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Thema: Bund: Gestohlene Makulatur
togall Am: 11.11.2011 14:58:21 Gelesen: 7562# 1 @  
Durch einen Nachlass bin ich zu einem dicken Album gekommen, das voll mit Abarten, Spezialitäten und Echtheits- und Qalitätsgarantien ist. So zum Beispiel:

Bundesrepublick Nr. 948 U (ungezähnt) O RÖTHENBACH (8.-1.87 - 12)

Im Attest steht: Das Markenpaar wurde durch uns aus einem Bogenteil geschnitten und blieb zur Erhaltung der "Jungfräulichkeit" unsigniert.

Kann ich das mit gutem Gewissen bei Ebay oder auch der Phila-Aktion anbieten? Denn im Spez finde ich keinen Hinweis auf die Existenz von ungezähntem Material. Das Paar ist ungummiert.

Dafür steht im Spez bei anderen Stücken, die mit Echtheits-Qualitätsgarantien im Album sind, Hinweise wie: Vorsicht ... Stücke wurden aus der Bundesdruckerei gestohlen, wurden von privater Seite manipuliert, nachgezähnt, und anderes mehr.

Alle diese Raritäten und Spezialaitäten stammen von einem Briefmarkenhaus Heinz Heubach. Ich kenne dieses Haus nicht. Daher möchte ich Sie anfragen, kann ich da den Verkauf wagen?

Besten Dank für Ihren Ratschlag. Thomas


 
Henry Am: 11.11.2011 15:36:19 Gelesen: 7554# 2 @  
@ togall [#1]

Hallo Thomas,

auch in meiner Sammlung ruht so ein Einzelstück. Ich meine mich zu erinnern, dass für die 948 U einmal ganz konkret die Info "stammt aus gestohlener Makulatur" veröffentlicht wurde. Und genau diesen Hinweis hat mein Objekt im Album erhalten.

Ohne die Fa. Heubach näher zu kennen, meine ich mich auch zu erinnern, dass dieser Name im Zusammenhang mit anderen nebulösen Häusern dieser Name gefallen sei.

mit philatelistischem Gruß
Henry
 
Lars Boettger Am: 11.11.2011 16:00:03 Gelesen: 7547# 3 @  
@ togall [#1]

Hallo Thomas,

vermeide jeden Hinweis auf das Zertifikat ("mit Attest" oder besser: "mit BPP-Attest"). Den Katalogstatus hat die Marke schon lange verloren, es ist aber keine Fälschung.

Beste Sammlergrüsse!

Lars
 
drmoeller_neuss Am: 12.11.2011 00:55:44 Gelesen: 7487# 4 @  
Lesen wir doch einmal das Attest genauer: "die Marke ist garantiert echt": Das trifft auch auf gestohlene Makulatur zu. Es handelt sich hier lediglich nicht um Buntdrucke.

"ist mit dem echten Poststempel Röthenbach entwertet": nehmen wir einmal an, ich habe den originalen Poststempel von Röthenbach in meiner Vitrine stehen. Dann stammen alle Stempelabdrucke von diesem Stempel von einen echten Gerät, sind also mit einem "echten Poststempel" entwertet. Warum schreibt man nicht einfach im Attest, die "Abstempelung ist echt". Dann müsste sie nämlich auch zeitgemäss sein, d.h. die Marke ist am eingestellten Tag tatsählich gestempelt worden.

http://stampsx.com/forum/topic.php?id=1681&highlight=pegnitz&

Hier ist bereits eine geschnittene Marke diskutiert worden, laut Jürgen Kraft mit einem Falschstempel aus dem gleichen Ort "Röthenbach an der Pegnitz", aber mit dem Unterscheidungsbuchstaben "b".

Der Rest ist Spekulation. Sind die Stempel von Röthenbach vielleicht in Privatbesitz? Oder hat tatsächlich der Besitzer eines ungezähnten Bogens die Marken in diesem kleinen Ort in Mittelfranken in den Postverkehr eingeschleusst? Ganzsachenausschnitte waren damals noch frankaturgültig. Zumindest eine Einzelmarke hätte als solcher durchrutschen können.

Vermutlich gestohlene Makulatur mit fraglichem Stempel: Was ist die treffende philatelistische Bezeichnung dafür?
 
doktorstamp Am: 12.11.2011 01:58:28 Gelesen: 7481# 5 @  
@ drmoeller_neuss [#4]

Manipuliert zum Schaden des Sammlers.

mfG

Nigel
 
doc Am: 12.11.2011 11:27:20 Gelesen: 7451# 6 @  
@ togall [#1]

Hallo, Thomas,

bei dieser Marke handelt es sich, wie in älteren Katalogen nachzulesen, um gestohlene Makulatur. Die Firma Heubach aus Schwaig bei Nürnberg hat mich vor Jahren mit Werbung überhäuft; "Abarten" waren eine der Spezialitäten des Hauses. Dabei hat es sich aber oft um Makulatur oder manipulierte Marken gehandelt. Ich war der Meinung, diese Firma existiere nicht mehr, muß mich nach einem Blick ins Internet aber korrigieren: die Firma ist noch sehr aktiv.
Wie seriös, kann ich aber nicht beurteilen.

Die 948U habe ich natürlich auch in meiner Sammlung, und zwar von einem Herrn Salomon (wer auch immer dies ist) geprüft.

Ein schönes Wochenende und

freundliche Grüße,

Wolfgang
 
Briefmarkensammler Am: 12.11.2011 13:47:11 Gelesen: 7428# 7 @  
Die Marke ist zweifellos echt und das Ergebnis eines fehlerhaften Produktionsprozesses.

Derartige Stücke gibt es von vielen Marken. Ob derartige Marken sammelwürdig sind, muss jeder Sammler für sich selbst beurteilen. Bei Ebay wird das abgebildete Paar auf jeden Fall deutlich mehr erzielen, wie sein ordnungsgemäß gezähntes Pendant.

Ob der Stempel irgendwo in der Vitrine steht und durch Heubach nachverwendet wurde oder ob der Stempel von einem "verwandt-verschwägert-befreundeten" Postler auf dem Postamt - entgegen der Postvorschriiften - zur Abstemplung genutzt wurde, ist schwierig zu ermitteln. Da mir der Stempel ansonsten noch nicht aufgefallen ist, tippe ich jedoch eher auf Variante 2.
 
lueckel2010 Am: 12.11.2011 16:40:37 Gelesen: 7387# 8 @  
Die ehemalige Mi.-Nr. 948U war niemals das "Ergebnis eines fehlerhaften Produktionsprozessses" (z. B. durch "versehentlich" vergessene Perforation). Sie war, wie "doc" ganz richtig schreibt, Makulatur!

Aus der Privatdruckerei Bagel (die damals mit der Herstellung der Mi.-Nr. 948 beauftragt worden war) wurde sie bogenweise gestohlen und von den Dieben an den "interessierten Handel verhökert".

Fast jeder Auktionator/ Händler, der in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts "etwas auf sich hielt", hatte "948U" im Angebot.

"948U" hatte damals zeitweise sogar "Katalogweihen". Erst als die Hintergründe publik wurden, hat man die Katalogisierung wieder gestrichen.

Offenbar ist immer noch einiges der "948U" im Umlauf. Warum MICHEL keinen entsprechenden Warnhinweis bei der Katalogisierung der "normalen" Mi.-Nr. 948 gibt, wird wohl immer sein Geheimnis bleiben!
 
Henry Am: 14.11.2011 16:26:30 Gelesen: 7260# 9 @  
@ lueckel2010 [#8]

Ich habe mich mit der Frage an MICHEL gewandt, warum keine Warnnotiz im Katalog steht. Ich erhielt auch umgehend folgende Antwort:

"Bei MiNr. 948 U war der Sachverhalt (nach dem Gedächtnis dargestellt) wie folgt: Mindestens ein Bogen wurde entwendet, wobei man nie ausschließen konnte, ob und wenn ja wie viele Bogen auch über den Schalter gewandert sind – eine Fußnote, die ausschließlich von gestohlener Makulatur spricht, würde also den Sachverhalt nicht treffen, auch wenn man hier ein abschwächendes „vermutlich“ einfügen würde. Die Quelle der ungezähnten Stücke ist nicht feststellbar – das ist letztlich auch der Grund, warum die 948 U nicht geprüft wird.

Dass wir den jeweiligen Grund für Nicht-Aufnahmen meist nicht in einer Fußnote erklären, ist aber auch eine Platzfrage. Es gibt zu zahllosen Ausgaben Varianten und Abweichungen, die wir nicht listen – eine jeweilige Erklärung würde den Rahmen eines Printkataloges schnell sprengen..."

Hier ist der Vorwurf, dass MICHEL nicht auf Sammler reagiert, widerlegt.

Mit philatelistischem Gruß
Henry
 
PeterPan100 Am: 14.11.2011 23:18:52 Gelesen: 7212# 10 @  
@ togall [#1]

Ich habe genau das gleiche Attest mit den beiden abgebildeten Marken in meinem Besitz. Allerdings sieht die Unterschrift völlig anders aus.

Die Marken mit dem Attest waren in einem dicken Einsteckbuch mit vielen Besonderheiten und Plattenfehlern enthalten, das ich selbst bei Heubach in Schwaig für 200.- Mark kaufte. Der Angestellte bei Heubach sagte mir damals, daß die Marken im Bogen im Postamt gekauft wurden und auch dort abgestempelt wurden. Wenn ich mich richtig ersinne, stand diese Marke im Michel mal bei 1000,- Mark bewertet. So 2 Jahre später erfolgte dann der Hinweis, daß es sich um gestohlene Makulatur handelte und die Bewertung wurde gestrichen.

Daß bei der Druckerei Bagel die Kontrollen nicht sehr sorgfältig durchgeführt wurden, zeigen ja auch die große Zahl an Plattenfehlern und verzähnte Marken, die durchaus auch in den Katalogen Aufnahme fanden. Es ist ja durchaus möglich gewesen, daß ein ungezähnter Bogen bei der laschen Kontrolle in die Bogentasche kam und am Postschalter verkauft wurde. Gerade in dieser Zeit waren die Postbeamten ja noch sehr kundenfreundlich. Ich konnte in den 80er Jahren mir einen Stapel Markenheftchen geben lassen und diesen in aller Ruhe in der Schalterhalle nach Ausgleichszähnen und sonstigen Besonderheiten durchschauen. Sicher sind offensichtliochj bei der bewußten Marke besonders viele "durchgerutscht" und deshalb häufig angeboten worden. Die Herkunft auch bei mancher anderen "Rarität" liegt ja durchaus im dunkeln. Ich bin mir klar, daß ich da keine 500.- Euro an Wert im Album habe. Vielleicht tragen diese Zeilen zu etwas Klärung bei.

Wolf
 
Lumpus2000 Am: 15.11.2011 00:32:16 Gelesen: 7203# 11 @  
Halli Hallo,

schaut doch mal genau auf das beschriebene "Blatt Papier" ... wie Lars schon richtig anmerkte, das hat mit Attest nichts zu tun. ;-)

Viele Grüße
Swen
 
Duensberg Am: 21.11.2011 17:57:22 Gelesen: 7052# 12 @  
1987 habe ich die besagte Marke ebenfalls bei der Fa. H. innerhalb eines großen Postens gekauft. Nachdem ich den Posten reklamiert hatte, wurde mir mitgeteilt, daß der Begriff "gestohlene Makulatur" mit Sicherheit im nächsten Katalog nicht mehr erscheint. Weiterhin wurde ich gefragt:" Was soll diese negative Einstellung zu dieser Marke?".

Es blieb mein einziger Kauf bei dieser Firma in Nürnberg.
 
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