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Thema: Weissrussland: Briefmarken und ihre Geschichten
Wim Ehlers Am: 04.09.2013 22:02:50 Gelesen: 11890# 1 @  
Die nach dem Zerfall der Sowjetunion entstandenen Republiken sind für viele Briefmarkensammler und Philatelisten neue, interessante Sammelgebiete geworden, weil häufig - je nach Staat - von Anfang an gesammelt werden kann. Einen dieser Staaten möchte ich in diesem Thread behandeln: Weißrussland oder Belarus [1] , wie ihn die Bevölkerung dort selbst nennt. Dabei wird der Grundtext von meinem langjährigen Tauschpartner Wladimir geliefert, einem Deutschlehrer aus Minsk, der Hauptstadt von Weißrussland.



Dieses Foto zeigt Wladimir (rechts) bei einem Besuch des Kölner Doms mit mir vor einem Jahr.

Hier der Text von Wladimir, den ich nur geringfügig redigiere, zur ersten Briefmarke Weißrusslands vom 20.03.1992:



Die erste weißrussische Briefmarke stellt das Kreuz der Heiligen Euphrosyne von Polozk [2] dar. Diese orthodoxe Heilige lebte im 12. Jahrhundert in Polozk [3]. Es war die älteste und größte Stadt auf dem Territorium des heutigen Weißrusslands und das Zentrum eines selbständigen Fürstentums. Euphrosyne war die Tochter des Polozker Fürsten Swjatoslaw Wsjeslawitsch und hieß eigentlich Predslawa. Als sie (gegen den Willen ihrer Eltern) Nonne wurde, nahm sie den Namen Euphrosyne an. Sie betätigte sich als Übersetzerin und förderte Kunst und Kultur. Euphrosyne wurde im Mai 1910 heilig gesprochen. Ihren Tag begeht die Russische Orthodoxe Kirche am 5. Juni.

Im Auftrag von Euphrosyne fertigte der Polozker Meister Lasar Bogscha im Jahre 1161 ein Altarkreuz für die Erlöserkirche an. Dieses aus Zypressenholz gefertigte, mit erlesenen Edelsteinen besetzte und mit Darstellungen der Evangelisten versehene Kunstwerk gilt seither als wertvollste nationale Reliquie der Weißrussen. Im Laufe seiner Geschichte wechselte das Kreuz mehrmals seine Besitzer. Es verschwand während des Zweiten Weltkriegs und ist bis heute trotz umfangreicher Bemühungen, auch von offiziellen Stellen, nicht wieder aufgetaucht.

Anfang der 90er Jahren im Zuge der Aufgeburt des religiösen Lebens nach der Perestrojka pries man die Heilige Euphrosyne als Himmelsbeschützerin des jungen weißrussischen Staates und Volkes und das Bildnis ihres Kreuzes als eine Art staatliches Symbol. Da es fast keine Aussichten auf das Wiederfinden des echten Kreuzes gibt, wurde es 1997 im Auftrage der Orthodoxen Kirche erneuert. Dieses Ereignis wurde mit einem Aufdruck geehrt.



Das Kreuz der Heiligen Euphrosyne von Polozk bleibt ein beliebtes Motiv der weißrussischen Briefmarken. Als Hintergrund dient in diesem Block die orthodoxe Euphrosyne-Erlöser-Kirche in Polozk (12.Jh.) mit ihren Wandmalereien.

Beste Grüße
Wim

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Frussland
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Euphrosyne_von_Polazk
[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Polazk
 
KaraBenNemsi Am: 05.09.2013 11:05:15 Gelesen: 11857# 2 @  
@ eurowelter [#1]

Hallo,

danke für das Starten des Themas. Das kann richtig interessant werden, denn Weißrußland hat ja viele interessante Motive, die alle einen Bezug zum Land selbst haben. Und ich finde es auch interessant zu verfolgen, wie die Marken von Jahr zu Jahr optisch immer ansprechender geworden sind.

Da es fast keine Aussichten auf das Wiederfinden des echten Kreuzes gibt, wurde es 1997 im Auftrage der Orthodoxen Kirche erneuert. Dieses Ereignis wurde mit einem Aufdruck geehrt.

Zeigst Du die Aufdruckmarke von 1997 auch noch? Sie passt ja ganz gut in die obere Reihe und ist mit ihrer Nominale von 3000 Weißrussischen Rubeln auch wieder ein Beleg für die seinerzeit leider galoppierende Inflation. Das Thema hatten wir ja gerade im Freistempel-Thread [1].

[1]: http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=5818&CP=0&F=1
 
Wim Ehlers Am: 05.09.2013 11:56:11 Gelesen: 11851# 3 @  
@ KaraBenNemsi [#2]

Zeigst Du die Aufdruckmarke von 1997 auch noch? Sie passt ja ganz gut in die obere Reihe und ist mit ihrer Nominale von 3000 Weißrussischen Rubeln auch wieder ein Beleg für die seinerzeit leider galoppierende Inflation.



Das mache ich gerne, ohne Wladimir vorzugreifen. Von links nach rechts also

MiNr 1 vom 20.03.1992 Religiöse Kunst; Kreuz der Heiligen Euphrosyne von Polozk
MiNr 6 vom 25.09.1992 / 22.02.1993 mit Aufdruck 1000 Jahre orthodoxe Kirche in Weißrussland
MiNr 246 vom 08.12.1997 Restauration des Kreuzes der Heiligen Euphrosyne von Polozk

Nachdem ich die ersten postfrischen mit diesen hohen Rubel-Werten erhielt, wurde ich ein wenig unruhig ob der Höhe. Allerdings beruhigte mich schnell die Umrechnung von Weißrussischen Rubel in Euro. Bei der hier gezeigten Briefmarke mit 3000 Rubel entspricht dies aktuell einem Wert von 0,25 Euro.

Beste Grüße
Wim
 
KaraBenNemsi Am: 05.09.2013 12:58:07 Gelesen: 11839# 4 @  
@ eurowelter [#11]

So sieht das doch hübsch aus!

Bei der hier gezeigten Briefmarke mit 3000 Rubel entspricht dies aktuell einem Wert von 0,25 Euro.

Die Umrechnung ist mitunter etwas trickreich. Auch wieder inflationsbedingt. Die gezeigte 3000 Rubel-Marke ist aus dem Jahr 1997 und wertet zum Beispiel (jedenfalls soweit mir von 2006 bekannt ist) nur noch ein Tausendstel der aufgedruckten Nominale, also 3 Weißrussische Rubel (entsprechen zur Zeit 0,00025 Euro). Mit diesen 3 Rubeln ist sie auch nach wie vor frankaturgültig. Allerdings kostet der einfache Inlandsbrief zur Zeit 1000 Weißrussische Rubel (also etwa 0,084 Euro).

Nun darf man aber die 3 Weißrussischen Rubel, die man anrechnen würde, wenn man die Marke heute auf einen Brief klebte, nicht mit dem heutigen Verkaufspreis der Marken verwechseln. Dazu muss man wissen, dass diese Marken in Übereinstimmung mit den weißrussischen Bestimmungen zu "Sammlermarken" erklärt wurden. Das heißt, sie sind frankaturgültig (in diesem Fall zu 3 Rubeln), aber die Post(philatelie) muss sie nicht zum Nominalwert verkaufen, sondern kann einen höheren Preis festsetzen. (Die 3 Rubel könnte auch niemand bezahlen, denn Umlaufmünzen gibt es nicht und so kleine Rubelscheine auch nicht).

Die beiden Marken Nr. 1 und Nr. 6 sind übrigens nicht abgewertet worden. Sie haben somit einen "Tarifwert" von jeweils 1 Weißrussischem Rubel.
 
Wim Ehlers Am: 05.09.2013 13:12:03 Gelesen: 11834# 5 @  
@ KaraBenNemsi [#4]

Gestern Abend hatten wir im Philachat eine kleine Diskussion über das Thema "Social Philately" [1] und haben dabei unterschieden zwischen alten und neuen (modernen) Formen dieser Kategorie.

Deswegen fällt mir spontan zu Deiner guten Erklärung ein, dass dieser Wandel in der Geschichte vieler Staaten sicherlich ein gutes Beispiel wäre, einmal in die Tiefe zu gehen. Regierungswechsel, Unabhängigkeit vieler Staaten, die Deutsche Einheit, Kolonialstaaten und was daraus wurde ... all dies können Themen für "Social Philately" sein.

Deshalb vielen Dank für diesen Impuls.

Beste Grüße
Wim

[1] https://sites.google.com/site/yorkps/guidelines-for-social-philately
 
Wim Ehlers Am: 05.09.2013 19:25:55 Gelesen: 11803# 6 @  
Eigentlich hatte ich vor, neue Beiträge in einem Rhythmus von etwa 3-4 Wochen in diesem Thema zu veröffentlichen, damit Wladimir ausreichend Zeit für seine Beschreibungen hat. Damit dieser Thread aber nicht wegen weiterer - durchaus interessanter - Themen durcheinander kommt, will ich nun Wladimirs Beschreibung der zweiten Briefmarke Weißrusslands hier weitergeben:



MiNr 2 wurde am 10.04.1992 verausgabt mit einem Nominalwert von 20 Kopeken; ich zeige aber gleich schon MiNr 216 mit Überdruck von 3.500 Rubel vom 10.03.1997 - übrigens entspricht die Michel-Nummerierung nicht der Postverwaltung Weißrusslands.

Wladimir: Die zweite Briefmarke, die von Weißrussland verausgabt wurde, ist dem 100. Geburtstag des Komponisten Rygor Schyrma gewidmet. Sein russischer Name ist Grigorij Romanowitsch Schirma. Er wurde am 21. Januar 1892 nicht weit von Pruzhany im Südwesten von Weißrussland in einer armen Bauernfamilie geboren. Er studierte Pädagogik, wurde aber während des Ersten Weltkrieges evakuiert.

Nach der Revolution diente er in der Roten Armee, arbeitete als Lehrer. 1922 emigrierte er ins westliche Weißrussland, das ein Jahr zuvor nach dem Russisch-Polnischen Krieg zum Teil des polnischen Staates geworden war. Dort fand er eine Lehrerstelle im privaten weißrussischen Gymnasium von Wilno (damals auch in Polen).

Schirma protestierte aktiv gegen die kulturelle Unterdrückung der weißrussischen Bevölkerung und wurde dafür mehrmals inhaftiert. Er organisierte Chöre, die die weißrussischen Volkslieder propagierten. Nach der Einverleibung des westlichen Weißrusslands durch die Sowjetunion organisierte er in Minsk die staatliche akademische Chorkapelle und leitete sie bis 1970.

1966-1978 stand er an der Spitze des weißrussischen Komponisten-Verbandes. Er war auch mehrmals Abgeordneter des Parlaments der Weißrussischen Sowjetrepublik. Laut seinen Biographen notierte und bearbeitete Schyrma im Laufe seines Lebens über 2.000 (manche Quellen sprechen von 5.000) weißrussische Volkslieder. Schyrma starb am 23.März 1978 in Minsk.

Das Design der Marke trägt unverkennbar noch die Züge, die für die sowjetischen Briefmarken sehr typisch waren. Offenbar wurde die Skizze noch vor dem Zerfall der Sowjetunion gefertigt.

Diese Briefmarke wurde, wie auch alle weißrussischen Briefmarken dieses Jahrgangs, in Moskau gedruckt.

Soweit Wladimir, der sich heute auch auf den Philaseiten unter dem Nicknamen "Kalender" angemeldet hat.

Beste Grüße
Wim
 
Wim Ehlers Am: 09.09.2013 17:27:46 Gelesen: 11737# 7 @  
Post aus Minsk

Gerade erhielt ich von Wladimir aus Minsk die Fortsetzung unserer kleinen Reihe. Hier sein Text:



Angaben aus dem Michel-Katalog: 1992, 9.Juni. Freimarke: Historische Wappen, RaTdr, (10x10); gez. K 12:11¾, Auflage 2 250 000 Weitere Werte: MiNr 37, 72-73

Offensichtlich ist dem Michel-Katalog ein Fehler unterlaufen. So wird als Datum der 9.Juni angegeben. Das Katalog der Weißrussischen Post gibt dagegen den 9.Juli an. Dazu werden im Katalog der weißrussischen Post die Angaben zur Zähnung nicht 12:11¾ wie im Michel-Katalog, sondern als 12:12½ angegeben.

Diese weißrussische Freimarke sollte offensichtlich eine Serie beginnen. Das nicht die Hauptstadt Minsk, sondern eine mittelgroße Stadt eine Serie mit ihrem Wappen eröffnete, hatte seine Gründe.

Polozk gilt als die älteste Stadt auf dem Territorium Weißrusslands. 862 erstmals urkundlich erwähnt, schon als Zentrum eines Fürstentums, wird es als eine Art Wiege der weißrussischen Staatlichkeit betrachtet, wenn man versucht, diese mit alten Chroniken zu untermauern. Damals gab es jedenfalls keine russische, weißrussische oder ukrainische Nationen. Ostslawen lebten in Stämmen und Polozk war eines der Zentren des Stammes von Kriwitschi (danach nennen die Letten die Russen krievi).

Heute rangiert Polozk mit 82,5 Tausend Einwohnern auf dem Platz 17 in der Liste der Städte Weißrusslands. Aber die Stadt spielt immer noch eine wichtige Rolle im geistigen Leben des Landes. So wurde Polozk zur kulturellen Hauptstadt Weißrusslands für das Jahr 2010 erklärt.

Die bekanntesten Töchter und Söhne der Stadt sind die heilige Euphrosyne, der weißrussische Erstdrucker Franzisk Skorina, der Meister der altrussischen Dichtkunst Simeon Polozkij. Polozk unterhält Städtepartnerschaften mit Friedrichshafen, Baden-Württemberg seit 1990.

Die Unterschrift auf der Marke lautet: “ Altertümliches Wappen von Polozk”. Dieses Wappen erhielt Polozk im Jahr 1498. In ihrer Geschichte hatte die Stadt verschiedene sehr unterschiedliche Wappenvarianten, bis sie 1994 wieder zu diesem alten Wappen zurückkehrte. So stellt das Stadtwappen ein dreimastiges Schiff mit silbernen Segeln auf den silbernen Wellen dar. Das Wappen kann man so deuten: Polozk liegt an der Düna, die eine der wichtigsten Handelsadern Osteuropas war. Deswegen spielte Polozk eine wichtige Rolle im Außenhandel, besonders mit den deutschen Städten an der Ostseeküste.

Erst die zweite Briefmarke dieser Wappenserie (MiNr 37, 1993) wurde Minsk, der Hauptstadt der Republik (gleichzeitig das Zentrum eines gleichnamigen Gebiets), gewidmet. 1994 folgten noch zwei Briefmarken dieser Serie – mit den Stadtwappen von Gebietszentren Grodno (MiNr 72) und Witebsk (MiNr73). Logisch gesehen, sollten nach diesen drei Gebietszentren weitere folgen. Seit 1960 teilt sich Weißrussland in sechs Gebiete. Das heißt, Brest, Grodno und Gomel haben damals ihre Briefmarken nicht bekommen.

Aus nicht bekanntem Grund wurde die Serie eingestellt. Ich kann hier nur meine Vermutungen darlegen. Der Maler; der diese Markenserie gestaltete, Mikola Kupawa, ist als eine der führenden Persönlichkeiten der weißrussischen nationalistischen Bewegung bekannt. Das fand seinen Ausdruck darin, dass er beiderseits des Landesnamens BELARUS eine Art weiß-rot-weiße Flagge darstellte. Das sind die Farben der weißrussischen Nationalisten und seit dem 19.September 1991 war das die Staatsfahne der Republik Belarus. Infolge des Referendums vom 14. Mai 1995 sprach sich das Volk gegen diese Symbole aus. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass der Maler Kupawa, der in schärfster Opposition zum Präsident Lukaschenko war, eingegangen hätte, diese weiß-rot-weißen Streifen von den Entwürfen seiner nächsten Marken zu entfernen. So konnte die Serie erlöschen. Erst 2001 erschienen die Stadtwappen der weiteren Gebietszentren auf den Briefmarken, jedenfalls in einem anderen Design.

Diese Freimarke wurde nicht zu einer Dauermarke. Die erste Dauermarkenserie begann im November 1992 mit den kleinen Briefmarken mit dem Staatswappen (MiNr 14-16 usw.), die mit Auflagen über 20 Millionen erschienen.
 
KaraBenNemsi Am: 09.09.2013 22:05:37 Gelesen: 11721# 8 @  
@ eurowelter [#7]

Lieber Wladimir, lieber Wim,

vielen Dank für diese interessanten Ausführungen. Mir war bisher nicht bewusst, dass es sich bei den "Zierelementen" rechts und links des Landesnamens um die alte weißrussische Staatsflagge handelt. Bei einer so kleinen Abbildung wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, dahinter die Flagge zu vermuten. Den politischen Hintergrund des Markenentwerfers kannte ich auch nicht.

Ansonsten noch drei Anmerkungen:

- Zu den Ersttagen: In der Zeitschrift der Arge Weißrußland (Belarus) listete Wieslaw Kaminski unter dem Titel "Katalogverwirrungen um weißrussische Ersttage" bereits 2008 über 30 (!) Abweichungen der Angaben zu den Ersttagen zwischen dem Michel-Katalog und dem Katalog der weißrussischen Post Belposchta auf. Die von Euch genannte war auch darunter. [1]

- Zur Zähnung: Kataloge sind von Menschen gemacht und darum immer mal wieder fehlerhaft. In diesem konkreten Fall liegt der Fehler aber eher beim weißrussischen Katalog. Meine Marken dieser Ausgabe sind alle 12:11 1/2 (bis 11 3/4). Michel liegt also richtig. Der weißrussische Katalog für 1992/1993 hatte das auch noch richtig angegeben [2]. Erst der Katalog für 1992-1998 [3] und der folgende für 1992-2001 [4] geben 12:12 1/2 an. Zu welchem Ergebnis kommt Ihr beim Nachmessen?

- Meines Erachtens handelt es sich nicht um eine Freimarke/Dauermarke (Michel verwendet den eigentlich unsinnigen Begriff Freimarke als Synonym für Dauermarke). Dafür ist die Auflagenhöhe viel zu gering und entspricht der von Sondermarken dieser Zeit. Auch hat die weißrussische Post in ihren Katalogen diese Ausgabe nie als Dauermarke (standartnaja marka) bezeichnet - auch nicht 1992/93. Dabei ist es seit sowjetischer Zeit Tradition, die Dauerserien durchzunumerieren. Dauerserie Nr. 1 kam erst im November 1992 mit dem Pogonja-Wappen heraus.

Viele Grüße

KaraBenNemsi

[1]: Kaminski, Wieslaw: Katalogverwirrungen um weißrussische Ersttage.- in Belarus-Report, Nr. 8, Juni 2008, S. 32-34
[2]: Katalog pashtavyh marak Respubliki Belarus 1992 1993.- Minsk, 1995, S. 6
[3]: Katalog pochtovyh marok Respubliki Belarus 1992 1998.- Minsk, 1999, S. 17
[4]: Katalog pochtovyh marok Respubliki Belarus 1992 2001.- Minsk, 2002, S. 9
 
Wim Ehlers Am: 29.09.2013 17:37:10 Gelesen: 11619# 9 @  
Post aus Minsk

Weiter geht es mit den Marken aus Weissrussland und den Erklärungen von Wladimir dazu.



MiNr 4 aus Weissrussland zeigt die Staatsflagge und das Territorium

Nun die Erklärung von Wladimir:

Erstmals als Farben der weißrussischen Nationalisten 1917 erwähnt, wurde die weiß-rot-weiße Flagge während des Chaos beim Zerfall der Sowjetunion der Gesellschaft als Staatsfahne vorgegaukelt, immer heftig umstritten und endlich infolge der Volksabstimmung (75,1 Prozent gegen 20,5 Prozent) am 14.Mai 1995 als Staatssymbol abgeschafft.

Die weißrussischen Völkischen behaupteten beharrlich, diese Flagge habe ihre Wurzeln schon im Mittelalter, und suchten lange und vergebens nach Belegen. Letzten Endes einigten sich die meisten Geschichtsforscher, diese Farben wurden erstmals 1917 in Petrograd vom Studenten Klaudyjusz Duż-Duszewski bei einem Fahnenfest vorgeschlagen.

Im Frühjahr 1918 nach dem Einmarsch der kaiserlichen Truppen in Minsk, versuchten die weißrussischen Nationalisten eine Art Regierung unter der deutschen Obhut zu schaffen. Damals und später, während der polnischen Okkupation 1919-1920, benutzten sie diese Farben und das Wappen Pahonja. Die Reste der selbsternannten Regierung verweilten dann im Exil, wo sie aus dem von Deutschland besetzten Prag den Einmarsch der Wehrmacht in die UdSSR begrüßten und ihre Dienste bei der Schaffung einer Besatzungs-Administration vorschlugen. Die Organe der weißrussischen Kollaborateure (von der weißrussischen Selbsthilfe bis zu den Einheiten zur Partisanenbekämpfung und einer Brigade Waffen SS, aber jedenfalls ohne Schaffung von Regierungsorganen) benutzten nach der Einwilligung des Generalkommissars für Weißruthenien Wilhelm Kube diese Farben.

Ende der 80er Jahre, im Wirrwarr der Perestrojka wurden Versuche unternommen den Kollaborateuren und den mit ihnen assoziierten Farben "Persilscheine" auszustellen. In der Zeit der allgemeinen Ratlosigkeit nach dem Ende August gescheiterten Staatsstreich in Moskau wurde unter dunklen Umständen der Beschluss des Obersten Rates der Republik vom 19.September 1991 durchgesetzt, der die weiß-rot-weiße Fahne zur Staatsflagge machte. Diese Flagge wurde im Volke negativ empfunden. Erstens, war das die Flagge der Kollaborateure. Dazu kam noch, dass damals die stärkste Krise das Land erschütterte (mit den Monatslöhnen durchschnittlich 30 bis 40 Dollar). Dieses Elend wurde nun auch mit der neuen Symbolik assoziiert. Man spottete auch, diese Fahne verkörpere unsere Ideale in der Gestalt des Bauchspecks mit zwei weißen Streifen für Speck und einer roten fürs Fleisch. Letzten Endes äußerte sich das Volk im Referendum am 14.Mai 1995 für die Wiederkehr zu der modernisierten Staatssymbolik der Sowjetzeit.

Beste Grüße
Wim
 
Wim Ehlers Am: 17.11.2013 10:57:31 Gelesen: 11336# 10 @  
Weiter geht es mit Briefmarken aus Weissrussland; wir sind noch bei den Staatssymbolen und kommen nun zum Staatswappen. Hier der Text von Wladimir:

Das Wappen hat in verschiedenen Sprachen unterschiedliche Bezeichnungen: Vytis (Reiter) im Litauischen, Pogoń (Verfolgung) auf Polnisch. Auf Weißrussisch heißt es Pahonja und bedeutet auch Verfolgung.



MiNr 5 aus Weissrussland zeigt das Wappen des Landes

Laut Meinung der Historiker lagen die Wurzeln dieser Abbildung in den Siegeln der Großfürsten von Litauen, die den Herrscher selbst darstellten und allmälig zum Staatswappen des Großfürstentums wurden. Die frühesten Darstellungen eines Ritters zu Pferde auf dem Siegel der Großfürsten von Litauen wurden mit dem Jahr 1366 datiert. Zu diesem Zeitpunkt gehörte schon das Territorium des heutigen Weißrusslands zu diesem Großfürstentum. Die polonisierten Adligen auf diesen Territorien bekannten sich größtenteils zu den Litauern. Sogar die Juden auf diesem Gebiet nannten sich „Litwaki“ (Litauer).

Mit der Wiederaufgeburt des Nationalbewusstseins im eigentlichen Litauen, ging man in weißrussischen Gebieten allmälig von der Selbstbezeichnung Litauer ab. Aber auf die historische Erbe des Großfürstentums Litauen wurde es nicht verzichtet. Die weißrussischen Nationalisten trugen sich sogar eine Zeit lang mit dem Gedanken, einen gemeinsamen weißrussisch-litauischen Staat zu bilden. Die Idee wurde aber von den Bolschweisten übernommen, die Anfang 1919 eine litauisch-weißrussische Sowjetrepublik bildeten, die später unter den Schlägen der polnischen Truppen fiel. Jedenfalls hatten die Bolschewisten ihre eigene Symbole und standen zur Pahonja feindlich gegenüber. Die weißrussischen Nationalisten hielten die Pahonja für das beste Wappen für ein unabhängiges Weißrussland. So wurde die Pahonja am 19.September 1991 mit der weiß-rot-weißen Flagge zu einem offiziellen Staatssymbol. Die Litauer verzichteten nicht auf ihr Symbol und so hatten eine Zeit lang zwei Staaten fast identische Wappen. Wie auch die weiß-rot-weiße Fahne fand das Wappen Pahonja in Weißrussland wenig Anhänger und die beiden wurden im Volksentscheid am 14.Mai 1995 als Staatssymbole abgeschaft.

Zum Schluss meine kleine Bemerkung zur Bezeichnung „Nationale Symbole“ im Michel-Katalog für diese Marken. Es gibt einige Gründe, diese Bezeichnung als nicht korrekt zu betrachten:

Erstens, diese Symbole haben zwischen 1991 und 1996, also eine historisch gesehen kurze Periode, die Rolle der Staatssymbole gespielt. Davor und danach haben sie die Rolle der Symbole der nationalistischen Kräfte gespielt.

Zweitens, diese Symbole sind 1991 nur dank einem aberwitzigen Spiel der Geschichte in den chaotischen politischen Zuständen nach dem misslungenen Putsch in Moskau zu den weißrussischen Staatssymbolen avanciert. Auch 1991 bis 1995 wurden sie vom Volk nicht als seine nationale Symbole anerkannt und relativ leicht abgeschafft, als das Volk die Möglichkeit erhielt, darüber entscheiden zu dürfen. Sie können nicht als nationale Symbole betrachtet werden.

Drittens, der Michel-Katalog selbst bezeichnet in seinen Unterschriften diese Marken als „Staatsflagge“ und „Staatswappen“. Logisch wäre es, wenn auch in der Überschrift die Rede von Staats- und nicht Nationalsymbolen wäre.

- Wladimir -
 
Wim Ehlers Am: 26.03.2014 18:39:53 Gelesen: 10942# 11 @  
Heute erreichte mich von meinem Tauschpartner aus Minsk die folgende Maxikarte:



Am 11.03.2014 wurde die Briefmarke mit dem Motiv Kuckuck von der Post in Belarus verausgabt unter dem Motto Vogel des Jahres. [1]

Beste Grüße
Wim

[1] http://www.belpost.by/eng/stamps/stamp-catalogue/2014-chrono-eng/10-2014-02-28-eng/
 
Francysk Skaryna Am: 27.03.2014 16:22:44 Gelesen: 10891# 12 @  
@ KaraBenNemsi [#4]

Moin,

Deine Ausführung, dass ältere Marken frankturungültig seien, ist so nicht ganz richtig. Fakt ist, dass sie als Sammlermarken verkauft werden. Aber auch aktuelle Marken gelten mehr oder weniger als Sammlermarken.

Kurz gesagt gilt für Marken bis ins Jahr 2000:

Die Nominale hat auf Grund der Währungsumstellung eine um den Faktor 1.000 geringere Frankturkraft. Die gilt für alle Nominale auf Briefmarken und Ganzsachen, die in Ziffern angegeben sind. Damit sind diese Marken nicht ausser Kurs, haben aber de Fakto keinen Frankturwert mehr. Die in Buchstaben angegebenen Nominale haben nach wie vor ihre altbekannte Frankturkraft. Eine "A"- Nominale kann also nach wie vor ohne Einschränkung als Inlandsporto verklebt werden.

Dazu habe ich hier mal eine interne Dienstanweisung angehängt, die mir vor einiger Zeit meine Freundin in der Hauptpost gab.



Gruss
 
KaraBenNemsi Am: 27.03.2014 20:18:03 Gelesen: 10871# 13 @  
@ Francysk Skaryna [#12]

Deine Ausführung, dass ältere Marken frankturungültig seien, ist so nicht ganz richtig. Fakt ist, ...

Nun denn, dann sind wir uns ja einig. Wenn Du meinen Beitrag [#4] noch einmal aufmerksam liest, dann wirst Du merken, dass ich genau das auch schon geschrieben hatte: Die Marke ist frankatur gültig zu dem oben angegebenen Betrag unter Berücksichtigung der Umwertungen, hat aber als sogenannte "Sammlermarke" einen Verkaufspreis, der nicht der Nominale entspricht, sondern von der Post festgelegt wurde.

Also alles richtig.
 
Francysk Skaryna Am: 28.03.2014 10:25:44 Gelesen: 10851# 14 @  
@ KaraBenNemsi [#13]

Moin,

na gut, wer lesen kann ist klar im Vorteil. ;-)

Die Post verscherbelt diese Marken derzeit (zumindest teilweise) unter der aufgedruckten Nominale. Gemessen am noch vorhandenen Frankturwert wird sie dabei aber sicher nicht arm.

Gruss
 
Francysk Skaryna Am: 29.03.2014 13:34:15 Gelesen: 10821# 15 @  
Moin,

im Februar veranstaltete die Белпочта / Belpotschta ihren alljährlichen Wettbewerb der schönsten Marke des Jahres.

Blocks mit christlichen Motiven haben bei diesr Veranstaltung in den vergangenen Jahren immer gute Karten gehabt.

Als Sieger des diesjährigen Wettbewerbes ging mit 276 Stimmen der von Iwana Lukina gestalteten Block zum 1025. Jährung der Taufe der Rus hervor.



Etwas überrascht hat mich der zweite Platz, der mit 175 Stimmen an den Kleinbogenserie Belarussischer Trickfilm ging.

Gruss
 
Francysk Skaryna Am: 22.08.2014 19:12:30 Gelesen: 10377# 16 @  
Moin,

unter Bezug auf eine entsprechende Verordnung des Ministeriums der Wirtschaft der Republik Weißrussland / Министерства экономики Республики Беларусь vom 6. August 2014 kündigt die Белпочта / Belpotschta auf ihrer Seite mit einer Mitteilung vom 20. August eine Tariferhöhung für den 25. August 2014 an.[1]

Dabei steigen beispielsweise die Tarife im Inlandsverkehr für Standardsendungen bis 20 Gramm (Portostufe "A") und Postkarten (Portostufe "B")von derzeit 2.100 BY - Rubel auf 2.400 BY - Rubel.

Die aktuellen Tarife lassen sich unter der Rubrik Tarife auf der Seite der Белпочта / Belpotschta einsehen. [2]

Eine Aufstellung der Nominale der Buchstaben Werte findet sich unter [3]
Ferner findest sich unter [4] - etwas versteckt auf der Seite - noch ein Tarifrechner.

Gruss

[1] http://belpost.by/press-centre/news-company/1409.html
[2] http://belpost.by/tariff/belarus/
[3] http://belpost.by/stamps/bykv-nominal/
[4] http://tarifikator.belpost.by/internal.php
[4] http://tarifikator.belpost.by/international.php
 
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