Thema: Postalisch richtig oder nicht?
Henry Am: 10.02.2014 10:21:42 Gelesen: 5541# 1 @  
Mir wurde beim Vereinstauschtag diese Antwortkarte vorgelegt, die adressenmässig vom Bundesgebiet in die DDR laufen sollte.



Nun, ich bin der Meinung, dass diese Karte gar nicht gelaufen ist. Für mich deutet folgendes darauf hin: 1.) Die Karte ist rückseitig nicht beschrieben, 2.) Es ist kein Absender angegeben, 3.) Den 2. Stempel links deute ich als „Gefälligkeitsmerkmal“, 4.) Die Abstempelung der DDR-Marke mit einem bundesdeutschen Stempel wäre m.E. nicht zulässig gewesen.

Ich wüsste nun gerne besonders zu Punkt 4, ob meine Ansicht richtig ist. Wie wäre eine DDR-Antwortkarte in der BRD richtig behandelt worden? Oder war die Verwendung einer DDR-Antwortkarte aus der BRD tatsächlich so möglich? Kennt jemand die zugrunde liegende Postordnung?

Mit philatelistischem Gruß
Henry
 
drmoeller_neuss Am: 10.02.2014 10:47:49 Gelesen: 5532# 2 @  
Das ist eine Antwortkarte mit vorausbezahltem Porto.

Ich gehe davon aus, dass der Absender "Alexander Böttner" an dem Postwerbestempel von Gammertingen interessiert war. Dafür hat er in der DDR eine kombinierte Frage-Antwort-Postkarte gekauft, den "Frageteil" an das Postamt Gammertingen adressiert, und um Rücksendung des Antwortteils mit dem Postwerbestempel gebeten. Genauso gut hätte der Sammler den abgetrennten Antwortteil einem Sammlerfreund zur Aufgabe am Schalter schicken können.

Ein zweiter Blanko-Abschlag eines Poststempels war in Deutschland nicht vorgeschrieben (im Gegensatz zu Italien, Spanien, Frankreich und vielen anderen Ländern), wurde aber auf Sammlerwunsch zum Beispiel auf Ersttagsbriefen angebracht.

Ansonsten ist der Absender wenig clever vorgegangen bzw. ist dem damaligen Zeitgeist gefolgt, wo "Kartonphilatelie" noch gefragt war. Man hätte auch auf die Rückseite schreiben können: "Sind gut in Gammertingen angekommen, Viele Grüsse in den Harz" und den Empfänger hätte man besser mit Hand geschrieben.

Bei der Frage-Antwort-Karte handelt es sich um eine Inlandskarte der DDR, die damals aber im Verkehr mit der BRD bis 1971 noch zulässig war. Postalisch ist alles in Ordnung, wenn auch philatelistische Mache. Daher würde ich nur symobolische 20 cent für so ein Stück bewilligen, wobei mich der Kaffeefleck links oben noch am wenigsten stört.
 
Wachauer Am: 10.02.2014 11:01:38 Gelesen: 5525# 3 @  
@ drmoeller_neuss [#2]

Ein zweiter Blanko-Abschlag eines Poststempels war in Deutschland nicht vorgeschrieben (im Gegensatz zu Italien, Spanien, Frankreich und vielen anderen Ländern), wurde aber auf Sammlerwunsch zum Beispiel auf Ersttagsbriefen angebracht.

War es nicht so, dass bei reinen Gefälligkeitsabstempelungen ein zweiter Blanko-Abschlag vorgeschrieben war? Ich kenne dazu keine Vorschrift - viele Sonderstempel-Belege aus meinem Fundus weisen aber dieses Merkmal auf und haben mich zu der Annahme veranlasst.

Herzliche Sammlergrüße
Gerhard
 
drmoeller_neuss Am: 10.02.2014 11:27:34 Gelesen: 5514# 4 @  
@ Wachauer [#3]

Bei reinen Gefälligkeitsabstempelungen war ein zweiter Abdruck in das Adressfeld vorgeschrieben - zumindest theoretisch, um ein nachträgliches Beschriften mit einer Adresse zu vermeiden.

Bei echt gelaufenen Sendungen war der zweite Abdruck nicht vorgeschrieben, wurde aber bei Sonderstempeln in der Regel gemacht, da das von den Sammlern so gewünscht war.
 
Jürgen Witkowski Am: 10.02.2014 16:36:30 Gelesen: 5451# 5 @  
Alexander Böttner war ein Stempelsammler. Aus seiner Sammlung habe ich eine ganze Anzahl von Belegen.

Bei Belegen innerhalb der DDR hat er Rückporto beigelegt und seine Stempelwünsche dann häufig in Postsache-Umschlägen zurück bekommen.

Für Stempelwünsche der BRD hat er, wie beim obigen Beispiel zu sehen, Postkarten mit Antwortkarten verwendet bei denen er auf dem Frageteil seine Stempelwünsche notiert hatte.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
reichswolf Am: 10.02.2014 17:00:58 Gelesen: 5439# 6 @  
Zur Verdeutlichung von Jürgens Beitrag hier eine zusammenhängend durchgeschlüpfte DDR P70I F/A, am 22.07.1960 gelaufen von SAALFELD (Saale)1 Stadt der Feengrotten nach Aachen an das Postamt 1 (Eingangsstempel vom 23.07.1960). Dort wurde der Antwortteil wunschgemäß mit dem Sonderstempel (22c) AACHEN 1 GROSSER PREIS v. EUROPA (rückdatiert auf den 10.07.1960) entwertet und komplett mit Frageteil nach Bad Blankenburg geschickt.




LG,
Christoph

Edit: Ich sehe gerade, den Beleg hatte ich hier im Forum schon mal gezeigt. Sorry!
 
Henry Am: 11.02.2014 11:36:22 Gelesen: 5354# 7 @  
Ich danke allen für die Beiträge und Wissensvermittlung herzlich.

mit philatelistischem Gruß
Henry
 
volkimal Am: 02.04.2020 16:28:47 Gelesen: 3076# 8 @  
Hallo zusammen,

passend zu den Beitägen oben eine Karte an Alexander Böttner mit dem ersten Sonderstempel meiner Heimatstadt Selm.

Leider wurde der Stempel auf der Marke schlecht abgeschlagen.



Die wohl älteste Siedlung von Selm ist der Hof Schulze Weischer. In einer Urkunde von 858 wird dieser als „Herrenhof“ bezeichnet, den König Ludwig als königliches Eigentum dem Benediktinerinnenkloster in Herford schenkte. Abgebildet ist die Toreinfahrt des Hofes.

Viele Grüße
Volkmar