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Thema: Deutsches Reich Feldpost 1. Weltkrieg
Das Thema hat 807 Beiträge:
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evwezel Am: 16.07.2023 13:15:47 Gelesen: 74767# 733 @  
@ volkimal [#732]

Hallo Volkmar,

Vielen Dank für diese Einblicke in Deine Familiengeschichte! Du hast recht, vom Sinn her würde “Dienstuntauglich” sehr gut passen. Leider kann ich den zweiten Buchstaben mit bestem Willen nicht als “V” lesen. Ich bin aber einverstanden mit deiner Bemerkung, dass die Abkürzung eher als “D.H” gelesen werden soll. Könnte es vielleicht “Entlassung als Deutsche Heeresangehörige” sein?

Viele Grüße,

Emiel
 
DFP14-18 Am: 16.07.2023 14:20:53 Gelesen: 74755# 734 @  
@ evwezel [#731]

Moin Emiel,

auch ich kann die Abkürzung nicht eindeutig verifizieren. Sollte es D.K. wirklich heißen, so könnte es "dauer krank" heißen.

Ich glaube aber nicht, dass es ein "K" ist, denn im Absender ist zweimalig je ein K (Komp. + Korp) zu erkennen und im Text ein K bei "Kriegsorder". Alle diese 3 "K" sehen einheitlich ganz anders aus.

Bei Wikipedia findet man aber tatsächlich folgende Bezeichnung, die hier passen könnte. Ich weiß nur nicht, ob diese Einstufung schon im 1. Weltkrieg verwendet wurde. Ein "X" wäre denkbar.

Verwendungsgrad X (verwendungsfähig als Reservist im Stabsdienst Inland ohne körperlicher Belastung)

Diese wird für Soldaten vergeben, die eine Gesundheitsstörung der Gradation VI aufweisen, die nicht zu einem Dienstunfähigkeitsverfahren geführt hat, aber im Rahmen der Entlassungsuntersuchung mit „gesundheitlich nicht geeignet“ zu beurteilen wäre. Der Soldat ist mit eigenem Einverständnis für Stabsdienst im Inland und ohne körperlicher Belastung (zu beurteilen durch den Dienststellenleiter der Einsatzstelle) geeignet


Noch etwas zur "Musterung": Dies ist und war immer eine ärztliche Beurteilung. Zwar wurde vorgeschrieben auf welche körperlichen Merkmale geachtet werden müssen, jedoch ist das Ergebnis immer auch von der idividuellen Beurteilung des Arztes abhängig. Und sicher war in Kriegszeiten der "Druck" auf die Beurteilung anders als in Friedenszeiten. Typisch ist doch dafür auch die Schilderung, die Volkmar so schön dokumentiert.

In diesem Sinne weiterhin viel Spaß mit der Feldpost im 1. Weltkrieg und beste Grüße
Uli
 
inflamicha Am: 16.07.2023 14:31:48 Gelesen: 74753# 735 @  
Hallo,

wenn man den 2. Buchstaben mit dem Ü aus Überraschung vergleicht, sollte es D.U. für dienstunfähig heißen. Ist die neheliegenste Erklärung.

Gruß Michael
 
volkimal Am: 16.07.2023 16:37:57 Gelesen: 74726# 736 @  
@ inflamicha [#735]

Hallo Michael,

super, dass Du diesen Vergleich gemacht hast! Ich vergleiche fast immer die Buchstaben, diesmal hatte ich es aber vergessen.

Viele Grüße
Volkmar
 
evwezel Am: 16.07.2023 17:04:19 Gelesen: 74719# 737 @  
@ DFP14-18 [#734]
@ inflamicha [#735]
@ volkimal [#736]

Vielen Dank für Eure Hilfe!

Emiel
 
Postgeschichte Am: 16.07.2023 17:53:52 Gelesen: 74703# 738 @  
@ evwezel [#731]

Hallo Emiel,

das Kürzel lese ich als "D.U." (vergleiche mit Überraschung) und heißt "Dienst untauglich", welches auch zu dem übrigen Text passt.

Viele Grüße
Postgeschichte
 
evwezel Am: 16.07.2023 21:29:21 Gelesen: 74653# 739 @  
@ DFP14-18 [#734]
@ inflamicha [#735]
@ volkimal [#736]
@ Postgeschichte [#738]

Ich habe mir mal die Mühe gemacht, und eine Großbuchstabenliste für Heinrich Maassen zusammengestellt. Ich bin jetzt auch davon überzeugt, dass der zweite Buchstabe ein “U” ist.

Ich danke Euch allen!

Viele Grüße,

Emiel


 
DFP14-18 Am: 17.07.2023 13:29:25 Gelesen: 74479# 740 @  
@ evwezel [#731]

Hallo zusammen,

fällt mir wie Schuppen von den Augen! Natürlich heißt das D.U. = dienstunfähig!
Für mich nun auch eindeutig.

Gruß Uli
 
evwezel Am: 17.07.2023 13:33:12 Gelesen: 74478# 741 @  
@ DFP14-18 [#734]

Hallo Uli,

Du schreibst: "Und sicher war in Kriegszeiten der "Druck" auf die Beurteilung anders als in Friedenszeiten."

Genau das war auch die Erfahrung von Heinrich Maassen. In einem anderen Brief geschrieben am 14. Oktober 1917 fuhr er fort:

Ja ich sitze wieder im Elend drin. Das ich unglücklich ohne vorhergegangene Musterung eingezogen wurde, habe ich Dir ja schon mitgeteilt. Natürlich stellte sich wieder prompt mein altes Leiden ein und meldete ich mich krank. Der Arzt entschied daß ich ins Lazarett sollte. Ich wurde dann nach Cüstrin ins Barackenlazarett gebracht und bin ich seit dem 1 Oktober hier. Als ich hier ankam fuhr mich der leitende Arzt an was ich dann wolle, daß sei doch ein altes Leiden was ich habe und zudem sei ich ja bei der Armierung und die wären alle krank. Zu heilen sei ich doch nicht und da ich solange mich dabei gehalten würde es zur Armierung noch reichen etc. etc.

Also Franz ich kann Dir sagen, es gehört beim Preußen schon Mut dazu um sich krank zu melden. Da ich mich nun nicht gleich duckte und dem Arzt zur Antwort gab, er möge sich an seinen Kollegen in Soldin wenden mit seinen Bemerkungen, denn ich sei auf Befehl des Arztes hier, hatte ich’s bei dem gleich verdorben und wollte er mich sofort zur Truppe schicken als a.v.[1] Etappe.

Bis jetzt bin ich jedoch noch hier, doch werde ich in den nächsten Tagen wohl abgeschoben. Hier im Barackenlazarett ist’s genau so angenehm glaube ich wie im Zuchthaus. Das Essen wenig u. schlecht.

Ich bin überhaupt so herunter gekommen, daß ich mich gar nicht mehr als Mensch fühle.


[1] a.v.= arbeitsverwendungsfähig

Eine traurige Geschichte.

Viele Grüße,

Emiel
 
Gauss Am: 17.07.2023 14:44:59 Gelesen: 74413# 742 @  
Wenn ich auf den Beitrag von volkimal oben [#732] verweisen darf: Das D ist kein deutsches D (das zeigt auch die schöne Liste oben). Damit führt doch auch der Vergleich mit den U nicht wirklich weiter. Es wird nicht Gleiches mit Gleichem verglichen.
 
evwezel Am: 17.07.2023 16:14:44 Gelesen: 74389# 743 @  
@ Gauss [#742]

Hallo Gauss,

das ist eine sehr gute Bemerkung. Ich besitze insgesamt 8 Briefe von Heinrich Maassen und nur an einer anderen Stelle habe ich ein ähnliches "D" gefunden. Es handelt sich hier um den Großbuchstabe "D" im Wort "Depot". Ich habe den Eindruck, dass Heinrich Maassen alle Wörter mit einem französischen Ursprung mit lateinischen Anfangsbuchstaben schrieb (zum Beispiel, auch "Etappe"):



Dann sind wir also zurück zum Anfang? Ich zeige hier auch noch die lateinische Großbuchstabenliste (soweit die Buchstaben vorhanden sind):



Viele Grüße,

Emiel
 
Postgeschichte Am: 17.07.2023 18:24:04 Gelesen: 74350# 744 @  
@ evwezel [#743]

Dann sind wir also zurück zum Anfang?

Wieso? Beim Schreiben eines Briefes gerät nicht ein Buchstabe dem anderen. Einfach mal die Anfangsbuchstaben von "Maassen" und "Montag" vergleichen. Heisst Maassen auf einmal nicht mehr Maassen?

Viele Grüße
Postgeschichte
 
evwezel Am: 18.07.2023 09:05:39 Gelesen: 74157# 745 @  
@ Postgeschichte [#744]

Hallo Manfred,

Natürlich heisst Maassen noch immer Maassen. Ich fasse das ursprüngliche Problem noch einmal kurz zusammen:

Das “D” ist ohne Zweifel lateinisch. Beim zweiten Buchstaben würde Volkmar als lateinischer Buchstabe eher ein “H” oder “X” lesen. Zunächst haben wir gesehen, dass der zweite Buchstabe sehr ähnlich ist mit den Großbuchstaben “U” in Sütterlinschrift / Kurrentschrift. Auf diesem Grund wurde die Abkürzung identifiziert als “D.U.” = “dienstuntauglich”. Zugegeben, vom Inhalt her macht das noch immer am meisten Sinn.

Man muß dabei voraussetzen, dass Heinrich Maassen einfach zwischen der lateinischen Schrift und Sütterlin hin und hergesprungen ist. In den erhaltenen Briefen kann ich das eben nicht nachweisen.

Ein Gegenargument wäre auch, dass Heinrich Maassen ähnliche Abkürzungen niemals mit Großbuchstaben geschrieben hat:





a.v. = arbeitsverwendungsfähig
k.v.= kriegsverwendungsfähig

Meiner Meinung nach, kann man in diesem Fall eigentlich nicht mit absoluter Sicherheit wissen, ob “dienstuntauglich” richtig ist. Gleichzeitig muss man akzeptieren, dass es keine exakte Wissenschaft ist.

Viele Grüße,

Emiel
 
DFP14-18 Am: 18.07.2023 13:21:40 Gelesen: 74098# 746 @  
@ evwezel [#745]

Hallo Emiel,

ich denke, dass nun ausreichend darüber spekuliert wurde. Die Sinnhaftigkeit spricht nun einmal für "dienstunfähig" bzw. "Dienstunfähigkeit". Groß oder klein geschrieben ist unwichtig. Großbuchstaben werden auch heute noch für die Beurteilung bzw. Einstufung verwendet.

Gruß Uli
 
evwezel Am: 18.07.2023 14:04:26 Gelesen: 74084# 747 @  
@ DFP14-18 [#746]

Hallo Uli,

einverstanden.

Viele Grüße,

Emiel
 
evwezel Am: 18.07.2023 15:17:06 Gelesen: 74056# 748 @  
Liebe Sammelfreunde,

vielleicht darf ich noch eine neue Frage stellen.

Ich zeige Euch zwei Feldpostkarten der 6. Armee. Laut „Deutsche Feldpost 1914-1918“ (Seite 129, Abbildung 76) handelt es sich hier um einen Tagesstempel (Typenräderstempel) der bayerischen Feldpost.



Wäre es möglich herauszufinden, wo die Feldpoststation No 3 sich zu dieser Zeit befand (ich nehme an, nicht in Tourcoing) ?

Viele Grüße,

Emiel
 
DFP14-18 Am: 19.07.2023 15:09:38 Gelesen: 73745# 749 @  
@ evwezel [#748]

Guten Tag emiel,

die gezeigten Belege sind von der bayerischen Feldpoststation Nr. 3 der 6. Armee abgestempelt, nicht zu verwechseln mit der ("Kaiserl. Deutschen") Feldpoststation 3. Da die Ziffer in diesen Stempeln austauschbar war, gibt es sogar für die "3" verschiedene Typen. Auch Stempel mit geringfügig abweichender Inschrift wurden mit der "3" versehen, so dass es eine Vielzahl an möglichen Stempeln gibt.

Nun zur Lokalisation: Die FPSt Nr. 3 der 6. Armee wurde am 24.10.1914 in Lille eröffnet und verblieb dort mindestens bis 31.9.1918. Allerdings wurde die "Nr.3 der 6.Armee" am 1. März 1916 in "Feldpoststation 403" umbenannt. Eine Zweigstelle bestand von Mitte März bis 22.6.16 in Roubaix, welche am 23.6.16 in FPST 412 umgewandelt wurde. Tourcoing besass nach bisheriger Kenntnis keine Zweigstelle. Alle 3 Orte liegen in direkter Nachbarschaft und der Tätigkeitsbereich war groß. (Abb. Ausschnitt Google)



Einige der Stempel der (bayer.) Feldpoststation Nr.3 der 6. Armee (entsprechend Deiner Belege) waren jedoch noch bis Anfang April 1916 in Gebrauch, also noch über den Zeitpunkt der Umbenennung hinaus. Andererseits wurde zumindest einer der 10 Stempel der (bayer.) Feldpoststation 403 mindestens ab 2.3.1916 (bisher bekanntes Frühdatum) verwendet. Dieser Stempel wurde aber wohl bereits am 12.2.16 hergestellt, wie sich aus einem Abschlag im Stempelbuch der Herstellerfirma Braungardt/München erkennen lässt.



Spätdatum FPSt 3/6. Armee (Kat.2745); gestempelt 3.4.(19)16 in Lille



Herstellungsdatum FPSt 403, Fa. Braungardt (Kat. 2805), verwendet durchgehend in Lille (nachgewiesen ab 2.3.16)

Wieder eine spannende Geschichte, oder?

Gruß Uli
 
evwezel Am: 19.07.2023 19:41:55 Gelesen: 73664# 750 @  
@ DFP14-18 [#749]

Guten Abend Uli,

vielen Dank für diese faszinierende Hintergrundgeschichte!

Mit herzlichem Gruß,

Emiel
 
JohannesM Am: 22.07.2023 21:25:25 Gelesen: 72725# 751 @  
Kaiserliche Marine / Kommando des II. Matrosenregiments



Eine Radfahrerkompanie hatten die auch?



Beste Grüße
Eckhard
 
HWS-NRW Am: 24.07.2023 15:14:09 Gelesen: 72210# 752 @  
@ JohannesM [#751]

Hallo und... nicht nur die!

Es gab zahlreiche Radfahr-Kompanien, die in der Marine "organisiert" waren, hatte ich seinerzeit beim Aufbau meiner Feldpostsammlung über die Militär-Radfahrer auch nicht geglaubt.



Auf dem ersten Bild sind die Marine-Radfahrer eines Infanterie-Regimentes im "Einsatz" auf dem Wasser.

Könntest Du in meinem Sachbuch auch nachlesen, im Herbst möchte ich das Buch, zusammen mit den Sanitätsdienst-Abteilungen, noch einmal herausgeben, dann aber auf einem USB-Stick im Scheckkartenformat.

Bitte um etwas Geduld.

mit Sammlergruß
Werner
 
JohannesM Am: 24.07.2023 19:02:09 Gelesen: 72140# 753 @  
@ HWS-NRW [#752]

Hallo Werner,

danke für die Info, die Karten habe ich unserem Marine-Sammler im Verein übergeben, dem ich auch deine Info weiterleite.

Beste Grüße
Eckhard
 
evwezel Am: 13.09.2023 14:54:30 Gelesen: 60587# 754 @  
Liebe Sammelfreunde,

ich zeige Euch einen Briefumschlag mit dem folgenden Text:

An
Gewehrfabrik
Spandau

Feldpoststempel

KAIS. D. FELDPOST=
STATION

* Nr. 45 a

-8.5.15.8-9V

Briefstempel
Kmdr. d. Et. Mun. Wesens
d. 2. Armee[1]

Heeressache!

[1] Kommandeur des Etappe-Munitions-Wesens der 2. Armee

Könnte mir jemand sagen, ob es sich hier om die “Spandauer Gewehr- und Pulverfabrik” handelt? [1] Und wo genau befand sich Feldpoststation Nr. 45?



Viele Grüße,

Emiel

[1] ://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6nigliche_Preu%C3%9Fische_Gewehrfabrique#Standort_Spandau
 
HWS-NRW Am: 13.09.2023 16:08:58 Gelesen: 60563# 755 @  
@ evwezel [#754]

Hallo Emiel,

eine Frage nur, wie viele Gewehr-Fabriken gab es seinerzeit in Spandau bei Berlin ?

Also kann es doch nur die von Dir vorgestellte Fabrik gehen.

mit Sammlergruß
Werner
 
evwezel Am: 13.09.2023 16:29:41 Gelesen: 60554# 756 @  
@ HWS-NRW [#755]

Hallo Werner,

du hast recht - es war eine dumme Frage von mir. Meine zweite Frage, so lese ich gerade, wurde auch schon beantwortet in Beitrag #168:

Die Feldpoststation 45 war die Feldpostanstalt der Etappeninspektion der 2. Armee. Bis zu Mitte April fand sich diese Feldpoststation in St Quentin. Sie ist nach Valenciennes mit der Etappeninspektion 2. am 18. April 1917 umgezogen.

Viele Grüße,

Emiel
 
HWS-NRW Am: 13.09.2023 18:41:34 Gelesen: 60503# 757 @  
@ evwezel [#756]

Hallo Emiel,

denke bitte daran,

"es gibt keine dummen Fragen - nur dumme Antworten".

Und das mögen wir hier auf den philaseiten überhaupt nicht.

Viel Freude beim Weitersammeln.
Werner
 

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