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Thema: Prüfer für Kriegspropagandafälschungen 1. und 2. Weltkrieg
t.knörich Am: 23.06.2013 16:32:21 Gelesen: 8525# 1 @  
Hallo,

kann mir jemand Auskunft geben, welcher BPP-Prüfer dieses Gebiet bearbeitet ? Ich habe hier die Mi.Nr. 863 in entsprechender Ausführung, vermute allerdings einen Neudruck, die Marke war in einem größeren Lot enthalten.

Danke und beste Grüße
Timm


 
Lars Boettger Am: 23.06.2013 16:55:54 Gelesen: 8511# 2 @  
@ t.knörich [#1]

Hallo Timm,

das macht Roland Pieles, Indernbucher Strasse 17, 91790 Burgsalach

Prüfgebiet: Kriegs- und Propagandafälschungen im ersten und zweiten Weltkrieg Mi.-Nr. 1 - 35

Die Information bekommst Du aber auch über die Webseite des Prüferbundes: http://www.bpp.de

Beste Sammlergrüsse!

Lars
 
hajo22 Am: 23.06.2013 20:12:00 Gelesen: 8449# 3 @  
@ t.knörich [#1]

Kriegspropaganda 1. und 2. Weltkrieg prüft auch Herr Robert Brunel, 87665 Mauerstetten (VPP), info@brunel-online.de .

Hier aus meiner Sammlung ein echter Viererblock der von-Witzleben-Marke (Prop. Mi.Nr. 29):



Bei der von-Witzleben-Marke handelt es sich um eine britische Kriegspropagandafälschung von Ellic Howe, die sich an der deutschen Sondermarke zum 20. Jahrestag des Hitlerputsches am 9.Nov. 1923 (Mi.Nr. DR 863) in der Aufmachung orientiert.

Nach dem fehlgeschlagenen Anschlag auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde von Witzleben sofort mit den Putschisten in Verbindung gebracht und verhaftet. Am 7.8.44 wurde er am Volksgerichtshof in Berlin zum Tode verurteilt und am 8.8.44 gehängt (im Gefängnis Plötzensee an Fleischerhaken mit Nylon/Kunststoffdraht).

Die Propagandafälschung wurde in Bogen zu 20 Stück gedruckt (4 Marken quer, 5 Marken hoch). Auftraggeber war der britische Geheimdienst.

Technische Daten soweit mir bekannt: Druck: Rastertiefdruck; Zähnung 14 oder 14 1/2; Papier leicht grau; Gummierung grau, matt, ohne Riffelung (glatt); Auflage unbekannt. Gestempelt und auf Brief echt nicht bekannt.

Als der spätere Generalfeldmarschall noch in Amt und Würden war, gab es eine "Willrich"-Propagandakarte von ihm (noch im Dienstgrad Generaloberst) in der Serie "Männer der Westfront".

Hier die Abbildung:



Spionage- und Kriegspropagandafälschungen sind ein schwieriges, aber dafür spannendes Gebiet.

Literatur: Hosang, "Spionage- und Kriegspropagandamarken"; Wolfgang Baldus, "Die schwarze Post";

Schönen Sonntagabend
Jochen

PS: Die von Dir gezeigte v. Witzleben-Marke dürfte falsch sein, zu grob gerasterte Privatfälschung. Aber ggf. prüfen lassen zur Sicherheit.
 
hajo22 Am: 24.06.2013 12:19:05 Gelesen: 8379# 4 @  
Ein Wort noch zum Michelpreis für diese Marke. Im Michel-Spezialkatalog Band 1 von 2012 unter Nr. 29 geführt, wertet sie 600 € für postfrisch. Ich halte diesen Wertansatz für überhöht. Zwar ist die genaue Auflage nicht bekannt, aber nach einem Vermerk in Papieren des Londoner Imperial War Museums sollen 5.000 Bögen von der PWE (= Political Warfare Executive = Propagandaabteilung) an die SOE (= Special Operations Executive = nachrichtendienstliche Spezialeinheit während des II. Weltkriegs) Ende 1944 ausgeliefert worden sein. Demnach müßten 100.000 Exemplare existieren, eine schon recht ordentliche Auflage im Verhältnis zum Interessentenkreis, der nicht allzu groß sein dürfte. Wie viele Exemplare davon noch vorhanden sind, ist spekulativ. Die Marken tauchen aber regelmäßig auf vielen Auktionen auf, kürzlich wurde bei Fa. Gärtner ein Bogen für 5.200 € = 260 €/Marke, ohne Nebenkosten, versteigert, sie sind m.M. nach nicht wirklich selten.

Der im Michel-Spezial-Katalog von 2006 ausgewiesene Wertansatz von 350 €/Marke erscheint mir deshalb nach wie vor plausibler.

Schönen Tag.
Jochen
 
t.knörich Am: 02.07.2013 18:47:07 Gelesen: 8272# 5 @  
Allseits vielen Dank für die Rückmeldungen !

Beste Grüße

Timm
 
Richard Am: 04.02.2014 09:38:33 Gelesen: 7895# 6 @  
US-Geheimaktion im Zweiten Weltkrieg Sie haben Post!

Angriff per Briefträger: 1945 trugen die Amerikaner den Zweiten Weltkrieg in deutsche Postkästen. In einer aufwendigen Propaganda-Aktion fälschten sie Stempel und versandten Zehntausende subversive Briefe an deutsche Haushalte. Dabei hatten sie selbst verhindert, dass die Operation glücken konnte.

(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://einestages.spiegel.de/s/tb/29934/operation-cornflakes-us-geheimaktion-im-zweiten-weltkrieg.html )
 
Peter Stastny Am: 04.02.2014 10:46:45 Gelesen: 7879# 7 @  
@ hajo22 [#4]

260,- Euro / Marke ergibt mit Aufgeld von 22% bei Gärtner bei einer Michelnotierung von Euro 600,- einen Endpreis von über 50%. Und das noch dazu bei einem "Interessentenkreis, der nicht allzu groß sein dürfte". Der sich weiters um alle diejenigen reduziert, die sich mit einem Exemplar begnügen und daher als Interessenten für einen gesamten Bogen wegfallen.

Solche Auktionsendpreise bei anderer Bogenware würden sich viele wünschen.

Liebe Sammlergrüße
Peter Stastny, VPEX
 
hajo22 Am: 04.02.2014 14:50:21 Gelesen: 7834# 8 @  
@ Peter Stastny [#7]

Ich nehme an, der Bogen wurde evtl. von einem Briefmarken-Großhändler erworben, der z.B. die MWSt als Vorsteuer berücksichtigen kann und natürlich ganz anders kalkuliert als der kleine Sammler, der die Marke in seine Sammlung einfügt und für den sie (bis zur Sammlungsauflösung) keine Verkaufsware darstellt.

Großhändler starten Kampagnen und können dabei ihre Ware bis zum vollen Katalogwert (oder sogar darüber hinaus) verwerten.

Neben den Großhändlern gibt es auch Anleger, die keine Sammler sind und sich so einen Bogen einfach als Geldanlage "hinlegen".

Diesen Bogen kann man auch nicht als normale "Bogenware" betrachten, sondern so ein Bogen an sich ist eine kleine Rarität oder anders ausgedrückt: Der Bogen erzielt meiner Meinung nach einen höheren Preis als die Verkaufssumme der Einzelmarken ergeben würde.

Letztlich handelt es sich bei den Propagandafälschungen um ein wirkliches Spezialgebiet, das nicht jeden (Deutschland-)Sammler anspricht.

Deshalb halte ich den derzeitigen Michelansatz für zu hoch, das ist meine persönliche Meinung. Jeder kann anderer Ansicht sein.

In diesem Sinne einen schönen Tag.
Jochen
 
hajo22 Am: 04.02.2014 15:12:32 Gelesen: 7820# 9 @  
@ Richard [#6]

Vielen Dank für den Hinweis.

Bei dieser Gelegenheit darf ich zum Thema noch auf folgende Lektüre u.a. hinweisen:

- "Aktion Code-Wort "Cornflakes" 1944/45" (DBZ 12/85, Seiten 1928ff);
- "Cornflakes" vom Himmel (Emil Ludin: Michel-Rundschau 11/1986, Seiten 744ff.);
- "Die Kriegsfälschungen des O.S.S." (Joachim Hosang, Die Sammler-Lupe, Jahrgang 1954, Seiten 102/103);
- "Hitler-Totenkopfmarke" und ihre Fälschungen" (Michel-Rundschau 4/1977)

Viele Grüße
Jochen
 
Peter Stastny Am: 04.02.2014 15:40:48 Gelesen: 7806# 10 @  
@ hajo22 [#8]

Diesen Bogen kann man auch nicht als normale "Bogenware" betrachten, sondern so ein Bogen an sich ist eine kleine Rarität oder anders ausgedrückt: Der Bogen erzielt meiner Meinung nach einen höheren Preis als die Verkaufssumme der Einzelmarken ergeben würde.

Köhler Wiesbaden, 342. Los 2912, ** Einzelmarke, Zuschlag 260,- Euro.

Deine Meinung sei dir unbenommen, nur wie stufst du dann Michelansätze ein, die nicht über 50%, sondern um die 10% als Endpreis bringen?

Liebe Sammlergrüße
Peter Stastny
 
hajo22 Am: 04.02.2014 16:27:15 Gelesen: 7789# 11 @  
@ Peter Stastny [#10]

Zu Köhler: Sehr gut verkauft, zufällig zum gleichen Netto-Preis wie Einzelmarke aus dem Bogen.

Zu Michelansätzen kontra nur 10%ige Erlöse: Da mußt Du die Michelredaktion und nicht mich befragen. Der Michelkatalog war früher (vor längerer Zeit) ein "Bruttokatalog" (ich rechnete damals z.B. für meine Ankäufe mit ca. 1/3 Katalogansatz, der Handel pries seinerzeit auch Marken um 10% an), vielleicht kehrt er zu dieser Bewertungsmethode zurück, ich weiß es nicht.

Ursprünglich sollten die Wertansätze im Katalog vor allem die Wert-Relationen der Marken untereinander längerfristig widerspiegeln (so habe ich es im Gedächtnis). Heutzutage ändert sich die Mode/Sammeltätigkeit jedoch so schnell, daß ein Gebiet das gestern "in" war, heute "out" sein kann oder umgekehrt mit den entsprechenden schnellen Wertveränderungen.

Man kann noch endlos darüber philosophieren. Briefmarkensammeln ist Liebhaberei, man zahlt letztlich den Preis, den man für noch angemessen hält für das Sammelstück das die Sammlung weiterbringt. Dabei ist nicht jede Transaktion unbedingt "rational", es werden eben auch "Liebhaberpreise" bewilligt.

Schönen Tag.
Jochen
 
Richard Am: 06.02.2014 09:02:06 Gelesen: 7746# 12 @  
Als Nachtrag zu meinem Beitrag [#6] hier ein Link zu einer englischsprachige Seite, die ausführlich berichtet hat:

Operation Sauerkraut - The Story of Cornflakes, Pig Iron and Sheet Iron

Poison Cornflakes for Breakfast

SGM Herbert A. Friedman (Ret.)

Modified versions of this article were first published in the Society of Philatelic Americans Journal, Volume 34, No. 6, February 1972, and the German Postal Specialist, Volume 38, No. 2, February 1987. In addition, because the operation was both clandestine and involved postage stamps and postcards, the propaganda product is very collectable and has been written about in a number of WWII books and articles in the philatelic press. For instance, some of the books that mention the OSS propaganda campaigns are Anthony Cave Brown’s The Secret War Report of the OSS; R. Harris Smith’s OSS – the Secret History of America’s First Central Intelligence Agency; Neal H. Peterson’s From Hitler’s Doorstep – the Wartime Intelligence reports of Allen Dulles 1942-1945 and Kermit Roosevelt’s Top Secret – The Overseas Targets – War Report of the OSS. Of course, there were many more. I just read off the first few titles in my bookcase.

(Quelle und sehr ausführlich weiter lesen: http://www.psywarrior.com/Cornflakes2.html )

Schöne Grüsse, Richard
 
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