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Thema: Was bedeutet der Begriff "offiziell" in der Philatelie ?
Richard Am: 14.02.2011 21:02:11 Gelesen: 11325# 1 @  
Mir fällt auf, dass es immer mehr "offizielle" Angebote gibt, im Handel, in Zeitschriften und auf Ebay. Hier eine Auswahl, die gerade auf Ebay zu finden ist:

- offizielle ETBs
- offizielle Werbekarten
- offizielle Jahressammlung
- offizielle Maximumkarten
- offizielle Klappkarten
- offizielle versiegelte Sammlungen
- offizielle Flugpostkarten
- offizielle Ausstellungsblocks
- offizielle Sportblöcke
- offizielle Schwarzdrucke
- offizielle ungezähnte Ausgaben
- offizielle Olympiasammlung
- offizielle Messebelege
- offizielle Sonderbelege
- offizielle Souvenierkarten und
- offizielle Eröffnungsbelege finden.

http://briefmarken.shop.ebay.de/i.html?_nkw=offizielle&_sacat=260&_dmpt=Briefmarke&_odkw=briefmarken&_osacat=260&_trksid=p3286.c0.m270.l1313

Wie bitte definiere ich das allgemein gültige Wort "offiziell" oder durch welches andere Wort kann ich es ersetzen ?

Schöne Grüsse, Richard
 
bayern klassisch Am: 14.02.2011 21:27:49 Gelesen: 11312# 2 @  
Lieber Richard,

zutreffender wäre wohl das Adjektiv "amtlich". Aber deutsche Worte klingen heute nicht mehr so gut in den Ohren der Masse.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
drmoeller_neuss Am: 14.02.2011 21:28:22 Gelesen: 11312# 3 @  
Laut Duden heisst offiziell "amtlich, öffentlich, förmlich".

Der Begriff offiziell lässt sich natürlich immer noch interpretieren. Beschränkt sich offiziell auf "amtliche Ausgaben", d.h. von der Post verausgabt (z.B. Ersttagsblätter), oder schliesst es private Ausgaben mit dem Segen der Post ein (BDPh-Jahresgaben, Messebelege)?

Viele Autoren erweitern den Begriff offiziell auf private Organisationen. Eine Bekanntmachung der Geschäftsleitung ist "offiziell", wenn sie im Rahmen der Geschäftsführung des Betriebes verlautbart wurde.
 
Jürgen Witkowski Am: 14.02.2011 23:43:36 Gelesen: 11292# 4 @  
@ Richard [#1]

Gerne wird auch "offiziell" mit "streng limitiert" kombiniert.

Wenn ich mir heute ansehe, was auf Auktionsplattformen an philatelistischen Hinterlassenschaften früherer Sammlergenerationen angeboten wird, oder was mir auf unseren monatlichen Vereinsabenden von Erben zur wertmässigen Einschätzung vorgelegt wird, gelange ich immer mehr zu der Überzeugung, dass derartige Wortkombinationen bei manchen Menschen die normalen Hirnfunktionen außer Kraft setzen und sie zur wehrlosen Beute macht. Hoffentlich empfinden die Opfer wenigstens Freude bei ihrem Tun. Mir wird bei Wahrnehmung derartiger Begriffe jedenfalls regelmäßig übel. Ich scheine zu meinem Glück immun gegen deren geheime Wirkung zu sein.

Mit streng limitierten offiziellen Sammlergrüßen
Jürgen
 
germaniafreund Am: 14.02.2011 23:57:33 Gelesen: 11287# 5 @  
@ Concordia CA [#4]

Hallo Jürgen,

es gibt noch bescheidenere Wörter wie "undurchsucht" und "Fundgrube" usw. Und damit es auch zum Thema passt, machen wir eben "offiziell undurchsucht" daraus.

Die Verkäufer lassen sich eben was einfallen und haben, so scheint es jedenfalls, Erfolg damit.

Einer der es besser weiß. ;-)

liebe Grüße Klaus
 
AfriKiwi Am: 15.02.2011 00:02:57 Gelesen: 11286# 6 @  
@ drmoeller_neuss [#3]
@ Concordia CA [#4]

Eine Bekanntmachung der Geschäftsleitung ist "offiziell", wenn sie im Rahmen der Geschäftsführung des Betriebes verlautbart wurde.

Gerne wird auch "offiziell" mit "streng limitiert" kombiniert.

Da kann ich beiden genau zustimmen.

So sind Personalisierte Briefmarken auch amtlich/offiziell nach Eurer Definierung.

Ein Übel der Zeit.

Erich
 
DL8AAM Am: 15.02.2011 09:13:58 Gelesen: 11254# 7 @  
@ Richard [#1] > Wie bitte definiere ich das allgemein gültige Wort "offiziell"

Das ist leider das Problem an dieser Art von Wörtern, es gibt keine gesetzliche Definition. Sprache entwickelt sich durch den (auch falschen) täglichen Gebrauch weiter. In der Sprachentwicklung "gilt" in etwa (sehr oberflächlich ausgedrückt) der Grundsatz, wenn von 1000 Leuten 900 es falsch machen, wird es richtig. Ursprünglich wurde das Wort offiziell aussschließlich, gemäß der Wort-Herkunft aus dem lateinisch officialis für "zum Amt gehörend", d.h. im behördlichen Zusammenhang verwendet, inzwischen ist es leider sehr aufgeweicht im Gebrauch. Viele traditionelle Dictionaries aus dem akademisch geprägten Umfeld (Duden etc.) setzen ihren Schwerpunkt dabei noch diese behördliche Herkunft. Die der Nutzung aber am nächsten kommenden Beschreibung findet sich bei Wikionary [1], dort heisst es unter Bedeutungen:

> 1. von einer dazu befugten Person oder Stelle ausgehend
> 2. in öffentlichem Rahmen

Gemäß dieser Definition kann offiziell auch bedeuten, dass es etwas von einer privaten Stelle (für sich) legitimiert ist, z.B. "Dieses ist die offizielle Homepage des Schützenvereins Florians von 1973 e.V., Göttingen". Das ist so formuliert korrekt, wenn der Schreiberling der Seite dazu vom Vorstand beauftragt bzw. legitimiert wurde. Zumindest kann keiner in diesem Fall für die Nutzung des Wortes offiziell "zur Rechenschaft gezogen" werden.

Deshalb, wenn man in Werbung das Wort "offiziell" liest, sollten sofort die Alarmglocken klingen und man sollte besser mal genauer hinschauen. Vielleicht will mir da jemand einen "behördlichen" Charakter vorgaukeln.

Apropos "limitiert", im Prinzip ist jedes Produkt limitiert, spätestens mit der Beendigung der Produktion ;-))

Eine Briefmarkenausgabe mit einer Auflagenhöhe von 100 Millionen Exemplaren ist limitiert ...

Gruß
Thomas

[1] http://de.wiktionary.org/wiki/offiziell
 
gestu Am: 15.02.2011 09:33:24 Gelesen: 11249# 8 @  
Ich bin der Meinung, dass in Bezug auf Briefmarken die Bezeichnung "offiziell" eigentlich nichts zu suchen hat. Denn bei Briefmarken handelt es sich immer um "offizielle" Ausgaben einer Post oder eines Landes.

Hat schon mal jemand "inoffizielle" Briefmarken angeboten? Oder, was vielleicht ja noch seltener wäre, "halboffizielle" Briefmarken?

Diese "Redewendung" ist nur eine "Verzierung" oder "Ausschmückung" in einer Beschreibung, um das angebotene Teil interessanter zu machen. Es ist die beste Möglichkeit, "Schrott" an den Mann oder an die Frau zu bringen.

Wenn ich einen Haufen Artikel hätte, die augenscheinlich nicht sammelwürdig sind, würde ich die Sachen in den Papierabfall werfen. Andere versuchen es dann mit "offiziell", "Kellerfund", "Dachbodenfund", "unberührt", "undurchsucht" usw. die Ware interessant zu machen und die "Goldgräberstimmung" hervorzurufen.

Nach meiner Meinung alles Blödsinn.
 
asmodeus Am: 15.02.2011 09:48:54 Gelesen: 11235# 9 @  
Das Wort "offiziell" wird in der Philatelie sehr gerne in seiner Bedeutung mißbraucht. Selbst Postverwaltungen benutzen es gerne, nur um ein Produkt seriöser zu machen. Das Wort offiziell löst bei noch vielen Menschen ein Vertrauen aus. Klar sind Postverwaltungen etc. eine Firma/Behörde, die einen offiziellen Charakter besitzen, aber bei Produkten, wie z.B. "Streng limitierte offizielle Schwarzdrucke der XY Post", sind für mich nicht offiziell, obwohl diese Verwaltung sie ausgibt und eine Anordnung darüber erlassen hat - das ist nur eine Verkaufsstrategie.
 
Martinus Am: 15.02.2011 12:28:34 Gelesen: 11216# 10 @  
Guten Morgen!

ich selbst bin gerade dabei mein Spezial Gebiet auszumisten, d.h. ich packe alle offiziellen Belege raus und packe sie in meine Tauschordner. Ich möchte lieber nur Belege oder Stempel haben, die auch echt gelaufen sind. Leider hat die Post der DDR und auch die Post von uns in den zurück liegenden Jahren viele Belege oder Gedenkblätter herausgebracht! Ich sammle Luther & co.. Denke vielen anderen geht es ähnlich!

Ich habe die Sachen rein genommen, weil ich der Meinung war, ohne diese bin ich nicht komplett. Schau ich mir einige Ausstellungen an, dann finde ich immer wieder "offizielle" Belege in den Rahmen wieder! Hier wäre vielleicht auch für mich mal eine Frage dran, wie viele Punkte bringt den ein "offizieller" Beleg mehr ein? Es geht hier nicht um den Wert oder die Wertigkeit, sondern vielmehr um die Chance 100 % zu erreichen!

Da ich gerade selbst dabei bin zwei Sammlungen für Ausstellungen zusammen zu bauen, wäre es schön, hier mal die Meinung von "erfahrenen" Sammlern ggf. Juroren zu hören! Es ist doch besser, man kann Fehler schon vorher ausmerzen!

lg Martinus
 
Lars Boettger Am: 15.02.2011 13:43:55 Gelesen: 11204# 11 @  
@ gestu [#8]

Hat schon mal jemand "inoffizielle" Briefmarken angeboten? Oder, was vielleicht ja noch seltener wäre, "halboffizielle" Briefmarken?

Natürlich! Viele Exilregierungen haben sich über "inoffizielle" Briefmarken finanziert - inoffiziell vom Standpunkt der Nicht-Exil-Regierung. Auch "halboffizielle" Briefmarken gibt es, d.h. Briefmarken, die z.B. von privaten Unternehmen oder Vereinen ausgegeben wurden, aber postalisch geduldet wurden.

Beste Sammlergrüsse!

Lars
 
gestu Am: 15.02.2011 18:25:57 Gelesen: 11181# 12 @  
Da bin ich anderer Meinung. Wenn man vom Begriff "offiziell" ausgeht, dann hat die Exilregierung von ihrer eigenen "amtlichen" Seite aus diese Marken "offiziell" herausgegeben. Die aktuelle Regierung wird das sicher anders sehen, aber von Seiten der Exilregierung ist es auf jeden Fall "offiziell". Auch ein privates Unternehmen oder ein Verein kann im eigenen Namen ganz "offiziell" Briefmarken herausgeben! Es sind dann die "offiziellen" Marken des Unternehmens oder des Vereins.

Und wenn ich etwas feierlich verkünden möchte, dann kann ich das auch im eigenen Namen ganz "offiziell" verkünden! Jedes Gebilde kann aus seiner Sicht etwas "offizielles" herausgeben oder verkünden. Das Wort "offiziell" ist nicht an irgendwelche Anerkennungen oder Statuten gebunden, es kommt immer auf den Herausgeber oder Verkünder an. Aus dessen Sicht ist alles immer "offiziell"
Wenn ich meine eigene Marke drucken lasse, kann ich auch ohne Probleme behaupten, das ist meine "offizielle" eigene Ausgabe. Was auch immer man davon halten mag.

Deshalb hat der Begriff offiziell mit Briefmarken im Grunde nichts zu tun.
 
petzlaff Am: 15.02.2011 18:48:42 Gelesen: 11175# 13 @  
@ gestu [#12]

Dem kann ich nur beipflichten.

Es gibt in solch einem Fall immer drei "Partner":

1) der/das ausgebende Staat/Land
2) die UPU
3) der/das Empfängerland einer Sendung

Aus Sicht von 1) sind besagte Ausgaben offiziell (Beispiele: Katanga, Biafra, Wiener Indonesien-Drucke vor der Unabhängigkeit ...).

Aus Sicht von 2) sind besagte Ausgaben nicht offiziell, da die ausgebenden Länder über die UPU keinen globalen Beförderungsvertrag haben.

Aus Sicht von 3) sind besagte Ausgaben eine hervorragende Einnahmequelle für Strafporto, da durch UPU nicht gedeckt.

So manches Mal werden aber "inoffizielle" Ausgaben philatelistisch posthum offiziell, nämlich genau dann, wenn die ausgebende politische Instanz plötzlich international anerkannt und auch in den Reigen der UPU-Länder aufgenommen wird. Dann werden schwuppdiwupp sogar total inoffizielle Vignetten ganz schnell zu "Vorläuferausgaben" - Beispiel: Israel vor Staatsgründung.

LG, Stefan
 
Lars Boettger Am: 15.02.2011 18:54:33 Gelesen: 11168# 14 @  
@ gestu [#12]

Als Philatelist gehe ich davon aus, dass es beim Briefmarkensammeln um amtliche (vulgo "offizielle") Ausgaben geht. Wenn Du jetzt eigene Briefmarken druckst, dann sind das Fantasiemarken, da es keinen Postverkehr gibt. Oder Du bietest eine eigene Postdienstleistung an, dann sind es Privatmarken. Damit werden es noch keine Marken der Deutschen Post AG oder eines anderen Unternehmens, das von einem Staat mit dem Briefmarkendruck beauftragt wurde.

Wie gesagt, die Sache ist nicht so einfach und es ist nicht alles "offiziell", nur weil man das für sich so festlegt. Das heisst nicht, dass "privat" nicht schnell "offiziell" werden kann. Als Beispiel dienen die privaten Schiffspostmarken der PNSC, die "per ordre de Mufti" zu Peru Nr. 1 und 2 wurden, und damit amtliche/offizielle Ausgaben sind.

Beste Sammlergrüsse!

Lars
 
drmoeller_neuss Am: 16.02.2011 16:24:07 Gelesen: 11133# 15 @  
@ Lars Boettger [#14]

Was machst Du im Falle unserer Nachbarn, den Niederlanden? Wie stufst Du die Marken mit dem Aufdruck "Nederland" ein?

Genau genommen sind es Privatpostmarken der TNT B.V.

In Deutschland wird es früher oder später auch nicht anders sein. Irgendwann wird unser Hobby ein abgeschlossenes Gebiet sein, wenn keiner mehr die Neuheiten chronologisch katalogisiert.
 
Lars Boettger Am: 16.02.2011 16:49:39 Gelesen: 11127# 16 @  
@ drmoeller_neuss [#15]

Ist die niederländische Post von der niederländischen Regierung mit der Markenausgabe betraut? Dann sehe ich einen offiziellen/amtlichen Charakter der Ausgabe.

Beste Sammlergrüsse!

Lars
 
Pete Am: 16.02.2011 18:30:26 Gelesen: 11112# 17 @  
@ drmoeller_neuss [#15]

Was machst Du im Falle unserer Nachbarn, den Niederlanden? Wie stufst Du die Marken mit dem Aufdruck "Nederland" ein?

Genau genommen sind es Privatpostmarken der TNT B.V.

In Deutschland wird es früher oder später auch nicht anders sein. Irgendwann wird unser Hobby ein abgeschlossenes Gebiet sein, wenn keiner mehr die Neuheiten chronologisch katalogisiert.


Genau genommen ist es in Deutschland zumindest teilweise bereits soweit. Die aktuellen Automatenmarken und die Dauerserie "Blumen" wurden/ werden von der Deutschen Post AG in Eigenregie entworfen, produziert und vertrieben. Die DPAG nutzt auch seit Jahren das Recht, bereits einmal als nassklebende Variante durch das Bundesministerium für Finanzen verausgabte Briefmarkenmotive zusätzlich als selbstklebende Variante bzw. als Plusbrief/ -karte an die Kunden zu bringen.

Gruß
Pete
 
wajdz Am: 15.04.2016 18:07:01 Gelesen: 6092# 18 @  
@ Seku

Die Baureihe 646 gehört zur Familie der Gelenktriebwagen (GTW), welche 1996 von der Firma Stadler (Schweiz) entwickelt wurde. Die in Deutschland verkehrende Variante des GTW 2/6 wurde im Design dem Trend der Deutschen Bahn AG Anfang der 1990er Jahre gestaltet und wird seit 2000 ausgeliefert. Seit 2008 wird die 4. Generation gefertigt, welche die seit dem selben Jahr geltenden EU-Crashnormen berücksichtigt.



MfG Jürgen -wajdz-
 
Seku Am: 16.04.2016 12:47:44 Gelesen: 5799# 19 @  
@ wajdz [#18]

Also ehrlich gesagt, mir sind offizielle Marken mit Gotthard-Staub lieber als irgendwelche personalisierte Marken, wie die mit dem 646er. Wer in seiner Region keine Privatpost hat, erlebt sowieso oft die übelsten Überraschungen. Darüber habe ich hier schon berichtet.

[Beitrrag [#18] teilweise und [#19] komplett kopiert aus dem Thema "Motiv Eisenbahnen"]
 
Richard Am: 16.04.2016 19:48:43 Gelesen: 5690# 20 @  
@ Seku [#19]

Die von wajdz gezeigte Marke ist eine offizielle Briefmarke der PIN.

Schöne Grüsse, Richard
 
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