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Thema: Einführung der Postleitzahlen im Deutschen Reich
dr31157 Am: 27.04.2019 20:43:28 Gelesen: 1501# 1 @  
Hallo zusammen,

mir ist bekannt, dass die Einführung der PLZ am 25.07.1941 zunächst für den Paket- und Päckchendienst und am 19.10.1943 auch für den Briefverkehr vom Reichspostministerium verfügt wurde.

Was ich leider nicht weiss ist, zu welchem Datum die Verordnungen in Kraft traten. Ich bitte um Info.

Gruß Detlef
 
mausbach1 Am: 28.04.2019 08:27:09 Gelesen: 1452# 2 @  
Die richtige Bezeichnung lautet PGLZ = "Post-Gebiet-Leit-Zahl".
 
filunski Am: 29.04.2019 11:21:59 Gelesen: 1367# 3 @  
@ dr31157 [#1]
@ mausbach1 [#2]

Hallo zusammen,

diese Ordnungszahlen hießen bei Einführung tatsächlich auch Postleitzahlen oder Regionalzahlen, sie beruhten auf den schon bestehenden Ordnungszahlen der Reichspostdirektionen ergänzt wo nötig durch den Zusatz eines Kleinbuchstabens (a oder b). Zuerst bezeichneten sie die sogenannten Päckchenleitgebiete, PnLG (1941) und dann erweitert (1943) für den gesamten Postverkehr auf die sogenannten Briefleitgebiete, BfLG. Daraus entstand dann, so vor allem nach Kriegsende bezeichnet, der Begriff Postgebietsleitzahlen.

Ihr habt also beide Recht. ;-)



Verfügt wurde das alles, zuerst 1941, Einführung von Päckchenleitgebieten zum 1. September 1941 im Amtsblatt des Reichspostministeriums Nr. 68 vom 25. Juli 1941, Amtsblatt-Vfg. Nr. 407/1941:

"Für die Leitung der Päckchen ist das Reichspostgebiet einschl. Generalgouvernement und Protektorat Böhmen und Mähren in 24 Päckchenleitgebiete (PnLG) eingeteilt, die je einen oder mehrere RPD-Bezirke usw. umfassen..."

Dann 1943, Einführung von Briefleitgebieten zum 15. November 1943 in der Anweisung für den Briefverteildienst nach Briefleitgebieten (Briefverteildienst-Anweisung). Vfg. I 2140-6 vom 19. Oktober 1943:

"Das Reichspostgebiet ist in Briefleitgebiete (BfLG) aufgeteilt, die - von einzelnen Unterteilungen abgesehen - nach Abgrenzung, Nummern und Benennung den Päckchenleitgebieten entsprechen."



Viele Grüße,
Peter
 
dr31157 Am: 29.04.2019 15:46:40 Gelesen: 1320# 4 @  
@ filunski [#3]

Hallo Peter,

vielen Dank für die ausführliche Info.

Gruß Detlef
 
dr31157 Am: 29.04.2019 16:30:55 Gelesen: 1306# 5 @  
@ filunski [#3]

Hallo Peter,

ich habe noch eine Frage an den Fachmann:

Nach meinen Unterlagen wurde am 21.04.1944 verfügt, dass die Postleitzahlen auch in die Poststempel eingefügt werden müssen. Hierzu fehlt mir leider auch noch das Datum des Inkrafttretens.

Kannst Du mir bitte weiterhelfen?

Gruß Detlef
 
filunski Am: 30.04.2019 14:28:00 Gelesen: 1256# 6 @  
@ dr31157 [#5]

Hallo Detlef,

das ist auch nicht so einfach rauszukriegen.

Bereits auf Grund einer postinternen Entscheidung vom 8.3.1944 sollte die PLZ grundsätzlich der Ortsangabe im Tagesstempel vorangesetzt werden, bei begründeten Ausnahmefällen kann sie im Feld oberhalb des Datums stehen. Dazu gab es dann aber später noch ganz andere kreative Lösungen.

Im Amtsblatt des Reichspostministeriums Nr. 56 vom 6. Juni 1944, Amtsblatt-Vfg.Nr. 175/1944 sind nachträglich die aktuellen Normvorschriften für die Stempelherstellung veröffentlicht worden. D.h. sie waren also schon in Kraft, ab wann genau? Wahrscheinlich ab dem von dir genannten Datum, 21.4.1944, an dem diese Verfügung zur Aufnahme der PLZ in den Poststempeln erging. Diese liegt mir aber leider nicht vor und ich konnte sie auch nicht im Originalwortlaut finden.

Die Firma Frankotyp (AFS Maschinen) hatte sich bereits im Februar 1944 Gedanken und Vorschläge gemacht zur Einarbeitung der neuen PLZ in die Stempelgeräte.

Aus den Auslieferungsbüchern des Stempelherstellers Braungardt kann man auch sehen, dass die Implementierung der PLZ in die Stempelgeräte nicht so schnell und ab einem festen Datum geschah.

Erste neue Stempel der Fa. Braungardt mit der PLZ wurden ab dem 5.5.1944 an die Reichspost ausgeliefert, ausschliesslich Leitgebiet 9a (Reichsgau Oberschlesien), hier ein solches Beispiel:



Andere Leitgebiete folgten dann erst ab dem 22.5.1944, hier ein Beispiel aus dem Leitgebiet 13b (südl. Bayern, hier Reichsgau Schwaben):



Es wurden aber auch nach dem 21.4.1944 (Datum der Verfügung) noch Stempelgeräte ohne die PLZ ausgeliefert.

Hier zwei Beispiele dazu:



Ab Ende Mai 1944 weisen dann alle neuen Stempelgeräte die PLZ auf. Daneben wurden auch zahllose (aber lange nicht alle) alte Stempelgeräte aptiert (z.T. auf recht "abenteuerliche" Weise) um die neuen PLZ aufzunehmen.

Viele Grüße,
Peter
 
dr31157 Am: 30.04.2019 16:44:02 Gelesen: 1237# 7 @  
Hallo Peter,

vielen Dank für Deine intensiven Recherchen.

Ich konnte auch nichts finden. Der 2. Weltkrieg war im Endstadium und davon blieb das Reichspostministerium nicht verschont. Ich hab eine Postkarte, darin teilte am 15.03.1943 ein Briefmarkenfachgeschäft aus Friedrichsthal in Oberschlesien seinem Kunden mit, das er leider seine Bestellung nicht bedienen kann, da das Reichspostministerium die Lieferungen aus Personalmangel an die Abonnenten eingestellt hat.

Die Postbediensteten hatten wohl in dieser Zeit ganz andere Sorgen als die Verfügung zur Umrüstung der Poststempel zeitnah umzusetzen. Ich sammele das Gebiet "Deutsches Reich" erst seit einem Jahr, das bedeutet das mein Wissen und ich mit meiner Sammlung noch in den Anfängen mit vielen Lücken bin. Ich habe bislang nicht gezielt nach Korrespondenzen mit Postleitzahlen bis Ende des 2. Weltkrieges gesucht und noch keinen Beleg in meiner Sammlung. So erscheint es mir mit der Umsetzung der Aufnahme der Postleitzahlen sehr sehr schleppend vorangegangen zu sein. Nach meiner Sammlung zu urteilen führten die Postämter Potsdam, Arnsberg, München, Burghausen, Bückeburg, Göttingen, Passau und Oldenburg im August/Nov. 1944, sowie Berlin-Charlottenburg, Viktring und Dürmentingen noch im Febr./März 1945 nicht entsprechend umgerüstete Poststempel.

Nochmals vielen Dank und ich hoffe, dass Du und Deine Mitstreiter im Forum mich weiterhin so gut aufnehmen und unterstützen.

Gruß Detlef
 
JohannesM Am: 30.04.2019 17:41:42 Gelesen: 1217# 8 @  
Mein frühester von Halberstadt ist aus dem Oktober 1944, ansonsten gibt es noch Aptierungen, die aber später datieren.



Beste Grüße
Eckhard
 
Manne Am: 01.05.2019 09:46:34 Gelesen: 1152# 9 @  
Hallo,

zwei aptierte Maschinen-Werbestempel aus Schwenningen kann ich zeigen.

17.10.1944 und 09.01.1945.

Gruß
Manne


 
bovi11 Am: 01.05.2019 10:49:58 Gelesen: 1138# 10 @  
Hier 2 Karten von 1943 mit dem Hinweis

Dein Brief kommt schneller an! - Verwende Postleitzahlen!



und hier die erste Nachkriegskarte:


 
filunski Am: 01.05.2019 14:48:44 Gelesen: 1112# 11 @  
@ JohannesM [#8]
@ Manne [#9]
@ bovi11 [#10]

Hallo zusammen,

sehr schöne Ergänzungen zum Thema, vor allem auch die Karten von bovi. Danke fürs Zeigen! ;-)

Da das Thema ja anscheinend Gefallen findet noch ein paar Beispiele zu den Aptierungen.

Bei Einführung der PLZ befand sich Deutschland ja schon im fünften Kriegsjahr und sowohl materielle wie auch personelle Engpässe waren überall an der Tagesordnung. Dies hatte natürlich auch Einfluss auf das Postwesen und an eine großartige Neuanschaffung und Austausch aller oder auch nur vieler Stempelgeräte war überhaupt nicht zu denken und so behalf man sich eben mit Aptierungen (nachträgliches Einfügen der PLZ in bestehende Stempel). Auch das schaffte man lange nicht bei allen Stempelgeräten, selbst bis zur Einführung der neuen 4-stelligen PLZ in der BRD im Jahre 1962 waren noch immer nicht alle Stempelgeräte entsprechend umgerüstet. Viele der Aptierungen wurden auch erst nach Kriegsende vorgenommen. Die Vorgehensweise war dabei manchmal recht "kreativ".

Der "Normalfall" und so auch vorgesehen sah so aus:



Die PLZ, in Klammern, oder auch im Kreis wurde dem Ortsnamen voran gestellt. Diese Aptierungen sind leicht an der dadurch nicht mehr vorhandenen und bei Stempeln immer peinlichst beachteten Symmetrie zu erkennen.

Eine andere Methode war, die PLZ in das freie Feld unterhalb des Bogens vom Ortsnamen einzufügen:



Dies wandte man auch oft bei noch älteren Stempeln aus der Zeit vor Einführung des deutschen Normstempels (1931) an. Gerade in der Nachkriegszeit kamen viele dieser alten Stempelgeräte aus Materialmangel wieder zum Einsatz:



Aber gar nicht mal so selten findet man auch noch ganz andere Lösungen, so wie diese hier aus Gerolzhofen!



Und dann waren da ja auch noch die mit Nazi-Sprüchen und Symbolen versehenen Tagesstempel von Städten wie Frankfurt, München, Nürnberg oder Stuttgart. Die Stempelgeräte benötigte man dringend, denn gerade in diesen Großstädten gab es fast keine anderen mehr. Diese wurden dann teilweise mehrmals aptiert. Zuerst entfernte man die Sprüche ("Stadt der oder des sowieso...") und vor allem die Hakenkreuze. Dadurch gab es dann auf einmal viel Platz im Stempel und dort wo vorher das Hakenkreuz prangte kam jetzt die neue PLZ rein. Hier ein Beispiel aus Nürnberg:



So, damit erst mal wieder genug. ;-)

Viele Grüße,
Peter
 
Stempelfreund Am: 14.07.2019 15:37:25 Gelesen: 754# 12 @  
Hallo,

einen Stegstempel von Dresden (nicht der beste Abschlag) in den die Postleitzahl 10 im Kreis eingefügt worden ist.



Gruß vom Stempelfreund
 
Stempelfreund Am: 18.07.2019 17:43:43 Gelesen: 677# 13 @  
Hallo,

hier kommt noch ein aptierter Stempel, diesmal von Eichstätt. Hier wurde die Postleitzahl unten zwischen den Regionalzusatz und den Unterscheidungsbuchstaben eingefügt.



Grüße vom Stempelfreund
 
Jürgen Witkowski Am: 18.07.2019 18:12:45 Gelesen: 666# 14 @  
@ JohannesM [#8]

Aus Halberstadt kann ich einen Stempel vom 27. Mai 1944 zeigen.

Siehe auch: https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=207476



(19) Halberstadt 1 n vom 27.5.44

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Pete Am: 14.12.2019 17:00:32 Gelesen: 293# 15 @  
Das heutige Österreich als damalige sog. "Ostmark" sowie die im heutigen Slowenien gelegene Untersteiermark erhielten 1941 die Postgebietleitzahlen 12a und 12b.

Im nachfolgenden Fall scheint es sich um ein neu angeschafften Stempelkopf zu handeln, zumindest wirkt die Stempelinschrift nicht dezentriert, was sonst ein Hinweis auf eine Aptierung, hier den nachträglichen Zusatz des Postleitgebietes "12a" gewesen wäre.



Sendung vom 04.11.1944 aus Wien nach Neunkirchen, Maschinenstempel "12a Wien"

Gruß
Pete
 
bernhard Am: 20.12.2019 16:07:52 Gelesen: 238# 16 @  
@ Pete [#15]

Ein spannendes Gebiet. Außer den ehemaligen jugoslawischen Gebieten (Untersteiermark, Oberkrain, Südkärnten) wurden auch sudetendeutsche Gebiete in die "Ostmark" integriert.

In den alten österreichischen Stempeln wurde die PLZ ebenfalls aufgenommen, nachfolgend ein Beispiel.



(12a) Aflenz Kurort b, 06.10.1944

Viele Grüße
Bernhard
 
Pete Am: 21.12.2019 11:32:48 Gelesen: 195# 17 @  
@ bernhard [#16]

In den alten österreichischen Stempeln wurde die PLZ ebenfalls aufgenommen, nachfolgend ein Beispiel.

Danke für die Abbildung! Ich hatte eine derartige Aptierung bei alten österreichischen Tagesstempeln (als handgezeichnete (?) Abbildung) in dem Büchlein Nr. 146 der Poststempelgilde [1] gesehen, dies allerdings bisher (seit Jahren) noch nicht in Natura. Ich war deswegen quasi am zweifeln, ob diese Art der Ergänzung der PGLZ überhaupt existiert. Dies ist dank deines Beleges nun geklärt.

Es dürfte noch interessanter werden, eben jene aptierten Stempel mit Postgebietsleitzahl aus Österreich, welche der Stempelform nach vor 1938 produziert wurden, auch nach der Wiederherstellung der staatlichen Unabhängigkeit (Mai 1945) postalisch belegen zu können. Allgemein wurden die PGLZ 12a und 12b im Stempel im Einzelfall einige Monate bzw. wenige Jahre weiterverwendet.



Sendung aus Bregenz in Österreich nach Krumbach in Deutschland vom 28.11.1945, aptierter Handstempelabschlag aus Bregenz mit der Postgebietsleitzahl 12b

Gruß
Pete

[1] Heft Nr. 146 der "Neue Schriftenreihe der Poststempelgilde e.V.", Autor Günther Borchers: "Einführung der Postleitzahl bis zum 08.05.1945" (Seite 57)
 
bernhard Am: 21.12.2019 11:43:23 Gelesen: 189# 18 @  
@ Pete [#17]

Hallo Pete,

die PLZ-Stempel wurden in Österreich noch einige Jahre weiterverwendet. Im Jahre 1948 wurden viele zurückgezogen oder aptiert. Nachstehend als Beispiel eine Kopie vom Rechner.



(12b) Feldkirchen Kärnten b, 09.11.1947

Viele Grüße
Bernhard
 
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