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Thema: **** Luftfeldpost-Brief von Dortmund - zurück
1 Pf Am: 04.06.2020 07:10:26 Gelesen: 1058# 1 @  
Luftfeldpost-Brief von Dortmund - zurück

Hallo,

was tun ? Öffnen ?

Ich habe einen Luft = Feldpostbrief, der am 11.5.44 in Dortmund aufgegeben wurde. Der Brief ging zurück und wurde bis heute noch NICHT geöffnet.

Folgende Fragen habe ich zu diesem Beleg:

- WELCHE LUFTFELDPOST - Marke ist das ?
- Text - Zurück - " Empfänger ........?
- Sollte der Brief lieber geschlossen und der Inhalt somit ein ewiges Geheimnis bleiben ?

Ist doch irgendwie spannend.

Bedanke mich für Die Hilfe.


 
Lars Boettger Am: 04.06.2020 08:10:35 Gelesen: 1039# 2 @  
@ 1 Pf [#1]

Das dürfte die durchstochene Marke sein, MiNr. 1B - ich würde mir hier ein größeres Bild der Marke wünschen, um ganz sicher zu sein. Ich lese dort Zurück - Empfänger verunflt. (verunfallt] - bin aber auch nicht zu 100% sicher. Das ist Deine Entscheidung, ich vermute, dass der Text sehr persönlich sein wird. Ich würde den Kartenbrief nicht öffnen.

Beste Grüße!

Lars
 
charly999 Am: 04.06.2020 09:13:08 Gelesen: 1026# 3 @  
@ 1 Pf [#1]

Der Brief wurde in Braunschweig aufgegeben, nicht in Dortmund.

Die FpNr 33490 gehört zur Stabskp Panzerdivision Hermann Göring, sowie zu einem Verbindungsstab dieser Division. Sie war im Mai 44 in Italien im Einsatz.

Der Empfänger wurde vermißt, weshalb der Bf zurückging. Ich würde den Bf nicht öffnen. Er sieht wie ein Kartenbf aus, da ist die Gefahr groß, ihn zu beschädigen. Ein historisch bedeutender Inhalt ist in 99,95% aller Fälle nicht zu erwarten.

Merkwürdig ist jedoch die Luftfeldpostmarke. Nach Italien gab es keine Luftfeldpost, die Marke war überflüssig. Als Erklärung habe ich nur Unkenntnis des Absenders.

charly999
 
volkimal Am: 04.06.2020 09:57:29 Gelesen: 1010# 4 @  
@ 1 Pf [#1]

Hallo 1Pf,

charly999 hat recht. Der Brief an den Obergefr. Hermann wurde in Braunschweig aufgegeben, nicht in Dortmund.

Als Absender ist angegeben: Eli Hornburg, Rautheim 18 ü./ Braunschweig.
Leichter wäre das Entziffern des Ortes gewesen, wenn der Brief bei der entsprechenden Poststelle aufgegeben worden wäre [1]

Der nachträglich auf der Vorderseite notierte Text lautet "Zurück, Empfänger vermißt".

Ich denke auch, dass der Brief verschlossen bleiben sollte.

Viele Grüße
Volkmar

[1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=132431
 
1 Pf Am: 04.06.2020 11:23:44 Gelesen: 993# 5 @  
@ Lars Boettger [#2]

Hallo,

Danke - Natürlich steht da Braunschweig.

Habe die Marke nochmal eingescannt.

Wie sieht es wertmäßig für diesen Beleg aus ?

Werde den Brief jedenfalls verschlossen lassen. Ist einfach - Zeitgeschichte - für mich.



Danke an alle für die interessanten Infos zu dem Beleg.

Gruß
1 Pf
 
Lars Boettger Am: 04.06.2020 12:10:20 Gelesen: 976# 6 @  
@ 1 Pf [#5]

Vielen Dank! MiNr. 1B. Man sieht den Durchstich jetzt gut. Ich schätze den Handelswert auf einen niedrigen einstelligen Eurobetrag.

Beste Grüße!

Lars
 
saintex Am: 04.06.2020 14:27:23 Gelesen: 945# 7 @  
@ 1 Pf [#1]

Einige Anmerkungen von mir zur Ergänzung der bisherigen Beiträge:

Die Feldpostnummer 33490 war laut Kannapin [1] dem Artillerie-Regiment 150 (nicht Panzer Division Hermann Göring) zugewiesen. Das Regiment nahm 1944 an der Schlacht um die Krim teil und wurde bei den Gefechten um Sewastopol im Mai 1944 weitgehend vernichtet [2]. Damit erklärt sich auch historisch der handschriftliche Vermerk auf der Vorderseite des Luftfeldpostbriefes „Zurück- Empfänger vermisst“. Es ist davon auszugehen, dass der Empfänger des Briefes bei den Kämpfen um Sewastopol gefallen ist oder in russische Kriegsgefangenschaft geriet. Diesbezüglich besteht die Möglichkeit, über die Internetseite des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge nach dem Schicksal des Empfängers online weiter zu recherchieren.

Der Luftfeldpostdienst an die Ostfront dürfte bis zur vollständigen Räumung der Krim über das Schwarze Meer im Mai 1944 in Betrieb gewesen sein, was auch die bedarfsgerechte Verwendung der Luftfeldpost-Zulassungsmarke erklärt [3].

Was nach meiner Ansicht den Wert dieses Luftfeldpostbriefes steigert, ist die Tatsache, dass bei diesem Luftfeldpostbrief der historische Hintergrund und die militärischen Aktivitäten, in die der Empfänger einbezogen war, aufgrund des Stempeldatums und der Feldpostnummer schlüssig nachvollzogen werden können.

saintex

Quellennachweise

[1] Kannapin, Die deutsche Feldpostübersicht Band II, Osnabrück 1981 Seite 254
[2]http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Gliederungen/ArtReg/AR150.htm
[3] vgl. ausführlich zum Luftfeldpostdient Osten im zweiten Weltkrieg Schmitt/Gericke in: Archiv für deutsche Postgeschichte Heft 1 (1969) Seite 54ff.
 
1 Pf Am: 04.06.2020 17:07:32 Gelesen: 914# 8 @  
@ saintex [#7]

Vielen Dank für diese weiteren Infos.

Gruß

1 Pf
 
charly999 Am: 04.06.2020 19:03:49 Gelesen: 893# 9 @  
@ saintex [#7]

Die FpNr ist korrekt entschlüsselt, ich bin beim Lesen in der Zeile nach unten verrutscht. HG ist 33491.

Der Buchstabe A hinter der Nr war dem Stab der 2.Abteilung des Regiments zugeteilt, das zur 50. Infanteriedivision gehört, die im Mai 1944 auf der Krim weitgehend vernichtet worden ist. Reste gelangten nach Evankuierung durch die Kriegsmarine nach Rumänien. Die Division wurde ab 3.6.44 im Reichsgebiet wieder aufgestellt und behielt die alten FpNr (Tessin, Verbände und Truppen der Wehrmacht und Waffen-SS im 2. WK, Band 5, S.162f).

Das erklärt dann auch die Luftfeldpostmarke, wobei der LuftfpDienst am 24.7.44 eingestellt wurde [1].

charly999

[1] http://www.stalingrad-feldpost.de/Einfuhrung/Organisation/Belehrung/Fp-Sendungen/Fp-Dienste_Sonderaufg_/luftfeldpost.html
 
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