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Thema: Altdeutschland: Packkammerstempel
Das Thema hat 45 Beiträge:
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Magdeburger Am: 22.02.2010 08:40:54 Gelesen: 41218# 21 @  
Hallo Zusammen,

ich möchte nochmals etwas allgemeines zu Paketbegleitbriefen schreiben.
Letztes Wochenende hatte ich eine kleine Mail - Diskussion mit einem Verkäufer bei Ebay. Angeboten ist ein solcher Brief wurden mit der Aussage, dass der Ortsstempel vom Bestimmungsort widerrechtlich vorderseitig abgeschlagen wurden sei.

Diese Aussage ist komplett falsch.

In meinem ersten Posting (hier #4) habe ich dazu schon einmal etwas geschrieben, gebe mal hier den kompletten Inhalt zum Circular wieder:

No. 14. 1831 Stempelung der Paquet-Adressen bei Abholung der Paquete.
General-Circulare an sämmtlich Post-Anstalten.
18) Um zu verhüten, daß die bereits an die Empfänger ausgelieferten Paquete den Post-Ansalten nicht nach einiger Zeit zum zweitenmal, auf Grund der in den Händen der Adressaten verbleibenden Adresse, abgefordert werden können, ist schon früher bei einzelnen Post-Anstalten die Anordnung getroffen worden, daß die Paquet-Adresse bei der Präsentation auf der Siegelseite mit dem Auslieferungs-Stempel des Tages, an welchem die Abholung geschieht, bedruckt werden.
Dieses Verfahren, welches zugleich den Vortheil gewährt, daß die Adresse ergiebt, wie lange die Paquete gelagert haben, soll jetzt bei allen denjenigen Postanstalten eingeführt werden, wo nicht schon besondere Stempel, bei der Abstempelung der Adressen bei Abholung der Paquete, in Gebrauch sind, oder wo die Paquete nicht ausgetragen werden, und die Adessanten über den Empfang in eigenen Büchern quittieren müssen.

Berlin, den 09.Juni 1831 Der Gerneral-Postmeister Nagel

Die Vorgehensweise der Abstempelung auf der Rückseite des Paketbegleitbriefes setzte sich so jedoch nicht durch, so dass ein Jahr später folgendes erlassen wurde:

Die Bedruckung des Begleitbriefes mit dem dazu bestimmten Stempel der Post-Anstalt vertritt den Beweis der geschehenen Aushändigung. Zur Bedruckung des Begleitbriefes wird der Aufgabestempel der Postanstalt verwendet, in so fern nicht etwas der Umfang des Geschäftes die Lieferung und Anwendung eines besonderen Paket-Ausgabestempels rechtfertigt, dessen Beschaffung der Ober-Post-Direction überlassen bleibt. Die Abstempelung erfolgt auf der Vorderseite des Begleitsbriefes.

Hierin wird deutlich geschrieben, dass auch den normale Ortsstempel zu Anwendung kommen darf, also kein "Muss" zu Anschaffung spezieller Packkammerstempel vorgeschrieben war.

Abschliessend die Vorgehensweise bei der Paket-Versendung, bezogen auf Preussen (in anderen AD-Staaten wird es ähnlich, bis auf dem letzten Punkt gewesen sein):

- Zu Paketen musste ein Paketbegeitbrief mitgesendet werden
- Am Bestimmungsort wurde der Begleitbrief zugestellt - eine Selbstabholung war (fast) nicht möglich - meist siegelseitiger Briefausgabestempel
- Empfänger, oder eine von ihm bestimmte und dazu berechtigte Person, holte innerhalb der nächsten 3 Tage Paket ab, dazu war der Begleitbrief vorzuweisen (Stichwort Packkammergeld).
- Auf Paketbegleitbrief wurde nun vorderseitig die Paketausgabe, entweder mit dem Ausgabe - Packkammerstempel, der normalen Ortsstempel oder mit einem "ausgemusterten" Stempel des Ortes quittiert. (Teilweise wurden die ausgemusterten Stempel aptiert)

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf

Vielleicht können mal einige Paketbegleitbriefe von anderen gezeigt werden.
 
Magdeburger Am: 02.03.2010 13:52:09 Gelesen: 41150# 22 @  
Hallo Zusammen

ich möchte wieder zum eigentlichen Thema zurückzukommen.

Eine leere Begleitbriefhülle von Stettin nach Pyritz als portofreier Dienstbeleg möchte ich vorstellen. Leider ist der Stempel zur Paketausgabe vorderseitig von Pyritz nicht lesbar, jedoch scheint es der normale Ortsstempel zu sein.



Siegelseitig ist ein Ra2 mit schönen runden "Ecken" zu sehen. Dieser wurde in Stettin in der Zeit von 1857 bis 1862 bei der Paketaufgabe verwendet. Die Inschrift lautet "NIEDERL: N o 2".



Von dem Pk-Stempel gibt es auch die N o 1 bei gleicher Verwendungszeit.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 15.03.2010 19:01:31 Gelesen: 41066# 23 @  
Hallo Zusammen

heute möchte ich mal wieder zwei PK-Stempel zeigen.

Dieser (fast schöne) Brief lief am 10.08.1854 von Berlin in das ca 33 Meilen entfernte Posen. Mit ihm wurde gleichzeitig ein Paket von 4 Pfund "in Leinen" verpackt versendet. Hier ist der Mindestfahrposttarif von 6 Sgr anzuwenden (nach Gewichtstaxe ergibt sich nur 3 1/2 Sgr) und diese wurde vom Absender bezahlt. Dargestellt wurde diese mit 2 Werten der Nr 4, wovon leider eine fehlt.

Vorderseitig wurde die Ausgabe des Paketes mit beiden "roten" Stempel bestätigt. Der Rahmenstempel wurde immer in Verbindung mit den K2 abgeschlagen.



Das Stempel-Paar habe ich mal extra herausgezogen.



Siegelseitig ist neben dem normalen Ausgabestempel noch ein "?" - Stempel vorhanden. Ist er als "1" zu lesen, dann dürfte dieser Berlin zuzuordnen sein. Vielleicht gibt es auch oberhalb des Stempels die schriftliche Notiz nach den "Hübner ..." eine Antwort?



Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 30.03.2010 09:24:40 Gelesen: 40933# 24 @  
Hallo Zusammen

heute leider ein etwas unvollständiger Paketbegleit-Brief von Ascherleben nach Magdeburg vom 02.05.1866 mit einer Laufzeit von einem Tag.

Adressiert ist er "An den Herrn Baumeister L´hermet wohlgeboren in Magdeburg". Links unten ist vermerkt: "Anbei eine Rolle Zeichnungen sign(iert) H.L. Königl(iche) Dienst Sache beglaubigt Bernhard Kanzlist" Die Rolle wog 9 Loth und wurde als portofreie Sendung richtig behandelt.

Vorderseite:



und Rückseite:



Die Paket-Ausgabe wurde mit dem (fast traumhaft) schönen zweizeiligen Rahmenstempel der Packkammer am Ausgabetag bestätigt. (Habe ich als 1200 DPI-Scan herausgezogen).



Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf

Ich bitte um Verständnis, dass dies zu diesem Thema mein vorläufig letztes Posting sein wird. Es wird für mich relativ langweilig.
 
Magdeburger Am: 07.07.2010 16:50:37 Gelesen: 40283# 25 @  
Hallo Zusammen

ich möchte diesen als "Soldatenbrief" gekennzeichneten Beleg von Coelleda nach Magdeburg, knapp 15 Meilen von einander entfernt, zeigen.

Adressiert ist er "An den Musketier Carl John bei der I. Companie des 32. Infanterie Regiment in Magdeburg" Unten wurde vermerkt: "wobei im Kästchen mit C. J. und ... bezeichnet"

Zum Infanterieregiment wollte ich mehr ermitteln, jedoch hier wurde ich leider nicht fündig:

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Infanterieregimenter_der_neupreu%C3%9Fischen_Armee

Das Paket wog 10 Pfund 20 Loth und kostete dem Absender 5 Sgr. "Porto" wurde gestrichen - "Frei" wurde neu angeschrieben. Leider ist das Datum schwer lesbar, würde jedoch auf den 03.04. tippen.

Bei der Ankunft in der Magdeburger Packkammer wurde der Rahmenstempel ANo2, hier sogar doppelt, abgeschlagen. Leider ist dies in beiden Fällen nicht sehr "glücklich" gewesen. Zur Bestätigung der Ausgabe des Paketes wurde der Rahmenstempel A. mit Posthorn + Tagesdatum verwendet

Laut Verordnung vom 09.04.1848 wurde die Gewichttaxe auf 1 1/2 Pfennig je Pfund bei Beförderung durch die Eisenbahn herabgesetzt. Ansonsten waren 2 Pfennig je Pfund je 5 Meilen zu zahlen. Laut der Taxverordnung vom 24.12.1824 wurden überschiessende Pfunde nicht berücksichtigt.

Bereits mit dem Gesetz 02.06.1852 gültig ab 01.07.1852 wurde die Gewichtstaxe auf 1 1/2 Pfennige je Pfund je 5 Meilen festgelegt. Überschiessende Pfunde wurden nun voll angerechnet.

Nach und anhand der Taxierung zu urteilen, dürfte der Brief wahrscheinlich aus dem Jahren 1851/2 stammen, denn rein rechnerisch sind 10 Pfund * 2 Pfennige * 3 (für 10 bis 15 Meilen) = 60 Pfennige = 5 Sgr.

Für die Zeit nach dem 01.07.1852 passt die Taxe schon nicht mehr. Dazu die Bestimmungen:

http://www.dasv-postgeschichte.de/PDF/PA_Preussen_1852_Nr_31.pdf

Vorderseite:



Siegelseite:



PK-Teil 1:



PK-Teil 2:



Für weiterführende Informationen wäre ich sehr dankbar, auch zu den fast dunkelgrauen Stempel.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 01.08.2010 12:59:57 Gelesen: 40131# 26 @  
@ Magdeburger [#19]

Hallo Zusammen

heute mal ein Paketbegleitbrief vom 22.05.1862 von Gumbinnen nach Raudonatschen bei Kraupischken.

Zu den beiden Orten habe ich noch folgendes gefunden:

Raudonatschen

http://www.tilsit-ragnit.de/breitenstein/br_kattenhof1.html

Kraupischken

http://www.tilsit-ragnit.de/breitenstein...itenstein1.html

Die Entfernung ist deutlich unter 10 Meilen und somit ist der Mindesttarif von 2 Sgr hier anzuwenden. Für die Paketausgabe wurde der Stempel von Kraupischken verwendet:



Interessant ist jedoch die Siegelseite. Dort ist der Ovalstempel P.No 2 für die Paketannahme von Gumbinnen abgeschlagen. Einen ähnlichen Stempel hatte ich von Insterburg hier schon gezeigt:



Soweit ich es bei der Aufstellung von Prof. Bruns verstanden habe, wurde der Stempel, jedoch mit der Inschrift P.No 1 zuerst in Insterburg verwendet und danach in Gumbinnen. Gleiches sollte für den vorgestellten Stempel gelten, jedoch ist er in der Liste bisher noch nicht für Insterburg gelistet.

links von Insterburg - recht von Gumbinnen



Ich habe beide Stempel verglichen - es sind verschiedene. Deutlich ist der Unterschied beim "N" und auch das doppelt unterstrichene "o" ist anders:

Gumbinnen - schmaleres "N" - größeres "o"
Insterburg - breites "N" + kleines "o"

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf

P.S. Ich antworte mir selbst, da ich nicht weiß, wie ich auf ein bestimmtes Posting hinweisen konnte.
 
BD Am: 01.08.2010 13:39:25 Gelesen: 40125# 27 @  
@ Magdeburger [#25]

Hallo Ulf,

anbei eine Erläuterung zu dem Siegel auf den Soldaten-Packet-Begleitbrief.

Für Pakete galt die Zeitbegrenzung nicht.

Beste Grüsse von Bernd


 
Magdeburger Am: 01.08.2010 14:16:14 Gelesen: 40120# 28 @  
@ BD [#27]

Hallo Bernd

danke für den Hinweis. Eine Frage habe ich noch: Galt diese Vorschrift auch in Preussen?

In der mir vorliegen Übereinkunft zwischen dem Königlichen Kriegs-Ministerium und dem Königlichem General-Postamt vom 26.12.1825 ist dies genau so im §11 geregelt. Spätere Verordnungen diesbezüglich liegen mir bisher noch nicht vor (gab es solche überhaupt?), so dass hier von einer noch geltenden Vorschrift ausgegangen werden könnte.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
BD Am: 01.08.2010 15:32:42 Gelesen: 40116# 29 @  
Hallo Ulf,

diese Vorschrift ist Preußen und galt mindestens bis 1847. Da aber auf deinem Begleitbrief ein Siegel (kein militärisches!) abgeschlagen wurde und er später datieren muss, wird dieser Passus in Friedenszeiten weiterbestanden haben. Die Portosätze für Soldatenbriefe von der Übereinkunft 1825 wurden bestimmt mal herab gesetzt, aber nicht vor 1848.

Beste Grüsse Bernd
 
Magdeburger Am: 01.08.2010 16:16:19 Gelesen: 40113# 30 @  
@ BD [#29]

Hallo Bernd,

danke für die Infos. Aus der Zeit zwischen 1848 bis 1852 liegt mir hierzu nichts vor.

Ich denke, wie ich schon schrieb, dass der Brief aus 1851/2 stammen sollte. Theoretisch wäre ab 1849 möglich, wenn ich den 03.04. richtig lese.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 05.09.2010 16:32:44 Gelesen: 39758# 31 @  
Hallo Zusammen,

folgenden Beleg, was leider nur eine Hülle ist, möchte ich doch hier einstellen: Von Hamburg, dort beim preussischen Postamt aufgegeben, nach Berlin, ca 34 Meilen.

Vorderseitig ist der Ovalstempel P.C. der Packkammer von Hamburg bei der Paketaufgabe verwendet worden.



Auf der Siegelseite gibt es ebenfalls einen Packkammerstempel, jedoch von Berlin, entweder ist es P.C.D.H.P.A. BERLIN oder P.C.E. BERLIN aus den 30iger Jahren, wobei der erstere in rot für das Hofpostamt belegt ist, beim zweiten fehlt eine Farbangabe.



Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
volkimal Am: 08.10.2011 18:47:05 Gelesen: 35873# 32 @  
Hallo Ulf,

auf diesem Paketbegleitbrief aus Münster nach Coesfeld wurde der Coesfelder Packkammer-Stempel abgeschlagen. Weißt Du, was der Rötelstrich auf der Vorderseite soll? Auf der Rückseite ist der Ausgabestempel aus Coesfeld zu finden.



Viele Grüße
Volkmar
 
Magdeburger Am: 08.10.2011 19:16:50 Gelesen: 35869# 33 @  
@ volkimal [#32]

Hallo Volkmar

erstmal zum Packkammerstempel, laut Prof. Bruns wird er unter der Nummer 16 geführt und wertet mit 4 Punkte (3 bis 5 Belege bekannt). Die Verwendungszeit ist zwischen 1865 bis 1873 - also gehört Dein Beleg zu den (ganz) frühen.

Ein Unterstreichen ist mir eher bekannt bei Wertdeclarationen, vor 1861 auch bei protopflichtigen Actensendungen.

Möglicherweise hat der rote Strich etwas mit der Versendeform zu tun. Kleinere Pakete wurden incl. Begleitbrief in Briefbeutel versendet, soweit dies möglich war.

Dazu aus der
Erneute Dienst-Ordnung für die Unter-Beamten in der combinirten Annahme-Expedition für Fahrpost-Gegenstände und Packkammer-Expedition des Post-Amts zu Magdeburg vom 30. September 1851:

.
.

§ 5 Vom Tagesdienste
.
.

b Packet-Annahme

Die Packet-Annahme besorgt auch einer der älteren fest angestellten, unter Hülfsleistung eines zweiten Packboten, welcher die Bezettelung der Packete haltbar und so zu bewirken haben, daß die Register-Nummer unmittelbar neben der Signatur angebracht wird. Hiernächst wird das Packet vorsichtig und so, daß die Register-Nummer nicht verloren gehen kann, auf den Transportwagen gelegt und letztere wird, sobald er vollständig beladen, nach den hinteren Lagerräumen hingezogen. Während der Zeit, in welcher abgesandte Posten verlassen werden, bleibt zur Verhütung von Unregelmäßigkeiten der Transport und die Vertheilung der auszuliefernden Packete ausgesetzt.

In Beziehung auf Verpackung-Signatur u.s.w. der Fahrpostgegenstände ist die Bekanntmachung des Königl. General-Post-Amts vom 1ten Januar 1850 streng zu beachten und es sind die Aufgaben in Differenzfällen darauf hinzuweisen. Auf Erörterungen, welche erfahrungsgemäßig öfter Streit und Beschwerden zur Folge haben, hat sich der annehmende Packbote durchaus nicht einzulassen, vielmehr in jedem solchen Falle den Aufgeber an dem am Packetannahme-Fenster arbeitenden Expeditionsbeamten, resp. an den Expeditionsvorsteher zu verweisen. Wünschen die Aufgeber, daß etwaigen Manquement bei der Verpackung, Signatur rp. durch die Unterbeamten der Packkammer abgeholfen werde, so ist ihnen hierunter zu willfahren und es ist sodann eine mäßige Vergütung zu bedingen. Pack- und Signatur-Material haben die betr. Packboten aus eigenen? Mitteln zu beschaffen.

Ueber 50 Pfund schwere Kisten müssen mit festen Stricken oder Handhaben und Päckereien, welche noch den auf einem am Annahmefenster befindlichen Aushange benannten Ländern noch Nicht-Zoll-Vereins-Gebieten rp. bestimmt sind, müssen mit Inhalts-Declarationen versehen sein. In dieser Beziehung sind die Aufgeber jederzeit an den betr. Expeditionsbeamten zu verweisen.

Darauf, daß die kleineren unter 1 Pfund wiegenden Päckereien, sofern sie nach Form und Inhalt zur Versendung im Briefbeutel sich eignen, mit der Begleit-Adresse zugleich an den Annahme-Expedienten gelangen, hat der betr. Packbote sein Augenmerk mit zu richten und den Aufgebern diesfallsige Weisung zu ertheilen. Die zu diesen Poststücken gehörigen Begleit-Adressen werden mit dem Packet-Lagerraum-Stempel nicht bedruckt. Der Gewichts-Notiz der Gelder und Werthgegenstände fügt der betr. Packbote seinen Namen hinzu. Die Aufgeber dürfen in die Packkammer=Räume nicht eindringen.

Selbst wenn jetzt nicht alles hier zutrifft, ist es doch interessant.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
volkimal Am: 08.10.2011 19:29:35 Gelesen: 35864# 34 @  
@ Magdeburger [#33]

Hallo Ulf,

ich habe in Coesfeld meine Referendarzeit gemacht. Damals habe ich gleich zu Beginn der Referendarzeit von einem Kollegen, diesen Brief bekommen - er besaß drei davon. Als ich kurz darauf erstmals den Coesfelder Briefmarkenverein besuchte, brachte der langjährige Coesfeld-Sammler Dr. Wilde gerade seine neu verfasste Zusammenstellung der Coesfelder Stempel mit. Er kannte den Packkammerstempel noch nicht.

Der Sammler, von dem ich den Stempel eingetauscht hatte und Dr. Wilde waren beide schon seit Jahren Vereinsmitglieder in Coesfeld - sie hatten sich aber nie ausgetauscht.

Viele Grüße aus dem Münsterland
Volkmar
 
Magdeburger Am: 08.10.2011 20:16:35 Gelesen: 35855# 35 @  
@ volkimal [#34]

Hallo Volkmar

spontan fiel mir dazu ein: traurig, traurig, traurig.

Nur mal etwas zur Häufigkeit:

Persönlich interessiert mich nur die Magdeburger Packkammer, speziell sogar fast nur die sogenannten Lager- oder Cursstempel.

Die häufigsten sind die C.No 1 bis C.No 7 (Posting #20) und laut Liste von Prof. Bruns alle mit der Nummer 75.13 belegt. Die angegebene Bewertung sind 3 Punkte (6 - 10 Belege).

Allein den Stempel C.No 2 habe ich 12 mal - insgesamt sind mir z. Z. ca. 80 Belege bekannt. Die Liste führe ich seit ca. 2 Jahren und ich denke, dass noch vieles in Sammlungen schlummert.

Zum Stempel noch ein kleines Beispiel:

Beleg vom 21.01.1851 von Magdeburg nach Neuhaldensleben als Herrschaftliche Justiz Dienst Sache portofrei versendet. Hier ist der C.No 2 vorhanden. Schwach in der unteren Mitte des Beleges erkennt man noch einen L2 des ....... O.L.G. Botenmstr = "Ober Landes Gerichts Botenmeister". Als Name würde Ebeling passen - nur eindeutig erkennen kann ich es so nicht.



Hier ist das Wort Paquet unterstrichen - tja es kann hier auch der Stempel gemeint sein - die Portofreiheit betreffend - die Verlängerung geht in die Richtung.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
dr.vision Am: 29.10.2018 13:48:23 Gelesen: 7326# 36 @  
Moin zusammen,

ich habe hier eine als Begleitbrief benutzte Ganzsache zu einer 4 Pfund 2 Loth schweren Kiste. Aufgegeben wurde sie an einem 2. März. in Neisse (Nysa) für ihren Weg nach Breslau (Wrocław). Der Wertstempel und die zusätzliche Frankatur wurden mit dem Packkammerstempel entwertet. Die Entfernung beträgt nicht ganz 10 Meilen, so dass mir das Porto von 3 Groschen tarifrichtig erscheint. Am gleichen Tag wurde der Paketausgabestempel von Breslau - möglicherweise als Eingangstempel - abgeschlagen.



Die Rückseite macht mir etwas Kopfzerbrechen. Hat jemand eine plausible Erklärung dafür? Lag das Paket ein halbes Jahr in Breslau, bevor es abgeholt wurde?



Kann jemand das Wort vorderseitig unter dem roten Ausgabestempel entziffern?
Ich freue mich auf eure Erklärungen. Danke im Voraus.

Beste Grüße von der Ostsee
Ralf
 
Magdeburger Am: 29.10.2018 15:35:45 Gelesen: 7301# 37 @  
@ dr.vision [#36]

Hallo Ralf,

hochwohlgeb(oren) steht vorderseitig.

Im roten Stempel steht Packetausgabe - also die erfolgreiche Paketausgabe.

Für die rückseitigen Stempel, mehr als ein halbes Jahr später, habe ich keine Erklärung.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
dr.vision Am: 29.10.2018 15:59:39 Gelesen: 7296# 38 @  
@ Magdeburger [#37]

Moin Ulf,

danke für Deinen Beitrag.

Kann es sein, dass der Ausgabestempel als Eingangstempel genutzt wurde? Dann war eventuell der Adressat abwesend und das Paket lag wirklich über ein halbes Jahr.

Aber das wird sich wohl nicht mehr klären lassen.

Beste Grüße von der Ostsee
Ralf
 
Magdeburger Am: 29.10.2018 16:08:43 Gelesen: 7292# 39 @  
@ dr.vision [#38]

Kann es sein, dass der Ausgabestempel als Eingangstempel genutzt wurde?


Hallo Ralf,

eigentlich wäre ein Ausgabestempel erwartbar gewesen - aber vom Datum her unwahrscheinlich.

Dann war eventuell der Adressat abwesend und das Paket lag wirklich über ein halbes Jahr.

Nein, spätestens nach 2 Wochen hätte das Paket zurückgesendet werden müssen. Auch würde es der vorderseitigen Paketausgabe vom gleichen Tage widersprechen.

Mir würde nur eine Doppelverwendung der Ganzsache einfallen. Allerdings wäre die Frage, wie dies hier plausibel erklärbar sein sollte.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
roteratte48 Am: 16.04.2019 09:24:15 Gelesen: 5163# 40 @  
@ Magdeburger [#4]

Guten Morgen Ulf,

darf ich Dir einmal mehr mit einer Frage auf die Nerven gehen? In einer meiner Chaoskisten fand ich den unten abgebildeten Brief, der mich mit einigen Dingen überfordert:

1. Warum wurde der versendeten Dose mit Samtbändern neben einem Brief (auf dem alle Angaben und Stempel ja auch Platz gehabt hätten) ein, dem Brief mit einem Tropfen Leim angehefteten, Begleitzettel mitgegeben?

2. War es üblich, zwei Packkammerstempel anzubringen; rückseitig der K2 und vorderseitig der ovale "Packmeisterstempel"?

Wenn Du die Zeit findest - danke, daß Du mich etwas schlauer machst!

Liebe Grüße - Rolf




 
Magdeburger Am: 16.04.2019 09:46:43 Gelesen: 5158# 41 @  
@ roteratte48 [#40]

Hallo Rolf,

ein Begleitbrief sollte aus einem gefalteten Viertelbogen bestehen - wie es aussieht, war es nicht der Fall. Möglicherweise erfolgte erst später eine Trennung, da auch die vorgeschriebene Petschaft fehlt.

Durch das Anbringen eines "Zettels" rückseitig mit Kleber kann dies so wieder "rechtens" aussehen.

Das Anbringen von mehreren Packkammerstempel ein und derselben Packkammer ist durchaus normal. Die Ankunft des Paketes wurde in diesem Falle zuerst siegelseitig abgeschlagen, vorderseitig die der Paketausgabe.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
roteratte48 Am: 16.04.2019 10:01:05 Gelesen: 5156# 42 @  
@ Magdeburger [#41]

Du hast die Zeit gefunden, Du hast mich schlauer gemacht und das alles innerhalb weniger Minuten! Habe herzlichen Dank dafür !

Liebe Grüße - Rolf
 
10Parale Am: 31.12.2019 21:23:28 Gelesen: 2376# 43 @  
@ Magdeburger

Bei diesem Briefchen las ich auf einem Begleitzettelchen, das vorderseitig ein Packkammerstempel von Hannover sein sollte.

Ich finde zwar einen Stempel von Hannover, der mich an rumänische Fingerhutstempel erinnert vom 2/1 - ist dies aber ein Packkammerstempel?

Vielleicht gibt der dreizeilige Text auf der Briefvorderseite Aufschluss über den Charakter dieses Briefes. Leider kann ich außer einigen Währungsangaben nichts lesen: "Zwei Thaler, dreizehn Groschen und sechs Pfennige Court..."

Die Taxierungen dürften ebenfalls weiteren Aufschluss geben. Der Brief stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist nach Burgsittensen adressiert. Rückseitiger Ankunftsstempel von Sittensen vom 4.1.

Liebe Grüße

10Parale


 
Magdeburger Am: 01.01.2020 06:11:54 Gelesen: 2361# 44 @  
@ 10Parale [#43]

Hallo 10Parale,

oben steht:

Hierauf: Nachnahme ?? Rt 2 13 Gr. 6 Pfennige Cour(an)t
Schreibe: Zwei Thaler , dreizehn Großen, und sechs Pfennige Cour(an)t.

Also ist es ein Nachnahme- bzw. Postvorschußbrief und kein Paketbegleitbrief und somit kann dort kein Packkammerstempel vorhanden sein.

Er sollte auch nach der Währungsumstellung von 1Thaler = 24 Ggr. in 1 Thaler = 30 Groschen (1 Groschen = 10 Pfennige) am 01.10.1858 sein.

PV = 2 Rt 13gr. 6 Pfennige + 15 Pfennige Procura = 2 Rt 15Gr. 1 Pfennige + geraten 3 Groschen Porto = 2 rt 18 Gr. 1 Pfennige.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
JohannesM Am: 01.01.2020 18:51:19 Gelesen: 2329# 45 @  
In Halberstadt gab es Packkammerannahmestempel, ob die Nummern für bestimmte Strecken standen wie von Ulf in #20 beschrieben ist mir nicht bekannt.



Die Nummern 1 bis 3 kann ich belegen:





Dann gab es natürlich den üblichen Packkammerstempel für den Eingang auswärtiger Pakete:



Und natürlich gab es auch die bekannten Ausgabestempel, die ich von N1 bis N5 belegen kann.



Beste Grüße
Eckhard
 

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