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Thema: Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt
Das Thema hat 712 Beiträge:
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Heinz 7 Am: 27.04.2020 13:15:36 Gelesen: 27035# 688 @  
@ marc123 [#687]

Hallo,

ich habe gestern noch ein viertes Paar gefunden, aus der Sammlung Maurice Burrus, Robson Lowe London, 27.11.1962, Los 109.



Schön, dass du dieses Exemplar uns in Farbe zeigen kannst, denn es ist ganz offenbar dieselbe Marke, und auch die Beschreibung stimmt überein: "ex Ferrary, ex Burrus".

Dass es "das feinste" Exemplar sein soll, wage ich zu bezweifeln, denn im Auktionskatalog Robson Lowe steht:

"...lightly cancelled but there are two tears in the error." Also zwei Risse in der 1d. - Marke. Für mich bleibt vorerst das Stück aus der königlichen Sammlung das Beste (meines Wissens). Der Preis 2018 war also sehrsehr hoch.

Zur Frage des "Hackmey"-Exemplares:

dieses stammt ohne Zweifel aus der Sammlung "Lady Hope" (David Feldman, 2003). Meines Wissens hat Joseph Hackmey seine Kap-Sammlung noch nicht wieder verkauft, sondern sie gehört nach wie vor zu seinem "Imperium" von ca. zwei Dutzend Weltklasse-Sammlungen ("zwei Dutzend" = grobe Schätzung meinerseits). Die Übersicht über seine Sammlungen zu wahren, ist aber schwierig; er hat bereits vieles wieder verkauft.

Heinz
 
marc123 Am: 27.04.2020 21:32:14 Gelesen: 26883# 689 @  
@ Heinz 7 [#688]

Hallo Heinz,

danke für die Antwort bezüglich des "Hackmey"-Exemplares",

@ Heinz 7 [#682]

"und ich hätte dieses Stück aus der königlichen Sammlung sicherlich nicht verkauft! Es sei denn, nach 1952 sei ein anderes (noch besseres) Stück zu der Sammlung gekommen."

@ Heinz 7 [#683]

"Wenn wir das Stück mit jenem aus der Sammlung der Queen vergleichen, können wir feststellen, dass das Dale-Lichtensstein Paar nicht besser ist (Qualität). Es gab also meines Erachtens keinen Grund für die Queen, dieses Stück 1989 zu kaufen, obwohl es in euphorischen Worten beschrieben war:

"A MOST IMPRESSIVE SHOWPIECE SHOWING THE ERROR "IN SITU". UNBELIEVABLY RARE."

Die Frage also bleibt: warum hat Goodwyn Los 127 des Sales 1274 bei Spink freigegeben?"


Ich habe mir ein paar Gedanken über Deine Interessante Frage gemacht.

Wie schon erwähnt ist es wohl das schönste der vier Exemplare Streiten ließe sich höchsten bei der Reihenfolge der Schönheit, über das ("Ferrary/ Burrus-Exemplar"). Die Risse von denen Du schreibst sind mittlerweile restauriert. Ich Zitiere "The error has two closed and restored Tears of no importance" (Corinpfila 231, 30.11.2018, S.50). Aber es ist bei diesem Exemplar nicht wichtig um die Frage zu klären, ob ob es schöner ist oder nicht, weil es ja 2018 verkauft wurde, also nach der Auktion von 2001.

Bleibt also die Frage zu beantworten ob sich 2001 ein besseres Exemplar in der Königlichen Sammlung befand (also ein uns unbekanntes fünftes Exemplar), weil wir die anderen drei ja aufgrund der Qualität und nach 2001 nachgewiesenen anderen Besitzer (bei 2 Exemplaren) ausschließen können.

Etwas hilfreiches habe ich im Buch von Nicholas Courtney, The Queen's Stamps. The AUTHORISED HISTORY of the ROYAL PHILATELIC COLLECTION, (Frome u. London 2004), 231. Allerdings verwirren mich diese Informationen auch etwas und es ist wie ich weiter unten geschrieben habe, nicht ganz einfach eine klare Schlussfolgerung zu ziehen.

Hier wird geschrieben dass es nur vier Exemplare dieser Paare gibt und dass das des Königs ohne Zweifel das schönste ist ("There are only four known examples of the error ONE PENNY blue and FOUR PENCE in se-tenant pair and the King's example was without doubt the finest").

Also scheint es laut diesem Buch kein fünftes Exemplar zu geben. Das Buch erschien 2004, da war das Paar aber schon verkauft. Wurde dieses Thema vom Autor vor der Auktion behandelt oder at er aus dem Buch von 1953 (Beitrag 680) die Informationen entnommen und sie nicht aktualisiert? Bei der Bedankung schreibt der Autor aber dass er Zutritt zur Royal Philatelic Collection hatte.

Auf der gleichen Seite steht, dass der der erste Besitzer W.W.Blest war und den Brief an Williame Averey verkaufte. Dessen Sammlung wurde 1909 an W.H. Peckitt gekauft der sie an Henry Duveen verkaufte.

Das Wort "Brief" stört mich. Ich denke dass das Paar auf einer dieser frühen Stationen abgelöst wurde? Leider ist es im Buch nicht abgebildet. Weiter ist, nachdem das Irrtümliche Austausch der beiden Druckstöcke beschrieben wird, zu lesen:"and it was these very stamps, on piece and cover, that the King was able to buy from Mrs Duveen and her son". Das Wort Brief "cover" bezieht sich hier aber auf einen anderen abgebildeten Brief mit dem Paar in der Farbe Vermillon.

Liebe Grüße
Marc
 
Heinz 7 Am: 28.04.2020 14:46:49 Gelesen: 26691# 690 @  
@ Heinz 7 [#344]
@ Heinz 7 [#345]

Wir haben bei dem sehr seltenen Fehldruck für Südaustralien gerätselt, wie viele Exemplare es von dieser Abart denn gibt. "Weniger als zwölf" war eine Aussage 1987 (Im Buch "Linn's Philatelic Gems 1" von Donna O'Keefe).

Nun gibt es zu diesem Thema eine interessante Ergänzung. Bei Spink London kommt diese Marke zum Verkauf am 29.4.2020



South Australia
1868-79 Watermark Large Star, Perf. 11½-12½
"3-pence" on 4d. deep ultramarine with surcharge omitted

Die Marke hat einen Schätzpreis von GB£ 20'000-25'000. Das ist natürlich nicht "wenig", aber für einen so seltenen Fehldruck doch auch nicht sehr viel.

Gemäss Auktionskatalog gibt es 11 gebrauchte Stücke dieses Fehldruckes. Die Zahl der verfügbaren Stücke ist zudem reduziert, da 4 Exemplare in Museen/Institutionen untergebracht sind. Die ungebrauchten Exemplare sind nicht gezählt. Davon habe ich eines oben gezeigt.

Zitat: "Of the eleven used examples recorded, four reside in institution collections."

Weiter lesen wir zu dem Los:
"neatly cancelled by part Adelaide datestamp, fine. By far the finest example recorded of this iconic error. S.G. 68c."

Auf das tatsächliche Ergebnis dürfen wir also gespannt sein!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 28.04.2020 15:11:35 Gelesen: 26685# 691 @  
@ marc123 [#689]

Lieber Marc,

ich bin sehr zufrieden, dass Du mit uns Deine Überlegungen teilst. Es freut mich, dass wir zusammen die Erkenntnisse so trefflich vertiefen können!

Das Buch: "Nicholas Courtney, The Queen's Stamps" kenne ich nicht! Wenn er darin aber schreibt, es gäbe nur vier Paare dieses gesuchten Fehldruckes (1d/4d. hellblau), dann bestätigt dies ja unerwartet deutlich das bereits Gesagte.

Dass Henry Duveen das Paar aus der königlichen Sammlung besass, wusste ich bereits aus dem Buch von Wilson. Er hat sich ja auch zum Wachsen der Sammlung geäussert und einige Provenienzen angegeben (1952).

Henry Duveen hatte eine märchenhafte Sammlung. An der Ausstellung 1913 in New York war er einer der erfolgreichsten Aussteller, mit mehreren goldenen Auszeichnungen, u.a. für Mauritius und Grossbritannien.

Nach seinem Tod 1919 verkaufte seine Frau Mrs. Duveen die gewaltige Sammlung via Charles J. Phillips, der damals einer der führenden Raritäten-Händler war. 1922 bot Phillips umgehend dem König Georg V. an, sich besondere Stücke herauszupicken. Damals dürfte auch das schöne Cape-of Good Hope-Paar den Weg in die Sammlung gefunden haben.

Ca. 79 Jahre lang war dieses Stück ein Glanzstück in der königlichen Sammlung, bis es, für mich (bisher) unverständlich, in London zum Verkauf freigegeben wurde.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 29.04.2020 21:13:02 Gelesen: 26236# 692 @  
@ marc123 [#689]

Dein Interesse, Marc, an den Fragen, die wir hier erläutern, ermunterte mich, die Bibliothek speziell nach "Cape" zu durchforsten. Vielleicht interessieren die Informationen, die ich heute vorstellen möchte den einen oder anderen Leser?



Ein Handbuch, das ich seit mehr als 30 Jahre kenne, das aber leider noch nicht in meiner Bibliothekt steht, heisst:

Stevenson, D. A., "The Triangular Stamps of Cape of Good Hope, H.R. Harmer, 1950".

Es ist ein grossartiges Buch, bei "Philabooks" beschrieben wir folgt:

"der Klassiker zur Bestimmung der Platten und der Plattenfehler der Kapdreiecke, 1951 ausgezeichnet mit der Crawford-Medaillie der RPS, 142 S.".

Stevenson konnte seine Kenntnisse aus seiner eigenen, phantastischen Sammlung, aufbauen und festigen und er schuf ein Werk, das auch heute noch jedem "Cape"-Sammler wertvolle Dienste leistet.

Ich habe aber den Auktionskatalog, als seine eigene Sammlung 1950 in London versteigert wurde. Der Katalog ist nicht umfangreich, bloss 36 Seiten, aber die 382 Lose der Sammlung zeigen, dass es eine "ganz grosse" Sammlung war. Zum Glück zieren auch 12 Fototafeln den Katalog, und so erhalten wir eine Ahnung von der Bedeutung dieser Sammlung.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 29.04.2020 22:23:00 Gelesen: 26219# 693 @  
@ Heinz 7 [#692]

Kurz nachdem D. Alan Stevenson sein Handbuch von Henry Harmer, London, publizieren liess, durfte H.R. Harmer Ltd. seine sehr schöne Sammlung im November 1950 verauktionieren. Es wurde ein sehr erfolgreicher Verkauf, der immerhin GB£ 16'800 erzielte. Ich weiss, das beeindruckt heute kaum mehr einen Leser, doch GB£ von 1950 waren natürlich eine ganz andere "Hausnummer" als GB£ des Jahres 2020!



Im Moment ist die "1 Penny blau anstatt 4 Pence" im Zentrum unserer Betrachtungen. Also richten wir zuerst unser Augenmerk auf diese Marke. Stevenson konnte immerhin drei dieser Fehldrucke vorweisen:

Los 230: 1 d. pale blue, used on piece
Los 231: 1 d. pale milky blue, "apparently unused"
Los 232: 1 d. pale milky blue in a pair with 4 d.

Alle drei Lose sind "Hammer"-Lose!

Los 230 ist ein Stück auf einem (kleinen) Fragment, davon gibt es extrem wenig.
Los 231 ist zwar angeschnitten, aber ungebraucht (!) (eines von zwei Stücken)
Los 232 ist eines der seltenen Paare (1d/4d)



Wir sehen, dass dieses Stück eine atemberaubende Provenienz-Liste hat:

Stevenson (1950)
D'Arcy Hall (1962)
Lady Hope (David Feldman 2003)
Joseph Hackmey (Large Gold-Sammlung London 2010)

Schon Harmer schrieb (1950): "Only three other pairs exist". Das ist auch heute, 70 Jahre später, im Moment mein Wissensstand.

(Fortsetzung folgt)

Heinz
 
Heinz 7 Am: 29.04.2020 23:09:42 Gelesen: 26200# 694 @  
@ Heinz 7 [#693]

Wenn ich hier von der Stevenson-Sammlung schwärme, ist es vielleicht auch angezeigt, dass wir auch von anderen Grossraritäten dieser Sammlung sprechen. Es ist nämlich so, dass andere Lose noch deutlich höhere Preise erzielten, als es "unser" 1 Penny-Blau-Fehldruck schaffte.

Im November 1950 wurden neben 3 "blauen" 1861 Woodblock-Fehldrucken gleich fünf "rote" 1861 Woodblock-Fehldrucke angeboten. Wir haben diese Marke auch schon kennengelernt.

Michel Nr. 5 ist die reguläre 1 Penny Marke "Woodblock" in der Farbe rot/hellkarmin. Bei der Produktion der Marke wurden aber einige Fehldrucke produziert, als ein 4 Pence-Klischee eingesetzt wurde, und so ergaben sich Fehldrucke:

Michel 6 F I - 4 Pence rot
Michel 6 F II - 4 Pence hellkarmin

Dieser Fehldruck ist im Michel deutlich höher bewertet als die Nummer 5 F (1 Penny hellblau).

Bei Stevenson kam ein unglaublich attraktives Stück zum Angebot: Ein Viererblock der 1 Penny-Marke "vermilion", bei der ein Wert aber eine 4 Pence-Marke ist. Es gibt angeblich nur zwei solcher Viererblocks.



Dieses Los erreichte einen schwindelerregenden Preis von GB£ 1'450.

Der andere Viererblock ist noch besser: er ziert einen ganzen Brief von Gradock nach Graham Town. Er ist natürlich eines der Spitzenstücke von Cape of Goof Hope.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 30.04.2020 16:54:46 Gelesen: 26044# 695 @  
@ Heinz 7 [#694]

Ich bin immer etwas vorsichtig, ein Stück als "das Beste" eines (grösseren) Sammelgebietes anzugeben. Welches ist das "beste"/wertvollste philatelistische Stück der Schweiz? von Altdeutsche Staaten?

Gleichzeitig ist genau diese Frage aber auch ungemein interessant und herausfordernd und treibt seit mindestens 150 Jahren zahllose Autoren an, Antworten zu suchen. Schön ist, wenn wir gelegentlich die Musse haben, uns diesen Fragen hinzugeben und wenn wir seriös versuchen, Antworten zu liefern, die zu überzeugen vermögen.

Stellen wir uns diese Frage für das Sammelgebiet "Cape of Good Hope" (Südafrika), so haben wir einige Kandidaten, die für den Spitzenplatz in Erwägung gezogen werden dürfen.

Von den berühmten "1861 Woodblock-Farbfehldrucken" haben wir bereits Einiges erfahren (in diesem Thema: Beitrag 181 und 681 ff). Es mag überraschen, dass die Brüder Williams aber meines Wissens keinen "Census" veröffentlicht haben der Michel Nrn. 5 F, 6 F I oder 6 F II. Diese Aufgabe leisteten sie aber zu einer anderen Dreieck-Marke; der 4 Pence schwarz.

Neben der 4 Pence Marke dunkelblau der Druckerei Perkins, Bacon & Co. (ab 1853) (Michel Nr. 2) gibt es noch einen Wert 4 Pence in schwarz. Diese Marke war lange Zeit geheimnisumwittert. Im Katalog Michel ist diese Marke nicht katalogisiert! In der Zeitschrift "Stamp Collectors' Fortnightly", vol. 47, pp 9ff, 25.1.1941 dokumentierten die Gebrüder Williams die Kenntnisse um die damals 6 bekannten Stücke. 56 Jahre später,1997, listete L.N. Williams auch weitere fünf Neuentdeckungen auf (total also 11 Marken), im Buch: "Encyclopaedia of rare and famous stamps; Vol. 2: The Biographies".

Die A: unused: No. III+VII
Die A: used: No. I+II+VI+X+XI
Die B: unused: keine
Die B: used: No. IV+V+VIII+IX

also 2+5+0+4 = 11 Einzelmarken.

Nr. III ("Die A"/unused) ist in der königlichen Sammlung (seit 1924). Die übrigen 10 Stück scheinen sich "in freier Wildbahn" zu befinden, und sie werden gelegentlich angeboten.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 30.04.2020 18:07:24 Gelesen: 26002# 696 @  
@ Heinz 7 [#695]

Die Cape of Good Hope Dreiecksmarke Fourpence schwarz war in der Dale-Lichtenstein Sammlung zweimal vorhanden.



Die Auktion fand statt am 25./26.11.1989 bei Harmers of New York, ausnahmsweise in Washington. Lose 282 und 283 waren bei L.N. Williams registriert als Nr. I (=282) und Nr. II (=283). Beide Marken waren ca. 1930 von Sammler Riesco gekauft worden, gingen dann an den Raritätenhändler Frank Godden und kamen dann in die Sammlung von Lichtenstein und Tochter Louise Boyd-Dale.

Diese Briefmarken sind offenbar sehr selten. An der Auktion 1989 erreichten sie folgende Ergebnisse:

283 = US$ 26'000 + 10 % = US$ 28'600
284 = US$ 8'000 + 10 % = US$ 8'800

Besonders das zweite Ergebnis ist sicherlich als tief zu bezeichnen für ein so seltenes Stück.

Im Buch "Encyclopaedia of rare and famous stamps; Vol. 2: The Biographies" sind auch sonst einige Verkaufserlöse für die 11 Stücke genannt. Ich konnte keine ausserordentlich hohen Verkaufserlöse feststellen. Preislich steht also die Fourpence deutlich hinter den zwei Woodblock-Fehldrucken zurück.

An der Auktion in Washington 1989 wurden ansonsten einige bemerkenswert hohe Ergebnisse erzielt.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 30.04.2020 18:26:20 Gelesen: 25972# 697 @  
@ Heinz 7 [#695]

Ich habe von der Frage des wertvollsten philatelistischen Stückes von Cape of Good Hope gesprochen, und will mich nun nicht ohne mögliche Antwort verabschieden.

Der 1861 Woodblock 4 Pence-Fehldruck "vermilion" im Viererblock (mit drei "richtig-farbigen" 1 Penny-Marken) wurde schon 1950 sehr teuer bezahlt, siehe [#694]. Es gibt diese atemberaubende Rarität aber auch auf einem Brief! Und dass dieser die Aufmerksamkeit der grössten Sammler auf sich zog, ist klar!



Alfred Lichtenstein erwarb diesen Brief und an der Auktion 1989, als die Sammlung von ihm und seiner Tochter verkauft wurde, war Los 391 ein Höhepunkt der Auktion. Der Zuschlag von US$ 360'000 (+10 % = US$ 396'000) war denn auch der mit Abstand höchste Preis an dieser Auktion.

Damit haben wir eine gute Antwort auf die oben erwähnte Frage gefunden.

Zu diesem Schluss kam vielleicht auch der Sammler Joseph Hackmey, der diesen Brief kaufte (bereits 1989 oder später?). In seiner märchenhaften Sammlung nimmt genau dieser Brief eine besondere Stellung ein: er wurde als Titelfoto gewählt für die Sammlungs-Dokumentation:



Edition d'Or - The Joseph Hackmey Collection.

Heinz
 
10Parale Am: 01.05.2020 01:09:36 Gelesen: 25843# 698 @  
@ Heinz 7 [#697]

Einer der besten Threads in Philaseiten. Einen großen Dank an Heinz 7.

10Parale
 
Martin de Matin Am: 01.05.2020 14:45:00 Gelesen: 25695# 699 @  
@ Heinz 7 [#695] und [#696]

Als Ergänzung zu dem schwarzen "Fehldruck":

In der Sammlung die ich Beitrag [#685] aufführte wurde mit Losnummer 117 auch eine schwarze 4 Pence mit einen Schätzpreis von 12000 bis 15000 Pfund angeboten. Bei dieser Marke sowie bei den beiden oben gezeigten ist nicht gerade deutlich der typische Stempel für die Kapdreiecke zu sehen.



"Diese Marke war lange Zeit geheimnisumwittert". Ist die Marke denn heutzutage nicht mehr geheimnisumwittert? Oder wurde angeblich ein Geheimnis gelüftet warum die Marke entstanden ist, und wie es zur Verwendung dieser kam; damit potentielle Käufer viel mehr Geld dafür zahlen? Ich habe bisher noch keine eindeutig gestempelte Marke davon gesehen.

Die RPS konnte in der Frühzeit die Echtheit des Stempels eines Stücks aus der Sammlung E. Cooper nicht bestätigen.

Im Handbuch der Briefmarkenkunde wird ein ungebrauchtes Stück mit Gummi der schwarzen 4 Pence in der zweiten Type 2, also nicht die Type1 aus der königlichen Sammlung, in der Sammlung R. Roberts aufgeführt. Diese ist nicht in der Liste von Williams aufgeführt; ist dies Stück verschollen oder hat es sich als Fälschung erwiesen?

@ Heinz 7 [#683]

Nur ein kleiner spekulativer Gedanke, was den Verkauf des blauen Paares mit dem Fehldruck aus der königlichen Sammlung betrifft. Wann würde ich mich von solch einem schönen Stück trennen? Wenn ich umbedingt das Geld brauche, ich eine schöneres Paar habe oder ich eine grössere Einheit davon besitze. Es werden nicht alle Seltenheiten die es gibt, über den Auktionsmarkt verkauft und somit der breiten Öffentlichkeit bekannt. Es waren zum Zeitpunkt des Verkauf auch sehr viele Jahre vergangen seit die Inventarliste der königlichen Sammlung erschien.

Gruss
Martin
 
Heinz 7 Am: 04.05.2020 19:57:25 Gelesen: 24346# 700 @  
@ Heinz 7 [#695]

Als Beitrag "700" unseres schönen Themas habe ich mir etwas Schönes aussuchen wollen, und - meines Erachtens - auch gefunden. Doch zuerst eine Ergänzung.

@ Martin de Matin [#699]

Martin sagt, zu Recht, die Marke sei immer noch geheimnisumwittert. Ich habe den Artikel von Leon N. Williams noch nicht gelesen, den er zu dieser Marke zuletzt geschrieben hat (im "Stamp Collecting", Vol. 132, numbers 11-13, Februar 1979), aber ich vermute, dies sei der letzte Stand des Wissens, aber ich werde weiter Ausschau halten nach neueren Informationen. Interessant die Ausführungen von Dr. Julius Kaufmann (1960) in seinem Büchlein: "Zwölf berühmte Briefmarken", wo er zu meiner Freude auch die Kap-Dreiecke behandelt (S. 110-122). Zu den Schwarzen 4 Pence Marken schreibt er u.a.

"Von der 4-Pence gibt es eine Abart, die in der philatelistischen Literatur zu den meist umstrittenen gehört und über deren Entstehung und Bedeutung Ströme von Tinte vergossen worden sind: schwarz (oder blau-schwarz) statt blau. (...). Auf dem ersten Internationalen Philatelistenkongress in Paris im Jahre 1878 wurde über die Entdeckung eines solchen Stückes von Hermann Hirsch berichtet. Dieser erklärte, es stamme von dem Sohn des Gouverneurs von Santo Domingo, der es seinerseits von seinem Vater aus der Korrespondenz mit dem Gouverneur des "Kap der Guten Hoffnung" erhalten hatte. An der Echtheit des Stückes konnte nicht gezweifelt werden. (...). Hirsch selbst vertrat die Ansicht, der Gouverneur der Kap-Kolonie habe anlässlich des Todes des Prinzregenten von England dreihundert Trauermarken der 4d - das heisst: schwarz statt blau - in London bestellt. Acht Tage nach ihrer Ankunft seien sie zurückgezogen worden, achtzig seien bereits verkauft gewesen, während man die übrigen 220 zerstört habe."

Diese Ansicht wurde angefochten. Den heutigen Erkenntnisstand kenne ich nicht. Oder war es doch ein Probedruck, der dann später noch zur Verwendung kam?

@ 10Parale [#698]

Besten Dank, diese Anerkennung tut mir gut.

* * * * *

Wir haben in diesem Thema einiges gelesen über den Fehldruck 1861 Woodblock, One Penny hellblau (statt rot). Im Thema "Hervorragende Sammlungen - Kap der Guten Hoffnung" sahen wir aber, dass der rote Fehldruck (Four Pence) noch deutlich höher bewertet wurde, als der blaue.

https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=231764

Die "Four Pence"-Marke (rot statt helblau) gibt es ungebraucht angeblich nur zweimal. Sie wurde 1982 zum Verkauf angeboten, zu einem Schätzpreis von GB£ 20'000 (unterer Schätzpreis). Dies entspricht einem Gegenwert von ca. CHF 138'088 (Umrechnung auf Ende 2019). Der tatsächliche Verkaufspreis war mir gestern noch nicht bekannt.



Heute entnehme ich aber aus dem Buch "Bolaffi International 1970-1990", dass diese Marke offenbar wie folgt verkauft wurde:

Hammer Price: GB£ 24'000

Seltsam ist jedoch, dass der "purchase price" um 13.6 % über dem "hammer price" gelegen haben soll. Das Aufgeld betrug aber meines Wissens nur 10 %, wie bei Los 897 richtig gerechnet wurde. Bolaffi rechnete die Resultate in seinem Buch um in US-Dollar. Vielleicht hat er dabei einen Fehler gemacht (beim "hammer price" oder beim "purchase price").

Ich nehme nun einmal an, der Betrag von GB£ 24'000 sei zutreffend; Endpreis dann also GB£ 26'400.

Interessant ist nun sicherlich, wieviel denn die Sammler früher kaufkraft-bereinigt für diese Rarität bezahlt hatten. Wir wissen, dass genau dieses Los schon in den berühmten Ferrary-Sales angeboten wurde! Damals erreichte es stattliche FRF 41'000, dazu kam ein Aufgeld von 19.5 %. Nach den Umrechnungskursen der Ergebnisliste errechnen wir also einen Kaufpreis 1924 von GB£ 610 oder von US$ 2646.

Dieser Betrag umgerechnet in Schweizer Franken und verzinst bis heute ergibt einen Wert von CHF 181'164 (2019). Das heisst, dass der Käufer des Ferrary-Loses (1924) eigentlich fast genau gleich viel für das Stück bezahlte wie der Käufer des Stückes aus der Maxwell Joseph-Sammlung (CHF 182'276).

Die Abweichung der beiden Werte (Stand 2019) aus diesen zwei Verkäufen 1924 und 1982 liegt bei nur 0,6 %!

Eigentlich ein unglaubliches Ergebnis. Das kann Zufall sein, es ist aber auch eine Bestätigung, dass viele seltene Briefmarken früher schon viel wert waren.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 07.05.2020 00:52:59 Gelesen: 23802# 701 @  
@ Heinz 7 [#700]

Am Montag schrieb ich, dass Los 890 aus der Sammlung von Sir Maxwell Joseph an der Auktion vom 28./29.10.1982 offenbar einen Zuschlag von GB$ 24'000 erzielte. Die Quelle meiner Information gab ich an. Allerdings wies ich darauf hin, dass die Preisberechnung bei mir Fragen auslöste, und - tatsächlich: ich muss meine Angaben vom Montag korrigieren.

Aus der offiziellen "Price List" von Sotheby's London entnehme ich, dass Los 890 "nur" GB£ 23'000 erzielte, mit Zuschlag also GB£ 25'300.

Am oben Gesagten ändert sich deswegen zwar wenig, aber Ordnung muss sein!

Los 890 erreichte an der Auktion das vierthöchste Resultat. Den höchsten Zuschlag erreichte ein anderer Four Pence-Farbfehldruck. Ich habe im Thema "Hervorragende Sammlungen - Kap der Guten Hoffnung" darüber berichtet [1].

Gute Nacht!

Heinz

[1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=232303
 
Heinz 7 Am: 18.05.2020 16:45:48 Gelesen: 21629# 702 @  
@ Heinz 7 [#344]
@ Heinz 7 [#345]
@ Heinz 7 [#690]

Den Fehldruck von Südaustralien



South Australia
1868-79 Watermark Large Star, Perf. 11½-12½
"3-pence" on 4d. deep ultramarine with surcharge omitted

habe ich schon ausführlich besprochen. Mit nur 7 verfügbaren Exemplaren ist diese Abart natürlich eine Rarität ersten Ranges! Insbesondere das nun angebotene Exemplar ist interessant, soll es sich doch um das schönste Exemplar von allen handeln!

Nun ist das Ergebnis der Auktion bekannt: Spink, London 29.4.2020.

Der Schätzpreis war bei GB£ 20'000 angesetzt, was ich vor der Auktion wie folgt kommentierte:

"Das ist natürlich nicht "wenig", aber für einen so seltenen Fehldruck doch auch nicht sehr viel."

Nun - offenbar waren mindestens zwei wohlhabende Sammler derselben Meinung, und so fiel der Hammer erst bei GB£ 40'000. Dazu kommen m.W. 20% Aufgeld.

Es ist doch wichtig zu sehen, dass die guten Stücke immer wieder auch "gute Preise" bringen.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 27.05.2020 22:13:16 Gelesen: 19982# 703 @  
@ Heinz 7 [#702]

Ich weiss es nicht!

Diese unbefriedigende Antwort muss ich geben auf die Anfrage, welches denn die teuerste Sammlung aller Zeiten gewesen ist.

Natürlich ist die genaue Frage wichtig. Wir kennen Generalsammlungen, die innert weniger Jahre verkauft wurden, wie diejenigen von Ferrary, Hind, Caspary, Burrus, Dale Lichtenstein ... Diese Sammlungen kommen in der Summe auf Beträge, die (in heutigen Werten) über CHF 20 Millionen liegen.

Innerhalb dieser Verkäufe waren einzelne Ländersammlungen, die für sich genommen sehr bedeutend waren, wie z.B. Burus Schweiz, Caspary USA, Hind Mauritius, Ferrary Britisch Guiana, Dale Lichtenstein Kap der Guten Hoffnung. Gut möglich, dass eine solche Sammlung eines "Generalsammlers" auch die Krone der teuersten Ein-Land-Sammlung erreicht hat. Aber natürlich gibt es auch Sammler, die sich auf wenige oder sogar nur ein Land konzentrierten, und dann äusserst wertvolle Sammlungen zusammenstellen konnten.

Einige Länder stechen hervor, wenn es darum geht, besonders hohe Ergebnisse zu erzielen. Mauritius ist so ein Land.

Die vielleicht beeindruckendste Mauritius-Sammlung kam 1993 zur Auktion in Zürich, als David Feldman, damals in Zürich, die Sammlung von Hiroyuki Kanai verkaufen durfte.

Die Sammlung umfasste immerhin 452 Lose. Diese hatten einen Schätzwert von über CHF 10 Millionen! Aber das Ergebnis übertraf den Schätzpreis sogar noch um über 20%. Rechnen wir das Aufgeld von 15% hinzu, ist die Gesamtsumme noch beeindruckender und übertrifft die Marke von CHF 15 Millionen!

Natürlich waren die Erstausgaben "Post Office" die Höhepunkte der Sammlung, aber daneben glänzten auch viele weitere Stücke. Im Katalog 1993 lesen wir zum Los 201: dies sei das wertvollste "item" von Mauritius neben der "Post Office"-Ausgabe.



Wir haben diese Briefmarke (bzw. auch dieses Paar) in diesem Thema sogar bereits besprochen!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 27.05.2020 23:04:56 Gelesen: 19961# 704 @  
@ Heinz 7 [#703]

Wir wollen uns diesen Leckerbissen genau ansehen und ausführlich besprechen.

Der Schätzpreis lag meines Wissens bei CHF 10'823'850
dabei waren 8 Lose ohne Schätzpreise (Angabe: "Offer") ins Rennen geschickt worden.

Die Zuschläge waren beeindruckend

8 Lose mit Zuschlag, angeboten ohne Schätzpreis
262 Lose wurden über dem Schätzpreis zugeschlagen, (immerhin 48 Lose: mindestens eine Verdoppelung oder noch mehr)
41 Lose wurden zum Schätzpreis zugeschlagen
137 Lose realisierten einen Preis unter dem Schätzpreis
4 Lose blieben offenbar unverkauft

Der Zuschlag liegt meines Wissens bei CHF 13'202'570
dazu kommt ein Aufpreis von 15 % = CHF 15'182'955.50
nach meiner Rechnung ergibt das einen heutigen Gegenwert von CHF 20'026'267 (per 31.12.2019)

Ob das nun die teuerste Ein-Länder-Sammlung aller Zeiten ist, weiss ich nicht. Aber es wird schwierig sein, Ein-Länder-Sammlungen zu finden, die noch höhere Ergebnisse erzielten. Dass eine Sammlung an einem Tag ein solches Ergebnis erreichte, dürfte aber wohl einmalig sein!



Los 155 erzielte vor fast 27 Jahren damals einen Weltrekordpreis.

Zuschlag = CHF 5'000'000
Preis = CHF 5'750'000 (3.11.1993)
Wert = CHF 7'584'230 (31.12.2019)

Dieser Brief erzielte somit fast 38% des Gesamtergebnisses!

Dieser Rekord (für ein Einzelstück) hatte rund ein Vierteljahrhundert Bestand

Ob es auch die wertvollste Ein-Länder-Sammlung ist, werden wir noch verifizieren.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 28.05.2020 00:22:17 Gelesen: 19946# 705 @  
@ Heinz 7 [#704]

David Feldman stellte bei nicht weniger als 14 Losen einen Schätzpreis ein von CHF 50'000 und mehr! Die Ergebnisliste zeigt uns dann aber, dass sogar 20 Lose diese imposante Hürde überspringen konnten!

Klare Spitzenreiter waren die Post Office-Marken, die alle siebenstellige Ergebnisse erzielten!

1. Der einmalige Brief nach Bordeaux mit einer 1 Penny Marke orange und einer 2 Pence Marke blau: Zuschlag: CHF 5.0 Mio.!
2. Blaue Mauritius, ungebraucht: PR = CHF 1.5 Mio.
3. Orange Mauritius, ungebraucht: PR = CHF 1.4 Mio.
sowie
3. Brief mit One Penny ("Ball Invitation Envelope") = CHF 1.4 Mio.

Zu allen Preisen kamen noch 15 % Zuschlag.

5. wurde ein anderer alter Bekannter: Die Ausgabe "Sherwin" Two Pence ungebraucht im Paar, Los 201, wie oben gezeigt. Bei einem Ausruf von CHF 200'000 kletterte das Los auf einen Zuschlag von CHF 260'000 & 15 % = CHF 299'000.

Dieses Stück zierte einst die Sammlung von Ferrary und erzielte bereits 1921 einen hohen Preis

6. wurde ein wunderbarer Brief mit einem Paar der blauen Zwei Pence Marke, "Post Paid"-Ausgabe, Intermediate Impression.
Bei einem schon stolzen Ausrufpreis von CHF 100'000 schaffte es der Brief auf CHF 190'000 & 15 % Zuschlag = CHF 218'500. Die erste Marke weist den Plattenfehler "PENOE" (statt "Pence") auf



Diese 6 Lose erzielten zusammen die "Kleinigkeit" von CHF 9'750'000 Zuschlag + 15 % = CHF 11'212'500 (1993).

Gute Nacht!

Heinz
 
Heinz 7 Am: 28.05.2020 23:59:04 Gelesen: 19684# 706 @  
@ Heinz 7 [#705]

Wir haben Paare der alten Schweizer Marken in diesem Thema schon besprochen. Wir haben gesehen, dass viele davon schwindelerregende Katalogpreise haben. Eine der am höchsten bewerteten Paare ist die Ausgabe 1849 Schweizerische Bundespost (sog. "Waadt"), 4 Centimes, mit folgenden Katalogpreisen:

Michel Nr. 1 / Zumstein Nr. 9 - Paar
ungebraucht: CHF 280'000
gestempelt: CHF 230'000
auf Brief: CHF 420'000

Es gibt nur sehr wenige solcher Paare. Eines zierte die Sammlung von Alfred Caspary, und wurde 1957 verkauft.

Nun habe ich das Los wieder gefunden, mit wunderbarer Farbfoto-Aufnahme. Ich möchte dieses Paar zeigen, es hat ein wunderbares Aussehen (Schnitt), soll aber gemäss Auktionsbeschreibung geringe Mängel haben



Das Los durfte 2004 in Biel angeboten werden, als Los 54 einer wahrlich bemerkenswerten Auktion. Nach den mir vorliegenden Informationen wurde das Los zum Ausruf/Schätzpreis von CHF 90'000 verkauft. Dazu kam ein Aufgeld von wohl 18 %, also ein Gesamtpreis von CHF 106'200.

Dies ist ziemlich genau doppelt so viel, wie der Käufer des Caspary-Loses 1957 kaufkraftbereinigt damals zahlte: die US$ 3'000 (1957) entsprechen heute (Ende 2019) einem Wert von ca. CHF 53'540.

Beide Preise sind relativ "tief" verglichen mit dem Katalogwert 2018 (Katalog des SBHV, Briefmarken-Händler-Verband). Vielleicht finden wir noch höhere effektive Kaufpreise von Paaren der Waadt 4.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 29.05.2020 15:01:04 Gelesen: 19539# 707 @  
@ Heinz 7 [#706]

An derselben Auktion (Giorgino, CH-2502 Biel/Bienne, 26./27.3.2004) kam auch die teuerste Einzelmarke der Schweiz zum Verkauf, die Bundesmarke 1851, Rayon I, hellblau, mit vollständiger Kreuzeinfassung.

Die Marke ist sehr hoch bewertet:

SBK 2018 - CHF 275'000 gestempelt, CHF 550'000 auf Brief
Michel 2010 - Euro 170'000 gestempelt

Ungebraucht gibt es die Marke nicht. Anfangs des 20. Jahrhunderts kannte man die Marke schon, aber sie war noch nicht hoch bewertet.

Senf 1912: 80 Mark

Die "Schwestermarke" 10 Rappen mit Kreuzeinfassung (Michel 8 I) war immerhin mit 400 Mark bewertet, was zwar bei Weitem nicht für die "Top 100" der Welt reichte (dafür wären 750 nötig gewesen, siehe @ BD [#2]), aber später verschoben sich die Werte. Im "Zumstein 1959" stand die Nr. 16 I (= Michel 8 I) bei CHF 11'000; die 17 I (= Michel 9 I) bei CHF 13'000.



2004 wurde die 5 Rappen hellblau zum Verkauf angeboten. Ausruf war bescheidene CHF 60'000 (Katalogwert Zumstein 2000 damals CHF 160'000).

Mehrere Interessenten schienen konkretes Interesse zu haben. Und so kletterte der Preis auf respektable CHF 140'000. Addieren wir die 18 % Aufgeld hinzu, errechnen wir einen Preis von CHF 165'200.

Die Marke ist optisch (vom Schnitt her) meines Erachtens sehr schön. Der Stempel gefällt mir nicht "Eins-A", aber bei solch seltenen Angeboten muss man als Sammler manchmal "ja" sagen, sonst ist die Chance weg.

Übrigens: die Kaufpreise habe ich dem Buch "Bolaffi 2004 International" entnommen (umgerechnet). Anhand einer Ergebnisliste liesse sich die Frage verifizieren, aber eine EL habe ich zur Zeit nicht zur Hand.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 11.06.2020 12:37:39 Gelesen: 17495# 708 @  
@ Heinz 7 [#164]

Meine Leser mögen mir verzeihen, dass ich "immer wieder dasselbe erzähle", bzw. dass sich gewisse Wiederholungen nicht vermeiden lassen, um neue Beiträge einzubetten in ihr Umfeld und damit meine Ausführungen auch verständlich zu machen. Schliesslich haben wir auch immer wieder neue Leser, und auch sie wollen wir mitnehmen; ihnen erklären, warum uns eine Marke besonders begeistert oder warum wir sie vielleicht nicht ganz so hoch gewichten, wie andere Philatelisten.

Bei der Suche nach dem wertvollsten Stück der Mauritius-Philatelie habe ich mich längst entschieden und bleibe bei meiner Einschätzung: dem Bordeaux-Brief 1847 mit BEIDEN Marken der ersten POST OFFICE-Ausgabe gehört Platz eins!



Gelegentlich wird der "Bombay Cover" als wertvollstes Stück von Mauritius bezeichnet



Ein Grund dafür könnte sein, weil dieser Brief mehr als einmal astronomisch hohe Preise erzielte. Ich werde im Thema "Hervorragende Sammlungen - Mauritius" noch darauf eingehen. Für mich ist aber klar, dass dieser Brief - obwohl einmalig - klar HINTER dem "Bordeaux Cover" einzureihen ist.

Sehr heikel ist nun die Werteinschätzung der Stücke nebeneinander. Noch nie wurden diese zwei Stücke gemeinsam angeboten und "der Markt" hat uns eine Antwort auf die Frage gegeben! Die Stücke kamen immer wieder zeitversetzt zur Auktion. Der einzige Mensch, der meines Wissens BEIDE Briefe besass, war Alfred Lichtenstein! Er hat aber - für mich unverständlich - den Bordeaux Cover an einen Sammler-Rivalen verkauft: 1922 an Arthur Hind!

Lichtenstein hatte 1917 BEIDE Briefe kaufen können, aus UNTERSCHIEDLICHEN Sammlungen. Das Spitzenstück (aus meiner Sicht) gab er weiter... Seine Tochter Louise Boyd Dale erhielt seine Sammlungen. Nach deren Tod wurde der Bombay Cover verkauft, 1968, 51 Jahre nachdem ihr Vater den Brief erwerben konnte. In den nächsten 32 Jahren (1968-2020) wurde der Bombay-Cover ein paar Mal angeboten.

Viele Leser wissen, wie ambitioniert Philipp La Renotière von Ferrary Briefmarken sammelte, und zwar schon früh, im XIX. Jahrhundert. Wir wissen, dass er die zwei oben genannten Briefe nie besass. Aber er hatte auch etwas "ganz Nettes"...

Dazu müssen wir wissen, dass bekannt ist, dass Ferrary keinen besonderen Wert darauf legte, dass er die Briefmarken AUF BRIEFEN besass: es genügte ihm, wenn er die Marken LOSE besass. Er soll sogar gewisse Marken von Briefen abgelöst haben, was heute als schwerer Fehler angesehen werden muss, und den Wert eines Stückes sehr stark mindert. Aber - andere Zeiten, andere Präferenzen... Ausserdem konnte der "Briefmarkenkönig" Ferrary natürlich mit seinen Stücken machen, was er wollte.

Ferrary hat früh schon im XIX. Jahrhundert sich mit Mauritius-POST OFFICE-Marken eingedeckt, er hatte sogar SECHS Exemplare, wovon er später zwei Exemplare weitergab (eintauschte), sodass an den berühmten Ferrary-Auktionen nur noch vier Marken zum Verkauf kamen.

1881 kam Ferrary in den Besitz von gleich beiden Marken, als er die Philbrick Sammlung kaufte. Wir sollten uns vor Augen führen, dass Ferrary dann erst ca. 23 Jahre alt war! Der "Bordeaux"-Brief wurde erst 1902 entdeckt, der "Bombay"-Brief erst 1898. Beide Briefe wurden um die Jahrhundertwende sehr teuer verkauft - Ferrary drängte sich nicht vor. Er hatte wohl schlicht kein besonderes Interesse daran; an den Finanzen kann es nicht gelegen haben.

1881 erwarb Ferrary folgende Exemplare:



Wir sehen, dass die Marken einmal zusammengehörten! Natürlich denken wir sofort an den "Bordeaux-Brief", aber das "Philbrick-Paar" bestand aus zwei losen Marken, da Frau Borchard 1864 die Marken vom Brief abgelöst hatte.

(Diese Information entnahm ich: Leon N. Williams: Encyclopedia of Rare and famous stamps, Band I, Seite 155. Er verwies auf die Zeitschrift Timbre-Poste von Moens, Vol. 37, Seite 88).

Damit wurde vor 156 Jahren ein ähnlicher Brief wie der Bordeaux-Brief vernichtet, und dieser wurde zum Unikat... Fraglos haben die zwei Einzelmarken heute viel weniger Wert, als wenn sie noch auf dem Original-Brief haften würden. Aber vor 156 Jahren galt dies noch nicht. Und auch Ferrary sah das vermutlich nie so.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 11.06.2020 15:02:59 Gelesen: 17475# 709 @  
@ Heinz 7 [#708]

Maurice Burrus (1882-1959) war ein kluger Mann!

Ähnlich wie Ferrary hatte er das grosse Glück (und das Vermögen), dass er sich schon früh offenbar unbeschränkt Briefmarken-Raritäten zusammenkaufen konnte. Er trat als grosser Käufer bei den Ferrary-Auktionen (ab 1921) in Erscheinung, wenngleich er einige Superraritäten auch dem Konkurrenten Arthur Hind überliess. Als das oben gezeigte Mauritius-Post Office-"Paar" (beide Marken/lose, aber einst zusammen verwendet) (ex Philbrick) 1921 angeboten wurde, war Burrus erst 39 Jahre alt. Maurice Burrus kaufte das Mauritius-Post Office-Philbrick-"Paar" (Sale 2, Los 351).

13 Jahre später fand die Mauritius-Auktion statt von Arthur Hind. Und - obwohl Burrus die losen Marken schon besass, kaufte er auch den Bordeaux-Brief! Er wusste natürlich, dass dieser Brief noch wertvoller ist, als die losen Marken ohne Brief.

Bravo, Monsieur Burrus!

Dass sich Burrus diese "Doppelspurigkeit" leisten konnte, führte dazu, dass 1963 die zwei Lose auch gemeinsam angeboten werden konnten. Und - für uns sehr interessant: die zwei Lose wurden auf ihren unterschiedlichen Wert geschätzt: zuerst vom Auktionator, dann von den Sammlern! Eine aufregende und äusserst seltene Gelegenheit war gekommen! Zum ersten und bislang einzigen Mal.

Mit der Auktion beauftragt war Robson Lowe. Fraglos war dieser Händler einer der führenden Philatelisten des XX. Jahrhunderts. 1905 geboren war er 1963 58-jährig und hatte einen unermesslichen Erfahrungsschatz.

Wie nun würde Robbie die zwei Lose einschätzen? Aufgeregt konsultierte ich den Auktionskatalog:



Los 1 war der Bordeaux-Brief - also der Höhepunkt der Auktion gleich zu Beginn der Auktion!

Der Schätzpreis war GB£ 30'000

Los 2 war das Philbrick-"Paar" (wie ich es nenne, obwohl es natürlich kein Paar im engeren Sinn ist = zwei gleiche Marken zusammenhängend).

Der Schätzpreis wurde auf GB£ 8'000 angesetzt, also bei 27% des Loses mit den zwei Marken auf Brief.

Das mag viele Leser überraschen. Ich bin Robson Lowe dankbar, dass er zu einer so schwierigen Frage Stellung nahm. Das Resultat ist deutlich. Für mich sind die Erfahrungen von solchen Experten wie Robson Lowe sehr wertvoll und lehrreich.

Auch "der Markt" sah das Wertverhältnis ähnlich.

Los 1 wurde verkauft für GB£ 28'000
Los 2 wurde verkauft für GB£ 8'250, also zu 29.5 % des Wertes von Los 1.

Es waren die zwei höchsten Zuschläge an der Auktion von 1963.

Mehr zu der Mauritius-Auktion von Maurice Burrus können Sie lesen im Thema: "Hervorragende Sammlungen: Mauritius".

Heinz
 
Heinz 7 Am: 26.06.2020 01:01:42 Gelesen: 15753# 710 @  
Wenn eine Briefmarkensammlung CHF 2.3 Millionen Franken einträgt, dann ist schon klar, dass diese Sammlung eine sehr gute oder sehr grosse ist. Wenn wir dann noch realisieren, dass dies nur

der zwölfte Teil

von insgesamt 16 Auktionen war, und betragsmässig andere Auktionen noch höher abschlossen, dann wissen wir, dass wir bei einer der grössten Sammlungen "ever" angelangt sind.

Auf mehr als CHF 40 Millionen (umgerechnet auf Ende 2019) belief sich der Verkaufserlös der 16 Caspary-Auktionen, die 1956-1958 stattfanden. Vielleicht sogar CHF 50 Millionen; genau habe ich das noch nicht berechnet.

Aus gegebenem Anlass habe ich mir Auktion 12 vorgeknöpft und analysiert. Sie fand statt an drei Tagen (24.-26.2.1958) und es wurden Marken des British Commonwealth angeboten, 948 Lose im Total.

Gemäss Resultatliste erlöste die Auktion damals US$ 130'492.00. Bei meiner Umrechnung in Schweizer Franken von heute (Ende 2019) verwende ich einen Multiplikator von fast 17.7, um einen Vergleichwert zu haben. So errechnete ich einen Wert von über CHF 2'300'000.

Es mag nun unsere Leser interessieren, welche Länder denn da versteigert wurden. Wenn weniger als 1000 Lose einen so hohen Gesamterlös bringen (Durchschnittspreis mehr als CHF 2'400), dann wird klar: da müssen viele teure Marken angeboten worden sein.

So war es denn auch. 49 x fiel der Hammer erst bei US$ 500 oder darüber (also CHF 8'850). Setzen wir die Latte noch höher, z.B. bei CHF 10'000, dann müsste der Zuschlagpreis bei US$ 565 liegen, das schafften immerhin 42 Lose.



Was wurde denn da verkauft, fragen wir uns. Der Titel gibt Auskunft. 6 Länder hatten grosse Teile in der Auktion, daneben gab es auch Länder mit nur ganz wenigen Losen, z.B. Zypern mit nur 4 Losen (517-520).

Grosse Sektionen waren:

Grossbritannien: 243 Lose
Kap der Guten Hoffnung: 88 Lose
Ceylon: 180 Lose
Indien: 52 Lose
Mauritius: 91 Lose
Transvaal: 134 Lose

Betragsmässig sieht das Resultat erstaunlich aus. Nicht etwa Grossbritannien (mit Abstand am meisten Lose) spielte am meisten ein, sondern Mauritius, dass mengenmässig (Losanzahl) nur an vierter Stelle stand.

Aber Mauritius ist eben (fast) immer speziell.

Zu meiner Überraschung erzielte der Teil "Grossbritannien" nur den vierthöchsten Erlös der 7 Teile. Zum 7. Teil zähle ich alle übrigen Lose (Anzahl 160), die nicht zu einem der 6 oben genannten Länder zählt.

(Fortsetzung folgt)

Heinz
 
Heinz 7 Am: 26.06.2020 14:42:28 Gelesen: 15717# 711 @  
@ Heinz 7 [#710]

An der Auktion von Harmer New York/Caspary, part 12, kamen 948 Lose zur Auktion. 42 davon erzielten ein Ergebnis von US$ 575 und mehr; bei US$ 565 circa liegt der Wert von (heute, d.h. 31.12.2019) Schweizer Franken 10'000.

Ich habe schon erwähnt, dass 6 grössere Länder zum Verkauf kamen, plus mehrere weitere (die ich in "Teil 7" zusammengefasst habe). Bei meiner Auswertung erhalte ich ein etwas anderes Gesamtergebnis, als auf der Liste gedruckt ist, aber wo der Fehler liegt, ob bei mir oder vielleicht auch bei Harmer 1958, will ich nun nicht weiter verfolgen, weil es ja nicht soo wichtig ist. Die 49 Top-Ergebnisse (US$ 500 und mehr) habe ich alle verifiziert. Meine Erstauswertung stimmte.

Dass Mauritius herausragende Ergebnisse erzielt(e), ist an Auktionen nicht ungewöhnlich. So war es auch an dieser Auktion.



"s.e.e.o." heisst: "Sauf erreurs et omissions", also: Irrtum vorbehalten/nicht gründlich verifiziert.

23 % aller Lose von Mauritius erzielten einen sehr hohen Zuschlag von über CHF 10'000. Das ist schon beeindruckend! Die anderen Top-Ergebnisse verteilen sich auf die anderen sechs Gebiete.

Im Auktionskatalog von 1958 war nur ein einziges Los farbig abgebildet! Es war Los 645 von Mauritius, der weltbekannte Viererblock der One Penny, Post Office-Ausgabe, earliest impression. Der Block erzielte dann auch einen hohen Preis: US$ 18'500. Dies habe ich umgerechnet in Schweizer Franken (per 31.12.2019): CHF 327'300.



Das war mit Abstand das teuerste Los dieser Auktion. Dieses Los kostete mehr, als die ganze Grossbritannien-Sammlung!

Wer sich für nähere Einzelheiten der Mauritius-Auktion von Caspary interessiert, dem sei das Thema "Hervorragende Sammlungen: Mauritius" empfohlen. Ich bemühe mich, schon bald meine Würdigung der Caspary-Auktion dort einzustellen.

So viel vorneweg:

Caspary hatte keine Marken der POST OFFICE-Erstausgabe. An den finanziellen Mitteln lag es nicht, Caspary zählte zu den Superreichen des Landes. Aber, man sagt dass die zu seinen Lebzeiten verfügbaren Stücke hätten ihm qualitativ einfach nicht wirklich gefallen. Eine andere Variante ist: Herr Caspary hatte seine strikten Preisvorstellungen. Wenn etwas zu teuer wurde, liess er es vorbeigehen. Vermutlich nicht so bei seinem Haupt-Sammelgebiet USA, aber sonst: da sammelte er ja nicht ganz konsequent ALLES, sondern nur, was ihm gerade gefiel.

Ich weiss nicht, was der genaue Grund war, warum Caspary einige Gelgenheiten ausliess, um sich auch eine Mauritius No. 1 oder 2 zu kaufen. Er hatte diverse Gelegenheiten, wie wir zeigen können.

Heinz
 
10Parale Am: 27.07.2020 20:58:09 Gelesen: 9526# 712 @  
@ Heinz 7 [#541]

Als ich heute die Post aufmachte, stockte mir für eine Sekunde der Atem. Ich dachte schon, ich hätte eine dieser berühmten, vielleicht tatsächlich eine der schönsten Marken, die die Philatelie zu bieten hat, wundersam bekommen: Die Basler Taube, er erste dreifarbige Druck der Welt.

Richard hat sie schon in [#1] erwähnt.

Auf jeden Fall freue ich mich über diesen schönen Brief aus Hergiswil mit der Michel Nr. 1555 (80 + 30 Rappen), Basler Dybli, aus der Briefmarkenausstellung von 1995. Mit dabei der Hexenturm in Sitten aus dem Jahr 1987 mit 2 Exemplaren.

Ein schönes Arrangement, wie ich finde, das an eine der berühmtesten und wertvollsten Briefmarken erinnert.

Liebe Grüße

10Parale


 

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