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Thema: Die unterschiedlichen Kalender
Das Thema hat 207 Beiträge:
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volkimal Am: 28.07.2019 14:58:15 Gelesen: 13468# 183 @  
Hallo zusammen!

Julianischer und gregorianischer Kalender

bei den ersten Beiträgen zu diesem Thema [#1] bis Beitrag 12 ging es um den Unterschied zwischen dem julianischen und gregorianischen Kalender. Damals habe ich nur sehr wenige Beispiele gezeigt. Daher möchte ich noch einmal auf diese Kalender eingehen.

Der julianische Kalender wurde in Ägypten entwickelt und von Julius Caesar im Jahre 45 v. Chr. im Römischen Reich eingeführt. Der julianische Kalender an sich war im gesamten Römischen Reich anerkannt, die Jahresanfänge jedoch wurden von Region zu Region verschieden gehandhabt. Auch die Jahreszählung war in den verschiedenen Teilen des Römischen Reiches verschieden. Details dazu siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Julianischer_Kalender . Es gab mehrere Reformen des julianischen Kalenders. Eine davon kann ich philatelistisch belegen.



Aus https://de.wikipedia.org/wiki/Edikt_von_Roussillon :
Das Edikt von Roussillon aus dem Jahr 1564 legte den Jahresbeginn in Frankreich auf den 1. Januar fest.
Auf einer seiner Reisen durch das Land stellte König Karl IX. fest, dass der Jahresbeginn in Frankreich je nach Diözese unterschiedlich festgelegt war: im Erzbistum Lyon war es Weihnachten, im Erzbistum Vienne – wenige Kilometer weiter – der 25. März. Andere Daten waren der bereits im Römischen Reich übliche 1. März und Ostern. Die abweichenden Regelungen erzeugten nicht nur in der damaligen Zeit Verwirrung; sie wirken als Unsicherheit zu historischen Jahreszahlen bis heute fort.
Nachdem er den Jahresbeginn für das gesamte Land vereinheitlicht hatte, fügte er einem Edikt, das er Anfang Januar 1563 in Paris erlassen hatte, vier Artikel (Nr. 39 bis 42) hinzu, die er am 9. August 1564 in Roussillon verkündete: der Jahresbeginn wurde im Artikel 39 nun auf den 1. Januar festgesetzt


Die Abbildung im Stempel zeigt das alte Schloss, in dem Karl IX. 1564 das Edikt unterzeichnete, das den 1. Januar Anfang des Jahres festlegte.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 04.08.2019 12:24:38 Gelesen: 13021# 184 @  
Hallo zusammen,

das julianische Jahr ist gegenüber dem Sonnenjahr um 11 Minuten und 14 Sekunden zu lang. Dies führte zu einer zunehmenden Abweichung vom Sonnenlauf, die im 14. Jahrhundert schon mehr als sieben Tage betrug. Papst Gregor XIII. führte im Jahre 1582 den gregorianischen Kalender mit einer verbesserten Schaltregel ein.
Für den Übergang bestimmte Gregor XIII. weiterhin, dass auf Donnerstag, den 4. Oktober 1582 (julianisch) direkt Freitag, der 15. Oktober 1582 (gregorianisch) zu folgen hatte, womit 10 Tage übersprungen wurden (unter Beibehaltung der Wochentagfolge).



Da der neue Kalender vom Papst eingeführt wurde, benutzten ihn zunächst überwiegend die römisch-katholischen Staaten. Die meisten protestantischen Staaten behielten den julianischen Kalender bis ins 18. Jahrhundert bei, was vor allem in konfessionell gemischten Gebieten Deutschlands zu einem umständlichen Nebeneinander von „altem Stil“ neben „neuem Stil“ führte.

Zum Beispiel änderte das Herzogtum Preußen am 02.09.1612 (jul.) das Datum zum 23.08.1612 (greg.).

Die orthodoxen Länder Osteuropas, behielten den julianischen Kalender noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts bei. Hier muss der Philatelist aufpassen, wenn er das Datum eines Beleges angeben will. Dazu mehr in den nächsten Beiträgen.

Wann in den einzelnen Ländern der Übergang vom julianischen zum gregorianischen Kalender erfolgte ist bei Wikipedia nachzulesen [1]

Viele Grüße
Volkmar

https://de.wikipedia.org/wiki/Gregorianischer_Kalender#%C3%9Cbernahme_des_gregorianischen_Kalenders
 
volkimal Am: 13.08.2019 20:55:34 Gelesen: 12162# 185 @  
Hallo zusammen,

beim julianischen Kalender gilt: Alle Jahre, bei denen die Jahreszahl durch 4 teilbar ist, sind Schaltjahre. Das julianische Jahr ist damit um etwa 11 Minuten länger als das tatsächliche Jahr.

Die von Papst Gregor eingeführte Schaltregelung war dagegen genauer. Beim gregorianischen Kalender gilt: Alle durch vier teilbaren Jahre sind Schaltjahre. Alle Jahreszahlen, die durch 100 teilbar sind, sind keine Schaltjahre. Ausnahme: Die durch 400 teilbaren Jahreszahlen sind Schaltjahre. Daraus folgt: 1600 und 2000 sind Schaltjahre, 1700, 1800, 1900, 2100 sind keine Schaltjahre.

Der 29. Februar 1900 (greg.), ein Tag den es bei uns nicht gibt:





Diese Postkarte wurde am 12.03.1900 (greg.) = 28.02.1900 (jul.) geschrieben und einen Tag später aufgegeben. Der Poststempel ist also vom 29.02.1900 (jul) = 13.03.1900 (greg.). Diesen Schalttag, den 29.02.1900, gab es bei unserem gregorianischen Kalender nicht. Es war gar nicht so einfach, einen Beleg von diesem besonderen Tag zu finden. Durch diesen Tag ergibt sich Folgendes:

Umrechnung vom julianischen zum gregorianischen Kalender:

18.02.1800 (jul.) = 01.03.1800 (greg) bis zum 16.02.1900 (jul.) = 28.02.1900 (greg):
julianisches Datum + 12 Tage = gregorianisches Datum
(1800 und 1900 ist der 29. Februar dabei mitzuzählen.)
Seit dem 17.02.1900 (jul.) = 01.03.1900 (greg.):
julianisches Datum + 13 Tage = gregorianisches Datum



Noch einmal zurück zum Stempel und der Postkarte. Interessant finde ich den Aufgabeort und den französischen Text der Karte. Im Stempel steht:
ШАБО БЕССАР. Г. = Шабо Бессар. г. = Шабо Бессарабская губе́рния = Schabo Gouvernement Bessarabien
ПОЧТ ТЕЛ.ОТД. = ПОЧТЫ И ТЕЛЕГРАФА ОТДЕЛ = Почты и телеграфа отдел = Post- und Telegraphenabteilung

Auf der Karte hat der Absender J.A. Grigorieff als Anschrift angegeben: „Chabag prés de Akkerman gouvern Beßarabie“.

Die Kolonie Chabag ist eine Kolonie, die 1822 von Schweizern aus dem Kanton Waadt am Ufer des Schwarzen Meeres gegründet wurde. Zar Alexander I. von Russland förderte zu dieser Zeit die Kolonialisierung der Region. Die Schweizer Siedler widmeten sich fortan hauptsächlich dem Weinbau. Alexanders Lehrer Frédéric-César de la Harpe stammte selbst aus dem Waadt und bewog den Zaren dazu, Schweizer Auswanderer als Kolonisten in die neu eroberten russischen Gebiete ziehen zu lassen.

Der Name der Siedlung geht auf die türkische Bezeichnung Ascha Abag (wörtl. „untere Gärten“, das heißt unterhalb der Festung Akkerman liegende Weinbau-Gebiete) zurück, wobei die Zusammenziehung Schabag später von den französisch-schweizerischen Siedlern zu Schabo umgeformt wurde, um französischer zu klingen.

Viele Grüße
Volkmar

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Schabo
[2] https://fr.wikipedia.org/wiki/Colonie_de_Chabag
 
volkimal Am: 20.08.2019 10:00:46 Gelesen: 11692# 186 @  
Hallo zusammen,

wie ich schon schrieb, galt der julianische Kalender am längsten in den orthodoxen Ländern Osteuropas. Einige der Länder kann ich belegen und ich werde sie der Reihe nach vorstellen. Allein aufgrund der Größe sind Belege aus oder nach Russland am häufigsten. Beim Thema „Griechenland Ganzsachen: Postkarten“ ging es um die doppelte Datumsangabe auf Postkarten. Diese Angabe des Datums nach dem gregorianischen und nach dem julianischen Kalender sieht man auch auf dieser Postkarte von Italien nach Russland:





Das handschriftliche Datum ist Rom, den 29. Januar 1880 (julianisch) = 10. Februar 1880 (gregorianisch). Der Unterschied zwischen den Kalendern betrug 1880 genau 12 Tage. Die Karte wurde am selben Tag aufgegeben, denn der Stempel aus Rom trägt das Datum 10.02.80.

Obwohl die Anschrift und der Empfänger der Karte in kyrillischer Schrift angegeben sind, wurde die Karte in Deutsch geschrieben. Adressiert ist die Karte an Dr. Erdberg in St. Petersburg. Er wohnte an der Ecke Litejnyj Prospekt/Simeonowskaja. Der Absender kannte ihn wohl aus einer Burschenschaft. Ihr Zirkel (Zeichen einer Burschenschaft) steht oben links auf der Rückseite.



Erstaunt war ich, als ich den blauen Rechteckstempel über der Marke entziffert hatte. Da die Marke keinen Werteindruck hat, wurde dort der Stempel ФРАНКИРОВАНО = frankiert abgeschlagen.

Der Ankunftsstempel aus Санкт-Петербург = St. Petersburg ist vom 3. Февраль 1880 = 3. Februar 1880. Das Datum wird im unteren Kreis durch die Uhrzeitangabe „5 часа“ = "5 Uhr" ergänzt. Das Zeichen "Ъ" hinter dem Ortsnamen ist das sogenannte Härtezeichen. Das war früher oft gebräuchlich und zeigt die Aussprache des davor stehenden Konsonanten an.

Unten im Stempel steht zusätzlich „ЭКСП. ВЫД. ИНОСТР. КОР.“ Es ist die Abkürzung von Экспедиция для выдачи иностранной корреспонденции = Expedition für die Ausgabe ausländischer Korrespondenz.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 27.08.2019 11:11:42 Gelesen: 11061# 187 @  
Hallo zusammen,

bei Belegen aus oder nach Russland aus dem westlichen Europa oder Übersee erkennt man den Unterschied zwischen dem julianischen und dem gregorianischen Kalender sehr leicht. Die Daten von Aufgabe- und Ankunftsstempel weichen deutlich voneinander ab. Siehe z.B. Beitrag [#186].

Anders ist es bei Belegen die zum Beispiel bis 1918 innerhalb Russlands verschickt wurden. Alle Stempel zeigen in dem Fall nur das Datum nach dem julianischen Kalender. Hier ein Beispiel:





Der Brief wurde am 16 MAИ 1869 = 16. Mai 1869 (jul.) aufgegeben. Um das Datum nach unserem gregorianischen Kalender zu berechnen musste man damals 12 Tage addieren. Damit ist der Brief am 28. Mai 1869 (greg.) - heute vor 150 Jahren aufgegeben worden. Der Brief kommt aus Новая Ладога = Nowaja Ladoga = Neu Ladoga. Das ist eine Kleinstadt am Südufer des Ladogasees.

Adressiert ist er nach Варшава = Warschau. Nach dem Wiener Kongress (1815) wurde Warschau die Hauptstadt des Königreiches Polen (Kongresspolen), das vom russischen Zaren in Personalunion mit Russland regiert wurde. Damit gehörte die Stadt zum russischen Reich. Der Brief kam entsprechend des Ankunftstempels am 20.05.1869 (jul.) = 01.06.1869 (greg.) in Warschau an. Die Beförderungszeit betrug also vier Tage.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 06.09.2019 09:30:00 Gelesen: 10171# 188 @  
Hallo zusammen,

jetzt noch einmal die beiden Fälle, bei denen Stempel nach dem julianischen und nach dem gregorianischen Kalender auf einem Beleg zu finden sind. Bei einem Brief aus einem der westlichen Länder nach Russland kommt die Post scheinbar vor dem Aufgabedatum an.





Modena: 12.12.1892, Рига: 4. Декабрь 1892 = Riga: 4. Dezember 1892

Die Postkarte scheint acht Tage vor dem Aufgabedatum angekommen zu sein. Tatsächlich war die Karte aber vier Tage unterwegs, denn der Unterschied zwischen den beiden Kalendern betrug 1892 genau 12 Tage: 04.12.1892 (jul.) + 12 Tage = 16.12.1892 (greg.).

Bei welchem почт. конт. = Postkontor der dritte Stempel abgeschlagen wurde ist nicht zu erkennen.

Post aus Russland in ein westliches Land scheint dagegen sehr lange unterwegs gewesen zu sein.





Калиш вокза́л = Kalisch Bahnhof: 10.04.1908, Ankunftsstempel Leipzig L 13 vom 24.04.1908.

Die Postkarte scheint 14 Tage unterwegs gewesen zu sein. Tatsächlich war die Karte aber schon nach einem Tag am Ziel, denn der Unterschied zwischen den beiden Kalendern betrug 1908 genau 13 Tage: 10.04.1908 (jul.) + 13 Tage = 23.04.1908 (greg.).

Am 01.02.1918 (jul.) = 14.02.1918 (greg.) wurde laut Wikipedia [1] in Sowjetrussland der gregorianische Kalender eingeführt. Interessant wäre es festzustellen, wann das Datum in den Stempeln tatsächlich umgestellt wurde.

Viele Grüße
Volkmar

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Gregorianischer_Kalender#%C3%9Cbernahme_des_gregorianischen_Kalenders
 
volkimal Am: 15.09.2019 08:48:17 Gelesen: 9073# 189 @  
Hallo zusammen,

nach Russland heute möchte ich heute mit den anderen orthodoxen Ländern beginnen, in denen ebenfalls der julianische Kalender galt. Als erstes Bulgarien. Diese Postkarte aus Vidin (Widin) in Bulgarien an die Gebrüder Senf in Leipzig habe ich schon beim Thema "Briefmarkenhändler und Briefmarkensammler früherer Zeiten" gezeigt:



Der Absender hat die Karte am 10.07.1894 (julianisch) = 22.07.1894 (gregorianisch) geschrieben und aufgegeben. Freundlicherweise hat er das Datum gleich nach beiden Kalendern angegeben "10/22. VII. 94".





Beim Stempel aus Widin ist das Datum nach dem julianischen Kalender angegeben. Der Stempel aus Calafat in Rumänien auf der gegenüberliegenden Donauseite trägt dagegen das Datum nach dem gregorianischen Kalender. Ich habe die fehlenden Teile zur Verdeutlichung ergänzt. In Rumänien galt ebenfalls der julianische Kalender, bei Auslandspost nach Deutschland hat man aber das gregorianische Datum benutzt. Am 25.07.1894 kam die Karte in Leipzig an. Die Beförderungszeit betrug also 3 Tage.

Auf der Karte steht:

Ersuche um höfl. umgehende Mitteilung, ob Sie die Marke Bulgarien 5 Stotinki rosa Fehldruck (laut Ihrem Katalog 80 Mark) vorrätig haben. Und zu welchem Preise Netto Cassa sie mir dieselbe liefern können. Baldige Antwort erwarte hochachtungsvoll. A. Biskup Widin



Es geht um die Marke Bulgarien Nr. 15, 5 Stotinki grün/grünlich als Farbfehldruck Nr. 15F in der Farbe rosa/weißorangerot = Farbe der 10 Stotinki-Marke (Michel 3.600 Euro). Links die beiden Marken mit der richtigen Farbe. Rechts ist der Farbfehldruck. Er ist gerade beim Auktionshaus Weiser im Angebot (Nachverkauf). Der Ausruf beträgt 1.000,- €.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 22.09.2019 11:24:30 Gelesen: 8492# 190 @  
Hallo zusammen,

diese Postkarte aus der bulgarischen Hauptstadt Sofia ist leider nicht gut erhalten.



Die Postkarte wurde am 14.08.1894 (jul.) + 12 Tage = 26.08.1894 (greg.) aufgegeben. Empfänger ist der deutsche Theologe, Slawist und Orientalist Rudolf Abicht in Breslau. Er arbeitete ab 1892 an der Breslauer Universität als Lektor für polnische und russische Werke. 1900 wurde er zum Professor ernannt und habilitierte sieben Jahre später für slawische Philologie. [1]



Die Postkarte kam nach zwei Tagen am 28.08.1894 (greg.) in Breslau an. Da die Karte in bulgarischer Sprache und kyrillischer Schrift geschrieben ist, kann ich den Text nicht lesen. Der Absender ist entsprechend des Stempels von der Buchhandlung (Librairie) J.B. Hasuroff.

Viele Grüße
Volkmar

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Abicht
 
wer.indja Am: 23.09.2019 17:22:46 Gelesen: 8462# 191 @  
@ volkimal [#118]

Ich habe soeben einen Beleg mit einem Datum entdeckt, das es aus unterschiedlichen Gründen nicht geben dürfte: der 2.8.2538 war der 24.10.1979.



Wie ausgeführt, dürfte es als letzte Jahreszahl nach dem Imperial Calendar noch 2537 geben. Das hier verwendete Datum liegt 14 Monate nach der Rücknahme der Kalenderänderung, 8 Monate nach Beginn der Revolution und 6 Monate nach Ausruf der Republik. Die Verwendung war beim Postamt Universität Teheran.

Die Verwendung der Sondermarken aus März 1979 war in Ordnung, da diese nicht für ungültig erklärt wurden; die Marke der Ds. Schah wurde offiziell überdruckt und die Zwangszuschlagsgmarken wurden bis zur Umwandlung von Roter Löwe und Sonne Iran in Roter Halbmond bis 30.6.1980 weiterhin verwendet.
 
volkimal Am: 23.09.2019 17:52:20 Gelesen: 8454# 192 @  
@ wer.indja [#191]

Hallo Werner,

sehr interessant. Ich kenne zwar einen Stempel aus der Zeit der persischen Ära, bei denen der normale iranische Kalender benutzt wurde. Solch einen Stempel aus der Zeit des normalen iranischen Kalenders aber mit einem Datum nach der persischen Ära habe ich noch nicht gesehen. Danke fürs Zeigen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 03.10.2019 14:08:40 Gelesen: 7761# 193 @  
Hallo zusammen,

diese Karte geht an Monsieur M.R. Bründel in Philippopoli beim Österreichisch-Ungarischen Konsulat:





Philippopoli auch Phillipopel oder Philippopolis (heute Plowdiw) ist eine Stadt an der Maritza im heutigen Bulgarien. Ende der 1870er Jahre wurde Plowdiw an die Linie des Orient-Express zwischen Istanbul und Sofia angeschlossen.

Der Aufgabestempel vom deutschen Postamt in Konstantinopel ist vom 30.05.1902 (greg.) = 17.05.1902 (jul.). Der Ankunftsstempel aus Пловдив = Philippopel vom 16.05.1902 (jul.).

Einer der beiden Stempel muss falsch eingestellt sein, denn die Karte kann nicht vor der Aufgabe angekommen sein. Da die Karte am 08.05.1902 (jul.) = 21.05.1902 (greg.) geschrieben wurde, gehe ich davon aus, dass der Stempel aus Konstantinopel falsch eingestellt ist.

Viele Grüße
Volkmar
 
Martin de Matin Am: 03.10.2019 15:59:10 Gelesen: 7745# 194 @  
@ volkimal [#193]

Kann es sein, das der Ankunftsstempel nicht der 16.5 sondern der 18.5. ist. Die Zahlen im Ankunftsstempel sind alle etwas unsauber. Bei einer Entfernung von ca. 400 km zwischen den Orten könnte ich mir vorstellen, das der Brief auch am nächsten Tag angekommen ist, da du ja auch die Eisenbahnverbindung zwischen beiden Orten aufgeführt hast. Die heutige Strassenverbindung ist eine ziemlich gerade Strecke.

Woran erkennst du, das die Karte am 8.5.1902 / 21.5.1902 geschrieben wurde? Für mich ist die Zahl vor der Jahresangabe 02 eine 6.

Gruss
Martin
 
volkimal Am: 03.10.2019 16:22:48 Gelesen: 7740# 195 @  
@ Martin de Matin [#194]

Hallo Martin,

da habe ich wohl nicht richtig hingeschaut. Du hast recht, die Karte kam wahrscheinlich am 18.05.1902 (jul.) = 31.05.1902 (greg.) am Ziel an. Dank der Bahnstrecke des Orient-Express betrug die Beförderungszeit der Karte nur einen Tag.

Wenn man die Karte im Original ansieht, so scheint der Absender das handschriftliche Datum von 8.6.02 auf den 8.5.02 korrigiert zu haben.

Viele Grüße
Volkmar
 
Thomas S. Am: 06.10.2019 19:15:43 Gelesen: 7463# 196 @  
Hallo Zusammen,

momentan versuche ich, dabei eigentlich völlig überfordert, für einen Bekannten vom Philatelistenstammtisch in Nürnberg einen Brief aus der Zeit der ersten Französischen Republik zu transkribieren und zu übersetzen. Ich habe schon frustriert nahezu aufgegeben. Möchte aber meine Umrechnung des Briefdatums hier sehr gerne von Euch überprüfen lassen.

Im Brief ist folgendes Datum vermerkt:



Ich habe versucht mit der in wikipedia vorhandenen „Umrechnungstafel zwischen gregorianischem und republikanischem Kalender“ [1] das Datum umzurechnen:

- Das 4te republikanische Jahr entspricht dem Jahr 1795 -1796

- Alle Monate auf die Endung -idor sind die Sommermonate, damit handelt es sich hier um das Jahr 1796

Ich habe im Brief gelesen: Ehermidor diesen Begriff finde ich jedoch nicht in der Tabelle. Meine Vermutung ist, daß Thermidor gemeint ist. In diesem Fall wäre es dann der 15. Juli 1796

Liege ich völlig daneben?

Freue mich auf Eure Rückmeldungen.

Herzliche Grüße
Thomas

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Umrechnungstafel_zwischen_gregorianischem_und_republikanischem_Kalender
 
volkimal Am: 06.10.2019 22:15:27 Gelesen: 7433# 197 @  
@ Thomas S. [#196]

Hallo Thomas,

mit dem 27. Thermidor an IV liegst du richtig. Bei der Umrechnung hast du dich aber vertan. Ich finde die Tabelle auf der angegebenen Seite relativ unübersichtlich. Du hättest die Zeile A benutzen müssen. Das richtige Datum nach unserem Kalender ist der 14. August 1796.

Ich selbst ziehe die Tabelle der einzelnen Monate vor [1]. Wie sie benutzt werden müssen findest du im Beispiel [#165].

Es gibt aber auch Seiten, die einzelne Tage direkt umrechnen wie zum Beispiel [2].

Viele Grüße
Volkmar

[1] https://de.m.wikipedia.org/wiki/Thermidor#Umrechnungstafel
[2] http://pierre.collenot.pagesperso-orange.fr/Issards_fr/outils/calrepub.htm
 
Thomas S. Am: 06.10.2019 22:41:58 Gelesen: 7426# 198 @  
@ volkimal [#197]

Hallo Volkmar,

vielen Dank. Die Tabelle ist tatsächlich verständlicher und das „Rechenprogramm“ natürlich perfekt. So bekommt mein Bekannter wenigstens das korrekte Datum des Briefes und ich habe wieder etwas dazu gelernt.

Herzliche Grüße
Thomas
 
volkimal Am: 13.10.2019 10:10:26 Gelesen: 6623# 199 @  
Hallo zusammen,

Die letzten beiden Karten aus Bulgarien haben eine eingedruckte Marke mit dem Bild des Fürsten Ferdinand I. Die Karten haben die Michel-Nummer P 26 I (Ganzsachen-Katalog Europa Ost1994/95).





Die erste Karte wurde vom Absender, Herrn Georges H. Janischeff am 03.10.1904 (greg.) = 20.09.1904 (jul.) in Varna = Варна geschrieben. Der Stempel aus Varna ist aber schon vom 19.09.1904 (jul.). Entweder hat sich der Absender vertan oder der Stempel ist falsch eingestellt.



Die Gebrüder Hagenmüller hatten in der Karthäuserstr. 14 in Erfurt ein Geschäft für Brauerei- und Kellereibedarf [1]. Herr Janischeff möchte ihren Katalog haben. Christian Hagenmüller, der Empfänger der Karte, ließ verschiedene Artikel patentieren. Diese Anzeige und mehrere Patentschriften sind zur Zeit bei Delcampe im Angebot [2].

Viele Grüße
Volkmar

[1] http://www.familie-thurm.de/images/dokumente/adressErfurt/Seite_0230.jpg
[2] Delcampe.net, Suchbegriff „Hagenmüller“ 
 
volkimal Am: 20.10.2019 10:55:13 Gelesen: 5523# 200 @  
Hallo zusammen,

es geht weiter mit der letzten Karte aus Bulgarien zum julianischen/gregorianischen Kalender:





Diese Postkarte aus Varna wurde am 16.12.1906 (greg.) = 03.12.1906 (jul.) geschrieben und am selben Tag abgeschickt. Der Monat im Stempel steht Kopf. Man kann es leicht erkennen, denn die römische Zahl IIX gibt es nicht.



Absender ist der Direktor des Sanatoriums Maritime. Vier Tage später kam die Karte bei der Fabrik für Heizungsanlagen von Franz Wagner in Crimmitschau an.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 29.10.2019 09:42:47 Gelesen: 4616# 201 @  
Hallo zusammen,

der julianische Kalender galt natürlich auch in den anderen orthodoxen Ländern des Balkans. Als nächstes zeige ich ein paar Beispiele aus Griechenland.





Diese Postkarte wurde laut Poststempel am 11.10.1889 (jul.) = 23.10.1889 (greg.) in ΠΕΙΡΑΙΕΥΣ = Πειραιευς = Piräus aufgegeben. Der Unterschied der beiden Kalender betrug bis 1900 genau 12 Tage. Auf der Rückseite hat der deutsche Absender das Datum 21.10.89 nach dem gregorianischen Kalender vermerkt.



Entsprechend des Stempels auf der Rückseite ging die Karte vermutlich über Patras nach Brindisi (Italien). Dort war sie nach drei Tagen. Am 28.10.1889 (greg.) kam die Karte in Worms an. Insgesamt war die Karte somit 5 Tage und nicht 17 Tage unterwegs (wie man ohne Kenntnis der Kalender denken könnte).

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 10.11.2019 14:02:24 Gelesen: 3306# 202 @  
Hallo zusammen,

heute zwei griechische Postkarten aus Athen aus der Zeit nach dem 17.02.1900 (jul.) = 01.03.1900 (greg.). Seit diesem Tag unterscheiden sich die beiden Kalender um 13 Tage. Siehe auch Beitrag [#185].





Die Karte geht an Hrn. Emil Breseins, Inh. Dr. G Wolfram – Fabrik f. chem. Pr. (= Fabrik für chemische Produkte) in Rödelheim bei Frankfurt. Der Absender ist ein Arzt an einer orthopädischen Klinik in Athen. Zum Glück konnte er deutsch, so dass ich den Text lesen kann. Es geht um die Einrichtung einer orthopädischen Werkstatt – eine Einrichtung zum Polieren und Vernickeln von Teilen von orthopädischen Apparaten sowie zum Schleifen aller möglichen chirurgischen Instrumente.

Im Aufgabestempel steht: ΑΘΗΝΑΙ 29 ΜΑΡΤ 1905 11 Π
ΑΘΗΝΑΙ = Αθηναι = Athen. Vom 29.02.1905 (jul.) muss man 13 Tage vorwärts gehen => Der Stempel ist vom 11.04.1905 (greg.). Die Karte kam nach vier Tagen am 15.04.1905 in Rödelheim an.





Der Absender war Anton Ritter von Premerstein, ein österreichischer Althistoriker, Epigraphiker und Papyrologe [1]. Der Empfänger war Wilhelm Kubitschek, ein österreichischer Althistoriker, klassischer Archäologe und Numismatiker [2]. Den Text der Karte von Herrn Premirstein finde ich ganz interessant. Es geht um Münzen und seine Hochzeit.

Der Absender hat die Karte am 22.10.1911 (greg.) geschrieben und einen Tag später am 10.10.1911 (jul.) = 23.10.1911 (greg.) aufgegeben. Unten im Stempel steht ΑΠΟΣΤΟΛΗ = Αποστολη = Aufgabe/Versand. Da 1911 keine Ankunftsstempel mehr abgeschlagen wurden, kann ich die Beförderungszeiot nicht feststellen.



Eine Frage habe ich noch zu den Uhrzeitangaben. Dort werden die Zeichen "Π" und "Ε" verwendet. Das "Π" könnte ΠΡΩΙ = πρωί = morgens bedeuten. Für das "Ε" habe ich keine passende Bedeutung gefunden. Wer kann etwas dazu sagen? Gibt es weitere Zeitangaben?

Viele Grüße
Volkmar

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_von_Premerstein
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Kubitschek
 
KaraBenNemsi Am: 15.11.2019 13:01:42 Gelesen: 2640# 203 @  
Kalender der Azteken

Hier verewigt als Aztekischer Kalenderstein auf einem Stempel vom 25.10.1992 aus 1000 Berlin 12.


 
volkimal Am: 16.11.2019 13:03:30 Gelesen: 2486# 204 @  
@ KaraBenNemsi [#203]

Hallo Carsten,

die historischen Kalender habe ich bisher noch nicht gezeigt. Da gibt es auch noch einige andere.

Irgenwann werde ich das Thema aber bearbeiten.

Danke fürs Zeigen
Volkmar
 
volkimal Am: 30.11.2019 14:49:23 Gelesen: 1260# 205 @  
Hallo zusammen,

endlich komme ich wieder dazu, einen Beitrag zu den Kalendern zu schreiben. Heute ein weitere Postkarte aus Griechenland aus dem Jahr 1911:



Bei der Karte finde ich den Text sehr interessant. Es ist eine Korrespondenz zwischen den Briefmarkensammlerinnen Berta Foerg(?) aus Syros in Griechenland und Luise Sannemann in Weißenfels (Sachsen).

Berta schreibt:

Syra 7.6.11
Liebes Fräulein!
Von Ihren Marken konnte ich leider sehr wenig behalten. Im ganzen macht es 36 Pf. Deutschland fehlen mir nur noch die selteneren und die Groschenmarken. Ich schicke Ihnen diesmal auch nur für 46 Pf. Wenn Sie mir nächstesmal vielleicht Deutsche Kolonien oder überhaupt bessere Marken schicken wollen, so sende ich Ihnen auch wertvolleres. Für die Adressen besten Dank. Welche von den jungen Mädchen sind am weitesten fortgeschritten?
Mit besten Grüßen
Berta Foerg(?)




Als Deutsche benutzt die Absenderin unseren Kalender. Die Karte ist datiert vom 7.6.1911. Sie hat die Karte am selben Tag aufgegeben, denn der Stempel ist vom 25.05.1911 (jul.) + 13 Tage = 07.06.1911 (greg.).

Syros (griechisch Σύρος, auch Syra oder Siros) ist eine griechische Insel der Kykladen, fast mitten im Archipel gelegen, 84 km² groß. Die Hafenstadt Ermoupoli (griechisch Ερμούπολη) ist wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der Insel. Im Stempel ist also der Name der Insel und nicht der Name des Ortes angegeben.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 08.12.2019 12:24:37 Gelesen: 530# 206 @  
Hallo zusammen,

heute ein ungewöhnlicher Brief aus Griechenland:



Auf der Rückseite steht, dass er aus dem Balkan-Krieg 1912 stammt. Dank dieses Forums habe ich von Nicepm erfahren, dass der Brief von der Direktion des Etappendienstes hinter der Front stammt. Griechisch: "ΔΙΕΎΘΥΝΣΙΣ ΤΗΣ ΥΠΗΡΕΣΊΑΣ ΜΕΤΌΠΙΣΘΕΝ" bzw. "Διεύθυνσις τής Υπηρεσίας Μετόπισθεν", wobei der Artikel "ΤΗΣ" nicht auf dem Stempel abgedruckt werden musste.

Das Stempeldatum bei einem Brief innerhalb Griechenlands ist natürlich nach dem julianischen Kalender. 4. ΝΟΈΜΒΡΙΟΣ 1912 = 4. November 1912 (jul) = 17.11.1912 (greg.)

Die Anschrift in lateinischen Buchstaben ist: Stamos Delaporta / Argostolion / Kephallenia.

Naturgemäß sind bei Feldpostschreiben keine Hinweise über den Absendeort vorhanden. Angesichts des Datums 04.11.1912 kann jedoch der Absender entweder in Epirus (bei Ioannina) oder in Makedonien (bei Amindeo, Giannitsa, Thessaloniki oder Chalkidiki) gewesen sein. Es gab auch einen Hauptmann Spiridon G. Delaportas, welcher am 24.10.1912 in der Nähe von Amindeo fiel. Es könnte also ein Brief von ihm (Verzögerungen im Briefversand der Soldaten kam vor) oder über ihn gewesen sein. Aber das sind nur Vermutungen. Der Name Delaportas ist populär auf den ionischen Inseln und besonders auf der Insel Kefalonia, wohin dieser Brief verschickt wurde.

Viele Grüße
Volkmar
 
Martin de Matin Am: 14.12.2019 09:58:12 Gelesen: 117# 207 @  
Ich zeige eine Postkarte aus St. Petersburg nach Neapel aus dem Jahr 1892 mit Nummernstempel 1 von St. Petersburg. Der St. Petersburger Aufgabestempel datiert vom 9.6.1892 (julianischer Kalender) und der Ankunkunftsstempel von Neapel vom 25. (Gregoranischer Kalender). Interessant finde ich das auf der Rückseite der Absender im Text die beiden unterschiedlichen Kalendertage 8/20 April vermerkt hatte.



Gruss
Martin
 

Das Thema hat 207 Beiträge:
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