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Thema: Belege aus der eigenen Familiengeschichte
Das Thema hat 241 Beiträge:
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volkimal Am: 03.03.2019 14:12:26 Gelesen: 20374# 217 @  
Hallo zusammen,

Victor John wurde nach der Gefangennahme nach Japan gebracht. Er kam zunächst nach Matsuyama, einem kleinen engen Lager, wo es ihnen nicht gut ging. In der damals 38.000 Einwohner zählenden Stadt Matsuyama befanden sich drei getrennte Lager mit zusammen ca. 400 Insassen. Sie wurden am 12.11.1914 eröffnet. Die Gefangenen bekamen die Nummern ab 2766. In welchem der drei Lager Victor John war, ist mir nicht bekannt. Er hatte die Gefangenen Nr. 2940.



Die Postkarte trägt oben rechts den kleinen roten Namensstempel „Motomiya“. Mit diesem Stempel übernimmt der Zensurbeamte die Verantwortung für deren unverfänglichen Inhalt. Auf der rechten Seite sind nebeneinander zwei orange Stempel abgeschlagen. Der Ellipsenstempel (links) ist ein Zensurstempel, der rechte Stempel bedeutet Kriegsgefangenenpost. Solche Einzelstempel gab es in allen schon 1914 gegründeten Lagern. Zusätzlich ist auf der Karte ein roter Stempel „Service des prisonniers de guerre“. Diesen Stempel erhielten fast alle ausgehenden Postsachen, soweit es keine amtlichen Vordrucke waren. Das handschriftliche Zeichen links von der Anschrift bedeutet Deutschland.
Victor John hat diese japanische Ansichtskarte an seine Schwester Anne-Marie John in Berlin geschickt.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 16.03.2019 10:02:47 Gelesen: 19273# 218 @  
Hallo zusammen,

der orange Namensstempel in der Mitte ist diesmal kaum zu erkennen. Ab August 1915 wurden die bis dahin gebräuchlichen handschriftlichen Postleitvermerke von einer Menge verschiedener Postleitstempel abgelöst. Der violette Rechteckstempel bedeutet „Deutschland“.





Der Ortsstempel aus Matsuyama (松山) trägt das Datum 4.12.5. Das Datum ist von rechts nach links zu lesen. Der Stempel zeigt die Jahreszahl "4" nach dem Gengō-System. In diesem Fall entspricht die 4 dem 4-ten Jahr der Taisho –Zeit (Tenno Yoshihito). Man muss zu der japanischen Jahreszahl 1911 Jahre addieren. Der Stempel kommt also aus dem Jahr 1915. Tag und Monat stimmen immer mit unserem Kalender überein.

Unten ist die Uhrzeitangabe 后 2 – 4. Das Zeichen 后 steht für nachmittags.

Viele Grüße
Volkmar
 
fogerty Am: 17.03.2019 18:16:18 Gelesen: 19235# 219 @  
Hoffe mal,ich bin hier richtig mit dieser Karte. Ich habe diesen Beleg im Nachlaß der vor einem Monat im Alter von 99 Jahren verstorbenen Tante meiner Frau gefunden. Tante Hilde lebte damals, 1942, in Marling bei Meran. Ihr jüngerer Bruder Luis besuchte in diesen Jahren, so wie ca 600 weitere Jungens aus Südtirol die Reichsschule für Volksdeutsche in Rouffach im Elsass. Der Absender dieser Karte ist mir leider unbekannt. Wäre dankbar, wenn mich jemand aufklären könnte über die damaligen Bestimmumgen im Postwesen, anscheinend war ein Versand von Ansichtskarten ins Ausland nicht zulässig. Seltsam hier allerdings, wenn man weiß, dass damals ja Deutschland und Italien noch Verbündete waren.



Grüße
Ivo
 
volkimal Am: 01.04.2019 15:02:08 Gelesen: 18405# 220 @  
Hallo zusammen,

es geht weiter mit den Karten von Victor John aus japanischer Kriegsgefangenschaft:

Dieses ist die einzige erhaltene Foto-Ansichtskarte von Victor John. Er steht links und ist durch ein Kreuz gekennzeichnet. Die beiden Männer mit der Armbinde „G“ gehören zum japanischen Personal im Lager Matsuyama. Die Karte geht an Herrn Binder, den Chef von Victor John in Hongkong.



Das violette Dienstsiegel unter dem Ortsstempel aus Matsuyama ist leider kaum zu erkennen. Da die Postkarte nach Shanghai ging, trägt sie den Postleitstempel „China“.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 12.04.2019 18:24:52 Gelesen: 17519# 221 @  
Hallo zusammen,

am 09.04.1917 wurde das Lager Matsuyama aufgelöst. Die Gefangenen wurden in das große Lager Bando überführt. Victor John hatte damit Glück, denn in Bando war ein großes Lager, das auch neutralen Kommissionen vorgeführt wurde. Da die Firmen ihre Angestellten unterstützten, hatten diese auch Geld und konnten ihren Neigungen nachgehen. Manche legten Gärten an, andere kochten und luden ihre Freunde ein, Victor trieb Sprachen, manche machten Musik oder malten. Ich las einmal einen Artikel, wie Beethoven nach Japan gekommen ist. Da wurden die Konzerte in Bando aufgeführt. Obwohl es verboten war, gingen einige Gefangene im Meer schwimmen. Wenn sie erwischt wurden, kamen sie dafür einige Tage in den Bau. Im Lager hieß das immer "Er ist in den Süden verreist'. Aber bei allem hatten sie nicht die Freiheit und sehnten sich nach Hause. Nur wenige Karten waren erlaubt.



Neben dem Poststempel vom 02.02.1918 trägt diese Karte ein großes rotes Siegel (Ellipse) und den roten Leitstempel „Deutschland“ (rechts) der ursprünglich im Lager Tokushima eingesetzt wurde. Nach der Ankunft in Deutschland durchlief die Karte auch noch die Postüberwachungsstelle in Cöln-Deutz.

Berühmt wurde Bando durch zwei überaus leistungsfähige Lagerdruckereien, die Zeitungen, Bücher, Postkarten, Programme, die Lagerpostmarken, das Lagergeld und später die Bordzeitung auf dem Heimkehrerschiff „Hofuku Maru“ herstellte. Auch alle fünf Postkarten aus Bando, die ich hier zeigen kann stammen aus der Lagerdruckerei. Insgesamt gibt es aus den Lagerdruckereien in Bando 65 verschiedene Bild- und 10 Fotopostkarten.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 30.04.2019 14:39:55 Gelesen: 16303# 222 @  
Hallo zusammen,

vom 8. bis 18. März 1918 fand eine Ausstellung „Bildkunst und Handwerk“ im Lager Bando statt. Die Ausstellungsobjekte fanden bei den über 10.000 japanischen Besuchern reißenden Absatz.



Hierbei gelangten 7 verschiedene, in den Lagerdruckereien hergestellte farbige Bildpostkarten und ferner 6 verschiedene Fotopostkarten mit Festtagsstempel der Ausstellung zur Ausgabe. Dieses ist eine der Postkarten. Der Festtagsstempel (oben links) ist leider nicht sehr gut zu erkennen.



Die zweite Karte wurde bei Philasearch angeboten.

Viele Grüße
Volkmar
 
Wesi Am: 01.05.2019 23:36:12 Gelesen: 16212# 223 @  
Hallo,

Anfang dieses Jahres fand ich in dem Bestand eines anderen Sammlers, der sein ganzes Haus von unten bis oben voller Kisten mit Gewinnspielkarten hat, eine Postkarte abgesendet von meiner Oma 1984 an Auf Los gehts Los.

Ein großer Zufall, denn meine Großmutter hat selber nicht oft bei solchen Gewinnspielen teilgenommen und angesichts der Menge an eingehender Post bei Auf Los gehts Los, kommt die Wahrscheinlichkeit diese Postkarte zu finden einem Lotto Gewinn nahe.



Viele Grüße
Moritz
 
volkimal Am: 14.05.2019 15:15:54 Gelesen: 15534# 224 @  
@ Wesi [#223]

Hallo Moritz,

gratuliere! Da hast Du wirklich Glück gehabt.

Bei mir geht es weiter mit Victor John im Lager Bando (Japan):



Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges am 11.11.1918 mussten die Gefangenen das Weihnachtsfest 1918 weiterhin im Lager verbringen. Auch diese schöne Weihnachtskarte stammt aus der Steindruckerei im Lager Bando. Neben dem großen Siegel und dem Leitstempel trägt diese Karte an Victors Schwester den britischen oder amerikanischen Zensurstempel „P.C.“ im Kreis.



Für das Lager war das Postamt in Tokushima-Bando (徳島-坂東) zuständig. Die Zeichen sind im Stempel von rechts nach links zu lesen. Unten ist die Uhrzeitangabe 后 0 – 3. Das Zeichen 后 steht für nachmittags.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 26.05.2019 11:55:13 Gelesen: 14719# 225 @  
Hallo zusammen,

am 14.02.1919 schickte Victor John diesen Ostergruß an seine Schwester in Berlin.



Man sieht, dass ein Paket mit Ostereiern zerbrochen ist und die Ratten sich über den Inhalt hermachen. Einer der deutschen Gefangenen zeigt das Malheur dem japanischen Bewacher – erkennbar an der Armbinde.



Am selben Tag gab Victor auch noch eine Karte an seine Eltern auf - der Vater hieß ebenfalls Victor. Wie man an dem Motiv der Postkarte sieht, sitzen die Insassen des Lagers auf den gepackten Koffern und warten nur darauf entlassen zu werden.

Es hat aber noch 5 ½ Monate gedauert, bis das Schiff mit 944 Heimkehrern am 30.07.1919 von Kobe aus in See stach. Während der Fahrt gab die mitgereiste Druckerei 6 Bordzeitungen heraus. Am 24. Februar traf die Hofuku Maru (= Reichtum und Glück) schließlich in Wilhelmshaven ein.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 04.06.2019 13:18:46 Gelesen: 13993# 226 @  
Hallo zusammen,

es folgen noch ein paar nichtphilatelistische Erinnerungsstücke an Victor John:



Am 26. Februar 1920 wird Victor John in Wilhelmshaven aus dem Militärdienst entlassen. Am 4. März meldet er sich in Berlin. Vom Hilfsausschuss für die Kriegsgefangenenheimkehrer erhält er am 23. März 300 Mark bar ausgezahlt. Schließlich heißt es am 3. April aus Berlin-Schöneberg „Anmeldung hat erfolgt“.



Am 16. September 1920 wird dem Seesoldaten im III Seebataillon in Tsingtau Victor John schließlich noch das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen.

Trude John erzählte weiter:

Bald war Victor in Berlin bei den Seinen; das ganze Haus in der Innsbruckerstraße hatte geflaggt. Unterwegs predigte Victor John seinen Kameraden immer: Die deutschen Mädels gefallen uns bestimmt sehr gut - fallt bloß nicht auf die erste Beste rein. Dennoch war Victor der erste der Heimkehrer, der verlobt war.

14 Tage nach der Rückkehr von Victor John heiratete in Berlin meine Cousine Anneliese John, eine der 4 bildhübschen Töchter des Malers Eugen John, der die jüngste Schwester meines Vaters zur Frau hatte. (Ein paar Generationen vorher hatte es schon einmal eine Hochzeit Stein/John gegeben.) Der Polterabend wurde groß am Sonnabend, den 18.3.20, in der geräumigen Atelierwohnung meines Onkels gefeiert. Jeder musste etwas zu Essen mitbringen, denn Lebensmittel gab es noch nicht ausreichend. Aber wir waren glücklich, dass der Krieg beendet war und feierten fröhlich. Ich war mit meiner Mutter dabei (mein Vater war verreist) und Victor mit seinen Eltern und seinen beiden Schwestern.

Die Hochzeit fand am Montag, den 20.3. statt, in kleinerem Kreise. Dazu war ich eingeladen, Victor und ein paar Freunde und Verwandte. Aber o Schreck! Am 20.3. fand der Kapp-Putsch statt, und nach Berlin fuhren keine Züge. Ich war verzweifelt, zu gerne wollte ich doch die Hochzeit mitfeiern. Da kam mir der rettende Gedanke: Mein kürzlich neubereiftes Fahrrad. Schließlich willigte meine Mutter ein, und ich radelte in Begleitung eines Angestellten von uns hurtig nach Berlin und kam sogar noch rechtzeitig zu der Haustrauung.

Noch auf der Hochzeit haben wir uns verlobt. (22 Wochen nach der Rückkehr Victors aus der Gefangenschaft bzw. 3 Tage nachdem wir uns kennengelernt hatten.) Wir haben eine so harmonische und glückliche Ehe in guten und in schweren Zeiten geführt, dass ich meinem Schicksal nur dankbar sein kann.




Nach der Hochzeit hat Victor John für seine Frau ein Album zusammengestellt: „Erinnerungen an unsere Hochzeitsfeier am 16. Oktober 1920“. Es ist unwahrscheinlich sauber geschrieben und zum Teil farbig illustriert. Victor und Trude John hatten zwei Kinder. 1921 kam die Tochter Ingeborg, genannt Inge, zur Welt, Drei Jahre später folgte der Sohn Lothar.

Soweit die Geschichte von Victor John.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 12.07.2019 20:08:22 Gelesen: 11927# 227 @  
Hallo zusammen,

mit dem letzten Beitrag habe ich die Geschichte von Victor John und die Kriegsgefangenschaft in Japan beendet. Da ich gerade in Ostasien war, werde ich auch in den nächsten Beiträgen überwiegend in Ostasien bleiben.

Walter Dübgen, der Schwager meiner Großeltern

Walther Dübgen ist am 26.03.1890 in Hamburg geboren. Er besuchte die Vorschule in Hamburg-Eilbeck und das Matthias-Claudius-Gymnasium in Wandsbek. Nach dem Abschluss der Schule mit dem „Einjährigen“ („Mittlere Reife“) absolvierte er eine Lehre bei einer Hamburger Schifffahrtsfirma.



Er fand eine Anstellung bei der Ostasienfirma Hugo C.A. Fromm, in der auch sein Bruder Adolf arbeitete. Von 1903 bis 1913 war er für die Firma in Hongkong tätig. Aus dieser Zeit stammt dieser Brief an seine Mutter, den er am 12. August 1910 in Victoria (Hongkong) aufgegeben hat.

Er scheint häufig nach Hause geschrieben zu haben, denn er hat sich dazu Briefumschläge mit der Anschrift drucken lassen. Im eingedruckten Absender stehen die chinesischen Zeichen 富林洋行. Die beiden letzten Zeichen bedeuten "ausländische Firma". Welchen Sinn die beiden ersten Zeichen haben ist mir bisher nicht bekannt.

Ab 1913 arbeitete Walther Dübgen wieder in der Hamburger Stammfirma. Die Firma Hugo C.A. Fromm, Glockengießerwall 18 in Hamburg war eine Import/Export-Firma. Nach China wurden Maschinen, Textilwaren und Chemikalien exportiert. Im Gegenzug wurden Häute, Matte, Öle, Tee und Landesprodukte nach Deutschland importiert.

Soviel fürs Erste, viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 21.07.2019 10:16:07 Gelesen: 11354# 228 @  
Hallo zusammen,

es geht weiter mit Walther Dübgen:

Im Februar 1915 wurde er zum Ersatzbataillon des Infanterie-Regiments 76 in Bremen eingezogen. Bis 1918 war er überwiegend an der Westfront eingesetzt. Ernennung zum Leutnant. Vom September 1918 bis zum Oktober 1919 war Walther Dübgen in englischer Kriegsgefangenschaft.



Ende 1919 fand er eine Anstellung bei der großen Hamburger Japan-Export-Firma Simon Evers u. Co. Dort wurde er 1920 zum Prokuristen ernannt. Am 21.12.1920 heirate er in Gramzow Kläre Hentschel, die Schwester meiner Großmutter. Diese Ansichtskarte von dem Schnelldampfer Europa schickten Walther und Kläre Dübgen an meine Großmutter.



Walther benutzte dabei eine Briefmarke mit einer Lochung seiner Firma. SECO = Simon Evers u. Co.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 31.07.2019 17:04:12 Gelesen: 10706# 229 @  
Hallo zusammen,

Kläre und Walter Dübgen hatten zwei Kinder, Heinz (* 1922) und Christa (* 1923). Aus der Sammlung von Christa Dübgen stammen diese Belege.



Diese Postkarte an ihre Eltern schrieb Christa am 12.05.1956. Sie besuchte gerade das UN-Gebäude. Sie schreibt: „Liebe Eltern! Zuvor habe ich gerade erst einen Brief an Euch abgeschickt, möchte Euch aber doch noch einen direkten Gruß von den U.N.-Gebäuden senden, die ich gerade besichtigte. Das war sehr interessant. Ich sitze hier im Postamt der UN, dessen Marken nur direkt von hier aus gültig sind. Später möchte ich ja gerne mal einer Versammlung beiwohnen, wofür man Karten bekommen kann. Auf den Zuhörerplätzen ist jeweils ein Kopfhörer, wo man auf Englisch, Französ., Spanisch, Chinesisch und Russisch einstellen kann…“



Die Karte trägt einen Maschinenstempel der Vereinten Nationen vom 14.05.1956.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 08.08.2019 10:05:03 Gelesen: 10126# 230 @  
Hallo zusammen,

es geht weiter mit Walther Dübgen:



Neben kleineren Geschäftsreisen führte ihn 1934/35 eine Firmenreise im Auftrag der Hamburger Japan-Export-Firma Simon Evers u. Co. nach Japan und rund um die Welt. Von der Reise stammt dieser Geburtstagsglückwunsch, den er an seine Tante Cläre Pfeiffer geschickt hat. Leider ist der Stempel nicht klar genug um den Aufgabeort zu erkennen. Die Ansichtskarte kommt aus Nikko, einer kleinen Stadt in den Bergen nördlich von Tokio.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 16.08.2019 12:58:10 Gelesen: 9677# 231 @  
Hallo zusammen,

diese großformatige Drucksache mit einer netten Buntfrankatur schickte Walter Dübgen am 08.09.1934 an meinen Großvater. Leider wurde sie mehrfach geknickt.

Oberhalb des eingedruckten Firmenabsenders hat Walther Dübgen einen Gummistempel mit seinem Namen abgeschlagen. Der Gummistempel unten links bedeutet Deutschland.



An der Zahl "34" auf der rechten Seite ist eindeutig zu erkennen, dass es die Jahreszahl sein muss. Wenn die Jahreszahl rechts steht ist das Datum nach unserem Kalender. Der Stempel ist also vom 08.09.1934 AD = 08.09. Showa 9 nach dem japanischen Gengō-System.

Das Porto von 6 Sen passt von 1925 bis 1937 zu einer Auslandsdrucksache mit einem Gewicht bis 150 g.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 22.08.2019 13:50:30 Gelesen: 9210# 232 @  
Hallo zusammen,

während des 2. Weltkrieges wurde Walther Dübgen im Juli 1940 zur deutschen Wehrmacht einberufen und war in Nienburg/Weser bei der Organisation für die französischen Kriegsgefangenen tätig. Dementsprechend haben die beiden folgenden Karten an Walther Dübgen die Anschrift Nienburg/Weser Oflag XB.

Für die Unterbringung von Kriegsgefangenen baute die Wehrmacht im gesamten damaligen Reichsgebiet zahlreiche Gefangenenlager auf. Die beiden hauptsächlichen Lagertypen waren Mannschaftsstammlager (Stalag) und Offizierslager (Oflag). Im norddeutschen Wehrkreis X, Sitz in Hamburg, sind drei Oflag eingerichtet worden: Oflag X A in Sandbostel, X B in Nienburg und X C in Lübeck.





Diese beiden grünen Eilnachrichtkarten hat Kläre Dübgen zusammen mit ihrer Tochter Christa 1944 aus Hamburg an ihren Mann geschickt. Eilnachrichtenkarten dienten dazu, Angehörigen nach Bombenangriffen schnell zu unterrichten. Voraussetzung für die portofreie Beförderung war es, dass der Ort im Wehrmachtsbericht genannt wurde. In der Regel erhielten sie keine Abstempelungen, da sie unmittelbar den Bahnposten zugeführt werden sollten.
Die Eilnachrichtenkarte mit grüner Umrandung und Beschriftung konnte nur an Soldaten, die in der Anschrift eine Feldpostnummer hatten, verschickt werden. Bei einigen Karten fehlt die grüne Umrandung auf der Mitteilungsseite. Die parteiamtliche Beglaubigung in dem auf der Anschriftenseite dafür vorgesehenem Feld war erforderlich, damit der Soldat Bombenurlaub beantragen konnte.

Walther Dübgen kehrte nach Kriegsende nach Hamburg zurück und nahm bei Simon Evers die Arbeit wieder auf. Die Firma war nach Ausbombung im Wiederaufbau. Erst mit dem späteren allgemeinen Wirtschaftsaufschwung begann auch hier ein neuerlicher Aufstieg der Firma.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 31.08.2019 13:53:09 Gelesen: 8318# 233 @  
Hallo zusammen,

am 9. August 1954 war ein kleines Familientreffen bei Dübgens in Hamburg. Diese Karte schickten Kläre und Walther Dübgen zusammen mit vier anderen Verwandten an meine Großeltern.



Großmutter hat später auf der Karte notiert „Bitte Datum ansehen. Karte hat Vater nicht mehr erreicht“. Großvater ist am 09.08.1954 gestorben. Genau an dem Tag haben die Karte geschrieben wurde.



Diese Karte aus Japan ging an Walther Dübgen bei der Firma Simon Evers u. Co. Die Karte wurde am 07.11.1960 in Shinagawa, einem der 23 Bezirke von Tokio aufgegeben. Vermutlich ist die Karte überfrankiert.

Wann man das Datum mit seinem Geburtsdatum 26.03.1890 vergleicht, so sieht man, dass Walther Dübgen schon über 70 Jahre alt war immer noch für die Firma arbeitete. Und das obwohl er unter beginnender Parkinson-Krankheit litt.

Viele Grüße
Volkmar
 
Baber Am: 01.09.2019 17:00:21 Gelesen: 8282# 234 @  
@ fogerty [#219]

Hallo Ivo,

in Kriegszeiten vertraut man niemandem auch nicht den sog. Verbündeten.

Der Nachrichtenverkehr wurde am 9. April 1940 in der „Verordnung über den Nachrichtenverkehr“ neu geregelt. Auszug der wichtigen Bestimmungen: „§ 1 Als Nachrichtenverkehr im Sinne dieser Verordnung ist u. a. anzusehen: Briefe, Drucksachen, Warenproben, Geschäftspapiere, Mischsendungen, Zeitungen, Maternbriefe, Postanweisungen, Briefe vom und zum Postscheckamt, Päckchen und Paketsendungen; der Brieftaubenverkehr. § 2 Der unmittelbare und mittelbare Nachrichtenverkehr mit dem feindlichen Ausland ist verboten. § 5 Der Nachrichtenverkehr mit dem nichtfeindlichen Ausland ist grundsätzlich zulässig. Es dürfen jedoch keine Nachrichten über die militärische, wirtschaftliche oder politische Lage übermittelt werden und keine Ansichtspostkarten, Blindenschrift, Sachaufgaben, Kreuzwort- und andere Rätsel sowie gefütterte Umschläge verschickt werden. Inlandsnachrichtenverkehr § 9 Der Inlandsnachrichtenverkehr kann aus Gründen der Kriegsführung durch das Oberkommando der Wehrmacht Beschränkungen oder Auflagen unterworfen werden. § 11 Der Nachrichtenverkehr des Deutschen Roten Kreuzes sowie der Kriegsgefangenen und Internierten ist durch besondere Bestimmung geregelt.“

Deine Postkarte war wohl in einem Brief, da sie keine Marke trägt. Warum ist sie aber in Vilshofen in Bayern gestempelt?

Fettdruck hervorgehoben von mir.

Gruß
Bernd
 
volkimal Am: 14.09.2019 15:47:41 Gelesen: 7255# 235 @  
Hallo zusammen,

auch nachdem Walther Dübgen aus der Firma Simon Evers u. Co. ausgeschieden ist, hatte er noch Kontakt nach Japan.





Der Brief an ihn wurde am 18.12.1961 in Tokio aufgegeben. Die Postkarte wurde am 17.05.1964 geschrieben und kam ebenfalls aus Tokio.

Am 9. Juni 1965 ist Walther Dübgen im Alter von 75 Jahren in Hamburg gestorben.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 21.09.2019 13:28:51 Gelesen: 6871# 236 @  
Hallo zusammen,

wie schon geschrieben hatten Walther und Kläre Dübgen zwei Kinder, Heinz (* 1922) und Christa (* 1923).



Heinz ist verheiratet und hat fünf Kinder. Die Tochter Almuth wohnt mit ihrem Mann in den USA. Heinz ist daher öfter in den USA um sie zu besuchen. Im Jahr 2000 hielt er sich mehrere Monate in den USA auf oder er war zweimal dort. Am 22.06.2000 schreibt er an seine Schwester: "Liebe Christa, nun habe ich den westlichsten Punkt meiner Tour erreicht. ..." Die Ansichtskarte vom Grand Canyon hat er in Terrebonne, einem kleinen Ort in Oregon aufgegeben.



Drei Monate später, am 25.09.2000 schickt er diesen Glückwunsch zum 77. Geburtstag aus Jackson (Mississippi) an Christa. Auf der Karte schreibt er u.a. "Wie steht’s mit der neuen Wohnung?" Christa will in die Senioren-Wohnanlage Feddersen Stiftung umziehen. Die Ansichtskarte stammt aus Bloomfield (Ohio). Er hat sie aber erst in Natchez (Mississippi) geschrieben und in Jackson (Mississippi) aufgegeben. Er scheint weiterhin viel unterwegs gewesen zu sein.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 03.10.2019 11:41:38 Gelesen: 6228# 237 @  
Hallo zusammen,

wie ich im letzen Beitrag schrieb, wollte Christa Dübgen in die Senioren-Wohnanlage Feddersen Stiftung umziehen.





Diese beiden Briefe aus Neuseeland gehen an die neue Adresse von Christa Dübgen. Die Absenderin wohnte in Hamilton im Waikato-Distrikt. Beide Briefe kommen aus dem Jahr 2001.

Im Jahr 2002 ist Christa Dübgen in Hamburg gestorben.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 12.10.2019 12:59:20 Gelesen: 5016# 238 @  
Hallo zusammen,

Almuth Dübgen hat den Amerikaner Geoffrey K. geheiratet und ist mit ihm nach Amerika gegangen. Diese Postkarte schickte sie aus Madison (Wisconsin) an ihre Tante Christa Dübgen. Leider ist die Karte nicht gestempelt.



Auf der Rückseite der Karte heißt es: „Hear ye, hear ye! Almuth Koby becomes U.S. citizen!“ Almuth bekommt also die amerikanische Staatsangehörigkeit. Die entsprechende Zeremonie ist am 14. Juni 1990 im Bezirksgericht von Madison.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 20.10.2019 09:58:01 Gelesen: 3424# 239 @  
Hallo zusammen,

der Mann von Almuth unterrichtet Germanistik an der Universität und hat mehrmals seinen Arbeitsplatz gewechselt.



Mit dieser Postkarte vom 22. Juli 1991 gibt die Familie ihren Umzug von Madison (Wisconsin) nach Lexington (Kentucky) bekannt.



Etwa ein Jahr später wechselt er erneut die Universität. Von Lexington (Kentucky) geht es nach Ann Arbor (Michigan). Auf dieser Postkarte heißt es „XXX will be teaching at the University of Michigan“. Die Mitteilung mit der Anschriftenänderung ist vom 13.06.1992.

Die „University of Michigan“ ist eine der renommiertesten Universitäten der Welt und die älteste Hochschule des US-Bundesstaates Michigan. Sie wurde 1817 in Detroit gegründet und zog 1841 nach Ann Arbor um.



Unterhalb der Briefmarke ist der Tintenstrahl-Text: "Kentucky bicentennial 1792 – 1992 Lexington, Ky 405 #1 06/13/92". Dieser bezieht sich darauf, dass Kentucky 1792 als 15. Staat den Vereinigten Staaten beigetreten ist. Im Jahr 1992 erschien auch eine entsprechende Briefmarke.

Normalerweise sind diese einzeiligen Tintenstrahler aus den 1990ern als "Bearbeitungsbestätigungs-/Kontrollaufdrucke" der OCR-Leseeinheiten. Es war aber nicht unüblich, dass für besondere Anlässe ein zusätzlicher Text eingefügt wurde. [1]

Viele Grüße
Volkmar

[1] Beiträge 80 bis 82: https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ME=207355#M80
 
volkimal Am: 27.10.2019 20:18:58 Gelesen: 2967# 240 @  
Hallo zusammen,

dieser Brief an Christa Dübgen von Almuth ist vom 16.11.1994.



Inzwischen ist die Familie schon wieder umgezogen. Sie lebt jetzt in Kent (Ohio). Ihr Mann arbeitet jetzt an der Kent State University. Obwohl es auch in Kent (Ohio) ein Postamt gibt, tragen alle Briefe von Almuth einen Stempel des Postamtes Akron (Ohio), so auch dieser Brief an Christa vom 06.04.2002.



Während der Brief vom 1994 noch an die Adresse Winterhuder Kai geht, tragen die beiden anderen Briefe an die Adresse der Senioren-Wohnanlage Feddersen Stiftung, in der Christa seit Ende 2000 lebt.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 09.11.2019 12:03:30 Gelesen: 2207# 241 @  
Hallo zusammen,

Almuth und ihr Mann haben drei Kinder: Sarah, Peter und Elisabeth. Diesen Brief schickt die 9-jährige Elisabeth am 22.05.2000 an ihre Großtante Christa Dübgen.





Auf der Rückseite ist ein Tintenstrahl-Aufdruck mit einem Datum und einer 8-stelligen Nummer. Dieser Aufdruck dürfte aus Großbritannien stammen. Dort kommen diese Pfeile bei normalen Tintenstrahl-Entwertungen britischer Briefzentren vor, inklusive des Datumsformats und der 8-stelligen Nummer. Zum Vergleich ein Beispiel vom Swindon Mail Centre.

Hiermit schließe ich das Kapitel über die Familie Dübgen ab. Mal sehen wen ich als nächstes vorstellen werde.

Viele Grüße
Volkmar
 

Das Thema hat 241 Beiträge:
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