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Thema: (?) (1) Estland: Deutsche Besetzung WK 2 - 1941 bis 1942
Pete Am: 28.11.2015 18:33:44 Gelesen: 2666# 1 @  
Vor einigen Tagen fand sich das nachfolgende Stück auf einem Tauschtag:



Eine sowjetische Ganzsache wurde als Stempelunterlage verwendet und Marken der deutschen Besetzung sowie der Sowjetunion zur Gefälligkeitsentwertung vorgelegt - Stempel 02.09.1941 aus dem Ort Valga. Auf die Vorlage wurden die Mi-Nrn. 1 und 2 der deutschen Besetzung Estlands sowie Sowjetunion Nr. 587; 682; 767; 785 und 790 geklebt. Der Wertstempel der Ganzsache ist selbst wurde durchgestrichen (Handstempelaufdruck eines "X"?).

Der zur Briefmarkenentwertung verwendete Tagesstempel weist lateinische (und keine kyrillischen) Buchstaben auf.

Existiert eine Verfügung, dass während der deutschen Besetzung Estlands weiterhin sowjetische Briefmarken gültig waren? Der Michel-Spezial (Ausgabe 2012) schweigt sich diesbezüglich aus und gibt lediglich einen Hinweis nach der Mi-Nr. 9, dass Mischfrankaturen der Mi-Nr. 4-9 mit estnischen und russischen (sowjetischen) Marken vorkommen.

Ab 1941 (bis 1944) kamen Marken des Deutschen Reiches mit dem Aufdruck "OSTLAND" in Verkehr.

Gruß
Pete
 
fdoell Am: 06.04.2020 01:26:30 Gelesen: 198# 2 @  
Hallo Pete,

zu den postalischen Gegebenheiten im November 1941 in Estland informiert das Web der ArGe Baltikum zum Sammelgebiet Deutsche Besetzung / Ostland 1941-1944 https://arge-baltikum.de/estonia-60.shtml#50.

Sicherlich waren unter der deutschen Besetzung keine sowjetischen Marken mehr gültig, obwohl es sowjetische oder Mischfrankaturen ggf. in den ersten Tagen der Besetzung noch geben kann (das Generalpostkommissariat Ostland wurde am 25. Juni 1941 gegründet, bereits ab dem 10. Juli wurden erste Lokalausgaben in Südestland verausgabt; die Räumung Nordestlands von der Sowjetarmee erfolgte jedoch noch bis Ende August, so dass man bei gelaufenen Belegen aus dieser Zeit auch den Absendeort beachten muss). Die gezeigten Abstempelungen sind aber auch, wie Du selbst schreibst, reine Gefälligkeitsabstempelungen und kein postalisch gelaufener Beleg, zumal die Abstempelung 4 Monate nach Beginn der Besetzung erfolgte (und Valka ganz im Süden liegt).

4 Monate nach Beginn der Besetzung war natürlich auch niemand mehr gezwungen, sowjetische Stempel (also solche mit kyrillischen Buchstaben) zu verwenden. Es gab ja noch die Stempel, die seit 1918 hergestellt waren und bis 1939 offiziell verwendet wurden. Diese wurden teils weit über 1944 hinaus verwendet. Die ArGe Baltikum hat dazu ein Stempelprojekt gestartet, in dem die Nachverwendung solcher Stempel nach 1944/45 in den Sowjetrepubliken Estland, Lettland und Litauen zusammengetragen und dokumentiert wird, siehe das News-Archiv der ArGe für 2018 unter https://arge-baltikum.de/archiv_1.shtml.

Die Marken mit Ostland-Aufdruck kamen erst am 4.11.1941 an die Schalter, bis dahin galten Marken des Deutschen Reichs, die Landespostausgaben Estlands sowie zeitweise einige Lokalausgaben, siehe Zeittafel Reichskommissariat Ostland (im allgemeinen Teil zu Ostland) und Zeittafel Generalbezirk Estland (im speziellen Teil zu Estland) unter https://arge-baltikum.de/estonia-60.shtml#50.

Estnisch/sowjetische Mischfrankaturen gab es während der sowjetischen Besetzungszeit 1940-41, da am 25. November 1940 der Sowjetrubel als offizielles Zahlungsmittel im Verhältnis 1,00 Krone = 1,25 Rubel und ab 6. Dezember 1940 auch sowjetische Briefmarken und sowjetische Gebühren eingeführt wurden. Bei 2 Währungen waren also auch die Marken dieser beiden Währungen frankaturgültig. Die Sammelgebietsdarstellung Estland Sowjetische Besetzung 1940-1941 https://arge-baltikum.de/estonia-50.shtml#40 zeigt solche Belege.

Gruß
Friedhelm
 
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