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Thema: Visitenkartenversand in unterformatigen Sendungen
fogerty Am: 23.10.2015 17:46:35 Gelesen: 7595# 1 @  
Eine spezielle Frage hätte ich noch, der 2. Brief hat die Ausmaße von 7,5 mal 11cm, bis in die 80er hinein wurden in Italien Visiten-und Glückwunschkärtchen auf diese Weise verschickt zum normalen Brieftarif. Habe aber noch nie eines aus Deutschland in die Hand bekommen, die Frage, gab es dieses Format nicht, gab es eine Mindestgröße oder einen speziellen Tarif dafür?
 
jmh67 Am: 09.12.2015 07:18:12 Gelesen: 7322# 2 @  
@ fogerty [#1]

Im Inlandsversand wurde die Unterschreitung der sonst empfohlenen Mindestgröße von Briefen (9 cm x 14 cm) oft wenigstens toleriert, manchmal auch erlaubt. Monaco hat sogar 1951 und 1955 extra Briefmarken im Kleinformat herausgegeben, damit die winzigen Umschläge für Visitenkarten bequemer frankiert werden konnten. Dann fällt mir noch das Stichwort "Damenbriefe" aus der Philatelie des 19. Jahrhunderts ein, aber damals gab es wohl noch keine Mindestmaße.

Bevor Royal Mail das "Pricing in proportion" einführte, konnten dort vor allem unterformatige Weihnachts- und sonstige Gruß- und Glückwunschkarten als ganz normale Briefe versandt werden, jetzt kosten sie extra und gelten als "Large letter" wegen der Formatabweichung ;-) Allerdings werden auch heute noch Briefumschläge, die etwas schmaler als 9 cm sind (3.5 Zoll = 8.89 cm), verkauft und weiter als normale Briefe akzeptiert. Fällt wohl noch unter Toleranz wie auch Fotos 9 cm x 13 cm als Postkarte. Bekannt ist aber auch ein Fall, wo jemand versucht hat, ein Stück Karton, das nicht viel größer als die Briefmarke war, als Postkarte zu versenden; der Empfänger mußte Nachgebühr zahlen, weil das Stück als (normaler) Brief behandelt wurde. Irgendwo bei stampboards.com ist eine Diskussion dazu, muß ich mal suchen, wenn ich Zeit habe.

Die Deutsche Post der DDR und die Deutsche Bundespost haben ebenfalls kleine Briefe toleriert, obwohl das Mindestformat 9 cm x 14 cm schon lange galt. Auch sehr schmale Objekte (Marzipanstange oder Rechenschieber im Karton) wurden als Briefe zur normalen gewichtsentsprechenden Gebühr akzeptiert. Später mussten solche Sendungen als Päckchen versandt werden, das kostet schnell mehr als der Inhalt.

Jan-Martin

[Beiträge [#1] und [#2] redaktionell verschoben aus dem Thema " Marconigramme"]
 
fogerty Am: 09.12.2015 15:43:28 Gelesen: 7262# 3 @  
@ jmh67 [#2]

Danke, Jan-Martin, für diese Erläuterungen. Hier noch ein Beleg aus der Schweiz, 7 cm x 11 cm, hier hat die Schweizer Postverwaltung doch so einiges toleriert, die Unterschreitung der Mindestgröße, die Frankatur an unüblicher Stelle, dazu wurde Meran noch in Österreich angesiedelt, trotzdem, der Brief fand, mit einem Sonderstempel von der Eishockey-WM 1971 in Bern, den richtigen Weg nach Meran!


 
Mondorff Am: 09.12.2015 16:17:16 Gelesen: 7244# 4 @  
Visitenkarten-Umschläge

In Luxemburg bestand bei Postsendungen im Inlandverkehr schon seit 1849 die besondere Verwendungsform Visitenkarten (im offenen Umschlag).

Seit dem 1.12.1929 war diese Sendungsform unterteilt in:

a) ohne handschriftliche Mitteilungen
b) mit maximal fünf handschriftlichen Mitteilungen
c) mit weiteren handschriftlichen Mitteilungen

mit unterschiedlichen Portostufen.

Die Einteilung hatte Bestand bis zu einem neuen Posttarif ab dem 1.1.1986, als diese besondere Behandlung in Drucksachen- und Tarif für Briefsendungen unterteilt wurde — auch im Zusammenhang mit der Automatisierung der Briefverteilung. Diese kleinformatigen Umschläge mussten nun (mit Porto-Aufschlag) per Hand sortiert werden.

Sendungen unmittelbar nach dem 1.1.1986 wurden mit einem (auf die Regulierung hinweisenden) Aufkleber versehen und mit Nachporto belastet.



Seit dem 1.1.1991 ist der Tarif Visitenkarten-Umschläge in Luxemburg abgeschafft.

Schönen Gruß
DiDi
 
Marcel Am: 09.12.2015 16:28:22 Gelesen: 7243# 5 @  
Es war ein Versuch!

Leider ist dieser fehlgeschlagen. Weihnachtsgrüße an meine Eltern vor 2 Jahren kamen zurück. Aufgegeben mit Privatpost, wollte mal sehen ob Citykurier den Brief 7x7 cm zustellt, stattdessen kam eine Marke drauf und ab zur Deutschen Post.

Tolerant war man sichtlich nicht, da ist die Post knallhart (auch zu Weihnachten). Nicht mal einen Stempel gab es.

Hier das Ergebnis:





schöne Grüße
Marcel
 
fogerty Am: 10.12.2015 18:05:24 Gelesen: 7169# 6 @  


Hier nun der kleinste in meiner Sammlung, 6 x 10 cm!
 
Manne Am: 11.12.2015 10:54:52 Gelesen: 7118# 7 @  
Hallo,

von mir drei Belege zum Thema, Finnland, Jugoslawien, Türkei.

Gruß
Manne



vom 23.12.1953 Maß 8 x 11,4 cm



vom 29.12.1943 Maß 6,5 x 12 cm



Datum nicht lesbar Maß 7 x 10,5 cm
 
fogerty Am: 27.02.2016 18:30:01 Gelesen: 6888# 8 @  


Tunesien 1955, 7 mal 11,50 cm
 
asmodeus Am: 27.02.2016 20:30:10 Gelesen: 6862# 9 @  
Wahrscheinlich kein Visitenkartenversand, aber ein Damenbrief aus Großbritannien vom 09.01.1841 und mit der Penny Black frankiert. Die Größe: 9,4 x 5,9cm.


 
briefefan Am: 27.02.2016 21:13:28 Gelesen: 6849# 10 @  
@ fogerty [#1]
@ jmh67 [#2]

In Deutschland waren die Mindestmaße für Briefe ab 1.7.1934, für Postkarten ab 18.7.1933, für beide bis 31.7.1964 10,5 x 7,4 cm.

Ab 1.8.1964 war für Briefe mit einer Höhe bis 0,5 cm das Mindestmaß 14 x 9 cm, für Briefe mit einer Höhe über 0,5 cm war das Mindestmaß 10 x 7 cm.

Diese Maße wurden am 1.4.1986 wieder geändert.

Quellen:
Postgebührenkatalog 1923 bis 1945, von Rainer E. Lütgens 1986
Postbuch 1945 bis 1962, von Werner Steven 1994.
 
Mondorff Am: 27.02.2016 21:30:57 Gelesen: 6844# 11 @  
Drei Kleinformate, sog. Visitenkarten-Briefchen, hätte ich noch:



Belgien - mit Stempel BRUXELLES vom 1310.1938 / 9,3 cm x 5,5 cm




Deutsche Besetzung Belgien mit Stempel ARLON 4.8.1916 / 10,1 cm x 6 cm

und



Saargebiet mit Stempel REDEN vom 2.1.1935 / 9,7 cm x 5,6 cm

Schönen Gruß
DiDi
 
juni-1848 Am: 28.02.2016 04:05:30 Gelesen: 6806# 12 @  
Moin zusammen,

einen kleinen Beleg mit großer Wirkung mag ich zur sonntäglichen Unterhaltung beisteuern:

Als Antwort auf einen meiner schrägen Aprilscherze erhielt ich ein paar Monate später einen Semesterferiengruß: "Zur Bestätigung des Fortschritts zur Bekämfpfung des Heftpflasterkäfers jetzt ein Hansaplast (auch verpackt)..."



Am 29.7.85 legte eine junge Dame dem Schalterbediensteten des Postamts 1 in Münster ein Heftpflaster im Format 9,2 x 3,3 cm vor, mit der Bitte, es als Warenprobe (50 Pf.) zu versenden.

Leider würde ein uncouvertiertes Haftpflaster nicht den Vorgaben einer Warenprobe genügen, erklärte der Postler pflichtbewusst und verschwendete angesichts ihrer Vollweibfigur keine überflüssigen Gedanken an Mindestmaße. Er beklebte die Sendung mit einer Mi. 1254 (60 Pf., Weltpfadfinderkonferenz 1985 in München), die dem seinerzeitigen Porto für Postkarten entsprach. Auf die Frage, ob die den auch wirklich ankäme, soll jener Münsteraner Humor bewiesen haben: "Also ich an Stelle des Empfängers würde mich doppelt freuen, wenn Sie mir den Gruß persönlich..."

Die Sendung war stolze 16 Tage unterwegs - bis der Postbote sie rein zufällig im Bodensatz seiner Posttasche wieder entdeckte. Auch er - Münsteraner - bewies Humor, schellte mich weit nach Mittag extra ein zweites Mal vom Schreibtisch hoch und verlas - die Brille auf der Nasenspitze - mit der jovialen Einleitung "Ein zierlicher Gruß der Liebreizenden" den Text persönlich.

Nicht vorenthalten möchte ich Euch, dass er sich mit hochroten Ohren verabschiedete, als die Liebreizende plötzlich hinter ihm stand, vom Radfahren bei guten 30 Grad Sonne quer durch die Stadt so gründlich durchgeschwitzt, dass ihm selbst bei dieser Hitze und ohne Brille das Wörtchen "zierlich" auf der Zunge gefror.

Da sage noch einer, "Beamte" kennen nur ihre Paragraphen!

Schmunzelnde Sammlergrüße,
Werner
 
teenage_dirtbag Am: 28.02.2016 10:22:05 Gelesen: 6778# 13 @  
Hier eine Sendung als Postkarte (100 Pfennig) vom August 1998, ein dickerer Papierstreifen (auf der Rückseite eine Sommerfest-Einladung) im Format 18,7 x 6,0 cm - und somit in der Breite unter dem Mindestmaß. Das Nachentgelt von 300 Pfennig wurde vermerkt, allerdings vom Zusteller wieder durchgestrichen und nicht eingezogen. Er wollte nicht so kleinlich sein.


 
giuseppeaqua Am: 28.02.2016 15:13:21 Gelesen: 6754# 14 @  
In der Schweiz gab es gleich mehrere Kleinformate:

Im Bild 2x 6,3 cm x 10,3 cm, 7,7 cm x 11,8 cm und 2x 7,2 x 13,2 cm.

Alle an die gleiche Traueradresse und mit den Rasierklingenstempeln Kategorie 5.03 aus Chur.


 
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