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Thema: Michel Deutschland Spezial bald in drei dicken unbezahlbaren Bänden ?
Richard Am: 31.07.2014 09:07:12 Gelesen: 7204# 1 @  
Vor mir liegt der Michel Deutschland Spezial Katalog 1970, erschienen im Juli 1969. Im Vorwort wird auf die Umstellung der Katalogpreise von Bruttopreisen auf "durchschnittliche Handelspreise" hingewiesen, entsprechend den "vielseitigen Wünschen der Sammler und Händler. Der Katalog hat einen Umfang von 900 Seiten. Welcher Preis dafür zu zahlen war, geht aus dem Katalog nicht hervor.

Zehn Jahre später kam der Deutschland Spezial 1979/1980 bereits auf 1.150 Seiten und kostete umgerechnet 21 Euro.

Der aktuelle Spezial 2014 erscheint inzwischen in 2 Bänden mit über 2.500 Seiten, farbig und teilweise durch Inserate der Auktionsfirmen finanziert zum Preis von zusammen 160 Euro.

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In der "philatelie" Juli 2014 schreibt Erich H. Slaby [1], der jahrzehntelang für den Schwaneberger Verlag, unter anderem die Preisbearbeitungen des Katalogs, tätig war, in einem Leserbrief zur Frage des Umfangs und der Spezialisierung des Michel Deutschland Spezial Katalogs [2]:

Trotz entsprechender Warnungen des ehemaligen Michel Chefredakteurs Gerhard Webersinke, seinem späteren Nachfolger Jochen Stenzke und mir als lange Jahre "verantwortlichem Textredakteur" und Pressesprecher, bitte nicht den Versuch unternehmen zu wollen, den Michel Deutschland Spezial zu einer Art Vorstufe eines Handbuchs der Deutschland Philatelie auszubauen wurde und wird noch immer heftig genau in dieser Richtung daran gearbeitet.

Slaby meint, daß sich oft nur "eine Handvoll Spezialisten mit weit fortgeschrittenen Interessen" für eine solch weitgehende Spezialisierung interessieren, die besser in den Handbüchern der Arbeitsgemeinschaften aufgehoben wäre statt in einem Michel "Handbuch für Alles".

Nach Meinung Slabys wird der Spezial bald nicht mehr in nur 2 Bänden erscheinen, sondern auch der Preis je Band durch die umfangreiche redaktionelle Arbeitszeit immer teurer werden. Schließlich würden durch den Umfang die Normalsammler abgeschreckt "wenn das alles so kompliziert ist".

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Die Beiträge in den philatelistischen Foren zeigen den Zwiespalt der Meinungen. So wird auf den Philaseiten von den Spezialisten der DDR Ulbricht Dauerserie seit vielen Jahren über die fehlenden Katalogisierungen geklagt, während andererseits die Katalogkäufer durch die jährlich schnell steigenden Katalogpreise abgeschreckt werden und nur noch im Abstand von mehreren oder vielen Jahren einen neuen oder 2-3 Jahre alten Katalog zum halben Preis erwerben.

Ich meine, ein Dilemma in den Wünschen der Katalogkäufer, welches durch einen wirtschaftlich orientierten Verlag wie Schwaneberger nicht zu lösen ist, zumindest nicht durch die von mir bevorzugte gedruckte farbige Katalogversion. Vorschläge, wie die Senkung der Verkaufspreise oder den Druck als Loseblattwerk können, wie mir als jahrelangem Verlagsleiter bekannt ist, nicht zu einer sinnvollen wirtschaflichen Lösung führen.

Über eines müssen wir uns im Klaren sein: Fällt der Schwaneberger Verlag mit seinem von der ganzen Branche und Sammlerschaft verwendeten Nummern- und Preissystem aus, wird dies früher oder später zu erheblichen Einschnitten der Umsätze von Händlern und Auktionsfirmen führen. Möglicherweise werden diese vorübergehend kräftige finanzielle Zuschüsse an den Schwaneberger Verlag leisten, hoffentlich ohne diesen in eine wirtschaftliche Abhängigkeit von den Geldgebern zu führen.

Schöne Grüsse, Richard


[1] http://www.briefmarken.de/allgemein/aktuelles_detail.php?pId=327&i=110

[2] Phlatelie Juli 2004, Seite 60 und 61
 
Vernian Am: 31.07.2014 10:05:00 Gelesen: 7154# 2 @  
Hallo,

Unangenehmes versucht man zu verdrängen, eine vollkommen normale menschliche Verhaltensweise. Das Unangenehme ist einfach die Tatsache, dass langsam aber sicher Hobbies wie Briefmarkensammeln aussterben, zumindest auf die breite Masse gesehen. Natürlich wird es immer Leute geben, die etwas Sammeln, und auch Briefmarken, aber es werden auf Grund veränderter Freizeitverhalten und Freizeit-Gestaltungsmöglichkeiten halt immer weniger.

Bei Denjenigen, die dabei bleiben und noch nicht weggestorben sind und den Wenigen (immer in Relation zu vor 20, 30 oder mehr Jahren gesehen), die neu dazu kommen, wird der Anteil derer, die sich in der Sammlung spezialisieren logischerweise auch immer geringer. Das bedeutet letztlich, die Nachfrage nach Sekundärprodukten wie Katalogen nimmt beständig ab, und wenn dann auch noch die zu investierenden Beträge im Verhältnis zum Einkommen als "hoch" erscheinen, dann kommt eins zum anderen.

MICHEL argumentiert gerne, dass seine Katalogwerke gar nicht zu teuer seien - und sie haben m.E. Recht damit. Im Vergleich zu anderen Buchpublikationen, mit hohem Farbanteil, ist der verlangte Preis tatsächlich eigentlich nicht exorbitant. Nur wenn ich heute für den neuen Michel-Deutschland-Katalog 48.- € bezahlen muß, gegenüber vielleicht 24.- DM (!) vor 25 Jahren, dann ist dies eine Preissteigerung um das Vierfache. Haben sich die Einkommen seither auch vervierfacht? Aus meinem Berufsumfeld kann ich sagen, die Einkommen haben sich ca. um den Faktor 2,5 in den vergangenen 25 Jahren erhöht, und das dürfte in vielen anderen Berufen ein Traum sein. Nehmen wir daher einfach mal an, die Einkommen haben sich verdoppelt - wo steht das in Relation zu einer Vervierfachung des Katalogpreises?

Es ist vollkommen klar, das MICHEL bei geringeren Preisen vermutlich nicht fortbestehen kann, dies ginge nur bei höherem Umsatz. Aber der geht - siehe Anfang hier - konsequent zurück.

Letztlich sitzen Kataloghersteller wie MICHEL genauso wie die Sammler auf dem absterbenden Ast.

Vernian
 
Briefmarkentor Am: 31.07.2014 11:14:18 Gelesen: 7103# 3 @  
@ Vernian [#2]

Hallo Vernian,

das Lied der abnehmenden Sammlerschar ist ein alter Hut, welches schon Ende der vierziger Jahre im Sammlerexpress gesungen wurde. Wenn heute althergebrachte Strukturen wegbrechen, kann es auch daran liegen, dass man sich heute anders informiert, anderes kauft und anders miteinander kommuniziert.

Einem Verlag mit Druckerzeugnissen dürfte es schwer fallen sich langfristig am Markt zu behaupten, kann man auf die digitale Welt mit dem stetig wachsendem Inhalt doch jederzeit und überall zugreifen. Und diese Vernetzung schreitet weiter voran und wird einfacher. Erste kostenlose Katalogwerke gibt es bereits im Netz. In Foren werden die Sammler zudem mit vertiefendem Wissen versorgt.

Vielleicht sollte man sich bei Michel auf den Basiskatalog zu kleinem Preis besinnen, gerne auch in die einzelnen deutschen Gebiete wie z.B. Bundesrepublik, Westberlin, DDR ect. aufgeteilt. So kauft man nur einen Katalog zu dem Thema, welches man wirklich sammelt, dafür aber öfter. Neben diese Basiswerke kann man dann wirkliche Spezialkataloge stellen. Diese können auch richtiges Geld kosten, denn ein hoher Preis für gute Literatur hat einen Spezialisten sicher noch nie abgeschreckt.

Viele Grüße

Marko
 
briefmarkenwirbler24 Am: 31.07.2014 11:36:07 Gelesen: 7085# 4 @  
Guten Morgen,

ich finde es eine sehr gute Idee, den Katalog in mehreren Bänden aufzuteilen, da man sich so den Band kaufen kann, an dem man interessiert ist und in dem sein Spezialgebiet katalogisiert und beinhaltet ist.

Ein Beispiel:

Deutschland-Spezial Band 1 benutze ich lediglich für Bayern, da ich sonst keine anderen beinhalteten Gebiete sammle, sodass ich mir nicht jedes Jahr einen neuen Band kaufe. Man könnt beispielsweise Altdeutschland von den anderen Gebieten im Band 1 komplett trennen, da es ein Gebiet für sich ist und es Unmengen an Speziellem und Informationen gibt.

Ich als Bayern Sammler weiß, dass der Michel Spezial so gut wie nichts über die ersten Ausgaben weiß und man diesen eigentlich nur für Tauschgeschäfte und Preisnotierungen braucht.

Nachteilhaft ist es für diejenigen, die Deutschland in all ihren Facetten sammeln und so jeden Band benötigen, doch brauch man wirklich jedes Jahr einen neuen Katalog? Ich nicht!

MfG

Kevin
 
uli Am: 31.07.2014 11:43:42 Gelesen: 7079# 5 @  
@ Marko Haucke [#3]

Vielleicht sollte man sich bei Michel auf den Basiskatalog zu kleinem Preis besinnen, gerne auch in die einzelnen deutschen Gebiete wie z.B. Bundesrepublik, Westberlin, DDR ect. aufgeteilt. So kauft man nur einen Katalog zu dem Thema, welches man wirklich sammelt, dafür aber öfter.

Wieso sollte man? Ich bin überzeugt, dass das bestimmt nicht passieren wird. Bis auf Bund sind alle Gebiete in den Deutschland-Katalogen abgeschlossen. Erwähnenswerte Neuerungen sind selten (Ausnahme: Neuheiten bei Bund), die Kataloginhalte bleiben viele, viele Jahre nahezu unverändert. Einen Basiskatalog eines abgeschlossenen Gebietes kauft man nur einmal und eine neue Version mit quasi identischem Inhalt nur, wenn der alte Katalog auseinander fällt.

Gruß
Uli
 
sammler-ralph Am: 31.07.2014 13:06:25 Gelesen: 7011# 6 @  
Den "Basiskatalog zum kleinen Preis" hat doch Michel bereits mit dem Junior im Angebot.

Ändert man das Konzept des Spezials nicht, wird eine Aufteilung in 3 oder mehr Bände schon allein aus umbruch-technischen Gründen irgendwann erfolgen müssen. Dies ergibt sich schon aus der alljährlichen Neuheitenflut, die zu katalogisieren ist.

Ich habe vor einigen Jahren meine Deutschland-Sammlung im wesentlichen auf gelaufene Ganzsachen 1945/49 beschränkt. Deshalb komme ich mit meinem D-Spezial Band 2 von 2008 gut zurecht, da ich hier nur noch eventuelle Zusatzfrankaturen nachschlage. Auch zuvor habe ich mit den Band 2 nur alle paar Jahre gekauft - und dann auch noch die jeweilige Vorjahresausgabe. Eine Anschaffung in jedem Jahr war mir zu kostspielig.

Die Frage nach dem "richtigen" Spezialisierungsgrad ist spannend und schwierig. Ich denke zwischen dem Normalkatalog und den ARGE-Veröffentlichungen bleibt immer noch ein zu beackerndes Feld übrig. So nutze ich - auch bei meinem Spezialgebieten, bei denen ich über weitere detaillierte Literatur verfüge, trotzdem die Michel-Kataloge, da sie gut geeignet sind, eine Übersicht zu bekommen.

Freuen würde ich mich, wenn es den Deutschland Ganzsachenkatalog im Teilen zu kaufen gäbe.

Gruß
Ralph
 
Briefmarkenfreunde Donaueschingen Am: 31.07.2014 13:20:27 Gelesen: 6994# 7 @  
Das es auch anders geht zeigt der französischen Katalog von YVERT & TELLIER, Band 1 die Marken Frankreichs. Mir liegt ein Band von 2009 vor mit 800 Seiten zum Preis von 20 EURO. Der Katalog beinhaltet von Marken über Markenheftchen bis zu Ganzsachen eine große Palette der französischen Philatelie.

Dieter
 
Baber Am: 31.07.2014 13:29:23 Gelesen: 6981# 8 @  
@ Vernian [#2]

Hallo Vernian,

Letztlich sitzen Kataloghersteller wie MICHEL genauso wie die Sammler auf dem absterbenden Ast.

Diese Befürchtung habe ich leider auch.

Über kurz oder lang wird der Michelspezial Band 2 geteilt werden müssen, wenn es mit der Neuausgabenflut so weitergeht. Ich habe da besonders die Doppelausgaben der Sondermarken in nass- und selbstklebend im Auge, die im Michel immer 2 Katalognummern belegen.

Meine Anregung, dieses einzustellen oder mindestens einzuschränken, wurde mit dem Hinweis "Wir organisierten Sammler sind für die Post bzw. das Finanzministerium als Herausgeber zu unbedeutend, um Druck ausüben zu können" beantwortet. Es bleibt elso alles beim alten.

So wird es immer mehr Sammler geben, die aufhören, Neuheiten zu sammeln, mich eingeschlossen. Der Ast, auf dem alle sitzen wird vor dem Absterben wohl abgesägt werden.

Gruß
Baber
 
Vernian Am: 31.07.2014 19:34:05 Gelesen: 6853# 9 @  
@ Marko Haucke [#3]

das Lied der abnehmenden Sammlerschar ist ein alter Hut, welches schon Ende der vierziger Jahre im Sammlerexpress gesungen wurde.

Geklappert und gejammert wurde schon immer und zu allen Zeiten, richtig. Nur ich befürchte, in unserer Zeit trifft es auch zu. Wie sonst sind Preisverfall, Berge ganzer Sammlungen, die für einen "Appel un'n Ei" zu haben sind, Sammlervereine mit einem Altersschnitt von optisch 80+ usw usw zu erklären. Und da ich selber Kinder habe und mich noch zu den Jüngeren zähle sehe ich doch auch - an mir selber wie auch meinen Kindern - wie sich das Freizeitverhalten auf Grund der modernen (multimedialen) Gegebenheiten verändert. Und ich sehe es im Kollegenkreis (jüngere und Ältere).

Es ist, so zumindest meine persönliche Überzeugung, ein unbestreitbarer Fakt geworden, dass die Zahl derjenigen, die sich als Sammler (von was auch immer) intensiver und anhaltend mit einem Sammelgebiet befassen, rapide weniger werden.

Zum anderen: Hobbies wie Briefmarkensammeln kamen in einer Zeit auf, wo lange Abende ohne Fernsehen und Computer Beschäftigung erforderten. Seitdem aus ursprünglich 3 Fernsehsendern unzählige geworden sind, Videogeräte, Computer und PC- oder Konsolenspiele alle (un-)erdenklichen Arten der "Heimbeschäftigung" (und ggf. Entspannung) bieten haben die früheren Formen, Freizeit zu gestalten, sich geändert. Und dem ist halt nun mal eben der Bereich "Sammeln" zunehmend zum Opfer gefallen. Mal ganz abgesehen von dem Umstand, der Baber im vorherigen Beitrag anspricht: Die Flut an Marken heutzutage verursacht nicht Interesse, sondern schreckt ab. Altsammler sammeln daher keine Neuheiten mehr, Jungsammler lassen gleich die Finger davon.

Gruß

V.
 
10Parale Am: 31.07.2014 20:42:24 Gelesen: 6812# 10 @  
@ Vernian [#2]

Unangenehmes versucht man zu verdrängen, eine vollkommen normale menschliche Verhaltensweise. Das Unangenehme ist einfach die Tatsache, dass langsam aber sicher Hobbies wie Briefmarkensammeln aussterben, zumindest auf die breite Masse gesehen

Mir ist klar, es geht hier um den Deutschland spezial. Es geht um den Briefmarkenschatz Deutschlands, um deutsche Sammler. Man könnte meinen, wir wären alle bei Professor Ast in die Baumschule gegangen (viele reden von einem sterbenden Ast) Wir sollten vor allem gelassen bleiben und unseren Blick mal ins Ausland werfen. [#7] finde ich einen tollen Beitrag. Die breite Masse finden wir in China, wo immer mehr Menschen trotz digitaler "Heimbeschäftigung" Freude am Sammeln haben. Wenn etwas stirbt, muss es sterben, aber kann nicht daraus auch etwas Neues geboren werden?

Wir Deutsche sind doch in der ganzen Welt bekannt für "Made in Germany" - also lassen wir dem Michel seine Gründlichkeit, vielleicht sollten der Michel mal auf Chinesisch übersetzt werden.

10Parale
 
olli0816 Am: 31.07.2014 23:01:10 Gelesen: 6745# 11 @  
Kann schon sein, dass der Michel in drei Bänden erscheint. Solange es genügend Käufer dafür gibt und es als richtig empfunden wird, spricht einer Erscheinung nichts dagegen.

Was ich nicht verstehen kann: Die ewige Jammerei nach der geringeren Sammlerschaft. Dagegen sprechen die steigenden Umsätze der großen Auktionshäuser. Natürlich nehmen die auch Münzen auf, da die gerade in sind. Was die anderweitigen Zerstreuungen betrifft: Die hat es früher auch schon gegeben.

Ich habe in meiner Jugend neben Briefmarken auch Platten gesammelt, da ich ein großer Musikfan bin. Die habe ich aus nostalgischen Gründen behalten. Letztes Jahr musste ich erfahren, dass es anscheinend eine sehr große Anzahl von Plattensammler gibt und diese bereit sind, einiges dafür auszugeben. Und das trotz iTunes, Spotify und Konsorten, wo man inzwischen eine Auswahl hat, die jeden erschlägt.

Die Post ist seit geraumer Zeit tatsächlich kein Antreiber fürs Briefmarkensammeln. Ich habe aber trotzdem das Gefühl, das gerade das Internet dazu animiert, dass sich viele für Briefmarken interessieren. Die Gewohnheiten sind nur anders und die Medien verändern sich. Mag sein, dass vielleicht in 10 Jahren kein gedruckter Katalog mehr existiert oder die Umwandlung von digital in Papierform in Farbe so günstig ist, das Kataloge in Buchform nicht mehr interessant sind. Dann wäre der Umfang auch ziemlich egal.

Briefmarken sind für junge Leute vielleicht heute nicht mehr so interessant wie vor 30 Jahren, das mag stimmen. Aber komischerweise gibt es Sammler, die später einsteigen und sich auch die Kataloge leisten können. Da gute Marken nicht mehr werden und tatsächlich im Ausland das Interesse steigt, werden wir ähnlich wie bei China sicher die eine oder andere Überraschung erleben. Was ich bei den Michelkatalogen allerdings kritisiere ist die mangelnde Sorgfalt bei der Preisfindung. Bei alten Marken wäre eine bessere Unterteilung nach Beschaffenheit durchaus wünschenswert. In einem anderen Forum habe ich gelesen, dass der Scott das macht. Ein schwarzer Einser ist halt nicht immer ein schwarzer Einser, da gibt's große Unterschiede. Zum anderen habe ich oft das Gefühl, das gerade bei abgelegenen Ländern nur die Preise vom Vorjahr übernommen werden, ohne die tatsächliche Situation auf dem Markt zu sehen. Besonders grotesk ist z.B. Rußland/Sowjetunion, wo die Preise besonders für postfrisches Material stark gestiegen ist und die Michel Notierungen teilweise stark nach unten korrigiert wurde. Meines Erachtens muss der Verlag speziell bei der Preisfindung aufpassen, da viele Notierungen einfach nicht ernst zu nehmen sind. Ob ich jetzt wirklich jeden noch so kleinen Plattenfehler aufnehmen muss, sei mal dahingestellt. Aber wenn sich genügend dafür interessieren, dann bitteschön.
 
jmh67 Am: 07.08.2014 10:35:07 Gelesen: 6527# 12 @  
Meinetwegen könnte der Spezialkatalog (und könnten die Briefmarkenkataloge überhaupt) sogar in noch mehr Bände aufgeteilt werden. Die für abgeschlossene Gebiete (wie Deutsches Reich oder DDR) braucht man nicht jedes Jahr neu zu drucken oder zu kaufen, dafür könnten sie solider hergestellt werden, d. h. gebunden und in festem Einband. Für weniger populäre Gebiete, die hauptsächlich von Spezialisten "beackert" werden, böte sich vielleicht Drucken auf Bestellung an. Kleine Berichtigungen können elektronisch zum Selbstausdruck bereitgestellt werden. Preise ändern sich ohnehin viel schneller, als neue Kataloge gedruckt werden können, aber ausführliche Informationen zu den Marken und ihren Varianten brauchen wir doch.
 
DL8AAM Am: 07.08.2014 15:01:30 Gelesen: 6453# 13 @  
@ jmh67 [#12]

Für weniger populäre Gebiete

Das Problem ist, dass diese weniger populären Gebiete kaum nachgefragt werden dürften. Da diese aber auch katalogisiert werden müssen, funktioniert das nur über eine Art von subventionierender Querfinanzierung im Rahmen einer Gesamtkalkulation.

Sich die populären - und deshalb dann auch theoretisch viel günstiger anzubietenden - Rosinen rauszupicken, würde den Tod der Idee einer globalen Generalkatalogisierung bedeuten. Wenn man solch eine Weltkatalogisierung will (...?) - und eigentlich braucht die Philatelie so etwas auch (...?) - wäre solch eine Rosinenpickerei ausgesprochen kontraproduktiv. Für den einzelnen "Ich sammel sowie nur BUND"-Sammler würde das natürlich angenehmer und bestimmt auch bedeutend billiger sein, aber wollen wir das?

Man kann zu den Generalisten, wie MICHEL, stehen wie man will, aber für unser Hobby wäre eine Welt ohne eine immer aktuelle und fortwährend datengepflegte "Komplett-Alles-Katalogisierung aller Zeiten" keine wirklich gute Entwicklung.

Die Frage ist nur, ist der philatelistische "Breitensportler" auch wirklich bereit Abstimmungsgebiete Marienwerder oder Oberschlesien, oder auch die Emirate Ajman und Ras Al Khaimah mit einem künftigen online Update-Kauf "Bund 2014" finanziell zu quersubventionieren?

Eine einfach Lösung der Problematik "Umfang & Preis" sowie 'schrumpfende (deutschsprachige) Käuferschaft' sehe ich kaum, zumindest solange man die Idee All Time-Weltkatalog in Deutsch aufrecht halten will (und muss?).

Man könnte den MICHEL (ggf. in Kooperation mit anderen Katalogherstellern weltweit) in allgemeinverständlichen 'Philatoenglisch' herausgeben. Englisch - zumindest eine vereinfachte Hobbysprachversion davon - sollte für jeden (auch den chinesischen Neuphilatelisten in den Boomtowns) praktikabel bzw. recht schnell erlernbar sein (wenn man will). Nach 2-3 Stunden "sich damit beschäftigen" konnte man ja bisher auch spanische Kataloge 'lesen', ohne selbst auch je nur ein Wort Spanisch gesprochen zu haben. Ich dachte eigentlich immer "Philatelie bildet". Wenn ich mir aber die oft angesprochene ausgewachsene Internetphobie, speziell unter den älteren Philatelisten hier in Deutschland anschaue, beginne ich leider daran etwas zu zweifeln.

So genug ge-Fettnäpfchen-t ;-)

Gruß
Thomas
 
jmh67 Am: 07.08.2014 20:02:44 Gelesen: 6370# 14 @  
@ DL8AAM [#13]

Das mit der Quersubventionierung sehe ich ein, und die Notwendigkeit einer ausführlichen Weltkatalogisierung streite ich auch nicht ab. "Print on demand" ist dann wohl doch nicht so eine gute Idee, auch wenn es die Möglichkeit böte, die Papiermassen zu begrenzen und die Ausführlichkeit der Informationen im Normalkatalog zu verbessern.

Das mit der Netzfeindlichkeit mancher Mitmenschen ist allerdings traurig, denn auch unter diesen gibt es sicher welche mit Spezialkenntnissen, und wie in einem anderen Forum jemand schrieb, Wissen, das man nicht teilt, geht verloren. Wie eng arbeiten eigentlich Katalogherausgeber und Arbeitskreise von Spezialisten (für Länder, Themen, Epochen, ...) zusammen? Bei der anhaltenden Ausgabenflut kommt ein Verlag kaum mehr nach.

Aber erst mal zum Thema Katalogformate: Was haltet ihr von gesonderten Bänden für abgeschlossene Gebiete und/oder für Ausgaben vor einem gewissen Zeitpunkt (z. B. das Jahr 2000)? Lipsia hatte das ja mal für das Deutsche Reich und seine Vorgänger gemacht, allerdings auch nur als Paperback.

73, Jan-Martin
 
Francysk Skaryna Am: 09.08.2014 10:33:20 Gelesen: 6257# 15 @  
@ Richard [#1]

Fällt der Schwaneberger Verlag mit seinem von der ganzen Branche und Sammlerschaft verwendeten Nummern- und Preissystem aus, wird dies früher oder später zu erheblichen Einschnitten der Umsätze von Händlern und Auktionsfirmen führen

Moin,

was spricht dagegen, das Nummernsystem unter eine (art) Open Source - Lizenz zu stellen? Der Prozess gegen Philotax hat den Unterschleissheimer Verlag viel [Lehr]Geld gekostet, das an anderer Stelle fehlt oder zumindest erst mal verdient werden muß.

Katalogpreise sind Orientierungshilfen und haben dafür ihre Berechtigung. Das kann man über Michel rechnen - das kann man aber auch anders rechnen.

Schwanebergers Individualkataloge haben durchaus Charme, würde man sie einmal konsequent umsetzen und sich nicht selbst im Weg stehen. Ich würde für mein Sammelgebiet Belarus gerne Inhalte aus anderen Katalogen hinzukaufen. Der Vorteil ist die Übersichtlichkeit. Die kostet etwas mehr - aber gut, das ist immer noch günstiger, als sich drei Kataloge zu kaufen, von denen man 70% gar nicht braucht. Es müßten diese Inhalte nur angeboten werden. Entweder bekommt man sie gar nicht oder kauft auch hier wieder Inhalte dazu, die nicht gebraucht werden. Das geht zu Lasten der Übersicht.

Hat man Alternativen, orientiert man sich anders und der Verlag macht überhaupt keinen Umsatz.

Eine weiter Aufteilung des Sammelgebietes Deutschland kann durchaus seinen Sinn haben. Braucht es wirklich jedes Jahr einen Spezialkatalog für alle Gebiete? Aufgeteilt ließen sich die Gebiete unabhängig voneinander je nach Stand der Forschung aktualisieren. Auch das würde die kosten in Grenzen halten. Ja, die Preisentwicklung. Wenn sich eine kritische Masse der Sammlerschaft an Katalogen des Vorjahres orientiert, sind die aktuellen Preisangaben über die Orientierung hinaus ohnehin mehr oder weniger obsolet.

Gruss
 
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