruckt wurde: blau!

Im umfassenden Handbuch zu British Guiana von 1970 von Townsend und Howe wird die Marke genau so beschrieben:

"12 Cents, with "1" of "12" omitted" und farbig abgebildet auf "Colour Plate A" nach Seite 32.



Ich habe bereits erwähnt, dass an den Ferrary-Auktionen dieser Brief zu wenig Beachtung fand. Wir dürfen wohl mit Sicherheit annehmen, dass Philipp La Renotière von Ferrary diese Rarität hoch einschätzte. Dafür spricht insbesondere die Tatsache, dass er die Marke nicht vom Brief ablöste, sondern sie auf dem Brief beliess! Das machte Ferrary nur ganz ausnahmsweise (er liess viele Marken von Briefen ablösen, weil er offenbar an Postgeschichte und Briefen kein besonderes Interesse hatte). Der 2-Cent-blau-Brief erhielt dann auch das Besitzerzeichen von Ferrary, den kleinen Kreis mit dem Dreiblatt-Kleeblatt.

Im Oktober 1921 kam der 2. Teil der Ferrary-Auktion zum Verkauf mit u.a. dem Los 199. Dort wurde dieser Fehldruck als "Variété" (also als Abart) bezeichnet, aber nicht abgebildet. Das war erstaunlich, denn sonst geizten die Auktionatoren nicht mit Fotos zu dieser Ausgabe. Nicht weniger als 49 "Cotton Reels"-Marken oder Einheiten wurden an dieser 2. Auktion verkauft, eine unglaubliche Anzahl (alle Ferrary-Auktionen zusammen gar 70 Units (Marken oder Paare)), wovon viele, viele fotographiert wurden.

Briefe mit "Cotton Reels" hatte Ferrary aber "nur" drei:

- Brief mit Paar der 2 Cents (schwarz auf blassrosa)
- ähnlicher Brief mit Paar der 2 Cents (schwarz auf blassrosa)
- oben gezeigter Brief mit Fehldruck 2 Cents blau.

Wie erwähnt wurde Los 199 der 2. Auktion dann nicht teuer verkauft, sondern ging zu einem sehr moderaten Preis weg. Wir dürfen vermuten, dass Maurice Burrus der Käufer war.

42 Jahre später tauchte dieser Brief wieder auf! Nun im Verkaufskatalog von Robson Lowe, als die ebenfalls legendäre Sammlung "BURRUS; 26 NOV. 63; BR. GUIANA" verkauft wurde.

Robson Lowe rückte nun aber das Los mit der blauen 2 Cents-Einzelfrankatur ins rechte Licht mit einem Schätzpreis von immerhin GB£ 5'000. Das war 1963 natürlich sehr viel Geld.

Auch Townsend & Howe würdigten diesen Brief 1970 in ihrem Handbuch. 1986 konnte Jakubek diesen Brief anbieten (siehe Beitrag 462).

Nun kommt dieser Brief wieder zur Auktion, am 14.10.2021 in Genf bei David Feldman: Los 30049. Der Katalogwert der Stückes wird angegeben mit GB£ 1'000'000 (Stanley Gibbons) bzw. US$ 950'000 (Scott). Auf welche Verkaufsdaten die Katalogherausgeber diese Werte begründen, entzieht sich meiner Kenntnis. Der Schätzpreis bei Feldman ist nun GB£ 400'000 bis 600'000. Es ist das am höchsten geschätzte Los der Auktion "British Guiana; the "Imperium" Collection".

Wir dürfen gespannt sein!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 02.10.2021 10:08:29 Gelesen: 3643# 773 @  
@ Heinz 7 [#103]
@ Lars Boettger [#104]

Eine Briefmarke, die auf den ersten Blick einen Katalogwert von US$ 27.50 hat, erlebte in den letzten 46 Jahren einen kometenhaften Aufstieg, wurde schliesslich zu Millionenbeträgen gehandelt, und gilt bei einigen Sammlern als wertvollste US-Briefmarke überhaupt.

Wie ist das möglich? Was ist die Geschichte dahinter? Im monumentalen Buch von L.N. Williams: «Encyclopaedia of rare and famous stamps» (Band 1: 1993) ist diese Briefmarke nicht erwähnt… trotzdem bricht sie heute Rekorde?

Die Beantwortung dieser Fragen ist nicht einfach und einige Grundkenntnisse über die Briefmarken der USA sind hilfreich, um eine befriedigende Antwort zu finden.

Die zuverlässige Bestimmung von US-Briefmarken kann in Einzelfällen sehr kompliziert sein und ist oft nur den Spezialisten möglich. Sammler der US-Briefmarken werden sich in der Regel nach dem Scott-Katalog orientieren, doch ist diese Katalogisierung sehr anspruchsvoll (und weicht von der Michel-Nummerierung deutlich ab!), wie beiliegende Übersicht zeigt. Ich bezeichne mich nicht als Spezialisten für USA, und veröffentliche die nachfolgende Übersicht mit dem Vermerk: «s.e.e.o.» («sauf erreurs et omissions» / ohne Gewähr, anhand der Kataloge Michel 1968+2010 und Scott 2000).



Scott hat zwar nach 1938 die Nummerierung der US-Marken für frühe Ausgaben geändert, doch erfolgte dies offenbar nur für die ersten zwei US-Ausgaben, die Postmeister-Marken und die Carrier-Stamps.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 02.10.2021 10:14:39 Gelesen: 3638# 774 @  
@ Heinz 7 [#773]

Betrachten wir einmal die erste Marke der 3. Ausgabe der USA (1861) mit der Nominale «1 Cent». Es ist die Marke Michel 16, Scott 63.
Bild 1 – Scott Nr. 63



Das Foto/das Los stammt aus der Auktion von Christie’s New York: 28./29.9.1993: «The Ryohei Ishikawa Collection United States Stamps and Covers 1847-1869». Es zeigt eine Marke, die viele von uns kennen, hier hübsch im Viererblock. Trotzdem war der Schätzpreis nicht hoch: US$ 200-300.

Wenn nun dieselbe Marke aber eine Waffeleinprägung hat, wird die Angelegenheit kompliziert. Was eine Waffeleinprägung ist, und warum sie angebracht wurde, dazu übermittle ich einen Text aus «Wikipedia» vom 30.9.2021.

«Waffeleinpressung



G-Grill-Einpressung auf der Rückseite einer US-amerikanischen Briefmarke

Eine Waffeleinpressung bei Briefmarken ist eine Sicherheitsmaßnahme gegen nochmalige Verwendung der Marke. In diese Briefmarken wurde durch eine Gaufrage ein waffelförmiges Muster (englisch grill) eingeprägt, welches die Stempelfarbe besser aufnehmen sollte. Hierbei wurden die Fasern des Papiers durchbrochen, die Stempelfarbe konnte dort besser eindringen und das Abwaschen der Farbe wurde erschwert.[1] Diese Schutzmaßnahme gab es bei Briefmarken aus den Vereinigten Staaten in den 1860er und 1870er Jahren und bald darauf in Peru.

Die Gittertypen der USA sind nach dem chronologischen Erscheinen nach dem Alphabet durch William L. Stevenson eingeteilt worden.[2] Bereits davor gab es Ansätze sie zu klassifizieren, aber das System von Stevenson ist seitdem der Standard.[3] «

Interessant ist, dass vor mehr als 11 Jahren auf «Philaseiten» unter folgendem Thema «Waffeleinpressung als Schutz gegen Wiederverwendung von Marken» genau diese Thematik besprochen wurde, allerdings nicht anhand von Briefmarken der USA, sondern von Briefmarken von Peru (24 Beiträge, im Zeitraum vom 15.11.2009-4.1.2010).

Heinz
 
Heinz 7 Am: 02.10.2021 10:16:45 Gelesen: 3636# 775 @  
@ Heinz 7 [#774]

Diese Waffeleinprägungen sind in den USA natürlich seit dem XIX. Jahrhundert bekannt, meines Wissens kennt man dazu heute 11 (!) verschiedene Typen:

Grill A, Grill B, C, D, E, F, G, H, I, J, Z.

Der Briefmarkenkatalog «Scott» teilte allen Marken mit Waffeleinprägungen eigene Hauptnummern zu! So erhielt die «1 Cent»-Marke von 1861 drei weitere Hauptnummern. Extrem war es bei der «3 Cent»-Marke, die 7 zusätzliche Hauptnummern bekam!

Der Sammler William L. Stevenson hatte anfangs des 20. Jahrhunderts Mühe mit der Zuteilung einer speziellen Waffeleinprägung, und nannte diese Variante darum den «Z-Grill», also ausserhalb der Buchstabenfolge A-J. Aber die Marken 1861 mit Z-Grill wurden schliesslich auch als Hauptnummern katalogisiert, nur fehlten Scott dazu «freie Nummern».

Scott 63-78 (ohne 66+74): Marken ohne Waffeleinprägung
Scott 79-81: Marken mit Waffeleinprägung «Grill A»
Scott 82: Marke mit «Grill B»
Scott 83: Marke mit «Grill C»
Scott 84-85: Marken mit «Grill D»
Scott 86-91: Marken mit «Grill E»
Scott 92-101: Marken mit «Grill F».

Grill Z sollte gemäss damaliger Meinung zwischen Grill D und Grill E eingeordnet werden, also behalf sich Scott mit folgenden Zusatznummern:

Scott 85A: 1 Cent-Marke, Grill Z
Scott 85B: 2 Cents-Marke, Grill Z
Scott 85C: 3 Cents-Marke, Grill Z
Scott 85D: 10 Cents-Marke, Grill Z
Scott 85E: 12 Cents-Marke, Grill Z
Scott 85F: 15 Cents-Marke, Grill Z

Somit ergaben sich für die 1 Cent-Marke folgende Katalognummern:

Scott 63: Marke ohne Grill
Scott 85A: Marke mit Grill Z
Scott 86: Marke mit Grill E
Scott 92: Marke mit Grill F.

Michel summiert diese Marken mit Waffeleinpressung unter der Nummer 16 W.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 02.10.2021 10:18:53 Gelesen: 3634# 776 @  
@ Heinz 7 [#775]

Die Scott Nummern 63, 85A, 86, 92 sehen also alle gleich aus, doch ihre Katalogwerte liegen gewaltig auseinander (Notierungen für gestempelte Stücke, Katalog «Scott 2000»)

No. 63 = US$ 27.50
No. 85A = US$ 935'000.00
No. 86 = US$ 425.00
No. 92 = US$ 160.00

Die 85A war also im Katalog 2000 34'000 x höher bewertet als die bildgleiche Marke 63!

Ishikawa hatte auch schöne Exemplare der Scott Nr. 86 (Sechserblock!) und der Nr. 92 (ebenfalls Sechserblock).



Aber er hatte kein Exemplar der Scott Nr. 85 A.

Dies ist aber nicht weiter erstaunlich, denn von der Scott Nr. 85 A sind nur zwei Stück bekannt! Ein Exemplar ist ungebraucht, das andere gestempelt. (Dies galt 1925, heute scheint es anders).

Das ungestempelte Stück ruhte einst in der grossartigen Sammlung von Benjamin K. Miller (1857-1928) (siehe Wikipedia). Er verschenkte seine Sammlung 1925 an die «New York Public Library». Heute ist sie im Smithsonian’s National Postal Museum, nachdem die Sammlung in der NYPL Opfer eines Diebstahls wurde! (153 Briefmarken wurden entwendet, 81 konnten wieder gefunden werden, einige von ihnen aber verändert, um ihre Herkunft zu verschleiern). So vielleicht auch «unsere» 1 Cent-Marke Grill Z, die heute offenbar gestempelt ist. Haben hier die Diebe die Marke verändert, um ihre Spur zu verwischen? Ab 1977 wurde die Miller-Sammlung aus Sicherheitsgründen nicht mehr ausgestellt; erst rund 30 Jahre später (am neuen Ort).

Heinz
 
Heinz 7 Am: 02.10.2021 10:21:41 Gelesen: 3633# 777 @  
@ Heinz 7 [#776]

Die gestempelte Marke «PHILA…» (=Philadelphia) wurde erst 1915 oder 1916 vermutlich von Sammler William L. Stevenson gefunden (gemäss Informationen von Scott Trepel). Offenbar wurde sie später aber vermisst, und erst 1957 bei den Händlern Henry Kuhlmann / Carl Subak wiedergefunden. Es war damals somit das einzige Stück, das man hätte kaufen können. Der sehr angesehene Sammler Lester Brookman kaufte die Marke, die er in seinen wegweisenden Handbüchern schon beschrieben hatte. Die Marke gelangte in die Sammlung Wilbur Schilling, vermutlich gegen einen stolzen Preis. Die Marke, die im Scott-Katalog 1939 noch unbewertet war, wies im Katalog Scott 1970 nun einen Katalogwert aus von US$ 25'000; das war damals sehr viel Geld und dies war eine der höchsten Katalognotierungen weltweit.

Die Marke wurde 1975 offenbar erstmals öffentlich verkauft durch Robert A. Siegel, New York.



Die 1 Cent-Marke wurde im Rarity-Sale 1975 angeboten, und gut verkauft. Der Katalogwert damals lag bei US$ 25'000 und der Auktionserlös war US$ 42'500.

Doch bereits 1977 wurde die Marke zum zweiten Mal an einer öffentlichen Auktion angeboten.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 02.10.2021 10:24:21 Gelesen: 3630# 778 @  
@ Heinz 7 [#777]

Wer der Einlieferer war, ist (mir) nicht bekannt, vielleicht war es Mr. And Mrs. Alvin R. Kantor, die im Auktionskatalog genannt wurden. Unverständlich für mich ist aber die unspektakuläre Anpreisung dieser Rarität! Sotheby Parke Berner Stamp Auction Co., Inc., Danbury, Ct. gab einen unscheinbaren Katalog heraus, auf dessen Titelseite nicht etwa das Unikat zu sehen war, sondern eine unwichtige Marke (Scott no. 17, mit einem Katalogwert von US$ 82.50).



Auf Seite 12 des Kataloges, der nur 313 Lose anbot, hatte es dann aber in sich: «A complete showing oft he «Z» grills» war hier zu sehen:

Los 105: Scott 85A: 1 Cent-Marke, Grill Z
Los 106: Scott 85B: 2 Cents-Marke, Grill Z
Los 107: Scott 85C: 3 Cents-Marke, Grill Z
Los 108: Scott 85D: 10 Cents-Marke, Grill Z
Los 109: Scott 85E: 12 Cents-Marke, Grill Z
Los 110: Scott 85F: 15 Cents-Marke, Grill Z



Immerhin war das Los 105 korrekt beschrieben und auch die Preisangabe (US$ 50'000) gab einen Hinweis auf die Seltenheit des Stückes. Vermutlich stand 1977 die Scott-Katalognotierung damals bei diesem Wert.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 02.10.2021 10:26:32 Gelesen: 3629# 779 @  
@ Heinz 7 [#778]

1985 gab die bekannte Journalistin Donna O’Keefe den zweiten Band einer sehr interessanten Serie heraus: «Linn’s Philatelic Gems». Band 2 von 1985 listete auf Seite 154 nun diese Marke Scott 85A auf, mit einigen Hintergrundinformationen. Wichtig ist ihre Angabe: «Value: $ 110,000». Dazu schreibt sie, dass die Firma «Superior Stamp and Coin Company» Los 105 für US$ 90'000 gekauft hatte. Das Stück wurde offenbar noch im selben Jahr weiterverkauft an Dr. Jerry Buss.

Warum z.B. Ryohei Ishikawa das Stück offenbar nicht kaufen wollte, entzieht sich meiner Kenntnis. Ishikawa baute in diesen Jahren eine sehr bedeutende USA-Sammlung auf und Geld spielte dabei offenbar keine grosse Rolle.

Nur 9 Jahre später konnte «Superior Stamp and Coin Company, Beverly Hills, California» das Stück zum zweiten Mal verkaufen. Per Auktion brachte sie u.a. die «Dr. Jerry Buss Collection» zum Verkauf.



Nun wurde die Marke verkaufsfördernd angepriesen, und dies verfehlte die Wirkung nicht. Buss hatte das Glück, dass Sammler Robert Zoellner eine «USA komplett»-Sammlung zusammentragen wollte, MIT der Scott Nr. 85A. Das Los stiess dann auf grosses Interesse, und wurde erst bei US$ 380'000 zugeschlagen (plus 10 % Aufgeld, also US$ 418'000).

Heinz
 
Heinz 7 Am: 02.10.2021 10:29:15 Gelesen: 3625# 780 @  
@ Heinz 7 [#779]

Doch damit war das Ende noch immer nicht erreicht. Robert A. Siegel durfte 1998 die Robert Zoellner-Sammlung anbieten. (Im Katalog sind beide Scott 85A abgebildet, so auch die früher ungebrauchte Marke aus der Sammlung Miller. Nun trägt sie offenbar einen unklaren (Falsch-) Stempel!).



Der Preis des «Philadelphia»-Exemplares (Los 226) lag 1998 bei beeindruckenden US$ 850'000 plus 10 % = US$ 935'000. Der Käufer des Loses war angeblich Donald Sundman. Dieser tauschte die Briefmarke einige Jahre später gegen einen Viererblock der «Inverted Jennies», welchem ein Wert von US$ 3 Millionen zugerechnet wurde (gemäss Wikipedia). Seither ist die Briefmarke wohl im Besitz des Sammlers William Gross, der in den letzten 20 Jahren schon viele Käufe und einige sehr publikumswirksame Verkäufe gemacht hat.

Damit will ich die wichtigsten Erkenntnisse zu dem kometenhaften Aufstieg einer äusserlich unscheinbaren Briefmarke abschliessen. Meine geäusserte Absicht (16. Juni 2015) konnte ich endlich umsetzen. Die mir bekannten/vermuteten Besitzer der zwei Exemplare dieser speziellen Marke, die eigentlich «nur» eine Abart der Scott Nr. 63 ist, seien hier noch tabellarisch aufgelistet.



(Schluss)

Heinz
 

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