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Thema: Japan: Auswirkungen der Katastrophe auf die Philatelie
ragiko Am: 16.09.2011 08:32:32 Gelesen: 3427# 1 @  


Am 9.11.2011 beging man weltweit den 10.Jahrestag der Anschläge von New York - nur in Japan nicht. An diesem Tag war nämlich genau ein halbes Jahr vergangen seit dem Erdbeben im März mit dem unbeschreiblichen Tsunami, der nicht nur ganze Städte samt Bewohnern fortgespült hat, sondern bekanntlich auch die AKWs von Fukushima zum Überkochen brachte.

Auch an der Philatelie ging die Katastrophe nicht spurlos vorüber. Nicht allein, dass, sofern man Gerüchten glauben darf, eine bedeutende Altjapansammlung samt Besitzer in Ishinomaki vom Tsunami verschlungen wurde und einen Monat lang alle Tauschtage und Clubtreffen abgesagt wurden, sondern in diesem Jahr fand auch die internationale Briefmarkenausstellung PHILANIPPON 2011 statt, vom 28.7. bis 2.8. in Yokohama. Sie wurde nicht abgesagt, obwohl zahlreiche Aussteller aus dem Ausland ihre Teilnahme stornierten. Die in Tokyo gemessenen Strahlenwerte lagen zwar zu keiner Zeit höher als die natürliche Strahlung etwa in Frankfurt/Main, veröffentlicht vom Bundesamt für Strahlenschutz, aber sicher ist sicher, es könnte ja eine Pinzettenkrebs-Epidemie ausbrechen. Diese Exponate wurden durch japanische Sammlungen ersetzt, die qualitativ ähnlich hochwertig waren, so dass ein Besuch durchaus lohnte.

Sammler sind jetzt auf Belege aus den Katastrophengebieten scharf, in denen zwei Monate lang die Post gebührenfrei befördert wurde und einen Stempel "Katastrophenpost" erhielt. Ein Bekannter war pietätlos genug, mit dem Auto mitten ins Unglücksgebiet zu fahren und an einem der wenigen aktiven Postämter einen Stapel vorbereiteter Briefe als "Katastrophenpost" an sich selbst zu versenden.

Die japanische Post, die sich durch die massenhafte Ausgabe von neuen Marken bei der Sammlerschaft unbeliebt macht, hat in diesem Unglücksjahr darauf verzichtet, den Korrespondenztag (23. Juli) zu begehen und mit der alljährlichen, immer gleich aussehenden Serie "Dichtkunst" zu garnieren, aber da es nicht ohne Neuausgaben ausgehen durfte, erschien stattdessen am 21.6. eine Serie von 5 verschiedenen Marken (s.Abb) sowie einer Postkarte mit Zuschlägen zugunsten der Katastrophenopfer. Über die künstlerische Qualität des in Japan üblichen Friedefreudeeierkuchen-Designs voller Täubliherzlibutzlis kann man sicher streiten. Der Schalterverkauf endete offiziell am 26.8., aber die Marken sind bis heute an den meisten Postämtern noch im Angebot.

Mit Ablauf des ersten halben Jahres seit der Katastrophe hat sich zumindest in Tokyo das Leben weitgehend normalisiert, die Philatelie geht geschäftig weiter - bis zur nächsten Katastrophe in diesem an Naturkatastrophen so reichen Land.
 
Sammler Am: 08.12.2011 16:02:04 Gelesen: 3162# 2 @  
@ ragiko [#1]

Könntest Du mal einen Beleg mit Stempel "Katastrophenpost" zeigen ? Danke.
 
ragiko Am: 04.01.2012 03:21:07 Gelesen: 3037# 3 @  
@ Sammler [#2]

Habe leider keinen Beleg, ich selbst sammle Japan nur bis 1957.
 
ragiko Am: 21.02.2013 05:36:45 Gelesen: 2564# 4 @  
Endlich kann ich auch Belege abbilden.

Es reichte, den Brief innerhalb des Katastrophengebietes aufzugeben (in den total zerstörten Orten kamen fahrbare Postämter zum Einsatz) und handschriftlich oder mit privat gefertigtem Stempel die Worte "saigai you yuubin" (Katastrophenpost) anstelle einer Briefmarke auf den Umschlag zu schreiben.

Auf den unfrankierten Brief wurde der Poststempel abgeschlagen, fertig. Auch Eilpost und andere Beförderungsarten fielen unter die Portofreiheit. Der Brief mit dem roten Balken am Rand ist ein Eilbrief.

Anbei drei Belege im Bild:


 
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