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Thema: Altdeutschland Bayern Eingehende Briefe
Das Thema hat 891 Beiträge:
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Gernesammler Am: 06.10.2025 10:18:10 Gelesen: 17581# 867 @  
@ bayern klassisch [#866]

Hallo Ralph,

Danke dafür, es hatte mich nur gewundert, die Adresse wird in Französisch geschrieben und die Stempel sind in der Übersetzung italienisch, deshalb die Fragen dazu.

Gruß Rainer
 
bayern klassisch Am: 06.10.2025 11:35:52 Gelesen: 17572# 868 @  
@ Gernesammler [#862]

Hallo Rainer,

nach 3 Stunden Beschäftigung komme ich zu folgender Briefbeschreibung, für die ich aber nicht die Hand ins Feuer legen würde, weil die damaligen Postverhältnisse schwierig waren und durch die Einschreibung noch komplexer waren.

Teilfrankobrief aus Donnas ohne Datum über Torino (Turin), ebenfalls zum Königreich Sardinien gehörend und Mailand (Lombardei, zu Österreich gehörend) via Reutte (Österreich) und Füssen (Bayern) nach Kempten (Bayern, Schwaben).

Basis ist der Postvertrag (PV) zwischen Österreich und Sardinien, bzw. der PV zwischen Bayern und Österreich vom 1.5.1819. In diesem äußerst umfangreichen PV waren auch die Transite nach und über Bayern bzw. Österreich erstmals geregelt worden.

Er bestimmte, dass einfache Briefe aus Sardinien von den Absendern bis zur lombardischen Grenze (also Österreich) zu frankieren waren. Diese Gebühr war siegelseitig zu notieren. Hier lesen wir 6 / 16, so dass der Absender des recommandirten Briefes 6 Lire und 16 Centesimi bezahlt hatte. Generell wären alle Briefe aus Sardinien allein schon deshalb zu frankieren, wenn sie eingeschrieben waren, also quasi ein doppelter Grenzfrankozwang.

Österreich übernahm den Brief also ohne Belastung von Turin und notierte sein Transitporto mit 50 / 4 Kreuzern Conventionsmünze (Kr. CM). Die 50 Kr. CM waren das Transitporto, die 4 Kr. CM waren nach Artikel 12 des PV Bayern-Österreich die Sondergebühr für die Übernahme recommandirter Briefe, in summa also 54 Kr. CM Portoforderung von Österreich an Bayern. 54 Kr. CM multipliziert mit 1,2 ergab 64,8 Kreuzer rheinisch (Kr. rh.), die auf 65 Kr. rh. gerundet wurden, was den notierten 1f 5 = 1 Gulden 5 Kr. rh. rheinisch entsprach.

Bayern addierte in Füssen für die Strecke bis Kempten = 5 Meilen nun 7 Kr. rh., so dass der Empfänger total 1 Gulden und 12 Kr. rh. zu zahlen hatte. Die Route von Reutte nach Füssen wurde 2 Mal pro Woche mit einem Reitkurs bedient.

Gewichte: Für Sardinien galt die Viertelunze, ergo 7,5g als einfach. Für Österreich galt das halbe Wiener Loth (8,74g) als einfach. Für Bayern galt das halbe Münchener Loth (8,75g) als einfach, daher die vergleichsweise hohe Gebühr in Sardinien, zumal eine Recommandation nach französischem Vorbild (die Postgeschäfte in Sardinien wurden historisch nach französischer Muster geführt, was Gewicht, Taxen, Notationen usw. anging) das Franko verdoppelte, während dies bei Österreichs Transitgebühren nicht der Fall war (hier nur 4 Kr. CM) und in Bayern die Einschreibung (Stempel "Chargé" von Füssen beim Eingang der österreichischen Briefkarte) kostenlos bei eingehenden Briefen war.

Der Brief war in Sardinien bis 100 Lire versichert im Falle des Verlusts. In Österreich bis 21 Gulden Conventionsmünze und in Bayern bis 25 Gulden rheinisch.

Links vorne oben lesen wir eine gestrichene 38, daneben und darunter die Reco-Nummer 95, unter der der Brief im Reco-Manual erfasst und Österreich zugeleitet wurde. In Österreich und Bayern wurden keine Reco-Nummern auf dem Brief notiert, in den jeweils mitlaufenden Briefkarten aber sehr wohl.

Totale Kosten des Briefes gestaffelt nach Chronologie und Postverwaltungen:

Königreich Sardinien: 6 Lire 16 Centimes. Eine Lira entsprach 28 Kr. rheinisch, ergo 173 Kr. rh. = 2 Gulden und 53 Kr. rh. "all inclusive".

Transit Österreich: 50 Kr. CM Postporto und 4 Kr. CM für die Recommandation = 54 Kr. CM = 1 Gulden und 5 Kr. rh..

Bayern: 7 Kr. rh..

In toto kostete der Brief also 4 Gulden und 5 Kr. rh.. Das entsprach 1840 dem Wochenlohn eines mittleren Postbeamten, verheiratet mit 4 Kindern.

LG,
Ralph
 
Gernesammler Am: 06.10.2025 12:43:18 Gelesen: 17561# 869 @  
@ bayern klassisch [#868]

Hallo Ralph,

Danke für Deine Mühe, das ist ja schon ein kleiner interessanter Roman zu dem Brief, mit der Beschreibung kann ich den jetzt sauber ablegen.

Das ist das schöne an Trödelmärkten, da findet man zu meist moderaten Preisen noch tolle Briefe und Karten.

Gruß Rainer
 
Gernesammler Am: 05.11.2025 19:44:43 Gelesen: 12676# 870 @  
Hallo Sammlerfreunde,

Fahrpostbrief vom 20.3.1861 von Johan Müller der mit Uhren und Werkzeug handelte, der Brief war für die gesandte Kiste im Wert (Valeur) von 160 Thalern mit einem Gewicht von 3 Pfund 24 2/10 Loth, diese wurde spediert an den Bruder Joseph Müller in Rosenheim.

Für das Porto wurden 13 Silbergroschen in Rötel notiert und in 59 Kreuzer umgewandelt, die vom Empfänger gezahlt werden mussten, was bedeutet auf der Rückseite die 14 in blau und das Pr.18, das kann ja kein Präsentationsvermerk sein.

Der Brief beinhaltet 2 Rechnungsbeträge, einmal über 685 Gulden und zwei Seiten weiter nochmals 159 Gulden 16 Kreuzer.

Gestempelt wurde mit Rechteckstempel von Breslau (Feuser 439-11) verwendet ab 1850, einen Ankunftsstempel gibt es nicht.

Sollte etwas korrigiert werden müssen, sehr gerne, umso besser kann ich den Brief beim ablegen beschreiben.

Gruß Rainer






 
Gernesammler Am: 23.11.2025 14:37:16 Gelesen: 10637# 871 @  
Hallo Sammlerfreunde,

Ganzsachen Brief U11 mit Werteindruck von 6 Kreuzer vom 6.3.1864 aus Stuttgart, spediert an Caspar Hartling in Würzburg, dieser hatte dort ein Möbelmagazin, der Brief kam noch am gleichen Tag zur Ausgabe.

Gestempelt wurde mit Dreikreisstempel von Stuttgart, sowie auf der Rückseite mit dem Zweikreisstempel mit Zierstücken von Würzburg (Winkler 10).

Gruß Rainer


 
Gernesammler Am: 19.12.2025 20:08:37 Gelesen: 6997# 872 @  
Hallo Sammlerfreunde,

Brief vom 26.3.1862 aus Cleve, spediert an Frau Adelheit Leickaldt, pr. Adresse H Uletzgen Meister Jean Jung in Kirchheimbolanden, dort kam der Brief am Folgetag zur Ausgabe.

Für das Franko nahm man eine Mi.Nr.16 und eine Nr.17 zu 1 und 2 Silbergroschen, Preußen Adler im Oval, gestempelt wurde mit Bahnpoststempel Cleve - Coeln am 26.3, wobei im Datum die 3 verkehrt herum eingesetzt wurde, zur Ankunft nahm man den Halbkreisstempel Kirchheimbolanden (Winkler 11b) verwendet 1858-63.

Gruß Rainer


 
Gauss Am: 19.12.2025 21:00:40 Gelesen: 6985# 873 @  
@ Gernesammler [#872]

Der Empfänger ist wohl Metzgermeister.
 
Gernesammler Am: 29.12.2025 17:10:23 Gelesen: 5199# 874 @  
Hallo Sammlerfreunde,

Porto Brief vom 14.9.1849 aus Dresden, spediert an seiner Hochwürden, dem Herrn Katechet (Religionslehrer) Bauer, in Sankt Johannis zu Nürnberg, hier kam der Brief am 16.9.1849 zur Ausgabe.

Für das Porto wurden 4 1/2 Neugroschen in Rötel notiert, diese wurden in 6 Kreuzer umgewandelt, wenn das nicht korrekt ist bitte gerne berichtigen.

Gestempelt wurde mit kleinem Zweikreisstempel von Dresden mit Datum (Feuser Deutsche Vorphilatelie 769-16, verwendet ab 1848) sowie auf der Rückseite mit dem Zweikreisstempel mit Zierstücken von Nürnberg (Winkler 10).

Gruß Rainer


 
bayern klassisch Am: 29.12.2025 17:25:35 Gelesen: 5195# 875 @  
@ Gernesammler [#874]

Hallo Rainer,

der Absender deines tollen Briefes frankierte ihn mit 42 Neupfennigen (= 4,2 Groschen), wovon 6 Kreuzer das Weiterfranko für Bayern waren (18 Neupfennige). Demnach verblieben Sachsen 24 Neupfennige.

Dergleichen Briefe müsste es zahlreich gegeben haben, aber das ist ein Irrtum, weil man damals nur sehr selten frankierte und daher die "Masse" der Briefe unfrankiert auf die Reise ging.

Guten Rutsch und liebe Grüsse,
Ralph
 
Gernesammler Am: 29.12.2025 19:51:03 Gelesen: 5151# 876 @  
@ bayern klassisch [#875]

Hallo Ralph,

besten Dank für das aufdröseln des Portos bei dem tollen Brief, das war einer der letzten die dieses Jahr den Weg zu mir gefunden haben.

Gruß Rainer
 
Briefuhu Am: 30.12.2025 19:13:30 Gelesen: 4512# 877 @  
R-Brief vom 19.06.1885 von Bezau nach Aubing bei München, dort Ankunft am 20.06.1885. Transitstempel vom 19.06.1885 von Schwarzach bei Dornbirn. Auf der Vorderseite Dienstsiegel des Bezirksgericht Bezau, auf der Rückseite Papiersiegel Bezirksgericht Bezau. Frankiert wurde mit Michel Nr. 46 und 47, wobei die 47 beim Öffnen des Briefes zerstört wurde. Inhalt des Brief ging über eine Hinterlassenschaft (Erbe). Portorichtig 5 Kreuzer für Inlandsbrief (Deutschland galt als Inland) und 10 Kreuzer Einschreiben. Empfänger war ein Matthäus Ritter Kafefabrik (zumindest lese ich das so).



Schönen Gruß
Sepp
 
Gernesammler Am: 30.12.2025 20:15:52 Gelesen: 4464# 878 @  
@ Briefuhu [#877]

Hallo Sepp,

schöner Brief, gefällt mir, erstaunlich das zu dem Zeitpunkt noch der Einkreisstempel von Aubing (Winkler 20a) verwendet wurde, dieser steht im Winkler bis 1880, im Helbig für die Zeit schon der Typ 21a im Einsatz.

Gruß Rainer
 
Gauss Am: 30.12.2025 20:28:26 Gelesen: 4454# 879 @  
@ Briefuhu [#877]

Ich plädiere für Käse.
 
Briefuhu Am: 30.12.2025 21:49:08 Gelesen: 4407# 880 @  
@ Gauss [#879]

Käse ist mir auch lieber als "Kafe", obwohl es im Dialekt auch diese Schreibweise gegeben haben soll.

Danke für die Berichtigung.

Schönen Gruß
Sepp
 
Briefuhu Am: 30.12.2025 21:50:45 Gelesen: 4405# 881 @  
@ Gernesammler [#878]

Hallo Rainer,

danke für die Bestimmung des Stempels.

Schönen Gruß
Sepp
 
Briefuhu Am: 02.01.2026 08:45:10 Gelesen: 3709# 882 @  
Postkarte vom 11.07.1907 von Luxemburg nach Küps im Landkreis Kronach, dort Ankunft am 13.07.1907, frankiert wurde mit Michel Nr. 70, 5 Cent.



Schönen Gruß
Sepp
 
Gernesammler Am: 05.01.2026 16:20:58 Gelesen: 3194# 883 @  
Hallo Sammlerfreunde,

Ganzsachen Brief U 12 mit Werteindruck von 3 Kreuzer vom 10.10.187. aus Baden, spediert an Emilie Manz, bei Herrn Franz Manz, dort kam der Brief am Folgetag zur Ausgabe.

Gestempelt wurde mit Zweikreisstempel von Baden ** GB (Feuser, Deutsche Vorphilatelie 162-7) verwendet ab 1835, sowie auf der Rückseite zur Ankunft der Einkreisstempel WÜRZBURG BAHNH. (Winkler 21) verwendet 1870-76.

Vom Aussehen des Stempels gehe ich von einem Datum im Jahr 1871-73 aus.

Gruß Rainer


 
bayern klassisch Am: 05.01.2026 17:22:30 Gelesen: 3179# 884 @  
@ Gernesammler [#883]

Hallo Rainer,

frankiert wurde mit 3 Kreuzern bei einer Entfernung von 170 km. Im DÖPV wäre das über 20 Meilen = 9 Kreuzer gewesen. Ab dem 1.1.1868 gab es keine Entfernungszonen mehr - alles bis 1 Loth kostete nur noch 3 Kreuzer.

Somit ist das frühest mögliche Datum der 10.10.1868.

Mit dem 1.1.1872 wurden alle badischen Postwertzeichen und Ganzsachen ungültig, weil die Posthoheit an das Deutsche Reich abgegeben wurde. Demnach muss der Transport bis zum 10.10.1871 stattgefunden haben.

Genauer könnte man es nur über die Stempel eingrenzen - ich tippe mal auf 1868-69.

LG,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 06.01.2026 16:25:58 Gelesen: 3017# 885 @  
Liebe Freunde,



ein poste restante zu gestellender Brief der 2. Gewichtsstufe (über 10-20g inkl.) nach dem PV Bayern-Frankreich vom 1.7.1858 weist links 2 hellblaue 20 Centimes-Marken auf, die später mit einem Paar der dunkleren 20 Centimes-Marken auffrankiert wurden. Diese 80 Centimes teilten sich Frankreich und Bayern im Verhältnis 60 zu 40.

Der in Paris an der Börse am 28.7.1869 aufgegebene Brief lief über Strasbourg - Kehl - Stuttgart nach München, wo er am 29.6.1869 eintraf. Vorne notierte man in München "30/7", was bedeutete, dass man ihn an diesem Tag dem Empfänger gegen Herzeigen seines Passes ausgehändigt hatte. Der Empfänger war Herrn Strauss, dem Chef des Orchesters des Königs von Frankreich.

Es versteht sich von selbst, dass mir auch die KI nichts zum Empfänger zu sagen hatte - vlt. hat einer mehr Glück als ich, der immer den wunderbaren Lully angezeigt bekam, der damals aber leider schon lange verstorben war ...

LG von bayern klassisch
 
volkimal Am: 06.01.2026 17:44:52 Gelesen: 2990# 886 @  
@ bayern klassisch [#885]

Hallo Ralph,

ich lese "Orchestre de la Cour de France" also "Orchester des französischen Hofes" oder "Französisches Hoforchester".

Ich weiß nicht, aber ist das dasselbe wie das Orchester des Königs? Leider konnte ich aber auch mit diesen Ausdrücken nichts im Internet finden.

Viele Grüße
Volkmar
 
bayern klassisch Am: 06.01.2026 17:48:58 Gelesen: 2987# 887 @  
@ volkimal [#886]

Hallo Volkmar,

vielen Dank für deine Hilfe - in jedem Fall hast du viel mehr herausgefunden, als ich Computer-Trottel.

LG,
Ralph
 
Gauss Am: 06.01.2026 17:52:05 Gelesen: 2983# 888 @  
@ bayern klassisch [#885]

Einen König gab's 1866 nicht. Das heißt wohl cour de France, und der Herr Strauss könnte dieser sein: https://fr.wikipedia.org/wiki/Isaac_Strauss
 
Koban Am: 06.01.2026 18:14:15 Gelesen: 2979# 889 @  
@ bayern klassisch [#885]

Aufgegeben wurde der Brief im Postamt am Place de la Bourse. (Im unteren Bogen PL. DE LA BOURSE)

Die beiden Paare der Mi 28 (Yvert 29) weisen nicht nur unterschiedliche Nuancen auf, sondern auch unterschiedliche Typen. Linkes Paar Type I (Punkte vor und hinter POSTES winzig), rechtes Paar Type II (Punkte vor und hinter POSTES grösser). Im Yvert werden die beiden Typen als 29 A und 29 B bezeichnet.

Die linke Marke des rechten Paares mit deutlichem Feldmerkmal (links unten im Mäander), Feld 74 Platte A2.

Gruß,
Koban
 
bayern klassisch Am: 06.01.2026 18:35:06 Gelesen: 2969# 890 @  
@ Gauss [#888]

Hallo Gauss,

danke - das ist er sicher. Ich hatte 1/2 Stunde lang gegoogled, um dann ergebnislos aufzugeben. Super!

LG von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 06.01.2026 18:36:13 Gelesen: 2967# 891 @  
@ Koban [#889]

Danke für die profunde Zuweisung - wird sofort notiert und ich fands schön, mal 2 verschiedene Lieblingsmarken von mir auf einem Brief zeigen zu können, auch wenn die Erhaltung suboptimal ist.

LG von bayern klassisch
 

Das Thema hat 891 Beiträge:
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