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Thema: Philatelie - was ist das? - Über Philatelisten und Gelegenheitssammler
Richard Am: 17.10.2014 09:26:52 Gelesen: 4264# 1 @  
Philatelie, was ist das ? Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung kann anscheinend mit dem uns geläufigen Begriff wenig anfangen, so dass wir vermehrt von Briefmarkensammeln sprechen sollten, auch wenn sich die "Stiftung" [1], wie auch der frühere "Fonds" seit bald 50 Jahren gezielt mit der Förderung der Philatelie befasst.

Was umfasst nun aber der Begriff Philatelie überhaupt ? Da beginnen sich die Ansichten deutlich zu unterscheiden. Während die einen nur klassische Marken und entsprechende Sammlungen als "echte" Philatelie bezeichnen, ist eine weitere Gruppe schon etwas großzügiger und legt die Grenze in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Noch tolerantere Zeitgenossen bezeichnen sogar alle postalisch verausgabten Neuheiten als irgendwie sammelwürdig.

Daneben gibt es aber noch die nach wie vor breite Masse der "gewöhnlichen" Briefmarkenliebhaber, die nach Lust und Laune sammeln, ohne irgendwelche Ambitionen, ohne Reglemente, ohne je ausstellen zu wollen. Man möchte einfach Spass und Freude an seinem Hobby haben, Postsendungen immer noch gezielt mit "schönen" Wertzeichen frankieren und damit beim Empfänger Freude bereiten. Diese ebenso förderungswürdige Gruppe verfügt über keine Lobby und wird von vielen Philatelisten nicht ernst genommen, ja manchmal sogar schief angesehen.

Der Begriff "Förderung der Philatelie" darf denn auch nicht allzu eng ausgelegt werden, nicht zuletzt, um den "Gelegenheits- und Spasssammler" ebenfalls anzusprechen, aus dem später (vielleicht) sogar einmal ein Philatelist werden könnte, getreu dem Motto "Jeder hat einmal klein angefangen".

(Quelle: Schweizer Briefmarken Zeitung [2], SBZ, Oktober 2014, Seite 414, Auszug)

[1] Stiftung zur Förderung der Philatelie, http://www.vsphv.ch/de/stiftung-zur-forderung-der-philatelie/

[2] http://www.vsphv.ch/de/schweizer-briefmarken-zeitung/
 
22028 Am: 17.10.2014 13:09:42 Gelesen: 4197# 2 @  
@ Richard [#1]

Für mich ist ein Gelegenheitssammler / Briefmarkensammler einer, der NUR Marken sammelt. Ein Philatelist, unabhängig von der gesammelten Periode, ist der, der sich auch oder auch nur für die Briefmarken und Postgeschichte interessiert.

Sicher gibt es unter den Philatelisten welche, die meinen NUR Klassik oder selbst innerhalb der Klassik NUR alt USA, Altdeutschland ist sammelwürdig - jedem hat das Seine.
 
LOGO58 Am: 17.10.2014 15:31:06 Gelesen: 4141# 3 @  
@ Richard [#1]

Ich mache es mir einmal einfach und habe "Herrn und Frau" Wikipedia nach den Begriffen befragt:

Philatelie [1]

Die Philatelie oder Briefmarkenkunde beschäftigt sich mit dem systematischen Sammeln von Postwertzeichen sowie von Belegen für ihre Verwendung auf Postsendungen jeglicher Art und der Erforschung postgeschichtlicher Dokumente.
...
Obwohl inhaltlich nicht auf Anhieb nachzuvollziehen, setzte sich der Wortbildungen wie Philosophie, Philanthropie und Philharmonie nachahmende Begriff in allen Sprachen durch. Andere Vorschläge wie Timbrophilie oder Timbrologie verschwanden bald wieder. Die deutsche Sprache bietet dem Philatelisten die Varianten „Briefmarkenkunde“, „Briefmarkensammler“ oder „Briefmarkenliebhaber“ an.


Philatelist [2]

Ein Philatelist beschäftigt sich mit Philatelie, also Briefmarken oder postalischen Belegen und dem Sachgebiet. Das kann sich auf das reine Sammeln beschränken, geht hin bis zur quasi wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Philatelie oder der ehrenamtlichen Mitarbeit bei entsprechenden Veranstaltungen oder Vereinen. Philatelisten betreiben dies in den allermeisten Fällen als Hobby; unter Berufsphilatelisten versteht man meist Personen, die mit solchen Sammlerstücken professionell Handel treiben und gute Kenntnisse von diesem Wissensbereich haben. Autoren auf dem Gebiet haben oft größere einschlägige Literatursammlungen oder haben Zugang zu philatelistischen Bibliotheken in ihrer Nähe.

Mir genügen diese Definitionen, denn da lässt sich das "Philatelieren" in all seinen Formen durchaus einreihen und da passt auch ein Spezialist wie der Stempelsammler hinein. ;-)

Aber das sieht sicher jeder anders.

Viele Grüße aus dem Norden
Lothar

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Philatelie
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Philatelist
 
chuck193 Am: 17.10.2014 16:51:11 Gelesen: 4104# 4 @  
@ LOGO58 [#3]

Hi Lothar,

ich nehme an, dass einige nicht mit der Aussage zufrieden sind. Für mich selbst besteht ja kein Unterschied zwischen den Worten. Man kann letzten Endes alles spezialisieren nach Belieben. Also sind wir alle Philatelisten, oder nur Briefmarken Sammler, ha ha.

Schöne Grüsse,
Chuck
 
filunski Am: 17.10.2014 18:23:01 Gelesen: 4058# 5 @  
Liebe Briefmarkenfreunde, -sammler und Philatelisten,

ich denke die von Lothar angeführten Definitionen sind schon sehr zielführend und richtungweisend.

Meiner Meinung nach wird der Begriff "Philatelist" leider viel zu oft von bestimmten sich sehr "elitär" vorkommenden Sammlern missbraucht, um damit eben eine gewisse Elitebezeichnung zu schaffen. In meinen Augen ist JEDER ein Philatelist, der sich irgendwie mit Philatelie beschäftigt, ganz egal, ob er nun nur blaue Briefmarken mit Königsköpfen sammelt oder sich mit der Postgeschichte Hessens vor dem Ersten Weltkrieg befasst. ;-)

Sicher würde mich jetzt so manch ein "alteingesessener Philatelist" für diese Aussage gerne steinigen, aber das kann ich ab! :-)

Mit den allerbesten philatelistischen Grüßen,
Peter
 
briefefan Am: 17.10.2014 19:01:41 Gelesen: 4035# 6 @  
@ Richard [#1]
@ LOGO58 (# 3)

Hi Richard und alle anderen, die sich hier meldeten.

Ich habe mal in zwei Lexika der Philatelie nachgesehen.

1. Häger, Großes Lexikon der Philatelie, Bertelsmann Lexikon-Verlag, 1978 (auszugsweise):

Philatelie, Begriff für die Beschäftigung mit Briefmarken. In Bezug auf die Art der Sammeltätigkeit wird häufig ein Unterschied gemacht und von Sammler und Philatelist gesprochen, was z.T. als gerechtfertigt erscheint. Der Sammler begnügt sich mit dem Zusammentragen einer Katalogsammlung oder Motivsammlung, der Philatelist beschäftigt sich darüber hinaus mehr oder weniger intensiv z. B. mit Abarten und Typen, Stempelformen und deren Verwndungszeiten, u. U. auch mit der Postgeschichte eines Landes u. a., wozu umfangreiches Literaturstudim notwendig ist. Hierfür hat sich in Deutschland auch der Begriff Briefmarkenkunde eingebürgert.

2. Wolfram Grallert, Lexikon der Philatelie, Phil*Creativ GmbH, Verlag und Agentur, 41366 Schwalmtal, o. J., 2000 (auszugsweise). Die Erstausgabe dieses Lexikons erschien 1971 in der DDR und 1973 in der Bundesrepublik.

Philatelie, Postwertzeichenkunde: das systematische Sammeln, Erforschen und Auswerten von Postwertzeichen und anderen postalischen Belegen, Formblättern und Dokumenten aller Art.

Grallert schildert ausführlich die geschichtliche Entwicklung der verschiedenen Bereiche der Philatelie seit 1860.

Neuere Lexika der Philatelie sind in Deutschland nicht schienen.

Aus beiden Lexika ergibt sich, dass Philatelie auf klassische und moderne Zeiten gleichermaßen anwendbar ist.

Beide Definitionen sind verbesserungswürdig. Deshalb finde ich die Diskussion in diesem Forum interessant.

Die Wikipedia-Defintion finde ich nicht schlecht.

Grüße von briefefan.
 
Holzinger Am: 17.10.2014 19:04:28 Gelesen: 4033# 7 @  
@ filunski [#5]

Danke für die klaren Worte !

Allerdings mit einer kleinen Einschränkung:

Die Dauerbezieher und "wegstecker", die aus den verschiedensten Gründen (für die Enkel, als "Wertanlage" usw.) nur beziehen ohne sich mit der Materie zu beschäftigen (egal wie tiefgründig), die würde ich so nicht einmal als "Sammler", geschweige denn als "Philatelist" bezeichnen wollen.
 
Hornblower Am: 20.10.2014 14:13:03 Gelesen: 3861# 8 @  
@ 22028 [#2]

Dann bin ich kein Philatelist. Ich sammle nämlich nur Briefmarken/Ganzsachen und antworte seit mittlerweile rund 45 Jahren auf die Frage nach meinem Hobby auch immer nur "Ich sammle Briefmarken". Ich finde Briefmarken spannend genug, ich brauche keine zusätzlichen postgeschichtlichen Studien. Mir ist es offen gestanden egal, wie der Kapitän des Schiffes hieß, der 1865 meinen Brief von Amerika nach Europa transportierte, und ob das Schiff die "Möwe" oder der "Adler" war und statt vier sechs Wochen gebraucht hat, lässt mich ehrlich gesagt auch kalt. Wenn mir heute unser Postbote ein Paket bringt, wollte ich auch noch nie seinen Namen erfahren, auch das Kennzeichen oder die Erstzulassung seines Transporters sind mir schnuppe.

Trotzdem habe ich schon mit Erfolg ausgestellt, bin im Verein aktiv, schreibe Fachartikel und besitze eine Bibliothek, obwohl ich mich "nur" für Briefmarken interessiere. Und das weltweit und aus allen Epochen. Der Satz, dass die ungebrauchte Marke schweigt, die gestempelte flüstert und ein Brief spricht (weiß eigentlich jemand, wem diese Aussage zugeschrieben wird? Ich habe noch nie einen Urheber gefunden) kann ich für mich nicht gelten lassen. Jede Marke hat etwas zu erzählen - man muss nur zuhören.

Beste Grüße
Michael Ullrich
 
0nickyet Am: 20.10.2014 17:18:20 Gelesen: 3789# 9 @  
Ich denke, der Unterschied zwischen "Philatelie" und "Briefmarkensammeln" ist doch ein anderer, genau genommen sind es zwei verschiedene Tätigkeiten.

"Briefmarkensammeln", das erklärt sich von selbst, bezeichnet das Sammeln und Aufbewahren von Briefmarken, meist auch das Ordnen und Kategorisieren. "Philatelie" beschäftigt sich mit der Postbeförderung, in der Postwertzeichen benutzt werden - und deren bekannteste sind Briefmarken.

Man kann sich mit Philatelie beschäftigen, ohne eine einzige Marke zu besitzen. Und natürlich muss sich kein Briefmarkensammler mit Philatelie beschäftigen. Tatsächlich werden die meisten beides tun, sei es dass der Philatelist etwas "belegen" will, sei es, dass der Briefmarkensammler etwas mehr über den Ursprung der Marke wissen will.

Was hier immer wieder anklingt, ist eine Wertung zwischen "einfachem Briefmarkensammeln" und "edler Philatelie". Dahinter versteckt sich meines Erachtens ein drittes Gebiet, nämlich "Briefmarken als Wertanlage". Wer in seltene und teure Marken investiert - und das hat mit Sammeln erst einmal nichts zu tun - wird sich über Echtheit und Seltenheit vergewissern wollen. Dazu braucht man Philatelie - es ist für Investoren wertvolles Wissen. Vor diesem Hintergrund entsteht eine oftmals abschätzige Geringachtung von Personen, die "nur Briefmarken sammeln" - und vielleicht dennoch sehr gute Philatelie betreiben, die sich aber nicht zur Investition eignet.

Die Konflikte liegen auf der Hand:

Berufsphilatelisten - also Händler, Prüfer, Katalogherausgeber etc. - haben ein massives Interesse an den Investoren, obwohl diese mit dem Briefmarkensammeln eigentlich nichts am Hut haben. Die Hobbysammler fühlen sich immer wieder von den Berufsphilatelisten gering geschätzt, allerdings orientieren sich viele von ihnen auch heimlich an der "Wertanlage", in der Hoffnung, auch ihre Sammlung enthielte einen "Schatz".

Das beste Mittel zur Gelassenheit ist Abstand zu den Preisen in Katalogen zu gewinnen. Vermutlich lassen sich viele Sammler zur Jagd auf geldwerte Schätze verführen, obwohl sie mehr Spaß empfinden, wenn sie sich auf die Komplettierung eines Sammelgebiets oder den Zuwachs philatelistischer Kenntnisse beschränken würden. Weder Briefmarkensammeln noch Philatelie müssen teuer sein.
 
uli Am: 20.10.2014 17:35:29 Gelesen: 3775# 10 @  
Ich halte von diesen Kategorisierungen sehr wenig. Manchmal kann diese Grüppchenbildung als Vereinfachung in Erläuterungen ganz hilfreich sein, ich nutze das auch ab und an. Aber "im wirklichen Leben" überwiegen unter'm Strich gesehen die negativen Punkte deutlich und für alle wirklich passende Schubladen zu finden ist sowieso unmöglich.

Gruß
Uli
 
Wim Ehlers Am: 20.10.2014 17:46:06 Gelesen: 3764# 11 @  
@ Hornblower [#8]

Hallo Michael,

Deinem Kommentar kann ich mich voll und ganz anschließen! Jede Marke hat etwas zu erzählen - man muss nur zuhören.

Immer wieder geht es mir so, dass ich "hinter die Kulissen" einer Briefmarke, eines Satzes schaue. Das unterstütze ich regelmäßig auch in meinen Beiträgen hier im Forum durch entsprechende Link-Verweise.

@ 0nickyet [#9]

Hallo Jürgen,

Deine Feingliederung gefällt mir ebenfalls ganz gut! Das beste Mittel zur Gelassenheit ist Abstand zu den Preisen in Katalogen zu gewinnen. Die Gefahr des "sich reich Rechnens" besteht auch bei Briefmarkensammlern permanent. Persönlich benutze ich Michel-Kataloge zum Sortieren und Einordnen. Allerdings ist mir dabei auch wichtig, Informationen über den Wert einzelner Marken oder Sätze zu gewinnen, die dadurch Seltenheit dokumentieren und nicht gleich in ein 100er Tauschpaket landen.

Beste Sammlergrüße
Wim
 
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