Neues Thema schreiben   Antworten     zurück Suche   Druckansicht  
Thema: Grossbritannien / Japan: Privatisierung der Staatspost
Richard Am: 27.03.2012 14:44:15 Gelesen: 4482# 1 @  
Privatisierungspläne: Bye-bye, Staatspost

Von Carsten Germis, Marcus Theurer

Frankfurter Allgemeine Zeitung, FAZ, Tokio / London (26.03.12) Großbritannien und Japan wollen ihre staatliche Post privatisieren. Doch das ist bei Briten und Japanern ziemlich unpopulär.

Während die Briten in den vergangenen drei Jahrzehnten vom Ölkonzern BP bis zu den Eisenbahnen fast alles privatisiert haben, verlief bisher noch jeder Versuch, neue Eigentümer für die Post zu finden, im Sande. Jetzt nimmt die Regierung in London einen neuen Anlauf: Im kommenden Jahr solle die Royal Mail zumindest teilweise an die Börse gebracht werden, berichtet die „Financial Times“ unter Berufung auf Regierungskreise. Und sie ist nicht die Einzige. Auch am anderen Ende der Welt geschieht Unerhörtes: Japans Politiker wagen abermals einen Versuch zur Privatisierung der Post des Landes - und damit vor allem der dazugehörigen Postbank.

(Quelle und sehr ausführlich weiter lesen: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/privatisierungsplaene-bye-bye-staatspost-11698443.html )
 
AfriKiwi Am: 28.03.2012 04:19:01 Gelesen: 4443# 2 @  
Es wird doch alle Postsachen nach Privaten Unternehmer verschoben. Spart den Staaten Geld und sie können verbessern auf der Versandart mit neue teuere Kurierkosten. Briefmarken sind kaum in 'the big picture'.

Guter Versand / Einlieferung mit schnelle Lieferung sind die Möhre vor dem Esel. Briefmarken verkaufen bei Privaten Unternehmungen wird noch geduldet. Von wegen eine Marke je Ausgabe zu kaufen würde der Inhaber Dich mit 'Peitsche in seine Hand' im Auge ankucken. Denen ist es einfacher mit Labels.

Die Postämter haben kaum alle Werte von Freimarken aber dafür kann mann die neusten ausgestellten Sondermarken bekommen in der erste Woche, sonst auf bezug von der Philatelie Versandstelle (es gibt Ausnahmen).

Eingelieferte Post und Packeten wurden 1x oder pro Tag vom Postwagen abgeholt. Heute ist der Kurier dran 2x oder 4x pro Tag nach Bedarf.

Der Dienst kostet Geld, Briefmarken sind ganz im Hintergrund und so schöpft seine eigne Rarität.

Bald kannst Du Deine 45c Blumenmarke sauber gestempelt auf Brief verkaufen für €10, Ich gebe es noch 10 Jahren.

Schön sammeln.

Erich
 
Heinrich3 Am: 28.03.2012 14:54:23 Gelesen: 4418# 3 @  
Hallo,

wir sind "noch" daran gewöhnt, daß "der Staat" das Postmonopol hat. Laut WIKI http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Post ist dies seit 1597 der Fall. Warum hat sich dieses Monopol so lange gehalten? Doch nur weil die Post sehr lange einen Überschuss der Einnahmen über die Ausgaben erwirtschaftet hat, was die Regierungen sehr freute. Aus diesem Grunde haben z.B. die deutschen Fürsten im 19. Jahrhundert das Postregal den Thurn und Taxis weggenommen und an sich gerissen. Daß nun die Welle der Privatisierung in dieses feste Gefüge (UPU!) schwappt, kann man bedauern, muß man aber nicht.

Ich finde, wir leben in interessanten Zeiten, und finde es schade, daß ich das Ende der nötigen Restrukturierung vermutlich nicht erlebe.
 
ragiko Am: 05.04.2012 14:37:01 Gelesen: 4334# 4 @  
Den Artikel finde ich ziemlich lustig, denn die Post inclusive Bank (wurde eine eigene Firma) ist in Japan schon seit dem 1. April 2003 privatisiert. Seitdem nennen sich die Postämter "Zweigstellen", tragen die Beamten, die jetzt nur noch Angestellte sind, neue Uniformen, dürfen Sammlervereine keine Räume in den Postämtern mehr für Tauschtage nutzen und erscheinen seither pro Jahr nicht mehr 36 neue Marken, sondern 360 und mehr, und als Motive sieht man nur noch, was sich gut verkauft, Blumen, Mangas und Mickymäuse, fast wie in Äquatorialguinea. Noch privater geht es eigentlich nicht.

Gruß an alle,

ragiko
 
DL8AAM Am: 05.04.2012 17:10:48 Gelesen: 4321# 5 @  
@ ragiko [#4]

Dito für die britische Royal Mail. ;-)

Meines Wissens ist auch diese seit langer Zeit auch bereits privatisiert, d.h. sie wurde in eine PLC (Public Limited Company), in etwa umschrieben in "börsennotierte Aktiengesellschaft [als Sonderform einer GmbH]", umgewandelt. Wobei derzeit die Anteile derzeit noch vom Staat als Aktionär gehalten werden. Aber auch bei der privatisierten Deutschen Post AG hält der Staat heute immer noch sehr große Anteile (ich meine aktuell ca. ein Drittel oder so).

Im Prinzip ist es eigentlich so ziemlich egal, wer die Anteile eines Unternehmens hält, der Staat als Aktionär, echte Privatpersonen, andere Firmen, andere Staaten/Scheichtümer, die Mafia oder irgendwelche Fonds, privatisiert ist privatisiert. Ich als Staat muss nichts mehr privatisieren, ich verkaufe einfach nur meine Anteile an der Börse. Eine "Staatspost" Behörde ist sie schon lange lange nicht mehr!

Happy Easter und Gruß
Thomas
 
DL8AAM Am: 14.09.2015 14:58:03 Gelesen: 2982# 6 @  
@ ragiko [#4]

Hi Ragiko,

hierzu nur zur Ergänzung. Nun geht die Privatisierung der japanschen Post in die nächste bzw. abschliessende Runde. Die aktuelle Ausgabe der "Postmaster Online - Wochenschau" [1] meldet heute unter Berufung auf die FAZ:

Japanische Post-Privatisierung: 10-Milliarden-Börsengang: Die Japan Post Holdings sowie ihre beiden Bank- und Versicherungstöchter werden am 4. November an die Tokioter Börse gehen. Die Regierung erwartet einen Ertrag von rund 10 Milliarden Euro. Damit werden die Japan Post Holding und insbesondere die Japan Post Bank and Japan Post Insurance Co privatisiert - der letzte Schritt der vor zehn Jahren vom damaligen Regierungschef Junichiro Koizumi gestarteten Initiative. Japan Post beschäftigt über 200.000 Menschen in 24.000 Zweigstellen Mit Einlagen von mehr als 178 Billionen Yen ist die Postbank außerdem die größte Bank des Landes. Um die Post- und Postbank-Privatisierung gab es viele Jahre lang große innenpolitische Auseinandersetzungen einschließlich des Sturzes mehrerer Regierungen. (...)



Postamt Kyoto-Sanjo Gokomachi (京都三条御幸町郵便局) in der 'Gokomachi-dori' Straße (gokōmachidōri, 御幸町通): 〒604-8076 京都府京都市中京区御幸町通三条下る海老屋町313 ;-)
Der zu diesem Postamt gehörige Stempel "京都三条御幸町 27.5.14 12-18" stammt übrigens vom 14.Mai 2015, nicht vom 27.05.2014! Das jap. Datumsformat ist JJ.MM.TT, wobei das Jahr, das 27. Jahr der aktuellen japanischen Zeitrechnung, der "Heisei-Zeit", d.h. 2015 ist ...

Gruß
Thomas

[1]: http://postmaster-magazin.de/index.php/dienstleister/13942-japanische-post-privatisierung-10-milliarden-boersengang.html
 
Pommes Am: 21.10.2015 00:37:55 Gelesen: 2822# 7 @  
@ DL8AAM [#6]

Anfang November soll es jetzt an die Börse gehen.

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/japan-von-der-alten-schule-1.2698809

ciao
so von Thomas zu Thomas
 
ligneN Am: 21.10.2015 12:49:11 Gelesen: 2790# 8 @  
@ Pommes [#7]

Ergänzend zum SZ-Artikel von Neithardt:

die Japaner deponieren ihre Guthaben vor allem deshalb bei der Postbank, weil sie der Bonität der arroganten und sauteuren Privatbanken in Japan nicht über den Weg trauen.

Die Postlebensversicherung wurden in den 1920ern ins Leben gerufen, weil private Versicherer kleine Leute *nicht versichern wollten* wg. zu geringer Marge u.ä. So sah sich der böse Krakenstaat veranlaßt, etwas für die Absicherung der großen Mehrheit seiner Einwohner zu tun. Oy Privatisierungsfans werden komatös, wenn sie das Wort "kleine Leute" nur hören. Kann man die nicht nach Indien abschieben? Nein: wer soll dann dann noch Steuern zahlen, ihr 'Leistungsträger' doch nicht...

Außerdem hat die seit 2007 angeblich privatisierte Japanpost durchaus einige private Unsitten angenommen: vermißte Postsendungen kann man nicht mehr vor Ort bei kenntnisreichen Postlern erfragen, vielmehr darf man nur noch 1 zentrales Callcenter 1000e km weg in Hokkaido anrufen, die es oh Wunder 'nicht im Computer haben' - dh "vergiß es, weg ist weg, doofer Kunde".

Registrierte verschwundene Sendungen sind nur noch ein Versicherungsfall, die mir-doch-wurscht-Hauptsache-meine-Boni-stimmen Generation kommt immer mehr ans Ruder.

Und verantwortlich ist auch niemand mehr in den Großstädten, da stehen dann Posttransportfahrzeuge oder ganze Container schon mal 1 Tag oder 1 Woche + x wohlgefüllt-aber-unbewegt herum, bevor es einem Nichtpostler auffällt: die lästige Kontrolle hat man nämlich hyperverschlankt/entsorgt/freigesetzt = gefeuert - 'Olé Kosteneinsparung'. Privatisierung, immer wieder eine goile Sache. Nur nicht für Kunden und Steuerzahler, aber hey, sind doch meistens kleine Leute: uncool.
 
DL8AAM Am: 21.10.2015 15:23:39 Gelesen: 2778# 9 @  
@ ligneN [#8]

Das hier ist ein politisch neutrales Philatelieforum! Kein Ort für parteipolitische oder ideologische Agitation jeglicher Art!

Ansonsten gleitet das bei uns ebenfalls in Subniveau-Bereiche ab, wie wir sie von den diversen "Nachrichten"-Portalen mit Leserkommentarfunktionen kennen, T-Online wäre da ein schönes Beispiel für so ein typisches Trolltreffen. Deine "Hintergrundinformationen" und auch Kritikpunkte, seien sie nun berechtigt oder auch nicht, kann man sicherlich auch ganz ohne die plumpe Polemik darstellen. Da kann man dann auch ruhig schon ein wenig (mehr) Meinung durchblitzen lassen oder auch Position beziehen, aber u.a. ist der Ton da ganz entscheident ... Der SZ-Artikel, obwohl auch politsch angehaucht, ist ein gutes Beispiel dafür.

Das schöne ist ja, dass sich hier Philatelisten, vom Altstalinisten bis zum AfD-Anhänger o.ä. mit freundschaftlichen Umgangsformen über philatelistische Themen austauschen können, ohne Risiko das das gleich in eine verbale Barschlägerei ausartet.

Mit philatelistischem Gruß
Thomas

BTW, das gilt übrigens auch für Teiles Deines Beitrags in "Portoerhöhung DP AG ist abgenickt", insbesondere die Gabrielpolemik. Gabriel und die Seinen sind und werden (voraussichtlich) sicherlich nicht meine Lieblinge, aber das ist ganz, ganz eine eine Kiste.
 
  Antworten    zurück Suche    Druckansicht  
 
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.