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Thema: Polnische Tagesstempel auf Briefmarken des Deutsches Reichs
Das Thema hat 26 Beiträge:
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BD Am: 01.02.2010 21:11:50 Gelesen: 25085# 2 @  
Hallo Pete,

im Band 51 der Infla-Reihe von Herrn Bechthold ist ein Beleg von Tuchola (deutsch Tuchel) abgebildet, wo noch am 17.3. Marken der Serie Deutsche Nationalversammlung verwendet wurden.

Ein polnisches Infla-Mitglied informierte, das der Postbetrieb nach der Übergabe an Polen weiterfunktionierte und auch weiterhin deutsche und österreichische (!) Marken weiterverwendet wurden. Es wurden deutsche, aptierte deutsche und polnische Stempel (Monat in römischen Zahlen!) nebeneinander verwendet.

Solche Belege sind sehr selten.

Mit besten Grüssen Bernd


 
BD Am: 01.02.2010 21:20:29 Gelesen: 25079# 3 @  
Nachtrag: Die Marken, die nicht für Auslandspost eingesetzt werden durften, im Ausland verwendet wurden, finde ich schon etwas lustig.

Bernd
 
Hermes65 Am: 29.11.2010 21:59:44 Gelesen: 24517# 4 @  
Konnte gerade diesen Brief ergattern - weil ich dank euch wusste, dass solche Briefe wohl doch selten sind - er zeigt das, was ihr hier u. a. besprochen habt:

Polen 102-103 und DR 85 u. 87 II und 107, gestempelt "BYDGOSZCZ" 11. 2. 20 auf einem Ortsbrief.

Gruß
Manfred
 


Polen-Anton Am: 15.01.2011 15:50:01 Gelesen: 24300# 5 @  
Liebe Sammlerfreunde,

im Fischer 2010, Band 1 auf Seite 48, steht dass deutsche Marken bis März 1920 verwendet werden durften. Somit sind alle abgebildeten Belege regelgerecht freigemacht worden. Das Verhältnis zwischen deutscher und polnischer Mark war 1 : 1. Auch kommen deutsche Ganzsachen mit polnischer Zusatzfrankatur vor.

Deutsche Stempel werden noch sehr lange nachverwendet. Mir sind Belege aus den dreissiger Jahren mit deutschem Gitterbrückenstempel bekannt (von Zaniemysl.

Einen schönen Sammlergruss,

Polen-Anton
 
Postgeschichte Am: 15.01.2011 16:35:45 Gelesen: 24291# 6 @  
@ Polen-Anton [#5]

Hallo Polen-Anton,

der (polnische) Postort Zaniemysl ist seit 1921 nachgewiesen. Einen Deutschen Postort mit diesem Namen hat es nicht gegeben. Der Ort Zaniemysl, zu deutsch Santomischel, lag im Bezirk Posen. Daher muß es sich bei dem Kreisstegstempel Zaniemysl um einen polnischen Stempel handeln, oder wurde der deutsche Name entfernt und der polnische eingesetzt? Dies kann ich mir unter den damaligen Verhältnissen nicht vorstellen.

Deutsche Stempel wurden in der Tat noch sehr lange von der polnischen Postverwaltung verwendet. Ich kann leider keinen Beleg zeigen, da außerhalb meines Sammelgebietes. Ich bin aber sicher, daß Du noch weitere Beispiele bringen kannst.

Gruß
Manfred
 
rostigeschiene Am: 21.12.2013 23:19:41 Gelesen: 20815# 7 @  
Bei Durchsicht meiner Dubletten ist mir diese Marke in die Pinzette gekommen. Sie ist auch in Bydgoszcz mit eben diesem adaptierten Reichspoststempel, wie von Pete schon gezeigt, entwertet worden.



Da ja in den Beiträgen hier schon näher darauf eingegangen wurde und das Wesentliche dazu niedergeschrieben ist, habe ich auch keine Frage. Ich wollte sie nur noch den Interessierten zeigen.

Frohe Feiertage Werner
 
Pete Am: 26.12.2013 15:25:38 Gelesen: 20755# 8 @  
@ rostigeschiene [#7]

Derartige Stücke sind scheinbar selten, zumindest ist mir seit dem ersten Beitrag zu diesem Thema kein zweites Stück mehr über den Weg gelaufen.

Die umgekehrte Variante scheint man einfacher zu finden: Polnische Marke, entwertet mittels deutschem (weiterverwendeten) Tagesstempel bzw. aptierten deutschen Stempel (Ortsname der polnischen Schreibweise angepasst; die deutsche Variante der Uhrzeitangabe blieb weiterhin vorhanden).



Gruß
Pete
 
volkimal Am: 27.12.2013 22:08:25 Gelesen: 20710# 9 @  
Hallo Pete,

ein Beispiel aus Gnesen: Eine Postkarte an meinen Großvater:



Viele Grüße
Volkmar
 
inflamicha Am: 28.12.2013 16:53:46 Gelesen: 20679# 10 @  
Hallo,

auch ein nichtaptierter deutscher Stempel von Gnesen wurde 1919 weiter verwendet:



Interessant auch, dass der Umschlag mit eingedruckter Adresse in Deutsch weiter verwendet wurde, die Anschrift aber bereits in polnisch "Pan" und "Gniezno" geschrieben wurde.

Gruß Michael
 
Pete Am: 30.12.2013 20:45:35 Gelesen: 20637# 11 @  
@ volkimal [#9] und
@ inflamicha [#10]

Schöne Stücke, die mir beide gut gefallen. :-)

Vor wenigen Monaten erschien zu diesem Thema ein ca. 80 Seiten umfassendes und m.E. sehr lesenswertes Büchlein des Autors Hans-Jürgen Dobiat:

"Die Weiterverwendung von deutschen Stempeln in Polen nach dem 1. Weltkrieg"

Das Buch erschien bei der Poststempelgilde e.V. als Band Nr. 183:

http://www.poststempelgilde.de/downloads/Poststempelgilde-Literaturliste.pdf

-> Eine Rezension ist auf der Internetseite der Poststempelgilde bisher leider noch nicht erschienen.

Die Verwendung des Ortsstempels mit der Inschrift "GNESEN" ist darin für den Zeitraum 17.08.-03.09.1919 belegt; es werden unterschiedliche Unterscheidungsbuchstaben (u.a. *1b wie im Beispiel von inflamicha) in Gnesener Stempeln nachgewiesen.

Nachfolgend eine Übersicht möglicher Varianten:

1. deutsche Briefmarken, entwertet mittels
a) deutschem, weiterverwendeten Tagesstempel -> wer kann es hier im Forum belegen?
b) deutschem, von der polnischen Post aptierten Stempel (Bsp. [#1]; [#2]: [#4]; [#7])
c) polnischem Stempel -> wer kann es hier im Forum belegen?

2. polnische Briefmarken, entwertet mittels
a) deutschem, weiterverwendeten Tagesstempel (Bsp.[#8] aus Posen und [#10])
b) deutschem, von der polnischen Post aptierten Stempel (Bsp. [#8] aus Pszczyna)
c) polnischem Stempel -> sicherlich die gängigste Variante

Der Autor Herr Dobiat befasst sich in den o.g. Buch mit den Varianten 1a) und 2a) unabhängig von der zur Stempelung vorgelegten Briefmarke (polnisch oder deutsch) und das Werk umfasst etliche Stempeldaten aus den Jahren 1919 - 1920 (und im Einzelfall teils deutlich später).

Gruß
Pete
 
filunski Am: 31.12.2013 00:10:18 Gelesen: 20608# 12 @  
@ Pete [#11]

Hallo Pete,

danke für die Erwähnung des Bd. 183!

"Eine Rezension ist auf der Internetseite der Poststempelgilde bisher leider noch nicht erschienen."

Schau mal hier rein: http://www.philaseiten.de/philabuch/show/118

Schönen Gruß und "guten Rutsch" ins neue Jahr,
Peter

PS: Die angegebene Literaturliste der Poststempelgilde (PDF link) ist leider schon etwas veraltet und wird demnächst überarbeitet. ;-)
 
Pete Am: 31.12.2013 11:53:16 Gelesen: 20577# 13 @  
@ filunski [#12]

Danke für den Hinweis. ;-)

Passend zu deiner Ergänzung nachfolgend das Deckblatt des Buches:

http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=71428

Gruß
Pete
 
Pete Am: 14.09.2014 17:14:27 Gelesen: 19729# 14 @  
@ Pete [#1] und [#11]

Mehr als viereinhalb Jahre nach der Vorstellung in Beitrag [#1] und ca. 45.000-50.000 durchgesehene Marken des Deutschen Reiches später tauchte heute erstmals wieder auf einem Tauschtag erneut ein Stück auf. :-) Es handelt sich hier um die Deutsches Reich Mi-Nr. 107, entwertet in Nakło, ca. 30 km westlich von Bromberg gelegen. Der Ort kam nach (1) am 01.01.1920 per vertraglicher Regelung im Versailler Friedensvertrag zu Polen:



Deutsches Reich Mi-Nr. 107, entwertet am 28.01.1920 in Nakło (dt. Nakel), Ortsname und Uhrzeit aptiert (?)

Zur Fragestellung in [#11]:

1. deutsche Briefmarken, entwertet mittels
a) deutschem, weiterverwendeten Tagesstempel -> wer kann es hier im Forum belegen?


Mittlerweile liegt mir ein derartiges Exemplar vor. Derartige Marken wirken m.E. sehr unscheinbar und sind lediglich anhand Stempelort und Stempeldatum identifizierbar:



Deutsches Reich Mi-Nr. 107, enwertet am X7.01.1920 in Margonin (Bezirk Bromberg)

Der Postort Margonin wird in dem in Beitrag [#11] erwähnten Buch von Herrn Dobiat für die RPD Bromberg auf Seite 20 gelistet.

Im nachfolgenden Fall könnte man meinen, dass dieses Stück ebenfalls zur Kategorie wie die in Margonin gestempelte Marke gehört. Wenn man die korrekte Angabe bei Wikipedia (2) voraussetzt, wurde Bromberg ebenfalls erst im Januar 1920 an Polen übergeben und war bis Ende 1919 regulär Bestandteil des Deutschen Reiches:



Deutsches Reich Mi-Nr. 86II, entwertet am 10.10.1919 in Bromberg (poln. Bydgoszcz)

Gruß
Pete

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Nak%C5%82o_nad_Noteci%C4%85
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Provinz_Posen
 
Pete Am: 31.12.2014 10:01:04 Gelesen: 19237# 15 @  
Gelegentlich findet sich auch in einer Krabbelkiste (für kleines Geld) ein passender Beleg; im nachfolgenden Fall wurde am 06.02.1920 eine Karte aus Chojnice (dt.: Chonitz) in das ca. 400 km entfernte Hohenfriedeberg (poln.: Dobromierz) geschickt. Die verwendete Ganzsache zu 10 Pfennig Nationalversammlung wurde mit einer Germaniamarke zu 7,5 Pfennig (Mi-Nr. 99) auffrankiert:



Der zur Markenentwertung verwendete Handstempel weist bereits den polnischen Ortsnamen "Chojnice" und die polnische Variante der Uhrzeitangabe "°" auf. Mir scheint, als sei die Karte um 2,5 Pfennig überfrankiert.

Gruß
Pete
 
Pete Am: 22.01.2016 15:06:44 Gelesen: 17472# 16 @  
In den Jahren 1939/40 wurden mit der deutschen Besetzung Polens diverse ehemals deutsche Gebiete sowie einige nicht deutschsprachige Orte dem Deutschen Reich angegliedert. Die Eingliederung ehemals polnischer Gebiete brachte es mit sich, dass polnische Tagesstempel zumindest vorübergehend unverändert weiterverwendet wurden. Teilweise erfolgte eine Aptierung des Ortsnamens. Die Monatsangabe erscheint weiterhin in römischen Buchstaben und ist für Tagesstempel aus deutscher Produktion eher untypisch.

Im nachfolgenden Beispiel wurde der Ort Rosterschütz (polnisch Wladyslawów) nach [1] im Oktober 1939 an das Deutsche Reich als Teil des Warthelandes angegliedert. Anfang der 1940er Jahre erfolgte die Umbenennung des Ortes von Wladyslawów in Rosterschütz.



Paketkarte (leider beschnitten) vom 03.02.1941 aus Rosterschütz (Kreis Turek) nach Berlin-Steglitz mit provisorischem Paketnummernzettel, Porto 1,70 RM

Zum Vergleich einige Abschläge dieses Stempeltyps auf polnischen Marken von April und Juni 1939 (wenige Monate vor der deutschen Besetzung):



Gruß
Pete

[1] http://www.territorial.de/wart/turek/rostersc.htm
 
volkimal Am: 14.07.2016 19:46:18 Gelesen: 18048# 17 @  
Hallo zusammen,

ich versuche, beim Zeigen der aptierten Stempel in etwa chronologisch vorzugehen. Zuletzt habe ich die aptierten Feldpoststempel aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges vorgestellt. Ich bleibe also bei dieser Zeit und stelle andere kriegsbedingte Aptierungen vor. Als erstes ein schönes Beispiel aus Posen:





Obwohl der Stempel symmetrisch ist, sieht man sofort, dass er aptiert wurde. Im Polenfeldzug besetzte die Wehrmacht Poznan am 10. September 1939. Die Stadt bekam ihren deutschen Namen zurück und wurde zur Hauptstadt des neugeschaffenen „Reichsgaus Wartheland“ erklärt. Den polnischen Namen im Stempel weiterzuverwenden - das war natürlich nicht gewünscht!

Vom ursprünglichen Stempel mit dem Ortsnamen Poznan habe ich leider keinen kompletten Abschlag. Dadurch, dass der ursprüngliche Stempel stark abgenutzt war, erkennt man sofort, dass beim Stempel vom 23.10.1939 der Ortsname und die Zahl 3 ausgetauscht worden sind.



Es wurden aber auch sehr schnell neue deutsche Stempel angeschafft wie hier der Stempel vom 09.11.1939. Vielleicht irritiert Euch, dass der deutsche Stempel auf einer polnischen Postkarte abgeschlagen wurde. Die polnische Wertzeichen verloren mit dem Einmarsch deutscher Truppen ihre Gültigkeit und waren als Frankatur auch nicht mehr zugelassen.

In diesem Fall handelt es sich um eine Formularverwendung der polnischen Postkarte. Wie man am Absender links sieht wurde die Karte mit der Feldpost befördert und musste nicht frankiert werden.

Viele Grüße
Volkmar
 
Pete Am: 15.07.2016 12:34:50 Gelesen: 17967# 18 @  
@ volkimal [#17]

Ich bleibe also bei dieser Zeit und stelle andere kriegsbedingte Aptierungen vor. Als erstes ein schönes Beispiel aus Posen:

Ein schönes Beispiel, welches du hier zeigst, dank dir! Eine derartige Aptierung hatte ich bisher noch nicht gesehen.

Nachfolgend ein Beispiel, welches zwar nicht ganz zum eigentlichen Thema, allerdings ganz gut zu deinem vorherigen Beitrag passt. Es änderte sich ebenfalls (mehrfach) der Ortsname. Durch den erwähnten Polenfeldzug wurde am 09.09.1939 ebenfalls die Stadt Łódź besetzt und nach [1] vor Ablauf des Jahres 1939 dem Deutschen Reich angegliedert.



Bis zur Besetzung des Ortes durch die deutsche Wehrmacht hieß dieser Ort Łódź, hier abgebildet zwei Stempelabschläge des Postamtes Nr. 11 (Unterscheidungsbuchstabe e und h).

Den polnischen Namen im Stempel weiterzuverwenden - das war natürlich nicht gewünscht!

Davon gehe ich ebenfalls aus, dennoch kam es zumindest im nachfolgenden Beispiel vor, dass ein polnischer Tagesstempel m.E. zur Entwertung der Tagespost (frankiert mit Marken des Deutschen Reiches) weiterverwendet wurde:



Tagesstempel des Postamtes 11, Unterscheidungsbuchstabe d, Datum vom 22.05.1940

Parallel dazu wurden bereits neue Tagesstempel angeschafft und der Ortsname von Łódź in Lodsch geändert:



Tagesstempel des Postamtes 1, Datum vom [...]0.03.1940

Nach [1] erfolgte am 11.04.1940 die Umbenennung des Ortsnamens von Lodsch in Litzmannstadt:



Gruß
Pete

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/%C5%81%C3%B3d%C5%BA

[Beiträge [#17] und [#18] redaktionell kopiert aus dem Thema "Aptierte Stempel"]
 
Pete Am: 06.08.2016 12:32:34 Gelesen: 16217# 19 @  
Nicht nur die regulären Tagesstempel in den besetzten Gebieten Polens (ab 1939) waren von einer einer Überarbeitung der Stempelinschrift betroffen (siehe Beiträge [#16] und [#17]). Im nachfolgenden Fall handelt es sich um einen Bahnpoststempel, welcher ebenfalls scheinbar überarbeitet wurde. Neben der sonst für Bahnpoststempel des Deutschen Reiches eher ungewöhnlichen Form fällt vor allem die Angabe des Monats als römische Zahl ins Auge. Das dieser Tage gefundene Briefstück ist optisch alles andere als gut erhalten und hätte normalerweise vermutlich bereits längst den Weg in ein Wasserbad zwecks Ablösen der Briefmarken oder direkt in die Mülltonne angetreten:



Bahnpoststempel der Strecke Posen-Thorn vom 11.05.1940 auf Marken der Dauerserie Hindenburg von 1933/36



Die Städte Posen und Thorn wurden nach der Besetzung Polens im September 1939 dem Deutschen Reich angeschlossen, so dass hier regulär die Briefmarken des Deutschen Reiches zur Verwendung kamen.

Gruß
Pete
 
volkimal Am: 06.08.2016 16:37:56 Gelesen: 16198# 20 @  
@ Pete [#19]

Hallo Pete,

ein sehr interessanter Stempel. Er würde auch sehr gut zum Thema aptierte Stempel passen, denn aufgrund der römischen Ziffer und des Sterns oben deuten wie du bemerkt hast darauf hin, dass es sich ursprünglich um einen polnischen Stempel handelt.

Viele Grüße
Volkmar
 
Pete Am: 07.08.2016 10:10:43 Gelesen: 16163# 21 @  
@ volkimal [#20]

Er würde auch sehr gut zum Thema aptierte Stempel passen, ...

Ja, der Titel dieses Themas wäre auch im Bereich der aptierten Stempel gut aufgehoben.

Analog dem Beitrag [#18] wurden im Einzelfall polnische Tagesstempel ohne Überarbeitung zumindest eine Zeitlang weiterverwendet. Im nachfolgenden Fall handelt es sich dabei um eine Entwertung aus der Stadt Zgierz [1], am 06.09.1939 von der Wehrmacht besetzt und kurze Zeit später als Teil des Warthelandes dem Deutschen Reich angegliedert:



Handstempelabschlag aus Zgierz vom 15.02.1940

Im Bereich der Datumsangabe fiel auf, dass die Jahreszahl mit vier Ziffern ausgeschrieben wurden ("1940") und dafür die Uhrzeitangabe fehlt. Normalerweise weisen polnische Tagestempel in den 1930er Jahren ebenfalls eine Uhrzeitangabe auf.

Ein Abgleich mit vorhandenen Stücken in der Stempeltypenansammlung polnischer Tagesstempel ergab, dass die o.g. Variante tatsächlich gelegentlich vorkommt:



Gruß
Pete

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Zgierz
 
Pete Am: 18.11.2016 19:55:12 Gelesen: 15486# 22 @  
Auf einer Veranstaltung erwarb ich vor kurzem das nachfolgende Stück für die Sammlung. Es handelt sich hierbei um eine Mischfrankatur der Marken des Deutschen Reiches (Mi-Nr. 85 II) und Polens (Mi-Nr. 91). Zur Entwertung der Briefmarken wurde der nicht aptierte deutsche Tagesstempel von Jarotschin [1] weiterverwendet, Unterscheidungsbuchstabe **b.



Sendung aus Jarotschin nach Friedrichsroda in Thüringen vom 10.09.1919, Porto zu 15 Pfennig bzw. Fenigów

Gruß
Pete

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Jarocin
 
Pete Am: 29.05.2017 20:25:03 Gelesen: 13899# 23 @  
In einer "Kiloware" eines einem befreundeten Sammlerkollegen gehörenden Posten fand sich eine weitere Variante (mutmaßlich) weiterverwendeter deutscher Tagesstempel. Nach der Befreiung Polens 1945 wurden m.E. auch deutsche bzw. aus deutscher Produktion stammende Tagesstempel im Bereich der Ortsnamen angepasst und weiterverwendet. Dies gilt vor allem für die Zeit wenige Jahre nach Ende des zweites Weltkriegs. Umso überraschter war ich dann doch durchaus, von der Stempelform her potentielle Kandidaten zu finden, welche im April 1957 auf mit Briefmarken beklebten polnischen Formularen abgeschlagen wurden. Es handelt sich hierbei im Einzelnen um:





Gułtowy (dt. Kugeln bzw. Gulten, siehe [1]) vom 06.04.1957 (1939-1945 Bestandteil des Deutschen Reiches)




Bojanowo (siehe [2]) vom 06.04.1957 (1939-1945 Bestandteil des Deutschen Reiches)



Toruń (dt. Thorn siehe [3], Unterscheidungsbuchstabe a) vom 24.04.1957 (1939-1945 Bestandteil des Deutschen Reiches)





Tyczyn (dt. Titschnersdorf siehe [4], Unterscheidungsbuchstabe a) vom 06.04.1957 (1939-1944/45 Bestandteil des Generalgouvernements)

Lässt sich bestätigen, dass es sich bei den hier gezeigten Exemplaren um Tagesstempel handelt, welche vor 1945 im Deutschen Reich angefertigt wurden?

Gruß
Pete

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Kreis_Schroda
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Bojanowo
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Toru%C5%84
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Tyczyn
 
Pete Am: 03.10.2017 16:42:54 Gelesen: 12218# 24 @  
Analog den in Beitrag [#23] gezeigten Stücken bietet die polnische Nachkriegsphilatelie ab 1945 weiteren Spielraum für die Suche nach Abschlägen von weiterverwendeten Tagesstempeln. Die nachfolgend gezeigten Exemplare weisen den Stempeltyp "Kreisstegstempel mit Bogen oben und unten" auf und wurden dem Typ nach ursprünglich in den Jahren (ca.) 1908-1929 produziert (zuerst mit 12h-Uhrzeitangabe - teils mit Balken für V = Vor- bzw. N = Nachmittag als Platzhalter versehen, später mit 24h-Uhrzeitangabe ohne "V" bzw. "N" nach der eigentlichen Uhrzeit). Es dürfte sich um Tagesstempel handeln, welche bis 1945 auf deutschem Gebiet Verwendung fanden und zwischenzeitlich nicht Bestandteil der polnischen Republik waren (aus dem sog. polnischer Korridor bzw. per Abstimmung zu Polen gekommene Ortschaften in Oberschlesien).



Cieplice (Bad Warmbrunn) vom 09.08.1947, Unterscheidungsbuchstabe b



Kołobrzeg (?) (Kolberg?) vom 28. ... 1946, Unterscheidungsbuchstabe b



Konowo (?) vom 26.08.1946, Unterscheidungsbuchstabe a, deutsche Uhrzeitangabe "N" für "Nachmittag"



Kwidzyn (Marienwerder) vom 22.06.1946, Unterscheidungsbuchstabe a



Ortsangabe vollständig entfernt (aptiert) vom 14.09.1948, Unterscheidungsbuchstabe a

Gruß
Pete
 
Pete Am: 01.10.2018 18:11:36 Gelesen: 6312# 25 @  
Als Ergänzung zur Kategorisierung der möglichen Varianten in Beitrag [#11] nachfolgend ein Exemplar, passend zur Gruppe 1a. Dabei wurden weiterverwendete deutsche Briefmarken (in diesem Fall eine Ganzsache) mittels weiterverwendetem deutschen Tagesstempel entwertet:



Sendung vom 08.05.1919 aus Posen nach Rostock, Stempelgerät POSEN W *3k (?)

Laut Information des Verkäufers weist die Karte auch Merkmale einer polnischen Zensur auf, siehe Handstempelabschlag "militärisch geprüft" und einer Schwärzung im Text:



Im Rahmen des Großpolnischen Aufstandes Ende Dezember 1918 - Februar 1919 erfolgte eine Besetzung der Stadt Posen und der umliegenden Provinz [1], wobei Posen selbst bereits spätestens bis zum 28.12.1918 vollständig von polnischen Aufständischen besetzt wurde [2]. Der einige Wochen nach Aufgabe der Karte unterzeichnete Friedensvertrag von Versailles (28.06.1919) ordnete u.a. Posen völkerrechtlich legitim als Bestandteil der seit Ende des ersten Weltkrieges (1918) in Gründung befindlichen zweiten polnischen Republik zu.

Gruß
Pete

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Posen
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Posener_Aufstand_(1918%E2%80%931919)
 
Pete Am: 14.12.2019 20:47:06 Gelesen: 2461# 26 @  
Bei dem nachfolgenden Exemplar eines Handstempelabschlags handelt es sich vermutlich um einen Nachfolger des Provisoriums aus [1]:



Paketkarte aus Kalisch vom 07.06.1944 nach Mulhausen im Oberelsass

Der Handstempelabschlag des Postamtes Kalisch 2 weist eine römische Monatsangabe auf - eher untypisch für deutsche Tagesstempel. Daher liegt der Verdacht nahe, dass es sich um einen weitverwendeten Tagesstempel aus Polen handelt. Kalisch selbst wurde im September 1939 von deutschen Truppen besetzt und war vorher unter dem Ortsnamen "Kalisz" Bestandteil der Polnischen Republik.

Gruß
Pete

[1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ME=119069#M261
 

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