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Thema: Altdeutschland Bayern Eingehende Briefe
Das Thema hat 551 Beiträge:
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bayern klassisch Am: 19.07.2021 11:35:42 Gelesen: 14242# 527 @  
Liebe Freunde,

ein netter Portobrief aus dem schönen Erbach (Odenwald) vom 22.1.1851 (Eintritt des Großherzogtums Hessen in den DÖPV erst zum 1.10.1851) an Ihre Erlaucht die Gräfin von Rechteren zu Limpurg in Markteinersheim "per Würzburg und Possenheim" kostete für die taxische Strecke 2 Kreuzer (rote Tinte) und für die bayer. Strecke 4 Kreuzer (die Summe von 6 Kreuzern wurde mal wieder vergessen anzuschreiben).



Siegelseitig sehen wir Miltenberg 23.1. und Possenheim vom Folgetag.

Aus dieser Korrespondenz sind etliche Damenbriefchen erhalten und jeder ist für sich ein Augenschmaus. Für meine Mini-Sammlung "1851" ist er perfekt, weil es zu DÖPV - Zeiten weder 2, noch 4 Kreuzer Taxen gab.

Aber auch zu DÖPV-Zeiten hätte er 6 Kreuzer gekostet, jetzt aber nicht für ein halbes Loth, sondern für ein Ganzes. Es kommt relativ selten vor, dass Briefe der Vormarkenzeit genauso viel kosteten, wie in der späteren Postvereinszeit. Wer es nicht glaubt, darf gerne bei sich oder anderen auf die Suche gehen und hier berichten.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 23.07.2021 08:56:57 Gelesen: 13713# 528 @  
Liebe Freunde,

optisch kommt der gezeigte Brief nicht sehr schön herüber - aber inhaltlich und postgschichtlich schon.






Eigentlich stammte er vom 22.7.1843 aus dem hessischen Offenbach am Main, wurde aber unter Umgehung des Postzwangs 3 Tage später am 25.7. in Neustadt an der Haardt als Portobrief in den Lokalbezirk aufgegeben und mit 3x für die Aufgabepost taxiert. Gleichzeitig aber wieder gestrichen und mit einem weiteren Kreuzer für die Zustellung mit konzessionirtem Boten auf 4x total erhöht und in Lambrecht ausgetragen. Da hat der Postexpeditor in Neustadt gut verdient - 3x für nichts und die Arbeit machte für 1x eine arme Sau (konz. Bote). Der Hesse sparte sich auch Geld und der Empfänger ebenso, weil es von der pfälzischen Grenze zu Worms bis Neustadt 6x gekostet hätte, plus natürlich das taxische Porto bis dahin.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 01.08.2021 10:16:20 Gelesen: 12646# 529 @  
Liebe Freunde,

ein Dienstbrief aus Höchst (heute ein Stadtteil von Frankfurt am Main - und nein, der dortige Chemieriese schrieb sich Hoechst) vom 12.6.1851 war als herrschaftliche Dienstsache an das bayer. Landgericht zu Alzenau verschickt worden. Er passt daher vom Datum her perfekt in meine Mini-Sammlung "1851".



Das Fürstentum Nassau, wozu Höchst gehörig war, trat erst zum 1.9.1851 dem Postverein bei, so dass dies hier ein Brief der Vormarkenzeit (VMZ) ist, für den andere Regeln galten, als im DÖPV und zwar Engere, als nach dem 1.9.1851. Aber Bayern hat ihn wie immer mustergültig behandelt - kein Ankunfs-, kein Transitstempel, eine Prüfung der Portofreiheit war sicher auch entfallen und mangels Inhalt kann man eh nicht viel mehr zu ihm sagen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 01.08.2021 10:25:43 Gelesen: 12645# 530 @  
Liebe Freunde,

heute von mir eine Postkarte aus Zürich vom 31.10.1905 an Franz Reimer geprüfter Lehramtskandidat in Furth im Wald in Bayern. Klein geschrieben wurde vor "Furth" "p(er) A(dresse) Herrn Reimer, Bäckermeister", was ja schon eine erhebliche und sicher auch sinnvolle Präzisierung war, obwohl Furth im Wald damals wir heute weit vom Großstadtcharakter entfernt war. Auch der 2. Vermerk des Absenders "Bitte ev(tuell) nachsenden!" war nicht unentdeckt geblieben, denn die Post in Furth im Wald versuchte am Folgetag offenbar vergeblich eine Zustellung zu bewirken - ob beim Lehramtskandidaten, oder dem Bäckermeister. Stattdessen strich man Furth im Wald und notierte "Augsburg Alpenstraße 22. T. L." und nachgesandt 4.11., so dass die Nachsuche wohl 3 Tage gedauert hatte, bis man die neue Anschrift eruieren konnte. Respekt!



Prompt am 5.11. sehen wir auch den Ankunftsstempel Augsburg 2.B.P. als "Entwerter" auf dem 10 Rappen Wertstempel, wiewohl das nicht nötig gewesen wäre und Weiterleitungen ohne Postauslieferung waren ab 1.1.1868 in Bayern kostenlos.

Die Kartenrückseite ist in hübscher Schrift vollgeschrieben und Übende dürfen sich an ihr gerne austoben.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 01.08.2021 10:34:11 Gelesen: 12644# 531 @  
Liebe Freunde,

damit meine mickrige Retourbriefsammlung auch mal wieder etwas Zulauf erhält, kam mir dieser hier gerade recht, zumal man in Bayern wiederholt den Ankunftsstempel vergessen hat, wie so oft ... Aber der Reihe nach:





Dienstsache portofrei des württembergischen Schultheißenamts Waldenbuch vom 82.11.1867 (wußte gar nicht, dass in Württemberg Monate über 31 Tagen existierten, richtig daher wohl 28.11.1867) an das bayer. Landgericht Günzburg in Schwaben.

Dort muss das Schreiben Anfang Dezember 1867 eingetrudelt sein und man beantwortete es umgehend mit der dafür notwendigen Adressänderung in Königlich Württembergisches Schultheißenamt Waldenbuch Oberamt Stuttgart und fügte korrekt hinzu R. S. dG, wobe ich heute noch nicht weiß, was der Zusatz "dG" bedeuten soll (durch Güte hieß es sicher nicht).

Ebenso portofrei wie er hergekommen war, kam er auch wieder zurück. Schön zu sehen der blau-grüne Absenderbehördenstempel und der nett dokumentierte Laufweg auf württembergischer Seite.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 02.08.2021 16:52:25 Gelesen: 12520# 532 @  
Liebe Freunde,

erneut darf ich den Zugang eines Ulmer Briefes aus Neu-Ulm vermelden, der mir ins Netz gegangen ist.



Geschrieben am 25.5.1862 in Ulm erfolgte die Postaufgabe in Neu-Ulm noch am selben Tage. Am Folgetag wurde er seinem Empfänger, Herrn I. A. Weiß junior in Würzburg zugestellt.

Entfernung Ulm - Würzburg: 155 km, also über 20 Meilen, daher als Postvereinsbrief von Ulm aus 9 Kreuzer Franko.

Entfernung Neu-Ulm - Würzburg 156 km, also über 12 Meilen als bayer. Inlandsbrief und daher nur 6 Kreuzer Franko, wie man an der Marke sieht.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 09.09.2021 09:31:33 Gelesen: 8433# 533 @  
Liebe Freunde,

ab 1.1.1861, also noch tief in der Zeit des Postvereins, war es möglich geworden, Recobriefe auch unfrei zu versenden, wobei gesagt werden muss, dass das Franko und die Recogebühr immer zusammen zu vereinnahmen waren, also bei frankierter Absendung zahlte der Absender das Franko und die Recogebühr, bei unfrankierter Absendung zahlte der Empfänger beides - Ausnahmen gab es nicht.



Als am 1.1.1868 der Norddeutsche Bund übernahm und aus DÖPV-Staaten nun Vertragsstaaten wurden, änderte man diesen Modus nicht und er war ja auch schon 7 Jahre so angewandt worden.

Dennoch tauchen bei der Betrachtung von Briefen der Vertragsstaaten, wie auch bei nationalen Briefen immer wieder Manipulationsprobleme auf, die man anhand der korrigierten Taxen und Gebühren leicht nachvollziehen kann, wobei in diesem Kontext noch gesagt werden muss, dass bei Porto-Recobriefen immer in der Währung der Abgabepost taxiert werden musste, was sich ja eigentlich von selbst versteht.

Ab 1.1.1868 betrug das Porto 2 Sgr. = 7x bis 1 Loth, über 1 - 15 Loth aber 3 Sgr. = 11x.

Die Recogebühr betrug einheitlich 2 Sgr. = 7x, so dass dergleichen Briefe entweder 4 oder 5 Sgr., bzw. paritätisch 14x oder 18x kosten mussten. Die Auswahl ist also nicht riesig und an den Fingern einer Hand abzuzählen ...

Ein Porto-Recobrief aus dem schönen Halberstadt vom 20.3.1868 an die Mechanische Bindfaden Fabrik in Immenstadt (Schwaben) zeigt uns aber auch, dass es für mathematisch weniger Begabte ein Problem sein konnte, seine 5 Finger einer Hand korrekt abzuzählen.

Unter der Reco-Nummer 373 schrieb man erst eine 2 auf, wofür das auch immer gut gewesen sein sollte. Dann überschrieb man die falsche 2 durch eine 4, also 4 Sgr. für einen Brief der 1. Gewichtsstufe und der Reco-Gebühr, aber das war offensichtlich auch falsch, denn der Brief lief ja nach Bayern und dort herrschte die Kreuzerwährung vor. Man strich auch dies wieder und notierte jetzt 18x, die 5 Sgr. entsprachen, jetzt also für einen Brief der 2. Gewichtsstufe zu 3 Sgr. und der Recogebühr, gerundet also 18 Kreuzer.

Ich weiß leider nicht, ob die Post des Norddeutschen Bundes bei schweren Recobriefen das ermittelte Gewicht notieren musste - bei preussischen Briefen war das der Fall eingehend wie ausgehend, hier bin ich mir nicht sicher und bitte um Aufklärung.

In jedem Fall kassierte Bayern diese 18x am 22.3.1868 vom Empfänger ein und überwies sie komplett an den Norddeutschen Bund.

Das Verhältnis von frankierten Recobriefen zu unfrankierten Recobriefen sehe ich bei 500 zu 1, man tut also gut daran, sich einer solchen kleinen Seltenheit anzunehmen und in seine Sammlung zu integrieren, wenn man zeigen will, was die Zeit damals so alles zu bieten hatte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 23.09.2021 11:12:49 Gelesen: 7480# 534 @  
Liebe Freunde,

der folgende Brief war mein Liebster von allen, die ich bei der JHV in Straubing an Land ziehen konnte und den Preis bitte ich dabei zu entschuldigen.





Geschrieben in Wissembourg (Elsaß) 1km von der bayer. Grenze zur Pfalz entfernt am 3.11.1837 an "Monsieur Monsieur le Burgermeister de la commune Beerfelden / Grand-duché de Hesse-Darmstadt" vom Procurator in Wissembourg höchstselbst.

Der Absender zahlte nichts für den Brief, aber Taxis 2 Batzen für den Transit durch die bayer. Pfalz und 3 Batzen bis zum Empfänger = 5 Batzen = 20 Kreuzer, die auch hinten notiert wurden.

Nur wenige Briefe liefen im Transit von Frankreich aus über die Pfalz nach Territorien von Thurn und Taxis (stets im geschlossenen Transit).

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 30.09.2021 11:32:27 Gelesen: 7106# 535 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen netten Portobrief aus Erbach von "Freitag früh" an "Ihrer Erlaucht der Gräfin von Rechteren und Limpurg in Markt Einersheim bei Possenheim", der "p(er) Würzburg" geleitet werden sollte.





An Porto fielen an: 6x für einfache Briefe über 10-20 Meilen im Postverein und 3x Portozuschlag = 9x, die vorn und hinten notiert worden waren.

Lustigerweise lag in dem Brief noch ein weiterer Brief aus derselben Hand, jetzt überschrieben mit "Mittwoch Abend". Lustig !

Der Laufweg über Frankfurt am Main, Würzburg und Possenheim war ein ziemlicher Umweg, aber dank der Bahn schnell(er).

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 30.09.2021 11:42:45 Gelesen: 7103# 536 @  
Liebe Freunde,

ein Brief aus Fürstenau bei Erbach der Gräfin von Erbach-Fürstenau vom 2.5.1841 war gerichtet an "Ihro Erlaucht der Erbgräfin Luitgarde von Rechteren Limpurg geb. Gräfin zu Erbach Fürstenau - MUSTER OHNE WERTH in Markt Einersheim über Possenheim".





Taxis bekam 6x bis zur bayerischen Grenze, die in Würzburg in Auslage genommen wurden und man addierte dort weitere 6x für Bayern zum Endporto von 12x, was nicht angeschrieben wurde. Das Gekrakel auf der Siegelseite ist nicht leserlich (für mich).

Das eigentlich Interessante ist aber der Zusatz "Muster ohne Werth", den wir aus gräflichen Adressen gar nicht kennen und der eigentlich den Firmen der Zeit überlassen war. Leider ist der Brief sehr schwungvoll bis flüchtig geschrieben und ich habe auch nach einer halben Stunde nicht heraus bekommen können, ob im Inhalt ein Muster und wenn ja, welches, genannt wurde. Kann mir jemand helfen?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 30.09.2021 19:24:26 Gelesen: 7069# 537 @  
@ bayern klassisch [#536]

Hallo Ralph,

ich habe mal einen Teil ausgeschnitten da ich auch nicht alles lesen kann, aber hier steht "auf Gold gestossen Siegelring zur Confirmation zu geben".

Vielleicht hat es bei dem Muster etwas damit zu tun und wenn es nur eine Zeichnung / Vorlage oder Muster des Ringes gewesen ist.

Nur eine Vermutung.

Gruß Rainer


 
bayern klassisch Am: 30.09.2021 20:17:02 Gelesen: 7058# 538 @  
@ Gernesammler [#537]

Hallo Rainer,

aus Gold gestochenem Siegelring - Gold war von Mustersendungen eigentlich ausgenommen, aber ob das ihre gräfliche Genaden wusste? Du könntest also Recht haben, klasse!

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 08.10.2021 10:09:43 Gelesen: 6190# 539 @  
Liebe Freunde,

am 27.2.1818 lief ein Portobrief aus Ehrenbreitstein "A Son Excellence Monseigneur le Comte regnant de Waldbott Bassenehim a Buxheim pres de Memmingen en Souabe".



Buxheim liegt und lag zwar in Schwaben und der als Lokaloptimierung verwendete Ort Memmingen natürlich auch in Bayern, daher sandte man den Brief ohne Taxangabe Preussens in Richtung Bayern (über FFM, Aschaffenburg und Würzburg bis Augsburg, welches für Memmingen zuständig war) und nahm in Augsburg 14 Kreuzer Transitporto in Auslage. Mit dem bayer. Porto von 12 Kreuzern ergab sich so ein Porto in Bayern bis Memmingen von 26 Kreuzern (oben rechts). Eventuelle Kosten für die Leitung nach Buxheim sind nicht zu erkennen - entweder hatte seine Erlaucht eigene Boten, oder er ließ bei der Post ein Postfach mit Anschreibung führen.

Einen Preussenbrief ohne preussische Taxe in Gutengroschen (14x entsprachen 3 1/2 Ggr.) kenne ich nach Bayern bisher nicht.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 12.10.2021 09:59:50 Gelesen: 5700# 540 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen Brief aus Neustadt im Regierungsbezirk Oppeln vom 15.7.1838 mit dem Aufgabestempel Feuser 2473/1 "An Herrn Anton Enderle Stadtwirth in Ehingen bey Ulm, Württemberg".







Der Vermerk 8 "PA" wird ja von Karl und mir als "Post - Auslage" interpretiert und Hof zugewiesen, weil es immer dieselbe Hand in dieser Zeit ist, die ihn in typisch roter, preußischer Tinte anbringt und eine Leitung über Hof und Nürnberg naheliegend ist (Postvertrag Bayern-Preussen vom 1.4.1835).

Preussen hatte also kein Inlandsporto notiert und dies Hof, dem Abgabepostamt Preussens überlassen. Über Nürnberg, wo man den Auslagestempel auf den reduzierten 28x abschlug, um dann darunter die bayer. Transitforderung von 8x zu notieren, kam er somit mit 36x belastet in Württemberg (unter Taxispost) an, wo er nochmals die Notation "Auslag 36" erhielt. Mit dem württembergischen Inlandsporto von 4x ergab sich ein Gesamtporto von 40x, die links neben der blauen "8" noch zu sehen sind.

"Lieber Bruder, Weil ich schon lange von Euch entfer(n)t bin, so will ich Euch schreiben, wie es mir auf meiner Reise gegangen ist.

Ich und ein Schmidt sind 4 Wochen miteinander gereist, wir sind recht gut miteinander ausgekommen; Es hatte aber den einen Tag Geregnet und den anderen ist es wieder sehr heiß geworden, ich hatte zu arg Durst bekommen, ich trank ein Seitel Bier, das war so schlehct, daß ich es habe bald nicht trinken können, in der Nacht hab ich so frieren u. Kopfweh bekommen, daß ich habe ein u. ein halben Tag liegen müßen, es hats dann Gottlob wieder gethan, ich hab dann wieder gehen können, u. hab nichts mehr davon gespiert; Blattern habe ich an den Füßen bekommen, daß ich hab nicht mehr gehen können, ich habe alles mögliche angefa(n)gen daß es wieder gethan hat. Für einige Tage darauf hab ich u. der Schmidt von einander müßen, ich bin nach Wien u. er ist einen anderen Weg. Ich bin allein gereißet, das Geld hab ich im Felleisen gehabt, weil es mich zu sehr gedrückt hat, einmal hatte ich müßen einer in die Kammer legen wo ich gelegen habe. Der hat mir 6 Thaler genommen u. ist fort, dann hatte ich noch einen Thaler u. Guldenstück, ein Thaler gilt in Östreich 2 florin Münze oder 5 florin Schein. Zum Glück hatte ich in Salzburg schon einen Regenschirm gekauft.

Arbeit habe ich keine bekommen, u. in Wien sind wir unsere fünfundzwanzig Fremde auf der Herberger gewesen, ich habe den Sachsen welcher bey meinem Lehrmeister in Arbeit gewesen ist getroffen. Als ich an die preusische Krenze kamm hat ich kein Reisegeld, da borgte mir ein Fruhmann das Reisegeld, ich gab im die letzte 18 Kreutzer, zum größten Glück habe ich jetzt Arbeit bekommen aber ob ich bleiben kann, das weis ich nicht, ich bitte Euch schiket mir doch ein Geld, daß ich doch meine Kleider Waschen laßen kann, ich habe auf der Herberge ein Bier getrunken u. etwas gegeßen, u. habe kein Geld mehr daß ich es beazhlen kann. Schiket mir doch ein Geld, wenn ich bleiben kann will ich es Euch lieben wieder zurückschicken, denn wann ich fort muß, hab ich keinen Kreuzer verkaufen wer ich doch auch nichts sollen, ich weiß mir sonst nicht zu helfen. Ich hoffe daß ihr alle Gewund u. Wohl seid. Ich grüße Euch alle vielmal

Dein Bruder Eduard Enderle.

Den Stadtwirth u. seine Frau

Den Mathias u. die Sophie

Der Franz u. der Vater

Den Vetter Stephan u. seine Frau

H..serg u. Andreas

Meine Kameraden

Paul Braun

Wilhelm Probst

Xaver Schobel

Kohl Thomas

Schreibt mir auch wo der Franz ist.

Meinen Stok lasset nur Zuhaus habet mir auch das Liederbuch auf.

Schiket es mir sobald als Möglich."

Diese Reisebeschreibungen sind für mich immer höchst interessant und zeigen uns heute auf, wie das Leben vor noch nicht mal allzu langer Zeit war - so sehr ich die Postgeschichte(n) aus dieser Zeit liebe, ich wollte keine Sekunde damals leben.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

P.S. Wegen seines tollen, zeitgeschichtlichen Inhalts, habe ich ihn für ein liebes Mitglied hier reserviert ...
 
Gernesammler Am: 21.10.2021 19:48:42 Gelesen: 4829# 541 @  
Hallo Sammlerfreunde

Ganzsachen Brief U3-A (147x84 mm) zu 3 Neugroschen vom 8.1.1862 aus Leipzig an Friedrich Bodenstedt in München spediert, dort kam der Brief am nächsten Tag zur Ausgabe, ab 1854 war Friedrich von Bodenstedt in München Professor für Slawistik und Altenglisch.

Gestempelt wurde mit Zweikreisstempel von Leipzig sowie zur Ankunft in München mit L2 Zweizeiler (Winkler 8b-I, halbfette Antiqua, 28,5x4,5 mm) verwendet 1859-1870.

https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_von_Bodenstedt

Gruß Rainer


 
bayern klassisch Am: 22.10.2021 11:10:52 Gelesen: 4760# 542 @  
Liebe Freunde,

eine Feldpost - Correspondenz - Karte an Frau Dr. Kinkelin in Lindau im Bodensee erregte meine Aufmerksamkeit, weil sie, im Gegensatz zu 99,99% aller mir bekannten Feldpostkarten, keinen Aufgabestempel zeigt, sondern nur einen frontseitigen Abgabestempel, was ich so noch nicht gewärtigen durfte. Der Absender hatte folgendes geschrieben:



Fort Nogent 9. EV.71.

Heute, etwa vor 1 Stunde, erhielt ich 2 Pakete; das eine, ältere & das andere mit den Socken .... Danke vielmals für die Übersendung der Sachen. Die Trauerfälle in der Familie Schobloch bedaure ich recht lebhaft. Ich würde eigentlich gerne schreiben; aber ---- Will sehen ob ich´s dahin bringe. Ich habe eben eine Karte an Ruchti geschickt it der Anzeige, dass wir hier sind, habe ihm auch die Todesfälle & Alberts Verlobung mitgetheilt. In 2 1/2 Stunden werde ich abgelöst. Heute ist es trüb: aber nicht kalt. Die Nacht durch wurde viel geschossen & zwar mit schwerem Geschütz. Seit 8 Uhr ist es jedoch ziemlich ruhig. Es kommen & kamen viele Flüchtlinge heraus. Wer kann, geht fort. Grüsse an Alle von Eurem Hermann.

Ich denke, der Absender spricht die Kommune von Paris an mit Revolten, die viele Tote und Verletzte forderte, weil der Krieg im klassischen Sinne ja längst im April vorbei war. Fort Nogent liegt im Osten von Paris, wenn ich nicht irre, von daher würde das alles Sinn machen.

Warum die Karte nicht aufgabegestempelt wurde, mag ein Kenner dieser Zeit eher wissen, als ich.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 22.10.2021 11:30:10 Gelesen: 4755# 543 @  
Liebe Freunde,

bei dem folgenden Brief weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. Verfaßt wurde er in London am 8.6.1841 (für GB also schon zur Markenzeit!) und gerichtet war er an die Instrumentenverlegersfirma J. A. Baader und Söhne im bayerischen Mittenwald an der Isar, doch zeigt uns schon ein erster Blick auf die Adresseite, dass er postalisch anders lief, als er hätte laufen sollen, denn eine Postaufgabe in London ist unterblieben.







Er war gesiegelt und wurde wohl unterschlagen per Schiff nach Altona (Dänemark!) gebracht, wo er am 12.6.1841 ankam und den Vermerk außen "per Elmenhorst Gebrüder" erhielt. Die Gebrüder Elmenhorst fungierten also als "Forwarder" des Londonders James Trimbey und gaben den Brief im nahen Hamburg der Thurn und Taxispost dort unfrankiert auf "TT Hamburg 12.6.". TT Hamburg taxierte ihn erst gar nicht, wie wir das hin und wieder kennen, und sandte ihn einfach dem Kartenschlußpostamt Nürnberg zu, wo man den Auslagestempel auf den selbst notierten 18 Kreuzern für TT abschlug und unter den Strich für Bayern weitere 16 Kreuzer ab der bayer. Grenze bis Mittenwald notierte, so dass der Empfänger, wann ist unbekannt, total 34 Kreuzer berappen musste.

Bedenkt man den Laufweg des Briefes auf deutschem Land, so waren in geographischer Reihenfolge folgende Postverwaltungen involviert:

Thurn und Taxis, Hamburg, Hannover, Braunschweig, Preussen, thüringische Kleinstaaten (Sachsen-Coburg-Gotha) und Bayern. Addierte man noch GB und Dänemark dazu, kommt man auf 9 Länder, aber nur 2 Taxen. Eine Leitung per Post von London aus wäre natürlich weitaus teurer geworden und man sparte sich so einiges an Geld.

Der Inhalt bestand aus einer Commissionsbestellung über 100 Violinen Nr. 6, 50 Violinen Nr. 12, 60 Violinen Nr. 6 1/2, 10 Violinen Nr. 12, 10 Violinen Nr. 30, 10 Violinen Nr. 40, 5 Alt-Violinen (nein, das waren keine Gebrauchten), 20 halbe Violinen (nein, das waren keine Unfertige), 4 Contrabaß Violinen und 50 Hälse von Violinen mit Löwenköpfen.

Hätte man diese Lieferung heute noch, wäre man sicher ein reicher Mann ...

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 22.10.2021 20:04:38 Gelesen: 4707# 544 @  
@ bayern klassisch [#542]

Hallo Ralph,

auch wenn Krieg niemals eine schöne Zeit sein kann, aber als Zeitdokument ist das eine absolute Rosine, gerade weil es mit Frankreich zu tun hat.

Gruß Rainer
 
bayern klassisch Am: 22.10.2021 20:28:11 Gelesen: 4705# 545 @  
@ Gernesammler [#544]

Hallo Rainer,

so ist es, Krieg braucht keiner, aber er gehört zur Historie halt nun mal dazu. Hier wird der Krieg im Krieg geschildert, unglaublich.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Gernesammler Am: 24.10.2021 19:31:52 Gelesen: 4084# 546 @  
Hallo Sammlerfreunde,

Brief aus Marienbad vom 27.6.1878 an Fam.Hesslein in Bamberg, dort kam der Brief noch am gleichen Tag zur Ausgabe. Für das Franko nahm man eine ANK Nr.37 Franz-Josef zu 5 Kreuzer für einfache Briefe im Fernverkehr.

Gestempelt wurde mit kleinem Einkreisstempel von Marienbad, auf der Rückseite zur Ankunft der Einkreisstempel von Bamberg und dem Briefträgerstempel Nr.8 (die 3 könnte die dritte Bestellung sein).

Welcher Stempel wurde in der oberen rechten Seite abgeschlagen, es könnte Eger sein.

Gruß Rainer


 
bayern klassisch Am: 11.11.2021 10:53:54 Gelesen: 1868# 547 @  
Liebe Freunde,

da es die Zuschläge für unfreie Versendungen erst mit dem DÖPV gab und sich die Korrespondenten, die vorher regelmäßig unfrei verschickten, sich diesen Mehraufwand ersparen wollten (3x je angefangenes Loth Aufschlag waren auch Geld, gerade für die Firmen, die häufig Korrespondenzen führten), schlug man den Absenderstempel unten links ab, weil man unten links ja den Frankovermerk anbringen sollte und deklarierte seine Briefe so als bezahlt, wobei die Aufgabeposten, die nicht mit Marken frankieren mussten, im Rahmen der Barfrankatur die erhobene Taxe in kleinen, roten Ziffern neben den Frankovermerk zu setzen hatten.



Als Zeichen, dass auch wirklich frankiert worden war, schlug die Aufgabepost von Frankfurt am Main am 20.11.1853 auf dem Brief der Firma Trier & Co. den Aufgabestempel in roter Farbe ab, während unfrankierte Briefe diesen Stempel stets in Schwarz zeigen - so wusste jeder Postler im großen TT-Bezirk auf Anhieb, ob es ein Frankobrief war, oder ob er sich noch um Gebühren vom Empfänger zu kümmern hatte.

Bei Bayern gab es diese Kennzeichnungen nicht, dort war alles schwarz (bitte nicht politisch auslegen, danke!) und auch Barfrankaturen waren nicht zugelassen und man musste aufpassen, dass der Stadtbote nicht die Zahlen, die die Aufgabepost einst notiert hatte, für das Porto hielt und vom Empfänger kassierte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 18.11.2021 12:38:02 Gelesen: 1170# 548 @  
Liebe Freunde,

am 8.2.1867 sandte man einen einfachen Brief unter 1 Loth über 20 Meilen von der Firma Apitz & Ludewig in Berlin an den Advocaten Herrmann in Nürnberg, wo er auch am 10.2.1867 ankam, aber dort nicht zugestellt werden konnte. Der Brief wurde, an wen, wissen wir nicht, ausgeliefert, nur nicht an den Advocaten. Aber der Annehmende muss sehr zeitnah den neuen Wohnort unseres Advocaten mit München erfahren haben, so dass er den Brief in Nürnberg aufgab (Aufgabestempel vergessen!) und Nürnberg ihn mit 3 Kreuzern für die Strecke bis München taxierte, wo er noch am selben Tag ankam. Der Briefträger mit der personalisierten Nr. 27 stellte ihn dann prompt zu.





Was man aber nur alle Jubeljahre findet, ist im Inneren des Briefes ein Vermerk des Empfängers, der das gezahlte Porto später dem Absender geltend machte. Hier in der untersten Zeile: "Ausl(age) 3 xr per 10. Februar (18)67. Unser Advocat Herrmann ließ später die preussische Firma, die einen separaten Brief diesem hier hatte einlegen lassen, 3x oder 1 Groschen zahlen, weil sie den Brief an die falsche Adresse geschickt hatten.

Rote Marken, blaue Berlinstempel, violetter Absenderstempel, blaue Taxe, schwarze Bayernstempel, ein Brief als Einlage, eine Nachsendung und eine spätere Forderung an den Absender - ich glaube so häufig findet man dergleichen nicht.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 18.11.2021 12:46:44 Gelesen: 1165# 549 @  
Liebe Freunde,

was machte man als armer Industrieller in Barmen (Wuppertal), wenn man Briefe ins ferne Bayern zu schreiben hatte? Richtig, man sparte sich ein wenig Geld - man musste diese Briefe nur nach Frankfurt am Main (Thurn und Taxis) schmuggeln und dort als unfrei aufgeben, dann war die Ersparnis sicher.





So geschehen am 2.9.1828 bei einem Brief an Firma Zumstein & Söhne in Kempten, der in FFM aufgegeben und dort mit 4 Kreuzer bis Aschaffenburg korrekt taxiert wurde (bis 1/2 Loth). Als Portobrief mit schwarzem Aufgabestempel, lief er über Aschaffenburg nach Augsburg, wo das taxische Briefepaket erstmals in Bayern geöffnet wurde und der Brief den roten Augsburger Auslagestempel auf der taxischen 4 erhielt. Mit dem in sepia notierten bayer. Inlandsporto ab Aschaffenburg bis Kempten von 14x (als Paraphe notiert) kostete er den Empfänger total 18x.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 19.11.2021 12:18:16 Gelesen: 1046# 550 @  
Liebe Freunde,

der folgende Brief ist für mich ein Sensationsstück. Erst die harten Fakten: Dienstbrief des K. u. K. Bezirksgerichts Wolfsberg in Österreich vom 23.7.1851, jedoch mit Postaufgabe in Wolfsberg erst am 1.8.1851 "An das löbliche königlich Würtembergische Amts-Notariat Bopfingen Oberamts Neresheim im Königreich Würtemberg" mit Vermerk "Exoffe franco".



Siegelseitig sehen wir eine wundervolle Oblate der Absenderbehörde und die Transitstempel von Klagenfurt 2.8., Innsbruck 5.8. (die 5 ist kopfstehend gesteckt!), Bregenz 7.8., Lindau 7.8. und Nördlingen 8.8.. Ein würtembergischer Stempel fehlt, weil die bayer. Post den Kartenschluß Nördlingen-Bopfingen bediente, also den Brief bis Württemberg transportierte (mit der bayer. Postkutsche) und somit Württemberg postalisch "draußen" war.

Aber schauen wir auf das Datum, den 1.8.1851 - da waren Österreich und Bayern im Postverein, Württemberg aber erst ab 1.9.1851. Da Taxis zum 30.6.1851 seine Lehenspost in Württemberg verloren hatte, fällt dieser Brief genau in die Interimsphase vom 1.7. bis zum 31.8.1851.

Im Inhalt ging es um einen Wechsel über 57 Gulden Conventionsmünze, der in Wien vorgelegt wurde, aber nicht eingelöst werden konnte, worüber man sich nun amtlicherseits zu verständigen hatte, weil die Bopfinger Firma mittlerweile konkurs gegangen war.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 19.11.2021 12:19:44 Gelesen: 1045# 551 @  
Liebe Freunde,

ein Portobrief aus St. Gallen vom 27.03.1810 an Firma Zumstein in Kempten, bei dessen Inhalt es um die Creditirung von 50 Gulden ging, die bisher noch nicht erfolgt war.





Als Einlage findet sich jedoch heute noch dieselbe, was ich besonders nett und interessant finde.

Porto: 3x für Sankt Gallen 6x für Bayern, in toto die notierten 9x.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 

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