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Thema: Ganzsachen: Gibraltar
Cantus Am: 25.02.2012 23:17:29 Gelesen: 10431# 1 @  
In Gibraltar, der britischen Kronkolonie an der Südspitze der iberischen Halbinsel, wurden im Jahr 1886 die ersten Ganzsachen mit einer Inschrift "Gibraltar" über die Post verkauft. Dazu gehörten normale Umschläge und solche speziell für Einschreiben, Streifbänder für den Versand von Druckschriften sowie Postkarten. Da zunächst noch keine eigenen gedruckten Ganzsachen zur Verfügung standen, wurden solche aus einigen anderen Kolonien verwendet und mit einem entsprechenden Überdruck versehen. Die beiden ersten Postkarten stammten ursprünglich aus Natal und St. Vincent; vermutlich gab es da größere Überbestände, die anderweitig verbraucht werden konnten.

Zunächst zeige ich euch die Karte zu 1/2 Penny in rotbraun, dabei auch eine Karte, die am 16.6.1886 von Gibraltar nach Düsseldorf lief; nach dem dortigen Ankunftsstempel brauchte sie fünf Tage für die Strecke.





Die zweite Karte des Jahres 1886 trägt einen Wertstempel zu 1 Penny in karmin; hier kann ich leider kein gelaufenes Exemplar vorzeigen.



Viele Grüße
Ingo
 
Cantus Am: 09.09.2012 23:36:00 Gelesen: 10058# 2 @  
In den Jahren 1887 - 1889 erschienen nun die ersten eigenen Ganzsachen von Gibraltar. die nur noch diesen Landesnamen tragen. Die Postkarte mit der niedrigsten Wertstufe war die Karte zu 1/2 Pence in grün; bei Michel wird sie als P 3 geführt.



Zwei gelaufene Karten dieser Ausgabe kann ich zeigen. Zunächst eine Karte, die am 14.12.1899 von Gibraltar nach Tetuan gelaufen ist. Die vorderseitig auf der Karte angebrachte Inschrift in arabischer Schrift belegt, dass mit Tetuan nicht der Madrider Stadtteil gemeint ist, sondern die im Norden von Marokko liegende Stadt Tetouan.



Während die Post nach Tetuan lediglich das Porto für den Inlandsverkehr erforderte (Tetuan lag damals in Spanisch-Marokko), musste die Inlandspostkarte für den Weg in die Schweiz mit einer Marke zu Halfpenny auffrankiert werden. Die gezeigte Karte lief am 13.4.1902 von Gibraltar nach Lausanne in der Schweiz.



Viele Grüße
Ingo
 
Cantus Am: 08.10.2012 23:37:43 Gelesen: 9955# 3 @  
Gleichzeitig mit der Karte zu 1/2 Pence erschien auch eine Karte zu 1 Pence in karmin, bei Michel als P 4 geführt. Diese Karte habe ich in zwei Ausführungen in meinem Besitz, und zwar gedruckt auf dünnem oder dickem Postkartenkarton, im Scan lässt sich das jedoch nicht darstellen.

Die gezeigte postfrische Karte ist dabei eine mit dünnem Karton, die gelaufene Karte mit spürbar dickerem Postkartenkarton.







Diese Karte lief am 9.10.1888 von Gibraltar nach Coblenz, wurde dort aber offensichtlich weitergeschickt, ich kann nur mit dem blauen handschriftlichen Eintrag nichts anfangen.

Zeitgleich mit diesen beiden Einzelkarten zu 1/2 und 1 Pence erschienen auch Doppelkarten der gleichen Wertstufen, also Fragekarten mit anhängender Antwortkarte, bei Michel als P6 und P7 geführt. Bei der Doppelkarte zu 1/2 Pence zeige ich Außen- und Innensicht einer ungebrauchten Karte.





Von dieser Karte besitze ich ein gelaufenes Exemplar, noch mit anhängendem unbeschriebenem Antwortteil. Die Karte lief am 11.4.1899 von Gibraltar nach Dornum in Ostfriesland, wurde von dort aber weitergesandt nach Osnabrück, wo sie am 17.4.1899 eintraf.



Der Vollständigkeit halber zeige ich noch eine ungebrauchte P7.



Zusätzlich zu den schon gezeigten Karten gab es auch noch eine Karte zu 1 1/2 Pence in dunkelbraun, sowohl als einfache Karte, Mi. P 5, sowie als Doppelkarte, Mi. P8. Während ich die einfache Karte nicht zeigen kann, bilde ich wenigstens Wertstempel und Kartenvorderseite einer ungebrauchten P8 ab.





Viele Grüße
Ingo
 
Cantus Am: 20.12.2012 23:25:16 Gelesen: 9724# 4 @  
In den Jahren zwischen 1886 und 1898 erschienen parallel zu den Postkarten auch insgesamt neun verschiedene Streifbänder (S) in mehreren Wertstufen und verschiedenen Farben, sowohl beim Wertstempel als auch bei der Papierfarbe.

Zunächst war im Jahr 1886 ein Streifband von Natal zu 1/2 P. in rotbraun auf sämischem Papier mit schwarzem Überdruck „GIBRALTAR“ in Gebrauch. Die Währung lautete auf Penny.





S 1

Von 1887 bis 1889 gab es eine geänderte Ausgabe zu 1/2 Penny in grün und 1 Penny in karmin, ebenfalls auf sämischem Papier.

Alle diese Streifbänder sind in dem einheitlichen Maß 125 x 300 mm hergestellt. Diese Maßangabe bezieht sich stets auf das gesamte Streifband, so wie hier zu sehen. Bei gebrauchten Streifbändern sieht man üblicherweise nur die zusammengefaltete Vorderseite. Zur Bestimmung ist es dann erforderlich, das Papier in seiner Gesamtlänge in Vorder- und Rückseite auszumessen; dabei dürfen dann auch die übereinander geklebten Papierbahnen nicht vergessen werden.





S 2

Zwei gebrauchte Exemplare kann ich zeigen. Beide sind in derselben Handschrift. Ein Exemplar ging nach Berlin, eines nach Karlsbad in Böhmen. Dennoch sind beide irgendwie bei mir gelandet, vielleicht deshalb, weil es nicht so sehr viele Sammler in Deutschland gibt, die sich mit den Ganzsachen von Gibraltar beschäftigen.





S 2

Im Jahr 1889 wurden diese beiden Arten von Streifbändern mit einem schwarzen Aufdruck in spanischer Währung versehen. Die neuen Wertstufen lauteten nun auf 5 und 10 Centimos.







S 5

Im gleichen Jahr wurden dann die endgültigen Streifbänder mit diesem Wertstempel verkauft. Die Werte lauteten jetzt allgemein auf 5 und 10 Centimos, nun aber ohne Überdruck. Diese Streifbänder gibt es sowohl auf sämischem als auch auf strohgelbem Papier.

Hier zeige ich zwei Streifbänder nebeneinander. In beiden Wertstempeln gibt es Farbschäden, solches ist aber bei diesen frühen Ausgaben nichts Ungewöhnliches und sollte daher auch nicht gesondert bewertet werden.





S 6

Auch hier kann ich zwei gelaufene Exemplare zeigen.



S 6 nach Coepenick



S 6 mit Adresszudruck nach Paris

Bei dem Streifband zu 10 Centimos in karmin zeige ich ebenfalls zwei Streifbänder nebeneinander. Während der rechte Wertstempel noch recht frische Farbe aufweist, ist der linke Wertstempel etwas verblasst, wodurch der Farbauftrag abnimmt; auch das ist normal.





S 7

Parallel erschienen im Jahr 1898 zwei weitere Streifbänder mit kleinerem Wertstempel, nun wieder in Penny-Währung. Hiervon kann ich leider kein Exemplar zeigen.

Demnächst stelle ich euch andere Arten von Ganzsachen aus Gibraltar vor.

Viele Grüße
Ingo
 
Cantus Am: 01.07.2014 01:41:32 Gelesen: 8901# 5 @  
Nach langer Zeit wieder einmal ein Beitrag von mir. Aus den fehlenden Reaktionen schließe ich, dass ich hier wohl der Einzige bin, der sich ab und zu auch mit den Ganzsachen von Gibraltar beschäftigt. Andererseits haben sich doch recht viele dieses Thema angeschaut, was für mich der Ansporn ist, hier weiterzumachen. Für heute habe ich Einschreibeumschläge (EU) der ersten Ausgaben ausgewählt, allerdings kann ich da nur ungebrauchte Exemplare zeigen. Zunächst jedoch muss ich ein paar Hinweise zu den Katalogbezeichnungen (nach Michel) geben.

Wie auch im Mutterland Großbritannien, so wurden ebenfalls in der britischen Kronkolonie Gibraltar alle Einschreibeumschläge in mehreren Größen hergestellt. Am gebräuchlichsten waren die beiden kleineren Ausgaben, aber auch die größeren Ausgaben wurden verwendet, allerdings findet man nur noch selten gelaufene Umschläge der größeren Variante, vermutlich weil deren Aufbewahrung zu Sammlerzwecken problematisch war. Man unterscheidet folgende Formate:

Format F = 133x83 mm - bei Michel = Unternummer A
Format G = 152x95 mm - bei Michel = Unternummer B
Format I = 253x182 mm - bei Michel = Unternummer C oder D, je nach Ausgabe der Einschreibeumschläge
Format K = 292x152 mm - bei Michel = Unternummer D oder E, je nach Ausgabe der Einschreibeumschläge
Format H = 202x127 mm - bei Michel = Unternummer C, jedoch nur bei den Ausgaben, die auch in dieser Größe hergestellt wurden.

Damit hier keine Irritationen auftreten, werde ich bei den kommenden Belegen zwar die Mi.Nr., aber auch stets das (britische) Format mit angeben.

Im Jahr 1886 erschienen die ersten Einschreibeumschläge, also solche Ganzsachenumschläge, die speziell zur Verwendung als Einschreiben vorgesehen waren. Diese Umschläge tragen einen Wertstempel von Barbados mit schwarzem Aufdruck "Gibraltar", es waren also vorläufige Ausgaben, da Umschläge mit dem Landesnamen Gibraltar noch nicht gedruckt worden waren. Die Größe der Wertstempel unterscheidet sich bei den verschiedenen Umschlaggrößen nicht, man kann aber im Vergleich unterschiedlich großer Umschläge erkennen, dass die aufgedruckten Texte im Verhältnis zum Wertstempel immer kleiner werden.

Die Einschreibeumschläge haben, anders als normale Briefumschläge, die Verschlussklappe stets rechts; auf dieser Verschlussklappe ist der Wertstempel aufgedruckt, der dann bei zugeklebtem Umschlag rückseitig zu sehen ist. Zusätzlich zum Wertstempel (Einschreiben) waren auch noch die Gebühren für den Posttransport in Form von Briefmarken aufzukleben; das geschah bei diesen frühen Umschlägen auf der Vorderseite rechts oben, ein spezielles Feld war dafür aufgedruckt worden.

Der Wertstempel der ersten Ausgabe sieht so aus:





EU 1A (Format F)



EU 1B (Format G)

Bereits im Jahr 1887 erschienen Einschreibeumschläge, deren Wertstempel nun die Inschrift "Gibraltar" trägt. Unter der Umschlagklappe findet sich - wie auch schon bei der ersten Ausgabe - ein Aufdruck in blauer Farbe:



Während bei der ersten Ausgabe der Wertstempel noch in ultramarin gedruckt worden war, ist er nun bei der zweiten und auch der dritten Ausgabe in der Farbe Scharlach ausgeführt:



Noch im selben Jahr wurde die Druckerei gewechselt, was bei der nun dritten Ausgabe zu einem veränderten Druckvermerk unter der Verschlussklappe führte:





EU 3B (Format G)

Weitere Varianten solcher Umschläge folgen in Kürze.

Viele Grüße
Ingo
 
sotos Am: 02.07.2014 21:30:17 Gelesen: 8856# 6 @  
@ Cantus [#5]

Hallo Cantus,

schöne Sammlung, was Du hier zusammengetragen hast, sehr schön anzusehen.

Grüße
 
Cantus Am: 02.07.2014 23:13:23 Gelesen: 8843# 7 @  
@ sotos [#6]

Hallo sotos,

vielen Dank für deine aufmunternden Worte. Ich will nun fortfahren mit weiteren Umschlägen aus dieser frühen Periode.

Während bis dahin der Werteindruck in britischer Währung ausgeführt worden war, änderte sich das im Jahr 1889. Von da ab wurden für die nächsten neun Jahre die Wertbezeichnungen in spanischer Währung vorgenommen, also nun statt Pence die Bezeichnung Centimos. Bis zur Herstellung von Einschreibeumschlägen mit der neuen Wertstempelbezeichnung wurden vorhandene Bestände mit einem schwarzen Überdruck in der neuen Währung versehen. Dabei sind zwei verschiedene Überdrucktypen zu beobachten. Bei der ersten Überdruckform fällt bei der 2 am rechten unteren Ende der senkrechte Aufstrich ins Auge:





EU 5A (Format F)

Bei der noch im selben Jahr geänderten Form des Überdruckes hat die 2 unten nun nur noch einen waagerechten Strich, außerdem wirken die Ziffern insgesamt schlanker und höher.





EU 7B (Format G)

Gegen Ende 1889 kamen dann die ersten Einschreibeumschläge zum Verkauf, die jetzt einen Wertstempel zu 20 Centimos in scharlachroter Farbe tragen:



Hier kann ich drei verschiedene Umschlaggrößen zeigen.



EU 8A (Format F)



EU 8B (Format G)



EU 8C (Format H)

Viele Grüße
Ingo
 
10Parale Am: 18.12.2014 20:44:34 Gelesen: 8548# 8 @  
@ Cantus [#5]

Beim Durchforsten meiner Heimatsammlung bin ich auf diese Ganzsache gestossen, die hier zu deinem sehr interessanten Forumsthema passen könnte. Leider habe ich keinen Ganzsachenkatalog für Gibraltar.

Die Ganzsache wurde am 6. September 1893 abgeschlagen und erreichte Lörrach (Südbaden) am 11.September 1893, wie der schöne Ankunftsstempel dokumentiert.

Ich bin zwar Rumänien-Klassik-Sammler, aber für Klassik aller Art gerne zu haben.

Liebe Grüße

10Parale


 
Cantus Am: 18.12.2014 22:22:58 Gelesen: 8538# 9 @  
@ 10Parale [#8]

Hallo,

das ist Mi. P 4, erschienen 1887.

Ich werde mal schauen, was ich noch habe, und dann hier ein wenig weitermachen.

Viele Grüße
Ingo
 
10Parale Am: 06.11.2016 20:18:08 Gelesen: 6650# 10 @  
@ Cantus [#1]

Hier kann ich das Thema mit einer weiteren ungebrauchten Ganzsache zu 5 Centimos erweitern.

Liebe Grüße

10Parale


 
Fips002 Am: 18.01.2017 17:53:07 Gelesen: 6236# 11 @  
Die Ganzsachen Postkarte lief von Gibraltar 28.2.1899 nach Berlin 6.3.99.

Die Postkarte hat die Ascher Nr. 22, Ausgabe 1898. Die Zeichnung ist wie Ausgabe 187/89. Die Wertangabe ist wieder in Penny, jedoch die Inschriften des Wertstempels kürzer (15,5 statt 16 mm lang) und fetter.



Gruß Dieter
 
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