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Thema: (?) (1075/1082) Rohrpostbelege
- Am: 03.04.2008 09:45:46 Gelesen: 973803# 1 @  
Hallo liebe Leser!

Als Rentner habe ich nun Zeit mich um meine Briefmarken zu kümmern. Dabei habe ich eine Marke gefunden, welche ich beim besten Willen nicht im Mi Spezial 2007 finde. Ich besuche hier das erste Mal ein Forum und hoffe, dass ich alles richtig mache und würde mich freuen, wenn mir jemand helfen könnte.

Ich habe eine blaue 20 Pf Marke gezähnt als Vergleichsstück mit fotografiert. Bei der angefragten 30 Pf Marke handelt es sich um das gleich große Markenbild ist jedoch minimal größer als die gezähnte Marke somit ist ausgeschlossen, dass jemand die Zähnung abgeschnitten hat. Außerdem ist die Prägung auf der Rückseite sichtbar wie zB. Bei Mi 16 – 28.

Die Mi Nr. 49 ist die 25 Pf und die Nr. 49 die 50 Pf. Marke. Eine 30er ist selbst gezähnt nicht auffindbar.

Es grüßt aus Spanien




 
doktorstamp Am: 03.04.2008 13:56:30 Gelesen: 973773# 2 @  
@ Muckgel [#384]

Es ist ein Ganzsachenausschnitt aus einem Rohrpostumschlag, vermutlich Michel RU2.

Schaut mal in den passenden Katalog von Michel.

Etwas später war das Rohrpostporto ermässigt und auf 25Pfg herabgesetzt.

mfG

Nigel
 
- Am: 03.04.2008 16:17:53 Gelesen: 973767# 3 @  
Erst mal herzlichen Dank für die Reaktion!

Auch mein Gedanke war zuerst, dass es sich eventuell um ein Kartenauschnitt handeln könnte. Dagegen spricht aber die Prägung und letztlich auch die Papierdicke, denn diese ist genauso wie bei den normalen bekannten Marken. Siehe auch Stembeldurchdruck von der Rückseite!

Dennoch wäre interessant, wo diese Rohrpostangaben zu finden sind. Wie nennt sich dieser Katalog? Wie wäre diese Marke etwa bewertet?

Nette Grüße aus Spanien
Muckgel
 
Pete Am: 03.04.2008 19:18:18 Gelesen: 973756# 4 @  
@ Muckgel [#615]

Hallo Muckgel,

Nigel sprach von einem Ausschnitt aus einem Rohrpost-UMSCHLAG; ein Kartenausschnitt entfällt, wie du beschrieben hast.

Gruß
Pete
 
Jürgen Witkowski Am: 03.04.2008 19:50:21 Gelesen: 973752# 5 @  
Dieser leider etwas lädierte Rohrpostbrief aus Berlin aus dem Jahr 1898 möge als Beispiel dienen.



Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
- Am: 04.04.2008 09:10:49 Gelesen: 973736# 6 @  
Hallo Jürgen!

Danke für die Einstellung des Rohrpostbeleges. Kann es sein, dass dieses Umschlagpapier so dünn wie eine Briefmarke ist ?

Dann kann ich ja davon ausgehen, dass dieser Ausschnitt ja ohne Wert ist. Ich habe schon gedacht, dass ich eventuell auch mal einen Treffer gelandet hätte.

Na ja auf jeden Fall nochmals Dank für Deine Mühe.

Sonnige Grüße Erich - Muckgel
 
duphil Am: 04.04.2008 09:42:18 Gelesen: 973731# 7 @  
Hallo Muckgel,

aus eigener Erfahrung weiß ich, dass diese Umschläge teilweise sogar dünner als Briefmarken sind.

Mit freundlichen Gruß

duphil
 
Jürgen Witkowski Am: 04.04.2008 14:26:09 Gelesen: 973721# 8 @  
@ Muckgel [#957]

Das Papier ist in der Tat sehr dünn. Es ist vergleichbar mit der Papierstärke von Aerogrammen.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Richard Am: 10.04.2008 07:49:43 Gelesen: 973676# 9 @  
@ Muckgel [#957]

Hallo Muckgel,

willkommen auf den Philaseiten - ich hatte Dir ja geschrieben, dass es hier versierte Sammler gibt, die Deine Frage beantworten könnten.

Du bist gerne eingeladenen, den einen oder anderen Beitrag zu schreiben, einen solchen anderer Sammler zu beantworten, eine Marke oder einen Beleg vorzustellen.

@ alle

Das 'Rohrpostbelege' in der Überschrift habe ich gerade eingefügt und auch ein Unterthema 'Rohrpost' in den 'Philaseiten A bis Z' daraus gemacht.

Mehr zum Thema Rohrpost ist gerne willkommen.
 
Jürgen Witkowski Am: 13.04.2008 16:54:45 Gelesen: 973642# 10 @  
Rohrpostkarte

Diese Rohrpostkarte wurde am 8. Januar 1902 um 10.20 Uhr im Postamt Berlin W P9 (R6) aufgegeben und kam um bereits 10.50 Uhr im Postamt W 15 zur Auslieferung an Frau Else Schneider an.

Typisch bei den Stempeln auf Rohrpostbelegen ist die Minutenangabe. Üblicherweise wurden 10-Minuten-Abstände verwendet. Die Karten wurde meistens in der Mitte geknickt, damit sie besser in die Transportzylinder passten. Das stellt keinen Erhaltungsmangel dar.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 


Jürgen Witkowski Am: 19.04.2008 14:26:54 Gelesen: 973614# 11 @  
Im Jahr 1893 fand am 15. Juni 1893 die Wahl zum 9. Deutschen Reichstag statt. Im Oktober wurde in Berlin zusätzlich noch die Wahlen zur Berliner Stadtverordnetenversammlung durchgeführt. Davon zeugt diese Rohrpostkarte vom 31.10.1893.

Auf ihrer Rückseite sind in einer vorbereiteten Tabelle die Ergebnisse vom 260. Urwahlbezirk eingetragen. Die 4 konservativen und 2 freisinnigen Abgeordneten waren übrigens mit 69 bis 81 Jahren alle im besten Briefmarkensammleralter.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
reichswolf Am: 19.04.2008 15:42:54 Gelesen: 973610# 12 @  
Hallo zusammen!

Hier zeige ich euch meinen ersten und einzigen Rohrpostbeleg, einen RU 5 mit Gittersegmentstempel BERLIN, W * 50 * vom 15.9.02 um 12-1 N. zur Börse (blauer Leitvermerk „B“), zusätzlich L1 Ausgf. 15.9.02 12.47 No 308, rückseitig AKS BERLIN, C. * T.A. 2 * 15.IX.02 * 12.50 N.

Beste Grüße,
Christoph


 
Henry Am: 20.04.2008 18:28:16 Gelesen: 973596# 13 @  
Habe in meinen Beständen ebenfalls eine Rohrpostkarte gefunden, die der von Concordia CA in Beitrag 10 zwar sehr ähnelt, die ich aber wegen des Stempels trotzdem noch mit einbringe.


 
Richard Am: 21.04.2008 20:54:29 Gelesen: 973587# 14 @  
Auf der Seite 'Umweltruf.de' habe ich einen Beitrag 'Der Postillon im Wandel der Jahrhunderte' entdeckt. Hier ein Auszug daraus:

Rohrpost in Wien 1875-1956

Da die Postbeförderung weitgehend abhängig von den zur Verfügung stehenden Verkehrsmitteln ist, erfanden findige Postler eine sogenannte "pneumatische Rohrpostanlage", die 1875 in Wien zur Beförderung von Depeschen und später von Telegrammen in Betrieb genommen wurde. Dazu wurde durch ganz Wien ein Netz von Rohrleitungen zu einzelnen Postämtern in der Entfernung von 1-3 Kilometer errichtet, in dem die Nachrichten in Büchsen viel schneller als über konventionelle Wege übermittelt werden konnten. Waren zu Beginn 10 Postämter miteinander verbunden, so umfasste das Rohrnetz im Jahr 1913 insgesamt 53 Rohrpoststellen auf einer Gesamtlänge von 825 Kilometer. Während die Wiener Rohrpost den 1. Weltkrieg noch recht heil überstand, wurde das Leitungsnetz im 2. Weltkrieg stark zerstört. Auch hatten die Fortschritte in der Telekommunikation dem Rohrpostservice der Post nach 1945 so große Konkurrenz gemacht, dass 1956 seine Einstellung beschlossen wurde.

(Quelle: http://www.umweltruf.de/news/111/news0.php3?nummer=12054)
 
Jürgen Witkowski Am: 30.04.2008 12:56:27 Gelesen: 973551# 15 @  
Neben Berlin gab es noch einige andere deutsche Städte, in denen eine Rohrpost existierte. Teilweise waren es nur Netze für den postinternen Verkehr.

Folgende deutsche Städte sind bekannt:

Berlin
Düsseldorf
Frankfurt am Main
Hamburg
Leipzig
München

Zwei interessante Links zum Thema möchte ich euch nicht vorenthalten:

http://de.wikipedia.org/wiki/Rohrpost

http://de.wikipedia.org/wiki/Rohrpostnetze_in_Deutschland

Auf dieser Karte aus dem Jahr 1964 wird an das 100-jährige Bestehen der Hamburger Rohrpost erinnert.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Stephan Sanetra Am: 06.05.2008 19:02:31 Gelesen: 973500# 16 @  
Hallo,

Berliner Rohrpostbelege habe ich auch einige gefunden, sowohl aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg als auch bis in die 40er Jahre. Vom dargestellten Beleg ist meiner Meinung nach schon der Zusammendruck sehenswert, selbst wenn (vermutlich) nicht tarifgerecht frankiert wurde.

Beste Grüße
Roedsand


 
Jürgen Witkowski Am: 14.05.2008 20:30:19 Gelesen: 973418# 17 @  
@ Roedsand [#928]

Schöner Brief und portogerecht frankiert ist er auch. 12 Pf. Porto für den Brief bis 20 g plus 10 Pf. Zuschlag für Rohrpost. Das Gesamtporto von 22 Pf. stimmt.

In den früheren Jahren war die Rohrpost teurer. So kostetet dieser Brief aus dem Jahr 1912 innerhalb Berlins noch 30 Pf. Porto.

Er trägt 3 Stempel:

Aufgabestempel Berlin SW 95 30.3.12 9-10
Transitstempel ? Berlin SW 64 30.3.12 10.20 V
Ankunftsstempel Berlin NW 40 30.3.12 10.50 V

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Pete Am: 14.05.2008 20:37:49 Gelesen: 973416# 18 @  
@ Concordia CA [#929]

Wofür steht die handgeschriebene "40" auf der Briefvorderseite ?

Gruß
Pete
 
Jürgen Witkowski Am: 14.05.2008 20:58:28 Gelesen: 973414# 19 @  
@ Pete [#930]

Ganz genau weiss ich es auch nicht. Ich vermute, es ist jeweils das letzte Rohrpostamt auf der Stecke.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
reichswolf Am: 14.05.2008 23:40:18 Gelesen: 973409# 20 @  
@ Pete und Concordia

Mir scheint die 40 ein Leitvermerk zu sein. Analog dazu findet sich ja auch den Belegen in [#488] und [#13] solche Vermerke, und immer stimmt die handschriftliche Notiz mit dem PA überein, welches zuletzt einen Stempel abschlug.

Beste Grüße,
Christoph
 
AfriKiwi Am: 14.05.2008 23:41:39 Gelesen: 973408# 21 @  
@ Pete [#930]

Wahrscheinlich daß -40- schneller erkannt wird als N-W 40 in der Adresse.

Ein Sortiersystem.

Erich
 
Schmuggler Am: 15.05.2008 18:59:19 Gelesen: 973391# 22 @  
Guten Tag,

ich bin der Neue und sammle ALLES zum Thema "Rohrpost in Berlin", zeitlich begrenzt von 1876-1933, auch Literatur und Zeitungen etc.

Die nach dem Leitvermerk gestellte Frage muß wie folgt beantwortet werden: Leitvermerke vom Aufgabe-Rohrpostamt wurden immer auf allen Rohrpostsendungen angebracht, damit das Bestimmungs-Rohrpostamt sofort erkannt wurde - in vielen Fällen steht ja nur die Strasse auf den Sendungen. In früherer Zeit mit der Ziffer des Rohrpostamtes, welche nicht mit der Briefpost-Amtsnummer identisch ist, später nur noch mit der Briefpost-Amtsnummer - als das Rohrpostamt nicht mehr selbstständig war und einem Briefpostamt unterstellt wurde.

Als das Rohrpostnetz sich vor 1900 in die Aussenbezirke verlängerte, wurden nur noch die Ortsnamen in Kurzform notiert, z. B. "CH 2" für "Charlottenburg, Rohrpostamt Nr. 2" oder "Ri" für "Rixdorf" (= das spätere Neukölln) oder auch "Rei" für "Reichstag", usw.

Eine höfliche Bitte: Wenn Sie Fragen zur Rohrpost haben - nur zu und ohne Scheu! Gerne beantworte ich ALLE Fragen, auch Ganzsachen, Stempel, Farben usw. - nur nicht immer schnell und z.Zt. noch ohne Bild: Muß mich noch in diesen Bereich "einarbeiten".

Danke!
 
duphil Am: 15.05.2008 19:06:34 Gelesen: 973388# 23 @  
@ Schmuggler [#22]

Hallo Schmuggler,

herzlich willkommen auf den Philaseiten und viel Spaß weiterhin.

Mit freundlichen Gruß
Peter
 
Schmuggler Am: 15.05.2008 19:24:09 Gelesen: 973386# 24 @  
Nochmals nachgehakt:

Ich neige manchmal zu schnellen Antworten - ohne den Informationsstand meines Gegenüber zu kennen bzw. hinterfragen. Sollten zu meinen Beiträgen irgendwelche "Dinge" unklar oder unverständlich formuliert worden sein - auch hier bitte: OHNE SCHEU! :-))

So habe ich im nachhinein einige Beiträge gelesen, welche sich mit der optischen Qualität der Stück bzw. Vorlagen beschäftigten. Der sog. "Rohrpostknick" KANN auf einer Sendung vorhanden sein, denn die Sendungen wurden in eine Dose, ähnlich in der Größe einer heutigen Cola-Dose, gelegt - mußten es aber nicht. Der Sammler sollte jedoch im Allgemeinen darauf achten, dass diese unschönen Knicke nicht vorhanden sind - auch wenn man etwas länger auf solch einen Besitz warten muß: Es sind letztendlich genügend Belege auf dem Markt.

Vergessen sollte man auch nicht, dass die Rohrpost IMMER das wesentliche Beförderungsmittel für Telegramme war - die privaten Sendungen waren untergeordneter Natur. So liegt z. B. mir eine amtliche Statistik aus der Rohrpost von 1900 vor, in der u. a. fast 80% des gesamten Rohrpostaufkommens für die Telegraphie bestimmt war - nur 20% für Privat. Rechnet man fiktiv die Anzahl der verbleibenden 20% auf das Beförderungsvolumen um, stellt man fest, daß z. B. statistisch nur 1 private Sendung pro Rohrpostbüchse befördert wurde.

Kurz: War nix mit "quetsch-quetsch" und "Knick".
 
Jürgen Witkowski Am: 15.05.2008 19:57:02 Gelesen: 973368# 25 @  
@ Schmuggler [#24]

Schön, dass Du als Rohrpostspezialist dieses Thema auf Philaseiten.de entdeckt hast. Herzlich willkommen!

Wir reden (schreiben) uns untereinander mit "Du" an. Ich hoffe, das ist nicht unangenehm für Dich. Die Mitglieder sind zwischen Anfang 20 und über 80 Jahren und es klappt eigentlich ganz gut so.

Wenn von dir Beiträge mit Bildern kämen, wäre das prima. Mir gehen nämlich langsam die passenden Belege zu dem Thema aus.

In der letzten Zeit habe ich einige eBay-Auktionen mit Rohrpost-Belegen verfolgt. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Preise mächtig in die Höhe gegangen sind. Es wurde manchmal 70-100 % Michel geboten. Auf Briefmarkenbörsen bekommt man die einfachen bis mittleren Sachen in akzeptabeler Qualität dagegen oft für 1 - 3 €.

Mit besten Samlergrüßen
Jürgen
 
Schmuggler Am: 15.05.2008 21:06:21 Gelesen: 973363# 26 @  
Guten Abend,

und allen ein herzliches Danke für die freundliche Aufnahme.

Ja, ich bin ein Rohrpostspezialist geworden, weil in der Vergangenheit so viel Blödsinn zu dem Thema immer wieder neu nur abgeschrieben und neu veröffentlicht wurde, dass ich mich mal hinsetzte und mich selbst bemüht habe.

Deshalb versuche ich auch nicht das bekannte Schemata zu einem Philatelisten zu produzieren, sondern mich so auszudrücken, dass der Rest der Welt mit mir begeistert sein kann oder könnte. Die Zwischentöne eignen sich oft nicht für schnelles Internet-lesen+informieren, aber ich lasse sie mir nicht nehmen! :-))

Auch die Bilder (welche denn?) werden noch kommen, dass "DU" ist ja auch schon da!

Ja, die Rohrpostpreise sind in Veränderung - besonders die scheinbar "Unerklärlichen". Philatelie ist wie ein Baum: Je weiter man nach oben in die Äste voran dringt, desto spannender wirds - :-)) wobei "der Katalog" mit seinen Nummern nur nachschlagbares und vermeintliches Humus-"Wissen" ist.

Da es nur einen MICHEL für Rohrpost gibt, den Ganzsachenkatalog (im "anderen" beginnt ja die Rohrpost überraschenderweise erst 1906), ist das erkennen und verstehen von Post-, Stadt- und Rohrpostwissen manchmal für den Aussenstehenden scheinbar unverständlich. Kurz: Wenn Du ein Los im nachhinein bewertet wissen willst: Keine Scheu, auch wenns manchmal "eckig" für mich wird. :-((

Nu aber ab zur Familie und dem Viech-zeuch!!
 
- Am: 16.05.2008 05:59:13 Gelesen: 973347# 27 @  
Hallo,

bin auch der neue hier, aber wie ich sehe sind viele alte Bekannte hier, wo wir uns bereits schon von anderswo her kennen.

Schmuggler schön das Du auch hier bist, und vor allem das die Rohrpost Dein Sammelgebiet ist, aber eine Frage, wieso sammelst Du nur bis 1933 ?

Selber habe ich speziell mit Rohrpost weniger zu tun aber wenn ich einen schönen Brief oder Postkarte sehe nehme ich sie schon mit.

Als Beispiel diese Postkarte habe ich nur wegen den Gelegenheitsstempel mitgenommen, da ich diese gelegentlich sammle, lol. Das Rohrpostamt und Stempel "Berlin N" ist ja bekannt weil einer der häufigsten, und das er bis in der DDR Zeit noch bestand.

Aber als "Werbestempel" habe ich ihn noch nicht gesehen, was meinst Du? Sicherlich nicht so häufig, oder?

MfG
soaha


 
Schmuggler Am: 16.05.2008 10:42:46 Gelesen: 973342# 28 @  
Guten Morgen.

@ soaha

Ich sammele bis zu diesem Zeitpunkt, weil mir ein bestimmter Kopf und sein Umfeld auf Briefmarken und im Leben nicht gefällt.

Ferner sammele ich alle Arten von Rohrpostinformationen, so daß ich keine Scheu habe z. B. auch Kopien dazu zuzählen. So ergibt sich z. Zt. ein Bestand von ca. 6.000 Informationskarten mit Hintergrund und Bild aus "meiner" Zeit - und irgendwann muß ja mal Schluß sein. :-))

Ganz zurückhaltend: Soweit ich ahne, ist der von Dir gezeigte Stempel beim "Bochmann" genannt und wird nach den 3(?) Kennungsbuchstaben a, b und c unterschieden. Herr Hueske (Soest) von der Stempelgilde hat ein Buch über die Rohrpost 1933-1945 geschrieben, haste dort mal rein gesehen?

Ein auf einer Rohrsendung befindlicher Stempel muß nicht aus der Rohrpost sein: Der Absender brauchte seine Sendung nur am Schalter eines Briefpostamtes abzugeben und der Schalterbeamte entwertete die Marke/Ganzsache mit "seinem" zugeteilten Tagesstempel - schon waren erst einmal keine Rohrpoststempel auf der Sendung.

Das Bild ist ein Test und hat nicht mit der Rp zu tun.


 
Schmuggler Am: 16.05.2008 11:06:56 Gelesen: 973340# 29 @  
Damit "wir" behutsam und allgemein verständlich in das Thema "Rohrpost einsteigen können, möchte ich von Euch doch etwas Anregungen, welche Gebiete und Fragen "bewegen". Stellt sie hier ein, ich lese sie mir durch und werde sie gerne beantworten.

Salute!
 
Jürgen Witkowski Am: 16.05.2008 17:49:48 Gelesen: 973331# 30 @  
@ Schmuggler [#29]

Vielen Dank für Deine Bereitschaft für uns ein wenig Licht in dieses nicht sehr bekannte Sammelgebiet zu bringen.

Zunächst habe ich 2 Belege aus der letzten Zeit, wo ich mich frage, warum sie so hoch beboten wurden:

http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&rd=1&item=220227919929&ssPageName=STRK:MEDW:IT&ih=012
http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&rd=1&item=220227924221&ssPageName=STRK:MEDW:IT&ih=012

Der Werbe-Stempel aus [#27] war auch schon im Jahr 1937 im Einsatz. Allerdings im Stempel Berlin C2 di und einer unverfänglicheren Frankatur.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Schmuggler Am: 16.05.2008 18:37:50 Gelesen: 973331# 31 @  
Zum 1. eBay-Los:

Ich kann bei diesem Stück keinen Sinn zu einer Geldausgabe erkennen: Keine Ergänzungsfrankatur, kein besonderer Stempel, die Ganzsache ohne Probleme schöner zu bekommen - 100% nichts aufregendes. Möglicherweise sammelt er Beförderungsstrecken bzw. Leitwege - und genau der fehlte ihm noch?! Oder er kannte meine Anwesenheit auf dieser Plattform noch nicht. :-))

Zum 2. eBay-Los:

3/1921 liegt in der 5. Gebührenperiode mit 140 Pfennig Rohrpostgebühr für einen Brief. Der Käufer ist sehr Rohrpost-aktiv und Qualitäts-bewusst.

Diese Umschläge in MiF verschiedenster Markenausgaben zu erhalten, ist kein Problem. Aber sie ohne dieses alle drum und dran mit nur 1 Ergänzungsfrankatur. Wer ein 2. Stück in solch schlichter Gebührendarstellung sucht, wird wohl einige Zeit dazu gebrauchen.

Eine "fast typische" Optik aus gleicher Periode siehst Du in Folge, als "ganz typische" Optik wäre auf der Karte zwischendrin noch eine INFLA-Marke oder gar von der Nationalversammlung.


 
Schmuggler Am: 16.05.2008 18:49:28 Gelesen: 973330# 32 @  
Eine Frage an die Technik im Hintergrund:

Gibt es hier nicht die Möglichkeit, Bilder vergrössert anzusehen? So wie es z. B. jetzt auch bei "Delcampe" möglich ist? Alternativ: Man könnte 2 Bilder nebeneinander zeigen ?

Für mich war der Erwerb der gezeigten Karte auch nicht wg. der Frankatur im Vordergrund, sondern wegen dem Talon über der Karte.


 
Schmuggler Am: 16.05.2008 18:59:48 Gelesen: 973328# 33 @  
... und noch einn bisschen üben...




Wieviel ruhiger wirkt dagegen solch eine Darstellung:



Dagegen ist "so etwas" ganz selten :-))



Alles nachvollziehbar?
 
reichswolf Am: 16.05.2008 20:01:12 Gelesen: 973326# 34 @  
@ Schmuggler [#1016]

Um die Bilder größer zu sehen, mußt du sie nur anklicken. Auch von mir noch ein herzliches Willkommen, ich freue mich schon auf viele schöne Beiträge von dir.

Hast du übrigens schon in den neuen Schlegel-Katalog geschaut? Der hat einiges an schönen Rohrpostbelegen drin.

Beste Grüße,
Christoph
 
Schmuggler Am: 16.05.2008 20:18:50 Gelesen: 973323# 35 @  
Hallo reichswolf,

kennen wir uns aus einem Cafe? Oder zufällige Namensgleichheit ?

So oder so: Danke für das Willkommen! .-))

Ist der Schlegel-Katalog schon draußen ? Warte seit 4 Wochen auf die entsprechende Info. :-((

Allen noch ein schönes Sonnen-Wochenende!
 
Jürgen Witkowski Am: 16.05.2008 20:30:25 Gelesen: 973322# 36 @  
@ Schmuggler [#33]

Jetzt kommst Du ja richtig in Form! Kompliment zu Deinen Belegen.

Ist der 3 Beleg "philatelistisch beeinflusst", oder welcher Wahnsinnige verklebt solche kleinen Werte? Bis zur Hochinflation war es ja noch eine Weile hin, als Übung scheidet es wohl aus.

Welche Bedeutung hat der kleine kopfstehende Zusatzstempel mit der 14?

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
AfriKiwi Am: 16.05.2008 22:28:42 Gelesen: 973306# 37 @  
@ Concordia CA [#945]

Meine Vermutung ist Frau Pietsch wohnte bei Nummer 14 in der Straße und das wohl der Briefträger noch schnell um 13:50 die Karte bestellt nach Erhalt beim Berlin S-W Amt (#29) - oder ?

Erich
 
AfriKiwi Am: 17.05.2008 12:29:49 Gelesen: 973297# 38 @  
@ Schmuggler [#33]

Hier das gleiche nur in ungebracht sicher noch massenweise erhältlich in Deutschland. Habe auch eine 60 Pfennige gesehen !

Erich


 
AfriKiwi Am: 17.05.2008 12:39:49 Gelesen: 973296# 39 @  
@ Concordia CA [#30]

Diese Postkarte hat den gleichen Rohrpost Werbestempel aber Berlin NW7.

Die Linden sind aber eine neue Anpflanzung !

Erich


 
Schmuggler Am: 17.05.2008 18:46:27 Gelesen: 973285# 40 @  
@ AfriKiwi

Ob Karte oder Brief: ALLE Rohrpost-Ganzsachen sind u n g e b r a u c h t recht häufig und mit etwas Geduld immer beschaffbar. Sie sind komplett in den sogenannten Ganzsachen-Katalogen aufgelistet und in "guter" Erhaltung (!) pauschal mit 10% vom Katalogwert zu bewerten. Die sogenannten Frage-/Antwort Doppelkarten sollten im Einzelfall mit bis 50% bewertet werden.

Das gilt besonders für die RPZP-Doppelkarten:



Unklar ist mir bis heute, warum einige Ganzsachen und Briefmarken auch während des 1. Weltkrieges mit einer Verzögerung von bis zu 6 Monaten erst auf dem "Markt" erschienen - passend zur entsprechenden Portostufe. Daraus können sich heute jedoch SEHR interessante Frankaturen (EF) ergeben.



@ Concordia

Der kleine, kopfstehende Stempel mit der Nr. 14 ist der Bestellstempel.

Jeder Bestellbote hat von seinem Bestellpostamt einen täglich wechselnden Stempel gegen Quittung solch einen Bestellstempel erhalten.

Ursprünglich wurden alle Rohrpostsendungen von "besonderen (Rohrpost-) Boten" dem Empfänger zugestellt. Ab ca. 1885, mit steigendem Rohrpostaufkommen, kamen auch ausgesuchte Jugendliche ab 19 Jahre zum Einsatz. Sie warteten vor dem Bestellpostamt und bekamen 5 Pfennig je Sendung von der Reichspost-Verwaltung.
Ab ca. 1900 konnten sie auch per Fahrrad bestellen, mussten dann aber erst den damals üblichen Post-Fahrradführerschein vorlegen und der Bestellbetrag wurde pauschaliert.

Ab ca. 1902 wurden die Sendungen vorrangig wieder von "allgemeinen Boten" ausgetragen, erkennbar an diesem Stempel, hier die Nr. 4:



Der Stempel kann auch in der Farbe schwarz sein.

Ab ca. 1905 wurde auch der "gewöhnliche Bote" (auch nur verkürzend einfach "Bote" genannt) für die Brief- und Rohrpost eingesetzt (Kosten!). Er erhielt den neuen Nummernstempel, welcher bisher immer schwarz ist und es ihn in vielfältigen Formen gibt, je nach Bestellpostamt:



Weiter fragen - und noch einen schönen Sonntag!
 
Schmuggler Am: 17.05.2008 19:17:04 Gelesen: 973281# 41 @  
Nachtrag:

@ Concordia

Der Beleg Nr. 3 ist ohne jegliche Beeinflußung :-))

Zu dieser Zeit (der Krieg verloren, deutsche Gebiete weg, Versailler Verträge, Arbeitslosigkeit, der Kaiser bei Nacht in Ausland geflüchtet, Aufstände und Grabenkämpfe, Dolchstoß-Legende, usw.) war das verkleben von bestimmten Briefmarken eine politische Demonstration. Die einen blieben bei "ihrer" Germania aus der Kaiserzeit, die anderen wollten den neuen Liberalismus der Republik zeigen. Dem 3. war alles wurscht - so wie heute auch.

U. a. in der Rohrpost gibt es keine oder kaum "philatelistisch beeinflusste Belege", so wie z. B. auch nicht in der Paketpost. Sammler können manchmal sehr unkreativ sein, siehe mal in so manche heutige Veröffentlichung in der Fachpresse.

Gleichwohl hatten viele Händler sehr gute Kontakte bereits 1900 zur Reichsdruckerei, wie z. B. Kosack. Oder auch ein Stuttgarter Ganzsachenhändler. Oder ein Berliner Ganzsachen-Verein, siehe RPZP und RPZU in den Ganzsachenkatalogen. Kurz: Dann können natürlich "Machwerke" auch in der Rohrpost vorkommen. :-((

Solange die Kenntnisse von der Briefmarke nicht auf die Ganzsache übertragen werden, wird eine entsprechende "Prüfung" nie stattfinden können.

Salute!
 
AfriKiwi Am: 17.05.2008 23:44:26 Gelesen: 973270# 42 @  
@ Schmuggler [#40]

Danke für Deine Erläuterung. Ich habe mich selbst gewundert über die so manche gute Erhaltung von ungebrauchten Belegen.

Nehme auch an dass viel noch zu haben ist in Deutschland und deswegen nur 10% vom Michel Katalog erzielt was eine Schande ist für solches Material von über 100 Jahren aber das drum und dran habe ich auch begriffen.

Einen schön sauber gestempelten muß ich hier noch finden !

Erich
 
Jürgen Witkowski Am: 18.05.2008 23:27:10 Gelesen: 973218# 43 @  
@ Schmuggler [#41]

Vielen Dank für Deine einleuchtenden Erklärungen.

Gerade eben ist eine eBay-Auktion mit diesem Beleg zu Ende gegangen. Warum, um Himmels Willen wurden hierfür 68,57 € geboten?

http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&rd=1&item=370050194438&ssPageName=STRK:MEWA:IT&ih=024

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Schmuggler Am: 19.05.2008 10:49:19 Gelesen: 973213# 44 @  
Guten Morgen,

die Karte hat natürlich nie ein Rohrpostrohr von innen gesehen, denn weder in Mönchengladbach noch in Venlo (NL) gab es eine entsprechende Transportanlage.
Der Käufer ist mir bei dem Thema "Rohrpost" noch nie aufgefallen, so daß ich letztendlich einen "spektakulären" (aber ahnungslosen) Heimatsammler oder Geldvernichter vermute.

Für eine Auslands-Postkarte ist das Los jedenfalls mit 2,40 M. insgesamt richtig frankiert und sie ist in Venlo mit dem niederl. Briefträger-Bestellstempel B.31 ebenso bestellt worden.

Nächste Woche werde ich einen aktuellen eBay Rohrpost-"Knaller" zeigen, grottenfalsch beschrieben - sauselten in der Darstellung. Mehr dazu "demnächst", auch wenn ich das Los nicht bekommen sollte. :-))

Noch einen schönen Tag, muß in den Garten.
 
reichswolf Am: 19.05.2008 12:23:45 Gelesen: 973208# 45 @  
@ Schmuggler [#35]

Hallo Schmuggler,

irgendwie habe ich es geschafft, deine Antwort zu übersehen, was mir leid tut. Jetzt aber: Ja, im Cafe bin ich ebenfalls aktiv.

Hast du denn inzwischen den Schlegel-Katalog bekommen? Sonst schau mal bei http://www.auktionshaus-schlegel.de, da ist die Online-Version zu finden.

http://philasearch.com/de/dosearch.php3?suchtext=rohrpost&Image1.x=0&Image1.y=0 führt direkt zur ersten Seite der Rohrpost-Angebote, viel Spaß beim Stöbern!

Beste Grüße,
Christoph
 
Jürgen Witkowski Am: 19.05.2008 23:29:47 Gelesen: 973194# 46 @  
@ Schmuggler [#44]

Vom Preis her ist der heute bei eBay versteigerte Beleg auch nicht schlecht: 106,99 €

http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&rd=1&item=130221384243&ssPageName=STRK:MEWA:IT&ih=003#ebayphotohosting

Da war doch ein Schmuggler am Werk! Was war für den hohen Peis ausschlaggebend?

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Schmuggler Am: 20.05.2008 10:16:30 Gelesen: 973187# 47 @  
Guten Morgen

und erst einmal dem Reichswolf alle Bedenken nehmen: Ist hartes Training - aber ist auch mir bereits gelungen. :-))

Die Losübersicht via Philasearch habe ich gefilzt, danke für die Info! Das elektronisch angemeckerte nicht-versenden von Katalogen an gekaufte und gespeicherte Interessenten - nicht nur ich - wurde bisher flott und schweigsam ignoriert.

@ Concordia

Ich würde das Los so interpretieren:

Portofreie Sendung (Frei durch Ablösung), plus Rohrpostgebühr (10 Pfennig) plus Orts-Eilbestellgebühr (40 Pfennig). Eine vermutlich sauseltene EF-Darstellung, welche von der üblichen "Eilbestellung" (ohne Rohrpostgebühr) wesentlich abweicht. Was machmal 10 Pfennig mehr so alles auslösen können.

Ein portofreier Brief mit "beschleunigter Rohrpostbeförderung zur Eilbestellgebühr" mit anschliessender Land-Eilbestellung (80 Pfennig) aus dieser Zeit brachte vor kurzem fast 1.000 EUR Auktionszuschlag (ohne Gebühren) - allerdings nicht bei eBay. So gesehen ist das obige Los ein echtes super-Schnäppchen.

Damit das Auge nicht nur Text sieht:


 
Schmuggler Am: 20.05.2008 10:26:45 Gelesen: 973184# 48 @  
WAS wäre ich OHNE nachgeklappere ?

Habe mir das Los noch einmal aber etwas genauer angesehen. Im Prinzip hatte ich recht, aber: Die Karte wurde in Friedenau, am ursprünglichen Bestimmungsort, nachfrankiert für die Rohrpostbeförderung und Eilbestellung in Binz - ohne Portoansatz blieb sie weiterhin.

Kurz: Noch'ne Plus-Variante mehr! :-))

Bei der Ganzsachenkarte geht es um den Stempelort, unter Berücksichtigung der Minuten-Zeitgruppe im Stempel.
 
AfriKiwi Am: 20.05.2008 10:38:11 Gelesen: 973182# 49 @  
@ Schmuggler [#48]

Briefbeförderung unter 1 Stunde, wo ging es schneller ?

Gab es Rohrpost auch wo anders, so wie in Berlin - London, New York, Paris oder Tokyo ?

Erich
 
Schmuggler Am: 20.05.2008 11:38:02 Gelesen: 973178# 50 @  
Grundsätzlich: JA.

Entscheidend ist die gefragte Zeit, so war z.B. die Wiener Rohrpost die 1. Rohrpost, welche für jedermann "öffentlich" nutzbar wurde. Zur internen Postbeförderung ist London und Paris bis 1875 im Vordergrund.

Prag und New York folgten um 1900, Karlsbad blieb - bis 1 (philatelistische) Woche - intern.

Ohne jedes Land liebevoll aufzählen zu wollen: Auch in Südamerika, Nordamerika, Italien und Tunesien wurde die öffentliche Rohrpost mit mehr oder weniger Erfolg publik.

Zur internen, "beschleunigten Beförderung" von Telegrammen und Eilbriefen ist in Deutschland Hamburg, Dresden, Frankfurt und München zu nennen - ohne Anspruch auf Vollzähligkeit: Nach einem Artikel soll es sogar in Hagen eine "pneumatische Anlage" gegeben haben.

Als eventueller unverkrampfter Einstieg in das Thema sollte das Buch "Luft-Züge" von Ingmar Arnold mit interessanten Bildern stehen. Das Werk wird immer wieder mal bei eBay angeboten, kann aber auch über jede Buchhandlung bezogen werden.

Hier ein Bild von dem Bau der Bostoner Rohrpost um 1905. Sehr schön kann man die dortige Skelettbauweise sehen.


 


AfriKiwi Am: 20.05.2008 11:53:39 Gelesen: 973172# 51 @  
@ Schmuggler [#50]

Also war es praktisch 'Mode' zu dieser Zeit.

Bei Nachfrage gab es ein Rohrpostsystem hier in Neuseeland zwischen Postamt und Finanzamt also müßte doch auch Post befördert wurden sein.

Konnte das aber noch nicht bestätigen.

Erich
 
Schmuggler Am: 20.05.2008 17:54:41 Gelesen: 973161# 52 @  
@ afri

Stopp! :-))

Du mußt unterscheiden: Postanlagen "öffentlich" (a la Berlin) oder Postanlagen "intern" - sie werden alle durch die "Post" betrieben.

Dagegen gibt private Rohrpostanlagen für die interne Firmenpost, sie werden in Einzelteilen immer wieder auf eBay angeboten. Ferner sogenannte private Groß-Rohrpostanlagen, z. B. zur Postbeförderung in einem Hochhaus mit mehreren Firmen.

Die nationale Gegebenheit in Deinem Land kann ich nicht beurteilen, aber per Rohrpost wurde/wird nicht nur "Post" befördert, sondern auch z. B. Waren und Güter. So werden aktuell an verschiedenen Universitäten Versuche mit Transportsystemen zwischen Logistiklager und Frachtflugplatz oder Frachtflugplatz in die Innenstadt gemacht. Gib mal bei google "Rohrpost" oder "Cargo" ein.

Das Bild zeigt einen englischen Transportwagen für Paketsendungen
um 1870 (!):



Sieht wie ein frühes Rennauto aus, lief aber unterirdisch auf Schienen in einem gemauerten Tunnel und wurde mittels "Wind", erzeugt von einem riesigen Radiator mit verstellbaren Flügeln, fortbewegt.
 
AfriKiwi Am: 20.05.2008 23:17:20 Gelesen: 973147# 53 @  
@ Schmuggler [#52]

Das habe ich auch so verstanden. Denn Deine Bilder [#50] zeigen schon das Großformat und in Auckland war es halt so zwischen Firmen, Post- und Finanzamt war aber auch zu dieser Zeit nicht privat hier.

Danke aber für die Erklärung, wovon ich auch nicht wußte vor einem Monat !

Erich
 
Jürgen Witkowski Am: 28.05.2008 22:18:28 Gelesen: 973051# 54 @  
@ Schmuggler [#52]

Interessante Einblicke in die Unterwelt der Rohrpost! Der englische Transportwagen erinnert mich irgendwie an einen "Rohling" des Mercedes Silberpfeil.

Eine Frage habe ich auch noch:

Der Ankunftstempel der Rohrpost-Karte vom 14.5.00 hat bei der Uhrzeit keine Minutenangabe. Hat es mit diesem Stempel etwas besonderes auf sich, oder ist einfach ein alter Stempel weiter verwendet worden?

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Schmuggler Am: 29.05.2008 09:48:54 Gelesen: 973039# 55 @  
Guten Morgen, Concordia,

der oben rechts abgeschlagene "Brücken-Gitterstempel mit arab. Minuten-Zeitgruppe" ist als Stempeltyp in der Rohrpost seit 1888 im Gebrauch, ergo parallel zu der Versuchsphase in der Briefpost. Zu dieser Zeit wurde die Uhrzeit noch als römische Minuten-Zeitgruppe von je 15 Minuten im Rohrpoststempel eingesetzt, beginnend mit der vollen Stunde: x Uhr 11 = ein waagerechter Strich oder Leerfeld, X Uhr 25 = I, x Uhr 32 = II, x Uhr 55 = III. In dem Stempeltyp ist nur noch das vorgesetzte Briefpostamt genannt.

Ab 1889 wurden schrittweise fast alle Rohrpoststempel auf die arabische Minuten-Zeitgruppe umgestellt - aber eine Zeitgruppe von ca. 10-15 Minuten blieb es auch weiterhin. Der Vorteil lag in der schnelleren und einfacheren Zeitumstellung mittels einem Verstellrad. Die haar- und minutengenauen Laufzeiten stehen im "Rohrpost-Laufplan", abgebildet im der Rohrpost Betriebs-Ordnung (RBO).

Der links unten gezeigte Rohrpost-Brückenstempel ist als Stempeltyp seit dem 6.3.1886 - nach einer 2jährigen Versuchsphase mit verschiedensten Stempeltypen - im Gebrauch. Die Uhrzeit wurde noch gesteckt. In dem Stempel werden das Briefpostamt mit z.B. P 34 und das Rohrpostamt R 34 genannt, welche zufälligerweise in diesem Stempel optisch identisch sind.

Als Stempeltyp ist er im Einzelfall noch bis 1936 im Gebrauch, um 1920 in verschiedenen Dienststellen für den Innendienst wieder im Gebrauch.

Die Frage nach "besonders" ist beantwortet, denn in wenigen Wochen wird das Rohrpostamt R 34 nur noch eine dem Briefpostamt PA O 34 untergeordnete Rohrpost-Betriebstätte sein - das ehemalige R 34 gibt es dann nicht mehr. Kurz: Statt dem Rohrpost-Brückenstempel wird ein Brücken-Gitterstempel gezeigt.

So sah der Steckkasten mit den verschiedenen Stecktypen für die Rohrpost aus - die für die Entnahme benötigte Greifzange sollte für dickere Finger als Hilfsmittel nicht übersehen werden! :-))
 
Schmuggler Am: 29.05.2008 10:12:58 Gelesen: 973037# 56 @  
Das Bild klappte nicht, da eine Tif-Datei.

Als mögliche Alternative zu dem soeben geschriebenen biete ich an: Einen Briefumschlag, ganz ungewöhnlich und sehr begehrt für die Rohrpostbeförderung frankiert, ex Herzog-Korrespondenz. Die Marken wurden mit einem der 4 Rohrpost-Versuchsstempel entwertet.


 
Schmuggler Am: 29.05.2008 10:46:02 Gelesen: 973034# 57 @  
Dieser Versuchsstempel der Rohrpost muß wie folgt gelesen werden:

Das Briefpostamt SW 61 ist oben am Kreis genannt, das Datum mittig. Ganz links aussen steht das "R" für Rohrpostamt, ganz rechts die Rohrpost-Amtsnummer, in diesem Fall "31".

Interessant ist die untere Uhrzeit mit Minuten-Zeitgruppe. Die "12" steht für 12 Uhr mittags, das "b" für die Minuten-Zeitgruppe x Uhr 15 bis x Uhr 30 und das "V" für Vormittags, analog zur englischen Zeitbennenung a.m (after meridian) und p.m. (post meridian).
 
Jürgen Witkowski Am: 29.05.2008 11:07:39 Gelesen: 973027# 58 @  
@ Schmuggler [#58]

Zunächst einmal vielen Dank für Deine umfangreichen Erläuterungen. Einen Teil habe ich jedoch noch nicht richtig verstanden:

>...der oben rechts abgeschlagene "Brücken-Gitterstempel mit arab. Minuten-Zeitgruppe" ist als Stempeltyp in der Rohrpost seit 1888 im Gebrauch, ergo parallel zu der Versuchsphase in der Briefpost.< Verstanden!

>Zu dieser Zeit wurde die Uhrzeit noch als römische Minuten-Zeitgruppe von je 15 Minuten im Rohrpoststempel eingesetzt,< Im Stempel links unten?

>beginnend mit der vollen Stunde: x Uhr 11 = ein waagerechter Strich oder Leerfeld, X Uhr 25 = I, x Uhr 32 = II, x Uhr 55 = III.< Habe ich das so richtig verstanden:

11 - V = 11.00 - 11.14 Uhr
11 - N = 21.00 - 21.14 Uhr
11 I V = 11.15 - 11.29 Uhr
11 II V = 11.30 - 11.44 Uhr
11 III V = 11.45 - 11.59 Uhr

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Schmuggler Am: 29.05.2008 11:11:17 Gelesen: 973026# 59 @  
@ Concordia CA [#11]

Da mein Archiv im Moment offen ist und die Zeit nicht ganz so schnell davonrennt:

Diese vorgedruckten Karten für ein Wahlergebnis wurden erstmals 1878 und 1879 eingesetzt - je nach Wahl. Karten "bis 1880" sind schlichtweg als "selten" zu bezeichnen.

Ganz selten sind Rohrpostkarten mit privatem Text-Zudruck zu einem einmaligen Anlaß:





Das vordergründig Interessante ist der "silbrig"-wirkende, noch heute glänzende Zudruck, im Scan bläulich wirkend: Die Drucker setzten die Buchstaben in den Druckrahmen und spannten dann eine Aluminium-Folie über den Text - und druckten damit, im Gegensatz zu echtem Silber, ein mal "Anlaufsicher". Wenn man ferner weiß, dass dieses Material zu dieser Zeit teurer wie Platin und Gold war, kann man über den Aufwand und das knowhow heute nur noch staunen.
 
Jürgen Witkowski Am: 29.05.2008 11:17:34 Gelesen: 973023# 60 @  
@ Schmuggler [#59]

Da ist ein wirklich schönes Stück. Sogar die Stempel sind dem Anlass angemessen sehr sauber abgeschlagen!

Der Rundstempel R1 N19 ist vermutlich der Boten- /Briefträgerstempel? Welche Bedeutung hat der Kastenstempel unten links?

Deinen Stempelsetzkasten habe ich durch Formatumwandlung sichtbar machen können.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Schmuggler Am: 29.05.2008 11:46:26 Gelesen: 973020# 61 @  
@ Concordia CA [#58]

Jetzt fangen die Themen an zu springen ... :-))

Also brav der Reihe nach und fast haargenau:

Bis 12/1889 wurden alle Rohrpost-Stempeltypen "gesteckt": Die Minuten-Zeitgruppe wurde mit "Leerzeile" oder "waager. Strich" und den römischen Ziffern I, II, oder III dargestellt, gleich welcher Rohrpost-Stempeltyp verwendet wurde.

Ab 1889 wurde die römische Minuten-Zeitgruppe erstmals in einem Rohrpost-Brückenstempel durch eine arabische Minuten-Zeitgruppe dargestellt und schrittweise wurde diese neue Zeitdarstellung in allen Rohrpost-Stempeltypen übernommen.

Das "V" für Vormittags steht immer hinter der Uhrzeit, ebenso das "N" für Nachmittags, denn um 12 Uhr Mittags (= noch "V") drehte sich die Zeit von Vormittags auf Nachmittags - einen Zeitbegriff von "14 Uhr" gab es zu dieser Zeit noch nicht. 1 Uhr V ist nach heutigem Verständnis eine Stunde nach Mitternacht, 1 Uhr N entspricht der heutigen 13 Uhr. Kurz: Genau wie Du es oben dargestellt hast.

Konnte ich Deine re- so verständlich beantworten?
 
Schmuggler Am: 29.05.2008 12:02:23 Gelesen: 973018# 62 @  
@ Concordia CA [#60]

Ich stelle heute die Beantwortung Deiner Frage zurück, da es zu dieser Zeit (1883) in Berlin noch keine Brücken- und Gitterstempel gab. :-))

Wird sonst alles zu unruhig, komme aber bald darauf zurück.

Danke für die Bildumwandlung des Setzkastens - ich habs zwar auch versucht, aber ohne Erfolg :-((

Das es ein Setzkasten für die Rohrpost war, sieht man auch an den überwiegenden Leerfächern - die in der Briefpost natürlich alle aufgefüllt waren.

Nu aber an die häuslichen Pflichten!
 
Henry Am: 29.05.2008 20:45:52 Gelesen: 972997# 63 @  
@ Concordia CA [#58]

Mische mich jetzt wieder in ein höheres Fachgespräch ein. Habe aber ein Verständnisproblem.

Nach den folgenden Erläuterungen müßte die Bezeichnung 11-N doch 2 3.00 - 2 3.15 bedeuten. Oder kann ich nicht rechnen?

Gruß
Henry
 
Schmuggler Am: 29.05.2008 21:12:55 Gelesen: 972994# 64 @  
@ Henry [#947]

Bin zwar nicht Concordia, aber an dem Mit-denken und -rechnen auch nicht ganz unbeteiligt: Ja Henry, 11 N ist 23 Uhr. :-((

War doch nur ein Test an den Hintergrund, oder?! :-))
 
Jürgen Witkowski Am: 29.05.2008 21:14:08 Gelesen: 972994# 65 @  
@ Henry [#947]

Du mischt Dich in keiner Weise ein. Aber mit Rechnen hat der von Dir aufgezeigte Fehler nichts zu tun. Es war ein Tippfehler von mir. Da habe ich vor lauter Einsen den Wald nicht mehr gesehen. Danke für die Richtigstellung.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Schmuggler Am: 03.06.2008 18:35:23 Gelesen: 972914# 66 @  
@ Concordia CA [#60]

Ab dem 1.12.1875 gab es 5 Stempel, welche nur in der Rohrpost verwendet wurden. Sie haben als Kreisstempel oben mittig eine römische I, II, VI oder V sichtbar und stehen für die 4 Telegraphenämter mit Rohrpostanschluß. Der 5. Stempel ist vom C 1 mit rechts einem kleinen x statt Stern in der Briefpost. Alle anderen Rohrpostämter verwendeten ihren gewöhnlichen Briefpost-Tagesstempel auch für alle Rohrpostsendungen.

1879 kamen die sogenannte Distributionskreisstempel, wie Du ihn im Beleg mittig siehst: "Rohrpostsendung aus dem Nordkreis (= N), welche mit der 19 . Fahrt des Tages (= 19) im Rohrpostamt R1 ankam". Die frühesten Stempel waren zwar gering anders, aber ab 1880 so wie beschrieben. Beide Stempeltypen konnten bis 3/1886 im Gebrauch sein - der neue Rohrpost-Kreisbrückenstempel für fast alle Rohrpostämter ist da. Denn:

Der Rahmenstempel links unten ist ein sogenannter "Ausgefertigt-Stempel" und soll aus der Telegraphie stammen. Letztendlich dokumentiert er für das Rohrpostamt in der Börse und im C 1, analog zu den Distributionskreisstempeln die Eingangs- oder Bestellzeit an den beiden Rohrpostämtern. Wie Du siehst, sind sie aber bereits mit einer Uhrzeit versehen. Ob die Uhrzeit noch gesteckt oder bereits gedreht wurde, ist bisher nicht bekannt geworden. Gleichwohl ist der Stempeltyp in vielen Varianten und diversen Stempelfarben bis ca. 1920 bekannt.

Interessanter wird es ab 1889, als auch die Rohrpost mit der Stempelautomation zu experimentierten begann:



Der Eingangsstempel vom PA 19 am 7.9.1889 um 10,46 Uhr V.

Die Minutenzeit (oder auch der "Rest"?) wurden permanent unter Strom gehalten und die Daten drehten sich entsprechend elektrisch weiter - durchaus vergleichbar mit einer heutigen Uhr mit Datums- und Minutenanzeige. Dieser Stempelautomat am PA 19 ist bisher nur von diesem Tag bekannt, andere Modell- und Stempeltypen waren teilweise bis 1920 im Gebrauch.
So KÖNNTE der Automat 1889 ausgesehen haben:



Die Abbildung ist hier jedoch "um 1900": Links der Postgut-Einschub, rechts die diversen Scheiben mit den gewünschten Daten - und schon sind "wir" mitten in der sog. Post-Stempelautomation. :-))

Demnächst mehr in diesem Theater!
 
Bodo35 Am: 05.06.2008 10:15:14 Gelesen: 972860# 67 @  
Hallo,

das ist ein sehr interessanter Beitrag und ich habe hier eine Menge über Rohrpost mitbekommen. Habe meine Briefekisten mal durchsucht und einen Rohrpostbeleg gefunden. Hierzu meine Frage, es wurde hier gesagt das die Umstellung der Zeitangabe in den Stempeln ab 1889 erfolgte. Mein Beleg ist vom 26.3.90 und hat noch die alte Zeitangabe mit I. Wie lange dauerte die Umstellung? Zusätzlich weist mein Stempel vom P21 vor der 4 ein kleines "K" auf. Wofür steht das? Meine letzte Frage. Gibt es eine Übersicht über die Rohrpostämter in Berlin?

Ich hoffe ihr könnt mir diese Fragen beantworten.

Viele Grüße

Bodo35


 
reichswolf Am: 05.06.2008 12:03:58 Gelesen: 972855# 68 @  
@ Bodo35 [#67]

Hallo Bodo35,

bei Wikipedia gibt es einen Artikel zur Rohrpost in Berlin, in dem auch Karten mit allen Rohrpostämtern gezeigt werden:

http://de.wikipedia.org/wiki/Rohrpost_in_Berlin

Ganz unten findest du noch weitere Links, die durchaus lohnenswert sind.

Besten Gruß,
Christoph
 
Schmuggler Am: 06.06.2008 08:04:57 Gelesen: 972837# 69 @  
@ Bodo35 [#67]

Guten Morgen,
mal ganz auf die Schnelle:

Die Umstellung im Stempel konnte im Einzelfall bis 1900 dauern, siehe Beitrag [#11]. Im Allgemeinen jedoch war die Umstellung bis 1898 beendet.

Das "k" kann ich nicht beantworten, möglicherweise ist es auch ein nur halbherzig abgeschlagener Zier- oder Ersatzstern.

Die allgemeine Frage nach der Anzahl der Rohrpostämtern ist gigantisch! :-)) Denn auch die Rohrpostämter und deren Leitungen unterlagen einer permanenten Veränderung und Anpassung: Was 1900 noch richtig war, kann 1920 bereits falsch und 1930 völlig unbekannt sein. Kurz: Grenze Deine Frage zeitlich ein und Dir kann möglicherweise geholfen werden. Wenn Du ALLE Rohrpostämter genannt haben möchtest, dann solltest Du Dich insgesamt auf ca. 200 Ämter innerlich vorbereiten.

Ab in den Tag!
 
Schmuggler Am: 08.06.2008 17:12:19 Gelesen: 972789# 70 @  
Um die Zeit bis zum Fußballspiel zu überbrücken, hier noch einige Ergänzungen in optischer Form als leichte Kost:



Ab 1863 wurde die Paketpost in London mit Rollwagen und Luftdruck befördert, hier die 1. offizielle Fahrt, wie man an den würdigen Herren mit Zylinder und Bart unschwer erkennen kann. Die inoffizielle Eröffnung muß wenig früher erfolgt sein, denn in den Archiven ist verankert, dass der damalige 1. Präsident der privaten Beförderungsgesellschaft unter den skeptischen Blicken seiner Begleitung sich selbst per Rollwagen plus Druckluft befördern ließ.

Im Hintergrund das Schwungrad ("Fying Weel"), welches die verstellbaren Propeller für die Druck- bzw. Zug-Luft antrieb. In der Realität war dieses Schwungrad aber nicht an dieser Stelle aufgebaut.

Gab ein Postkunde seine Rohrpostsendung nicht am Rohrpost- sondern Briefpostschalter ab, konnte der Wertstempel mit völlig anderen Stempeln aus der Briefpost entwertet sein. Hier ein Beispiel aus der Post-Stempelautomation in Form eines der seltensten Bickerdike-Stempeltypen von Berlin:



Ebenso ist eine Aufgabe während einer Veranstaltung oder einem bestimmten Anlaß möglich. Eine Rohrpostsendung konnte in Berlin an jedem Postamt (außer Paketpost) aufgegeben werden und wurde der nächsten Rohrpoststation sofort zugeführt, um dann von dort per Rohrpost befördert zu werden:



Natürlich konnten auch Rohrpostsendungen "nach außerhalb", d.h. ausserhalb des damaligen Rohrpostnetzes befördert werden. Der Postkunde musste dann die entsprechende Rohrpostgebühr zahlen, plus das gewöhnliche Briefpost-Beförderungsporto der Sendungsart an den Bestimmungsort. Dort wurde die Sendung NICHT per Eilboten ausgetragen, wenn die Eilbestellgebühr nicht frankiert wurde. Wurde sie mit weiteren 25 Pfennig frankiert, wurde sie auch per Eilboten bestellt.



Das ging auch in andere Länder:



Apropos Österreich: Gleich gehts los - und noch einen schönen Sonntag.
 
Jürgen Witkowski Am: 18.06.2008 22:38:30 Gelesen: 972707# 71 @  
@ Schmuggler [#70]

Auf deinen schönen Bickerdike-Stempel kann man richtig neidisch werden. Ein wirklich prächtiger Beleg.

Mit einem ganz alltäglichen Rohrpostbrief - Ganzsache MiNr.RU 6 - geht es wieder in den Alltag. Die Presse, in diesem Fall das Berliner Redaktionsbureau des Breslauer General-Anzeigers, war wohl eifriger Nutzer dieses schnellen Systems.

Aufgegeben am Postamt Berlin C 2, ging es zum Postamt Berlin W 35. Am 26.11.04 um 3.40 Uhr Nachmittags aufgegeben, kam der Brief schon 20 Minuten später am Zielpostamt an.

Der zweite Stempel auf der Vorderseite wurde wohl abgeschlagen, weil beim Stempel auf dem Wertzeicheneindruck die Uhrzeit nicht zu lesen war. Überhaupt schien die Stempelfarbe Mangelware zu sein. Der violette Zustellerstempel oberhalb von Straße und Hausnummer ist mehr zu erahnen, als zu sehen und der Ankunftstempel hätte aus Sammlersicht auch etwas mehr Farbe vertragen können.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Schmuggler Am: 20.06.2008 18:34:36 Gelesen: 972663# 72 @  
@ Concordia CA [#71]

Der 2. Bickerdike-Stempel der Post-Stempelautomation von C 2 ist grundsätzlich nicht selten, auf Rohrpost dennoch auffällig und wahrlich keine Massenware. :-)) Damit aber kein Irrtum entsteht: Nicht alle gezeigten Belege sind aus meiner Sammlung, sondern aus meinem Archivbestand über die Berliner Rohrpost: Das "Zusammenspiel von Berliner Postgeschichte und die Rohrpost" kann eine ungeheuer spannendes Sammelgebiet sein - wenngleich es eine informative Ausstellung dazu nie geben kann, es ist einfach zu umfangreich und kein Juror kann ohne Spezialwissen die Ausstellungssammlung würdigen oder gar bewerten.

Die z. Zt. optisch und preislich "auffälligste" Rohrpostsendung ist ein Bahnhofsbrief mit gewünschter Rohrpostbeförderung aus dem Jahr 1905, welches dem Erwerber *tutticompletti* über 2.000 EURO Wert war:


 
Schmuggler Am: 20.06.2008 18:48:39 Gelesen: 972659# 73 @  
@ Concordia CA [#71]

Bevor die Bickerdike-Stempelmaschinen eingesetzt wurden, sind weitere 10 Jahre zurück, bereits die Hoster-Stempel für 2 Jahre im Einsatz, welche in der Briefpost ebenfalls nicht "selten" sind - wohl aber in der Rohrpost, denn die Sendung mußte in einem bestimmten Augenblick an bestimmter Stelle sein - wie bereits oben ausgeführt :



Die 10 Pfennig Ergänzungsporto auf dem Rohrpostbrief ist das Porto für die Sendung von Berlin nach Kempten, in Berlin wurde der Brief per Rohrpost für 30 Pfennig befördert.

Zurück zum Bickerdike-Stempel, da in einer anderen Diskussion ebenfalls die Stempel-Postautomation im Gespräch ist: Das ist der 1. offizielle Bickerdike-Stempel nach der 1. Versuchsphase mit kurzem "Schweif":



und so sah die Stempelmaschine dazu aus, welche bereits elektrisch betrieben wurde:



Wer sich für die Stempelautomation interessiert, sollte sich die verschiedenen Bände von Kohlhaas/Ries aus der INFLA-Bücherei zulegen: Sehr preisgünstig UND informativ.

Am 23.12.1899 kam die sogenannte "Jahrhundert-Ganzsachenkarte", katalogisiert als P43, an der Verkaufsschalter. Auch sie konnte selbstverständlich per Rohrpost, gegen die entsprechende Ergänzungsgebühr, befördert werden:



Am 1.4.1900 begann der sogenannte "Nachbar-Ortsverkehr", d. h. eine Postkarte kostete nicht mehr 5 Pfennig und ein Brief 10 Pfennig Porto in diesem Gebiet, sondern nur noch 2 Pfennig für die Postkarte und 5 Pfennig für den Brief. Doch davon aber erst später! .-))
 
Bundpostfrischsammler Am: 26.06.2008 18:28:36 Gelesen: 972590# 74 @  
Zum Stichwort "Nachbarortverkehr" ließe sich folgender Beleg zeigen:


 
Bundpostfrischsammler Am: 26.06.2008 18:30:46 Gelesen: 972588# 75 @  
Oder dieser Brief:


 
Schmuggler Am: 28.06.2008 09:58:02 Gelesen: 972553# 76 @  
Guten Morgen Bundespostfrischsammler,

erst einmal eine herzliches Willkommen auf diesen Seiten.

Das sind 2 SEHR schöne Belegstücke von Dir, welches das Thema "Nachbar-Ortsverkehr" für Porto und Gebühr aufzeigen - und absolut keine Massenware.

Magst Du das Thema hier noch was philatelistisch vertiefen und eventuellen Hintergrundlesern mit Lernwillen erklären/erläutern? Fände ich gut, denn dann komme ich mir nicht wie ein Alleinunterhalter in einem vollen Saal vor. :-))

Noch ein schönes Wochenende !
 
Jürgen Witkowski Am: 01.07.2008 17:09:58 Gelesen: 972494# 77 @  
@ Schmuggler [#76]

Nach solchen ausgefallenen Belegen traut man sich mit den eigenen Rohrpostkarten kaum noch an die Öffentlichkeit.

Nichtsdestotrotz habe ich mal wieder etwas gefunden, zu dem ich auch gleich eine Frage habe.

Die Rohrpostkarte ist am 15. Juni 1891 gelaufen und hat die MiNr. RP 8 und ist nicht weiter ungewöhnlich. Weiter habe ich gelernt, dass bei den Stempeln ab 1889 die Minutengruppen von römischen Ziffern, wie im unteren Stempel, auf arabische Ziffern, wie in den beiden oberen Stempeln umgestellt wurden.

Nicht erklären kann ich mir die Buchstaben H.T.A. in den leider etwas verkantet abgeschlagenen Stempeln Berlin,W.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Bundpostfrischsammler Am: 01.07.2008 18:05:01 Gelesen: 972489# 78 @  
Sofern mir die Zeit bleibt, kann ich gerne auch ein paar Dinge Erklären. Der völlige Experte ist jedoch unser "Schmuggler"

HTA steht für Haupttelegraphenamt. Das HTA war seit 1876 in Betrieb und lag in der Oranienburger Straße 73-76.

Es war ein Sternenförmiger Knotenpunkt für die Rohrpoststrecken in alle vier Himmelsrichtungen.
 
reichswolf Am: 01.07.2008 18:07:57 Gelesen: 972487# 79 @  
@ Concordia CA [#77]

Hallo Jürgen,

HTA bedeutet Haupt-Telegrafen-Amt, siehe hier:

http://www.luise-berlin.de/berlinaz/index.html#nvl?Haupttelegraphenamt

Beste Grüße,
Christoph

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Edit: Bundpostfrischsammler war schneller. :-)
 
Schmuggler Am: 05.07.2008 20:32:25 Gelesen: 972432# 80 @  
@ reichswolf [#79]

Meine beiden Vorredner haben prinzipiell recht, ABER: Das "Rohrpostamt 1 im HTA" hatte den Eingang (und Anschrift) "Französische Strasse 33b+c", weil das HTA ein Eckgebäude war.

Es hatte zu dieser Zeit auch noch keinen Brückenstempel laut der Fragestellung von Concordia, sondern einen gewöhnlichen Kreisstempel "Berlin W" mit einer oben mittig gesetzten römischen I. (Brückenstempel finden erst ab 1886 in der Rohrpost Verwendung)



Hier als Ankunftsstempel links während der sog. kurzen blauen Phase.

Noch blauer und noch länger verwendete ist der Rohrpoststempel vom P64 (R 7) bekannt, wobei der Stempel in Schwarz unscheinbar aber erheblich seltener ist.



Zurück zum Thema Nachbar-Ortsverkehr:

Ergänzend zu obigem Beitrag, kann eine solche Sendung auch frankiert auf einem Kartenformular vorkommen:



Sollten aus irgendeinem Grunde die zusätzlichen 2 Pfennig Porto neben der Rohrpostgebühr für eine Postkarte fehlen, wurde die Sendung gegen die Rohrpostgebühr per Rohrpost befördert, aber dann der Briefpost übergeben: Diese taxierte in diesem Fall das fehlende Porto mit "4" hinzu. denn die Briefpost taxierte nach ihren Regeln mit "das doppelte des Fehlbetrages" - in diesem Fall eben 2+2=4 unübersehbar in der Farbe blau.



1906 endete das vergünstige Porto für "Karten" im Nachbar-Ortsverkehr, sie kosteten jetzt wieder 5 statt 2 Pfennig. Der Brief blieb unverändert und weiterhin bei 5 statt 10 Pfennig.

1909 gab es für die Rohrpost eine grundsätzliche Veränderung. Wurden seit 1877 alle Rohrpostsendungen aus Berlin, adressiert in die OPD Berlin, dort unentgeldlich immer sofort per Eilboten bestellt (so wie in der Stadt auch) so mußte ab 1909 zusätzlich zur Rohrpostgebühr und dem Porto noch die Eilbestellgebühr frankiert werden - wenn diese gewünscht wurde. Wurde diese Gebühr nicht frankiert oder taxiert, wurde die Sendung auch nicht per Eilboten in der OPD bestellt, sondern auf dem nächsten gewöhnlichen Briefpost-Bestellgang mit ausgetragen.

Alle Versuche, diese Mehrgebühr mittels Eilboten-Aufkleber "heimlich" zu umgehen, sind wohl gescheitert - entsprechend selten sind Belege mit allen frankierten oder taxierten Leistungen.

Doch davon das nächste Mal etwas mehr. :-))


 
Schmuggler Am: 06.07.2008 12:11:22 Gelesen: 972419# 81 @  
Guten Tag.

Briefpostsendungen mit bezahlter Rohrpostbeförderung plus Beförderungsporto kann man gelegentlich beobachten, siehe vorherige Darstellungen nach Breslau bzw. Wien vor 1900. Mit einer zusätzlichen Eilbestellung am Bestimmungsort wird es ab 1900 extrem eng:



Die frankierten 65 Pfennig sind schnell bestimmt:

- 10 Pfennig Porto für eine Fernsendung eines Briefes an den Rand des Kurischen Haffs
- 30 Pfennig Rohrpostgebühr für die Rohrpostbeförderung in Berlin und
- 25 Pfennig Eilbestellgebühr in Cranz/Ostpreussen.

Scheinbar schwieriger wird es im nächsten Fall, denn es sind nur 60 Pfennig gezeigt:

- 5 Pfennig Porto für die Sendung eines Briefes in den Nachbar-Ortsverkehr
- 30 Pfennig Rohrpostgebühr in Berlin und
- 25 Pfennig Eilbestellgeld am 7.4.1910 in Nonnendamm im OPD-Bezirk.



In diesem Zeitfenster geschieht noch etwas Wesentliches: Unterfrankierte Rohrpostsendungen wurden bisher an die Briefpost abgegeben und dort mit dem "doppelten des Fehlbetrages" taxiert - wie oben mit der blauen "4" im Nachbar-Ortsverkehr gezeigt.

Aber bereits ab 1898 sollte die Rohrpost selbst taxieren: "Fehlender Porto- oder Gebührenanteil plus einmalig 10 Pfennig". Zu 99% hielt sich aber niemand an diese Regel, sodass richtig in der Rohrpost taxierte Sendungen extrem selten sind:



Ganzsachenkarte für die Auslandsverwendung (10 Pfennig), taxiert mit + 25 Pfennig für die fehlende Rohrpostgebühr: 15 Pf. fehlende Rohrpostgebühr plus 10 Pfennig Rohrposttaxierung = 25 Pfennig am 4.1.1908.

Ab 1909 wurde diese Rohrposttaxierung, parallel zu der nicht mehr "automatisch" ausgeführten Eilbestellung in dem OPD-Bezirk Berlin, rigeros in der Rohrpost umgesetzt: Es kommt ab dieser Zeit zu 99% nur noch die Rohrposttaxierung und nicht mehr die bisherige Briefposttaxierung ("doppelte des Fehlbetrages") in Anwendung.



Fehlendes Porto nach Grunewald (5 Pfennig) in den Nachbar-Ortsverkehr plus 10 Pf. Rohrposttaxierung = 15 Pfennig blaue Taxierung.

Diese Mehrgebühr für den Empfänger führte wohl zu Kundenreklamationen, denn kurz darauf (1909) kam der Taxierungs-Informationsaufkleber am Bestimmungsort in Anwendung. Erst handschriftlich



dann ab ca. 1910 in gedruckter Form, mit oder ohne handschriftliche Ortsergänzung.



Demnächst ein etwas mehr zum Thema "Die Reichsabgabe", sofern nicht andere Wünsche bestehen.
 
Bundpostfrischsammler Am: 08.07.2008 09:18:16 Gelesen: 972378# 82 @  
Und einmal ein Beleg im Ganzen.
 


Schmuggler Am: 08.07.2008 09:43:42 Gelesen: 972374# 83 @  
Am 26.6.1916 wird das zeitlich befristete ("bis auf Widerruf") Gesetz zur "außerordentlichen Reichsabgabe" veröffentlicht und ab dem 1.8.1916 umgesetzt.

Hintergrund zu diesem Gesetz war die Gegebenheit, dass der Haushalt der Reichspost als Folge des Krieges dringend konsolidiert werden musste: Nach einem noch riesigen Gewinn im Haushaltsjahr 1913 stürzte die Bilanz 1914 in einen leichten Verlust um bereits 1915 nur noch rote Zahlen zu schreiben. Die für 1916 vorauskalkulierten Kosten hätten auch der Staatshaushalt nicht mehr ausgleichen können. Der Bilanz-Rettungsversuch endet als Kompromiß in obigem Gesetz.

Dieses Gesetz führte zu den in den heutigen Porto- und Gebührentabellen genannten Werten. In der Rohrpost erhöhte sich die Beförderungsgebühr für Karte und Brief um je 5 Pfennig.

Die neuen Ganzsachen für die Rohrpost mit dem neuen Wertstempel zu 30 bzw. 35 Pfennig wurden vorläufig nicht hergestellt, da die alten Friedensdrucke noch in großen Mengen vorhanden sind; die alten Friedens-Ganzsachen wurden mit plus 5 Pfennig auffrankiert und den neuen Gebühren angepasst.



Ganzsachenumschlag der Rohrpost (30 Pfennig) mit 5 Pfennig Ergänzungsgebühr für die Reichsabgabe am 18.9.1916 im Rohrpostbezirk.



Ganzsachenkarte der Rohrpost (25 Pfennig) mit 5 Pfennig Ergänzungsgebühr für die Reichsabgabe am 25.9.1916 im Rohrpostbezirk. Die Frankatur wurde handschriftlich entwertet.

Die im "Haus der Philatelie" in Bonn archivierten Proben für die neuen Ganzsachen der Rohrpost sind aus September 1916, die z. Zt. frühesten bekannten Verwendungen aus dem Frühjahr 1917.

Die neue Briefmarke zu 35 Pfennig (MiNr. 103) ist erstmals ab Februar 1909 in Gebrauch.



Ein Ganzsachenumschlag des Admiralstab, ein sog. DRUB, mit der laufenden Nr. 193 aus Oktober 1918 und der eingedruckten Gebühr (Wertstempel) für die Rohrpostbeförderung zu 35 Pfennig.

Am 11.9.1919 wurde das "Gesetz zur ausserordentlichen Reichsabgabe" von 1916 pflichtgemäß widerrufen - um durch die Reichspost eine neue Porto- und Gebührenstruktur ohne Reichsabgabe zum 1.10.1919 anzukündigen.
 
Pilatus Am: 08.07.2008 21:40:51 Gelesen: 972351# 84 @  
Und so hat sich mein Urenkel das vorgestellt. Hat er mir gestern grade verraten.

Gruß Pilatus


 
Jürgen Witkowski Am: 09.07.2008 21:19:16 Gelesen: 972319# 85 @  
@ Schmuggler [#83]

Prima, dass du zwischen deinen Knecht- und Frondiensten in Haus und Garten immer mal wieder hier nach dem rechten siehst und für die Weiterbildung der geneigten Leserschaft Sorge trägst.

Meine neueste Beute aus der Rubrik Rohrpost wirft bei mir Fragen auf.

Die Fakten:

Rohrpostkarte MiNr. RP 13
Der Ziffernstempel mit der 11 ist ein Botenstempel.
Aufgegeben wurde die Karte am 24.6.02 1.30 N auf dem Postamt Berlin W62.
Der Ankunftstempel ist identisch mit dem Aufgabestempel.

Das Postamt W 62 lag (liegt immer noch?) in der Schillstraße im Bezirk Tiergarten. Es handelt sich um ein Bestell-Postamt.

Meine Fragen:

Wo liegt die Sinngebung einer Rohrpostsendung, die lediglich innerhalb des Postamtes bewegt wurde, bevor sie vom Boten zugestellt wurde? Hat sie jemals eine Rohrpostbüchse von innen gesehen?

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
AfriKiwi Am: 09.07.2008 22:57:58 Gelesen: 972312# 86 @  
@ Concordia CA [#85]

Hallo Jürgen,

ich möchte es nicht bezweifeln da Du die Karte vorher genauer betrachten kannst aber ich sehe die Zeitangabe auf der Brief Marke als 1:00, nicht als 1:30 wie links unten.

Wenn das stimmt ging alles sehr schnell aber wie !

Wie sehen es Andere ?

Erich
 
Jürgen Witkowski Am: 09.07.2008 23:18:02 Gelesen: 972310# 87 @  
@ AfriKiwi [#86]

Hallo Erich,

ich bin der Meinung, ich habe ausnahmsweise mal richtig hin geschaut und die Uhrzeit 1.30 N entziffert.

Das ist der Beweis:

Mit besten Durchblickergrüßen
Jürgen
 
AfriKiwi Am: 09.07.2008 23:58:42 Gelesen: 972308# 88 @  
@ Concordia CA [#87]

Na gut, ich sehe immer noch keine 3, aber wenn Du damit zufrieden bist sind Deine Fragen noch zu beantworten.

Erich
 
Schmuggler Am: 10.07.2008 08:29:53 Gelesen: 972290# 89 @  
@ Pilatus

Symbolisch hat Dein Urenkel gar nicht sooooo Unrecht, wenn er mit der Darstellung eine Haus-Rohrpostanlage meint, welche "auf Antrag" ab 1923 durchaus möglich war - allerdings aus Kostengründen wohl nicht für Privat. :-))

Mal neugierig gefragt: Aus welcher Quelle stammt das mir unbekannte aber nette Bild und kann ich es in mein Archiv übernehmen - ohne das Copyright zu verletzten?

@ Concordia

Schaut sich der Sammler seine Stücke an und kann/möchte sie auch "lesen" und verstehen, trifft man diese Erscheinung zu einer Aufgabe und Bestellung durch das Aufgabepostamt im Ortsverkehr relativ häufig an.

Die Ursache dafür kann viele Gründe zu jeder Zeit haben: Von Leitungsstörung bis philatelistischen Bedarf. Der rückseitige Text lässt meist die Interpretation zu, zu welchem Zweck die Karte geschrieben wurde. Letztendlich hat in der Brief- und Rohrpost das Aufgabepostamt bzw. der Annahme-Beamte entschieden, wie eine Sendung [B]schnellstens[/B] dem Empfänger zugestellt werden konnte. So konnte es durchaus sein, daß eine Rohrpostsendung trotz korrekter Rohrpostgebühr nie das Rohr von innen gesehen hat, weil z. B. die Empfangsanschrift noch im eigenen Bestellbezirk lag und der Bote "gleich" seinen Bestellgang begann.

Zeig doch bitte mal die Rückseite zu der Karte, dann lässt sich möglicherweise mehr dazu sagen.
 
Pilatus Am: 10.07.2008 11:41:31 Gelesen: 972281# 90 @  
@ Schmuggler [#89]

Hallo Sammlerfreund Schmugler,

unter dem Thema "Spaß mit Briefmarken" kannst Du die Quelle und weitere dazugehörige Informationen nachlesen.

Mit freundlichen Grüßen Pilatus
 
Jürgen Witkowski Am: 10.07.2008 12:09:41 Gelesen: 972279# 91 @  
@ Schmuggler [#89]

Deinem Wunsche will ich gerne Folge leisten. Wenn ich das Gekrakel richtig deute, handelt es sich um die Absage eines Termins wegen Störung der Befindlichkeit. Eine Ausrede folgt der nächsten. Da ist bestimmt eine Veröffentlichung nicht zum vorgesehenen Termin fertig geworden.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Schmuggler Am: 10.07.2008 12:48:53 Gelesen: 972274# 92 @  
JAU!

Den eventuellen Verdacht auf "philatelistischen Bedarf" oder entsprechende Spielereien bei der Kartenvorderseite konntest Du entkräften - meine geäusserte Vermutung wird gefestigt! :-))

Damals wie heute: Wer kennt denn den Bestellbezirk von seinem Aufgabepostamt? Kurz und Alltagstauglich: Man schreibt seine Botschaft, wirft sie in den Postkasten oder gibt sie am Schalter ab - und die Post bestellt "bitte fix" für xyz Porto oder Gebühr. Das "WIE" interessiert doch im nachhinein niemanden.

SALUTE!
 
Schmuggler Am: 12.07.2008 13:33:21 Gelesen: 972210# 93 @  
Ab 1916 ist ein Stempel mit Minuten-Zeitgruppe bekannt, welcher mit dem Zusatz "Königliches Schloß" versehen ist.

Dieser Zusatz allein reichte auf einigen Auktionen in der Vergangenheit aus, um einen heutigen Preis von ca. 500 EUR für den Stempel auf Rohrpost zu rechtfertigen. Gleichwohl ist der Stempelzusatz grundsätzlich bereits vor 1910 in meinem Archivbestand. Bis zum Ende seiner Laufzeit wird er vielen Veränderungen unterworfen, mit der Minuten-Zeitgruppe ist er jedoch erst ab 1916 bekannt.



Im Herbst 1918 wird der Stempel grundsätzlich nicht mehr verwendet. Fasst man alle mir bekannten Informationen zusammen, so war das "Königliche Schloß" ein Haus-Postamt für den Kaiser, denn es war nur dann geöffnet bzw. in Betrieb, wenn sich der Kaiser im Schloß befand. War er auf Reisen, Manöver oder sonstwo, erfüllte das "Kabinetts-Postamt" diese Funktion.





1920, der Kaiser befand sich ohne eigenes Postamt und Stempel in den Niederlanden, wurde vor kurzem ein neuer Stempel mit Minuten-Zeitgruppe aus Berlin bekannt:



Ab dem 1.10.1920 wurde in der Rohrpost und in der Ortsgeschichte von Berlin alles anders: Die vielen Vororte bzw. Vorstädte von Berlin vereinigten per einem Gesetz sich zur neuen "Stadtgemeinde Gross-Berlin", griffiger als "Gross-Berlin" bekannt. Zu den eingemeindeten Ortschaften gehörten nicht nur die bekannten Ortschaften, sondern auch die kleine, autonome Enklave "Königliches Schloss" - und fast alles bisher gesagte und geschriebene zum Thema "Rohrpost" ist nicht mehr gültig: Ein ganz neues Kapitel zum Thema "Rohrpost" beginnt, "garniert" mit dem beliebten Sammelgebiet "Inflation".
 
doktorstamp Am: 16.07.2008 14:24:45 Gelesen: 802942# 94 @  
Deutsches Reich: Rohrpostkarte Mi RP 23

Michel gibt nur 1928 und bis zu 30.6.1933 gültig. Aus einem Englischen Forum wurde die Frage gestellt. Zu welchem Datum war die Karte in diesem Jahr ausgegeben?

mfG

Nigel
 
Jürgen Witkowski Am: 16.07.2008 16:38:36 Gelesen: 802933# 95 @  
@ doktorstamp [#94]

Auch im guten alten Ascher-Ganzsachenkatalog ist leider auch nur das Jahr 1928 als Ausgabezeitpunkt vermerkt. Das für die Karte passende Porto ist bereits ab dem 01.08.1927 erforderlich gewesen.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Jürgen Witkowski Am: 19.07.2008 23:37:38 Gelesen: 972115# 96 @  
Dieser Beleg hat auf seinem Weg von New York nach Berlin einige interessante Stationen durchlaufen. Er wurde von Alfred Klimpel, einem Deutsch-Amerikaner, der in New York lebte, abgeschickt. Alfred Klimpel war Mitglied der Internationalen Sammler- und Tauschvereinigung Concordia. Das ist zu erkennen an seiner Mitgliedsnummer CA-6474/72 über seinem Namensstempel.

Der Empfänger war Kurt Kayssner, der in Berlin-Charlottenburg und später in Bad Buckow einen Verlag für philatelistische Erzeugnisse, Zeitschriften und Literatur betrieb. Er war zugleich auch der Präsident der Concordia.

Kayssner war ein anerkannter Experte für Schleuderflugpost. Sein Großer Deutscher Schleuderflug-Katalog von 1933 geniesst noch heute Kultstatus in Kennerkreisen.

Nun zu den Einzelheiten des Briefes:

Haberer-Nr. 56, Kayssner-Nr. 50, Graue und Leder-Nr. K74

Frankatur - 5 Cent = MiNr. 267, 15 Cent = MiNr. 301

Aufgabestempel Brooklyn N.Y. Bush Termsta. Jul 6 9.30 AM 1931

Leitvermerk - S.S. Europa Katapult Flight

Mit Dampfer "Europa" Richtung Europa

Am 11. Juli 1931 per Schleuderflug vom Dampfer Europa nach Southampton (England), Strecke 1.088 km - Grüner Bestätigungsstempel

Per Luftpost weiter nach Berlin Eingangsstempel Berlin C L 2 * 12.7.31 7-8 - Roter Bestätigungsstempel und rückseitiger Ankunftsstempel

Per Rohrpost weiter nach Berlin-Charlottenburg 2 12.7.31 10.30 V - Vorderseitiger Ankunftsstempel (Transitstempel?)

Per Rohrpost weiter nach Berlin-Charlottenburg 4 12.7.31 10.30 V - Rückseitiger Ankunftsstempel

Meine Frage an die Rohrpostexperten:

Liege ich richtig in der Annahme, dass der Transport vom Flughafen Berlin zum Postamt Charlottenburg 2 und von dort weiter zu Postamt Charlottenburg 4 per Rohrpost erfolgt ist?

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
alexiosp Am: 25.07.2008 14:33:56 Gelesen: 971984# 97 @  
@ Schmuggler [#47]

Hello Nigel and to all !

Sorry, I do not speak English, but if anyone can understand and reply I will be most grateful !

I attach a picture of RP23. Is this a correct rohrpost use?

Thanks,
Alexios


 
Jürgen Witkowski Am: 25.07.2008 20:24:27 Gelesen: 971947# 98 @  
@ alexiosp [#97]

This is a genuine postcard transported with pneumatic post. It is quite easy to identify pneumatic post.

In the postmark, you can see minutes after the hour - 9.-V or 9.50 V instead of 9-10V.

The numeral cancel with the cypher 4 is from the postman who delivered the card. The handwritten number 113 is the same as in the postmark from the receiving post office.

I hope, you are able to understand my awful English.

Best regards.
Jürgen


 
alexiosp Am: 25.07.2008 20:59:14 Gelesen: 971941# 99 @  
Jurgen,

your English is fine! Many thanks for your detailed reply!

This is a card at a price range of around 50-60 euros. The card below was sold at a recent Gaertner auction at around 800 euros is memory serves. I don't know much about pneumatic post or German postal history (my main interest is British Levant), so how is this great price difference explained? Is it because of the cancellation?


 
Jürgen Witkowski Am: 26.07.2008 00:20:00 Gelesen: 971922# 100 @  
@ alexiosp [#99]

It must be the special kind of cacellation you can see at the right and the left side of the card. For further details we have to wait for our specialist Schmuggler. I'm sure, he will explain us the reasons of the difference in the price range.

For our German readers I will translate the articles [#97] - [#100].

Eine kurze Zusammenfassung der Beiträge [#97] - [#100]:

alexiosp möchte wissen, ob der in [#97] gezeigte Beleg eine echt gelaufene Rohrpostkarte ist. Anhand der Minutenangabe im Poststempel, des Botenstempels und des handschriftlichen Eintrages des Zielpostamtes ist das eindeutig zutreffend.

In [#99] stellt alexiosp eine weitere Rohrpostkarte vom gleichen Typ vor, die im Gegensatz zur ersten Karte, die mit 50-60 € bewertet wird, bei einer Auktion ca. 800 € erzielt hat. Der Preisunterschied ist vermutlich durch die besonderen Zeitstempel zu erkären. Hier wird uns aber nicht anderes übrig bleiben, als auf eine Erklärung unseres Rohrpost-Spezialisten Schmuggler zu warten.

Best regards - Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Schmuggler Am: 26.07.2008 13:07:42 Gelesen: 971907# 101 @  
@ Concordia CA [#100]

Guten Morgen .-))

Ich möchte mich nicht auf Englisch outen, sonst rotiert wieder mein Englischlehrer im Grab ... :-((

Die gezeigte Ganzsachenkarte aus Berlin ist NICHT in Berlin, sondern in München innerhalb des Rohrpostbezirks gelaufen! Der katalogisierte Preis bezieht sich auf Berlin und ist in ähnlicher Qualität durchaus für ca. 30 EUR bei eBay oder Delcampe erhältlich. Aber nicht für München.

Anmerkung: Die seitlichen Stempel sind die echten Rohrpoststempel von München - die gelegentlich fehlinterpretierten Nummernstempel vom Fernsprechamt auf Eilsendungen sind KEINE Rohrpoststempel in München.

Ab zum futtern!
 
AfriKiwi Am: 26.07.2008 13:47:14 Gelesen: 971901# 102 @  
@ Schmuggler [#101]

Hoffe die Tauben sind zufrieden ! ;)

Was aber bedeutet TA im Stempel ?

TA: (It.) Transito Austriaco (Austrian transit) pre-adhesive postmark. ?

Erich
 
Jürgen Witkowski Am: 28.07.2008 14:22:21 Gelesen: 971895# 103 @  
@ AfriKiwi [#102]

TA bedeutet Telegrafenamt.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Jürgen Witkowski Am: 28.07.2008 14:29:34 Gelesen: 971894# 104 @  
@ alexiosp [#99]

Schmuggler [#101] says, this card was transported with the Munich pneumatic post. These cards are quite rare and expensive. The cancellation you can see at the right and the left side of the card is typical for the Munich pneumatic post. You can get the same card transported in Berlin for 30 € on eBay or Delcampe.

Best regards
Jürgen
 
Jürgen Witkowski Am: 28.07.2008 14:35:19 Gelesen: 971891# 105 @  
Lieber Schmuggler, kannst Du vielleicht zu Beitrag [#96] noch eine Aussage treffen?

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Schmuggler Am: 28.07.2008 15:18:20 Gelesen: 971889# 106 @  
@ Concordia CA [#96]

Nach dem nun alle wieder einen neuen Hafen haben, komme ich auf den Beitrag Nr. 94 zurück - spät, aber dennoch: Ist nicht meine Stärke.

Der Brief ist mit Sicherheit zumindest über C 2 geliefert und bearbeitet worden, dennoch ist eine sonst übliche "beschleunigte Beförderung" per Rohrpost von Tempelhof zum PA C 2 nicht erkenn- oder ableitbar.

Auch fehlt ein Bearbeitungsvermerk, wie der Brief von C 2 zwischen 7-8 Uhr (laut Rückseite) nach Charlottenburg kam. ABER: Innerhalb von Charlottenburg wurde der Brief per Rohrpost vom PA CH 2 an das PA CH 4 transportiert und von dort bestellt. :-))

Warum, wieso und weshalb diesen umständlichen Weg ohne Rohrpost? Ich kann das nicht beantworten! :-((

Sollte ich vermuten, könnte eventuell eine Leitungsstörung vorgelegen haben - nur wissen tu ich es eben nicht.
 
Schmuggler Am: 28.07.2008 15:29:24 Gelesen: 971888# 107 @  
@ AfriKiwi [#102]

? Es ist heute sehr warm und ich habe daher keine Lust zum nachdenken: Was denn für Tauben? Oder meinst Du die Hühner? - wenn "ja": Danke der Nachfrage, sie liegen im Schatten, baden im Sand und glucksen fröhlich vor sich hin und haben alle 3 bereits je 1 Ei gelegt (trotz des hohen Alters!).

Die laut Beitrag Nr. 28 gezeigten Katzen sind zwischenzeitlich grösser geworden und liegen friedlich dösend daneben: So ist es eben auf dem Land! :-))
 
alexiosp Am: 28.07.2008 18:15:51 Gelesen: 971873# 108 @  
Many thanks to Schmuggler and indeed to you Jurgen for the information and all the trouble you have taken to translate! I am able more or less to understand the messages as I use the google translate tool, but unfortunately when I automatically translate what I want to say from English to German, the result is a mess.

Sorry for intruding with my English in this German speaking forum, but you would have a lot more problem understanding me if I used my native Greek!

Vielen Dank!
Grüße aus Griechenland
Alexios
 
Jürgen Witkowski Am: 28.07.2008 18:39:02 Gelesen: 971867# 109 @  
@ alexiosp [#108]

You are always welcome on Philaseiten.de. I think, in most cases somebody will be able to answer or to translate your questions for the no English speaking users.

@ Schmuggler [#106]

Vielen Dank für Deine Einschätzung. Ich konnte mir nicht erklären, warum für die weite Strecke vom Flughafen nach Charlottenburg die Rohrpost nicht benutzt wurde und der Brief dann für die paar Meter von Postamt Charlottenburg 2 zum Postamt Charlottenburg 4 in das Rohrpostsystem eingespeist wurde. Reparatur- oder Wartungsarbeiten wären natürlich ein plausibler Grund.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Stempelwolf Am: 31.07.2008 21:16:17 Gelesen: 971793# 110 @  
Ordne ich diesen Beleg jetzt unter Nachbarortsverkehr oder Stadtteilortsverkehr ein?


 
Schmuggler Am: 01.08.2008 12:13:16 Gelesen: 971780# 111 @  
@ Stempelwolf [#110]

Ist eine gute Frage! :-))

Letztendlich sollte der Besitzer dies nach seiner Seh- und Sammelweise entscheiden, da in der Briefpost eine Postkarte 2 Pfennig Porto im Orts- und Nachbarortsverkehr gekostet hätte.

In der Rohrpost dagegen kostete die Karte 25 Pfennig Rohrpostgebühr, denn Charlottenburg und Berlin lagen beide im Rohrpostbezirk.

Der Unterschied in Preis und Dringlichkeit liegt in der Eilbestellung der Rohrpostkarte.

Daher noch einen theoretischen Schritt weiter: Hätte der Absender eine Postkarte zu 2 Pfennig Porto mit plus 25 Pfennig Eilbestellung versehen, wäre die Karte zu 99%iger Wahrscheinlichkeit sowieso per Rohrpost "beschleunigt befördert" worden - und die Bestellung wäre auch per Eilboten ausgeführt worden.

Zusammenfassend:

Hat der Sammler eine Briefpostsammlung - gehört der Beleg in das Thema "Nachbar-Ortsverkehr", welcher sich dann aber besser mit 2 Pfennig Porto (statt 5 Pfennig) darstellen lässt. Aus der Sehweise der Rohrpostsammler stellt sich die Frage nicht, da beide Postorte "im Rohrpostbezirk" lagen. Dort wäre der Begriff "Nachbar-Ortsverkehr" erst bei einem Ergänzungsporto von 2 Pfennig neben der Rohrpostgebühr verwendet worden, ergo " außerhalb des Rohrpostbezirks".

War eine gute Frage! :-))
 
Schmuggler Am: 07.08.2008 16:50:53 Gelesen: 971608# 112 @  
Der "offizielle" Teil über die Geschichte der Rohrpost geht etwas weiter.

Zur Erinnerung.

Am 1.10.1920 vereinigten sich die Stadt Berlin und sehr viele (nicht alle!) bisherigen Vororte zu einer neuen Stadt: Groß-Berlin. Eine der angenehmen Seiten: Ganz Groß-Berlin wurde 1 Bestellbezirk für die Brief- und Rohrpost. So gab es den bisherigen Nachbar-Ortsverkehr nicht mehr und die Kenntnisse warum ein Porto zu einer Rohrpostgebühr hinzu frankiert werden musste, entfallen.

Andererseits steigen die Gebühren parallel zur beginnenden Inflation, so daß "schöne-Frankaturen-Sammler" ein Sammlungsproblem bekommen.



Ganzsache der Briefpost zu 7 1/2 Pfennig mit Ergänzungsfrankatur für die Rohrpostbeförderung in Groß-Berlin am 22.1.1921.



Eine der ganz wenigen frankierten Sendungen mit einer HAN, welche theoretisch(!) bereits ab 1902 möglich sein könnte.



4x 35 Pfennig Rohrpostgebühr am 19.1.1921 für einen Brief.



4x 50 Pfennig Rohrpostgebühr am 24.4.1921 für eine Karte ...



... und die ersten Dienstbriefe per Rohrpostbeförderung, frankiert mit einer Zähldienstmarke, kommen in Gebrauch - fast 1 Jahr nach deren Zulassung.

Eine zu dieser Zeit ganz ungewöhnliche, ruhige und schöne Frankatur kann ich dem Leser dennoch zeigen:



und



Dem "Verkehrpublikum" wird im Oktober 1921 mitgeteilt, dass eine neue Rohrpost-Ganzsachenkarte und Ganzsachenumschlag in Vorbereitung ist und "demnächst" käuflich zu erwerben ist. Sie sind aber zunächst nur am Schalter für Sammlermarken erhältlich.

Die z. Zt. früheste Verwendung solch einer Ganzsachenkarte mit "Diamant-Wertstempel" ist vom 4.11, der Ganzsachenumschlag vom 29.11.1921.





Die seltenste Einzelfrankatur (EF) bleibt aber während dieser Zeit diese Darstellung - sie hat "nur nicht" den gleichen Liebhaberwert, obwohl sie viiiiel seltener ist:



Zum 1.1.1921 war alles Gesagte aber wieder vorbei - die neue Porto- und Gebührenberechnung wurde gültig.
 
Schmuggler Am: 07.08.2008 18:11:35 Gelesen: 971601# 113 @  
Im Jahr 1922 bleibt im Wesentlichen alles ähnlich wie 1921: Die Frankaturen werden immer "bunter" und der Aufbrauch vergangener Gebührenperioden ist im Vordergrund.



Die Gebührenperioden werden immer kürzer





Hier ist die Briefpostkarte mit Ergänzungfrankatur bereits mit "Papierzuschlag".

Hier im Aufbrauch noch ohne:



Trotz optischer Veränderungen blieb die Rohrpostgebühr nach Beendigung der Reichsabgabe im Prinzip identisch.

Erstmals im November 1922 erfolgte die Berechnung der Rohrpostgebühr nach völlig anderen Gegebenheiten/Strukturen wie seit 1876 - aber sie blieb dennoch weiterhin eine "unteilbare Gebühr". Die neue Berechnung lautete:

1. das vergleichbare Porto für die Sendung im Orts- oder Fernverkehr
plus
2. die Eilbestell gebühr nach den Tarifen (= Stadt oder Land)
plus3. das vergleichbare Porto für die Sendung im Ortsverkehr.

Diese 3 Faktoren bildeten ab 11/1922 das Grundgerüst für die neue Rohrpostgebühr, welche sich nach der Währungsreform optisch in der "seltsamen" Rohrpostgebühr von 36 Pfennig für die Rohrpostkarte (3+30+3) widerspiegelte - optisch "verzerrt" während der Inflation.



















Rohrpostbrief vom 30.11.1923, die Marken sind 4fach aufgewertet.

Soweit die SEHR kurze, allgemeine Informationen zum Thema Rohrpost zwischen dem 1.10.1920 bis zur Währungsreform. Die Nuancierungen während dieser Zeit sind auf Grund der schnellen Gebührenperioden und Markenausgaben so enorm, dass eine detaillierte Darstellung hier nicht gezeigt werden kann. Der Spezialist lächelt fein.

U. a. wurden kein Wort und kein Beleg zum Thema "Beförderung per Straßenbahn", "Beförderung per Luftpost" oder mit einer "Land-Eilbestellung", "mit Rohrpost ins Ausland" beschrieben oder gezeigt - DAS ist aber erst das Salz in der (Rohrpost-) Suppe - nicht das katalogisierte Wissen und Ablesen.

Wie sehen uns ab dem 1.12.1923 wieder?

:-))
 
Jürgen Witkowski Am: 09.08.2008 21:59:50 Gelesen: 971531# 114 @  
@ Schmuggler [#113]

Kompliment für Deine exzellente Darstellung des Themas Rohrpost zu der vom Porto her gesehen sehr komplizierten und spannenden Inflationszeit.

Ich hoffe, Du siehst es mir nach, wenn ich die Zeit mit meinem Beleg noch einmal in das Jahr 1891 zurück drehe.

Dieser eigenartig gefaltene Rohrpost-Brief, MiNr. RU 2, ist tatsächlich so transportiert worden, wie die auf den Faltungen übergehenden Stempel auf der Rückseite beweisen.

Adressiert wurde der Brief

An
die Annahmestelle des Haupt Tele-
graphen Amtes für Zeitung Magdeburg
Französ. Strasse


Aufgabestempel: BERLIN,C. *T.A.2* 21 IV 91 - 3- V


Die Rückseite zeigt gleich 3 verschiedene Stempel:

Kreisstegstempel
BERLIN,W. H.T.A. (R1)* 21 IV 91 * 3 15 N als "normaler" Eingangsstempel

Blauer, zweizeiliger Maschinenstempel als weiterer Eingangsstempel
1891 H.T.A.
21 APR. 3 17

Einzeiliger Rechteckstempel als "Ausgefertigt-Stempel"
21/4.91 * 3. 21 N.

Du hast in Beitrag [#66] etwas zu den Stempeln geschrieben und in den Beiträgen [#77] bis 80 etwas zu den Telegrafenämtern. Trotzdem erschliesst sich mir nicht der Sinn von gleich 3 Stempeln innerhalb von 6 Minuten auf der Rückseite. Für einen Briefträgerstempel bestand keine Veranlassung, da der Brief ja augenscheinlich innerhalb des HTA verblieb. Das wäre dann unter Einbeziehung der Vorderseite Stempel Nr. 5 gewesen.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Schmuggler Am: 15.08.2008 18:35:55 Gelesen: 971420# 115 @  
@ Concordia CA [#114]

Zurück aus HH und gleich zur Sache:

Der RU 2 wurde, entgegen der katalogisierten und gerne wiederholten Ausrede-Notiz, sehr wohl auch bei diesem Format falten- und knitterfrei befördert. :-))

Was immer der Inhalt gewesen sein mag, den das TA 2 hat die Marke entwertet, eine "Depesche" war es nicht.

Die Anschrift ist interessant; demnach gab es nicht nur eine "allgemeine" Telegrammannahme, sondern auch einen speziellen Bearbeiter für Telegramme aus Berlin an Zeitungen - hier Magdeburg.

Die Uhrzeiten in den Stempeln dürfen nicht ganz soooo ernst genommen werden, auch wenn diese in den wenigen Ausstellungssammlungen meist sehr liebevoll beschrieben werden: Es gibt eine interne Notiz von 1890, in welcher die Rohrpostbeamten "nochmals" darauf hingewiesen wurden, dass die in den Stempeln gezeigten Uhrzeiten (modern formuliert) " bis zu 10 Minuten" Toleranz aufweisen können. 1903 wurde diese Handhabung in der Rohrpost Betriebs-Ordnung (RBO) offiziell manifestiert.

Apropos: ALLE von Dir gezeigten Stempel sind in diesem Fall 1891 bereits mit Minutenangabe! Der Rahmenstempel mit der Inschrift "Ausgefertigt" wurde bereits 1880 eingesetzt - und hatte von Beginn an eine Minutenzeit, also grob 8 Jahre Jahre VOR der allgemeinen Rohrpost Minuten-Zeitangabe. Der gezeigte Doppelstempel vom HTA (blau) wird berechtigterweise z. Zt. als "Stempel der Postautomation" intern diskutiert, da man an einigen Belegstücken die automatische Zeitverstellung deutlich sehen kann: Die eine Minute entschwindet schon nach oben, die andere dreht sich noch von unten hoch. Siehe dazu auch das Posting #40 (Bild 4) und Posting #66 (Bild 2).

Im Telegramm- und Börsenwesen spielte die Zeit bereits damals eine sehr wichtige Rolle: Minuten konnten über Gewinn oder Verlust entscheiden. DAS war ja auch einer der wesentlichen Gründe in aller Welt für die Schaffung der Rohrpost! Die "Post", die wir heute sammeln, spielte eine ganz untergeordnete Rolle.
Dazu einige Zahlen, welche ich soeben im "Geschäftsbericht der Reichspost" von 1924 gefunden habe:

Berlin beförderte 1923 insgesamt 9,6 Millionen Rohrpostsendungen. Davon waren 2,5 Mill. "Briefe und Karten", der bescheidene "Rest" Telegramme .... (In der Briefpost wäre das Gesamtvolumen nicht einmal 1 Woche! ....)

München: 10.000 "Briefe und Karten" und 1.6 Millionen Telegramme.

Zusammenfassend: In Berlin betrug 1923 das gewöhnliche Rohrpostaufkommen ca. 30% aller Rohrpostsendungen, in München zu gleichen Zeit sogar nur ca. 7%. Wenn man dann noch die "automatischen" Rohrpostbeförderungen je nach Zeit abzieht, also die Flug-, Zeppelin-, Behörden- und Eilpost, verbleibt nicht mehr soooo viel "echte" frankierte Rohrpost aus Sicht eines Markensammlers :-(( und bestimmte Dinge sind und bleiben dann eben schlicht sauselten. Nur WAS das ist, das entscheidet das Wissen, Sammelverhalten und die Sehweise des Sammlers. :-))
 
Jürgen Witkowski Am: 15.08.2008 19:40:50 Gelesen: 971415# 116 @  
@ Schmuggler [#115]

Toll, dass Du Dich sofort nach der Rückkehr mit der Rohrpost auf Philaseiten beschäftigst.

Ich habe noch einen weiteren Rohrpost-Brief an die selbe Adresse, des genau so seltsam gefalten befördert wurde.

Adressiert wurde der Brief

An die Annahmestelle
des Haupttelegraphenamtes für
Zeitung Magdeburg
Französischestr


Aufgabestempel: BERLIN,C. *T.A.2* 10 VII 91 * 3 N


Die Rückseite zeigt 2 verschiedene Stempel:

Kreisstegstempel
BERLIN,W. H.T.A. (R1) 10 VII 91 * 3 15 N als "normaler" Eingangsstempel

Blauer, zweizeiliger Maschinenstempel als weiterer Eingangsstempel
1891 H.T.
10 JUL. 3

Beide Stempel unterscheiden sich in einigen Merkmalen deutlich von den in [#114] gezeigten Exemplaren. Bei dem Maschinenstempel scheint der rechte Teil zu hoch justiert gewesen zu sein, da dieser Bereich nur schemenhaft zu erkennen ist. Das "A." von H.T.A. und die Minutenangabe fehlen. Der Rechteckrahmenstempel ist auf diesem Beleg nicht abgeschlagen worden.

Es deutet darauf hin, dass an mehreren Arbeitsplätzen Bearbeiter für Telegramme aus Berlin an Zeitungen gab.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Schmuggler Am: 20.08.2008 19:49:41 Gelesen: 971328# 117 @  
@ Concordia CA [#116]

Die beiden gezeigten Maschinenstempeltypen weichen untereinander eindeutig ab (und waren auch mir bisher nicht bekannt). Möglicherweise wurden die Verstellräder und Stempel laut #114 überholt oder neu gefertigt und der aus #113 gezeigte Stempeltyp als Übergangslösung bis zur Fertigstellung provisorisch eingesetzt - der Stempel laut Posting #114 ist der typische.

Verwirrenderweise kommt bei der letzten Abb. erschwerend hinzu, dass die rechten äusseren Angaben fehlen, sei es wegen dem Untergrund/Inhalt (Faltung!?) oder das rechts aussen, drehende Verstellrad hat versagt.

Wie bereits gesagt: Wissen tun wir zu diesem Stempeltyp herzlich wenig - dies sind erst die 1. Schritte zur Verständigung: Die Rohrpost ist ja sooooo langweilig, oder?! :-))

Bei der Gelegenheit möchte ich auch einen weiteren Stempel mit einigen ? von 1921 vorstellen:



Deutlich sieht man, dass oben neben "Berlin" eine Leerstelle ist und unten im Doppelkreis *ZTR* steht: Es ist ein Entwertungsstempel vom HTA , welcher nur ganz kurze Zeit mit diesen Einsätzen verwendet wurde. Das Auktionsergebnis zu diesem Stück schockierte und elektrisierte viele Stempelsammler. (24. Harlos-Auktion, 2007).

Das bekannte WARUM zu diesem Stempeltyp bleibt noch offen und ist bisher noch nicht nachvollziehbar beantwortet worden.

Kurz: Es gibt in der Rohrpost noch viel zu tun! - nicht nur bei Stempeln :-))

Zurück zur chronologischen Reihenfolge.

Die im #111 genannte Gebührenstruktur blieb unverändert, hier ohne Marken der Inflation vom Ersttag der Rentenpfennig gezeigt.



Sehr schön sieht man die "krumme" Rohrpostgebühr von 36 Pfennig für die Postkarte. Für den Rohrpostbrief betrug die Beförderungsgebühr 40 Pfennig.



Sollte eine Rohrpostsendung während dieser Zeit nicht die vollständige Rohrpostgebühr tragen, wurde sie mit dem 1,5-fachen des Fehlbetrages belastet - mindestens aber 10 Pfennig. Das führte zu absurden Taxierungen für den Empfänger.



11 x 3 Pfennig statt 12x macht demnach 10 Pfennig blaue Nachgebühr. Noch besser:



7 x 5 Pfennig ergibt 35 statt 36 Pfennig: 10 Pfennig Nachgebühr für 1 fehlenden Pfennig!

Ab dem 1.10.1925 betrug weiterhin die Taxierung "das 1,5fache", jedoch wurde die Mindestgebühr von 10 auf "nur" 5 Pfennig reduziert.

Die "Privaten" waren auch bereits wieder aktiv:



oder mit Zudruck "für Berlin".



Die gleiche Karte gibt es auch mit Zudruck "für München", die im #97 gezeigte Ganzsachenkarte war mit dem "Berliner Zudruck" versehen, echt verwendet in München. Daher auch das Auktionsergebnis! :-))

Natürlich konnte jede amtliche Ganzsache, wie schon immer, mit frankierter Ergänzungsgebühr zur Rohrpostbeförderung verwendet werden - nach 1923 ein besonders umfangreiches Sammelgebiet mit vielen Möglichkeiten. Eine von vielen:



Ganzsachenkarte für die Luftpostbeförderung (Inland) mit 21 Pf. Ergänzungsfrankatur für die Rohrpostbeförderung.

Zu guter Letzt eine völlig unscheinbare, sehr seltene Darstellung, Gebührenfrei per Rohrpost befördert:



Nur in Berlin konnten Rohrpostbeamte bei "plötzlicher Erkrankung" ihr Krankenattest, es musste ab dem 1. Tag vorliegen, per Rohrpost gebührenfrei an die vorgesetzte Dienststelle senden. In allen anderen privaten Belangen musste auch ein Rohrpostbeamter die Rohrpostgebühr bezahlen.

Schon ist der 1.8.1927 erreicht: Die Struktur zu den Rohrpostgebühren errechnete sich als "unteilbarer Betrag" wieder anders. Damit nichts in Vergessenheit gerät: Davon das nächste mal! :-))
 
Schmuggler Am: 22.08.2008 16:35:19 Gelesen: 971281# 118 @  
@ Schmuggler [#117]

:-((

Die soeben vorgestellten Taxierungen lauten richtig

Bis 30.09.1925:

"Das 1,5fache des Fehl, aufgerundet auf ganze 10 Pfennig."

Ab dem 1.10.1925:

"Das 1,5fache des Fehl, aufgerundet auf ganze 5 Pfennig -
mindestens jedoch 10 Pfennig".

Im Vorgriff auf das nächste Kapitel -

Ab dem 1.10.1927:
"Das 1,5fache des Fehl, aufgerundet auf 5 ganze Pfennig" - OHNE "MINDESTENS" ...

:-((
 
Schmuggler Am: 27.08.2008 18:18:46 Gelesen: 971185# 119 @  
Nur noch mal zur Erinnerung.

Die unteilbare Rohrpostgebühr setzte sich ab 11/1922 aus 3 Komponenten zusammen:

- Das Porto der Sendung (Brief oder Karte, Orts- oder Fernverkehr),
- die Eilbestellgebühr (Stadt oder Land) und nochmals
- das Orts-Bestellporto der Sendung (Brief oder Karte).

1. Folge: Die unteilbare Rohrpostgebühr betrug (mit RPf. dargestellt) somit für eine Postkarte 36 und für einen Brief 40 RPf, fehlende "Teile" dieser unteilbaren Rohrpostgebühr wurden als "unterfrankiert" taxiert, auch wenns nur 1 RPf. war, siehe #116.

2. Folge: Sollte z. B. eine Sendung innerhalb von Berlin zum Bahnhof "beschleunigt befördert" werden um sodann per Bahn in den gewünschten Fernverkehr an den Bestimmungsort zu gelangen, war diese Darstellung nicht gerade billig - es kam ja dennoch das gewöhnliche Briefpostporto laut Postordnung hinzu. Sollte die Sendung gar noch mit Eilbestellung am Bestimmungsort bestellt werden, wurde es an Porto und Gebühr ganz extrem. Kurz: Der Postkunde zahlte einige postalische Leistungen doppelt. Entsprechend rückläufig war nicht nur das private Rohrpostaufkommen "außerhalb des Rohrpostbezirks". Siehe auch #113.

Diesem Fakt trug die Reichpostverwaltung wohl oder übel Rechnung und verändert zum 1.8.1927 wieder die unteilbare Rohrpostgebühr/U]:

- Das Porto für die Sendung (Karte oder Brief, Orts- oder Fernverkehr),
- die Eilbestellgebühr (Stadt oder Land) und
- die einheitliche [U]Rohrpost-Beförderungsgebühr
von 10 RPf.

Folge: Die unteilbare Rohrpostgebühr veränderte sich nach obigem Muster für eine Karte von ehemals 36 auf 55, der Brief kostete 58 statt 40 RPf.

ABER:

Der Postkunde konnte per einem Hinweis in einem Nebensatz zur neuen Rohrpostgebühr lesen, dass er die neue Rohrpost-Beförderungsgebühr von 10 RPf. statt der unteilbaren Rohrpostgebühr zur "beschleunigten Beförderung" der Sendung anwenden konnte.

Folge: Die Rohrpostbeförderung zum Bahnhof oder zum Flughafen kostete nur noch 10 RPf. plus Porto der Sendung und wurde auch ohne die bisherige, zusätzliche Eilbestellgebühr ausgeführt. (Innerhalb des Rohrpostbezirks blieb die Rohrpostgebühr Pflicht.) Dies war für den Postkunden eine wesentliche finanzielle Erleichterung - entsprechend häufig wurde sie zur Freude aller auch genutzt: Das "allgemeine Rohrpostaufkommen" von Privat (= Einnahmen) stieg wieder an.

1. Hinweis: Zum 15.1.1932 reduzierte sich das Briefpostporto im Fernverkehr von 15 auf 12 RPf., im Ortsverkehr verblieb es bei den Sätzen vom 1.8.1927. Somit blieb die Rohrpostgebühr und die Rohrpost-Beförderungsgebühr auch noch nach 1933 identisch.

2. Hinweis: Das richtige verwenden der obigen Begriffe ist zwar erst einmal scheinbar kompliziert, erleichter aber letztendlich das lesen und verstehen einer Rohrpostsendung wesentlich. Plus natürlich den verwendeten Stempeln! :-))

3. Hinweis: Sollten Sie eine Ausstellungssammlung zu dieser Zeit haben/planen, unterstreicht Ihnen die richtige Beschreibung wesentlich Ihre Kompetenz, nicht nur unter Gleichgesinnten - das pauschale verwenden des Begriffs "Rohrpostgebühr" o. ä. nicht.

PUHHHH+SCHNAUFFFF: Geschafft. Die Bilder dazu kommen aber erst "demnächst" - dafür werden weniger Erklärungen darunter stehen. :-))
 
Stephan Sanetra Am: 29.08.2008 21:04:46 Gelesen: 971143# 120 @  
@ Schmuggler [#119]

Hi Schmuggler, dann müsste der beiliegende Beleg ja richtig frankiert sein.

Beste Sammlergrüße
Roedsand


 
Schmuggler Am: 30.08.2008 15:36:16 Gelesen: 971131# 121 @  
@ Roedsand [#120]

Ohne Zweifel, wie oben ausgeführt, auch 1943: 12 Pf. der Fernbrief bis 20 g ab 15.1.1932 plus 10 Pf. für die Rohrpost-Beförderungsgebühr.

Vielleicht zu Deiner Ergänzung, denn 1933 wird meine Darstellung enden: Laut der Literatur und den amtlichen Verordnungen, sind "Sendungen per Rohrpost mit Einschreiben" bis 1938 "unzulässig".

Die mir früheste bekannte Einschreibsendung mit Luftpost und Eilbestellung in Berlin - dort per Rohrpost beschleunigt befördert - ist entgegen allen Vorschriften bereits 7/1935 praktiziert worden.

Die Rückseite von dem Brief



und die Vorderseite



Natürlich ist ein Fensterbrief für den Sammler immer nur eine halbe Sache - aber manchmal muß es halt sein.
 
Schmuggler Am: 01.09.2008 16:52:40 Gelesen: 971081# 122 @  


Zu meinem zeitlich letzten Part, denn wie oben bereits geschrieben, endet mit der sog. Machtergreifung 1933 meine Darstellung zur Rohrpost in Berlin. Die fortführende Ausarbeitung von Herrn Hueske zur Rohrpost Berlin "bis 1945" können Sie per Internet oder Auktion erwerben.

Selbstverständlich schaue ich auch weiterhin auf "meine" Seiten, Ihr könnt also ruhig weitere Fragen stellen: Beantwortet werden sie immer - nur nicht ganz so schnell.

Wer sich für die Rohrpost in Berlin erwärmen sollte und tiefere Informationen haben möchte, kann in ca. 1-2 Jahren via eBay oder Delcampe meine Gesamtausarbeitung mit ca. 3000 Seiten und Abbildungen für wenig Geld per CDs erwerben. Dort sind dann auch zu jeder Abbildung die aktuellen "Preise" genannt.

Zurück zum Thema und den dazugehörigen Abbildungen:



Die unverkauften Ganzsachen der Inflation wurden postintern aufgebraucht.



Die Ganzsachenkarten der Rohrpost trugen entweder die Wertstempel der Markenausgabe "Berühmte Deutsche" (1926), hier mit der sehr seltenen Entwertung LANDTAG mit Minuten-Zeitgruppe. Oder ...



mit der Ausgabe "Reichspräsidenten" von 1928.



Nach wie vor sind auch alle Briefpost-Ganzsachenkarten mit Ergänzungsfrankatur, hier die P 173 für die Auslandsverwendung, zur Beförderung mit Rohrpost möglich.



Die Vielfalt an Möglichkeiten, nicht nur von Ganzsachen, ist zu dieser Zeit aussergewöhnlich, es kommen ergänzend z. B. auch MH-Frankaturen, Wohltätigkeits-Frankaturen, Freistempler noch hinzu



Nur die Behörden durften weiter kleben ...



8 Pf. Wertstempel plus 47 Pf. Freistempler, ohne philatelistische Gebrauchsspuren: Da muß man lange für ein 2. Stück suchen ...
Ebenso verhält es sich bei den 2 nachfolgenden Karten.



Kartenformular, frankiert in die Schweiz, mit Rohrpostbeförderung(10 Pf) zum Anhalter Bahnhof und in Zürich per Eilbestellung - ergibt zusammen 75 Pfennig Porto und Gebühr!



Ganzsachenkarte zu 8 Pf. mit 90 Pf. Ergänzungsfrankatur für die Rohrpostbeförderung plus Land-Eilbestellung an die Freie Schulgemeinde bei Saalfeld.

Der Rohrpostbrief zeigt zu dieser Zeit ebenfalls spannende Möglichkeiten auf, zu erst aber nur das Gewöhnliche.



Rohrpostbrief mit Freimarken für die Rohrpostgebühr von 58 Pf.



Wie vor, jetzt wird die Rohrpostgebühr jedoch mit einem Freistempel gezeigt.



Auch "Drucksachen" konnten, wenn sie "wie Brief" per Rohrpost frankiert waren, per Rohrpost versendet werden. Inhalt: Vorgedrucktes Schreiben wg. Veränderung im Programmablauf.



Ortsbrief der 2. Gewichtsstufe(= über 20 g.), frankiert für die Rohrpostbeförderung innerhalb von Groß-Berlin.



Rohrpost-Ganzsachenumschlag (RU 12) mit 25 Pfennig Ergänzungsfrankatur für das Porto nach Breslau (= 15 Pf.), die Rohrpost-Beförderungsgebühr "bis Bahnhof" ( = 10 Pf.)und Eilbestellung in Breslau (= 40 Pf.)



Wie vor, aber alles frankiert.



Auslandsbrief der 1. Gew. Stufe bis 20 g. nach Schweden, innerhalb von Berlin für die Rohrpostbeförderung (= 10 Pf.) ergänzend frankiert: Brief musste wohl rechtzeitig am Bahnhof/Zug sein, um noch die Fähre in der Ostsee pünktlich zu erreichen.



Brief der 1. Gewichtsstufe bis 20 g. nach Holland (= 25 Pf), in Berlin für die Rohrpostbeförderung (= 10 Pf.) frankiert so wie einer Eilbestellung in Rotterdam (= 50 Pf.)





Auslandsbrief der 1. Gew. Stufe (= 25 Pf) plus Eilbestellung in Paris (50 Pf.) - per Rohrpost in Paris "beschleunigt befördert".
Zum guten Schluß wieder etwas bodenständiger:





Danke für Eure Aufmerksamkeit - mir hats Spaß gemacht!
 
Schmuggler Am: 03.09.2008 12:39:28 Gelesen: 971027# 123 @  
Soeben "flattert" mir diese Abbildung mit diesem Text aus einem renommiertem Auktionshauses auf den Tisch, die HAN betreffend - die Rohrpost am 22.8.1917 tangierend und für den Lernenden bestimmt informativ:



Der Brief geht an dem oben genannten Datum von Berlin nach Charlottenburg. Charlottenburg lag zu dieser Zeit im Nachbar-Ortsverkehr zu Berlin und im Rohrpostbezirk.

Die Sendung wurde in Berlin "streckenweise" per Rohrpost befördert, siehe Stempel mit Minuten-Zeitgruppe.

ABER:

Ein Rohrpostbrief mit Eilbestellung kostete 35 Pfennig Rohrpostgebühr, inkl. Reichsabgabe.

Ein Brief in den Nachbarverkehr (bis 20 g) 10 Pfennig Porto (inkl. Reichsabgabe) plus 25 Pf. Eilbestellgebühr.

Für beide Gegebenheiten ist der Brief mit 5 Pf. fehlfrankiert und für den Ausruf zu teuer, wenn man an der sicherlich seltenen HAN vorbei guckt.
 
Jürgen Witkowski Am: 03.09.2008 14:06:59 Gelesen: 971018# 124 @  
@ Schmuggler [#122]

Ich habe mit Schrecken gelesen, dass Du mit Deiner "Kleinen Einführung in die Besonderheiten der Berliner Rohrpost bis zum Jahr 1933" schon zum Abschluß gekommen bist und habe mit Freude gelesen, dass Du weiterhin bei Deinem Thema nach dem rechten sehen willst.

Du hast in einem Deiner Beiträge geschrieben, dass Literatur für den von Dir beschriebenen Zeitraum kaum existiert. Da Deine Veröffentlichung, für die Du schon einmal auf die Interessentenliste setzen kannst, noch geraume Zeit auf sich warten lässt, wäre es mir daran gelegen, Tipps zu bekommen, nach welchen Kriterien man eine eigene Sammlung aufbauen kann.

Da mich Frankaturen oder besondere Portostufenkonglomerate eigendlich kaum, Stempel, insbesondere Maschinenstempel, dagegen sehr interessieren, hätte für mich eine Sammlung die die zeitliche Entwicklung der Stempel zeigt einen gewissen Reiz.

Eine andere Herangehensweise für den Anfang könnte auch eine Sammlung à la "Von jedem Rohrpostamt ein Stempel" sein. Das lässt sich problemlos vertiefen.

Die Maschinenstempel aus den Beiträgen [#114] und [#116] haben meinen Forscherdrang geweckt. Dazu weitere Informationen herauszubekommen wäre schön. Welche Anlaufstellen, Kontaktpersonen und ARGEn wären mögliche Informationsquellen?

Für Hinweise bin ich sehr dankbar.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Schmuggler Am: 03.09.2008 18:00:02 Gelesen: 971007# 125 @  
@ Concordia CA [#124]

Danke für die freundliche Aussage :-)) aber es bleibt genug zu tun: Wie Herr Koegel aus Berlin in seinem Vorwort zu meiner Ausarbeitung "1876-1903" bereits schrieb, wurden ihm vor ca. 30 Jahren solch ein Nachschlagewerk über die RP "kurzfristig" versprochen.

Der Schrecken sollte sich somit in Grenzen halten - ich bleib den PhilaSeiten ja erhalten: Im sehr wie auch weniger Guten, siehe [#123].

Ich möchte Dich aber auch anregen den Artikel mit der etwas sperrigen Überschrift "FIP-Kommission ...." ab S. 64 in der aktuellen Philatelie Nr. 375 zu lesen; darin wird u. a. eine Reglementsänderung der Ausstellungordnung mitgeteilt: "Es können in bestimmtem Umfang auch allgemeine, informative Bilder in einer Ausstellungssammlung" gezeigt werden. Beim Thema "Stempel" wären das z. B. auch die dazugehörigen Stempelmaschinen, beim Thema "Postämter" könnten das auch historische Abbildungen sein.

Wesentliche Aussagen zu den frühen Maschinenstempel gibt es bei dem Autorenteam Kohlhaas/Ries aus HH. zu lesen (und zu gucken und kopieren, da auch Bilder!), alle Bücher dazu sind für wenig Geld in der INFLA-Bücherei erhältlich. Siehe: http://www.infla-berlin.de/ Weitere Detailarbeiten gibt es natürlich in den entsprecheneden Arbeitsgemeinschaften, wie z. B. Krone/Adler e.V. und Germania. Musst halt etwas suchen und klicken! So z. B. nicht nur unter "Maschinenstempel", sondern auch unter "Stempel + Ort", da sich manche Informationen auch auf den www-Seiten von sog. Heimatsammlern befinden.

Den Versuch, die Postämter "um 1900" auch per Bild zu zeigen, hat bereits in einigen Fällen zum Totalausfall des Sammlers geführt. Wie es zu anderer Zeiten/Zeiten aussieht, kann ich nicht beurteilen: Mein (philat.) Herz hängt an der Zeit "bis 1903". Aber versuchs doch einfach mal! :-)) Sollten Tipps oder Hinweise von Nöten sein: " Hier wird Dir (meist) geholfen"!

Das politisch/postalische Geschehen per Brief oder Karte ist nicht jedermanns Sache. Muß auch nicht - aber wie der Beitrag [#123] aufzeigen sollte, sollte man ihn auch nicht ganz aus dem Auge verlieren. :-((

Nun aber ran an den Speck! :-))
 
Bundpostfrischsammler Am: 03.09.2008 18:36:38 Gelesen: 970989# 126 @  
Da von Schmuggler erwähnt wurde, dass das Rohrpostporto ab 1.08.1927 10 pf. betrug und es ja auch nach 1933 noch weiter ging zwei Belege, die aufgrund von sonstiger Portofreiheit nur die Rohrpostgebühr ausweisen:


 
Bundpostfrischsammler Am: 03.09.2008 18:51:30 Gelesen: 970986# 127 @  
Nach der Verfügung Nr. 361 von 1939 konnten nun auch Einschreiben und Drucksachen mit Rohrpost versandt werden:

Einschreiben Ortverkehr:



Einschreiben Fernverkehr:



Drucksache (leider nicht meins):


 
Bundpostfrischsammler Am: 03.09.2008 18:59:25 Gelesen: 970984# 128 @  
Rohrpostkarten:

Die RP 24 war nach 1933 noch gültig:



RP 25 im Fernverkehr:


 
Bundpostfrischsammler Am: 03.09.2008 19:19:34 Gelesen: 970980# 129 @  
Nun ein paar Sendungen ins Ausland:

Mit Rohrpost zum Flughafen und dann mit Luftpost nach Teheran (Iran):



Rohrpost Berlin (10 Pf) Brief (25 Pf) mit Luftpost (150 Pf) nach Brasilien:



Ganzsache Ausland (15Pf) mit Rohrpost Berlin (10 Pf) und dann Luftpost (15Pf) weiter nach Spanien mit Zensur in Spanien!:


 
Schmuggler Am: 04.09.2008 12:26:11 Gelesen: 970932# 130 @  
@ Bundpostfrischsammler [#126]

*Schluchz*: Tolle Belege, noch nie so gesehen - aber in falscher Sammlung! :-))

Eine persönliche Bitte: Zwecks klarer und unverwechselbarer Definition bitte nicht "Rohrpost PORTO" sagen und schreiben - auch wenn ich/wir wissen, was Du meinst. Es ist immer eine "Rohrpost GEBÜHR". Aber irgendwann kommen die ganz Findigen + Besserwisser + Juroren - und dann hast Du keinen guten Stand, trotz toller Belege. :-((

Kurz: Weiter machen! :-))
 
Bundpostfrischsammler Am: 04.09.2008 20:11:16 Gelesen: 970907# 131 @  
@ Schmuggler

Danke für den Hinweis; wobei ich ihn leider nicht verstehe. :-((

Kurze Begründung wäre nett. :-))
 
Schmuggler Am: 05.09.2008 10:16:11 Gelesen: 970889# 132 @  
@ Bundpostfrischsammler [#131]

Gerne!

Ich formuliere den Taxt mal "modern", da auch die Reichspostverwaltung in ihren Verfügungen gelegentlich unterschiedlich die allgemeinen Begriffe gebrauchte:

Das Porto ist der Kostenersatz für die Beförderung einer Briefpostsendung (!) von einem Postort zum nächsten. Die Höhe des Portos wurde in der Postordnung bekanntgegeben.

Gebühren sind der Kostenersatz für zusätzliche Dienstleistungen neben dem Porto. Deswegen wird die "Einschreibung" auch nicht Einschreibporto sondern Einschreibgebühr genannt.

Dieses feine Gekniffele ist eine historische Überlieferung: Alle Briefpostsendungen im Ortsverkehr kosteten kein Porto. Sollte die Sendung aber an den Empfänger zugestellt (= bestellt, statt beim Postamt abzuholen) werden, kostete die Briefpostsendung eine Bestellgebühr. Es gab somit erst einmal kein Ortsporto, sondern nur eine Ortsbestellgebühr.

Ab ca. 1868 wurden Briefpost-Sendungen, auch im Ortsverkehr, kostenlos bestellt, also dem Empfänger ins Haus gebracht. Da es keine Ortsporto gab, wurde die bisherige Bestellgebühr im Ortsverkehr als Kostenersatz heran gezogen.

Die Eilbestellung einer Orts-Briefpostsendung (= Porto und Gebühr) blieb bis 1.4.1900 streng verboten - die Rohrpost war aber ab 1876 nichts anderes. Ergo wurde die Rohrpostbeförderung nach vielen juristischen Diskussionen kurz und schmerzlos "Gebühr" genannt - und widersprach somit nicht den bisherigen und nachfolgenden Postgesetzen.

Im Wesentlichen zieht sich diese Darstellung bis 1945 durch die Postgeschichte. Danach wird alles wieder anders.
 
Jürgen Witkowski Am: 07.09.2008 22:49:59 Gelesen: 970820# 133 @  
@ Schmuggler [#24]

Ziemlich zu Anfang hast Du geschrieben, dass ca. 80% des Rohrpost-Verkehrs durch Telegramme verursacht wurde. Gesehen haben wir bisher jedoch noch keines. Nach langer Suche habe ich endlich ein Telegramm ergattern können, dass am 23.10.1908 mit der Berliner Rohrpost gelaufen ist.

Ich würde mich freuen, wenn Du anhand dieses Beispiels erklären würdest, was nach der Aufgabe des Telegramms aus "mariendorfbln 21" am 12.10.09 um 7 Uhr - Min N. ablief, bis es um 7.40 N im Postamt Berlin, S. *42* ankam und an das Hochzeitspaar Köpernitz , Deutscher Hof, Luckauerstr., Berlin ausgeliefert wurde.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Bundpostfrischsammler Am: 08.09.2008 10:13:02 Gelesen: 970795# 134 @  
@ Concordia !

Ergattert hast Du das von mir bei ebay letzte Woche. Die Rohrposttelegramme sind meist weggeworfen worden.
Konnte aber vor einiger Zeit einen Stapel günstig erwerben. Genaueres erläuert sicherlich der Schmuggler gerne.

Beste Grüsse
 
Schmuggler Am: 08.09.2008 18:10:21 Gelesen: 970776# 135 @  
So klein kann die www-Welt sein! .-))

@Concordia: Es gibt Spezialisten zu dem Thema "Telegramme", zu denen ich mich aber nicht zähle!
Ich kann nur soviel dazu beitragen, dass Mariendorf b. B. in der OPD Berlin laut dem "Postbuch für Berlin" nicht am Rohrpostnetz angeschlossen war, wohl aber 1909 bereits einen Telegraphenbetrieb hatte. Das gezeigte Telegramm könnte somit möglicherweise per Telegraph von Mariendorf nach Berlin gesendet worden sein und die Abschrift für den Post- und Telegrammkunden wurde dort per Rohrpost an das Bestellpostamt beförderte - das vorliegende Formular IST die Abschrift!

Natürlich schaue ich mir auf allen Auktionen auch Telegramme an, so ist mir z. B. bewusst, dass auffallend viele solcher Sendungen mit "Glückwunsch-zur-Hochzeit-Text" versehen sind.
Wurden die Telegramme einfach nur aufgehoben und in einem Album versenkt - oder war es bereits Mode, so fortschrittlich zu Gratulieren?!?! Ich weiß es letztendlich nicht.

@Bundespostfrischsammler: Frag doch mal Deinen eBay-Rohrpostkunden "Telegraphosh ...." in B.! :-))
 
Jürgen Witkowski Am: 08.09.2008 18:44:39 Gelesen: 970773# 136 @  
@ Bundpostfrischsammler [#134]

Ich finde das höchst amüsant und bin sowohl als Kunde, als auch als Sammler sehr zufrieden.

@ Schmuggler [#135]

Diesen Rundbrief habe ich mir gestern bestellt, nachdem Du mir die ARGE Krone/Adler als Literaturquelle benannt hast. Wenn jetzt noch der Autor dieser Artikel zufällig unter uns weilt, glaube ich an das Gute in der (Philatelie-)Welt:

Rundbrief der ArGe Krone/Adler e.V. - Heft 37 - Januar 2006 - 76 Seiten
aus dem Inhalt:
...
Die Rohrpost in Berlin 1863-1876
Rohrpost in Berlin 1.12.1876-31.12.1902
Die Rohrpost im Pressespiegel
...

Als Mitglied der Poststempelgilde und Sammler von Maschinenstempeln habe ich die Werke von Kohlhaas/Riese in täglichem Gebrauch. Das Werk von Hueske über die Rohrpost Berlin von 1933-1945 werde ich am Samstag bekommen. Mal sehen ob auf unserer Jubiläumsveranstaltung am Wochenende in Soest sich jemand zu Thema Rohrpost outet.

Dr. Kohlhaas schien in einem Gespräch, dass ich in der letzten Woche mit ihm führte, am Zusammenhang Maschinenstempel und Rohrpost interessiert. Es mangelt aber an Belegmaterial dazu.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
cycling-fool Am: 08.09.2008 19:00:11 Gelesen: 970767# 137 @  
@ Muckgel [#384]

Moin, moin,

auch wenn ich Deutschland nicht sammle, übertragen von Österreich gehe ich davon aus, dass es sich bei der 30 pf um einen Ganzsachenausschnitt handelt, die gibt es oft in verschiedenen, abweichenden Farben und Wertstufen.

Die Umschläge haben teils ein Papier, dass entfernt an das der Marken erinnert, aber kein Wasserzeichen, außer teils Bogenwasserzeichen.

Gruß aus Bremen

Johann
 
Schmuggler Am: 09.09.2008 10:46:10 Gelesen: 970730# 138 @  
@ Concordia CA [#136]

1. ArGe Krone/Adler: Why not?!

2. Herr Hueske sollte sich am Wochenende auch in Soest befinden, ist letztendlich sein Wohnort. :-))

3. Wenn mir eine Frage oder Bitte konkret gestellt wird, bin nicht nur ich gerne bereit behilflich zu sein. Nur bei "pauschal" wirds für den Absender immer schwierig.

Ein Mitglied der Stempelgilde hatte bei mir vor ca. 3 Jahren den Text zu dem Stempelautomat ex Diskussion mit Herrn Breil (ArGe Germania) angefordert und wohl auch bekommen - irgendeine +/- oder sonstwie Reaktion kenne ich bis heute nicht. :-((

Kurz: Sagt mir konkret, was Ihr braucht - und Ihr bekommt es.
 
Schmuggler Am: 09.09.2008 11:24:37 Gelesen: 970726# 139 @  
@ Bundpostfrischsammler [#127]

Ich habe da mal eine Frage, welche mir bei der Aufarbeitung Deiner Belege in den Kopf kam: Mir fällt auf, dass bisher nur R.-Sendungen mit gewünschter Rohrpostbeförderung (10 Pfennig) gezeigt werden - nicht aber R.-Sendungen mit Rohrpostgebühr, gleich ob Karte oder Brief.

Gibt es dazu einen Hintergrund?

Oder ist meine spontane Vermutung richtig, dass nur der Einschreib- und Bestellbote diese Sendungen austrug (sie waren ja ohne Eilbestellung) bzw. der Eilbestellbote eben NICHT Einschreibesendungen bestellen konnte/durfte ?

Oder gab es bereits zu dieser Zeit "Universal-Bestellboten" welche ALLES konnten - so wie es heute auch praktiziert wird ?

Danke für Deine Info!
 
Schmuggler Am: 09.09.2008 11:38:13 Gelesen: 970724# 140 @  
@ Bundpostfrischsammler [#127]

Habe ich Deinen Text und Deine Abbildungen richtig verstanden ?:

Ab 1939 war es laut Verfügung 361 möglich, auch DRUCKSACHEN gegen das Drucksachenporto und weiteren 10 Pfennig Gebühr per Rohrpost zu befördern ?

Dein dazu gezeigter Beleg ist eindeutig als Drucksache mit 3 Pfennig Porto und 10 Pfennig Rohrpostgebühr frankiert, aber er trägt bereits das Datum vom 14.11.1937.

Bitte verklickere mir diesen scheinbaren(?!) Widerspruch.

Auch hier: Danke für Deine Info!
 
Bundpostfrischsammler Am: 09.09.2008 12:41:42 Gelesen: 970719# 141 @  
@ Schmuggler [#140]

Die Verfügung liegt mir im Orginal vor, da ich das Amtsblatt des Reichspostministerium 1939 besitze.

Herr Hueske zitiert diese Verfügung auch in seinem Arge-Heftchen Die Berliner Rohrpost. Und weist darauf hin, dass auch zeitlich zuvor "durchgeschlüpfte" Drucksachen existieren. Er bildet auch ein anderes Beispiel ab.

Du hast ja oben auch ein Einschreiben vorgestellt, dass vor dieser Verfügung versandt wurde.

@ Schmuggler [#139]

Ab ca. 16.05.1941 bis Kriegsende wurde Eilzustellung nicht mehr (sicher) angeboten. Deshalb war auch RP 26 überflüssig geworden. Es existieren aber Belege vor 1941 die auch die Eilbotengebühr neben der Einschreibgebühr frankiert haben.



Fernbrief, der am 11.10.1941 in SO 26 bei der Rohrpost zur Beförderung zum Abgangsbahnhof (Schlesischer Bahnhof) aufgegeben wurde. Da die Eilbotengebühr gemäß Vfg 255/1941 vom 16.05.1941 erst beim Empfänger zu erheben war 8 (wenn doch noch an diesem Ort Eilzustellung erfolgte), wurde nur der einfache Fehlbetrag für Eilboten (40 Rpf) als Nachgebühr erhoben (Beleg hat vor und Rückseitig Rohrpoststempel mit Minutenabgabe).

Viele Grüsse
 
Carolina Pegleg Am: 11.09.2008 01:02:16 Gelesen: 970671# 142 @  
Ich lese hier auch immer mit Interesse mit. Gerne würde ich hier zur Auflockerung wenigstens ein Beispiel eines amerikanischen Rohrpostbeleges zeigen. Rohrpost gab es hier nämlich auch in verschiedenen Städten und zwar jahrzehntelang. Belege die Rückschlüsse auf diese besondere Verwendungsform zulassen, besitze ich allerdings nicht bzw. habe ich sogar noch nie gesehen.

Bei einem Besuch im National Postal Museum in Washington im Juni habe ich mir die dürftigen Exponate zur Rohrpost angeschaut. Ich habe davon Fotos gemacht. Die Rohrpost war hier keine besondere Dienstleistung, mit besonderem Tarif und besonderen Ganzsachen. Sie wurde vielmehr dazu benutzt Post massenhaft zwischen Postämtern hin- und her zu befördern. Das System war gigantisch. Ich kann mich jetzt an die Details nicht erinnern, aber es wurden da zenterweise Post pro Minute, Bomben mit mehreren Kilos im Sekundentakt, verschickt. Wahrscheinlich habe ich aus der New Yorker innerstädtischen Post eine Menge Briefe die per Rohrpost befördert wurden. Den Umschlägen sieht man es leider bloss nicht an.
 
Schmuggler Am: 11.09.2008 10:47:35 Gelesen: 970656# 143 @  
@ Bundpostfrischsammler [#141]

Da mir dieser Zeitabschnitt relativ fern steht, bedanke ich mich ganz artig für die umfassenden Informationen! Als vordergründiger "Reichspost Portostufen-Interessent" sind mir solche postalischen "Ausrutscher" fast nicht bekannt - besonders nicht in der peniblen, preußischen Rohrpost.

Kurz: WEITER MACHEN ! - man lernt nie aus. :-))
 
Schmuggler Am: 11.09.2008 11:51:59 Gelesen: 970651# 144 @  
@ Carolina Pegleg [#142]

Guten Morgen Pegleg,

herzlich willkommen!

Gerne werde ich auch über die amerikanische Rohrpost einige Dinge in Wort und Bild aus meinem Archiv beitragen können, aber es wird fundiert noch etwas dauern: Meine eigene Arbeit steht für mich noch im Vordergrund.

Soviel kann ich spontan zu dem Thema "aus dem Ärmel schütteln": Die amerikanische Rohrpost ist in allen Belangen nicht mit der Berliner Rohrpost vergleichbar. Erst ab ca. 1935, als in Hamburg die sog. Groß-Rohrpostanlage geplant und umgesetzt wurde, begannen Parallelen zwischen den beiden Betriebssystemen: Große Mengen an Post in großvolumigen Behältern zu befördern (Berlin "gurkte" zu dieser Zeit noch immer mit den alten Transportmaßen, auch wenn "Schnellstrecken" diesem Manko "entgegen wirken" sollten).

Die erste öffentliche amerikanische "tube" mittels Druckluft wurde 1899(?) in Boston eröffnet. Ein Bild vom Bau der Röhrenanlage findest Du im [#50], ex "Buisepost".

Nimmt man alle Propaganda aus den damaligen Texten weg und vergleicht neutral die Entwicklungen auf verschiedenen Kontinenten, so ergibt sich folgende Ausgangsposition:

Bereits um 1880 wurden Experimente mit elektrischer und pneumatischer Post- und Warenbeförderung von privaten Firmen für die schnellere, sichere und bequemere Versorgung in den Hochhäusern vorgenommen. Die Versuchs Röhren- und Transportanlagen wurden teils über-, teils unterirdisch verlegt. Unter anderem ist die Entstehung der New Yorker "Subway" letztendlich auf diese Versuche zurück zu führen.



Die 1. deutsche elektrische Grubenbahn von 1879(!), gebaut und hier vorgestellt von der Firma Siemens & Halske in Berlin.



Private Güter-Transportbahn 1902 in New York auf einem heute so genannten "3D-Bild".

1899 begann der Bau einer "tube" in Chicago, ausgeführt von der privaten Firma "Chicago Tunnel Railroad Company". 1906 wurde sie fertig, 1956 meldete die Firma Konkurs an.

So weit sollte es erst einmal als allgemeine Information genügen, alles weitere muß erst wieder demnächst ans Tageslicht gefördert, eingescannt und gespeichert werden.
 
Schmuggler Am: 11.09.2008 18:42:49 Gelesen: 970631# 145 @  
Soeben zum Thema "Hamburger Groß-Rohrpost" bei Spiegel-online im Unterbereich "einesTages" gefunden:

http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/2302/mit_hochdruck_durch_den_untergrund.html

Mit Hochdruck durch den Untergrund

Von Ulrich Alexis Christiansen

Ob Liebesbrief oder Börsenmeldungen: Eilige Nachrichten wurden bis weit ins 20. Jahrhundert per Rohrpost verschickt, unter Europas Metropolen verliefen riesige Rohrpostnetze. Heute ist die Druckluftpost vergessen, dabei schätzten selbst Geheimdienste die Rohrbomben: Sie waren abhörsicher.

Es war wie Science-Fiction, keine Frage. Zwar nur im Warenhaus Kaufhof und nicht im Weltall, aber trotzdem irgendwie Science-Fiction. Durchsichtige Plexiglasrohre, manchmal ganze Batterien davon hinter der Kasse, die in der Decke und im Fußboden verschwanden. Durch diese Rohre sausten Projektile, so schnell, dass man sie kaum mit bloßem Auge verfolgen konnte. Ab und zu plumpste eines der Geschosse aus einem der Rohre hinter der Kasse: Eine Kartusche wie die Mini-Version eines Laserschwertes aus "Star Wars".

Was aussah, als würde es aus der Zukunft kommen und unter geheimen Bauplänen für Sternenzerstörer nichts transportieren, war in Wahrheit ein in den Achtzigern bereits über 100 Jahre altes Kommunikationssystem: Die Rohrpost. Heute, wo wir Briefe und Bilder, selbst ganze Musikalben und Filme auf Knopfdruck verschicken können und sie Sekunden später schon beim Empfänger sind, scheint es unvorstellbar: noch vor nicht allzu langer Zeit war die Rohrpost der schnellste Weg, ein Dokument zu verschicken.

Im Vergleich zu den hochkomplexen Kommunikationstechniken von heute war das Prinzip der Rohrpost einfach: Am einen Ende der Röhre wurde Luft mit Hochdruck hineingepresst und dadurch die darin liegende Kartusche beschleunigt - ein Prinzip, das südamerikanische Indios bereits seit tausend Jahren bei der Jagd mit dem Blasrohr einsetzen. Den zivilen Nutzen dieser Waffe erschloss um 1810 der britisch Ingenieur George Medhurst. Seine Idee: Durch Druckunterschiede eine Triebkraft zu erzeugen und für "industrielle und verkehrstechnische Zwecke" einzusetzen. Es war die Geburtsstunde der Stadtrohrpost.

Rohrpost zur Rettung der Börse

Die Erfindung kam gerade zur rechten Zeit. Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Straßen der Metropolen bereits so verstopft, dass die Postboten immer wieder auf sich warten ließen. Vor allem Börsenmakler verloren durch verspätete Nachrichten tagtäglich Geld - und das rasante Wachstum der Städte ließ nicht auf Besserung hoffen. Die Lösung lag im Untergrund: Ungehindert vom Verkehr an der Oberfläche hatten hier die Briefe ihre eigene Straße. Hier konnte die wichtige Post in Büchsen ("Rohrbomben") verpackt ungebremst mit einer Geschwindigkeit von 40 Stundenkilometern an ihr Ziel katapultiert werden.

Verschiedene Tüftler trieben die Technik voran, bis sie so weit ausgereift war, dass 1853 in London die erste Stadtrohrpost der Welt in Betrieb genommen werden konnte. Die erste Strecke der "P-Mail" (Pneumatic Mail) war nur etwa 200 Meter lang und verband unterirdisch die Londoner Börse mit dem "Central Telegraph Office".

Ähnliche Verbindungen bildeten in Berlin (1865) und Paris (1866) die Grundlage für die dortigen Rohrpostnetze, die bis in die dreißiger Jahre enorme Ausmaße erreichten. Um 1935 war beispielsweise das Stadtrohrpostnetz in Paris auf stattliche 467 Kilometer Länge angewachsen. In Deutschland erreichte nur das Netz unter den Straßen von Berlin mit einer Länge von über 400 Kilometer ähnliche Dimensionen, die anderen deutschen Städte waren weit abgeschlagen. Hamburg, zu diesem Zeitpunkt immerhin zweitgrößte deutsche Stadt, brachte es bei Beginn des Zweiten Weltkrieges nur auf ein Netz von rund 43 Kilometern Länge.

Geheime Rohrpost mit Alarmanlage

Trotzdem: Die Rohrpost war damals ein Massenphänomen. Längst waren in den großen Städten Dutzende von Postämtern miteinander verbunden; Firmen konnten einen Anschluss an das Rohrpostnetz beantragen. Selbst Privatpersonen durften die schnelle Verbindung nutzen. Eilbriefe konnten per Rohrpost von einem Postamt zum anderen befördert werden. Die "letzte Meile" vom Postamt zum Empfänger wurde dann vom Eilpostboten überbrückt. In Hamburg beförderte auch die Straßenbahn in einem Eilbriefkasten dringende Sendungen vom Kunden zur zentralen Sammelstellen mit Rohrpostanschluss.

Unter höchster Geheimhaltung entstanden in einigen Städten Parallelnetze neben der öffentlichen Rohrpost. Die "Secret Tube" von London erreichte Mitte der dreißiger Jahre eine Länge von rund 100 Kilometern. In ihren Röhren wurden hochsensible Regierungsdokumente befördert, denn im Gegensatz zur Telegrafie und Telefonie war das System der Rohrpost abhörsicher. Damit nicht ungebetene Gäste die Rohrpostleitungen anzapften, wurde eine Laufzeitkontrolle eingebaut: Erreichte eine Büchse nicht innerhalb einer festgelegten Spanne ihren Bestimmungsort, wurde Alarm ausgelöst.

Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs war der Aufstieg der Stadtrohrpost ungebremst, aber mit Ausbruch des Krieges begann ihr Abstieg. Da die Röhren meist nur etwa ein bis zwei Meter unter der Erde verlegt wurden, nahmen sie bei Bombardierungen regelmäßig Schaden. Zunächst konnten die Büchsen über Ausweichstrecken geleitet werden, aber irgendwann waren dann auch diese Leitungen, wenn nicht gar die Postämter zerstört. Zwar wurden die wichtigsten Linien immer wieder geflickt, jedoch erreichten die Netze bis zum Ende des Krieges nie wieder ihre ursprüngliche Ausdehnung.

Letzter Versuch im XXL-Format

Nach Ende des zweiten Weltkrieges bekam die Rohrpost dann Konkurrenz durch das Automobil. Eilpostboten waren längst nicht mehr zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs, sondern mit ihren Postautos. Damit konnten sie nicht nur viel mehr Briefe gleichzeitig transportieren, sondern waren auch viel flexibler als die starren Röhren unter der Erde. Neuentwickelte Kommunikationstechniken wie beispielsweise der Fernschreiber schoben die Rohrpost immer weiter auf das Abstellgleis.

Ein letztes Comeback erlebte die Rohrpost noch - im XXL-Format. Die Stadtväter Hamburgs nämlich beschlossen Mitte der fünfziger Jahre die Errichtung einer bis dahin noch nicht dagewesenen Variante: der Großrohrpost. Der Grund war derselbe, der 100 Jahre zuvor den Erfolg der Druckluftpost möglich gemacht hatte: In der Hansestadt produzierte das gestiegene Verkehrsaufkommen der Wirtschaftwunderjahre immer längere Laufzeiten bei dringenden Postsendungen - die Eilpostboten steckten schlicht im Stau.

Entgegen des allgemeinen Trends erinnerte man sich deswegen an der Elbe der Vorzüge der Rohrpost und entwickelte zwischen 1954 und 1959 das Konzept der Großrohrpost. Hier sausten nicht mehr kleine Kartuschen durch die Rohre, sondern 1,60 Meter lange Wagen auf Rollen, die mit Luft gedrückt oder durch das Rohr gesaugt wurden. Bis zu 2000 Kurzbriefe sollten so pro Wagen transportiert werden können - ein enormer Fortschritt im Vergleich zur geringen Kapazität der herkömmlichen Rohrpost mit ihrem Durchmesser von nur wenigen Zentimetern.

Test erfolgreich, Röhren geflutet

Baubeginn war der 1. Oktober 1960. Zunächst entstanden zwischen den beiden wichtigsten Postämtern in der Hamburger Innenstadt zwei unabhängige Großrohrpostlinien. Aber bereits der Bau der ersten Linie war alles andere als einfach: Anders als noch im 19. Jahrhundert durchzogen mittlerweile U- und S-Bahnlinien, eine ausgebaute Wasser- und Gasversorgung, Fernsprechleitungen, Auto- und Fußgängertunnel den Untergrund. Für die großen Röhren der geplanten Großrohrpost war kaum noch Platz.

Trotz dieser Probleme konnten bereits 1961 erfolgreich erste Tests durchgeführt werden und am 8. Februar 1962 gab Bundespostminister Richard Stücklen (CSU) die Anlage für den Betrieb frei. Nur zwei Wochen später jedoch gab es den ersten, herben Rückschlag. In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar ließ eine Sturmflut in ganz Norddeutschland die Deiche brechen. Ungeheure Wassermassen drückten in die Hamburger Innenstadt. Zwar blieben die Röhren nahezu unbeschädigt, jedoch liefen die Keller mit den technischen Anlagen voll. Es brauchte ein halbes Jahr, bis die Anlage wieder funktionierte.

Dieser Rückschlag tat den Ausbauplänen für die Großrohrpost jedoch zunächst keinen Abbruch. Bis März 1967 erfolgten die Inbetriebnahme der Gegenlinie und der Anschluss vom Postscheckamt am Hamburger Rödingsmarkt. Sogar ein Anschluss des Hamburger Flughafens an das Netz der Großrohrpost war geplant.

Kafka, die Liebe und der Rohrpostbrief

Doch der Transportweg durch den Untergrund erwies sich mit den Jahren zunehmend als problematisch. Die Rohre waren im Gegensatz zur kleinen Stadtrohrpost nicht durchgängig verbunden, sondern nur als einzelne Segmente verlegt. Dies machte die Anlage sehr anfällig für Störungen; durch die rege Bautätigkeit und den Schwerlastverkehr sackten immer einzelne Rohrsegmente ab oder verschoben sich gegeneinander. Mehr und mehr Betriebsunterbrechungen und hohe Wartungskosten waren die Folge. 1976 kam das Aus für das einst so ambitioniert gestartete Pilotprojekt Großrohrpost.

Heutzutage sind die Anlagen in den Hamburger Postämtern längst abgebaut. Kein Postbrief wird mehr über die Rohrnetze geleitet. Überlebt haben nur noch hausinterne Anlagen, wie zum Beispiel in Krankenhäusern, wo etwa Blutproben vom Operationssaal zum Labor mit der Rohrpost verschickt werden. Und in manchen Kaufhäusern dienen sie dem Geldtransport zwischen Kasse und Tresor.

Und so lesen sich die Liebesbriefe von Franz Kafka, die er 1920 seiner Freundin Milena schrieb, wie ein Relikt aus längst vergangenen Tagen: "Komme ich nach Wien, schreibe ich Dir einen Rohrpostbrief", ließ der Dichter seine Liebste wissen. Und: "Hast Du Donnerstag noch keinen Rohrpostbrief, dann bin ich nach Prag gefahren."
 
Jürgen Witkowski Am: 11.09.2008 22:08:01 Gelesen: 970618# 146 @  
Vom Flughafen in die Röhre?

Diesen Beleg habe eigentlich unter dem Aspekt Flugpost erworben, habe jedoch nach näherer Betrachtung die Vermutung, es auch mit einem Rohrpostbeleg zu tun zu haben. Ich will zunächst einmal aufzählen, was ich auf dem Brief zu erkennen glaube und dies in eine zeitliche Reihenfolge bringen.

Absender ist die Dresdner Bank, Filiale Mannheim.

Empfänger ist Herr Direktor Schumacher in der Direktion der Dresdner Bank, Berlin W56.

Aufgabe als Brief bis 20 Gramm mit Luftpost und Eilbote Exprès.

Frankatur MiNr. 380 zu 0,20 M, MiNR. 417 zu 0,30 M und MiNr. 469 zu 0,12 M. Gesamtporto 0,62 M.

Portozusammensetzung (Hier bin ich mir unsicher und bitte um Korrektur eventueller Fehler):

Brief bis 20 Gramm - 0,12 M
Luftpostzuschlag - 0,10 M
Eilzustellung im Ortszustellbereich - 0,30 M
Rohrpostgebühr - 0,10 M
Gesamtporto 0,62 M.

Aufgabestempel Mannheim Flugplatz 7, 23.3.23 11-12 V

Ankunftstempel (Rückseite) Berlin-Zentralflughafen a, 23.3.33. 18-19

Roter Luftpostbestätigungsstempel Mit Luftpost befördert Berlin-Zentralflughafen Zweigluftpostamt

Rohrpoststempel ? Berlin Zentralflughafen *, 23.3.33. 18.40

Handschriftlicher Vermerk des Zielpostamtes 56 mit Rotstift

Unklar ist mir die Bedeutung des Nummernstempels 47 unterhalb des Luftpostaufklebers. Eventuell handelt es sich um einen Zählstempel für die Luftpost oder ist mit der Eilzustellung in Zusammenhang zu bringen.

Auf der Rückseite befindet sich noch ein violetter Stempel. Es handelt sich dabei vermutlich um den Eingangsstempel der Dresdner Bank Berlin, 23. MRZ. 1933 16.20 Uhr. Das ist nun wieder ganz seltsam, da sich der Brief um diese Uhrzeit noch auf dem Flug nach Berlin befunden haben muss.

Wer kann zur Aufklärung beitragen?

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Bundpostfrischsammler Am: 12.09.2008 18:40:15 Gelesen: 970583# 147 @  
@ Concordia CA

Es handelt sich um einen schönen Luftpost Eilboten Beleg, der zur schnellen Beförderung mit der Rohrpost in Berlin zum Flughafen befördert wurde, ohne dass es verlangt wurde und ohne dass eine Rohrpostgebühr bezahlt wurde.

Das Porto stimmt aber dennoch, da die Eilbotengebühr 40 Rpf betrug.

Weiteres Anschauungsmaterial




Zwei Schleuderflugbelege mit ebenfalls stiller Rohrpostbeförderung



Zwei Eilbotenbelege mit stiller Rohrpostbeförderung
 
Jürgen Witkowski Am: 12.09.2008 21:41:22 Gelesen: 970559# 148 @  
@ Bundpostfrischsammler [#147]

Sehr ausgefallenen Belege. Kompliment. Der untere Schleuderflugbeleg passt übrigens vom Empfänger her genau zu dem in Beitrag [#96] von mir gezeigten Brief. Schöner Zufall.

Vielen Dank auch für die Korrektur der Portostufenberechnung. Auf diesem Auge bin ich immer ein wenig blind. Da war ich genau um eine Portoperiode daneben.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Holger Am: 12.09.2008 22:40:57 Gelesen: 970552# 149 @  
@ Concordia CA [#148]

Hallo Jürgen,

was bedeutet "Schleuderflug" ?

fragt
Holger
 
Jürgen Witkowski Am: 12.09.2008 23:18:35 Gelesen: 970550# 150 @  
@ Holger [#1068]

Die deutschen Schnelldampfer "Bremen" und "Europa" waren mit Katapultanlagen ausgerüstet. Dabei handelte es sich um einen ca. 25 Meter langen Gitterträger, der mittschiffs zwischen den Schornsteinen drehbar angebracht war. Durch Ausschwenken bis zu 90 Grad konnte das Flugzeug gegen jede Windrichtung gestartet werden.

Auf dem Gitterträger befand sich der Startschlitten, welcher mit Pressluft in Bewegung gesetzt wurde. Auf diesen Startschlitten wurde das Katapultflugzeug aufgesetzt. Am Ende der Startbahn besaß der Startschlitten und das auf ihm befindliche Flugzeug eine Startgeschwindigkeit von 100 km/h. Während der Schlitten abgebremst wurde, hob das Flugzeug ab und flog mit eigener Motorenkraft dem Ziel entgegen.

Quelle: Erich Haberer, Katalog über die Katapultpost, Teil 1: Nordatlantik

Diese Flüge wurden Katapult- oder Schleuderflüge genannt und dienten dem Zweck, die Postbeförderung über den Atlantik um bis zu einem Tag zu verkürzen.

In diesem Thema findest Du in Beitrag #11 ein Bild eines startenden Flugzeuges:

http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=490&CP=0&F=1

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Jürgen Witkowski Am: 26.09.2008 16:12:35 Gelesen: 970351# 151 @  
Zurück zur Rohrpost und zu einer Rohrpostkarte (MiNr. RP 8) vom 11.11.1894.

Aufgabestempel Berlin, O. P 27 (R 15) 11 XI 94 * 5 II N.
Ankunftstempel Berlin, W. H.T.A. (R 1) * 11 XI 94* 5 55 N.

Während im R15 noch der alte Stempel mit der römischen Minutenzeitgruppe in Verwendung war, hatte man im R1 mit seinem sehr viel höheren Rohrpostaufkommen natürlich schon seit geraumer Zeit den moderneren Stempel mit der Minutenzeitgruppe in arabischen Ziffern im Einsatz.

Kommen wir nun zu den unscheinbaren blauen Stempeln am linken unteren Kartenrand. Es handelt sich dabei um Ausgefertigt-Stempel, wie sie in den Beiträgen [#66],[#114] und [#116] schon einmal gezeigt wurden. Die Uhrzeit scheint bei diesen Stempeln automatisch eingestellt worden zu sein. Ob es sich dabei um eine Stempelmaschine oder um eine Art Stechuhr gehandelt hat, ist bisher nicht eindeutig geklärt.

Warum der Ausgefertigt-Stempel im Abstand von einer Minute gleich zweimal aufgebracht wurde entzieht sich meiner Kenntnis.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Schmuggler Am: 27.09.2008 11:17:58 Gelesen: 970326# 152 @  
@ Concordia CA [#151]

HTA: So etwas "duales" habe ich auch noch nicht gesehen - sieht zumindest aber "schick" und ungewöhnlich aus. :-))

Dieser 2x über die Ecke, längs der Kante abgeschlagene Stempel spricht andererseits auch dafür, dass es sich im weitesten Sinn um einen Automaten gehandelt haben muß.

Ob der neue Unterbeamten-Anwärter da wohl noch geübt hat? Letztendlich gab es keine Vorschrift, wie der Stempel abgeschlagen werden muß - nur "unverwechselbar und lesbar" wurde verlangt, weshalb relativ häufig immer wieder die Entwertung der Marke plus 1x daneben gesetzt zu beobachten ist.

Apropos HTA: Es gibt eine Stempelform aus dem Jahr 1888, welche bisher nur in sehr wenigen Stücken (= "unter 5") bisher bekannt wurde. Auch dieser Stempeltyp muß ein Automat gewesen sein:



Er ist nicht sofort erkennbar, da er auf Grund seiner enormen Abstände sehr groß ist und bisher immer schwach oder auch nur teilweise abgeschlagen wurde.



Hier das gute (und am besten lesbare!) Stück im Detail.

Zu beachten ist, dass die Überschrift nicht HTA lautet, sondern lediglich "H.A." - ein "T." passt nicht in den Zwischenraum. Links das Datum in englischer Darstellung (= Monat plus Tag), mittig die Minuten-Zeitgruppe und rechts das Jahr.

Irgendwelche Kenntnisse über diesen Automaten und seinen Stempel liegen bisher nicht vor - anscheinend habe ich dem "Weltbestand" mit insgesamt 3 Stück gehortet. :-))
 
AfriKiwi Am: 27.09.2008 11:36:25 Gelesen: 970320# 153 @  
@ Concordia CA [#151]

Hallo Jürgen,

>>Warum der Ausgefertigt-Stempel im Abstand von einer Minute gleich zweimal aufgebracht wurde entzieht sich meiner Kenntnis.<<

Ich vermute das es nicht Minuten war sondern nur eine Notierung.

@ Schmuggler [#556]

H.A. vielleicht ein Vorläufer für HAUS-AUFTRAG, da diese Bezeichnung ab 1902 auf Bogen gebraucht wurde.

Erich
 
Schmuggler Am: 28.09.2008 17:03:09 Gelesen: 970290# 154 @  
@ AfriKiwi [#153]

Trotz des wunderschönen Wetters:

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen Zusammenhang zwischen einem Rohrpoststempel von 1888 und einer Druck-Kennzeichnung auf Briefmarken ab der Ausgabe "Germania-Reichspost" durch die Reichsdruckerei gibt.
 
AfriKiwi Am: 29.09.2008 00:33:37 Gelesen: 970266# 155 @  
@ Schmuggler [#154]

Ich glaube auch daß das kaum vorstellbar ist, wir haben auch heute noch nicht das Wetter genau definieren können.

Wer liebt nun nicht schönes Wetter und wer kann sagen daß eine Haus-Auftrags-Nummer nicht hier eine Ursprung hatte ?

Erich
 
Jürgen Witkowski Am: 02.10.2008 16:01:20 Gelesen: 970197# 156 @  
Rohrpost-Umschlag, MiNr. RU 1, aus dem Jahr 1887.


Aufgabestempel BERLIN, O. P17 (R21) 8 V 87 + 5 III N.


Ankunftsstempel BERLIN, W. P30 (R8) 8 V 87 * 6 I N.

Interessant ist der Absenderstempel auf der Rückseite:

Königlich Niederschlesisch Märkische Eisenbahn Telegrafen Station Berlin.

Ob von Seiten der Eisenbahn auch Depeschen in das Rohrpostsystem eingespeist wurden?

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Schmuggler Am: 04.10.2008 16:35:11 Gelesen: 970164# 157 @  
@ Concordia CA [#557]

Sogenannte "Eisenbahntelegramme", d. h. Telegramme, welche nicht an einer Post- sondern an einer Eisenbahnstation im ländlichen Bereich (so wie im Prinzip auch in den Western-Filmen gezeigt) irgendwo im DR aufgegeben wurden und nach Berlin adressiert waren, wurden in Berlin per Rohrpost von der Empfangsstation mittels Rohrpost dem Empfänger bestellt: Die Eisenbahnstationen hatten keinen eigenen Bestelldienst.

Diese "Bestellgebühr" in Form des Wertstempels auf Rohrpostumschlägen musste die nicht-staatliche Eisenbahn-Telegraphie der staatliche Postverwaltung mittels der gezeigten Rohrpostgebühr bezahlen.

Die Vereinigung aller Bahnen unter einer einheitlichen Verwaltung wurde erst später als "Die Reichsbahn" ( = D.R.) eingeführt. Google oder wikipedia mal unter "Reichsbahn"! Die Reichspost-Telegraphie bezahlte diese Beförderungs- und Bestellgebühr natürlich nicht.

In dem oben gezeigten Fall wurde das Telegramm irgendwo an einer Telegraphenstation der Märkischen Eisenbahn aufgegeben und von der gleichen Bahnverwaltung in Berlin empfangen. Die Absenderstempel sind teilsweise sehr interessant und reizvoll anzusehen, als eigenes Sammelgebiet (fast) noch unentdeckt.

Um 1901 wurden diese Eisenbahn-Telegramme via Reichspost abgeschafft, da die Reichspost ihr eigenes Telegraphennetz entsprechend ausbaute - und alles in einer "Familie" verblieb.

Tipp: In vielen Fällen ist auch vorderseitig auf den Umschlägen das Wort "Depesche" oder "Telegramm" über der Empfängeranschrift notiert.
 
Schmuggler Am: 04.10.2008 16:46:05 Gelesen: 970162# 158 @  
@ Concordia CA [#557]

Unter "Deutsche Reichsbahn" kommst du am Schnellsten und Einfachsten an die eventuell interessanten Informationen mit historischem Hintergrund. Sorry.
 
doktorstamp Am: 04.10.2008 18:53:11 Gelesen: 970153# 159 @  
Kann mir jemand bitte das Porto erklären.




Bedanke mich im voraus.

mfG

Nigel
 
Schmuggler Am: 04.10.2008 19:46:14 Gelesen: 970147# 160 @  
@ doktorstamp [#159]

"Rohrpostbrief im Rohrpostnetz" - damit hast Du ja wohl kaum Probleme. :-))

ABER:

Der Empfänger der Sendung war nach Liebenwärder (= außerhalb der OPD Berlin, im Reichspostgebiet) verzogen und die Briefpostsendung wurde dem Empfänger ohne weiteres Porto nachgesendet.

Hintergrund:

Jeder Postbenutzer konnte sich bei seinem Post- und/oder Rohrpostamt kostenlos mit neuer Anschrift mit neuer Empfangsadresse (auch zeitweise) ab- oder ummelden. Die Nachsendung kostete dann KEIN weiteres Porto! (Ausgenommen: Fahrpostsendungen, aber die stehen hier ja nicht zur Debatte. und wenn sich der Empfänger nur bei seiner örtlichen Ordnungsbehörde > = Polizei< abgemeldet hatte).

War der Postkunde jedoch ohne Abmeldung am Post- oder Rohrpostamt nicht erreichbar, wurde die Sendung z. B. durch Befragen der Hausbewohner o. ä. mit neuer Anschrift versehen und nachgesendet - jetzt aber [U]mit/U] Porto.

Zusammenfassend:

Dein Rohrpostbrief ist in diesem Fall ohne Taxierung als gewöhnlicher Brief weiterbefördert und bestellt worden, da sich der Empfänger "ideal" verhalten hat.
 
Schmuggler Am: 04.10.2008 19:54:28 Gelesen: 970145# 161 @  
@ doktorstamp [#159]

Entschuldigung: Der neue Empfangsort heißt LIEBENWERDA in Sachsen, hatte 1890 fast 50.000 Einwohner und liegt im Reg. Bez. Merseburg.
 
Jürgen Witkowski Am: 09.10.2008 21:21:03 Gelesen: 970029# 162 @  
@ Schmuggler [#157]

Vielen Dank für Deine Ausführungen zu den Bahnposttelegrammen. Es ist schon erstaunlich, wie viele Facetten das Sammelgebiet Rohrpost zu bieten hat.

Der nächste Beleg, MiNr. RP 4 B, hat im Jahr 1883 noch einen Stempel, dem die später übliche feinere Zeitunterteilung fehlt.

BERLIN. W. 9. * c 4/1 83 12-1N.

Ist dieser Aufgabestempel schon einem Rohrpostamt zuzuordnen oder ist es ein normaler Aufgabestempel?

Der Einkreisstempel R 11 19 bedeutet, wenn ich es richtig sehe, Rohrpostamt 11, 19 Fahrt (des Tages).

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Sammelfreak Am: 10.10.2008 07:17:39 Gelesen: 970011# 163 @  
Hallo Jürgen

dies ist ein Ausgabestempel wenn ich mich nicht irre. Ich schaue wenn ich zu Hause bin in meine Literatur und sage Dir genaueres darüber.

Hast Du noch mehr solcher Belege ? Vieleicht könnte man mal tauschen, sowas suche ich noch.

mfg
Martin
 
Schmuggler Am: 10.10.2008 12:50:29 Gelesen: 969993# 164 @  
@ Concordia CA [#162]

Dies ist auf dem Wertstempel noch der gewöhnliche Briefpost-Entwertungsstempel vom PA W9, da es zu dieser Zeit noch keine typischen Rohrpoststempel gab: Die Versuchsperiode begann für diesen Stempeltyp erst 10/1884, um 3/1886 erstmals als "typischer Rohrpoststempel" (Kreis-Brückenstempel mit etc.) Anwendung zu finden.

Der kleine Kreisstempel ist von Dir richtig beschrieben: Ankunft im Rohrpostamt 11 mit der 19. Fahrt des Tages. (Welche Uhrzeit bzw. Minuten-zeitgruppe das war, wurde bereits oben erläutert) Es ist gewissermassen die Urform dieser Stempel: Der Hinweis "S" oder "N" für "aus Nord- bzw. Sodkreis kommend" fehlt; er wurde mit diesem Zusatz Form nach meinen Informationen und Daten erst ab 12/1879 eingesetzt. In der Literatur wird dieser Stempel ohne Zusatz bereits mit 6/1879 genannt, jedoch ist mir bisher nur die früheste Verwendung ab 8/1879 bekannt. Beide Stempeltypen verschwinden ab 3/1886 mit Einführung der neuen Rohrpoststempel.

Wie der Stempel korrekt nach seiner Aufgabe zu bennen ist, darüber streiten die RP-Gelehrten: In der Literatur wird er "Distributionsstempel" (= aus dem Lateinischen), in normalem Sprachgebrauch ein "Bestell- oder Ausgabestempel" genannt. ABER: Ich bin der ungefragten Meinung: Was sollen die in dem Kreisstempel genannten Daten für einen Sinn bei der Bestellung haben? So nenne ich sie schlicht und einfach "nur" Eingangs- oder Ankunftsstempel, denn es ist u. a. nicht bekannt WANN und WO sie abgeschlagen wurden.
 
Sammelfreak Am: 10.10.2008 15:06:22 Gelesen: 969983# 165 @  
@ Concordia CA

So da war Schmuggler schneller als ich.

@ Schmuggler

Danke für das FD in meiner Lose Blattliteratur hab ich für den Stempel mitte Juli als FD kann ich ja dann man getrost in Jubi ändern.

mfg
Martin
 
Schmuggler Am: 10.10.2008 19:19:47 Gelesen: 969972# 166 @  
@ Sammelfreak [#165]

Bleib uns dennoch gewogen! :-)) Es war reiner Zufall, keine Absicht.
 
Hermes65 Am: 11.10.2008 20:32:57 Gelesen: 969902# 167 @  
Dieses fantastische Stück ist mir gerade bei Ebay durch die Lappen geflutscht: Für 55 EUR wegegangen! Ein wunderschöner Beleg mit Stempel vom 22.2.22. 2.50, schade, aber bei 50 EUR bin ich ausgestiegen!


 
Baldersbrynd Am: 12.10.2008 10:53:47 Gelesen: 969872# 168 @  
Einschreiben-, Luftpost-, Eilboten-, Rohrpost- Brief.

Fünf verschiedede Porti und Gebühren auf Brief von Berlin Steglitz nach Kopenhagen, 4.12.1939. Ankunft in Kopenhagen Flughafen 6.12.1939.

Brief 25 Pf. für Ausland, gültig von 1.1.1925 bis 28.2.1946.
Einschreiben 30 Pf. gültig von 1.12.1923 bis 28.2.1946.
Eilboten 50 Pf. für Ausland, gültig von 1.8.1927 bis 28.2.1946.
Rohrpost 10 Pf. gültig von 1.1.1932 bis 8.5.1945(?)
Luftpost nach DK 10 Pf. gültig von 1.8.1938 bis 8.5.1946.
Zusammen 125 Pf. für diesen Brief.

Die 21 Pf. in der Mitte des Briefes sind später eingesetzt, gestempelt mit Berlin / Bahnpostamt 3 / Auslandsstelle / 5-12-1939.

Zensiert in Berlin, nur Verschlußstreifen, kein Geprüftstempel.

Viele Grüße aus Dänemark
Jørgen


 
Schmuggler Am: 13.10.2008 10:37:39 Gelesen: 969838# 169 @  
@ Hermes65 [#167]

Das Stück wäre bestimmt höher gegangen, wenn der Verkäufer auf die Bitte nach einem rückseitigen Scan geantwortet hätte: Das Datum könnte auf eine unbeschriebene Rückseite schließen lassen - und das ist nun mal herzerfrischend unbeliebt bei vielen Sammlern.

Das ändert aber nichts an der "typischen-INFLA-Schönheit" verschiedener Markenausgaben auf einem Beleg! Zumal diese Gebührendarstellung nicht per beliebterer EF oder MeF darzustellen ist.

Einen 2. Beleg in dieser Erhaltung zu beschaffen, wird Dich die nächsten Jahre (!) beschäftigen. :-))
 
Schmuggler Am: 13.10.2008 10:43:50 Gelesen: 969835# 170 @  
@ Baldersbrynd [#168]

Hurra! - Ein Däne plus Porto- und Gebührenkenner: Herzlich Willkommen !

Auch wenn dieses Zeitfenster, wie bereits genannt, nicht mein Hobby ist: Solch eine Darstellung hatte ich bisher noch nicht im Archiv!

Herzlichen Glückwunsch!
 
Baldersbrynd Am: 14.10.2008 13:25:52 Gelesen: 969787# 171 @  
@ Schmuggler

Danke für die Willkommensgrüße in [#170].

@ alle

Diesmal schaue ich eine Postkarte von Berlin gesendet am 20.7.1923.

Porto 520 Mark für Rohrpostkarte innerhalb des Netzes, gültig von 1.7.1923 bis 31.7.1923.

Viele Grüße
Jørgen


 
Schmuggler Am: 14.10.2008 16:01:38 Gelesen: 969775# 172 @  
@ Baldersbrynd [#171]

Nanu, die Karte habe ich ja bereits im Archiv - ex einem bekannten Grenztarif- und Krone/Adler-Sammler aus DK :-))

Zufall, oder ?
 
Baldersbrynd Am: 14.10.2008 23:15:24 Gelesen: 969754# 173 @  
@ Schmuggler [#172]

Ja ich bin der Grenztarif- K/A-Sammler aus DK. :-))

Grüße Jørgen
 
Schmuggler Am: 15.10.2008 17:15:05 Gelesen: 969733# 174 @  
@ Baldersbrynd [#173]

Na, da kannst Du mir ja wie gerufen und kannst mir eine aktuelle Frage beantworten: In einer Auktion wird ein Rohrpostbrief vom 25.9.1937 nach Dänemark mir "Söndagbröd" (?) angeboten - was "Sonntagszustellung" heißen soll - und mit einer orangenen/gelben dänischen Briefmarke im Voraus bezahlt wurde.
Seit wann gibt es in Dänemark diese Dienstleitung ? Und musste sie immer mit dänischer Briefmarke gezeigt werden ?



Auf die Antwort bin ich gespannt! :-))
 
Baldersbrynd Am: 15.10.2008 22:50:44 Gelesen: 969715# 175 @  
@ Schmuggler [#174]

Ein sehr schöner Brief. Es gibt nicht viele mit dänischer Sonntagsgebühr aus dem Ausland, aber ab und zu.

Es heist SØNDAGSBREV = Sonntagsbrief, oder SØNDAGSKORT = Sonntagskarte.

Es war ein dänischer Dienst von 1.5.1929 bis 30.6.1972. 10 Øre Sonntagsgebühr war gültig von 1.5.1929 bis 30.6.1940. Es sollte immer bezahlt mit einer dänische Briefmarke auch wenn Brief oder Postkarte kommt von den Ausland.

Der Empfänger war Briefmarkensammler und erste Vorsitzende in einem Briefmarkenverein.

Von 1.5.1929 nur Lieferung in Städten, ab 1932-33 auch in den Landzonen. In beide Fällen höchstens bis 2 Km von den Postamt.

Es freut mich das ich Dir helfen konnte, Du hast mir so viel geholfen.

Wenn Du die übrigen Gebühren von den Sonntagsbriefe wünscht bitte schreibt das zu mir.

Viele Grüße aus DK.

Jørgen
 
Schmuggler Am: 16.10.2008 15:07:54 Gelesen: 969693# 176 @  
@ Baldersbrynd [#175]

Donnerwetter! :-))

Das war und ist ja SPITZE! Dagegen ist die Katapult- und Flugpost mit Rohrpost und Eilbestellung nach z. B. Grönland geradezu Massenware! :-))

Das der Brief "irgendwie" philatelistisch beeinflußt ist und wurde, trage ich in diesem Fall mit Fassung: Der Ankunftsstempel ist drauf, das Stück "echt" gelaufen: Muß nur noch das Flaschen-Leergut einsammeln und einlösen! :-))

Kompliment aber auch an das Auktionshaus und seinen Sachbearbeiter mit dieser (dänischen und fachlichen) Kompetenz!

DANKE NACH HEDEHUSENE!!
 
Schmuggler Am: 16.10.2008 15:39:16 Gelesen: 969690# 177 @  
Immer wieder wird gerne über die "Portostufen-Fetischisten" und ihre Erbsenklickerei geschmunzelt. Wie wichtig das dennoch sein (und einem manches Geld ersparen kann - oder auch nicht) wurde soeben im vorhergehenden Bericht aufgezeigt: ICH hätte ohne dieses Hintergrundwissen eines anderen Sammlers nie auf diesen Rohrpostbrief geboten und auch nie eine Abbildung mit Gebrauchsanweisung im Archiv eingelagert.

Das es auch anders geht, soll dieser Beleg aufzeigen:



Brief mit links oben gewünschter Rohrpostbeförderung, Porto(U] nach Nürnberg und dortiger [U]Eilbestellung, aufgegegen in Berlin am 29.9.1920, frankiert mit 2,40 M. Ankunft in N. am nächsten Tag.

Ein Rohrpostbrief mit dieser gewünschten Behandlung ist aus dieser Porto- und Gebührenperiode bisher nicht bekannt, der Ausruf unter 100 EUR. Kurz: Dafür ist das doch ein Schnäppchen !

Wirklich ?

1. Es ist keine Rohrpostbeförderung erkennbar.

2. Blickt man in die Porto- und Gebührentabellen und addiert die Beträge, stellt man fest: Da fehlen doch glattweg 40 Pfennig Porto!

Zusammenfassend: Im 1. Augenblick ein Glücksgriff, im Nachhinein ein Fehlgriff - denn OHNE ROHRPOSTBEFÖRDERUNG ist es eine überfrankierte Massenware. :-((
 
Schmuggler Am: 16.10.2008 18:49:52 Gelesen: 969676# 178 @  
Erst lesen, dann denken - ich machs auch gaaaaanz kurz:

Im Jahr 1843 erfand Herr Bain einen sogenannten "Flachschreiber", 1847 Bakewell das walzenförmige Gerät zu einer "Bildübermittlung": Es ging um die technische Möglichkeit, ein Bild oder einen Text "wie im Original" zu erstellen, es über eine Stromleitung zu transportieren und wie eingegeben so auch wieder zu lesen.



1863 richtete Caselli die erste öffentliche Bildtelregraphenlinie zwischen Paris über Lyon nach Marseille ein.



1921 gelang es erstmal, eine Zeichnung (= Bild) von Europe via Unterseekabel in die USA zu senden. Ab 1924 war es bereits möglich, kurze Texte in Bildform zu übertragen. Auch von Berlin. Das Ergebnis ist nicht toll anzusehen, dennoch technisch eine Meisterleistung:



Das verwackelte ist "echt"! :-))

So sah das für den Empfang der Übertragung konzipierte Gerät aus:



Bereits Ende 1927 sah das Endergebnis bedeutend besser aus, zumal Text UND Bild auf einer Seite standen:



Was hat das aber alles mit der Rohrpost zu tun ?

Der private Absender konnte ebenfalls ab dieser Zeit sein privates Bildtelegramm an einen Empfänger senden, meist wars die Familie oder SEHR gute Freunde - per Briefpost. Die Umschläge zu diesen Sendungen sind heute die wohl rarsten porto- und gebührenfreien Dokumente,



hier zusätzlich per Rohrpost 1928 vom HTA über SW 61 nach Tempelhof befördert und bestellt.

Anläßlich eines Philatelistentreffen in Berlin (war es 1938 ?) wurde diese Möglichkeit erst richtig populär - der Umschlag zu diesen Sendungen, ob per Rohrpost oder Zeppelin befördert, ist in allen Fällen heute sehr beliebt und begehrt.

Ja, ja - die Rohrpost ... :-))
 
Schmuggler Am: 16.10.2008 19:05:38 Gelesen: 969672# 179 @  
Zum guten Schluss:

WER ergänzt den Beitrag Nr. 176 eventuell mit den Gebühren oder sonstigen Informationen ?

Ferner bitte beachten:

Die Bilder und die wesentlichen Daten wurden mit freundlicher Unterstützung des Archivs der Neuen Züricher Zeitung (= NZZ) aus dem Jahr 1943 einer Ausarbeitung von Paul Bellac, Bern, übernommen. Bin nicht so schlau, wie ich tue! :-))
 
AfriKiwi Am: 16.10.2008 23:53:35 Gelesen: 969652# 180 @  
@ Schmuggler [#179]

>>Bin nicht so schlau, wie ich tue! :-))<<

Ich glaube alle danken Dir fürs zeigen, so werden noch mehr schlauer. :)

Erich
 
Schmuggler Am: 17.10.2008 09:23:58 Gelesen: 969632# 181 @  
@ AfriKiwi [#180]

:-))

Du solltest doch möglicherweise das Posting 176 ergänzen, nicht 177.

:-))
 
AfriKiwi Am: 17.10.2008 13:35:34 Gelesen: 969620# 182 @  
@ Schmuggler [#181]

Da das mir kaum möglich ist, stelle ich Deine Frage wieder an dem Mitglieder:

Beitrag #177

>> Zum guten Schluss: WER ergänzt den Beitrag Nr. 176 eventuell mit den Gebühren oder sonstigen Informationen ?<<

Erich
 
duphil Am: 17.10.2008 15:39:22 Gelesen: 969615# 183 @  
@ Schmuggler [#178]

Hallo Schmuggler!

Jetzt schau ich mir den von Dir gezeigten Beleg schon fast zwei Tage an.

Aufgefallen ist mir folgendes: Dieser Beleg trägt keinerlei Gebührenvermerke oder Briefmarken. Es fehlt offensichtlich auch der Hinweis auf eine Gebührenbefreiung. Oder soll der Reichsadler oben links ein solcher sein?

Wenn das nicht der Fall ist, wie ich glaube, ist dieser Umschlag ein Postinternes "Formular" oder ein Vordruck. Es gab dann ja wohl spezielle Umschläge für Bildtelegramme ebenso wie für normale Telegramme. Somit ergibt sich dann für mich nur die Berechnungmöglichkeit für evtl. anfallende Telegrammgebühren.
Leider finde ich keinerlei Hinweise auf diese Kosten, weder für normale Telegramme noch für Bildtelegramme, in meinen Unterlagen. Damit kann ich dann nicht einmal ungefähren Kosten für ein Bildtelegramm ermitteln.

Sollte ich völlig falsch liegen lasse ich mich da gerne eines Besseren belehren.

Mit freundlichen Gruß
Peter
 
Jürgen Witkowski Am: 17.10.2008 16:04:17 Gelesen: 969612# 184 @  
@ duphil [#920]

Ich denke mal, der Umschlag mit dem Bildtelegramm war als "Postsache" gebührenfrei zu befördern. Daher wird man in keiner Portotabelle der Welt dazu Angaben finden. Der Rohrposttransport ist in diesem Fall nichts anderes als ein Teil der Zustellkette bis zum Empfänger.

Ähnlich wie bei einem Telegramm, das in Berlin ebenfalls per Rohrpost zwischentransportiert wurde, fallen keine zusätzlichen Gebühren an. Die Post ist nur verpflichtet, schnellstmöglich zuzustellen. Ob per Rohrpost, Luftpost oder per Eilboten ist dabei von Fall zu Fall zu entscheiden gewesen.

Es handelt sich um einen postinternen Dienstumschlag. Das Bildtelegramm traf beim Haupt-Telegrafen-Amt (HTA) ein, wurde in den Umschlag gesteckt und dem Empfänger auf schnellstem Wege zugestellt.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Schmuggler Am: 17.10.2008 18:00:02 Gelesen: 969607# 185 @  
@ duphil [#920]

Und noch meinen Senf dazu: Es ist, wie Concordia richtig in Nr. 182 schreibt, ein "dienstlicher Umschlag zur Beförderung eines Bildtelegramms" - eben durchaus mit einer "Post- oder Telegrammsache" vergleichbar.

Ganz behutsam ausgedrückt: Nach meiner Meinung (= nicht-Wissen) musste der Kunde zu dieser Zeit (1828) die Telegramm- und Bildgebühren bezahlen, welche ZUSAMMEN einen nicht unerheblichen Gesamtbetrag ergaben. Für den Kunden war in der Gesamtgebühr die Beförderungsgebühr, wie bei normalen (= Text-) Telegrammen auch, enthalten. Üblicherweise war zu dieser Zeit das Empfangs-Telegraphenamt auch das Bestellamt. In Berlin (und München) konnte der Transport des Telegramms auch per Rohrpost vorgenommen werden, wenn beide Anlagen eine Rohrpoststation hatten. Hatte nur das HTA in Berlin zu dieser Zeit einen Bild-Sendeapparat, aber nicht der Bestimmungsort, dann konnte das Bildtelegramm auch per Flugpost befördert werden - oder per Rohrpost.

Der wesentliche Unterschied zwischen einem Bildtelegramm mit Text lag doch darin, dass auch die Grüße oder Mitteilungen individuell mit der originalen Handschrift(!) mit übertragen wurden - und nicht nur der Text per Telegraphenmaschine oder Morseapparat, wie wir sie heute den Kisten und Kästen bündelweise vorfinden. Samt Umschlag.

In der bekannten Telegraphie wurde jedes Wort und Zeichen nach festgelegten Regeln gezählt und mit dem Wortbetrag (je nach Zielort und -Land) zum Gesamtbetrag multipliziert.

Die endgültige Gebührenfrage kann möglicherweise nur jemand beantworten, der die Telegraphiegebühren (aus der ADA?) zu dieser Zeit hat.

Auf keinen Fall sind die Gebühren von 1928 identisch mit den Gebühren von 1938(?) zu dem Berliner Philatelistentreffen: Dort wurde ein vergünstigter Anlass-Pauschalbetrag genannt (Welcher ?) - deswegen sind diese Bildtelegramme die "häufigsten".

Soweit mein theoretischer Hinterkopf-Beitrag zum Geschehen, gerne lese ich dazu weitere Kommentare, Ergänzungen und Wissenswertes.

Kurz: Nur zu! :-))
 
Schmuggler Am: 17.10.2008 18:10:01 Gelesen: 969602# 186 @  
@ Schmuggler [#185]

Bekomme soeben einen Tipp im Hintergrund: Der Autor "Meyer zu Eisen" hat u. a. auch ein Buch über "Schmucktelegramme" geschrieben - das Buch habe ich aber nicht. :-((

Darin soll sich auch in informativer Teil mit dem Thema "Bildtelegramme" befinden.

Wie immer: WER kann ergänzen oder korrigieren ?
 
Stempelwolf Am: 17.10.2008 23:19:49 Gelesen: 969571# 187 @  
@ Schmuggler [#186]

anbei ein Scan aus dem Werk von Hans Meier zu Eissen: "Die Deutsche Telegraphie - Stationen zur Geschichte 1918 - 1945 und Katalog" aus dem Kapitel über die Bildtelegramme:



Beste Grüße
Wolfgang
 
Schmuggler Am: 18.10.2008 10:21:02 Gelesen: 969558# 188 @  
@ Stempelwolf [#187]

Der Nebel lichtet sich, nicht nur draußen vor der Tür: DANKE an Stempelwolf und ENTSCHULDIGUNG an Herr Meier zu Eisen.

Die von duphil gestellte Frage nach der Frankatur hat sich ebenfalls aufgehellt und bestätigt: Die Gebühren wurden im Voraus bezahlt, der Beförderungsumschlag ist immer ohne Frankatur.

Jetzt fehlen "nur noch" die Gebühren.
 
duphil Am: 18.10.2008 11:28:25 Gelesen: 969551# 189 @  
@ Schmuggler [#188]

Hallo Schmuggler und Rohrpostfreunde!

Hier ein Hinweis zu den Gebühren für (Bild)Telegramme:

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/2/20/Tel2345.jpg

Mit freundlichen Gruß
Peter
 
Schmuggler Am: 18.10.2008 18:59:33 Gelesen: 969522# 190 @  
@ duphil [#189]

Vielen Dank für das Auffinden (was mir nicht gelungen ist) der "allgemeinen Telegrammgebühren" im Netz, ABER die Gebühren für ein Bildtelegramm von 1927 oder 1933 finde ich nicht - auch wenn der Schreiber dieses Wort in seinem Artikel benutzt.

Falls von allgemeiner Interesse: Es fehlen ferner in der Veröffentlichung die Gebühren ins Ausland so wie die Zusatzleistungen.

Vielleicht sollten "wir" das Thema hier erst einmal beenden und zur gewöhnlichen unterirdischenen Rohrpost zurückkommen - wird zum Bildtelegramm noch was und wo entstaubt, kann es ja immer und jederzeit gerne nachgetragen werden: Hier geht nichts verloren! :-))
 
duphil Am: 18.10.2008 19:53:12 Gelesen: 969515# 191 @  
@ Schmuggler [#190]

Hallo Schmuggler!

Also ich habe in den Anmerkungen unten gelesen, das der Mindestsatz für ein Bildtelegramm ab dem 1. März 1929 4,00 RM betrug.

Zum Thema Auslandsgebühren habe ich folgendes gefunden:

16.11.1930

Zwischen den Vereinigten Staaten und dem Deutschen Reich wird der Bildtelegraphendienst aufgenommen. Der Preis für einen cm² beträgt 1,65 RM, der Mindestpreis für ein Bildtelegramm beträgt 247,50 RM (150 cm²).

Allerdings weiß ich nicht mehr wo !

Ferner soll im INFLA-Bericht 187 ab Seite 64 einiges zu diesem Thema stehen. Vielleicht hat ja ein Mitglied dieses Heft und kann uns weiterhelfen.

Mit freundlichen Gruß
Peter
 
Hermes65 Am: 23.10.2008 18:46:04 Gelesen: 969370# 192 @  
Ein Thema ohne Ende. Hier ein Brief aus der DDR (Nachträglich entwertet am 8. 6. 1975 oder 1985. Gab es zu der Zeit noch Rohrpost in der "Ehemaligen" oder ist der Zettel aus Aufbrauchsgründen verwandt worden? Das Porto von 1,05 M ist allerdings reichlich hoch, selbst für Eilbotenbeförderung.

Rückseitig prangt ein kleiner achteckiger Stempel mit der Zahl <220>.

Hab das Stück für 0,10 EUR erworben und gedacht, damit kann man nichts falsch machen.

Gruß
Manfred


 
Jürgen Witkowski Am: 23.10.2008 18:55:49 Gelesen: 969367# 193 @  
@ Hermes65 [#192]

In der Porto-Fibel vom Stollberger Verlag steht, dass die Rohrpost in (Ost-)Berlin 1977 eingestellt wurde. Die Rohrpostgebühr für Briefe bis 100 Gramm betrug zu dieser Zeit 20 Pf. Die Eilzustellung Briefpost kostete 50 Pf. Die restlichen 35 Pf. kann ich nicht plausibel erklären. Da müssen die Portostufenspezialisten helfen.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
reichswolf Am: 23.10.2008 19:08:00 Gelesen: 969364# 194 @  
@ Concordia CA [#193]

Berlin 62 (= Schöneberg 1) war ja nicht Teil der DDR, sondern West-Berlins. Dementsprechend mußten 35 Pfennig für einen Auslandsbrief bis 20g verklebt werden.

Beste Grüße,
Christoph
 
Hermes65 Am: 23.10.2008 20:10:01 Gelesen: 969358# 195 @  
Auf 85 Pf bin ich auch gekommen, so gesehen wäre es schon hoch überfrankiert. Aber es scheint doch ein ganz normaler Bedarfsbrief zu sein.
 
reichswolf Am: 23.10.2008 20:27:49 Gelesen: 969356# 196 @  
@ Hermes65 [#195]

Was meinst du? Das Porto haben wir doch wunderbar geklärt. Auslandsbrief (35 Pf) + Eilbote (50 Pf) + Rohrpost (20 Pf) macht 105 Pfennig.
 
Hermes65 Am: 23.10.2008 21:15:42 Gelesen: 969350# 197 @  
Na klar, so stimmts, habe vor lauter Bäumen den Wald nicht gesehen!
 
Baldersbrynd Am: 26.10.2008 14:06:18 Gelesen: 969304# 198 @  
Hallo an Alle.

Habe diese heute bekommen. Der Schnellpost war ein Ablöser der Rohrpost zwischen 1.3.1949 und 5.3.1955. Nach Mai 1945 war das Rohrpostnetz zerstört zwischen den Postämtern N65 und N4 auch dem Postamt W9. Wie lange diese Zerstörung war weiss ich nicht.

Portobetrag 80 Pf. gültig von 1.6.1949 bis 5.3.1955.

Viele Grüße aus Dänemark.

Jørgen

 
Hermes65 Am: 28.10.2008 11:53:35 Gelesen: 969264# 199 @  
Weil es so schön war, noch einen:


 
Jürgen Witkowski Am: 31.10.2008 16:54:30 Gelesen: 969208# 200 @  
Nach den beiden schönen Berlin-Belegen von Baldersbrynd und Hermes65 möchte ich für heute einmal einen Rohrpost-Beleg aus Frankreich vorstellen. Sowohl in Paris als auch in Marseille bestanden Rohrpostnetze. Für jede der beiden Städte wurden eigene Rohrpost-Umschläge, -Kartenbriefe und -Postkarten herausgegeben.

Einige der Ganzsachen-Umschläge hatten vorne sogar die Portostufen aufgedruckt und auch auf der Rückseite umfangreiche Erklärungen.

Rohrpost-Umschlag für Paris, MiNr. RU 12, 1,50 Fr.


Aufgabestempel PARIS 00 HOTEL DE POSTE 23 XI 30 14.15


Ankunftstempel PARIS 6 RUE DE VAUGIRARD 15.55 23 XI 1930

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Schmuggler Am: 01.11.2008 13:10:28 Gelesen: 969185# 201 @  
@ duphil [#191]

Ich habe mich redlich bemüht, Information zu dem Thema "Bildtelegramme" zu bekommen. Gleich ob Sindelfingen oder der (philat.) Rest der Welt: Die einschlägigen Zampanos gucken mich ratlos und hilflos an. :-((

Lichtblick!: Heute sendete mit der bekannte freundliche und kompetente Händler "Schnellbacher" aus Berlin mehrere Seiten, welche aber aus dem Jahr 1936 sind. Sie treffen unser Thema "vor 1930" nicht haargenau, dennoch sind bestimmte Strukturen erkennbar:



Blatt 1 mit der Information anlässlich der Olympiade in Berlin.



Wie vor, Blatt 2



Sie lesen in Blatt 3 die ab Berlin möglichen Länder, Ortschaften und die Gebühren dorthin. Die Preise sind enorm, besonders wenn man den cm2!!) Preis pro Bild mit den Mindestgebühren vergleicht.

Auch interessant, dass sich private Firmen um die Herstellung der Bilder bemühten, um sie anschliessend der Reichspost korrekt zuzuliefern - welche sodann die weitere Bearbeitung veranlasste.

Vordergründig war dieser Service wohl für die internationalen Pressevertreter aus aller Welt gedacht - nicht für Privat: Siehe Kosten und Gebühren.

Nochmals: DANKE HERR SCHNELLBACHER!
 
Stempelwolf Am: 01.11.2008 16:45:22 Gelesen: 969171# 202 @  
@ Schmuggler [#201]

Alles zum Thema Bildtelegrafie von Hans Meier zu Eissen:







Beste Grüße
Wolfgang
 
Schmuggler Am: 01.11.2008 18:06:20 Gelesen: 969167# 203 @  
@ Stempelwolf [#202]

Ich danke auch Dir, Stempelwolf, hast uns ja lang mit Deinem Wissen hier "eiern" lassen.

Die Ausarbeitung scheint ja wirklich nicht häufig gelesen worden zu sein. :-(( Nun ja, der Titel verspricht auch wirklich keinen Knaller - trotz der phantastisch detaillierten Recherche zu dem Werk.

Kurz: "2x Komplimente verteilen!"
 
Baldersbrynd Am: 04.11.2008 09:02:32 Gelesen: 969101# 204 @  
Hallo Alle

Hier ist ein Einschreiben- Eilboten- Rohrpost-Brief aus Hamburg nach Berlin, gesendet am 12.4.1923. Rückseite Ankunftsstempel in Berlin und 8,00 Uhr?

Portoberechnung: Alle Porti gültig von 1.3.1923 bis 30.6.1923.
Fernbrief bis 20g 100 Mark
Einschreiben 80 Mark
Eilboten 120 Mark
Rohrpost 260 Mark von und nach außerhalb des Netzes.
Zusammen 560 Mark

Viele Grüße
Jørgen


 
Schmuggler Am: 04.11.2008 10:48:04 Gelesen: 969084# 205 @  
@ Baldersbrynd [#204]

Hallo Einer,

Du provozierst mich! :-))

Ohne Zweifel wollte der Absender, so wie frankiert und von Dir korrekt beschrieben, die Sendung zugestellt bekommen: Da "brannte der Kittel". Nur die frankierte Rohrpostbeförderung ist nirgendwo notiert. Selbst wenn: Zu dieser Zeit konnten R.-Sendungen noch nicht per Rohrpost befördert werden, auf dass zum "Einschreiben" notwendige Prozedere der Empfangsbestätigung war die Rohrpost abwicklungstechnisch und personell noch nicht vorbereitet.

Dennoch ist auf der Rückseite hauchzart der Rohrpoststempel von dem PA W 8 mit Minuten-Zeitgruppe abgeschlagen (und zusätzlich in rot nochmals handschriftlich mit 8,00 bestätigt) - aber auch nur dieser.

Hintergrund:

Die Sendung war an die Deutsche Bank adressiert und das Postamt W 8 war das Versorgungspostamt für die Deutsche Bank. Verbunden waren diese beiden Institutionen seit ca. 1920 (oder früher) mit einem internen Transport- oder Beförderungsrohr und zumindest alle Eilsendungen erhielten fast immer diesen Rohrpoststempel vom W 8.

Vorderseitig mittig ist der private Eingangsstempel der Deutschen Bank zu sehen, oben ist in roter Farbe "SCH" notiert, die bankinterne Weiterleitung an die SCHeckabteilung - die vom Absender notierte "Rembours-Abteilung" steht für "Vergütung", "Tilgung" oder auch "Rückzahlung" - je nach Aufgabenstellung.

[B]SCH/B]eck passte in diesen Themenbereich somit pauschal hinein.

Gruß aus dem Wald nach DK!
 
Baldersbrynd Am: 04.11.2008 13:23:36 Gelesen: 969068# 206 @  
@ Schmuggler [#205]

Hallo Schmuggler

Ich glaube das ich früher dieser Brief geschaut habe.

Ich verstehe das ein Einschreibebrief mit Rohrpost nicht möglich war. Aber der Absender oder das Absenderpostamt musste das wissen, auch in Hamburg.

Der Stempel auf dem Rückseite haben keine Minutenangabe "nur" 5-6V nach dem Datum.

Wann bleibt es möglich ein E-Brief mit der Rohrpost zu senden?

Ich wollte Dir nicht provozieren, mit dieser Fragen kann ich nur an die deutschen Fragen. So ich habe Deine Antwort geschrieben und beiliegen das mit dem Brief.

Liebe Grüße von He(i)de nach D

Jørgen
 
Schmuggler Am: 04.11.2008 15:20:34 Gelesen: 969060# 207 @  
@ Baldersbrynd [#206]

Mach Dir keinen Kopp! :-))

Das Thema "Rohrpost plus Einschreiben" hatten wir unter [#121] und [#127] besprochen, mit allen möglichen und eigentlich unmöglichen Daten.

Die grundsätzliche Verfahrensweise bei W 8 bleibt offen, da es sich im eigentlichen Sinn um eine (nicht öffentliche) [B]Haus-Rohrpost(/B] handelte.
Diese Haus-Rohrpostanlagen richtig zu identifizieren, ist heute an Hand der Stempel fast unmöglich - nur die gelegentlich erhalten geblieben und reproduzierten privaten Rohrpost-Lagepläne, wie z. B. von der Firma Mix und Genest, können heute zur Bestimmung heran gezogen werden.

Wenn wir zu dem Thema "Haus-Rohrpost" kommen (die Thematik tauchte bereits ansatzweise beim Stempel "Königliches Schloss" auf) wirds bei mir SEHR vage werden: Nicht jeder Stempel mit Minuten-Zeitgruppe muß ein Rohrpoststempel gewesen sein - besonders nicht nach 1924 ... :-((
 
AhdenAirport Am: 04.11.2008 19:27:35 Gelesen: 969025# 208 @  
@ schmuggler [#164]

Für's Archiv das mir bekannte FD des Ankunftstempels des HTA 'R1' ohne Zusatz:

2.7.1879



Grüße aus Berlin,
joey
 
Schmuggler Am: 04.11.2008 20:15:37 Gelesen: 969019# 209 @  
@ joey [#208]

Prima ! Und ganz herzlichen Dank !

Wird gleich (optisch) archiviert - und meine Info-Unterlagen korrigiert. :-))

Zusätzlich: Kannst Du mir bitte auch einen Scan der Rückseite machen? Ist nämlich die für mich bisher frühestes Zustellung einer (Eisenbahn-)Depesche gegen Rohrpostgebühr.

Weitermachen !
 
Jürgen Witkowski Am: 04.11.2008 20:32:23 Gelesen: 969015# 210 @  
@ joey [#208]

Herzlich willkommen auf Philaseiten.de. Ich freue mich, dass Du gleich einen Beleg aus Deiner Schatzkiste vorgestellt hast und möchte mich der Bitte von Schmuggler anschließen: Weitermachen!

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
AhdenAirport Am: 04.11.2008 22:52:27 Gelesen: 968997# 211 @  
@ schmuggler (Rainer ?)

Die Rückseite des Beleges ist leider vollkommen blank, da gibt's nichts zu zeigen, sorry.

@ Concordia CA

Es ist ein bischen schwierig, Euch durch all diese Foren zu folgen. Wo bleibe ich jetzt z.B. mit meinen Berliner Maschinenstempeln und ganz zu schweigen von den Berliner Kleinschriftstempeln, von denen ich noch gar nichts gezeigt habe?

Grüße aus Berlin,
joey
 
Jürgen Witkowski Am: 04.11.2008 23:13:29 Gelesen: 968996# 212 @  
@ joey [#895]

>>wo bleibe ich jetzt z.B. mit meinen Berliner Maschinenstempeln<<

Na zum Beispiel hier:

http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=852&CP=0&F=1

>>und ganz zu schweigen von den Berliner Kleinschriftstempeln, von denen ich noch gar nichts gezeigt habe?<<

Das wäre hier gut aufgehoben:

http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=737&CP=0&F=1

Ein guter Tipp für den Anfang ist auch immer:

http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?OV=1

Interessierende Stichworte auf der linken Seite anklicken, dann erscheinen alle passenden Themen dazu.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Schmuggler Am: 05.11.2008 09:28:40 Gelesen: 968984# 213 @  
@ joey [#208]

Macht nix, steht ja für die Ahnungslosen auf der Vorderseite.

:-))

Mich hätte halt die zur Depesche passende Bahngesellschaft interessiert.

Das den Wertstempel entwertende Amt kann ich nicht entziffern. Kannst Du diese Angabe bitte in Textform formlos nachholen?

Ankunft ist eindeutig das R 1 (= HTA) mit der 25. Fahrt des Tages.

Danke!
 
Schmuggler Am: 05.11.2008 09:40:11 Gelesen: 968983# 214 @  
@ Baldersbrynd [#206]

Ich gehe einfach mal davon aus, dass der Brief Daheim oder im Büro bereits vorfrankiert wurde, denn der Text wurde mit Schreibmaschine geschrieben - und diese Klapperkisten standen nicht "einfach so" am Schalter rum. Andererseits: Dann hätte zumindest ich zu dieser Zeit auch das Zauberwort "Rohrpost" noch als 3. Variante hinzu gefügt - und dann wieder am Schalter gestrichen.

Letztendlich können wir heute kniffeln, kombinieren und vermuten, nur bestätigen lässt sich solch eine Vorgehensweise heute kaum noch.
 
AhdenAirport Am: 06.11.2008 15:00:54 Gelesen: 968940# 215 @  
@ Schmuggler [#213]

Der Aufgabestempel ist der K1 BERLIN, W. V des Telegrafenamtes 5 am Leipziger Platz.

Kann man daraus schließen, das die Depesche am Potsdamer Bahnhof angekommen ist oder war das TA 5 für mehr als einen Bahnhof zuständig ?

Grüße aus Berlin,
joey
 
Schmuggler Am: 10.11.2008 18:35:50 Gelesen: 968850# 216 @  
@ joey [#215]

Wieder zurück vom Tageslicht und schnell die noch aktuelle Untergrundfrage beantworten: Keine Ahnung ! :-((

Aber ich unterstelle mal, dass das Telegrafenamt 5 auch für den Potsdamer Bahnhof zu dieser Zeit zuständig war - alle anderen Wege zu den anderen Bahnhöfen wäre m. E. einfach und letztendlich zu lang gewesen - und Zeitgewinn war bereits (fast) ALLES.
 
Schmuggler Am: 10.11.2008 19:37:44 Gelesen: 968844# 217 @  
Ein hübsches Foto konnte ich von der ArGe-Hauptversammlung mitbringen, entnommen dem Pracht-Bildband zur Gewerbe Ausstellung in Berlin, 1896.



Fotographischer Blick in die Haupthalle, hier auf dem Stand der Firma "Mannesmannröhren-Werke".

Was das mit der Rohrpost zu tun hat ?

Eine ganze Menge, deshalb erst die Vorgeschichte: Die ab 1875 verlegten Transportrohre hatten eine Länge von 3,75 Metern und ein Gesamtgewicht von max 36,5 kg Gewicht. Das Mindestgewicht betrug 35 kg: Damalige Präzisions-Walztechnik.

Die bei der Herstellung entstandene Fuge wurde verschweisst. Ab 1890 wurden die Rohre zusätzlich von aussen mit einem zusätzlichen Schutzanstrich versehen, der sog. Diamant-Farbe.

1885 erfand die Firma Mannesmann das nahtlose Rohr und lies es sich patentieren. Diese Rohre waren von höchstem Interesse, denn nach dem gleichen Verfahren liessen sich auch Kanonenrohre bauen. So war der Einkaufspreis, unter Berücksichtigung der Monopolstellung, erst einmal exorbitant.

Erst 1895 sank der Einkaufspreis und die Reichspostverwaltung verbaute in diesem Jahr erstmals nahtlose Transportröhren zwischen dem Rohrpostamt P 16(R 22) in der Köpenicker Str. und der Rohrpost-Betriebsstätte vom PA 33 in der Skalitzer Str. Der Test war so erfolgreich, dass in der Folge alle Leitungen nur mit nahtlosen Röhren erfolgte - und die spätere Entwicklungen ab 1920 währen ohne diese Erfindung undenkbar gewesen.

Letztendlich: Wenn Sie als Leser genau gucken, finden Sie diese nahtlosen Röhren in verschiedenen Formen alle im Bild wieder. Aber der "Rest" ist ja auch ganz nett anzusehen, oder ?!
 
Schmuggler Am: 11.11.2008 17:45:56 Gelesen: 968792# 218 @  
Bevor es hier hektisch wird:

Eine Rohrpost Ganzsachenkarte RP 8 die für einen Stempelsammler eigentlich ALLES hat:



Saubere Optik, knitterfrei, lesbar. Zusätzlich einen Rohrpost-Brückenstempel mit 1x römischer und 1x arabischer Minuten-Zeitgruppe so wie der blaue HTA-Stempelautomat und der schwarze Rahmenstempel der Börse, ebenfalls mit Minutenangabe, hier mit grossen Feld.



Weniger schöne Optik, aber der Rohrpoststempel vom P35(R35) in blau-grauer Farbe. Kein Grund zum Schnaufen: Diese "Farbe" war fast 6 Monate im Gebrauch.



In feiner Optik: die großformatige RP1 mit satinierter Papieroberfläche am 25.8.1877. So sollten idealerweise alle Karten aussehen ...



... tun sie aber manchmal nicht.

Für den Stempel-Interessierten: Der ursprüngliche "Brückenstempel" hat seine Brücke bereits abgebrochen. Kurz nach diesem Datum erhält auch das Rohrpostamt 9 einen Brücken-Gitterstempel (BG).



Natürlich um diese Uhrzeit kein "Bedarf" - nur ein familiäres Erinnerungsstück von "Papa, Mama und Großmama" an das "Fräulein Lottchen" mit den besten Wünschen für das neue Jahrhundert.

Zum guten Schluss, weils so schön zu einem aktuellen Angebot im Internet passt:


 
alexiosp Am: 16.11.2008 13:19:29 Gelesen: 968663# 219 @  
Hallo Freunde!

Eilboten-Rohrpost(?)-Brief aus Berlin nach Zürich ?

(BERLIN SCHÖNEBERG 23.12.26 4.50N)> TELEGRAPH ZÜRICH 24.XII.26-18)

Grüße aus Griechenland
Alexios


 
Schmuggler Am: 19.11.2008 11:15:14 Gelesen: 968587# 220 @  
@ alexiosp [#219]

Guten Morgen Alexiosp,

es ist mein persönliches Problem, dass allgemein in den Raum geworfene Fragen ich individuell beantworten soll/darf/möchte. Ein bisschen eigene Zuarbeit würde mich schon etwas motivieren.

In einem anderen philatelistischen Forum wird derzeit das Thema "Portostufe" besprochen: Jeder der glaubt schreiben zu können, darf auch was sagen - auch wenns der größte spontane Blödsinn ist; sogar meine Katzen kreischen. Das möchte ich hier gerne vermeiden, weil das der Tod einer jeden guten Information ist.

Du hast die Sendung richtig mit "Brief aus Berlin nach Zürich, dort Eilbestellung" definiert. WAS aber ist jetzt Deine Frage?
 
Schmuggler Am: 19.11.2008 11:41:23 Gelesen: 968582# 221 @  
Soeben kam ein Link zum Thema "Bild-Telegramm", gesendet von dem freundlichen Händler "Schnellbacher, Berlin", welcher das begonnene Thema sinnvoll für den Interessierten fortsetzt:

http://www.infla-berlin.de/Verlag/band-58.pdf

Ein Auszug aus der Gesamtübersicht seht Ihr, wenn Ihr den Link auf Euren Rechner kopiert. Ganz am Ende steht die eventuelle Bestellanschrift.
 
Jürgen Witkowski Am: 19.11.2008 11:57:31 Gelesen: 968581# 222 @  
@ Schmuggler [#218]

Da Du gerade so schön in Schwung bist, habe ich auch noch ein verknittertes Stückchen rosa Papier, dass mit der Rohrpost befördert wurde. Es kann mit Deinen oben vorgestellten Belegen von der Optik kaum mithalten. Der Ausgefertigt-Stempel hat mich allerdings bewogen, das gute Stück aus einer Belegekiste zu retten.

Der einzeilige Stempel hat neben Datum und Uhrzeit auch noch eine zusätzliche, anscheinend automatische Zählnummer, wie man an der hinteren 1 erkennen kann, die etwas nach oben versetzt ist.

Im Übrigen kann ich die guten Erfahrungen mit Herrn Schnellbacher nur bestätigen. Er ist auf Philaseiten.de auch im Händlerverzeichnis zu finden.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
AhdenAirport Am: 21.11.2008 19:30:15 Gelesen: 968517# 223 @  
@ Concordia CA [#222]

Das ist der Ausgefertigt-Stempel des Telegrafen-Amtes 2 Börse, verwendet bis etwa 1899/1900. der Beleg erinnert mich an eine Frage, die ich schmuggler stellen wollte:

@ schmuggler [#218] Beleg 1

Der Rahmenstempel auf der Karte gehört nach meinen Beobachtungen nicht zum TA 2 Börse, sondern zum HTA. Das lässt sich an der Karte auch schön zeigen:

- Das HTA lag in der Französischen Strasse.
- Die Karte ist adressiert in die Mohrenstrasse, die dritte Parallelstrasse südlich der Französischen Strasse.
- Die Börse lag in der Burgstrasse.
- das TA 2 Börse lag in der Neuen Friedrichstrasse, wegen der vermutlichen Nähe zur Börse wohl in dem Teil, der heute Anna-Louisa-Karsch-Straße heisst.

Was sollte die Karte also drei Minuten, nachdem sie beim HTA aufgeschlagen ist, beim TA 2 Börse? Ausserdem zeigt die Karte den Leitvermerk "C" für das HTA und nicht "B" für Börse.

Grüße aus Berlin,
joey
 
Schmuggler Am: 22.11.2008 15:48:40 Gelesen: 968484# 224 @  
@ joey [#223]

Ich widerspreche Dir grundsätzlich nicht zu [#218], auch wenn mich bis vor kurzem jemand aus Kiel öffentlich "Rohrpostpabst" (ohne meine Einwilligung) tituliert hat. Nur der Pabst im Vatikan sollte unfehlbar sein.

Zum Thema zurück: Dann hätte das HTA zwei verschiedene Stempel gehabt UND fast gleichzeitig abgeschlagen? - denn rechts auf dem 1. Bild ist der blaue HTA-Stempel der Postautomation. Oder sollte ich da was verquer verstanden haben? :-((

Das Thema "Uhrzeiten" nehme ich nicht mehr so ernst, nachdem ich einerseits in einer Rohrpost Betriebs-Ordnung ausdrücklich den Hinweis gefunden habe, dass die Uhrzeit im Stempel grundsätzlich "bis 10 Minuten" verändert/vorgestellt werden möge - andererseits die mir um 1900 kürzeste amtliche echt-Laufzeit einer Büchse mit 6 Minuten (zwischen Börse und TA) liegt.

Bin auf Deine Einschätzung und/oder Widerrede gespannt. :-))
 
AhdenAirport Am: 22.11.2008 19:49:43 Gelesen: 968464# 225 @  
@ Schmuggler [#224]

Keine Widerrede sondern Untermauerung. ;-)

Hier zunächst eine Karte mit dem frühesten mir bekannten Datum des fraglichen Rahmenstempels. Die Karte trägt in blau den Leitvermerk R1 (= HTA) sowie den Ankunftsstempel R1 Südkreis 23.Fahrt, ebenfalls vom HTA. Bemerkenswert ist noch die handschriftlich notierte Uhrzeit am Oberrand 12/39, sechs Minuten vor Abschlag des Rahmenstempels.



Als zweites der (leider) einzigen Beleg, den ich in meinem Bestand finden konnte, der ebenfalls beide Stempel zeigt, diesmal beide rückseitig. Der Umschlag trägt vorderseitig den Leitvermerk "C" (=HTA) und ist adressiert Unter den Linden 32, weit entfernt vom TA 2. Auch hier ist der Rahmenstempel drei Minuten nach dem blauen Stempel abgeschlagen.



Meine derzeitige These ist, daß der blaue Stempel in der Ankunft verwendet wurde, der Rahmenstempel jedoch in der Ausgabe bzw. Weiterleitung.

Dein Hinweis auf die Rohrpost-Betriebsanleitung bezüglich der 10 Minuten trifft hier m.E. nicht, denn er kann sich eigentlich nur auf die "normalen" Rohrpoststempel beziehen, die eben nicht genauer als auf 10 Minuten einzustellen waren (Ausnahme die beiden Stempel des HTA, die auf auf 5 Minuten einzustellen waren)

Grüße aus Berlin,
joey
 
Schmuggler Am: 23.11.2008 11:43:35 Gelesen: 968424# 226 @  
Ich habe mich nie besonders (= intensiv) mit diesen Stempelformen beschäftigt, auch fast nichts archiviert.

So kann ich derzeit "nur" den Rahmenstempel um 1 Jahr vorverlegen, bin aber der kühnen Meinung, dass ich auch irgendwo ein Stück von 1880 noch vergraben hätte ... :-((



Auf einen sehr unauffälligen Stempel möchte ich Dich in diesem Zusammenhang aufmerksam machen, welcher nach meiner zurückhaltenden Kenntnis kaum, wenig oder unbekannt ist, auch beim HTA eingesetzt und bisher nur aus dem November 1888 archiviert.

Gesamtsicht:



Detailsicht:



Die handschriftlichen Uhrzeiten habe ich auch z. K. genommen, aber bisher nie vertieft, da ich in keiner Quelle Hinweise darauf gefunden habe. Man kann sie mehr oder minder häufig bis 1900 beobachten - warum auch immer. Hier "hübsch" in Kombination mit dem Ausgefertigt-Stempel.



Meine persönliche Meinung dazu ist, dass es sich vermutlich um handschriftliche Laufzeiten- oder Bearbeitungs Überprüfungen handelt (vom wem?, wofür?), denn sie sind immer in exakter Zeitdarstellung.

Kurz: Nix Wissen - aber haben :-)) und es gibt noch viel zu tun, gerade in diesen scheinbar unscheinbaren Details!
 
Schmuggler Am: 23.11.2008 17:25:16 Gelesen: 968400# 227 @  
@ joey [#225]

Betr.: Laufzeiten

Guck Dir mal den Detail-Laufplan (hier als Ausschnitt a.d. Jahr 1899) in Folge an. Auf den RP-Transportleitungen sind oben in roter Farbe die metergenauen (!) Distanzen von RP-Station zu RP-Station genannt, unten in blauer Farbe die für die Strecken benötigten Laufzeiten (= ohne Um- oder Verladezeit).

Eine Laufzeit von 5 Minuten findest Du nicht, die Geringste ist 6 Minuten. Kurz: Es bestand somit kein postalisches "Bedürfniss" nach 5 Minuten - die in der Vergangenheit veröffentlichen Meinungen zu dem Thema treffen heute so nicht mehr zu. Noch kürzer: Die RP.-Stempel zeigten NICHT die exakte Uhrzeit, die dort genannten Uhrzeit blieb eine Minuten-Zeitgruppe, welche bis zu 10 Minuten Differenz aufweisen durfte.



Im Wesentlichen ist die detaillierte Diskussion darüber auch nicht soooo wichtig und letztendlich dem allgemeinen Rohrpostverständnis nicht förderlich ("Korinthenkackerei").
 
Jürgen Witkowski Am: 23.11.2008 21:24:17 Gelesen: 968378# 228 @  
@ joey [#225]

Bei meinen Belegen mit blauem Stempel und Rahmenstempel habe ich 3 bzw. 4 Minuten Differenz zwischen beiden Abschlägen.

Ein Beleg, der vielleicht zur weiteren Verwirrung in der Uhrzeitdiskussion im Bezug auf die handschriftlichen Eintragungen beiträgt:

Aufgabestempel (römische Ziffern in Minutengruppe)
BERLIN,N P 55 (R 14) 21 V 92*10.II V.

Ankunftstempel (arabische Ziffern in Minutengruppe
BERLIN,W H.T.A. (R 1)* 21 V 92*10.55 V.

Ausgefertigt-Stempel als Einzeiler
Ausgef:21. 5.92 10.57V

Handschriftlicher Vermerk auf der Vorderseite:
10.59

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Schmuggler Am: 25.11.2008 11:19:50 Gelesen: 968331# 229 @  
@Concordia:
Dann sind "wir" ja mal wieder ein Herz und eine Seele, oder?!

Sollte jemand aus dem Vorder- oder Hintergrund sich die Zeichnung laut #225 genauer ansehen, könnte der Leser über die gleichlautenden Laufzeiten bei unterschiedlichen Distanzen fragend "stolpern".

Hat auch bei mir gedauert, bis ich die Gegebenheiten gerafft hatte:
Von Anbeginn an verlief der Luftstrom gleichmäßig durch die Transportleitung in Kreisform - die Sendung "rutschte" per Büchse in den Kreislauf: Das "Systhem Siemens", welches in der Fachliteratur "Durchschleusung" genannt wurde. Musste die Luftgeschwindigkeit aus irgendeinem Grunde , z. B. bei technischer Störung, verändert werden, litt das komplette Systhem mit allen Sendungen darunter
Das ab dem 1.12.1876 eingesetzte patentierte "Systhem Felbinger" veränderte nicht nur die Aufgabe- und Annahmetechnik, sondern unterbrach nach jeder Station den ursprünglichen Kreislauf: An jeder Station wurden die Züge mit allen Büchsen neu zusammengestellt, d. h. bestimmte Transportbüchsen wurden laut dem Laufplan geöffnet und der vorgefundene Inhalt/die Sendungen neu auf neue Büchsen aufgeteilt, andere Transportbüchsen blieben verschlossen: Die neuen Züge wurden bis zur nächsten Station gebildet, welche dort dann nach den gleichen festgelegten Regeln -wie vor- behandelt wurden. Erstmals wurde 1883 diese Systhematik in der Rohrpost-Betriebsordnung minutiös festgelegt.

Als eine weitere Folge dieser neuen Technik konnte das Luftvolumen und die Luftgeschwindigkeit individuell von Station zu Station mittels Manometer geregelt werden: Sparte Energie (= Kohle im Kraftwerk) und ermöglichte so immer die "richtige" Geschwindigkeit laut Fahrplan.
Möglicherweise wurden zwecks Laufzeitkontrolle diese handschriftlichen Uhrzeiten auf den Sendungen "angebracht" - in Vorbereitung auf eine verkürzte Zugfolge.

In unserem obigen Fall laut #225 wurde 1899 (oder früher?) somit der Transportzug auf kurzen Strecken langsamer und auf längeren Strecken schneller fortbewegt: Trotz unterschiedlichen Entfernungen blieb die Laufzeit identisch und ein gleichmäßiges-routiniertes arbeiten gewährleistete eine gute und sorgfältige Arbeit.


Ist doch so nachvollziehbar?!
 
Pete Am: 25.11.2008 20:31:33 Gelesen: 968309# 230 @  
@ Schmuggler [#229]

hier einmal etwas aktuelles zum Thema Rohrpost in Berlin:

Berlins Stadtrohrpost schließt wegen Bauarbeiten

Posttip.de (25.11.08) - Berlins alte Stadtrohrpost kann nach dem kommenden Wochenende wegen Bauarbeiten für längere Zeit nicht besichtigt werden. Deshalb bietet der Verein Berliner Unterwelten am Wochenende vorerst zum letzten Mal Führungen an. Das berichtet die "Berliner Zeitung" in ihrer Onlineausgabe.

Die Freiberger Immobilien GmbH hatte vor kurzem den Mietvertrag mit dem Verein gekündigt, da sie den Gebäudekomplex zwischen Monbijou-, Oranienburger und Tucholskystraße umbauen möchte.

Im früheren Haupttelegrafenamt in Berlin Mitte wurden die denkmalgeschützten Rohrleitungen, Schalttafeln und Maschinenpodeste des zweitgrößten Rohrpostsystems der Welt seit fast 30 Jahren aufbewahrt.

Am Ende jeder Rohrleitung befanden sich lederne Auffangbeutel für die Kapseln mit Briefen und Karten. Die Armaturen aus Messing und Marmortafeln sehen antiquiert aus, jedoch wäre nach Angaben der Zeitung die alte Rohrpost innerhalb Berlins schneller als die heutige Post.

Denn wer ihr eine wichtige Nachricht anvertraute, konnte davon ausgehen, dass der Empfänger sie nach spätestens drei Stunden in den Händen hielt. Die Kapseln mit der Post wurden per Druckluft mit 16 Metern pro Sekunde durch die Rohre geschossen, die ein Leitungsnetz von 250 km umfassten.

Die alte Rohrpost überstand auch Scherzsendungen wie Stullen und eine lebende Maus. Am Beginn der 1980er Jahre wurde sie dann stillgelegt. Nur die ursprünglichen Anlagen in Mitte blieben erhalten.

Insgesamt sahen 10.000 Besucher die alten Räume und Bestandteile der Berliner Rohrpost. Geplant sei, die Anlage nach den Bauarbeiten wieder öffentlich zugänglich zu machen. Die letzten Exkursionen beginnen am Sonnabend und Sonntag jeweils um 11 und 13 Uhr im Haus Monbijoustraße 1.

(Quelle: http://www.posttip.de/News/22903/Berlins-Stadtrohrpost-schliesst-wegen-Bauarbeiten.html)

Gruß
Pete
 
Schmuggler Am: 27.11.2008 11:11:07 Gelesen: 968245# 231 @  
@ Pete [#230]

Danke Pete für die Informationen.

Die von den "Berliner Unterwelten" via der Brüder Arnold ex Link-Verlag bisher veröffentlichten Ausarbeitungen habe ich immer fleißig studiert :-)) und stehen (logo!) komplett in meinem Archivregal: "Must have" - besonders das Buch "Luft-Züge", welches erstmals eine ernsthafte internationale und nationale Übersicht zur Entwicklung der Rohrpost aus technischer Sicht brachte.

Viele Bausteine dieser Arbeit flossen auch in meine Ausarbeitung mit ein, siehe dortiges "Quellenverzeichnis".

Das heutige Elend ist halt, dass auch die "Unterwelten" e. V. für die Rohrpostgeschichte ca. 80 Jahre zu spät aktiv wurden: Sehr viele Details fielen dem II. Weltkrieg zum Opfer, den Rest erledigte der Wiederaufbau.

"C'est la vie", wenn man einen Krieg beginnt.
 
Schmuggler Am: 01.12.2008 11:18:07 Gelesen: 968139# 232 @  
Apropos der Ausarbeitung "Luft-Züge" von Herrn Arnold:

Erstmals wurden dort, gewissermassen als optischer Einstieg in das Thema, Bilder aus englischen Archiven aus der sehr frühen Entwicklungszeit zur Pneumatik gezeigt, denn bereits am 28.2.1861 wurden die bisherigen Erkenntnisse und Versuche in der Illustradet London News vom 28.2.1861 in ergänzender Textform veröffentlicht.

Vor kurzem konnte ich ein Einzelblatt aus der Illustrierten Zeitung (Nr. 949)vom 7.9.1861 erwerben, welche ohne Quellenangabe diesen Artikel sinngemäß wiederholt, nur die gezeigten Bilder wichen in der Gegenüberstellung mit dem englischen Original erstaunlich ab.

Wer die "Luft-Züge" im Regal stehen hat, möge mal die Bilder vergleichen:







Die deutsche, verkürzte Text-Darstellung zu dem Artikel liest sich wie folgt:

„Packetbeförderung durch Luftdruck.

Bei dem gesteigerten Verkehr der sich immer weiter ausbreitenden Weltstadt London sinnt man natürlich stets auf Mittel, jenen zu beschleunigen. So hat sich kürzlich daselbst eine Gesellschaft gebildet, die im Bereich der Stadt eine schnellere Brief- und Packetbeförderung herzustellen beabsichtigt. Als fortbewegende Kraft bedient sie sich – der Luft.

Der Leser wird sich erinnern, dass anfangs der vierziger Jahre viel von einer athmosphärischen Eisenbahn die Rede war, mit welcher zwischen Kingstown und Dalkey bei Dublin Versuche angestellt wurden. Ein Herr Clegg hatte den alten Erfahrungssatz, auf dem unsere gewöhnlichen Pumpen beruhen, auf die Eisenbahn anzuwenden versucht und nach dieser Idee mit den Brüdern Samuda jene Bahn hergestellt. (...)

Um sich von der Zweckmäßigkeit ihres Projects zu überzeugen, hat jene Gesellschaft an der Victoria-Eisenbahnbrücke zu Battersea vorläufig über der Erde eiserne Röhren in der Länge einer Viertelmeile in gerader und gekrümmter Linie gelegt, an deren Ende sich die Maschine befindet. Die Röhren zeigen einen Querschnitt etwa wie den eines Eisenbahntunnels, sind durch eine gewöhnliche, mit Blei vergossene Hohlfuge miteinander verbunden. (...)“.

Ich bin immer wieder fasziniert, wenn man mal auf solche "auf Gegenseitigkeit ausgetauschten Beiträge" (? = oder letztendlich nur abgeschrieben ?) stößt - und wie sie sich national letztendlich unterschiedlich nuanciert wiedergeben.

Zum heutigen Schluß mein derzeit lustigster adressierte Rohrpostbrief,



welcher den Empfänger ("Service first!") auch erreichte.
 
Schmuggler Am: 01.12.2008 15:26:15 Gelesen: 968124# 233 @  
So allmählich trudeln bei den Empfänger die auf den letzten Auktionen erworbenen Käufe ein.

Warum diese erworbenen Lose für mich von Interesse sind, wird in Folge nicht nur gezeigt, sondern auch auch genannt, zumal die Lose ohne Abbildung waren und der Auktionssachbearbeiter bei der Beschreibung etwas zu ungenau war.

Bild 1:



6.10.1911: "Kartenbrief" gestrichen und als ein um 5 Pfennig unterfrankiert Rohrpostbrief nach Charlottenburg befördert und bestellt: KEINE Zutaxierung für fehlendes PORTO, wie z. B. nach Steglitz o.ä. in die Nachbar-Ortsgebiete, sondern "fehlende RohrpostGEBÜHR" - wie ich das so noch nie gesehen habe ... Lt. Rohrpost-Betriebsordnung hätte die Sendung eigentlich garnicht mit RP befördert werden sollen/können/dürfen ...

Bild 2:



Kartenformular im Druck C 153 aus dem Jahre 9/1925, blanko korrekt frankiert für die gültige Rohrpostgebühr (36 Pfennig) und mit rotem Zusatzdruck "Rohrpost" statt Postkarte.

Gültige Rohrpost-Ganzsachenkarten gab es zur damaligen Zeit nicht. Im Auftrag von Privat noch nicht. War das möglicherweise noch ein von der Post vorgefertigte Rohrpostkarte für den "beschleunigten Schalterverkauf"? - oder eine "von Privat" vorgefertigte Karte?

So oder so: Erst einmal festhalten, bis die aktuelle Forschung mich möglicherweise überholt. :-))

Und was haben SIE (mit oder ohne Fragen) kürzlich erwerben können?
 
Jürgen Witkowski Am: 01.12.2008 16:07:07 Gelesen: 968114# 234 @  
@ Schmuggler [#233]

Bin schon da mit der neuesten Errungenschaft aus der letzten Harlos-Auktion:

Zunächst einmal haben wir eine "normale" Postkarte vor uns, die von Dresden an eine Opernsängerin Leona Ney gelaufen ist, die in Berlin im Hotel Viktoria residierte. Der Aufgabestempel von Dresden vom 06.02.1902 und der Bestellt-Stempel vom Berliner Postamt 64 vom 08.02.1902 stellen keine Besonderheit dar. Die Frankatur besteht aus einer MiNr. 55 zu 5 Pf., dem regulären Porto für eine Postkarte.

Kommen wir zum spannenderen Rohrpostteil der Angelegenheit:

Da die Adressangabe Berlin kein Postamt enthielt, landete sie anscheinend zunächst im Postamt NW 7. Das war wohl nicht das richtige Zustellpostamt. Nun kommt die Rohrpost ins Spiel, wie der violette Zusatzstempel "Zur Rohrpost!" vermuten lässt. Die handschriftliche Ergänzung NW 7 wurde mit Rotstift durchgestrichen und das große "C" als Leitvermerk dazu geschrieben. Neues Zielpostamt war das H.T.A.. Am H.T.A. erhielt die Karte einen blauen Ausgefertigt-Stempel vom 8. Feb. 7.43 Uhr und vermutlich auch mit Blaustift die handschriftliche Ergänzung "W" für das nun aktuelle Zielpostamt. Der rohrposttypische Botenstempel "63" zeugt von der erfolgreichen Zustellung.

Ich hoffe, den Beleg richtig interpretiert zu haben. Ansonsten bitte ich um entsprechende Korrekturvorschläge.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Bundpostfrischsammler Am: 01.12.2008 16:42:22 Gelesen: 968110# 235 @  
In der Zeit zwischen 1900 und 1902 gab es relativ viele Weiterleitungen per Rohrpost. Häufig waren es Eilbotensendungen oder verirrte Nachsendungen. Ein kleiner Auszug aus meiner Sammlung, wobei ich mich auf die aus dem Ausland kommenden etwas selteneren Sendungen aus ausgefallenen Ländern beschränke:



Vorstehend aus Portugal



Vorstehend aus Russland



Vorstehend aus Togo



Vorstehend aus "Deutsche Post in der Türkei"



Vorstehend aus Österreich



Vorstehend aus Japan

Interessant ist, dass die Stempel "Zur Rohrpost" oder "durch Rohrpost weiter" variierten.

Zudem sollten nach Möglichkeit sonstige Rohrpoststempel abgeschlagen sein, um eine nachweisliche Rohrpostbeförderung zu erkennen.

Gruss Helmut
 
Bundpostfrischsammler Am: 01.12.2008 17:33:09 Gelesen: 968104# 236 @  
Noch zwei Beispiele mit klaren Rohrpoststempeln und Stempel "zur Rohrpost"



Vorstehend Postkarte von Dresden Nach Berlin mit schönem Einkreisstempel mit Datumsbrücke mit Rohrpostminutenstempel



Vorstehend mein Lieblingsstück: Ganzsache (P5)aus Samoa mit Bedarfstext, Rohrpoststempel von RP-Betriebsstätte 68 und Stempel "Zur Rohrpst" und links oben noch Gummistempel "15" für den Briefträger der Rückbriefstelle.
 
Bundpostfrischsammler Am: 01.12.2008 18:18:49 Gelesen: 968099# 237 @  
Einen Nachschlag habe ich noch. Ein mit Vorder- und Rückseite abgebildeter Brief



1902, Brief mit 2+3Pf Germania mit Fa-Lochung Kodak SW 48 4.4.02
L1: "Zur Rohrpost" und nach W 15



Rückseitig: Vermerk: "Mit Rohrpost beschädigt eingegangen..." zudem zweiseitig Verschlussmarken Berlin W 15.
 
Bundpostfrischsammler Am: 01.12.2008 18:41:00 Gelesen: 968096# 238 @  
Eigentlich wollte ich ja zum Stichwort Neuerwerbungen etwas einstellen. Der schöne Beleg von Concordia hat mich aber abgelenkt.

Daher folgende Neuerwerbungen:


Weltpostkarte, die zur Rohrpostkarte umfunktioniert wurde.

Frage an Schmuggler, wie viele solcher Karten sind bei Dir archiviert.

Zudem ein Stück aus dem Bestand:



Zudem ein vermeintliches Unikat in Form einer portogerechten Han:




So, nun allen Rohrpost und Briefmarkenverrückten einen schönen Abend.
 
philamuseum Am: 02.12.2008 08:36:59 Gelesen: 968078# 239 @  
Liebe Rohrpostgemeinde!

Das ist ein sehr spannender Beitrag!

Vielleicht kann ich mit nachfolgendem Stück auch noch etwas zur Aufhellung beitragen, obwohl ich mit der Abbildung eher eine Frage an die Spezialisten verbinden möchte:

Ist diese Karte aus Charlottenburg um 2 Pfennig überfrankiert?

Gibt es portogerechte 27 Pfennig Frankaturen bei Rohrpostbelegen?

@ Bundpostfrischsammler

Sehr schöner HAN-Beleg mit dem Paar der MiNr. 100 und in dieser Form tatsächlich mit Unikatcharakter!

Gruss Peter


 
Bundpostfrischsammler Am: 02.12.2008 09:52:54 Gelesen: 968069# 240 @  
@ philamuseum

Es gibt portogerechte Rohrpostkarten in den Nachbarortsbezirk ab 01.04.1900, da noch 2 Pf für den Nachbarortsverkehr dazu kamen. Zum 1.7.1906 endete der vergünstigte Nachbarortstarif wieder. Dann waren es wieder 5 Pf.

Beispiel:



Halensee gehörte zum Nachbarortsbezirk.

@ philamuseum

Deine Karte ist schön, aber meines wissens nicht portogerecht. Charlottenburg lag zwar im Nachbarortbezirk zu Berlin, hatte aber einen eigenen Rohrpostanschluss, so dass nur 25 Pf zu entrichten waren.
 
Schmuggler Am: 02.12.2008 13:11:28 Gelesen: 968054# 241 @  
@ Bundpostfrischsammler [#238]

*Räusper*

Beginnend ab 1887:

- 2x Markenausgabe Pfennig,
- 1x MiF Pfennig mit Krone/Adler,
- 4x Markenausgabe Krone/Adler,
- 1x MiF Krone/Adler mit Germania I (Reichspost).

Mein Archivierungs-Zeitraum beträgt z. Zt. pauschal 20 Jahre, sodass es nicht ausgeschlossen ist, dass irgendwann und -wo in den nächsten 40 Jahren das eine oder andere unbekannte Stück aus irgendeiner Sammlung noch auftauchen könnte, siehe z. B. die Harlos-Auktion.

Das heisst aber auch für die Philaseiten, dass das Thema "Rohrpost" soooo schnell nicht abgeschlossen sein wird.
 
philamuseum Am: 02.12.2008 15:59:14 Gelesen: 968035# 242 @  
@ Bundpostfrischsammler [#240]

Herzlichen Dank für die prompte Antwort und das entsprechende portogerechte "Pendant".

Bei nachfolgenden Stück stehe ich ebenfalls auf dem Schlauch (in der Abbildung ist der Stempel "Ausgefertigt ..." vielleicht nur schlecht zu sehen, ist aber zunächst innerhalb Berlins per Rohrpost befördert worden)!

Aber das Porto nach Köln: 5 Pfennig zu wenig. "Durchgerutscht"?

Gruss Peter


 
Schmuggler Am: 02.12.2008 17:04:14 Gelesen: 968027# 243 @  
@ philamuseum [#242]

Alle mit Eilgebühr behafteten Briefpostsendungen konnten ab ca. 1886 innerhalb von Berlin per Rohrpost befördert werden, wenn die Sendung dazu "geeignet" war - und die entsprechende Beförderungskapazität vorhanden war.
Von Berlin nach .... ebenso wie von .... nach Berlin. Klingt erst einmal "einfach", wenn man Belege dazu braucht und sucht, wirds enger ... So ist mir die früheste bekannte Sendung aus Berlin mit Eilbestellung in .... und Rohrpostbeförderung in Berlin erst von 1900. Von .... nach Berlin mit Eilbestellung und Rohrpostbeförderung wirds ab 1890 fast Massenware. Extrem selten wirds, wenn man eine Sendung von .... nach Berlin mit Rohrpostbeförderung (statt frankierter Eilbestellung) suchen sollte.

Deiner Karte fehlen, wie Du schon richtig erkannt hast, das PORTO - aber niemand hats bemerkt. Kein Grund, um sogleich einen Porsche o. ä. zu bestellen, aber schön aufheben und in die Sammlung einbinden: Wenn Du solch einen Beleg suchst, findest Du nix! :-))
 
Schmuggler Am: 02.12.2008 17:19:13 Gelesen: 968024# 244 @  
@ Concordia CA [#234]

Zuerst: In meinem letzten Posting hat wohl der Rechner zuviel Alkohol auf die Festplatte abbekommen - bitte 90% der Strichlänge korrekt kürzen oder überlesen.

Zu meinem eigentlichen Anliegen:

Das schöne an der Rohrpost ist, dass 99,9% aller "Künstler" dieses Sammelgebiet, im Gegensatz z. B. von Briefmarken, noch nicht entdeckt haben. So können auch junge Kenner (nicht Anfänger!) entspannt sich ein interessantes Sammelgebiet aufbauen. :-))

Bis auf eine Ausnahme: Der nicht genormte Stempel "Zur Rohrpost" in den verschiedensten Variationen und Stempelfarben. Ich komme z. Zt. nicht an meine Vergleichssammlung und kann daher keine Stücke zeigen.

Achtet mal darauf! :-((

Zur Entspannung: Die oben gezeigten Stempel sind alle korrekt!
 
philamuseum Am: 02.12.2008 18:12:20 Gelesen: 968006# 245 @  
@ Schmuggler [#243]

Mit der nächsten Abbildung beschliesse ich vorerst meine Reihe nicht portogerechter Rohrpost-Bedarfsbelege, wobei hier - laut Kaiserreich Briefmarken-Sprache - offensichtlich vier Küsse ans liebe Fräulein verschickt wurden ...

Gruss Peter


 
Bundpostfrischsammler Am: 04.12.2008 12:24:56 Gelesen: 967931# 246 @  
@ Schmuggler

Vielen Dank für die Statistik zur Weltpostkarte die zur Rohrpostkarte auffrankiert ist.

Beste Grüsse
Helmut Knapp
 
Schmuggler Am: 06.12.2008 10:30:52 Gelesen: 967866# 247 @  
@ philamuseum [#245]

Schade, dass Deine "nicht-portorichtige" Sammlung hier schon zu Ende ist - dabei gibts z. B. ab 1916 mit der sog. "Reichsabgabe" unendlich viel fehlfrankiertes Material - immer brav als "porto- und gebührenrichtig" angepriesen.

Ich mache Dich mal schriftlich (= ohne Bilder) auf einen Dir vielleicht unbekannten Fakt aufmerksam, welcher aus der Briefpost kommt und auch dort (in der PO) verankert ist - aber auch in der Rohrpost Anwendung findet:

Eine Postkarte wird innerhalb des Reichspostgebietes z. B. mit 10 statt 5 Pfennig frankiert. Klingt erst einmal und spontan "fehlfrankiert!"

ABER: Postkarten mit rückseitigen Aufklebungen oder Beifügungen zum Postkartenporto(!) waren "unzulässig". Wurde jedoch die gleiche Karte "wie ein Brief" mit 10 Pfennig frankiert - wurde die Karte ohne Beanstandung befördert und gegebenfalls auch per Eilboten bestellt.

Dieses Prozedere kann sich auch in der Rohrpost wiederholen!

Kurz: Solche Sendungen, wie von Dir in [#245] gezeigt, können dann plötzlich zu einem echten Schnäppchen werden. :-))

Da Wissen und Kenntnis nie an einem Punkt verharren (ausser in der Rechtschreibung, in der Küche und beim Sex): Wird Deine nächste RP-Variante möglicherweise "RP-Taxierungen" heissen ? :-))

Ziemlich am Anfang dieser Darstellungen hatte ich eine "silberfarben bedruckte Rohrpostkarte" gezeigt. Die komplette Recherche zu diesem bisher einzigartigen Stück steht auf der Homepage der ArGe Krone/Adler e.V. unter der laufenden Nummer 70 zur freien Lese-Verfügung.

Wer's kürzer haben mag: http://arge-krone-adler.de/archiv/aktuell070.html

Die dort nicht gezeigte Abbildung zu dem von Herrn Hoppeworth organisiertem "Event" von 1896 zeige ich ergänzend hier:


 
Schmuggler Am: 06.12.2008 16:41:06 Gelesen: 967846# 248 @  
In eigener Sache:

Wie einigen Mitlesern dieser Philaseiten bekannt, habe ich eine umfassende Ausarbeitung zu dem Thema "Rohrpost in Berlin" geschrieben und veröffentlicht. Sie ist z. Zt. nur auf den Zeitraum 1876 bis 1903 begrenzt, da andere Arbeitsgemeinschaften die Ausarbeitung mit ihren Spezialisten fortsetzen wollten.

Das Projekt ist aber in der gedachten Form gescheitert - so führe ich im Hintergrund z. Zt. die begonnene Arbeit "bis 1933", zum Leidwesen meiner Familie, weiter.

Eine wesentliche Frage ist für mich noch unbeantwortet, möglicherweise kann mir jemand aus anderen Quellen weiter helfen?!

Vorgeschichte:

Ab 1881 fuhr in Groß-Lichterfelde eine Strassenbahn vom Hauptbahnhof zur Kadetten-Anstalt.



Sie verkehrte auch nach 1900 laut diesem Fahrplan recht häufig und dürfte als Hauptaufgabe wohl den Transport von Kadetten-Anwärtern gehabt haben.



Aber vor 1910 wird bereits in einer Rohrpost-Betriebsordnung (RBO) darauf hingewiesen, dass "Briefpost- und Rohrpostsendungen auch per Straßenbahn" bzw. Ringbahn befördert werden können.

Ein entsprechender Beförderungshinweis ist für den Transport per "Bahn" nicht bekannt - wohl aber ein entsprechender Stempel bei "Verzögerung durch Straßenbahnbeförderung" - auch auf Rohrpostsendungen.

Frage:

WER kann mir, eventuell aus regionalen Archiven oder aus bekannten Sammlungen etc., mit ergänzenden Informationen zum Thema "Postbeförderung per Strassenbahn" für den Zeitraum "bis 1933" behilflich sein ?
 
philamuseum Am: 06.12.2008 16:43:26 Gelesen: 967846# 249 @  
@ Schmuggler [#247]

Ich habe zwar noch diverse Rohrpostbelege, aber alle weiteren sind leider portogerecht.

Mit den allerbesten Grüßen

Peter
 
Schmuggler Am: 06.12.2008 17:08:35 Gelesen: 967842# 250 @  
@ philamuseum [#249]

Einfach zeigen, man kann nur am Beispiel ("learning for doing") lernen!!

Aber mal im Ernst:

Das Rohrposthema ist hier gerade mal 10 Monate im Netz, hat in der kurzen Zeit bereits fast 6.000 Zugriffe mit fast 250 Beiträgen erlebt: DAS ist wohl eine verdammt erfolgreiche Geschichte - für dieses kleine Sammelgebiet !

** Allen beteiligten mal auf die Schultern klopfen und artig DANKE! sagen ** :-))

Ich kenne Arbeitsgemeinschaften (und deren Homepage), die wären froh und glücklich, wenn sie auch nur annähernd diese Interessensfrequenz (samt Mitarbeit) hätten.

Darauf einen (virtuellen) Nikolaus!
 
reichswolf Am: 06.12.2008 17:30:01 Gelesen: 967838# 251 @  
@ Schmuggler [#248]

Ich weiß nicht, ob es dir evtl. etwas nützt, aber ich wollte darauf hinweisen, daß in den Ausgaben 2/90 und 1/91 des "Archiv für deutsche Posatgeschichte" ein Artikel zur Postbeförderung per Straßenbahn erschienen ist. Berlin spielt darin leider keine Rolle, es geht um das westliche und nördliche Deutschland, aber evtl. findest du dennoch allgemeine, dir nützliche Informationen.

Beste Grüße,
Christoph
 
Schmuggler Am: 06.12.2008 17:35:17 Gelesen: 967837# 252 @  
@ philamuseum [#249]

Mal ein bisschen Mut auch für das "Andere" machen:



Doppelkarte RP14 (die Anwortkarte blieb unbenutzt, trotz schwesterlicher Frage), welche den Absender letztendlich ergo insgesamt 55 Pfennig (!) Porto und Gebühr kostete.

Der Purist könnte ja jetzt sagen: "Die wurde doch gar nicht per Rohrpost befördert?!".

Stimmt! - aber doch allemal "schön" zu gucken!?
 
Schmuggler Am: 06.12.2008 17:50:44 Gelesen: 967833# 253 @  
@ reichswolf [#251]

Danke Reichswolf, aber ich muß und will mich auf Berlin und seine OPD beschränken.

Als äusseres Zeichen:



Freistempler plus Marke mit Andreaskreuz plus Ganzsache, gebührenrichtig: Jedes für sich nicht "erregend" - als Ganzes wirklich nicht häufig.

Trotzdem die Frage:

- Kann man hier den Freistempel-Automaten erkennen und
- was war das eventuell für ein Gerät (Name)?

fragt neugierig der Besitzer.
 
Schmuggler Am: 06.12.2008 18:11:51 Gelesen: 967826# 254 @  
Auch zu anderen Zeiten, kann ein gewöhnlicher Rohrpostbrief Freude bereiten, auch wenn der damalige Anlaß es wohl weniger war:



Die frankierte Gebühr ist gewöhnlich, aber ein weiterer Trauerbrief ist bisher mit Rohrpostbeförderung nicht bekannt. In diese Kategorie "Ungewöhnliches" fallen für mich z. B. auch klein- oder andersformatige Sendungen, Zierbriefe, farbige Umschläge und Schmuckkarten.

Tipp: Lockert jede Sammlung optisch auf!
 
Sammelfreak Am: 06.12.2008 19:06:28 Gelesen: 967819# 255 @  
Hallo Schmuggler,

ich bin gerade nicht daheim kann dadurch leider nicht scanns liefern aber einen Link von meiner Seite kann ich Euch hier gerne bereitstellen.

http://www.berliner-postgeschichte.de.tl/Rohrpost-.htm

mfg
Martin und noch schönen Rest Nikolaus
 
philamuseum Am: 08.12.2008 19:35:47 Gelesen: 967746# 256 @  
@ Schmuggler [#252]

Wunderschöner Beleg, was immer auch der Purist dagegenhält!

Kann es sein, daß gelaufene Rohrpost-Doppelkarten, auch wenn das Antwort-Teil ungebraucht blieb, seltener sind, als der Michel-Preis vermuten lässt?



Verspätete Nikolausgrüsse von Peter
 
Schmuggler Am: 10.12.2008 15:28:51 Gelesen: 967624# 257 @  
@ philamuseum [#256]

DAS liegt in der Natur der Sache: Laut Verkaufsstatistik der Reichspost waren "bis 1918" knapp 4% aller verkauften Ganzsachen der Rohrpost sogenannte F/A-Doppelkarten.

Sie waren deswegen auch kurze Zeit später in Berlin im Doppelpack nicht mehr zugelassen - im Einzelaufbrauch jedoch nicht eingeschränkt.

Eine gewöhnliche Ganzsachenkarte der Rohrpost mit wertstufengleicher und gebührenrichtiger Ergänzungsfrankatur? Da musste immer suchen. Noch "haariger" wirds, wenn man sich hartnäckig eine EF statt MiF im Album wünscht.

Die meisten werden letztendlich bereits an dem tendenziellen Sammlerwunsch resignieren.

Kurz: Freu Dich über die Doppelkarte! :-))
 
Schmuggler Am: 10.12.2008 15:52:25 Gelesen: 967621# 258 @  
@ philamuseum [#256]

Der von Dir zitierte Ganzsachenkatalog ist aus den Erkenntnissen von Herrn Ascher und Kalkhoff entstanden.

Porto und Gebühr ist auch heute noch vielen Ganzsachensammlern etwas unvorstellbar Grausames, die Ganzsache verschandelndes Etwas. Ein vom Herausgeber als auch Besitzer nicht aktualisiertes Nachschlagewerk birgt immer die Gefahr einer Veralterung.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass alle derzeitigen Produkte die Aufgabe eines Kataloges erfüllen - auch wenn sie im Detail oder bei den Euros mal nicht mehr ganz so aktuell sein sollten: Ist eben keine Bibel - und auch die ist letztendlich nicht statisch.
 
philamuseum Am: 10.12.2008 16:47:27 Gelesen: 967606# 259 @  
@ Schmuggler [#258]

"Porto und Gebühr ist auch heute noch vielen Ganzsachensammlern etwas unvorstellbar Grausames, die Ganzsache verschandelndes Etwas."

Da bekommst du dann von "gestandenen" Berlin Sammlern zu dieser Karte



zu hören: "Ach lass mal, ohne Zusatzfrankatur wäre sie mir lieber!"

Grüsse Peter
 
Sammelfreak Am: 11.12.2008 12:18:41 Gelesen: 967540# 260 @  
An die Spezialisten;

handelt es sich hier auch um Rohrpost ?


 
Schmuggler Am: 11.12.2008 15:34:02 Gelesen: 967527# 261 @  
@ Sammelfreak [#260]

Leider kann ich weder zu diesem Beitrag - noch zu [#259] etwas sagen: Für mich ist grunsätzlich 1933 Schluß - bis auf gaaaanz wenige, allgemeine Ausnahmen.
 
Schmuggler Am: 13.12.2008 11:17:42 Gelesen: 967442# 262 @  
Vorgeschichte:

Wie bereits auch schon oben dokumentiert, ist die bisher früheste Verwendung eines Rohrpost-Brückenstempels mit dem 5.3.1886 archiviert. Eine Verfügung o. ä. gibt es dazu nicht.

Die Verwendungszeiten und Testphasen der bisherigen Rohrpost-Versuchsstempel endet "mitte Februar". Die ausschliessliche Verwendung des bisher üblichen Briefpost-Tagesstempel steht wieder im Vordergrund. Bis zum 1.3.1886!

Frage aus dem Nähkästchen:

Für das Zeitfenster 2.3. bis 5.3.1886 habe ich noch nie (!) eine Rohrpostsendung gesehen. Ist das "Zufall", "Blindheit" oder steckte eine "Planmäßigkeit" dahinter?

Kurz: WER KANN MIR ROHRPOSTSENDUNGEN AUS DEM GESUCHTEN ZEITFENSTER VORLEGEN ?
 
AhdenAirport Am: 13.12.2008 14:26:16 Gelesen: 967411# 263 @  
@ Schmuggler [#253]

Das ist der Münzfreistempel BERLIN W 9 der Fa. Hänel & Schwarz, weitere Infos findest Du hier:

http://www.postautomation.de/42.html

Grüße aus Berlin,
joey
 
Schmuggler Am: 13.12.2008 17:43:29 Gelesen: 967396# 264 @  
@ joey [#263]

Sieh es mir nach: ICH BIN ENTZÜCKT!! :-)) da ich aus diesem Zeitfenster nun wirklich wenig Kenntnis - aber wohl recht ungetrübte Ahnungen habe muß.

Hab mir den Text gleich mal ausgedruckt und werde ihn zu dem Beleg beifügen - damits die Herren Auktionatoren "später" nicht so schwer mit der Losbeschreibung haben. :-))

Die variationsreich vorgestellten Belege lassen mich grundsätzlich vermuten, dass dieser Automat ergo recht häufig benutzt wurde?! Dann schliesse ich mal aus dem nicht-gezeigten Belegmaterial, dass eine Rohrpostsendung mit diesem Abschlag wohl nicht ganz soooo häufig ist?! Bzw. letztendlich eine Ergänzungsfrankatur auf Grund der Beförderungsgebühr ja zwangsweise als Folge des höchsten und ungeraden Beträge im 5er Schritt "korrekt" nicht anders möglich sein kann.

Andererseits: Diese Automaten zogen die Philatelisten damals wie heute "automatisch" an.

Macht mir aber nichts! :-))
 
Schmuggler Am: 18.12.2008 10:34:54 Gelesen: 967281# 265 @  
@ joey [#263]

Wo immer ich das Thema "Deutsche Postautomation" auf Grund Deines Links anschnitt, in dieser Ausführlichkeit und Tiefe war es niemandem für die Zeit nach 1923 bekannt - gleichwohl sich in diesem Zeitfenster ja ne ganze Menge Sammler recht aktiv sind. Ein "Münz-Freistempler" im Kunden SB-Verfahren löste bisher nur unglaubiges Staunen aus.

Ich hatte 10 Exemplare mit den nachfolgenden Themen ausgedruckt und als Vorlage verwendet:

- Automation im Briefannahmebereich und
- Münzfreistempler.

Den "Beamtentod" von 1955 kannten fast alle - zumindest dem Namen nach.

Eigentlich schade, dass ein so gut aufgearbeitetes und interessantes Gebiet solch ein Schattendasein führt.
 
AhdenAirport Am: 19.12.2008 15:53:25 Gelesen: 967242# 266 @  
@ Schmuggler [#265]

Etwas off-topic aber ich hoffe, Du nimmst es mir nicht übel:

Auch ich war überrascht und bin entzückt von dieser Webseite, da ich dort zum ersten Mal einen Hinweis auf den auffällig merkwürdigen Stempel "BERLIN SW 11 xyz" gefunden habe. Es handelt sich um Versuche mit einer Stempelmaschine, die die Belege vor dem Stempeln selbsttätig ausrichtet. Mir ist der Stempel bisher nur aus den Monaten November und Dezember 1960 bekannt.

Grüße aus Berlin,
joey


 
Schmuggler Am: 23.12.2008 11:36:32 Gelesen: 967126# 267 @  
@ Joey

Die Philatelie hat viele Facetten - nicht nur einen Katalog.

Vielleicht findest Du ja demnächst eine frankierte Rohrpostsendung, aufgegeben am Briefpostschalter und entwertet mit diesem Stempel ? Zeitlich würde das noch passen. :-))

Durchaus ähnlich verhält es sich aktuell mit diesem "gut" bebotenem, unauffälligem Beleg:



Ein gewöhnlicher RU9 zu 60 Pf. plus 9,40 M. Ergänzungsgebühr am 2.11.1922 innerhalb der Stadt ohne Beanstandung befördert.

Ohne Beanstandung - hervorgehoben ? Im Katalog steht doch, dass die Markenausgabe Germania grundsätzlich mit Ablauf 31.10. nicht mehr gültig war. "Halt durchgeschlüpft" - oder so ...?

Nicht ganz: Taxierte Briefpostsendungen, auch mit Germania Marken frankiert, sind immer wieder erhältlich: Da passte die Post auf!



SO geht das NICHT: "Porto Essen!"

Aber alle Ganzsachen (= Kartenbrief, Briefumschläge(!) und Postkarten) mit einem Wertstempel der Germania-Markenausgabe blieben weiterhin gültig, wenn die Ergänzungsfrankatur in einer anderen Markenausgabe ausgeführt wurde.
Dieser Fakt wurde nochmals in der Verfügung 1183 verankert: Die genannten Ganzsachen verloren erst zum 31.12.1922 ihre Frankaturgültigkeit, wenn die obige Regel eingehalten wurde.

Mir sind mit dieser Teil-Gültigkeit (= eigene Worterfindung!) für die 9. Porto- und Gebührenperiode lediglich 2 weitere Belege bekannt; für die 10. Periode (ab dem 15.11.) bisher keiner.

Alternativ: SIE ergänzen meine Bestandübersicht.
 
Schmuggler Am: 31.12.2008 11:49:41 Gelesen: 966947# 268 @  
Zum Jahresende ist es üblich, dass man alle offenen Fragen mit sich und seiner Umwelt geklärt hat; erleichtert den beidseitigen Umgang im kommenden Jahr.
Geht mir als Mentor zu diesem Gebiet nicht anders, ein Jeder zupfe sich seine Antwort heraus:

- Die Gründe, warum die Ganzsachen der Markenausgabe Germania entgegen der ursprünglichen Mitteilung über die Ungültigkeit der Markenausgabe dennoch unter bestimmten Umständen weiterhin gültig blieben, können nur Vermutungen angestellt werden: Die Postverwaltung glaubte wohl an einen wesentlichen Bestand in privater und geschäftlicher Hand. Eine vergleichbare "Teil-Gültigkeit" einer Markenausgabe ist mir aus der vergangenen Zeit nicht bekannt.
Die Ursache, dass diese Markenausgabe dennoch in allen Belangen knapp wurde, könnte in der Gegebenheit zu suchen sein, das bereits mit der Verfügung 704 am 25.7. mitgeteilt wurde, "dass die Marken mit Ablauf des 31.10." ungültig werden. Eine für damalige Verhältnisse sehr lange Aufbrauch-Zeitspanne.

- Nein, die gezeigten Belege sind nicht immer aus meiner Sammlung - sondern aus meinem Archiv. Die Freigabe der archivierten Belege zwecks Öffentlichkeit wurde von den Besitzern legitimiert. Kaufangebote sowie Besitzanfragen werden grundsätzlich nicht beantwortet - weder von juristischen noch von natürlichen Personen.

- Ja, ich bin der Autor zu der bisherigen Veröffentlichung für den Zeitraum 1.12.1876 - 31.3.1902. Der nachfolgende Zeitraum "bis 1933" ist in Arbeit und wird ebenfalls nur per CD veröffentlicht. Wenn "es" soweit ist, wird auch hier der Hintergrundleser entsprechend informiert.

- Nein, ich werde keinen VHS-Kursus für die neue Rechtschreibung belegen; ich konzentriere mich auf das Verständliche - auch wenns manchmal gegen Regeln ist.

- Ja, ich bedanke mich bei allen aktiven Unterstützern in diesem Raum für die konstruktive Teilnahme, gleich ob im Vorder- oder Hintergrund.

Damit wünsche ich Ihnen einen guten Rutsch in das neue Jahr - und natürlich viel Spaß, Freude und Erfolg mit Ihrer Sammel- und Forschungsleidenschaft.
 
Jürgen Witkowski Am: 31.12.2008 16:09:49 Gelesen: 966927# 269 @  
@ Schmuggler [#268]

Vielen Dank für Dein Engagement im Laufe des Jahres und Deine erhellenden Worte zum Jahreswechsel. Vor nicht allzu langer Zeit ist Dein Buch in einer eBay-Auktion mit den Worten "vom deutschen Rohrpostpapst" angepriesen worden. Da ist es des schön zu erfahren, dass der Papst nicht nur abgehoben in himmlischen Sphären schwebt, sondern auf Philaseiten.de immer wieder zu seinem Thema nach dem rechten schaut.

Von mir zum Jahresabschluß einen "Alltagsbeleg" aus einem der Hauptgeschäfte der Rohrpost, den Börsenbriefen.

Rohrpost-Umschlag, MiNr. RU 4a,
Aufgabestempel BERLIN,W. *62*, -8.5.01 12.20N,
blauer Leitvermerk,
Ankunftstempel BERLIN,C. *T.A.2*, 8 V 01 12.40N
Ausgefertigt-Stempel 8.-5.01 12.39 No. 558
handschriftlicher Uhrzeit-Vermerk 12.50 mit Namenskürzel.

Wenn man die zeitliche Abfolge der Stempel zu Grunde legt, könnte man meinen, dass zu Kaisers Zeiten nicht alle Uhren synchron liefen. Es liegt jedoch an den Stempeltypen. Während der Ankunftstempel eine Uhrzeitgruppe hatte, die in diesem Fall alle 10 Minuten weitergestellt wurde, hatte der Ausgefertigt-Stempel schon eine automatische Uhrzeitgruppe, die sich jede Minute weiter bewegte.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
andiL Am: 04.01.2009 10:43:19 Gelesen: 966849# 270 @  
Schmuggler [#252]

Habe gestern mal wieder den Begriff Münzfreistempel gegoogelt und bin auf Ihren Beleg und dadurch auch auf diese Seite aufmerksam geworden.

Habe mich noch nie mit Rohrpost beschäftigt. Aber diese Beiträge - super! Was es alles gibt/gab!

Sollten Sie je mit dem Gedanken spielen, die Münzfreistempelkarte zu verkaufen, bitte an mich denken. Nicht zur Auktion geben!

Ich bin einer der wenigen (?), die diese Belege sammeln und trage mich mit dem Gedanken eine Ausstellungssammlung aufzubauen. Da wäre Ihre Karte eine tolle Bereicherung!
 
Hermes Am: 04.01.2009 12:26:20 Gelesen: 966839# 271 @  
@ Schmuggler [#268]

Hallo Schmuggler!

Die Ganzsachen mit Germaniamuster durften ausnahmsweise nach 31.10.22 kurze Zeit weiterverwendet werden. Weil die Post tätsächlich noch über grosse Mengen verfügte und in diesen Zeiten alles Material knapp war.

Bis wann ist mir leider unbekannt. Aber mehr als einige Monate kann es nicht gewesen sein.

Herr Willi Dehnert, leider verstorben, damals seht aktives Mitglied der Arge Germania und stark interessiert an späten Germania Frankaturen aus 1922, hat das mal berichtet.

Wer seine Germania Ganzsachen nach September 1922 darauf nachschaut, wird dieses bestätigt sehen.

Interessant für die Rohrpost Sammler ist auch unterstehende Statistik, von Herrn Dehnert zusammengestellt (aus: Germania Handbuch, März 97, 22/010.105.02):



Besten Gruss,

Hermes
 
Schmuggler Am: 04.01.2009 13:07:23 Gelesen: 966832# 272 @  
@ Concordia CA [#269]

Willkommen im neuen Jahr! :-))

Da alle so fleißig über die Feiertage waren, muß ich ja wohl oder übel "ran an den Speck" - dabei gehe ich chronologisch vor.

Mit Deiner Darstellung zu den Uhrzeiten im Bereich "Börse" bestätigst Du meine bisherigen Aussagen: Die Zeitdifferenzen zwischen der gestempelten und der realen Zeit konnte "bis 10 Minuten" betragen - hier durch die handschriftliche Notiz bestätigt.

Die Differenz zwischen echter Beförderungszeit und echter Tageszeit konnte somit durchaus 15 Minuten in der Addition sein - der Nimbus der Rohrpost wird soeben angekratzt! :-))
 
Schmuggler Am: 04.01.2009 16:19:55 Gelesen: 966817# 273 @  
@ andiL [#270]

Da hast Du Dir aber ein ehrgeiziges Ziel gesteckt ... und der Weg via Google und Philaseiten bis zum Münzfreistempler auf Rohrpost war ganz schön lang. :-))

Allgemein:

Letztendlich bin ich der Überzeugung, dass es von diesen Abschlägen ein mehr gibt, sonst hätte die Postverwaltung diese Automaten sehr viel schneller wieder abgebaut - siehe u. a. Bickerdike o. ä.

Das heutige Elend ist, dass es kaum jemanden gibt, welcher seinen Beleg in allen Belangen "korrekt" beschreiben kann - erst recht nicht zu dem weitestgehend unbekannten Gebiet der Stempelautomation mit all ihren Facetten. Ist er dennoch mal korrekt beschrieben - steht er nicht im Internet und alle Suchbegriffe laufen ins Leere.

Speziell:

Ich verspreche Dir nichts - habe aber Deine entsprechende Anfrage zu dem Beleg geheftet. Sollte ich oder meine Erben "später" darüber stolpern, ist Deine Anfrage zumindest verankert.

Empfehle Dir ähnliches für Dein Archiv.
 
Schmuggler Am: 04.01.2009 16:46:23 Gelesen: 966812# 274 @  
@ Hermes [#271]

Hallo Götterbote,

genau das (meine ich) habe ich auch gemeint: Die Abbildung der Anna war nach 22 Jahren grundsätzlich ab dem 1.11. nicht mehr gültig - ausgenommen die Ganzsache, WENN sie das Ergänzungsporto oder -gebühr in einer anderen Markenausgabe zeigte.

Amtliche Ganzsachenumschläge mit einem Wertstempel der Germania sind mir jedoch nicht bekannt, wenn sie nicht von Privat bestellt wurden. Bei Postkarten sieht es schon wieder etwas anders aus.

Der Hinweis auf die Papierkosten war gut! Wurde wenig später ja auch mit einem "Papierzuschlag" realisiert.

Ja, ja, der Herr Dehnert ... :-))

Anders formuliert: Wenn Forschungsarbeiten sich in Luft auflösen und niemand im nachhinein von nix weiß ... :-((

Alle Versuche, zumindest seine ergänzenden Rohrpostnotizen einsehen zu können, scheiterten bisher an der Desinteresse, Dummheit oder Gier aller Beteiligten.Gut, dass wenigstens die Spitze vom Eisberg via der ArGe Germania veröffentlicht wurde.
 
Pete Am: 19.01.2009 21:52:00 Gelesen: 966536# 275 @  
@ Schmuggler [#274]

Eben beim Stöbern auf der Suche nach Informationen zur modernen Privatpost gefunden. *g*

http://www.bmsv-loehne.de/vn_archiv/vn_082006/rohrpost.pdf

(Internetseite des Briefmarkensammlervereins aus 32584 Löhne)

Gruß
Pete
 
doktorstamp Am: 20.01.2009 13:13:14 Gelesen: 966507# 276 @  
Ich hatte mal eine Frage bzgl. Sonntags.

War die Rohrpost auch Sonntags im Betrieb, oder liessen sie möglicherweise Wartungsdienste laufen?

Bekanntlich hatten einige Hauptpostämter Sonntagsdienst, obwohl zeitlich begrenzt.

Fragend aus Neugier,

Nigel
 
Schmuggler Am: 20.01.2009 17:07:45 Gelesen: 966495# 277 @  
@ Pete [#275]

Danke für Deinen Hinweis.

Mir war die Seite bekannt. Hat man hier auf den Philaseiten aufmerksam mitgelesen, stellt man schnell Abweichungen fest.

Macht aber nichts - Hauptsache das Wesentliche ist korrekt.

Für die Zukunft wäre es natürlich gut, wenn der Autor die dortigen Abweichungen korrigieren könnte und/oder eventuell fehlende Bilder zwecks besserem Verständnis hier klauen oder bei mir anfordern würde.
 
Schmuggler Am: 20.01.2009 17:31:13 Gelesen: 966493# 278 @  
@ doktorstamp [#276]

Hübsche Frage! :-))

Selbstverständlich wurde auch an Sonntagen und an jedem christlichen Feiertag gearbeitet, egal ob der Weihnachten, Ostern oder sonstwie hieß. Nur an Kaisers Geburtstag ruhte der Verkehr im Deutschen Reich zu 98%, denn zu dieser Zeit waren bereits einige soziale Veränderungen bei den Mitarbeitern "angekommen", sodass z. B. nicht alle Postämter an diesen Tagen geöffnet hatten und/oder nur ganz eilige Sendungen sofort bestellt wurden. Ferner wurden die Beförderungs- und Bestellgänge an diesen Tagen reduziert. So wie bei der Eisenbahn auch.

Für die Rohrpost waren die Mitarbeiter laut der Rohrpost-Betriebsordnung "vor dem Rohrpostbeginn" für Pflege- und Wartungsarbeiten zuständig und verantwortlich. Für die wesentlichen Instandsetzungsarbeiten verblieb im Zweifelsfall wohl nur die Nacht ab 22 Uhr oder die zeitweise Schließung des Abschnittes plus Transportprovisorium. Eine grundsätzliche Verhaltensweise bei gravierenden Zwischenfällen ist mir nicht bekannt geworden.
 
Schmuggler Am: 20.01.2009 17:54:20 Gelesen: 966486# 279 @  
Wer meine CD-Komplettausarbeitung zur Rohrpost gelesen hat oder haben sollte, wird sich (hoffentlich) noch an die "Internationale Vorgeschichte zur Rohrpost" im 1. Band erinnern.

Jetzt habe ich ganz neu einen Link gefunden, welcher zwar die Rohrpost zwecks Briefpostbeförderung nicht 100%ig genau trifft, aber die internationale pneumatische Arbeitsweise zwischen 1870 bis 1875 mit all seinen Visionen und Zusammenbrüchen genial aufzeigt: Die unterirdische Personenbeförderung in New York.

Selbst wenn Sie kein tolles Englisch sprechen oder lesen sollten: Schauen Sie sich auf jeden Fall in Ruhe die Bilder an, auch wenn die Gesamtshow längere Zeit in Anspruch nehmen sollte:



Das visionäre Bild ist von 1874(!), und beachten Sie dabei u. a. den stufen- und barrierefreien Zugang in die Bahnwagen. Hat der heutige öffentliche Nahverkehr in vielen Städten noch nicht geschafft ...



So wurde die ca. 100 m. lange Teststrecke um 1870 im Untergrund von New York gebaut. Denken Sie auch dabei spontan nicht auch an die englische Version zur Paketpostbeförderung mittels einem "Flying Wheel"?!



So hätte der Salonwagen aussehen sollen, samt dekorativer Petroleumbeleuchtung. Aber den Pianospieler auf dem Warte- und Einstiegsplateau gabs wirklich ...

... und den kompletten Artikel mit allen Bildern finden Sie hier:

http://www.columbia.edu/~brennan/beach/

Viel Spaß! :-))
 
Postgeschichte Am: 21.01.2009 15:13:53 Gelesen: 966431# 280 @  


Hallo,

als "Neuer" auf den Philaseiten bin ich gerade auf das interessante Thema Rohrpost gestoßen und habe dabei festgestellt, daß ich einige Teilnehmer schon kenne, bzw. vor langer Zeit schon einmal Kontakt hatten. Ich hatte vor Jahren mit einer Rohrpostsammlung begonnen, dann aber wegen anderer Interessen leider damit aufgehört.

Als Einstieg auf den Philaseiten möchte ich hier eine Postsache zeigen, die wegen Portofreiheit bei einigen Sammlern oft unbeachtet bleibt. Einerseits schade, andererseits hat man so die Möglichkeit, einen solchen Beleg zu erhalten.

Gruß
Manfred
 
Jürgen Witkowski Am: 21.01.2009 15:37:44 Gelesen: 966424# 281 @  
@ Postgeschichte [#280]

Hallo Manfred,

herzlich willkommen auf Philaseiten.de. Wo solche eher seltenen Rohrpostbelege in den Beständen ruhen, ist bestimmt noch mehr zu finden. Ich bin bestimmt nicht der Einzige, der sich über die Vorstellung des einen oder anderen Beleges freuen würde.

Eine Frage zu dem vorgestellten Brief habe ich: Was hat der mit Blaustift geschriebene, anscheinend postalische Vermerk "Stelle 2" für eine Bedeutung? Das habe ich bisher noch nicht gesehen.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Bundpostfrischsammler Am: 21.01.2009 17:18:03 Gelesen: 966405# 282 @  
Wer mal ganz viele Rohrpostbelege im Original sehen möchte, den lade ich gerne zur Rang 3 Ausstellung nach Schwieberdingen (bei Ludwigsburg Stuttgart) am 16. bis 17 Mai 2009 (Festhalle Herrenwiesen) ein.

Dort gibt es eine Rohrpostsammlung zu sehen, mit folgendem Titel:



Es handelt sich um mein erheblich erweitertes Ein-Rahmenexponat. Welches ich schon zweimal mit der Bewertung Diamant (einmal mit EP) ausgestellt habe.

Zudem gibt es natürlich viele weitere Exponate dort zu sehen.

Beste Grüsse
 
Postgeschichte Am: 22.01.2009 15:41:36 Gelesen: 966335# 283 @  
Sondertarif für Rohrpostbriefe?

Etwas überrascht war ich, als ich mir den folgenden Rohrpostbrief anschaute. Frankiert mit 3 x 5 Pf = 15 Pf., entwertet mit Rohrpoststempel Berlin N P 37 (R37) vom 13.1.1919 nach Berlin Charlottenburg.



Wieso nur mit 15 Pf (Porto für einen Ortsbrief mit Gewicht 20 - 100 g) frankiert? Wurde der Brief mit der normalen Post befördert? Die Uhrzeiten sind in den Aufgabestempeln bzw. dem Eingangsstempel leider nicht eindeutig zu erkennen.



Gruß Manfred
 
DerLu Am: 23.01.2009 08:45:01 Gelesen: 966293# 284 @  
Hier ein weiterer Rohrpostbeleg zum Thema Portofreiheit. Auch das preußische Königshaus besaß das Privileg der Portofreiheit. Solche Sendungen waren mit "Königliche Angelegenheit" (abgekürzt 'K.A.') zu kennzeichnen, ebenfalls war ein Siegel auf der Sendung anzubringen.



Dieser Rohrpostbrief wurde am 19.03.1905 von der " Registratur der Königlichen Schauspiele" an eine Berliner Tageszeitung geschickt. Er lief vom PA 7 zum PA 12. Auf der Vorderseite ist der Brief links unten als Königliche Angelegenheit bezeichnet, auf der Rückseite befindet sich das entsprechende Siegel.

Beste Grüße
 
DerLu Am: 23.01.2009 09:19:09 Gelesen: 966289# 285 @  
Zum Beleg in Beitrag [#283]: Mir scheint eher eine Marke zu fehlen, schaue dir mal die rechte untere Ecke des Briefes genauer an.

Auf dem Scan sieht das für mich wie eine abgefallene/abgelöste Marke aus: Reste der Gummierung, Papier ist stellenweise rau.

Beste Grüße
 
Schmuggler Am: 25.01.2009 10:51:15 Gelesen: 966199# 286 @  
Oha! :-))

Da begrüße auch ich mal zwei "Neue" (zumindest im Vordergrund), wobei ich bei der Postgeschichte m. E. wohl richtig liege, wenn die Grüße in Richtung Dortelweil gehen?

Unbekannterweise an den Aktiven DerLu gleiches wie vor, nur die Richtung müßte anders sein :-)) Apropos: Ich schliesse mich der Aussage bezügl. der 15 Pfennig Rohrpostgebühr ex [#283] an. Ist "gut" gemacht, aber jedes Fummeln am Beleg hinterlässt Spuren, auch wenn sie manchmal fast unsichtbar sind. Ein entsprechendes UV-Licht würde den scheinbaren Fakt bestätigen.

Immer wieder taucht die Frage auf, warum die Post oder die kaiserlichen Behörden und Andere eine Porto- und Gebührenfreiheit hatten. Die Frage würde nicht auftauchen, wenn in der Vergangenheit diverse Autoren nicht nur einfach wo abgeschrieben und rumgefaselt, sondern sich vorher informiert und auch komplett veröffentlicht hätten.

Für die ganz Perfekten: Im Rundbrief Nr. 145 der ArGe Brustschilde sind von dem Autor (Herr Ruh) zu dem Thema "Portofreiheiten" das dazugehörige Gesetz, die General-Verfügungen, Bestimmungen sowie alle Regulative vom 15.12.1869 für das In- und das Ausland zu dem Thema veröffentlicht worden. Benötigt wurden dazu berechtigterweise 20 Seiten im DIN A4-Format.

Für die Anderen sei aus der Anlage 2 zum "Regulativ über die Portofreiheiten im Norddeutschen Postgebiet" knapp und konzentriert zitiert: "Die Correspondenz in Postdienst-Angelegenheiten wird allgemein portofrei behandelt".
 
Schmuggler Am: 25.01.2009 11:14:04 Gelesen: 966192# 287 @  
Am 22.1.2009 wurde via eBay dieser Rohrpostbrief mit einem rückseitigem Gebührenaufkleber für "Weissensee" verkauft.



Möglicherweise liest der Erwerber des Loses im Vor- und Hintergrund mit und könnte mir das genaue Datum (besonders das Jahr) für mein Archiv offen oder verdeckt laut der Stempel nennen ?

Merci vilemools! :-))
 
Richard Am: 25.01.2009 12:51:12 Gelesen: 966187# 288 @  
Von Jamboberlin gestern im Briefmarkencafe vorgestellt:

Na da will ich mal meine letzte Ebay-Errungenschaft zeigen, auch wenn mir der Begriff Halbamtliche Lochung so gar nicht gefallen will- entweder ist die Lochung amtlich oder sie ist es nicht. Also hier die "Halbamtliche" Lochung "MB" für Magistrat Berlin; die erste Rohrpostkarte mit dieser Lochung, die ich meiner Sammlung einverleiben konnte.


 
Postgeschichte Am: 25.01.2009 13:38:49 Gelesen: 966172# 289 @  
@ Schmuggler [#286]

Die Richtung ist zutreffend und ich bin richtig erkannt worden. Auch die Einschätzung des Rohrpostbeleges ist richtig. Unter der UV-Lampe lassen sich zumindest Teile der Gummierung erkennen. Dachte zunächst, daß eine nicht gestempelte Marke abgelöst wurde, es sind aber noch Stempelfragmente zu erkennen.

Das Thema Boten- oder Briefträgerstempel ist ja nur ein Randgebiet der Rohrpost, macht bei der Vielzahl der Stempel auf untenstehenden Beleg diesen aber interessanter. Falls auch "Normalbelege" für das Archiv interessant sind, kann ich meine Germania-Belege scannen und auf CD zusenden. Ich gehe davon aus, daß die Anschrift seit unserm letzten Kontakt in 2005 noch stimmt.



Gruß
postgeschichte
 
DerLu Am: 27.01.2009 08:14:49 Gelesen: 966085# 290 @  
Ich habe bei der folgenden Karte ein Problem mit der Höhe des Nachportos.

Die Karte lief am 1.12.1920, also in der Portoperiode 5, von Berlin-Steglitz nach Berlin-Siemensstadt. Die Ganzsache ist mit 130 Pfennige richtig als Rohrpostkarte frankiert. Da die Karte aber den Rohrpostbezirk verließ fehlen 30 Pfennige Weiterleitungsporto. Als Nachporto sind 30 Pfennige in blau niedergeschlagen.



Kann sich jemand diese 30 Pfennig erklären? Ich hätte den doppelten Fehlbetrag oder den, gemäß RPO, einfachen Fehlbetrag plus 10 Pfennig erwartet. Oder rechne ich falsch ?

Beste Grüße
 
Schmuggler Am: 27.01.2009 11:05:19 Gelesen: 966070# 291 @  
@ DerLu [#290]

Du sagst ganz richtig, das die Rohrpostgebühr für die 5. Periode korrekt mit 130 Pfennig für eine Rohrpostkarte frankiert wurde.

Du übersiehst aber in diesem Fall, dass es einen "Rohrpostbezirk" oder "Nachbar-Ortstarif" ab dem 1.10.1920 nicht mehr gibt: Ganz Berlin mit fast allen Vororten wurde eine einheitliche Stadtgemeinde mit einem einheitlichen Ortsporto bzw. -gebühr: Die sog. Stadt Groß-Berlin.

Bereits 1920 wurden die ersten postalischen Übersichten zu Berlin veröffentlicht. In dieser 1. Übersicht ist Spandau so wie auch Siemensstadt als "Postort im Ortsgebührenbereich von Groß-Berlin" genannt; alle Rohrpostsendungen im Ortsgebührenbereich wurde für die Rohrpostgebühr befördert und bestellt, ein bis 1.10.1920 praktiziertes Ergänzungsporto gabs in diesen Fällen nicht mehr.

Auch die zu dieser Zeit noch bestehende Möglichkeit zu einer Land-Eilbestellung innerhalb der Stadtgemeinde wurde ohne Erfolg überprüft.

Möglicherweise gab es einen kurzfristigen Informationsmangel und/oder Unklarheiten zu den Postorten - letztendlich ist die Karte mit einer ungerechtfertigten Taxierung versehen, wenn die blaue "30" als Taxierung und nicht als Leitvermerk verstanden werden sollte.

Schon mal so überprüft?
 
Jürgen Witkowski Am: 27.01.2009 12:45:07 Gelesen: 966064# 292 @  
@ Schmuggler [#291]

Die Version Leitvermerk könnte passen, da Steglitz ein Endpunkt im Rohpostnetz war und das Postamt W30 die erste Verteilstelle.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
DerLu Am: 27.01.2009 13:07:11 Gelesen: 966060# 293 @  
@ Concordia CA [#292]
@ Schmuggler [#291]

Danke für die Hinweise auf den Leitvermerk, daran habe ich auch schon gedacht. In rot ist oben links m.M. nach als Zielpostamt das Postamt NW 40 am Leehrter Bahnhof angegeben.

Wissend das sich Leitwege auch mal ändern, habe ich meine Sammlung durch stöbert, und zwei weitere Sendungen nach Siemensstadt gefunden, alle sind ebenfalls über das PA 40 gelaufen. Der Leehrter Bahnhof macht für mich Sinn: bis zum Bahnhof, und dann schnell weg mit der Bahn.
 
Postgeschichte Am: 27.01.2009 13:35:08 Gelesen: 966056# 294 @  
@ Schmuggler [#291]

Diese Erklärung dürfte aber für meinen Beleg nicht zutreffen, oder? Es handelt sich um einen Rohrpostbrief von Berlin W 8 nach Berlin-Tempelhof. Der interessante Stempel "Porto / Tmp." zeigt an, daß das Rohrpostporto nicht stimmte. Dieses betrug für Briefe 1,40 M, was auch der Frankatur entspricht.

Wieso also Nachgebühr?


 
Schmuggler Am: 27.01.2009 18:57:44 Gelesen: 966020# 295 @  
@ DerLu [#293]

Der Hinweis auf den Lehrter Bahnhof könnte wesentlich sein, da zu dieser Zeit bereits die Beförderung von Sendungen in die Aussenbezirke der Stadt per Ringbahn erfolgen konnte.

Ich formuliere sehr zurückhaltend, da mir aus dieser Zeit die Streckenführung und Verbindungswege der Ringbahn o. ä. spontan nicht greifbar sind. Halte diese Möglichkeit aber noch immer für sehr wahrscheinlich.
 
Schmuggler Am: 27.01.2009 19:17:03 Gelesen: 966015# 296 @  
@ Postgeschichte [#294]

Ich lese auf dem Stempel das Datum 14.7.1920 - und das ist vor dem 1.10.1920 ...
:-))

Tempelhof lag zu dieser Zeit noch "ausserhalb des Rohpostnetzes", aber "im Nachbar-Gebietsverkehr zu Berlin". Die Beförderungsgebühr für den Brief betrug innerhalb des Rohrpostbezirks noch richtig 1,40 Mark. Kurz: Das Weiterleitungsporto in den Nachbarortsverkehr mit +40 Pfennig fehlte - taxiert wurden in der Briefpost "das doppelte des Fehl". Wäre er in der Rohrpost nach bekanntem Muster taxiert worden, hätte die Nachgebühr "nur" 50 Pfennig (= 40+10) betragen.

Hinweis: Der gezeigte Porto-Stempel von Tempelhof ist wahrlich nicht häufig und auf einer Rohrpostsendung erstmalig in der letzten Harlos-Auktion angeboten und auch verkauft worden. Der Einlieferer soll sich über das Ergebnis im nachhinein SEHR gefreut haben. :-))
 
DerLu Am: 27.01.2009 19:28:26 Gelesen: 966011# 297 @  
@ Postgeschichte [#294]

Nach meinen Unterlagen wurde die Sonderrolle des Rohrpostbezirkes erst mit der Änderungen der RPO zum 1. Juli 1922 geändert. Bis dahin galt immer noch die Definition des Rohrpostbezirkes und der Geltungsbereich der Rohrpostgebühr aus der RPO von 1909. Mir sind keine Änderungen dieser Bestimmungen zwischen 1909 und 1922 bekannt.

Erst ab der Änderung der Rohrpostordnung zum 1. Juli 1922 (Amtsblatt 1922, 24) gilt die Rohrpostgebühr für den Ortsgebühr-Bereich Groß-Berlin :

" Paragraph 7 :
I. Die Gebühr für die Beförderung von Rohrpostsendungen und für deren Zustellung im Ortsbestellbezirk des Bestimmungs-Postortes beträgt :
a) wenn Aufgabeort und Bestimmungsort innerhalb des Geltungsbereiches der Ortsgebühr von Groß-Berlin liegen, ... "

Für die Rohrpostgebühr galt bis dahin : "Die Gebühr für die Beförderung und die Bestellung innerhalb des Rohrpostbezirkes beträgt: ..." gefolgt von den verschiedenen Gebührensätzen.

Tempelhof wurde erst 1931 ans Rohrpostnetz angeschlossen. Ich folgere: Aus dem Rohrpostbezirk heraus, daher das Nachporto.

Beste Grüße
 
Postgeschichte Am: 28.01.2009 20:44:33 Gelesen: 965957# 298 @  
@ Schmuggler [#296]
@ DerLu [#297]

Danke für die Informationen. Der unterlegene Bieter kann den Brief gerne von mir erwerben. :-))))
 
Schmuggler Am: 29.01.2009 14:15:32 Gelesen: 965933# 299 @  
@ DerLu [#297]

Du hast ja grundsätzlich recht - ABER:

Viele regionale Fakten (nicht nur für die Berliner Rohrpost) sind nicht in überregionalen (= allgemeinen) Verfügungen und ähnlichem zu finden, sondern wurden als Information nur vor Ort bekannt gegeben.

Erst als auch im München die Rohrpost öffentlich wurde, änderte sich die preussische Verwaltungs- und Informationspolitik, da nun auch die bayerische Post bekannterweise sich der Reichspostverwaltung untergeordnete hatte.

Für Berlin ergab sich folgende zitierte Situation:

"(...) Die verfassungsgebende preußische Landesversammlung verabschiedete am 27.4.1920 „Das Gesetz zur Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin“ mit 20 Verwaltungsbezirken. Zum 1.10.1920 trat das Gesetz in Kraft.

Mit dem zeitlich korrekten Vollzug des Gesetzes vereinte die Stadt Berlin insgesamt 8 Städte, 59 Landgemeinden und 26 autarke Gutsbezirke, dabei auch das Verwaltungsgebiet Königliches Schloss, zu einer einheitliche verwalteten Stadt, welche insgesamt eine Ausdehnung von fast 900 km2 hatte. Berlin wurde nach New York und London mit fast 4 Millionen Einwohnern die damals drittgrößte Stadt der Welt (...)".

Die Reichspostverwaltung reagierte auf die neue Anforderung und genehmigte für alle Postorte innerhalb der Stadtgemeinde das vergünstigte Ortsporto für alle Sendungsarten; den seit 1.4.1900 bekannten Nachbar-Ortsverkehr und den begrenzten Rohrpostbezirk zu Berlin gab es nicht mehr (...)".

Am 1.10.1920 lagen folgende Postorte "innerhalb der neuen Gemeindegrenze":

Ehemalige "Stadt Berlin" jetzt neu als "Groß-Berlin" mit

Adlerhof Friedenau Niederschöneweide Spandau
Alt Glienicke Friedrichsberg Niederschönhausen Staaken
Friedrichshagen Steglitz
Baumschulenweg Friedrichsfelde Oberschöneweide Stralau
Biesdorf Südende
Blankenburg Grünau Pankow
Blankenfelde Grunewald Pichelsdorf Tegel
Bohnsdorf Gatow Plötzensee Tempelhof
Borsigwalde Treptow
Britz Halensee Rahndorf
Buch Haselhorst Reinickendorf Waidmannslust
Buchholz Heiligensee Rosenthal Wannsee
Buckow Heinersdorf Rudow Weißensee
Hermsdorf Rummelsburg Wilhelmsberg
Charlottenburg Hohenschönhausen Wilhelmshagen
Schlachtensee Wilmersdorf
Dahlem Johannisthal Schmargendorf Wittenau
Dalldorf Schmöckwitz
Mariendorf Schöneberg Zehlendorf
Marienfelde Siemensstadt

Diese Informationen wurden wieder "nur" regional bekannt gegeben - woanders oder gar überregional wäre das auch ohne praktischen Nutzen gewesen.

Auch Tempelhof lag in der neuen Stadtgemeinde und selbstverständlich war auch der Flughafen bei seiner Eröffnung in Verbindung mit der Rohrpost, nur der technische Anschluss erfolgte 1931.

Zur Untermauerung meiner Aussage habe ich 2 typische Belege heraus geholt, welche beide vor dem 1.10. mit Ergänzungsporto bzw. Taxierung befördert worden wären - nach dem 1.10. jedoch dieses Ergänzungsporto nicht mehr benötigten: Beide Postorte lagen innerhalb der neuen Gemeindegrenze und dem neuen, identischen Rohrpostbezirk.

Von B. am 15.10.1920 nach Lichterfelde:




Von B. am 4.5.1921 nach Tegel:



Damit keinerlei Informationslücken entstehen, hier die letztmalig genannten Post- und Bestellorte im Rohrpostbezirk vor dem 1.10.1920:

"(...) Er umfasst die Bestellbezirke der Postämter in Berlin, Charlottenburg mit Westend, Friedenau, Grunewald, Pankow, Plötzensee, Schöneberg, Steglitz, Wilmersdorf, sowie
a) vom Bestellbezirk Berlin-Rummelsburg, jedoch nur der Teil innerhalb der Ringbahn,
b) vom Bestellbezirk Berlin-Treptow die Grundstücke Treptower Chaussee 1-18, 45 bis Ende, am Treptower Park (SO 33) 1-18, 45 bis Ende und Treptower Str. 1-23, 21-77, 78 bis Ende."

Da die Diskussion schon mal im Raume stand: Alles klar?
 
DerLu Am: 29.01.2009 17:23:30 Gelesen: 965916# 300 @  
@ Schmuggler [#299]

Naja, ich wäre aber bei dem Beleg ziemlich sauer geworden: Erst wurde die recht hohe Rohrpostgebühr verklebt, um dann noch ein nicht gerechtfertigtes Nachporto zu bezahlen.

Was mich dann doch wundert ist dass die Rohrpostordnung erst fast zwei Jahre später offiziell an die neuen Gegebenheiten angepasst wurde.

Beste Grüße
 
Schmuggler Am: 29.01.2009 17:47:47 Gelesen: 965910# 301 @  
@ DerLu [#300]

Vielleicht hats ja im Hintergrund eine "Entlastung" der Gebühr gegeben oder dem Empfänger war es pekuniär Schnurz; so was gabs schon immer.

Die Rohrpost war zu dieser Zeit politisch nicht mehr so im Vordergrund: Die Unterhaltskosten stiegen, das Aufkommen war rückläufig und das Telefon wurde immer schneller - und billiger.

Die neue preussische RPO, so denke ich es mir, wurde wegen der Münchner Rohrpost zeitlich verbogen, um die dortigen Gegebenheiten in die neuen Vorschriften mit zu integrieren. Genauer: Erst die dortigen vorgefundenen Gegebenheiten dem gemeinsamen Verwaltungsapparat anzupassen.

Habe ich DAS nicht schön formuliert?! :-))
 
Schmuggler Am: 31.01.2009 09:22:52 Gelesen: 965837# 302 @  
@ DerLu [#290]

Habe mich mal schlau gemacht - natürlich dauert sowas länger, manchmal auch sehr lang ... :-))

Die im Dez. 1920 vermutlich taxierten "30 für nix" entsprachen inflationsbereinigt ca. 5 Pfennig Kaufkraft ex Kaiserreich zur Friedenszeit - die von Postgeschichte gezeigte berechtigte Taxierung "80" ca. 10 Pfennig. Hält sich alles somit real noch im allgemein verkraftbaren Bereich.
 
Jürgen Witkowski Am: 09.02.2009 12:51:02 Gelesen: 965589# 303 @  
Allen Liebhabern der Rohrpost sei diese englischsprachige Webseite empfohlen, die einen Einblick in die Arbeitsweise und Technik der verschiedenen Rohrpostsysteme in aller Welt gibt:

http://www.dself.dsl.pipex.com/MUSEUM/COMMS/pneumess/pneumess.htm#ger

Eine deutschsprachige Übersicht zur Rohrpost ist hier zu finden:

http://www.all2know.net/index.php?art=art/r/o/h/Rohrpost_(Deutschland)_86cc.html

Speziell mit der Berliner Rohrpost befasst sich diese Seite:

http://wiki.verkata.com/de/wiki/Rohrpost_in_Berlin

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
BD Am: 10.02.2009 08:26:03 Gelesen: 965551# 304 @  
Waren Heeressachen in der Rohrpost frei?

Warum lief ein Brief von Schöneberg nach Schöneberg über Friedenau?

Rohrpost ist nicht mein Gebiet, aber zu diesem Beleg konnte mir noch nie jemand etwas sagen.

Vielleicht weiß jemand etwas?

MfG BD


 
AhdenAirport Am: 12.02.2009 17:34:20 Gelesen: 965489# 305 @  
@ BD [#304]

> Warum lief ein Brief von Schöneberg nach Schöneberg über Friedenau?

Der Brief hat zwar keinen Leitvermerk, aber das PA Friedenau 1 in der Handjerystrasse lag wohl dem Zielort in der Peter-Vischer-Strasse am nächsten.

Beide Strassen gibt es noch; die Gegend sieht wegen der Stadtautobahn heute etwas anders aus, aber schau mal unter http://www.berlin.de/stadtplan

Grüße aus Berlin,
joey
 
Schmuggler Am: 12.02.2009 17:44:05 Gelesen: 965485# 306 @  
@ BD [#304]

Gleich vorweg: Die Lösung kann ich (noch) nicht sagen - bin aber im Hintergrund bemüht.

Nach meinem Kenntnisstand und den mir bekannten Verfügungen waren Heeressachen im Ortsverkehr weder porto- noch gebührenfrei. Wie weit der Nachbar-Gebietsverkehr dort noch eine Rolle spielt (Groß-Berlin kommt ja erst später, wie bereits ausgeführt) kann ich in diesem Fall noch nicht eindeutig beantworten.

Wo liegt und wie verläuft denn die Peter-Fischer-Str. zu dieser Zeit? In Schöneberg oder in Friedenau? Oder gar in beiden Ortschaften?

Zu beachten ist ferner, dass der Krieg "soeben" beendet wurde, die entsprechenden Friedensverträge waren noch in Arbeit.

Möglicherweise war die handschriftliche Notiz zur Rohrpostgebühr zu dieser Zeit von regionaler Bedeutung - nur was soll ein Landsturm vor oder während dem Friedensschluß für eine Gebührenfreiheit genießen (?) Nur mit irgendwelchen amtlichen Vorschriften oder Erlässen konnte mir bisher niemand dienen.

Wie lauten denn Ihre Recherchen (außer der Fragestellung) zu dem kompletten Thema ?
 
Schmuggler Am: 12.02.2009 17:54:23 Gelesen: 965479# 307 @  
@ joey [#305]

Danke für die korrekte Beantwortung der Fragestellung.

Das sich Deine und meine Versionen dann auch noch zeitlich überschneiden, kann doch nur an einer über- oder ausserirdischen Rohrpost-Berlinvision liegen. Oder ? :-))))))

Ich schiele mal ein kleines bisschen kritisch in Richtung BD und denke so vor mich hin: "Ein bisschen hätte er sich auch mal selbst im www darum bemühen können".
 
Postgeschichte Am: 12.02.2009 18:42:43 Gelesen: 965464# 308 @  
@ BD [#304]
@ Schmuggler [#306]

Nach meiner Recherche erstreckte sich sich die Portofreiheit nicht auf Stadtpostsendungen (Portofreiheitsgesetz vom 5. Juni 1869 § 3, A.D.A. III, 1 Anl. 7). Eine Ausnahme bestand jedoch im Ortsverkehr der Gemeinden von Groß-Berlin bei Feldpostsendungen, die von den in Lazaretten befindlichen Kriegern aufgegeben wurden oder an diese eingingen. Hierfür wurde von der Erhebung von Gebühren abgesehen. Das gleiche galt für Postkarten mit Anfragen an das Zentral-Nachweisebureau des Königlichen Kriegsministeriums oder des Reichs-Marineamts, die irrtümlich im Ortsverkehr unfrankiert aufgeliefert wurden.

Die von den Militär- und Marinebehörden ausgehenden und an Empfänger im Orts- oder Landbestellbezirke des Aufgabe-Postorts gerichteteten Postsendungen waren stets ohne Portoanzsatz zu befördern. Die Sendungen waren mit dem Vermerk "Heeressache" und dem Dienststempel zu versehen (Amtsblatt 50/1915).

Die Bezeichnung " Groß-Berlin" wurde bereits im Auskunftsbuch über Kriegs- Post- und Telegraphenangelegenheiten vom November 1915 (S. 13) und vom Januar 1917 (S. 17) genannt. Welche Orte zu diesem Zeitpunkt zu Groß-Berlin gehörten, versuche ich noch zu recherchieren.
 
BD Am: 12.02.2009 21:53:16 Gelesen: 965430# 309 @  
@ Postgeschichte [#509]

Vielen Dank für die Hinweise, nach Betrachtung des Stadtplanes ist die Verschickung nach Friedenau nachvollziehbar. Und die Erläuterungen in Bezug auf das mir völlig unbekannte Amtsblatt 50/1925 sind Super.

Leider ist die Rohrpost eine Sonderbeförderung, auf die das wohl nicht zutrifft? Leider ist mir erst heute (Hatte mich ein Jahr nicht mehr mit dem Brief beschäftigt) eingefallen, das die Arge-Germania mal eine Heeressache vom 18.2.17 von Berlin 6 nach Berlin SW 11 ( Rhein. Westfäl. Zeitung) abgebildet hatte, die mit 35 Pf. frankiert war.

@ Schmuggler [#508]

Ich habe nirgendwo, weder in meiner Literatur über die Feldpost oder im Internet zu dem Thema, einen Bezug auf die Rohrpost gefunden. Es war meine Hoffnung, das sich das Rätsel lösen läßt, warum der Postbeamte diesen Satz geschrieben hat, was im Oktober 1918 zu der " besonderen Vereinbarung" führte und warum nicht einfach, wenn nötig,frankiert wurde.

Vielleicht war es eine örtlich begrenzte Maßnahme in Schöneberg, über die nirgendwo mehr etwas steht.

Danke für Ihre Bemühungen.

Mit besten Grüßen BD
 
Postgeschichte Am: 12.02.2009 22:23:15 Gelesen: 965424# 310 @  
@ BD [#510]

Das Amtsblatt Nr. 50 ist natürlich von 1915.

Vfg. Nr. 96 vom 30. März 1915 Stadtpostsendungen der Militär- und Marinebehörden.

Ich habe zwar die Verfügung jetzt auch nicht greifbar, aber wieso soll die Portofreiheit für Stadtpostsendungen der Militär- und Marinebehörden für die Rohrpost nicht gelten? Auch bei Feldpostsendungen besteht oft die Annahme, daß diese grundsätzlich portofrei wären. Es gibt verschiedene Fälle, in denen Feldpostsendungen zu ermäßigten Sätzen oder mit den ganz normalen Sätzen zu frankieren waren.

MfG
Postgeschichte
 
Schmuggler Am: 13.02.2009 13:27:23 Gelesen: 965392# 311 @  
@ Postgeschichte [#509]

Ich versuche mich erst einmal an dem Thema "Porto- und Gebührenfreiheiten":

Grundsätzlich hast Du mit dem Verweis auf das Regulativ ohne wenn-und-aber Recht: Im Ortsverkehr gab es bis zum 1. Weltkrieg (1915) nur ganz wenige "Freiheiten" - alle anderen Militaria und sonstige Behörden und Ämter waren Porto- und Gebührenpflichtig.

Im Fernverkehr sah das alles wieder gaaaaanz anders aus.

Die von Dir zitierte Verfügung 96 aus dem Amtsblatt Nr. 50 hat die postalisch richtige Formulierung " Die von den Militär- und Marinebehörden ausgehenden und an Empfänger im Orts- oder Landbestellbezirke des Aufgabe-Postorts gerichteteten Postsendungen" für eine portofreie Beförderung von entsprechend gekennzeichneten Sendungen im Ortsverkehr.

ABER:

1. Nach der obigen Definition waren die portofreien Militärsendungen auch auf den " Bestellbereich des Aufgabepostamtes" ausgedehnt worden. Ergo aber nicht auch auf den Nachbarort-Gebietsverkehr - oder gibts dazu möglicherweise spätere Ergänzungen?

Aus der Sicht eines Schöneberger Postbenutzer war eine Briefpostsendung seit 1912 nach Friedenau zu dieser Zeit bereits wieder "Fernverkehr" - nach Berlin aber der vergünstigte "Nachbarorts-Gebietsverkehr" in der Briefpost. Für die Rohrpost lagen beide Ortschaften im Rohrpostbezirk.

2. Es wird immer von portofreien Sendungen gesprochen - die Rohrpostbeförderung war jedoch eine Gebühr. Auch im Ortsverkehr. So waren z. B. die Ganzsachenumschläge für den Admiralsstab (DRUB) alle mit eben dieser Gebühr "frei" gemacht - da die Rohrpostbeförderung eben kein "Porto" war - und musste frankiert werden. Im Fall der Vorlage: "Hätte frankiert werden müssen."


Zum Thema "Groß-Berlin" kann ich ergänzend beitragen:

Ab ca. 1900 stieß ich bei meinen Recherchen auch immer wieder auf diesen kommunalen Begriff: Die Vision von "Groß-Berlin" geisterte jedoch bereits lange vorher durch die Amtsstuben.

Erstmals wurde am 1.4.1912 ein "Zweckverband Groß-Berlin" per Gesetz(!) als 1. erkennbares, kommunales Zeichen zu einer Vereinigung gegründet. "Beteiligt waren an dem Zweckverband die Stadt Berlin, Charlottenburg, Lichtenberg, Rixdorf bzw. Neukölln, Schöneberg, Spandau und Wilmersdorf, ebenfalls gehörten die Kreise Niederbarnim und Teltow in der Mark dazu. Ferner sind die Dörfer bzw. Gutsbezirke Biesdorf, Falkenberg, Hellendorf, Höhenschönhausen, Kaulsdorf, Mahlsdorf, Maldow, Marzahn und Wortenberg genannt. Nicht zu vergessen: Preussens größtes Dorf – der unselbständige Postort Steglitz."

Der Zweckverband umfasste ein Gebiet von ca. 3.500 km2 mit ca. 3 Millionen Einwohnern.

Jetzt lege ich erst einmal ein Stopp ! ein, damit eventuelle weitere Ergänzungen und Kenntnisse einfließen können. Sollte der besseren Übersicht- und Verständlichkeitkeit dienen.
 
BD Am: 14.02.2009 08:40:31 Gelesen: 965336# 312 @  
@ Schmuggler [#512]

Hochinteressant !

An die DRUB habe ich nie gedacht, obwohl man schon Stücke in Auktionskatalogen gesehen und bewundert hat.

Vielen Dank für die Recherche.

Mit besten Grüssen BD
 
Schmuggler Am: 14.02.2009 19:10:20 Gelesen: 965317# 313 @  
@ BD [#312]

Sag ich doch. Seit über 300 Beiträgen:

Die Verquickung von Stempel, Ortsgeschichte, Portostufen, Früh- und Spätdaten, Ganzsachen, Postgeschichte, Stempelautomation, Technik, katalogisiertes Wissen und vieles vieles mehr macht dieses Sammelgebiet m. E. so interessant - und individuell. Selbst das verfolgen einer Sendung im Rohrpostnetz an Hand der Stempel und Notizen kann eine sehr spannende Geschichte sein: Viele Wege führten nach Rom.

Apropos: Die Flugpost hatten wir z. B. noch gar nicht besprochen.

Machtwort: Aber erst werden die Fragen und Antworten zur Abbildung im Beitrag Nr. 302 aufgearbeitet! :-))
 
Postgeschichte Am: 14.02.2009 23:29:30 Gelesen: 965299# 314 @  
@ Schmuggler [#313]

Ein Machtwort? Da bekomme ich aber Angst und will mal schnell antworten :-))

Zum Beleg in Beitrag [#304]:

Die Aussage "Im Ortsverkehr gab es bis zum 1. Weltkrieg (1915) nur ganz wenige "Freiheiten" - alle anderen Militaria und sonstige Behörden und Ämter waren Porto- und Gebührenpflichtig." kann ich bestätigen. Und hier setzt ja auch meine Erklärung mit der Verfügung aus Amtsblatt Nr. 50 / 1915 ein. Diese besagt nämlich, daß vom 1.6.1915 an bis zur Beendigung des Krieges die Militär- und Marinebehörden und Truppenteile auch alle Stadtsendungen der Post zur Bestellung übergeben konnten.

Das Porto für diese Sendungen, die keine Portofreiheit nach dem Gesetz von 1869 genossen, war durch Zahlung einer Pauschsumme abgelöst. Die Sendungen der Militärbehörden usw. waren wie die der Staatsverwaltungen zu behandeln. Diese hatten mit dem Norddeutschen Bund oder mit dem Reichspostgebiet Verträge abgeschlossen und durch Zahlungen von Pauschbeträgen das Recht erworben, ihre Postsendungen unfrankiert absenden zu können (Angabe - Frei durch Ablösung Reich). Ein Unterschied bestand in der Bezeichnung. Die Staatsverwaltungen mußten auf den zu befördernden Postsendungen die Bezeichnung "Frei durch Ablösung Reich" mit der entsprechenden Verwaltungsnummer aufführen, während die Militär- und Marinebehörden und Truppenteile den Vermerk "Heeressache" und den Dienststempel anzubringen hatten.

Unter das Ablösungsverfahren fielen auch die Gebühren für alle von der Behörde aufgelieferten Inlands-Postsendungen einschließlich der Sondergebühren für Zustellungsurkunden, Nachnahmen, Postaufträge, Einsammlung durch Landbriefträger, Rückscheine, Nach- und Rücksendung, Unbestellbarkeitsmeldungen und Laufschreiben fielen (Handwörterbuch des Postwesens). Die Rohrpost- und Eilbotengebühren wurden hier nicht genannt.

Ohne eine neue Diskussion über Porto und Gebühren zu entfachen, möchte ich hier nur kurz auf dieses Thema eingehen. Der Begriff "Porto", aus dem italienischen "porto die lettere" abgeleitet, war lange Zeit die allgemein gebräuchliche Bezeichnung für Postbeförderungsgebühr. Später wurde der Begriff in "Porto" und "Franko" aufgespalten, wobei für Porto die vom Empfänger und Franko für die Absender zu zahlende Gebühr darstellte. Die vom Empfänger zu zahlende Gebühr wurde mit Einführung der Postwertzeichen ebenfalls vom Absender im Voraus bezahlt (Beförderungsgebühr oder auch Porto).

Daß in dem angesprochenen Beleg kein Porto (oder Gebühr) angebracht oder vermerkt ist, weist auf eine Portofreiheit hin. Es liegt offenbar aber keine Portofreiheit gemäß dem Portofreiheitsgesetz vor.

Der angebrachte Vermerk

Rohrpost / franko Eilbestellung / laut Vereinbarung.

deutet vielmehr auf eine Portoablösung hin (franko = Freigebühr). Da die Rohrpost- und Eilbotengebühr in dem Ablösungsverfahren (s.o.) nicht explizit genannt wurden, war eine besondere Vereinbarung erforderlich (die ich allerdings nicht suche). :-)))))

Dies meine Erklärung für die Porto- bzw. Gebührenfreiheit des Beleges unter [#304].
 
ilogy Am: 15.02.2009 18:05:06 Gelesen: 965251# 315 @  
Hallo Postgeschichte,

zum Thema Ablösung des Eilbestellgeldes gibt es zumindest eine Vereinbarung, die am 15. November 1918 im Amtsblatt Nr. 77, S. 294 veröffentlicht wurde: Ablösung des Eilbestellgelds für Briefsendungen des Demobilmachungsamts.

Warum sollte es nicht weitere Verträge geben, gerade auch auf lokaler Ebene?

Ich bin auf weitere Beiträge gespannt.

ilogy
 
Postgeschichte Am: 16.02.2009 00:46:30 Gelesen: 965231# 316 @  
@ ilogy [#315]

Es gab mehrere Vereinbarungen, die mit einzelnen Behörden abgeschlossen wurden und gegebenenfalls auch zeitlich befristet waren. Die mir vorliegenden Verfügungen über Portoablösungen weisen sowohl gebietsmäßige Beschränkungen, Zweckbindungen und Bestimmungen für bestimmte Postsendungen aus.

Vielleicht gelingt es ja einem Forscher, die mit den Militärbehörden 1915 geschlossene Vereinbarung aufzutreiben und kann damit meine Aussagen in Beitrag [#314] bestätigen.

postgeschichte
 
Schmuggler Am: 22.02.2009 12:15:09 Gelesen: 965108# 317 @  
Da spontan keine weiteren Beiträge zu erwarten sind, möchte ich zwecks Übersicht zusammenfassen:

Eine Porto- und Gebührenfreiheit im Ortsverkehr begrenzte sich in Berlin ab 1868 auf "Königliche Angelegenheiten" plus einige wenige Ausnahmen. Ein regionaler Avisionierungsvertrag könnte es bis 1880 für das Porto gegeben haben.
Der Aversvertrag von 1894 ("Frei laut Avers 21") enthielt keine Vereibarung zur Avisionierung der Rohrpostgebühr.

Eine neue Situation ergibt sich für den Ortsverkehr 1915 in Berlin mit der Verf. 96 vom 30.3. mit der Überschrift "Stadtpostsendungen der Militär - und Marinebehörden".
Alle Dienstsendungen des Militärs und der Marine waren im Ortsverkehr grundsätzlich Porto- und Gebührenpflichtig – deshalb wurden in Friedenszeiten die Beförderung und Bestellung solcher Sendungen durch eigene Mitarbeiter (Soldaten und Matrosen im Rang eines Unteroffiziers) ausgeführt. In der Kriegszeit griff man daher lieber auf die Reichspost statt dem eigenen Personal zurück, siehe Amtsblatt Nr. 50 vom 2.April 1915, hier S. 203 mit der Verfügung Nr. 96 in welcher auch das Porto von dienstlichen Stadtpostsendungen per einem unnummerierten Portoablösungsvertrag an die Reichspost pauschal vergütet wurde; gültig ab dem 1.4.1915. Offen bleibt dabei die Frage, ob neben dem Porto auch eine Gebühr, also auch die Rohrpostgebühr, in diesem Vertrag genannt sind. Dem steht dagegen daß die sog. DRUBs (= Ganzsachenumschläge des Admiralstabes zur Rohrpostbeförderung),sehr wohl die jeweils aktuelle Rohrpostgebühr zeigen.

Ab ca. mitte 1918 wirds turbulent: Ein korrekt bezeichneter Brief wird zweifelsfrei von Schöneberg nach Friedenau ohne Taxierung per Rohrpost befördert; zu der Gegebenheit ist keine amtliche Vereinbarung o. ä. bekannt. Der rote handschriftliche Text bezieht sich dennoch auf eine solchige Vereinbarung.

Eine Eil-Bestellgebühr wird laut obigem Beitrag 313 ab dem 15.11 dem Demobilisierungsamt zugestanden - von einer Rohrpostgebühr steht vordergründig auch nichts darin, gleichwohl werden diese Sendungen bei freier Kapazität auch per Rohrpost befördert worden sein.
 
Schmuggler Am: 22.02.2009 12:44:40 Gelesen: 965103# 318 @  
Damit nicht immer nur der Kopf - sondern auch mal wieder die Augen strapaziert werden:

Rohrpost Ganzsachenumschlag mit handschriftl. Entwertung und der Notiz
" wenden".



Auf der Rückseite fällt erst einmal der Stempel vom Postort STEGLITZ auf,
welcher Vorderseitig gar nicht genannt ist ...



... plus handschriftlicher Text:



"War in einer Drucksache nach Steglitz-Abfertigung (Name) 26.2., 5 N."

Um 7,10 Uhr Nachmittags war der Brief wieder in Berlin im PA 9, um "wie der Blitz" um 7,30 im R 8 zu sein und von dort bestellt zu werden.

Eine nicht häufige Nettigkeit aus dem Rohrpost-Alltag.
 
Postgeschichte Am: 24.02.2009 21:59:16 Gelesen: 965028# 319 @  
@ Schmuggler [#318]

Hierher passt auch diese Rohrpost-Karte, die offensichtlich in einen Straßenbriefkasten eingeworfen und von dem Postamt 48 (* 48 e) mit dem Stempel "A. d. Briefkasten" versehen, der Rohrpost übergeben wurde (* 48 *).



Ankunft beim Postamt 49 um 5.20 N.
 
Lars Boettger Am: 01.03.2009 14:34:53 Gelesen: 964952# 320 @  
Expressbrief Wien - Leipzig

Der anhängende Expressbrief ist zweimal mit der Rohrpost befördert worden, einmal in Wien und dann wieder in Leipzig. Auf der Vorderseite ist ein Minutenstempel von Wien zu sehen, rückseitig der Einzeiler der Leipziger Rohrpost, dazu ein Nummernstempel, den ich nicht einordnen kann (Briefträgerstempel?). Als Laien würde mich interessieren, ob so eine Kombination selten ist oder eher häufig.

Beste Sammlergrüsse!

Lars

<p>
 
Postgeschichte Am: 01.03.2009 15:01:59 Gelesen: 964944# 321 @  
@ Lars Boettger [#320]

Hallo Lars,

Rohrpost gab es meines Wissens nach im Deutschen Reich nur in Berlin und München. Der Einzeiler ist ein Stempel der üblicher Weise bei der Eilzustellung verwendet wurde, auch in Städten, in denen es keine Rohrpost gab. Der Nummernstempel ist ein Zustellstempel (Botenstempel) von Leipzig.

Aber auch ohne die zweite Beförderung durch eine Rohrpost ein schöner Beleg.

Gruß
Manfred
 
Lars Boettger Am: 01.03.2009 16:58:20 Gelesen: 964937# 322 @  
@ Postgeschichte [#321]

Hallo Manfred,

vielen Dank für Deinen Beitrag! Wenn ich in Wikipedia hineinsehe, dann wird dort ein Rohrpostnetz in Leipzig beschrieben:

http://de.wikipedia.org/wiki/Rohrpostnetze_in_Deutschland

Beste Sammlergrüsse!

Lars
 
Postgeschichte Am: 01.03.2009 18:42:47 Gelesen: 964918# 323 @  
@ Lars Boettger [#322]

Hallo Lars,

herzlichen Dank für den Hinweis auf Wikipedia. Wenn ich dem Handwörterbuch des Postwesens Glauben schenken darf, wurden auch Stadtrohrpostanlagen in Mannheim, Dortmund, Köln und Nürnberg errichtet, die bei Wikipedia nicht namentlich genannt sind. Vermutlich fehlen aber noch immer einige Städte.

Mit freundlichen Grüßen
Manfred
 
Jürgen Witkowski Am: 01.03.2009 21:03:18 Gelesen: 964904# 324 @  
@ Lars Boettger [#320]

Das ist ein wirklich hochinteressanter Beleg. Der einzeilige Stempel auf der Rückseite könnte in der Tat der Rohrpost zuzuschreiben sein, wenn man die Ausführungen auf Wikipedia zu Grunde legt.

Selbst habe ich noch keine Rohrpostbelege gesehen, die in Leipzig gelaufen sind, aber vielleicht hat ein Heimatsammler dergleichen in seinem Bestand und kann uns etwas dazu sagen.

Innerhalb der Poststempelgilde wird übrigens darüber nachgedacht, eine Studiengruppe Rohrpost zu gründen, um die bisher in den verschiedenen ARGEn und bei "freischaffenden Sammlern" bestehende Kompetenz zu bündeln. Die Mitglieder der Studiengruppe müssen nicht zwingend auch Mitglied der Poststempelgilde sein.

Die bestehende neuere Literatur sowohl von Rainer Linden als auch von Paul-Jürgen Hueske hat für einige Zeitabschnitte bereits Grundlagen geschaffen. An einem Werk über die Germania-Zeitepoche wird gearbeitet. Es besteht aber noch für eine Menge von Spezialgebieten weiterer Forschungsbedarf. Ich denke nur an das weite Feld der Nebenstempel, insbesondere der mechanischen und, wenn es sie denn gab, der maschinellen Ausgefertigt-Stempel mit automatischer Uhrzeitangabe.

Auf der IBRA in Essen stehe ich als Ansprechpartner für Interessenten gerne zur Verfügung. Den Besuchern der Alpen-Adria-Ausstellung 2009 München wird auch der Vorsitzende der Poststempelgilde, Jürgen Zalaszewski, zu diesem Thema etwas sagen können.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


2 Typen von Ausgefertigt-Stempeln auf einem Beleg
 
Schmuggler Am: 02.03.2009 12:51:55 Gelesen: 964865# 325 @  
Fein, dass es auch ohne mich mit so interessanten und informativen Beiträgen weiter geht. Muß es auch, denn ich ziehe mich aktuell aus dem aktiven Tagesgeschäft aus gesundheitlichen Gründen zurück - bleibe aber im Hintergrund erhalten! :-))

Die von Concordia skizzierte Möglichkeit einer Interessensgruppierung unter dem Dach der Stempelgilde ist eine sehr gute Idee - müssen die Stempelsammler doch auch die politischen Zeitabschnitte missachten, um der Gesamtdarstellung Rechnung tragen zu können. Die Stempelforschung ist sowieso hier "gut" aufgehoben. Kurz: Danke Concordia! :-))

Der im Beitrag [#320] von Lars Boettger gezeigte Lang-Stempel(?) mit Minuten-zeit muß nicht von der Rohrpost sein - auch Telegraphenämter und Privatfirmen führten solch einen (Eingangs-) Stempeltyp. Auch hier könnte eine verknüpfte Forschung mit z. B. einem Heimatsammler noch viele Überraschungen bringen!?

Ähnlich ergeht es einem Lang-Informationsstempel(?), welche vor kurzem via eBay.com angeboten und verkauft wurde:



Bekannt war der Stempeltyp ab 1910 auf Eilsendungen nach HH. Er ist aber bereits 1905 so abgenutzt, dass er durchaus bereits sehr viel früher und häufiger in Verwendung gewesen sein könnte. Nicht vergessen: Die (interne) Rohrpost in Hamburg wurde 1888 geöffnet.
 
Schmuggler Am: 04.03.2009 09:36:49 Gelesen: 964786# 326 @  
@ Schmuggler [#325]

In Ergänzung zu dem HH Rohrpost-Beitrag stelle ich einen Eilbrief aus Nürnberg von 1914 ein, welcher fast den gleichen Stempeltyp wie 1905 zeigt.



Quelle: Festpreisliste der Firma Gärtner, Bietigheim
 
Postgeschichte Am: 11.03.2009 08:41:24 Gelesen: 964594# 327 @  
@ Schmuggler [#325]

Im Hintergrund halten und dann unsichtbar andere User mit dem Rohrpostfieber infizieren? Das entspricht aber nicht der Rohrpostordnung. :-)))

Ich wünsche Gute Besserung. Vielleicht bewirkt der Vorschlag von Jürgen mit einer Studiengruppe "Rohrpost" eine schnelle Genesung.

Hier ein Beleg der zeigt, wie man im August 1914 Mitarbeiter motiviert hat. Es handelt sich um eine Karte, in der das Haupttelegraphenamt einen Mitarbeiter am Sonntag zum Dienst "bittet":




Am Sonntag, dem 16.8. ist Werktagsdienst zu leisten. Der Dienstausfall ist aufgehoben.

Gruß Manfred
 
Jürgen Witkowski Am: 11.03.2009 09:52:14 Gelesen: 964588# 328 @  
@ Postgeschichte [#327]

Da hat Manfred mal wieder ganz tief in seine Schatzkiste gegriffen, um unseren guten Schmuggler und auch die Gemeinde der Rohrpost-Interessierten zu erfreuen.

Derartige portofreie Belege sind wahrlich nicht häufig zu finden. Den Postbediensteten wird es immer noch besser gefallen haben, an einem Sonntag zum Dienst gerufen worden zu sein, als der von der Generalmobilmachung des gerade begonnenen 1. Weltkrieges erfasst zu werden.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Postgeschichte Am: 11.03.2009 12:04:32 Gelesen: 964580# 329 @  
@ Concordia CA [#328]

Ich vermute, daß die Mobilmachung auch der Auslöser für die Einbestellung zur Arbeitsleistung am Sonntag war. An diesem Wochenende müssen die Drähte und Rohrpostleitungen gequalmt haben und Arbeitskräfte waren rar.

Gruß
Manfred
 
DerLu Am: 12.03.2009 08:18:55 Gelesen: 964550# 330 @  
Hallo,

hier ein Rohrpostbeleg der in den Rohrpostbezirk verschickt wurde:

Die Karte wurde am 28.12.1911 von Schmargendorf nach Charlottenburg geschickt. Das Gesamtporto (5 Pf plus 25 Pf für die Rohrpostbeförderung) ist als schöne MeF der Mi.85I verklebt.


 
Jürgen Witkowski Am: 08.04.2009 20:30:48 Gelesen: 964056# 331 @  
Es wird mal wieder Zeit für ein wenig Rohrpost!

Der Absender dieses Briefes hat im Jahr 1936 die schnellsten Versendungsformen der damaligen Zeit kombiniert.

Innerhalb von Berlin wurde per Rohrpost befördert, innerhalb Deutschlands per Luftpost und im Transatlantikverkehr in die Vereinigten Staaten per Zeppelin.

Das Porto in Höhe von 85 Pf. teilt sich auf in 25 Pf. für den Auslandsbrief bis 20 g, 10 Pf. Rohrpostgebühr und 50 Pf. Luftpostgebühr für Briefe bis 5 g in die USA.

Frankiert wurde mit MiNr. 530 zu 10 Pf. und MiNr. 607 zu 75 Pf.

Der Brief wurde am 19.06.1936 10.20 Uhr in Berlin-Steglitz zur Rohrpost aufgegeben. Der handschriftliche Vermerk des Absenders "Mit Rohrpost zum Flughafen!" wurde auf dem Postamt mit blauer Tinte korrigiert in "C2" und erhielt mit Rotstift den Leitvermerk 2. Berlin C2 war das für die Flugpostabwicklung zuständige Postamt. Zudem wurde ebenfalls mit blauer Tinte das Briefgewicht von 3 g vermerkt.

Rückseitig befindet sich der Ankunftstempel des Rohrpostamtes Berlin C2 von 10.50 Uhr.

Von dort ging der Brief per Luftpost weiter nach Frankfurt am Main und erhielt den Flugbestätigungsstempel mit dem dort verwendeten Kennbuchstaben C. Das Luftschiff "Hindenburg" (LZ 129) hob am 19.06.1936 um 20.52 Uhr in Frankfurt zur 3. Nordamerikafahrt des Jahres 1936 ab und landete am 22.06 um 10.22 Uhr in Lakehurst, in der Nähe von New York.

In New York erfolgte der letzte postalische Eintrag auf diesem Brief. Die dort gebräuchlich Schreibweise der Straße wurde mit Bleistift ergänzt: 12 W 76

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Jürgen Witkowski Am: 07.05.2009 23:25:02 Gelesen: 963623# 332 @  
Mein heutiges Beutestück von der IBRA 2009 ist ein Rohrpostbeleg aus dem Jahr 1890, der gleich zwei der von mir gesuchten Stempeltypen mit Minutenanzeige aufweist. Doch der Reihe nach:

Oben rechts Aufgabestempel BERLIN,N. P55 (R14) 5 XII 90* 2 N
Unten links Ankunftstempel BERLIN,W. H.T.A. (R1) 5 XII 90 * 2.20N
Oben rechts blauer Stempel 1890 H.T.A. 5 DEC 2 27
Mittig schwarzer Rechteckstempel 5/12.90 * 2.31 N.

Bei dem blauen Stempel und dem Rechteckstempel handelt es sich vermutlich um "Stechuhrstempel", die der innerbehördlichen Dokumentation dienten. Beide Stempeltypen habe ich auf anderen Belegen auch mit dem Wort Ausgef. oder Ausgefertigt vorliegen. (siehe auch [#269]

Wer kann nähere Angaben zum Einsatzzweck dieser Stempel machen?

Wer kennt die Stempelvorrichtungen oder Maschinen, die dabei zum Einsatz kamen?

Wer hat ähnliche Belege und kann mir davon Scanns mit 300 DPI zur Verfügung stellen, da ich zusammen mit unserem Mitglied DerLu versuchen möchte eine Typisierung der unterschiedlichen "Minutenstempel" der Rohrpost zu erstellen?

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Jürgen Witkowski Am: 20.05.2009 20:19:55 Gelesen: 963351# 333 @  
Am 01.10.1919 wurden die Postgebühren erhöht und ein Rohrpostbrief kostete 60 Pf., statt wie bis dahin 35 Pf. Der vorhandene Bestand der alten Umschläge, MiNr. RU8, musste daher mit 25 Pf. Zusatzfrankatur versehen werden. In diesem Fall waren es MiNr. 85 II und 87 II.

Der Aufgabestempel ist BERLIN,N.O. *43* 11.1.20 10.30 V., zusätzlich kam handschriftlich mit Rotstift noch der Leitvermerk 29 hinzu. Auf der Rückseite wurde der Aufgabestempel noch einmal abgeschlagen und mit Rotstift durchgestrichen. Kann der Stempel eine Bedeutung haben, oder war es nur ein Versehen, dass korrigiert wurde?

Der Ankunftstempel BERLIN,S.W. *29* 11.1.20. 12-V. zeigt an, dass der Brief knapp 1,5 Stunden unterwegs war, um einmal diagonal durch Berlin zu gelangen. Vorderseitig befindet sich noch der Botenstempel mit der Zahl 11 unterhalb der 5 Pf.-Marke.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Bundpostfrischsammler Am: 22.05.2009 15:39:47 Gelesen: 963302# 334 @  
@ Concordia CA [#332]

Es ist der "Ausgefertigt" Stempel vom HTA (13) der in ca 20 Varianten vorkommt. Es handelt sich um einen internen Stempel.

In Rainer Lindens Fleißarbeit über die Rohrpost in Berlin von 1876 bis 1902 steht einiges darüber ab Seite 134 drin.

Leider fehlt mir die Zeit Einzelheiten hier abzuschreiben. Aber der Stempel ist nicht selten, sollte aber zu jeder Rohrpostsammlung gehören.

Beste Grüsse
Helmut Knapp
 
Jürgen Witkowski Am: 24.05.2009 19:11:45 Gelesen: 963215# 335 @  
@ Bundpostfrischsammler [#334]

Das Werk von Rainer Linden ist uns eine wertvolle Hilfe, da dort eine gut strukturierte Typisierung dieser Stempel enthalten ist. Sie beruht auf einer Auswertung der Sammlung des amerikanischen Rohrpostsammlers Kurth, die vor mehr als 20 Jahren erstellt wurde.

Mittlerweile haben wir einige abweichende Typen und Verwendungdaten gefunden. Weiterhin ist der genaue Verwendungszweck nach meiner Meinung nicht ausreichend geklärt. Von Hans Schwaighofer gibt es bezüglich der Münchener Rohrpost einen Artikel aus dem Jahr 1916, der ähnliche Stempel der innerbetrieblichen Feststellung der Betriebsdauer von Rohrpostbeförderungen zuordnet. Das wäre ein möglicher Ansatz, der auch auf Berlin zutreffen könnte. Eine entsprechende Verordnung habe ich bisher allerdings nicht finden können.

Es gibt auch Belege mit Kombinationen aus handschriftlicher Eintragung und Ausgefertigt-Stempeln. Dieser Rohrpost-Brief vom 27.II.99 vom T.A.2 zum H.T.A. gelaufen wurde um 12.30 Uhr aufgegeben, hat rückseitig im Ankunftstempel 12.40 Uhr, vorderseitig den handschriftlichen Vermerk 12.41 und wieder rückseitig den Ausgefertigt-Stempel mit 12.43 Uhr. Da spricht viel für eine innerbetriebliche Laufzeit-Kontrolle.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
DerLu Am: 28.05.2009 07:28:11 Gelesen: 963092# 336 @  
Hier ein recht interessanter Beleg, der zeigt welche Mühe man sich damals mit der Zustellung machte. Die Karte wurde am 28.06.1904 abends beim PA O27 aufgegeben und wurde dann wohl mehrmals zwischen Charlottenburg und Berlin hin und hergeschickt. Immer mit den entsprechenden Vermerken der Postbeamten. Als der Platz auf der Karte nicht mehr ausreichte wurde sogar noch ein extra Blatt Papier aufgeklebt und die Karte wohl ultimativ nach Charlottenburg2 geschickt ("nochmal nach Charlottenburg 2").


 
Jürgen Witkowski Am: 01.06.2009 10:43:13 Gelesen: 962991# 337 @  
@ DerLu [#336]

Ein wunderschöner Beleg, der in jedem "Kuriositätenkabinett" einer Rohrpostsammlung eine Platz finden wird.

Von einem uns allen bekannten, jetzt aber leider nur noch stillen Hintergrundleser bekam ich Informationen und ein Bild zu einem ebenfalls recht selten zu findenden Stück, das ich gerne hier vorstelle.

Nachtlagernd

Am 21.10.1904 erfolgte die Aufgabe beim Telegraphenamt TA 2 um 12.05 N (= 0.05 Uhr !), adressiert an einen Herren Apotheker in S.O.

Die Karte wurde am Rohrpostamt SO26 nach letzter Fahrt um 12.50 Uhr (= 0.50 Uhr) angehalten und über Nacht im dortigen Amt gelagert. Die Sendung wurde mit "Nachtlagernd" gekennzeichnet.

Am nächsten Morgen, dem 22.10. um 6.20 Uhr(!), bestellt - aber "Adr. nicht angetroffen. Nachricht hinterlassen".

Um diese Uhrzeit hat auch wohl nur eine Apotheke mit Nachtdienst geöffnet. Aber der Rohrpostzusteller dachte sich bestimmt, Dienst ist Dienst und Vorschrift ist Vorschrift (schnelle Zustellung!) und wer nicht angetroffen wird hat Pech.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
DerLu Am: 02.06.2009 07:26:48 Gelesen: 962932# 338 @  
Betriebsschluß der Rohrpost war m.W. um 22:00, dann wurde auch die Befeuerung der Dampfkessel eingestellt. Daher ist es wahrscheinlicher, dass die Karte die Rohrpost nie von innen gesehen hat, sondern mit "normalem" Boten zum PA SO 26 gelangte. (Dies ist natürlich nicht abwertend gemeint!)

Der Brief trägt zwei Botenstempel, daher ist es eher so, dass der erste Bestellversuch bereits um 00:50 stattfand und der zweite (erfolgreiche) morgens um 6:50. Der Vermerk des Botens ist dann diesem ersten Bestellversuch zuzuordnen. Interessant ist, dass 00:50 postalisch noch zum 21.04 gehörte und der Datumwechsel erst später vorgenommen wurde.
 
Postgeschichte Am: 02.06.2009 10:06:33 Gelesen: 962918# 339 @  
@ DerLu [#338]

Die zweite Zeile lese ich genau wie Jürgen: "Nachricht hinterlassen". Meines Erachtens hat der Zusteller die Karte um 0.50 Uhr versucht zuzustellen und den Empfänger nicht angetroffen. Der Zusteller hat daraufhin eine Nachricht hinterlassen, daß er bei Zustellung um 0.50 Uhr niemanden angetroffen hat. Ob die Karte bei einer zweiten Zustellung den Empfänger erreicht hat oder die Karte abgeholt wurde, ist aus den Vermerken nicht ersichtlich.

Gruß
Manfred
 
DerLu Am: 02.06.2009 11:39:18 Gelesen: 962910# 340 @  
Habe ich nach nochmaligem genaueren Lesen dann auch gesehen, und den Hinweis aus meinem Artikel entfernt. Aber leider zu spät (sorry).
 
Schmuggler Am: 06.06.2009 19:47:59 Gelesen: 962783# 341 @  
Bei diesem trüben Wetter ist es doch gut, wenn man nicht nur aus dem Fenster schaut, sondern auch mal auf den Bildschirm - und dann einen neuen Rohrpostbeitrag sieht. Oder? :-))

An dieser Stelle auch meinen Dank an Concordia, welcher diese Seite während meiner Abwesenheit freiwillig und gut geführt hat und weiter führen wird.

Zuerst meine neueste Erwerbung aus der Pfennige-Zeit, wirklich nicht schön anzusehen und dann auch noch zu hoch (mit 10 statt 5 Pfennige) frankiert:



Trotzdem mächtig stolz, denn eine Karte in das Reichs-Postgebiet plus Eilbestellung und dennoch per Rohrpost befördert (das "Rohr-" wurde gestrichen) ist zu dieser Zeit fast eine große Rohrpostrarität.

Aber auch Gewöhnliches gibt es zu berichten.

Eine wirklich hübsch frankierte Ganzsache der Briefpost mit Ergänzungsgebühr für die Eilbestellung in Berlin, per Rohrpost ausgeführt.



Tipp:

Jede Sendung, frankiert mit einem Wert zu 2 Pfennig, ist in der Rohrpost nicht häufig.

Damit der Verdacht nach einem "philatelistischen Bedürfnis" gleich abgewürgt wird, hier die Rückseite:


 
Schmuggler Am: 07.06.2009 11:07:36 Gelesen: 962741# 342 @  
Da das Wetter auch weiterhin nicht so richtig mitspielt, einige weitere kleine Ergänzungen zu einem großen Sammelgebiet.

Einen ganz neuen Zudruck auf einem Ganzsachenumschlag kann ich Ihnen jetzt zeigen:



Ein Zudruck, hier mit handschriftlicher Ergänzung zum Wahlbezirk, möglicherweise von einer Zeitung als Absender um die Wahlergebnisse einer Wahl (welcher?) schnellstens zu erhalten.

Können andere Interpretationen angeboten werden?

Da der Umschlag letztendlich nicht mit der Rohrpost gelaufen ist, wurde die Sendung in diesem Fall direkt von SW 12 bestellt.

Rohrpostbrief, aufgegeben im Postamt W 38 im Jahre 1889 und nach Bremen adressiert. Das für die Briefpost in diesem Fall benötigte Porto war nicht frankiert.



Die Sendung wurde jedoch nicht erkennbar per Rohrpost befördert, wohl aber für den Wertstempel "30" per Briefpost bis Bremen befördert und dort bestellt.



Etwas kniffeliger wird es mit dem nachfolgenden Beleg.



Der Briefumschlag RU1 mit dem Wertstempel 30 Pfennig wurde am 26.11.1891 im Rohrpostamt 17 aufgegeben, adressiert an das Hotel "de Rome" Unter den Linden. Der Wertstempel der Markenausgabe "Pfennig" war jedoch nicht mehr gültig und als solcher blau "gerandet" - und dennoch wurde die Sendung unfrankiert bzw. ohne Strafgebühr, taxiert mit "30", per Rohrpost an das R 1 befördert und bestellt.

Im Hotel erhielt der Bote die Information, dass der Hotelgast bereits nach Elberfeld abgereist sei - und gab den Brief an den Boten zurück.

Per Briefpost ging die Sendung so dann - OHNE WEITERE TAXIERUNG! - nach Elberfeld, das rückseitige Ankunftsdatum ist nicht lesbar.

Ein zu dieser Zeit sehr seltener "Hotelbrief", welcher dem Empfänger bis ins Ausland porto- und gebührenfrei nachgesendet werden konnte: "Service first!" Auf welche amtlich postalischen Vorschriften sich zu dieser Zeit diese Handhabung stützt, kann bis heute nicht gesagt werden - aber es funktionierte.

Ich glaube, es hat aufgehört zu regnen.
 
DerLu Am: 09.06.2009 07:20:16 Gelesen: 962632# 343 @  
@ Schmuggler [#342]

Ein Zudruck, hier mit handschriftlicher Ergänzung zum Wahlbezirk, möglicherweise von einer Zeitung als Absender um die Wahlergebnisse einer Wahl (welcher?) schnellstens zu erhalten.

Am 16. Juni 1903 fanden die Reichstagswahlen zum 11. Reichstag statt. -> http://de.wikipedia.org/wiki/Reichstagswahl_1903

Da der Brief Vormittags gelaufen ist, ist mir allenfalls eine Abfrage der Wahlbeteiligung o.ä. denkbar. Briefwahl gab es wahrscheinlich damals noch nicht ?

Die Zimmerstr. lag im Zustellbezirk des Postamtes SW12, daher brauchte der Brief auch nicht mit der Rohrpost befördert zu werden.

Gruß
 
Schmuggler Am: 09.06.2009 13:01:38 Gelesen: 962611# 344 @  
@ DerLu [#343]

Du hast ja soo Recht! :-)) Und ich war mal wieder, trotz Regenwetter plus etc., zu schnell.

Nein, die Briefwahl gab es noch nicht.

Dein Link bestätigt den Zudruck, welcher bisher immerhin so unbekannt ist/war, dass er in eine aktuelle Ausarbeitung zum Thema "Zudrucke auf Ganzsachen" beschleunigt und mit Dank übernommen wurde.
 
Schmuggler Am: 12.06.2009 11:37:51 Gelesen: 962527# 345 @  
Heute mal 2 frankierte, ungewöhnliche Porto- und Gebührendarstellungen, welche ebenfalls nur als Kopie in meinem Archiv lagern:



Briefsendung am 27.3.1906 per Rohrpost zum Anhalter Bahnhof (30 Pfennig), Weiterbeförderung per Briefpost (10 Pfennig) und Eilbestellung in Leipzig (25 Pfennig). In Leipzig:



Befördert in Leipzig per innerbetrieblicher Rohrpost, Bestellung durch den Brief- bzw. Telegraphenboten.

Eine Variante, welche jetzt erstmals vor 1920 bekannt wurde:

Brief mit Eilbestellung, aufgegeben am 17.10.1907 am Expressschalter von W52 in Berlin, adressiert nach Frankreich.



Briefpostporto (20 Pfennig für die 1. Gew. Stufe) plus 25 Pfennig Eilbestellgebühr in Paris.

In Berlin wurde der Brief per Rohrpost zum Bahnhof befördert, nach Paris per Bahn befördert und dort ebenfalls per Rohrpost beschleunigt befördert, siehe blaue "32" vorderseitig und den franz. Rohrpoststempel auf der Rückseite:



Damit auch die Ganzsachensammler erfreut mal was gucken können:

Ganzsachenkarte P159/F im Aufbrauch mit Ergänzungsfrankatur (21 Pfennig!) für die Rohrpostbeförderung am 24.7.1926 in Berlin.



Hintergrund zu dieser seltsamen Rohrpost-Ergänzungsgebühr ist der Fakt, dass dieser 20 Pfennig-Wertstempel ab dem 1.1.1925 als Folge einer Portoreduzierung nur noch mit 15 Pfennig anerkannt wurde, bzw. zu diesem Einzelpreis verkauft wurde. 15 Pfennig plus frankierte Ergänzungsgebühr - jetzt passt wieder alles zusammen, was zusammen gehört.
 
Jürgen Witkowski Am: 16.06.2009 17:51:05 Gelesen: 962400# 346 @  
@ Schmuggler [#345]

Das sind wirklich ausgefallene Belege, bei denen Portostufen-Spezialisten voll auf ihre Kosten kommen. Da hat man bei der Beleg-Erfassung richtig was zum Tüfteln. Kompliment!

Meine Rohrpostkarte aus der Germania-Zeit mit einer Einladung an Fräulein Else zu einem Theaterbesuch kann da leider nicht mithalten, wenngleich es dort auch etwas zum Tüfteln gibt.

Die Frankatur zu 25 Pf. mit einer MiNr. 88 I ist portogerecht. Der Aufgabestempel vom Postamt Berlin S42 22.07.07 1-N und der Ankunftstempel vom Postamt Rixdorf 1 22.07.07 1.10N zeugen von einer Rohrpostlaufzeit von etwa 10 Minuten und der etwas schwach abgeschlagene Botenstempel unter dem Leitvermerk von einer ordnungsgemäßen Zustellung.

Die von Hand zugefügten Ergänzungen geben mir einige Rätsel auf. Warum wurde die Marke nicht, wie üblich abgestempelt, sondern mit einem Kopierstift entwertet? Dieselbe Person hat vielleicht auch die Ergänzung "Rohrpost!" auf die Karte geschrieben, nicht jedoch den Leitvermerk "Ri", da es sich um eine andere Handschrift handelt.

Ich bin mit den Abläufen in einem damaligen Postamt nicht sehr vertraut und frage mich, warum in der Briefannahme nicht gleich alles erledigt wurde, sondern der Leitvermerk erst im Laufe der späteren Bearbeitung hinzugefügt wurde.

Wer hat Lösungsansätze für meine Fragen?

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Postgeschichte Am: 17.06.2009 14:10:53 Gelesen: 962358# 347 @  
@ Concordia CA [#346]

Hallo Juergen,

ich vermute, dass diese Karte in einen normalen Briefkasten (kein Rohrpostbriefkasten) eingeworfen und beim Postamt Berlin S 42 mit gewöhnlichem Tagesstempel versehen wurde. Ob die Bezeichnung Rohrpost! erst beim Postamt S 42 oder schon vom Absender angebracht wurde, lässt sich nicht sagen. Zumindest wurde hier der Leitvermerk "Ri" für Rixdorf angebracht.

Dies würde auch die von Dir angesprochene spätere Bearbeitung erklaeren. Ob die nachträgliche Entwertung der Marke schon in Postamt 42 oder erst in Rixdorf vorgenommen wurde, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen.

Gruss
Manfred
 
Jürgen Witkowski Am: 17.06.2009 15:07:27 Gelesen: 962353# 348 @  
@ Postgeschichte [#347]

Vielen Dank für Deine Einschätzung. Bei dem Aufgabestempel vom Postamt S 42 handelt es sich um einen Rohrpoststempel. Das ist erkennbar an der Stundenangabe 1- N. Bei einem "normalen" Stempel stünde 1-2 N dort. Zur vollen Stunde steht dort jeweils nur der Strich, danach gab es alle 10 Minuten eine Umstellung, wie es auf dem Stempel von Rixdorf zu sehen ist.

Was Zeitpunkt und Ort der Nachentwertung der Marke angeht, gebe ich Dir Recht, dass die sich nach Stand der Dinge nicht genau zuordnen lassen werden.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Schmuggler Am: 20.06.2009 19:20:40 Gelesen: 962274# 349 @  
Die in der Rohrpost seltenste Rohrpost-Ganzsachenkarte sind für den Ganzsachensammler die im MICHEL Ganzsachen-Katalog mit RP 17 und 18 klassifizierten Karten, korrekt mit Frühdatum 1915 und "ohne Wasserzeichen" benannt.

Das im 1. Absatz verwendete Wort "selten" ist natürlich relativ, denn die Seh- und Sammelleidenschaften sind unterschiedlich; für den Portostufensammler ist eine gebrauchte Ganzsache ohne Ergänzungsfrankatur fast das Maß aller langweiligen Dinge - für den Ganzsachensammler das höchste Glück. So sind mir von starken Ganzsachensammlern aus aller Welt bisher nur 1x die RP 17 und 1x die RP 18 (einteilig verwendet) vorgelegt worden. Hätten Sie z. B. in Essen auf der IBRA Händler, Auktionatoren oder Sammler nach den genannten, gebrauchten Karten befragt - niemand hat sie mit der Sehweise eines Ganzsachensammlers je gesehen, besessen oder im Angebot gehabt.

Wer solch eine Karte finden oder dennoch in seinem Bestand haben sollte, muß deshalb nicht bis an die Decke hüpfen und vom großen Geld träumen: Die Nachfrage oder Begierde nach dieser Karte ist vermutlich gering, da sie z. B. in einer Ausstellungssammlung nicht erkannt wird: Es gibt keine spontane wesentliche optische Trennung gegenüber den Karten mit Wasserzeichen (RP15 und 16). Ferner kann jahrzehntelanges nicht-erreichen eines bekannten oder katalogisierten Objektes auch symbolisch töten.



Die Ganzsachenkarte RP17 mit dem z. Zt. frühesten archivierten Verwendungsdatum, welches die Zeitbestimmung im MICHEL Ganzsachen-Katalog mit "1915" bestätigt.



Die gesuchte Ganzsachenkarte, hier (mit Augenzwinkern) ohne Ergänzungsfrankatur - womit wir wieder beim Thema "Portostufe" sein könnten. :-))

Sie haben Ergänzungen? - dann nix wie hierher mit den kleinen Engelchen!
 
AhdenAirport Am: 22.06.2009 13:22:09 Gelesen: 962219# 350 @  
@ Schmuggler [#349]

RP17 gesucht? Bitte schön. Kein Schmuckstück, aber das einzige Exemplar in meinem Bestand.



Mein spätestes Datum einer RP15 (mit Wasserzeichen) ist übrigens der 9.11.1915.

Grüße aus Berlin,
joey
 
Schmuggler Am: 22.06.2009 17:31:50 Gelesen: 962207# 351 @  
@ joey [#350]

*Ei, gucke mal da* :-))

Wenn Du Dich für die Sehweise eines Ganzsachensammlers entschlossen hast, dann ist Dir bewusst, was Du da gezeigt hast.

:-))

Knick hin oder Faltung her.

Für mich stellt sich die Situation so dar, dass einfach noch zuviel RP15/16 im Verkaufsbestand waren und somit die "neue" RP17/18 schlicht von allen Beteiligten übersehen wurde: Eine Rohrpostkarte nach dem Kauf/Verwendung gegen das Licht zu halten um das Wasserzeichen zu überprüfen - diese Schnapsidee bleibt exclusiv nur dem Sammler vorbehalten.

Für den gewöhnlichen Postkunden waren diese Attribute doch Wurrrscht/ohne Nutzen und als die "alten" Karten aufgebraucht waren wurden halt die "neuen" mit der neuen Reichsabgabe ergänzt.

Groß scheint die Auflage der Karte ohne Wasserzeichen (RP17/18) nicht gewesen zu sein, denn bereits im Herbst 1917, also nur ein gutes Jahr nach der Porto- und Gebührenerhöhung von 1916, sind die Karten (mit Zusatzfrankatur) fast nicht mehr im Gebrauch - von Einzelstücken hier und dort mal abgesehen. DAS (= die noch zu hohen Bestände) würde übrigens auch die zeitversetzte Einführung der RP19 mit dem Wertstempel "30" erklären.

Zum guten Schluß:

Vergleich Deine Karte mal mit einer RP15/16 - das Papier ist dort transparent und dünn, sodass man das Wasserzeichen ohne Probleme sehen kann; bei der RP17/18 ist die Karte im Papier bereits dick und weich/schlappert, sodass man ein theoretisches Wz. hier sowieso nie gesehen hätte.
 
Jürgen Witkowski Am: 22.06.2009 18:07:40 Gelesen: 962195# 352 @  
@ Schmuggler [#351]

Da habe ich bei den noch nicht einsortierten Rohrpostbelegen tatsächlich einen Treffer gelandet. Bei der Karte vom 01.10.1916 handelt es sich um eine RP17 mit Zusatzfrankatur. Sie wurde genau einen Monat nach der Portoerhöhung von 25 Pf. auf 30 Pf. verwendet. Wenn man darauf achtet, ist der Unterschied in der Papierqualität recht augenscheinlich.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
AhdenAirport Am: 22.06.2009 18:14:40 Gelesen: 962194# 353 @  
@ Schmuggler [#351]

Wenn Du Dich für die Sehweise eines Ganzsachensammlers entschlossen hast, dann ist Dir bewusst, was Du da gezeigt hast.

Ehrlich gesagt nein, da ich nicht Ganzsachen, sondern Stempel sammle. Aber Deinen Anmerkungen in [#349] entnehme ich schon, daß so eine Karte entgegen der Bewertung im Michel nicht so häufig sein kann. Ich biete allerdings gerne auf Karten (egal ob Ganzsache oder frankiert), da sie selten so zerfleddert sind wie mancher Umschlag ;-) Diese Karte habe ich Anfang 2004 bei Ebay geschossen wegen des Charlottenburg-Stempels und wohl kaum mehr als 1-2 € geboten.

Die von Dir genannten Unterschiede sind klar zu erkennen, wenn man die Karten in Händen hält, im scan wohl eher nicht.

Grüße aus Berlin,
joey
 
Schmuggler Am: 23.06.2009 11:30:31 Gelesen: 962151# 354 @  
@ Concordia CA [#352]

Das ist die typische Aufbrauch-Situation der Karte; alles was einen Wertstempel von 25 bzw. 30 Pfennig beim Umschlag trug, wurde erst einmal aufgebraucht - bevor die neue Auflage erworben wurde. So ist auch die katalogisierte (und berechtigte) Bewertung im MICHEL Ganzsachen-Katalog gemeint.

@ joey [#353]

Will und möchte Dich auch nicht von Deiner Leidenschaft abbringen, nur auch Dich etwas sensibilisieren.

Die katalogisierte Bewertung der Karte war laut Auskunft der Redaktion/Sachbearbeiter behutsam fiktiv vermutet worden, da die Existenz dieser Karte sich nur auf damalige Ausarbeitungen von Herrn Ascher stütze. Nur "haben" hat sie dort auch heute noch keiner und auf einer öffentlichen Auktion als erkanntes Einzellos war sie auch noch nicht in den letzten 20 Jahren im Angebot.

Das bis dato mir einzige bekannte Stück (RP17) wurde auf einer vereinsinternen Sammlerauktion für einen kleineren dreistelligen Betrag ersteigert. Mit Rohrpost-Knick. :-)) Die RP18 wurde vom heutigen Besitzer vor ca. 20 Jahren (!) von einem anderen Sammler erworben, der Kaufpreis in DM betrug auch damals bereits mehrere 100 Mark.

Die Wahrscheinlichkeit bei einer Internetauktion "blind" die Karte auf Grund des Datums und/oder der Papierfarbe 100%ig zu treffen, ist wirklich nicht sehr hoch - ich weiß, wovon ich spreche. :-((

Nochmals und ganz deutlich: Es geht bei der Bewertung nur um eine Karte aus der 1. Porto- und Gebührenperiode, welche keine Ergänzungsgebühr für die Rohrpostbeförderung trägt und der Sehweise eines Ganzsachensammlers Rechnung trägt.
 
blaujacke Am: 24.06.2009 22:43:16 Gelesen: 962063# 355 @  
Hallo,

hier meldet sich ein Neuling in Sachen Rohrpost zur Frühverwendung der Ganzsache RP 18!

1.) Frageteil (des Herrn Kosack): Aufgabe Berlin C 25, 16.0415, 4-5 N, - Ankunft Berlin NW 7, 16.4.15, 4.40 N, - Bestellung Berlin NW 7, 17.4.15, 6.40 V, - Botenstpl. Nr. 25

2.) Antwortteil (des Herrn Barthe): Aufgabe Berlin W 8, 17.4.15, 6-7 V, über Berlin W 8, 17.4.15, 6.10 V - kein Ankunftstempel aber rückseitig Botenstpl Nr. 20, handschriftl. Bestimmungsamt "B" ?

Was soll ich von diesen Belegen halten? Die Antwort erfolgte offensichtlich vor Eingang der Frage und von einer anderen Rohrpostbetriebsstelle.


 
AhdenAirport Am: 27.06.2009 14:06:19 Gelesen: 961943# 356 @  
@ blaujacke [#355]

Hallo blaujacke und willkommen bei den Rohrpostfreaks!

Die Antwort erfolgte offensichtlich vor Eingang der Frage.

Das kann ja nun nicht sein, also muss es eine andere Erklärung geben. ;-)

Daß der Frageteil erst 26 Stunden nach Ankunft zugestellt wurde, halte ich für unwahrscheinlich. Wie der Stempel auf die Karte gekommen ist, dafür habe ich allerdings auch kein Erklärung.

Bist Du sicher, daß Frage und Antwortteil zusammen gehören? Zeig doch bitte die Rückseiten.

Der Leitvermerk "B" auf der Antwort steht für das TA 2 Börse.

Grüße aus Berlin,
joey
 
blaujacke Am: 27.06.2009 21:52:35 Gelesen: 961916# 357 @  
Hallo joey,

der Frageteil ist um 16.40 h (4.40 N)und wurde dem Herrn Barthe im Hotel erst am nächsten Morgen um 6.40 h(V) zugestellt. Das erscheint mir als möglich!



Briefmarkenhändler (?) Philipp Kosack fragt, "wann Sie zu kommen gedenken".



Herr Behme kündigt "10.00 Uhr" an.

Beide Teile scheinen somit zusammen zu gehören. An das Bestimmungsamt Börse habe ich auch gedacht, weiß aber nicht ob die Burgstraße im Zustellbereich liegt. Außerdem wurde das Ganze ja von Kosack in BERLIN W 8 aufgegeben.

Wünsche schönes Wochenende vom Rheinland aus.
 
AhdenAirport Am: 27.06.2009 23:35:38 Gelesen: 961902# 358 @  
@ blaujacke [#357]

Da hatte ich wohl Tomaten auf den Augen und habe statt des V ein N gelesen. Es bleiben somit noch 14 Stunden zwischen Ankunft und Zustellung. Möglich, daß es eine nachtlagernde Karte war, aber die Rohrpost arbeitete m.W. bis 10 Uhr abends, da blieb eigentlich genug Zeit für eine Bestellung. Ob das im Krieg allerdings immer noch so war, entzieht sich meiner Kenntnis.

Auf dem scan ist nicht zu erkennen, was die entfernte Notiz am Oberrand des Frageteils bedeuten könnte. Läßt sich am Original noch etwas erkennen? Es bleibt rätselhaft.

Herr Kosack war in der Tat Briefmarkenhändler. Ich habe hier eine Ansichtskarte vom Schloßplatz, auf der im Hintergrund das Ladengeschäft aufgrund der riesigen Werbetafel auf dem Dach des Hauses klar zu erkennen ist. Es lag gegenüber der südöstlichen Ecke des Schlosses.




Das TA 2 lag zwei Blocks weiter nördlich in der Neuen Friedrichstraße, der Leitvermerk auf dem Antwortteil ist somit m.E. in Ordnung.

Grüße aus Berlin,
joey
 
AhdenAirport Am: 28.06.2009 01:47:08 Gelesen: 961891# 359 @  
@ Schmuggler [#40]

Weil ich eigentlich eine längere Antwort auf [#354] posten wollte, habe ich zur Vermeidung von inhaltsgleichen Beiträgen nochmal den gesamten thread durchgeklickt.

Dabei ist mir in Deinem Beitrag [#40] der von Dir als Botenstempel bezeichnete violette Stempel *4* aufgefallen. Kann es sein, daß es sich hier um einen der bei der Rückbriefstelle Berlin C 2 verwendenten Sternstempel handelt? Diese Sternstempel waren das Kennzeichen der adressermittelnden Beamten bei zunächst unzustellbaren Sendungen. Die Nummern sollen laut Büttner bis 450 reichen.

Das wäre der erste mir bekannte Einsatz eines solchen Stempels in der Rohrpost, zeig doch bitte wenn möglich den ganzen Beleg!



Grüße aus Berlin,
joey
 
Schmuggler Am: 29.06.2009 16:00:44 Gelesen: 961804# 360 @  
@ joey [#359]

Den kompletten Beleg hat DerLu in seiner Sammlung. Für mich war es von Interesse, dass der Stempel in roter statt blauer Farbe ist. Zusammenfassend kann ich heute sagen, dass dieser Stempel zwischen ca. 1900 bis 1905 als möglicher Bestellstempel (?) im Einsatz war. Manchmal auch zusammen mit einem gewöhnlichen Tages-Bestellstempel der Briefpost, mit und ohne Rahmen. Aber Du hast völlig Recht: Er sieht aus wie eine Sachbearbeiterstempel von der Rückbriefstelle im C2. Ob und wenn ja welcher Zusammenhang aber besteht - keine Ahnung. Die mir bisher bekannten Sendungen dieser Art waren jedenfalls nicht erkennbar im C2 behandelt worden.

Bedanken möchte ich mich auch für die feine informative Abbildung der Firma Kossack. So sind manchmal auch Details viel besser nachvollziehbar, als ellenlange Texte.

Apropos ellenlanger Text: Jetzt gleich kommt noch einer.
 
Schmuggler Am: 29.06.2009 16:31:24 Gelesen: 961802# 361 @  
@ blaujacke [#357]

Auch meinerseits: Ein ganz herzliches Willkommen beim Rohrpost-Kränzchen.

Es geht zwar manchmal etwas kunterbunt bis chaotisch zu (eben wie beim "Kränzchen"), aber letztendlich sind die Seiten bisher doch so informativ, dass sich die Zahl der Klicks aus dem Hintergrund immer noch permanent vergrößert. Was will man mehr im stillen Netz ! :-))

Ich sag's ganz offen: Ich habe grundsätzlich mit dieser Doppelkarte (noch) meine Probleme. Nein, nicht wegen dem Text und/oder Reihenfolge der Beförderung - sondern ganz grundsätzlich, wie oben bereits im Beitrag [#354] angesprochen: Ohne das Stück in der Hand gehabt zu haben (= gespürt, gefühlt) wage ich keine definitive Aussage.

In den Ganzsachenkatalogen steht zwar drin, dass die RP13/14 in der Papierfarbe "dunkelrosa und ohne WZ" sei, aber nach 100 Jahren Alben-, Ausstellungs- und Kistenlagerung gehen heute die meisten "Farben" in eine gelbliche Richtung. Das markante "ohne Wasserzeichen" ist da auch noch in den nächsten 100 Jahren nachvollziehbar.

So kann und wird es auch immer wieder sein, dass eine zeitlich spätere Verwendung den Informationsstand durcheinander wirbelt - ich selbst habe z. B. auch eine RP13 mit 1920er Verwendung. Deswegen habe ich mir die Papierbeschaffenheit in diesem Fall als Position angewöhnt; nach meiner Meinung ist das Papier der gezeigten RP18 in der Vergrösserung für eine Papier-Kriegsqualität einfach optisch noch "zu gut".

@ blaujacke

Bitte deswegen noch nicht den Kopf hängen lassen. Wir sind hier um zu lernen und zu verstehen - Besserwisser gibts in anderen Foren.
 
Schmuggler Am: 29.06.2009 16:44:58 Gelesen: 961801# 362 @  
Jetzt gibts was für die Augen.

Aktuell von einem aktiven Sammler dank falscher Beschreibung in einer Internetauktion gefischt:



Zur Erinnerung:

Vom Ersttag (1.12.1876) sind bisher 2 Belege bekannt.

Vom 2. Tag bisher noch keiner. Bis zum 15.12. sind insgesamt 13 Belege für 6 Tage bekannt - ergo nicht für jeden Tag. Für die Zeit vom 15. bis 30.1. sind es zwischenzeitlich fast 50 Belege.

Sollte sich ein Stempelsammler an der Monatsdarstellung stören: Warum auch immer - so stellte sich anfangs der Rohrpost-Tagesstempel vom C1 immer dar. Statt einer "12" wurde ein "/2" gesteckt.
 
HEFO58 Am: 29.06.2009 18:37:50 Gelesen: 961790# 363 @  
Hallo
Rohrpostgemeinde

In meinem Kartenbestand habe ich ein einziges Exemplar einer Rohrpostkarte, die den Weg zu mir gefunden hat. Vielleicht könnt Ihr mir, als einem Rohrpostlaien, was dazu erzählen.

Gruß
Helmut


 
Schmuggler Am: 30.06.2009 17:33:10 Gelesen: 961716# 364 @  
@ HEFO58 [#363]

Gerne! :-))

Diese Rohrpost-Ganzsachenkarte war vermutlich die im MICHEL Ganzsachen-Katalog genannte RP6, ähnlich der RP4 von 1880/81.

Sie wurde bei Briefpostamt W64 am Briefpostschalter entwertet.

1880 wurde W64 als R 7 an das Rohrpostnetz angeschlossen. Warum auch immer: Die Karte ging vermutlich nicht in das Rohrpostnetz, da nirgendwo ein entsprechender Bearbeitungsvermerk bzw. Stempel zu sehen ist. Auch die Bestellung durch die Briefpost ist nicht erkennbar.

Den kleinen blauen "40" Vermerk mittig kann ich nicht beantworten.

Alles beantwortet ?
 
HEFO58 Am: 30.06.2009 18:33:06 Gelesen: 961709# 365 @  
@ Schmuggler [#364]

Danke für die Erklärungen. Auf den normalen Karten aus der Zeit, die ich habe, ist sonst immer ein Ankunftstempel abgeschlagen. Da bleiben dann Fragen offen, die wahrscheinlich gar nicht geklärt werden können und die Karte wird weiterhin ein Rätsel für mich darstellen.

Gruß
Helmut
 
AhdenAirport Am: 30.06.2009 19:33:43 Gelesen: 961701# 366 @  
@ Schmuggler [#354]

Für Deine Hinweise zur RP17 möchte ich mich mit einer "kurzen" Vorstellung der frühen in Berlin verwendeten Rohrpoststempel bedanken. Zur Erinnerung an alle, die Berliner Rohrpost wurde am 1.12.1876 mit insgesamt 15 Rohrpostbetriebsstätten für den Publikumsverkehr eröffnet.

Zunächst kamen die der damaligen Norm entsprechenden Einkreisstempel zur Verwendung ... aber ... der Einkreisstempel des PA Berlin C 1 mit dem UB x (KBHW 196) wurde ausschließlich für Rohrpostsendungen verwendet. Laut KBHW ist der Stempel belegt vom 2.12.1876 bis 27.12.1885.

Die ebenfalls am Rohrpostnetz angeschlossenen Telegrafenämter TA 1 (= HTA), TA 2 Börse, TA 4 und TA 5 verwendeten jeweils einen Einkreisstempel mit einer römischen Amtsnummer. Es zu vermuten, daß diese Stempel ebenfalls ab dem 1.12.1876 im Einsatz waren.

- Berlin W I (KBHW 788) ab 26.3.1877
- Berlin C II (KBHW 790) ab 3.2.1877
- Berlin NW IV (KBHW 793) ab 1.1.1877
- Berlin W V (KBHW 794) ab 28.12.1876

Diese fünf Stempel möchte ich daher als die ersten Berliner Rohrpoststempel bezeichnen. Alle anderen Ämter verwendeten ihre normalen Aufgabestempel.





Am 1.7.1879 wurden für die Rohrpost zur Dokumentation der Laufzeit besondere Einkreisstempel als Ankunftstempel eingeführt. Diese Stempel zeigen in der ersten Zeile die Nummer der Rohrpostbetriebsstätte (abweichend von der Nummer des jeweilgen PA) und in der zweiten Zeile die Nummer des Rohrpostzuges. Der 1. Zug fuhr morgens um 7 Uhr, der 60. und letzte abends um 9:45 Uhr. Diese Stempel waren bis Ende Februar 1886 in Gebrauch.

Es sind 31 dieser Stempel bekannt, die höchste Nummer ist die 29 von Berlin NW 21, zugleich einer der seltenern Stempel dieser Art. Das früheste mir bekannte Datum ist der 2.7.1879 von R 1 (= HTA), das Späteste der 28.2.1886 von R 14 (= Berlin N 55). Eine Ausnahme ist evtl. einer der drei Stempel des HTA, der laut Büttner bis 1888 verwendet worden sein soll.



Die Schwierigkeiten bei der Ermittlung der Laufzeit aus der Angabe der Zugnummer führten ab 1884 zu Versuchen mit den ersten "echten" Rohrpoststempeln mit Zeitangaben. Es wurden bei drei Betriebsstätten Stempel in zwei Typen erprobt.

R 30 (= Berlin W 49) und R 31 (= Berlin SW 61) verwendeten einen Stempel, deren Aussehen sich an die damaligen Normstempel anlehnt. Die Stempel gaben die viertelstündliche Zugfolge durch Kleinbuchstaben a, b, c und d an.

R 9 (= TA 2 Börse) verwendete einen Stempel, dessen Aussehen als Grundlage für die ab dem 1.3.1886 eingeführten Rohrpoststempel diente. Dieser Stempel gab die Zugfolge durch Brüche an (1/4, 1/2 und 3/4).

Da ich keinen der drei Stempel im Original zeigen kann, ein scan aus der Literatur.



Quelle: G.Sprenger, Vorkommende Stempel der Berliner Rohrpost. Berlin 1966

Am 1.3.1886 wurden für alle damals bestehenden 33 Rohrpostbetriebsstätten einheitliche Stempel für Aufgabe und Ankunft eingeführt. Die 1879 eingeführten Ankunftstempel mit Zugnummer wurden abgeschafft. In diesen Stempel schließlich wurde die Zugfolge durch die römischen Ziffern I, II und III dargestellt, ein Strich kennzeichnete die volle Stunde. Die Stempelfarbe war bei allen Stempeln durchweg schwarz, lediglich W 64 / R 7 verwendete von 1886 - 1888 blaue Farbe.



Das letzte Postamt, das einen Stempel dieser Art erhielt, war W 62 / R 38, denn bereits Ende 1888 fiel die gesonderte Nummerierung der Rohrpostbetriebsstätten weg. Die Leitvermerke nennen nun nicht mehr die Nummer der Rohrpostbetriebsstätte, sondern die Nummer des Postamtes. Die Stempel wurden jedoch nicht ersetzt, sondern blieben mit wenigen Ausnahmen unverändert im Einsatz, in Einzelfällen bis in die 1930er Jahre.

Die am 12.12.1888 an die Rohrpost angeschlossenen Ämter NW 6 und NW 66 erhielten erstmals einen "Kreisstegstempel mit Gitterbögen oben und unten" (nach Anderson), der sich damals noch in der Versuchsphase befand. Die Zugfolge wurde nach dem bisherigen Schema durch römische Ziffern dargestellt.




Anfang 1890 wurden die beiden Stempel des HTA auf arabische Minutenangaben umgestellt, wohl wegen der im Zentrum des Rohrpostnetzes ansteigenden Zugfolge. Diese beiden Stempel waren die Einzigen, die auf fünf Minuten genau einzustellen waren.



Anfang 1896 schließlich wurden alle anderen Stempel der Rohrpost auf die arabische Minutenangaben umgestellt, die Zeitangaben waren auf 10 Minuten genau einzustellen.



Alle drei Stempel auf dieser Karte sind keine Neuanfertigungen, sondern wurden auf die arabische Minutenangaben umgestellt.

Die Schwierigkeiten bei der Zustellung der Karte beruhen wohl darauf, daß es mehr als eine Schwartzkopff'sche Fabrik gab.

Grüße aus Berlin,
joey
 
blaujacke Am: 30.06.2009 20:31:18 Gelesen: 961687# 367 @  
@ Schmuggler [#362]



Gehört dieser Beleg vom 06.12.1876 zu den 13 bekannten Belegen der ersten 15 Rohrpost-Tage?
 
Schmuggler Am: 01.07.2009 19:10:44 Gelesen: 961644# 368 @  
@ joey [#366]

Na, da sage ich doch erst einmal ganz artig DANKE!

*Räusper*: Fehlt bei den Versuchsstempeln von 1886-1888 nicht eine Abbildung?! Dem jungen Sammlerfreund sei noch gesagt, dass diese Versuchstempel zwar bis 2 Jahre Laufzeit haben konnten - aber nicht permanent im Einsatz waren. So kann es durchaus sein, dass ein Versuchsstempel mit fast 2 Jahre nachgewiesener Verwendungszeit schwer zu beschaffen ist - ein nur 6 Monate getesteter Stempeltyp dagegen schlicht "häufig".

Gestutzt habe ich bei der Terminnennung zum Rohrpost-Brückenstempel mit dem Datum 1.3. 1886. Hast Du dazu eine Veröffentlichung oder gar eine Abbildung ?
Die Kreis-Brückenstempel mit "Gitterbögen oben und unten" wurden erstmals 1908 von Kalkhoff erforscht, archiviert und veröffentlicht. Bis 1990 war sodann auf diesem Gebiet Ruhe angesagt. Im Gegensatz zu den Brückenstempeln von 1886 wurden in den Brücken-Gitterstempel von 1888 keine Rohrpostämter mehr genannt; sie wurden dem dort genannten Briefpostamt unterstellt. Kurz und lustig: "Schluß mit Lustig". Die Minuten-Uhrzeitgruppe wurde parallel zum Brückenstempel auch beim Brücken-Gitterstempel ab 1889 eingeführt.

Betrifft die Stempelnomenklatur nach Prof. Dr. Anderson: Liest man Ausstellungsbeschreibungen, staune ich immer wieder, wie viel unterschiedliche Begriffe (alle angeblich " ex Anderson") es für ein und denselben Stempeltyp gibt - auch auf die Gefahr, dass man vor lauter exakter Beschreibung die sonstige Übersicht verliert. ... Seine Arbeit mag national und international ganz wesentlich und wichtig gewesen sein - das Rohrpostverständnis wird dadurch nicht gesteigert. Kurz: Machs so, wie Du es denkst und jedermann(!) Dich versteht.

Kannst Du das Thema "Rohrpoststempel" aus Deiner Sicht weiter fortführen? Auch wenn Concordia + etc. sehr traurig werden, weil "Ihre" Nebenstempel samt Forschung dazu (noch?) untergehen.
 
Schmuggler Am: 01.07.2009 19:13:14 Gelesen: 961643# 369 @  
@ blaujacke [#367]

Deine Frage ist im Augenblick noch notiert, kommt in den nächsten Tagen aber auch zur exakten Beantwortung.

Glaube bereits jetzt: Du bist ein Rohrpost-Glückskind. :-))
 
Jürgen Witkowski Am: 02.07.2009 13:23:22 Gelesen: 961591# 370 @  
@ Schmuggler [#368]

Ich bin keinesfalls traurig, wenn hier die interessante Diskussion über die vielen Aspekte der Rohrpost stattfindet. Mein Lieblingsthema "Nebenstempel" ist ja nur ein Teilaspekt, der mit Sicherheit auch immer wieder Diskussionsthema werden wird.

Die Bezeichnung der Poststempelformen nach Dr. Anderson halte ich schon für wichtig, damit wir eine einheitliche Sprache sprechen, die alle Zeitepochen der Rohrpost umfasst. Manche Stempelbezeichnungen mögen Sammlern, die ihre Schwerpunkte in der Krone/Adler- oder der Germania-Zeit haben, vielleicht vertrauter sein, als die Terminologie, die Dr. Anderson entwickelt hat. Die Verwendung nur in bestimmten Zeitabschnitten gebräuchlicher Bezeichnungen birgt aber nach meiner Meinung die Gefahr, aneinander vorbei zu reden.

Eine Übersicht der Stempelbeteichungen nach Dr. Anderson gibt es übrigen hier:

http://www.poststempelgilde.de/korrekte_beschreibung_eines_poststempels.html

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Schmuggler Am: 03.07.2009 18:04:54 Gelesen: 961560# 371 @  
@ blaujacke [#367]

Aus heutiger Sicht ist die Eröffnung der Rohrpost in Berlin am 1.12.1876 schon verblüffend: Nimmt man die meisten Darstellungen ernst, hat man den Eindruck, dass „Film, Funk und Fernsehen“ so wie der Kaiser und v. Stephan die Eröffnung entsprechend gefeiert haben.

Schaut man in den Archiven in die Fiches von Zeitungen, stellt man schnell fest: Da war nichts dergleichen. Nicht einmal die Presse meldete den Fakt – weder vor- noch nachher. Die erste Meldung ist die (bezahlte) Veröffentlichung der Verfügung Nr. 90 über den Gebrauch der Rohrpost am 6.12.; die übliche Meckerei der liberalen Presse über die Zuverlässigkeit der Rohrpost sollte dabei vom Leser nicht berücksichtigt werden ...

Na schön, da sendete v. Stephan am Eröffnungstag einen Rohrpostumschlag an den Geheimrat Sachse und einen an den zukünftigen Bürgermeister von Berlin - aber so richtig prickelnd war das alles nicht.

Möglicherweise war der Kaiser auch „stinkesauer“ auf seine preussische Reichs- und Rohrpost, denn er weilte kurz vorher in München, wo er mit der dortigen, bereits fertiggestellten und funktionierenden Rohrpostanlage konfrontiert wurde; ein entsprechender Briefwechsel mit der Bitte um sofortige Stellungsnahme und Darstellung seines Ministers in Berlin ist archiviert.

Vom Ersttag sind bisher 2 Belege in den letzten ca. 20 Jahren bekannt und archiviert geworden.
Vom 2.12. ist erstmals jetzt die oben vorgestellte Karte bekannt geworden.
Vom Sonntag, 3.12. sind 2 Belege bekannt.
Vom 4. und 5.12. noch keiner.
Vom 6.12 dagegen jetzt insgesamt 4 Stück.

Somit sind für die ersten 14 Tage nur insgesamt 14 Belege aktuell bekannt: 13 Karten und 1 Brief. Ab dem 15.12 verändert sich das gesamte Verwendungsbild schrittweise wesentlich nach oben – „häufig“ wird aber nichts.
 
Schmuggler Am: 03.07.2009 18:33:19 Gelesen: 961558# 372 @  
@ Concordia CA [#370]

Ich ziehe die Ausarbeitung von Prof. Dr. Anderson nicht in Frage und sehe einerseits auch das Bedürfnis und die Not zu einer korrekten Beschreibung - da wo sie hingehört und wesentlich ist. Anderserseits ist es mein Bestreben, dem hier freiwillig lauschenden und lesenden jungen und alten Publikum im Vorder- und Hintergrund die Freude und das Verständnis an der Rohrpost zu vermitteln - ohne Anspruch auf eine wissenschaftliche Ausarbeitung.

Ich nehme für mich in Anspruch, dass nach dem Studium der Stempel-Gesamtübersicht mein Rohrpostverständnis nicht wesentlich erweitert wurde.
Ferner möchte ich anmerken, dass z. B. die aktuellen Verbandsprüfer meines wirklichen Sammelgebiets den von joey verwendeten Begriff " Kreisstegstempel mit Gitterbögen oben und unten" nicht verwenden, sondern sie differenzieren in Attesten und/oder Befunden zwischen einem Brückenstempel, Brücken-Gitterstempel (BG-Stempel). Die unterschiedlichen Zeitdarstellungen (= volle Stunden in der Briefpost oder die Zeitgruppe in der Rohrpost) wird bei Bedarf entsprechend ergänzt.

Ich wollte mit meiner Ausführung lediglich darstellen, dass der Versuch einer exakten Stempelbeschreibung (= nicht dagegen bei Porto und Gebühr!) manchmal groteske Züge annehmen kann. Dem stehe ich entgegen, zu mal sich wohl die Zampanos selbst nicht all zu Einig sind.

So können wir Beide doch ohne Probleme verbleiben?
 
Schmuggler Am: 05.07.2009 12:33:19 Gelesen: 961498# 373 @  
Wie die Zufälle manchmal so spielen:

In einer Internetauktion ist aktuell eine Reichspost-Doppelkarte (ungebraucht) eingestellt, beschrieben mit dem Kartentyp "RP18" lt. MICHEL Ganzsachen-Katalog. Das ist das geklaute Bild dazu:



Bei aller Problematik zu einer Beurteilung am Bildschirm: Das diese Karte mit diesem feinen, kurzfaserigem (= langfaserfreiem) Papier plus der intensiven rosa Farbe keine RP18 in Kriegsqualität -auch nicht in einer Luxusqualität- sein kann, sollte jedem Sammler eigentlich sofort einleuchten. Das wird mit 100%iger Sicherheit eine RP14 -ohne Wasserzeichen- von 1902 sein. Wetten, dass ? :-))
 
AhdenAirport Am: 05.07.2009 16:31:11 Gelesen: 961487# 374 @  
@ Schmuggler [#368]

Ich bin mir nicht bewusst, einen der Versuchsstempel ausgelassen zu haben, lasse mich jedoch gerne von Dir eines Besseren belehren. ;-)

Das Datum 1.3.1886 als Einführung der Rohrpost-Brückenstempel ist meine Schlußfolgerung aus den mir bekannten Verwendungszeiten. Die Einkreisstempel verschwinden zum 28.2.1886 (mit der oben erwähnten Ausnahme), die frühesten Daten der Rohrpost-Brückenstempel sind nach Büttner

- 5.3.1886 (R 1 und R 11)
- 7.3.1886 (R 21)
- 8.3.1886 (R 25)
- 9.3.1886 (R 7)

G.Sprenger schreibt im oben erwähnten Aufsatz immerhin "März 1886", korrekterweise hätte ich wohl "Anfang März" schreiben müssen.

Ich wollte das Thema Rohrpoststempel so nicht weiterführen, da es nach 1896 bei den in der Rohrpost verwendeten Aufgabestempeln bis auf die Minutenangabe keinen Unterschied mehr zu den normalen Tagesstempeln gibt. Ein paar Besonderheiten gibt es allerdings noch zu zeigen:

Auch in der Rohrpost wurden Kleinschriftstempel verwendet. Wenn ich nicht (schon wieder) etwas übersehen habe, sind dies die Stempel von Charlottenburg 9 und Berlin-Wilmersdorf 2. Von Berlin-Wilmersdorf 2 gibt es noch einen weiteren Stempel mit dem Unterscheidungsbuchstaben "a".





Nicht so häufig in der Rohrpost anzutreffen sind die frühen Sonderstempel von Berlin, vielleicht mit Ausnahme der Stempel zur Gewerbeausstellung 1896. Hier der Stempel "Hygiene-Ausstell.-Platz" von Berlin NW 40, nach Bochmann #5.



Ob der folgende Beleg die Rohrpost von innen gesehen hat, kann ich nicht erkennen. Es ist ein mit 60 Pfg. (also ohne Rohrpost) frankierter Eil-Brief von Lichtenberg nach Pankow und er zeigt auf der Rückseite einen bemerkenswerten Stempel. Es ist der einzige mir bekannte Minutenstempel mit Postleitzahl. Hier wurde der ab 1936 eingesetzte Stempel von Berlin-Pankow auf die 1965 in der DDR eingeführten Postleitzahlen umgearbeitet.



Grüße aus Berlin,
joey
 
Schmuggler Am: 06.07.2009 11:49:33 Gelesen: 961450# 375 @  
@ joey [#374]

"Belehren"??? Das ist nicht mein Ding.
Gerne aber ergänze ich Deine Unterlagen.


Die neuen Brückenstempel:
Alle am Rohrpostnetz angeschlossenen Rohrpostämter erhielten zum 5.3.1886 den neuen Stempeltyp. Dies ist seit fast 20 Jahren unangefochten das früheste bekannte Datum. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dennoch der Termin verschieben könnte, ist sehr gering. Eine Anweisung und/oder Verfügung dazu ist bisher nicht bekannt geworden - auch nicht aus den örtlichen Zeitungen o. ä.
Bevor der neue Stempeltyp als "typischer Rohrpoststempel" genehmigt wurde, wurden 2 Jahre lang vorher andere Stempelformen mit mehr oder minder großem Erfolg am Schalter "gestestet". Drei Varianten hast Du oben vorgestellt, gerne ergänze ich mit der 4.



Der Brückengitter-Stempel(BG) vom R 9 mit feinen Gitterstäben. Es ist bisher der Zweitseltenste mit 4 archivierten Vorlagen: 3x auf Brief rückseitig, 1x auf Karte vorderseitig. Der seltenste Stempeltyp ist vom W 49, Du hast ihn oben als Nr. 17 gezeigt. Dieser Stempel wurde erstmals 1998 via einer Schmidt-Auktion in Berlin mit dem Endergebnis von ca. 6.000 DM real bekannt, nachdem er bisher "nur aus der Literatur" bekannt war.


Der blaue Stempel vm R 7.
Für 2 Jahre war der Stempel vom R 7 markant farbig in Verwendung.



Hier als ausdrucksstarke Farb-Gegenüberstellung aus dem Jahr 1887. Da dieser Stempel recht lang im Gebrauch war, ist für den Sammler die Auswahl groß. Für besonders schöne Stücke können aber bis ca. 50 EUR bewilligt werden, dazu zählt jedoch nicht der gezeigte Abschlag.
Anmerkung: In schwarzer Farbe lag kein Abschlag während der "blauen Periode" vor.


Sonderstempel.
Fast alle Sonderstempel sind auf Rohrpostsendungen schlicht "nicht häufig".
1. Ausnahme: Gewerbeausstellung, 1896. Aber auch hier kann man nuancieren: Ein Stempel mit einem Kennbuchstaben unten (a oder b) lag bisher auf keiner Rohrpostsendung vor.
2. Ausnahme: Der zweithäufgste Sonderstempel ist die Hygiene-Ausstellung von 1889, zumal aktuell im philat. Hintergrund diverse Stücke "geistern", mit Mengenrabatt bei entsprender Mengenabnahme ...

Einfach weil der 1. Sonderstempel so schön und selten ist:



Alle bisher von mir gelesenen Karten (5 Stück) kamen von Firmen bzw. deren Mitarbeitern auf der Messe, welche rückseitig bei berliner Firmen nach dem verbleib von Waren bzw. Ersatzteilen fragten, so auch hier.


Brückengitter-Stempel
Der versuchsweise auch in der Rohrpost getestete Brückengitter-Stempeltyp (BG) kam aus der Briefpost (sog. "Schweizer Modell").



Hier einer der Briefpost Brückengitter-Stempel(BG) von C 2 während der Versuchsphase 1888 auf einer Ganzsache, auffrankiert für die Rohrpostbeförderung.

Er ist ganz richtig ab Dezember 1888 beim W 66 im Gebrauch; ein Rohrpostamt wird nicht mehr im Stempelkreis genannt. Schrittweise wurden 3 weitere Rohrpostämter bis mitte 1890 an dem Versuch beteiligt (NW 6 ab 5/89, SW 19 ab 10/89 und N 58 ab 12/89) und mitte 1890 wurde dieser Stempeltyp bekannterweise durch die Reichspostverwaltung für alle Postanstalten als neuer Normstempel festgelegt. Den 1. offiziellen BG-Stempel in der Rohrpost führte O 67, welches mitte 1890 an das Netz angeschlossen wurde.
Im Gegensatz zur Briefpost wurde die von den Brückenstempeln bekannten römischen Minuten-Zeitgruppen (I, II, III) übernommen. Nicht bekannt geworden ist mir, ob dieser Stemepltyp auch in der Rophrpost die Zeitgruppe ebenfalls per Verstellrad umstellen konnte (wie bei der Briefpost) - oder ob weiterhin die Zeitgruppe von Hand "geblockt" wurde.
Die arabische Minuten-Zeitgruppe wurde ab 12/1889 in den Brückenstempeln beim R 2 erstmals eingeführt; die Brückengitter-Stempel(BG) wurden erstmals ab 1892 ebenfalls umgerüstet, so dass bis 1896 alle Rohrpostämter und Rohrpost-Betriebsstätten die neue arabische Minuten-Uhrzeitgruppe einheitlich in ihrem Rohrpoststempel führten.


Kleinschriftstempel.
Der 1. Rohrpoststempel mit Kleinschrift ist m. E. der BG-Stempel vom "Abgeordnetenhaus" seit 1900.



Noch so fein nach über 10 Jahren Gebrauch abgeschlagen?!: Das brachte bei Harlos über 40 EUR plus Aufgeld.

Zumindest hat dieser Stempel dieses Wort komplett im Stempelkreis stehen. Die Sehweise zu diesem Sammelgebiet ist aber sehr unterschiedlich; so benötigen einige Sammler nur 3 Kleinbuchstaben, um ihn als solchen zu registrieren - andere brauchen alle Worte in Kleinschrift. Ich meine, ein Wort genügt - wie im richtigen Leben auch. :-))
 
HEFO58 Am: 07.07.2009 14:06:01 Gelesen: 961385# 376 @  
@ Richard [#14]

Hallo

Wenn ich beim durchschauen keinen Fehler gemacht habe, so wurde hier noch keine Rohrpostkarte von Wien gezeigt.

Gruß
Helmut


 
Schmuggler Am: 07.07.2009 17:37:26 Gelesen: 961364# 377 @  
@ HEFO58 [#376]

Du hast keinen Fehler gemacht :-))
Es hat sich zum Sammelgebiet "Rohrpost in anderen Städten bzw. Ländern" bisher niemand als Sammler und/oder Kenner geoutet.
Vielleicht hast Du ja zu Wien oder Prag eine vertiefende Kenntnis und möchtest sie uns kund tun?
 
HEFO58 Am: 07.07.2009 17:51:07 Gelesen: 961360# 378 @  
@ Schmuggler [#377]

Tut mir leid Dich und andere da enttäuschen zu müssen, vertiefende Kenntnisse habe ich keine.

Ich sammele rein nur aus Spaß an der Freude alte Belege und zeige dann ab und zu Stücke, die mir interessant erscheinen und zum jeweiligen Thema passen. Möchte auch nicht so tun als wüsste ich Bescheid, indem ich dann einfach Katalogtexte abschreibe.

Für Erklärungen überlasse ich dann doch lieber denjenigen das Feld, die sich wirklich auskennen mit der Materie.

Gruß
Helmut
 
Schmuggler Am: 07.07.2009 17:51:20 Gelesen: 961360# 379 @  
@ HEFO58 [#376]


Was nicht ist, kann ja noch werden?!
 
DerLu Am: 09.07.2009 19:42:35 Gelesen: 961240# 380 @  
@ Schmuggler [#375]

"Im Gegensatz zur Briefpost wurde die von den Brückenstempeln bekannten römischen Minuten-Zeitgruppen (I, II, III) übernommen. Nicht bekannt geworden ist mir, ob dieser Stemepltyp auch in der Rophrpost die Zeitgruppe ebenfalls per Verstellrad umstellen konnte (wie bei der Briefpost) - oder ob weiterhin die Zeitgruppe von Hand "geblockt" wurde."

Das "weiterhin" stimmt m.W. nicht: bei den Brückenstempeln (Kreisstegstempel n. Anderson) wurde das Datum gesteckt, die Zeitgruppe aber war bereits auf einem Verstellrad angebracht. Eine detaillierte Beschreibung eines Rohrpost-Brückenstempels findet sich in einem Artikel aus dem Jahre 1888:

"Zur Bezeichnung des Tages, des Monats und des Jahres dienen Stahltypen, welche in eine Vertiefung des Stempels eingesetzt und durch eine seitswärts angebrachte Schraube s ... festgelegt werden.
...
Die Angaben der vollen Stunden, der Viertelstunde und der Tageszeit sind auf drei auf einer gemeinschaftlichen Achse a gelagerten Typenrädchen ... angebracht, derart, daß das eine Rad mit den Zahlen 1 bis 12 für die vollen Stunden, das zweite mit den römischen Zahlen I, II und III welche nur zwei Drittel der Größe der übrigen Zahlen haben, zur Bezeichnung der Viertelstunden, das dritte mit den Buchstaben V und N versehen ist."


( Quelle : E. Landrath "Die Rohrpost-Anlage in Berlin und Charlottenburg", 1888, Berlin )

Es ist anzunehmen, dass dieser "Komfort" der einfachen und vor allem schnellen Zeitverstellung bei den neuen Stempeln nicht aufgegeben wurde.

Bei Interesse und wenn mein Scanner wieder läuft, kann ich evtl. noch ein paar Abbildungen aus dem Artikel nachliefern.

Gruß
 
Schmuggler Am: 10.07.2009 09:18:31 Gelesen: 961209# 381 @  
@ DerLu [#380]

Manchmal sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht ...
DANKE an den derLu!! :-))

Da mein Scanner (noch) läuft, kann ich die beschriebenen Bilder gerne für Dich einfügen.
So stellte sich der Brückenstempel in seiner äusseren Form dar:



So zeigten sich 1888 bereits der Stempel im Detail:



Besonders die Abb. 50 (links unten) zeigt die "auf einer gemeinsamen Achse angebrachten Typenräder".
Informativ auch der "Setzkasten" laut Abb 52 (rechts oben) sowie der "Pinzette" für die Bausteine in der Abb. 52 darunter.

Der zum Vergleich benötigte Brückengitter-Stempel(BG) aus dem gleichen Zeitraum ist mir weder als Zeichnung/Veröffentlichung noch als Vorlagestück aus dem Postmuseum in Berlin bekannt.

Oder habe da schon wieder etwas übersehen bzw. nicht beachtet??!!
 
Carolina Pegleg Am: 10.07.2009 20:13:57 Gelesen: 961135# 382 @  


Ich habe vor einiger Zeit das Postmuseum in Washington, DC besucht und nun die verloren geglaubten Bilder gefunden. Fotografieren war ausdrücklich erlaubt, ausgenommen natürlich die Briefmarkensammlungen. Zur Rohrpost gab es nur zwei Glaskästen, die auch nicht super informativ waren. Ich zeige die Fotos gleichwohl einmal.



Der Text lautet: "Netzwerke pneumatischer Röhren beschleunigten die Post unterhalb de Städte beginned ab 1890. Pneumatische Container mit einem Fassungsvermögen von 600 Briefen reisten mit 35 Meilen (ca 55 km) pro Stunde. Die Röhren wurden 1893 in Philadelphia eingeführt. Boston, Brooklyn, New York City, Chicago und St. Lois übernahmen das System ebenfalls. Bald hatten diese Städte über 56 Meilen Röhren.
Nach Suspendierung aus ökonomischen Gründen während des 1. Weltkrieg, wurde der Dienst in New York und Boston nach dem Krieg wieder aufgenommen. In den 50er Jahren machte das anwachsende Postaufkommen und sich ändernde Städte pneumatische Röhren unpraktisch. Postämter und Betriebe konnten leicht umziehen, aber das unterirdische pneumatischen System nicht."



Die Rohrpost in den USA war kein Sonderservice, sondern wurde zum schnellen Massentransport der Post zwischen zentralen Punkten verwendet. Das Bild ganz oben zeigt die Rohrpoststation beim New Yorker Hauptpostamt. Ich bin mir nicht bewusst, dass amerikanische Rohrpost als Sammelgebiet exisitiert, da praktisch jeder Brief in den genannten Städten ohne weitere Kennzeichnung mit der Rohrpost befördert worden sein kann.

Es ist ein interessantes Thema. Ich bin hier nur ein stiller Leser. Meine Anerkennung allen Experten.
 
blaujacke Am: 10.07.2009 23:52:29 Gelesen: 961118# 383 @  
Vor längerer Zeit wurde die Frage nach den Kriterien für den Aufbau einer Rohrpostsammlung in das Forum eingebracht. Eine Resonanz habe ich nicht beobachtet! Als "Anfänger" habe ich leider noch keine Sammlungen in Augenschein genommen und suche nun auch nach der vorausgehenden Gliederung.
Heute möchte ich mich mit der Vorstellung von Belegen zur Gebührenfreiheit einbringen:





Bei dem Brief an Frl. Klose frage ich mich allerdings, warum weder Porto noch Gebühren entrichtet wurden?
 
blaujacke Am: 11.07.2009 09:38:54 Gelesen: 961075# 384 @  
Beim H.T.A. wurden mindestens 2 Rohrpoststempel nebeneinander geführt:


Steghöhe 8 mm / * neben "R 1)" / bei mir vorhandene Belege vom 12.10.1887 - 08.03.1899


Steghöhe 7 mm / ohne * / bei mir vorhandene Belege 20.05.1889 - 16.04.1893

Nachfolgend eine Behelfs-Rohrpostkarte:


 
doc Am: 11.07.2009 22:28:21 Gelesen: 960966# 385 @  
Nach längerem Suchen habe ich einen Beleg wieder gefunden, den ich am 28.2.1963 per Rohrpost an einen Bekannten geschickt hatte. Da dieser den Brief nicht abgeholt hat, wurde er an mich zurückgeschickt.
Dieser Brief ist mit Sicherheit einer der letzten, der in Berlin per Rohrpost befördert wurde. Der 28.2.1963 war nämlich der Letzttag der Rohrpost in Berlin.

Ein schönes Wochenende wünscht Euch
Wolfgang


 
doc Am: 11.07.2009 22:31:19 Gelesen: 960962# 386 @  
Jetzt fehlt nur noch die Vorderseite!


 
DerLu Am: 12.07.2009 09:27:35 Gelesen: 960938# 387 @  
@ blaujacke [#384]

Anzumerken bleibt noch, dass beide Stempel sowohl mit römischen als auch mit arabischen Minutenziffern existieren. Büttener gibt für beide Stempel folgende
Verwendungszeiträume (I = römische, II = arabische Minutenziffern) an:

HTA (R1) : I : 5.3.1886 - 15.3.1890 II : 1.12.1890 - 11.5.1904
HTA (R1) * : I : 5.5.1887 - 22.3.1889 II : 4.2.1890 - 9.7.1903
 



Auch das Telegraphenamt 2 in der Börse verwendete zwei verschiedene Kreissegmentstempel : '* T2 (R9) *' und ' * T.A.2 *'
 

AhdenAirport Am: 14.07.2009 13:54:44 Gelesen: 960854# 388 @  
@ Schmuggler [#375]

Versuchsstempel

Ich danke für die Vorstellung des Versuchsstempels vom TA2 (R9), den hatte ich wegen der abweichenden Stempelform glatt übersehen.

Der blaue Stempel von R 7

Hier hatte ich ein Bild vorbereitet, aber vergessen einzufügen (dafür ein anderes Bild doppelt). Als ich den Fehler bemerkt habe, war es für einen edit bereits zu spät. Das Bild möchte ich hiermit nachholen.



Noch nicht wirklich schwarz aber kaum noch blau ist dieser Abschlag vom 16.12.1887. Gibt es eigentlich eine zeitliche Abgrenzung zwischen den blauen und schwarzen Stempeln?



Kleinschriftstempel

Der von Dir gezeigte Stempel vom Abgeordnetenhaus gehört natürlich dazu ... und ich habe noch einen vierten gefunden: Berlin C Kgl. Schloß

Die Abbildung stammt aus dem Handbuch von Hr. Buettner, dort ist der Stempel nur mit dem Datum 15.2.1916 verzeichnet.



Ein weiteres Datum aus meiner Vorstellung der Rohrpoststempel in [#366] ist überholt:

Beim Stöbern in meinen Bildern bin ich auf folgenden Beleg gestoßen, der bei ebay angeboten wurde. Er ist vom 1.3.1886 und zeigt keinen Rohrpost-Brückenstempel, dafür aber einen Ankunftstempel mit Zugnummer, deren Spätdatum ich mit 28.2.1886 angegeben hatte.



Grüße aus Berlin,
joey
 
Schmuggler Am: 15.07.2009 10:55:39 Gelesen: 960816# 389 @  
@ Schmuggler [#381]

Es gibt sehr viele Einzelveröffentlichungen zum Thema "Pneumatik tube" in der USA, aber es gibt kein entsprechendes Archiv dazu. Die Sammler griffen daher auf Informationen aus ihrem Heimatland zurück; in Deutschland griff der Sammler auf ehemaliges, veröffentlichtes Wissen zurück. "Fehler" schlichen so über 100 Jahren ein durch Ausstellungsbeschreibungen, Katalogprodukte, Auktionsbeschreibungen und/oder Sammlungen.

Die von dem Museum vorgestellten Fakten kann ich bestätigen. Die Feinheiten sind da wie dort erst das Salz in der Suppe. :-))



Ein Größenvergleich zu einem "Empfänger in einer Zwischenstation, 1895 in Philadelphia".

Die Rohrpost in Berlin war zu dieser Zeit gegen diese Proportionen eine Ameise - fleißig und tapfer - aber sehr viel kleiner.

Der Bau einer Großrohr-Postanlage geisterte aber seit ca. 1920 viele Jahre durch die Berliner Amtsstuben. 1936 wurde eine Studienreise in die USA durch den Reichspostminister (!) genehmigt, 1939 informativ veröffentlicht:



So wurde u. a. auch eine "Rohrbestückung" besichtigt:



Noch ist alles Unvorstellbar; der kommende Krieg unterbrach natürlich die Entwicklung, wurde aber in Hamburg mit Energie nach dem Krieg fortgesetzt.

So weit einen sehr kurzen Infotripp für "Carlolina Pegleg".

:-))
 
Schmuggler Am: 15.07.2009 11:12:18 Gelesen: 960815# 390 @  
@ blaujacke [#383]

Da sehen meine Rohrpostgeschädigten Augen ja zwei wunderschöne Dinge: Ein Bickerdike auf Rohrpost plus eine "per Rohrpost beförderte Postanweisung". :-))

Deine Frage war aber anders. Wie eine Sammlung aus Deiner Sicht aussehen könnte, kann Dir letztendlich niemand sagen; die Blickwinkel zu diesem Sammelgebiet sind einfach zu weit gefächert.

So versuche ich es erst einmal so: Die Vorstellung von Porto- bzw. Gebührenfreien Rohrpostsendungen ist letztendlich ein gigantisches Gebiet - wenn Du es z. B. bis 1945 ausdehnen möchtest. Alleine die diversen Vordrucke von den unterschiedlichen Ämtern werden Dich in Folge richtig beschäftigen.

Eine kompetente Ausstellungssammlung zum Thema "Ganzsachen in der Rohrpost" (oder so ähnlich) ist z. Zt. in "etwas heftiger" Vorbereitung. Eine Vorstellung zu dem Thema "Flug- und Zeppelinpost mit Rohrpostbeförderung" könnte demnächst folgen, wenn der Aktive nichts vergessen haben sollte und/oder es ihm gesundheitlich ermöglicht ist. Kurz: Es tut sich demnächst eine ganze Menge.

Nur bei dem Thema "Stempel" (Brief- und Rohrpost) sind alle sehr zurückhaltend, da das die Spitze an Arbeit und permanente Undankbarkeit bringt.
 
Schmuggler Am: 15.07.2009 11:29:48 Gelesen: 960814# 391 @  
@ DerLu [#387]

Darf ich etwas ergänzen?

Laut meinen aktuell gefundenen Arbeitsnotizen wurden BEIDE am HTA parallel verwendeten Brückenstempel (mit und ohne Stern rechts) im November 1889 von der römischen auf die arabische Minuten-Zeitgruppe umgestellt.

Zumindest zur Information stelle ich hier den Stempel "mit Stern rechts" vom 21.11.1889 vor:



Ich formuliere sehr zurückhaltend, da m. E. dieses Frühdatum möglicherweise noch getoppt werden kann.
 
Schmuggler Am: 15.07.2009 11:47:38 Gelesen: 960813# 392 @  
@ joey [#388]

Danke für Deine umfassenden Ergänzungen!

Aber jetzt kommt der Schock: Die Ergänzung der Ergänzung! :-))

Scherz beiseite, ich habe den Übergang auch nur zur Kenntnis genommen - nicht aber richtig verfolgt. Für mich war es jedenfalls auffallend, dass der Stempel immer fetter und breiter im Abschlag wurde, um dann plötzlich wieder fein und klar (= schlank) sich darzustellen. Mein gezeigtes Exemplar gehört zur fetten, Dein gezeigtes Exemplar zur schlanken Generation.

Rohrpoststempel waren nicht gerade DAS Steckenpferd von Herrn Büttner; sein Archiv enthielt (leider) noch viele unveröffentlichte Feinheiten und Ergänzungen.

Der Stempel vom "Kgl. Schloß" ist wirklich sau-selten - WENN er eine arabische Minuten-Zeitgruppe trägt. Guck doch aktuell einmal in das Auktionhaus Jennes + Klüttermann per Internet in die laufende Auktion hinein, dort kannst Du schöne und seltene Stempelabschläge Dir für Dein Archiv kopieren.

Eigentlich wollte ich nichts mehr zu den Daten sagen, aber ich finde es schlicht frappierend, dass dieser gezeigte Beleg mit diesem Datum das 1. Stück seit gut 15 Jahren aus dem Zeitfenster 28.2-5.3. ist.

WARUM und WIESO: Absolut keine Ahnung!
 
Schmuggler Am: 15.07.2009 12:35:37 Gelesen: 960810# 393 @  
Ich habe meinen Beitrag zur Nr. 307 von blaujacke etwas zu kurz gefasst. Dem möchte ich jetzt "entgegenwirken". :-))

Die Ämter verwendeten zur Kenntlichmachung einer Dienstsache viele Merkmale: Stempel, Zudrucke, handschriftliche Notizen, Vignetten und sogar Verschlußmarken. Ferner ist die Vielzahl der Ämter sehr groß: Vordergründig die Brief- und Paketpost sowie die Telegraphie. Dann hat jedes Amt wieder Unterabteilungen. Aber versuchs doch einmal und wenns Spaß macht - warum nicht?

Auf alle Fälle möchte ich Dir die optische Qualität ans Sammlerherz legen, besonders wenn Du auf "häufige" Varianten stösst.

Dass die von Dir gezeigte "Postanweisung" wirklich für die Karten-Beförderungsgebühr transportiert wurde, empfinde ich als Rohrpost-Wunder: Das Format des Formulars sprengt alle bekannten Rohrpostordnung zur einer Rohrpostkarte. Die Studenten hatten auch zu dieser Zeit eine enorme Kreativität entwickelt; sie versendeten per Post an Kommilitonen z. B. Teile ihrer Kleidung, Holzstücke, Bierdeckel, Weinetiketten, Riesenkarten und Minibriefe usw. Entsprach die Sendung nicht der Postordnung, frankierten Sie den Jux-Gegenstand "wie einen Brief" - dann wurde er auch (zähneknischend) transportiert.

ABER PER ROHRPOST ... ???

DAS Pschorrbräu war dann wahrlich verdient! :-))
 
DerLu Am: 15.07.2009 13:13:21 Gelesen: 960806# 394 @  
@ Schmuggler [#391]

Das war mir schon klar, ich habe erst einmal nur sauber zitiert. Die Verwendungszeiträume "im Büttner" sind nicht sehr genau (einige habe selbst ich mit meiner kleinen Sammlung schon "verbessern" können). Ich gehe auch davon aus, dass die Stempel zur Umstellung römisch - arabisch nur wenige Tage "ausser Haus" waren, schliesslich muste ja nur ein Typenrad getauscht werden.

Vielleicht werde ich mir mal die Mühe machen und alle Verwendungszeiträume in eine Tabelle zu übertragen und dann auf die Korrekturen der werten Leserschaft dieses Threads warten.
 
AhdenAirport Am: 15.07.2009 15:14:07 Gelesen: 960781# 395 @  
@ Schmuggler [#392]

Gesagt, getan - und tatsächlich: unter #2029 wird der Rohrpost-Stempel vom Königlichen Schloß angeboten mit dem Hinweis, daß nur 2 Stück bekannt sind. Hier der Link zum Bild:

http://www.jennes-und-kluettermann.de/auktion082009/foto.php?losnummer=2029&FotoID=030882-9706

Grüße aus Berlin,
joey

[Bild redaktionell nachgetragen:]
 


AhdenAirport Am: 15.07.2009 17:47:21 Gelesen: 960772# 396 @  
@ Schmuggler [#390]

Darf ich eine kleine Korrektur anbringen?

Der von blaujacke gezeigte Maschinenstempel stammt trotz des Flaggeneinsatzes nicht von einer Bickerdike, sondern m.W. von einer Maschine der Berliner Firma Beling & Lübke, die nur ein knappes halbes Jahr versuchsweise eingesetzt wurde.

Grüße aus Berlin,
joey
 
Postgeschichte Am: 15.07.2009 19:32:36 Gelesen: 960763# 397 @  
@ blaujacke [#383]

Der von Joey gemachte Einwand, daß es sich um den Stempel einer zu Versuchszwecken aufgestellten Maschine von Beling & Lübke handelt, ist korrekt. Näheres siehe "Die Columbia-Briefstempelmaschinen" von Walter Kohlhaas und Inge Riese. Die Verwendungszeit des Stempels wird darin vom 12.12.1901 bis 3.4.1902 angegeben. Das Buch ist als Band 156 in der Schriftenreihe von der Poststempelgilde, Papenweg 12, 59494 Soest zu beziehen.

Gruß
Manfred
 
Schmuggler Am: 17.07.2009 11:30:41 Gelesen: 960710# 398 @  
@ joey [#396] und @ Postgeschichte [#397]

Danke für die Information samt Bezugsquelle.

Das ist hier genau die Art von Zusammenarbeit, im Guten wie im weniger Guten, wie ich sie mir immer gewünscht habe, aber in keinem themenbezogenem Philachat bisher gefunden habe - bis ich " HIER" gelandet bin.

Danke!
 
Schmuggler Am: 19.07.2009 12:57:24 Gelesen: 960592# 399 @  
@ Carolina Pegleg [#382] plus (#387)

Habe ich soeben bei eBay.com für das Jahr 1909 entdeckt.

Entwertung durch eine "Tubestation" in der "Lassallestreet" in Chicago:


 
Jürgen Witkowski Am: 19.07.2009 13:26:55 Gelesen: 960588# 400 @  
Obwohl immer wieder in Veröffentlichungen zu lesen ist, dass Telegramme einen wesentlichen Anteil am Rohrpostaufkommen in Berlin hatten, haben wir bisher recht wenige davon in diesem Thema zu sehen bekommen. Die Informationslage in der einschlägigen Rohrpost-Literatur ist recht dürftig, aber vielleicht kann der eine oder andere der hier präsenten Experten ein wenig an Fakten nachschieben.

Ich habe das Telegramm wieder so gefalten, wie es in der Rohrpostbüchse transportiert sein mag.



Vorderseitig befinden sich die Adresse des Empfängers und Angaben zum absendenden Telegrafenamt, in diesem Fall das Haupt-Telegrafenamt Berlin (H.T.A.). Ob das "rp =" vor der Adresse im Zusammenhang mit der Rohrpost steht, kann ich nur vermuten.



Auf der Rückseite befinden sich unten rechts die Angaben zum Aufnahmezeitpunkt des Telegrammes (5/1 1918 5 Uhr 9 Min. nachm.), des absendenden Telegrafenamtes (Schw = Schwerin) und des Telegrafenbeamten. Oben rechts die Blatt-Nr. 036 des Telegrammes und der mit Rotstift geschriebene Leitvermerk 39 für das Zielpostamt Berlin N 39. Links oben der Rohrpoststempel des Zielpostamtes BERLIN N *39* / -5.1.18. 6.50N. Das auf rohrpostgerechtes Format zusammengefaltene Blatt wurde mit einer Verschlußmarke "Kaiserl. Deutsche Telegraphie" zusammen geklebt.



Das letzte Bild zeigt das Telegramm mit seinem Inhalt, wie es vor dem Versand beim H.T.A. erstellt wurde.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Postgeschichte Am: 19.07.2009 15:35:35 Gelesen: 960578# 401 @  
@ Concordia CA [#400]

Hallo Jürgen,

das "rp" vor der Anschrift steht nicht im Zusammenhang mit der Rohrpost. Die Bezeichnung ist ein Dienstvermerk des Telegraphenamtes:

-rp- = Antwort bis 10 Wörter bezahlt

Der Absender des Telegrammes hat die Antwort im Voraus bezahlt. Der Empfänger erhielt mit der Telegrammausfertigung einen Antwortschein, den er innerhalb 3 Monate beliebig verwenden konnte.

Mit Sammlergrüßen
Manfred
 
Carolina Pegleg Am: 19.07.2009 21:39:50 Gelesen: 960562# 402 @  
@ Schmuggler [#399]

Vielen Dank für das Ausgraben dieses interessanten Stempels. Ich habe ein bisschen herumgesucht, aber kann nicht sagen, ob das ein spezieller Rohrpoststempel ist. In den USA wurde wie gesagt sämtliche "First Class mail", also alle regulären Briefe und Postkarten, aber keine Drucksachen Zeitschriften, Pakete usw., mit der Rohrpost transportiert ohne das dafür eine besondere Gebühr erhoben wurde.

Im Jahre 1917 wurde eine Untersuchungskommission eingesetzt, um die Wirtschaftlichkeit der Rohrpostsystemes zu überprüfen. Konkret ging es um die Angemessenheit der geplanten Ausgaben von $1,001,000 zur weiteren Fortsetzung des Rohrpostsystemes für das Haushaltsjahr 1917/18. Zur Information der Untersuchungskommission wurde ein Bericht "Entwicklung des Rohrpost- und Automobil- Postdienstes" erstellt. Dieser Report enthält in Auszügen Berichte des Postministeriums die Rohrpost betreffend seit 1889. Das Dokument gibt es jetzt online. Hier ist ein Link zu diesem rund 600 Seiten starken Bericht aus dem Jahre 1917:

http://books.google.com/books?id=efgsAAAAYAAJ&printsec=titlepage

Es gibt dort detaillierte Information zum amerikanische Rohrpostsystem, aber auch interessante Informationen zu den Rohrpostsystemen anderer Länder. So findet man ab S. 10 einen Auszug aus dem Bericht des amerikanischen Postministeriums vom Jahre 1891 über den Stand der Rohrpost in Berlin inklusive Statistiken der dort damit beförderten Telegramme und Briefsendungen usw (S. 18).

Als Pdf Dokument lässt sich die Volltextsuche gut benutzen. Einfach einmal Berlin eingeben. Ob da was neues darin steht, kann ich nicht sagen. Es kann gut sein, dass alle diese Informationen in Deutschland schon bekannt sind.

Für meine Forschung betreffend Stempelmaschinen habe ich allerdings in diesen Berichte und Protokolle von Anhörungen vor dem US Congress schon unerwartete und mir unbekannte Detailinformationen gefunden. Die Originalunterlagen sind alle verschwunden. Wenn die Angelegenheiten allerdings aber aus welchen Gründen auch immer vor dem Kongress verhandelt wurde -- in der Regel zumeist vor dem Haushaltsausschuss oder wie hier einem speziellen Untersuchungsausschuss, um bestimmte Ausgaben zu rechtfertigen -- dann wurde alles genau für die historische Ewigkeit festgehalten inklusive der auf Verlangen des Congress von der Exekutive beigebrachten Dokumente. So findet man dann in diesen Protokollen in Abschrift Dokumente, die sonst schon lange vernichtet sind.
 
Postgeschichte Am: 19.07.2009 22:56:01 Gelesen: 960550# 403 @  
@ Concordia CA [#400]

Hallo Jürgen,

möchte noch nachreichen:

=RP= = Réponse payée - Antwort bezahlt

Gruß
Manfred
 
Carolina Pegleg Am: 22.07.2009 18:01:05 Gelesen: 960458# 404 @  
Mir wurde mitgeteilt, dass es mit dem von mir in [#402] mitgeteilten Link zu einem Buch über die Rohrpost Probleme gibt. Das Buch ist eine amtliche Veröffentlichung (und zudem aus dem Jahre 1917) so dass ein Copyright nie bestand, und wenn dann erloschen wäre. Es wird daher von google im Rahmen ihres Buchprogrammes kostenlos zur Verfügung gestellt. Hier noch einmal ein neuer Link zu dem Buch, diesmal über google.de, und nicht dem (englisch-sprachigen) amerikanischen google.com wie oben:

http://books.google.de/books?id=efgsAAAAYAAJ&printsec=titlepage

Ich kann das Buch ohne Probleme betrachten. Mit den Pfeilen oberhalb des Textes kann man von Seite zu Seite blättern. Ich konnte es auch herunterladen, durch Klicken auf "PDF" rechts oberhalb des Textes. Geduld, es ist eine lange Datei, da es über 600 Seiten sind.

Wenn mir hier noch andere von Schwierigkeiten berichten, mache ich mir Gedanken, wie ich das Buch sonst zur Verfügung stellen kann.

Arno
 
Jürgen Witkowski Am: 22.07.2009 18:14:21 Gelesen: 960453# 405 @  
@ Carolina Pegleg [#404]

Es scheint so zu sein, dass man auf das Buch von Deutschland aus nicht zugreifen kann. Ausser einigen wenigen Stichworten der Inhaltsangabe ist nichts an Informationen sichtbar. Ausserdem steht noch: Keine Vorschau verfügbar. Vielleicht kannst Du es mal mit dem direkten Link auf die PDF-Datei versuchen.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
HEFO58 Am: 22.07.2009 18:38:52 Gelesen: 960446# 406 @  
Hallo

Vielleicht ist bei Zeno.Org was interessantes zum Thema Rohrpost dabei u.a. sind da auch Zeichnungen zu sehen - http://www.zeno.org/Zeno/0/Suche?q=Rohrpost&k=Bibliothek

Gruß
Helmut
 
Carolina Pegleg Am: 22.07.2009 23:09:00 Gelesen: 960426# 407 @  
@ Concordia CA [#405]

Alles klar. Danke für die Info.

@ alle

Es tut mir leid für die Konfusion, aber ich bin da auch machtlos, wenn dieselbe Seite in Deutschland anders angezeigt wird, als hier. Offenbar erkennt die Seite von wo der Zugriff erfolgt und aus irgendwelchen (rechtlichen?) Gründen ist der Zugriff dann für bestimmte Länder gesperrt. Wundern tut es mich trotzdem, da hier ein Copyright Problem definitiv nicht besteht. Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, dass ich die PDF Datei irgendwo zum allgemeinen Zugriff raufladen kann. Zur Not schicke ich auch Interessenten gerne eine CD. Vorher suche ich aber erst nochmal nach einer anderen Lösung. Emailen klappt übrigens nicht. Mehrfach versucht. Trotz Komprimierung immer noch vielfach zu gross.
 
Carolina Pegleg Am: 23.07.2009 18:55:55 Gelesen: 960383# 408 @  
Ich habe das Buch nun woanders "abgelegt." Hier ein neuer Link, der jetzt funktionieren sollte. Ich habe dies mit der freundlichen Hilfe von HEFO58 getestet. Vielen Dank, Helmut!

Hier ist der Link:

http://www.filefactory.com/file/ahfb4f1/n/Development_of_the_pneumatic_tube_and_au_pdf

[Hinweis der Redaktion: Link leider nicht mehr aktiv - 09.05.2015]

Dort dann auf den Kasten "Free download" klicken. Dann gibt es einen 30 Sekunden Countdown und es erscheint der eigentliche Link "Click here to begin your download". Diese Zeile anklicken, und im erscheinenden Fenster dann "Speichern" wählen. Download wird ca. 5 Minuten dauern (geschätzt) da eben ein 600 Seiten Buch.

Es geht um das Buch "Development of the pneumatic-tube and automobile mail service," herausgegeben vom United States Congress, Joint Commission to Investigate the Pneumatic-Tube Mail Service, in 1917. Es enthält eine Vielzahl von Originaldokumente und Berichten die Einrichtung der amerikanischen Rohrpost betreffend. Ausländische Rohrposten (Berlin, London, Paris etc.) werden an verschiedenen Stellen im Zusammenhang diskutiert, vergleichsweise Kosten, vergleichsweise Technik und Leistungsfähigkeit etc. Eine Vielzahl der Dokumente betreffen natürlich auch die Ausschreibungen und Auftragsvergaben an die verschiedenen Unternehmen, die die Rohrposten in den verschiedenen Städten hier als Subunternehmer fur die Post betrieben haben. Sowas ist wahrscheinlich nur für den wirklichen Enthusiasten interessant. Es ist eine PDF Datei und lässt sich mit der Text-Suchfunktion leicht navigieren.

Wenn das jetzt nicht klappt, weiss ich es auch nicht mehr. Erfolgreich getestet wurde der Download in Deutschland jedenfalls wenigstens einmal.
 
Jürgen Witkowski Am: 23.07.2009 20:18:06 Gelesen: 960367# 409 @  
@ Carolina Pegleg [#408]

Toll, so hat es geklappt! Vielen Dank für Deine Mühe.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Postgeschichte Am: 23.07.2009 21:03:29 Gelesen: 960360# 410 @  
@ Carolina Pegleg [#408]

Hallo Arno,

hat wunderbar geklappt. Vielen Dank.

Gruß
Manfred
 
Schmuggler Am: 24.07.2009 14:24:45 Gelesen: 960311# 411 @  
@ Carolina Pegleg [#408]

Ich bin schlicht und einfach BEGEISTERT - auch wenn für mich mit einem Schlag gut 5 Jahre Archivarbeit in einem öffentlichen Link stecken.

Andererseits: Diese amerikanische Darstellung bestätigt viele von mir unveröffentlichte Details. Die Korrekturen und Ergänzungen zur 4. Auflage der CD über die Rohrpost beginnen.

Ferner ist es einfach faszinierend solche Rück- und Einblicke aus einem anderen Blickwinkel nach zulesen (bin aber erst auf Seite 40): Die Fülle von statistischem Material aus der frühen Zeit der europäischen und amerikanischen Postbeförderung mittels Pneumatik ist wohl einmalig!

Wenn es jemals einen Verdienstorden für die Rohrpost-Erforschung geben sollte - ich wüsste da einen sehr würdigen Kandidaten in den USA.

Kurz: DANKE C. P.!!
 
Carolina Pegleg Am: 24.07.2009 22:26:01 Gelesen: 960283# 412 @  
@ Schmuggler [#411]

Ich freue mich natürlich, wenn die Informationen in dem 1917er Bericht hilfreich sind, aber dass ist doch ein bisschen zu überschwänglich. ;)

Nach dieser Episode, also wieder zurück zu den philatelistischen / stempelkundlichen Aspekten der Rohrpost, die hier bislang schon so hervorragend diskutiert worden sind.
 
kauli Am: 25.07.2009 11:40:59 Gelesen: 960261# 413 @  
Ich lese ja den Rohrpostthread immer mit, da will ich auch mal was dazu beitragen.

Ein Telegramm, das etwas vom üblichen abweicht. Meistens sind ja nur die, wie von Concordia gezeigten, bekannt:



Innenseite:


 
reichswolf Am: 25.07.2009 12:08:35 Gelesen: 960252# 414 @  
@ kauli [#413]

Hallo kauli, es ist schön, hier mal wieder was von dir zu lesen!

Ich glaube allerdings, das trotz der polnischen Inschrift "Volks-Telegramm" kein solches vorliegt, sondern ein "normaler" Rohrpostbrief. Die verklebten 30 Pfennig bilden ja genau die Gebühr für einen Ortsbrief bis 20 g ab. Außerdem würde die Reichspost wohl keine polnischen Vordrucke verwendet haben.

Leider habe ich keine richtigen Polnischkenntnisse, aber wenn ich es richtig verstehe, handelt es sich bei der Bildüberschrift übrigens um einen Propaganda-Slogan für ein freies Polen.

Auf jeden Fall ist es ein schönes Stück!

Beste Grüße nach Berlin,
Christoph
 
kauli Am: 25.07.2009 19:26:04 Gelesen: 960222# 415 @  
@ reichswolf

Ich hatte schon mit so einer Antwort gerechnet. Sicher ist es kein Telegramm im herkömmlichen Sinne. Ist ja auch als Brief gelaufen.

Bloß, wenn man es genau nimmt auch kein Brief, Briefumschlag mit einer Nachricht.

Jedenfalls ein schöner Beleg, was alles so durch die Rohre befördert wurde.

Grüße
kauli
 
blaujacke Am: 26.07.2009 15:10:27 Gelesen: 960145# 416 @  
Habe wieder mal eine Frage an die Rohrpost-Fachleute: Warum wurde die nachstehende Rohrpost-Karte beim RPA 16 mit dem Ankunftsstempel entwertet? War der eigentliche Aufgabestempel vorübergehend nicht einsatzbereit?



Der Beleg dürfte doch wohl durch die beiden Abschläge des Ankunftsstempels vom RPA 12 als echt anzusehen sein. Der Absender hat den "22.6.80" als Datum angegeben.

Ich besitze eine weitere Karte mit Aufgabestempel "R 16/1" an einen anderen Adressaten, ebenfalls mit Ankunftsstempel des RPA 12 (R12/2).
 
Schmuggler Am: 26.07.2009 18:39:29 Gelesen: 960134# 417 @  
@ blaujacke [#416]

Die Vorlage ist absolut "echt": Die Entwertung des Wertstempels erfolgte vom R 16 zur 33 Fahrt des Tages, ergo gegen 15 Uhr. Ankunft im Rohrpostamt 12 mit der 35 Fahrt.

Diese (Ankunfts-) Stempelform wurde weiter oben mit 6/1879 erstmals und frühestens vorgestellt.

Für mich verblüffend ist das Datum: So früh (1880) habe ich noch Stempelausfall registrieren können! Die "Masse" ist zwischen 1886 - 1889 zu beobachten, kommt aber gelegentlich immer wieder mal vor.

@ kauli [#413]

Ich wäre nicht unglücklich, solch einen "Brief mit Zierzudruck" in meinem Bestand zu haben - habe ich aber nicht.

Kann ich den Textteil mal wg. der Sprache und eventuellen Übersetzung "klauen"? Ist soeben geschehen! :-))

In Berlin gab es vor dem 1. Weltkrieg eine sehr starke Kolonie von Russen und Polen. Kulturell haben beide Gruppen noch heute spür- und sichtbar Spuren hinterlassen. Die politische Begeisterung für ein "freies Polen" war auch in den liberalen Kreisen sehr aktuell. Kurz: Sooooo weit ist Dein Brief gar nicht von der Realität 1909 entfernt.

@ Carolina Pegleg [#412]

Nur keine falsche Bescheidenheit. Bin "schon" bei S. 152.

Nur das die Amerikaner schon damals so viel Englisch sprachen, lässt heute die digitalen Übersetzungsprogramme glühen. :-)) Alternativ: Hätte ich doch nur in der Schule besser mitgearbeitet, statt blau zu machen und mit den Mädchen am gegenüberliegenden Lyzeum zu poussieren ... :-((
 
Schmuggler Am: 26.07.2009 18:55:32 Gelesen: 960130# 418 @  
@ HEFO58 [#406]

In dem allgemeinen Pneumatik-Tube-Trubel sollst Du mit Deinem Beitrag aber nicht untergehen! Dafür erst einmal ein freundliches DANKE!

Wenn Du die Informationen aus den dort genannten Quellen (Meyers Konservationslexikon) mit den Artikeln und Beiträgen "hier" vergleichst, spürst Du den wesentlichen Unterschied: Die dort genannten Beiträge sind aus dem Zusammenhang gerissen und sind nur zur allgemeinen Information informativ. Hier sind wir wesentlich "weiter". :-))

Dieses "informative Lexikon-Wissen" zeichnete die letzten rund 100 Jahre die Rohrpost-Geschichte und -Sammlungen aus. Wie formulierte das ein Paketpostsammler so nett: "Postgeschichte ist das Wissen hinter dem katalogisierten Berg."

Naja, er war ja auch 'ne Zeit in Peking und Umgebung ...
 
Jürgen Witkowski Am: 27.07.2009 23:10:48 Gelesen: 960070# 419 @  
Nach dem II. Weltkrieg dauerte es bis zum 01.12.1951, bis das zerstörte Rohrpostnetz wieder der Öffentlichkeit übergeben werden konnte. Die Tarifstruktur war recht einfach - Postkarten und Briefe bis 20 Gramm kosteten 80 Pf., für Briefe über 20 bis 100 Gramm war 1,- DM zu entrichten. Da der alte Knotenpunkt HTA im Ostsektor lag, musste im im Postamt SW11 eine neue zentrale Verteilstelle für die 4 Linien des nun als Rorpost-Schnelldienst bezeichneten Dienstes geschaffen werden.

Stempelwolf hat mir die Erlaubnis erteilt, einen Beleg, den er in der Philaseiten Auktion anbietet, vorzustellen.

Es fällt zunächst auf, dass die Rohrpost nun mit grünen Aufklebern und Leitvermerken und einem liegenden Kreuz wie bei Eilbriefen arbeitet. Der Brief vom 15.12.1952 lief von Steglitz aus Linie B über die Verteilstelle im Postamt SW11 nach Neukölln in Linie A (Leitvermerk A/Nkö). Der Aufgabestempel zeigt die Uhrzeit 11.00, der Ankunftstempel auf der Rückseite 13.30 Uhr. Den typischen Botenstempel, hier "8", hat man aus früheren Zeiten beibehalten. Der Brief bis 20 g ist mit der MiNr. 55 zu 80 Pf. aus der Bautenserie frankiert.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Polen-Anton Am: 28.07.2009 20:18:37 Gelesen: 960030# 420 @  
Noch zu [#413]:

Der Text bedeutet:

Im Ausland, treu dem Vaterland!

Und nicht Volkstelegramm, sondern vielmehr: nationales Telegramm

Aber sicherlich ein schöner Beleg!

Schönen Gruss aus Holland,

Polen-Anton
 
Stempelwolf Am: 28.07.2009 23:16:27 Gelesen: 960003# 421 @  
@ Concordia CA [#419]

Hallo Jürgen,

whow! So hätte ich diesen Beleg niemals beschreiben können. Da hast Du ja bestens recherchiert und dabei diese tollen Hintergrundinformationen herausgearbeitet. Herzlichen Dank für diese schöne Beschreibung.

Beste Grüße
Wolfgang
 
Jürgen Witkowski Am: 28.07.2009 23:32:02 Gelesen: 959999# 422 @  
@ Stempelwolf [#421]

Danke für die Blumen. Ein Fehler in der Beschreibung ist mir gerade erst aufgefallen: Der Absender wohnte zwar in Steglitz, aufgegeben wurde der Brief jedoch im Postamt Berlin-Schöneberg 1, dass 2 Stationen näher am Postamt SW11 lag.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Schmuggler Am: 01.08.2009 10:19:57 Gelesen: 959782# 423 @  
@ kauli [#413] und @ Polen-Anton [#420]

Mit etwas Verzögerung die deutsche Übersetzung zu dem Text, vollzogen von Stanlay aus dem "Briefmarkencafe":

An einem so wichtigen Tag übersende ich "anerkennend" die allerherzlichsten Grüße.
Damit die Entwicklung zur vollsten Zufriedenheit der "stolzen" Eltern verläuft.

Dies wünscht .....


Zwei markierte Worte sind nicht eindeutig lesbar; sie "könnten" wahrscheinlich so lauten.

Nur weiter so! :-))
 
Schmuggler Am: 01.08.2009 12:21:48 Gelesen: 959770# 424 @  
@ Carolina Pegleg [#412]

Geschafft!! :-))

Ein kurzes, allgemeines Resumee:

Dieser Link ist für einen amerikanischen Rohrpost-Interessierten ein unbezahlbarer Tipp, da der zusammenfassende Inhalt wesentliche und frühe Strukturen der dortigen US-Rohrpost aufzeigt; siehe Inhaltsverzeichnis. Besonders die verständlichen Bestrebungen der Postverwaltung zu einer "besonderen Rohrpostgebühr" nach europäischem Vorbild ist wirklich hochinteressant - aber für einen nicht-englisch-sprechenden Leser erst einmal recht mühsam; da sich aber viele Begriffe permanent wiederholen, wirds sprachlich immer "glatter". Die bei den Botschaftern des jeweiligen Landes eingeholten Beurteilungen zur Rohrpost spiegeln die politischen und kommerziellen Interessen sehr interessant wider. Besonders zu New York.

Die Rohrpost in Berlin wird an den europäischen Beispielen "etwas" zu hoch bewertet, z. B. mit dem Vergleich, dass die Österreicher erst die Berliner Anlage beguckten, um sodann ihre Anlage zu bauen.

Ein gegenseitiges "begucken" und technische Neugierde ist grundsätzlich nachvollziehbar, aber in der damaligen Realität haben die österreichischen und französischen Ingenieure die wesentlichen Bausteine zur Berliner Rohrpost gelegt - u. a. wurden die 1876 dort eingeführten Maschinen von "Crispin & Felbinger" konstruiert, gebaut und patentiert (in dieser Reihenfolge!) - und nicht von "Siemens & Halske".

Auch die interne Münchner Rohrpost wurde z. B. nicht erwähnt, obwohl sie seit 1876 im Einsatz war. Frankfurt (ab 1908) dagegen wurde zitiert.

Insgesamt gibt es in dem Dokument keine wesentlichen neuen Erkenntnisse zur Berliner Rohrpost - aber viele, viele unbekannte technische Details und statistisches Material ergänzen die bestehenden Übersichten (vorsichtig ausgedrückt) "ungemein". :-))

Sollte ein amerikanischer Interessent die Google-Seiten "begucken", dann hat er via "http://www.google-books.com"; nicht die eingangs festgestellten Probleme mit dem angeblichen "Urheber"-Problem (o.ä.).

Von Interesse meinerseits wäre die laienhafte Frage und Versuch, weitere bei google-books verzeichnete Werke auf diese Weise für einen Zugriff (und Ausdruck) zu erreichen. WER kann und möchte mit entsprechenden Tipps mir (und möglicherweise anderen Interessenten) "seniorenfreundlich" dabei helfen ?
 
Schmuggler Am: 01.08.2009 12:46:41 Gelesen: 959769# 425 @  
Bei ebay.de sind vor wenigen Tagen 2 Losen der scheinbar kompletten Archiv-Bestände zur Hamburger Groß-Rohrpost (ab 1909) verkauft worden.

Da der Käufer, wie wohl allgemein bekannt, dort 90 Tage "anonymisiert" ist, bleibt nur der Versuch mittels der dort getätigten Käufe/Verkäufe zu lokalisieren. Geht aber leider und häufig schief ... :-((

Meine Vermutung, Frage und Bitte:

Es besteht die Möglichkeit, dass der Erwerber der Unterlagen sich auch hier im Hintergrund mitinformiert. Ist ja auch so i.O. und völlig korrekt.

Ein Rohrpost-Autor, welcher z. Zt. eine Ausarbeitung über diese "Groß-Rohrpost" schreibt, befand sich während der Auktion schnur- und computerlos auf Urlaub und ist ergo aktuell sehr verzweifelt.

Kann und möchte der oben genannte eBay-Kunde diese Unterlagen nach gegenseitiger Absprache und Informationsaustausch dem Autor zur Verfügung stellen und/oder austauschen ?

Ich stehe gerne als Vermittler - ohne Eigeninteresse - zur Verfügung. Kontakt bitte über die Mailadresse in den Philaseiten.de
 
blaujacke Am: 11.08.2009 22:22:42 Gelesen: 959345# 426 @  
@ joey [#208]
@ Schmuggler [#209]



Hier noch ein früherer Beleg einer Eisenbahn-Depesche vom 24.05.1879 (Aufgabe beim T.A. V)

Frage zum nächsten Beleg:



Welche Bedeutung hatte der Rahmenstempel "Börse"?

Ich habe zwei weitere Belege, jeweils mit Aufgabestempel T 2 (R 9). Der gezeigte Beleg ist in der Börse eingegangen. Wurde der Stempel in der Börse benutzt, müsste er also in letzterem Falle beim Eingang, in den anderen beim Abgang aufgesetzt worden sein.

Zu guter letzt ein Rohrpostbrief vom 02.10.1918:



Wie erklärt sich die Gebühr von 41 1/2 Pf.? Waren 35 Pf. nicht ausreichend?
 
Postgeschichte Am: 11.08.2009 23:10:10 Gelesen: 959330# 427 @  
@ blaujacke [#426]

Hallo blaujacke,

ergibt sich aus dem Inhalt des ersten Briefes, daß es sich um eine Eisenbahn-Depesche handelte? Aus dem handschriftlichen Vermerk lese ich "Einliegend Drucksache".

Gruß
Manfred
 
blaujacke Am: 11.08.2009 23:47:10 Gelesen: 959328# 428 @  
@ Postgeschichte [#427]

Hallo Manfred,

ich denke schon, dass es (in Sütterlin-Schrift!) "Einliegend Depesche" heißt! Den Inhalt besitze ich (leider) nicht.

Gruß und Gute Nacht
Uwe
 
Jürgen Witkowski Am: 12.08.2009 00:06:22 Gelesen: 959315# 429 @  
@ blaujacke [#428]

In den Beiträgen [#557] und [#157] wurde zum Thema Eisenbahn-Depesche schon einmal etwas geschrieben. Es sollte auch für diesen Beleg zutreffen.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Schmuggler Am: 12.08.2009 10:01:47 Gelesen: 959291# 430 @  
@ blaujacke [#426]

Ich fange einfach mal mit dem zuletzt gezeigten Beleg vom 2.10.1918 an - da gibts am meisten zu erklären und schreiben:

Es geht bei diesem Rohrpostbrief um das Thema "Reichsabgabe". Wir haben allgemein bereits über das Thema gesprochen, finde aber spontan in der bisherigen Themenvielfalt nicht die passenden Nummern dazu.

In den Porto- und Gebührenübersichten ab 1.8.1916 bis 31.9.1919 wird für fast alle Sendungsarten eine zeitlich befristete "Reichsabgabe" von unterschiedlicher Höhe in die bisherigen Friedens-Porti und -Gebühren eingerechnet.

In der Rohrpost betrug die Höhe der Reichsabgabe pauschal 5 Pfennig pro Sendung, d.h. die Karte kostete ab 1.8.1916 jetzt 30 (statt 25) und der Brief 35 (statt 30) Pfennig Rohrpostgebühr.

Kurz: Die gezeigte Rohrpostgebühr innerhalb des Rohrpostbezirks betrug letztendlich genau den Wertstempel mit 35 Pfennig.

Diese auch heute für manchen Sammler schwer nachvollziehbare Situation führte natürlich bei dem damaligen Postkunden ebenfalls für Verwirrung; in dem gezeigten Fall hat der Absender mit höchster Wahrscheinlichkeit die Rohrpostgebühr mit "+ Reichsabgabe 7 1/2 Pfennig für eine Briefsendung" daheim verklebt. Eventuelle Kosteneinwände für die zuviel verklebte Gebühr durch die Ehefrau wurden vermutlich mit Hinweis auf die aktuelle Frontlage plus nationaler Unterstützungspflicht vom Küchen- oder Couchtisch gefegt.

Der Reichspost, der flossen in Wirklichkeit die Abgabe statt einer notwendigen Porto- und Gebührenerhöhung zu, war es mehr als Recht - hat nur nichts genützt.

Nochmals der Tipp für Portostufen-Fetischisten und -Interessierte:

Wurde eine eventuelles Weiterleitungsporto "aus dem Rohrpostnetz heraus" benötigt, entfiel in diesem Augenblick die 2. Abgabe der Reichsabgabe; die einmalige Reichsabgabe war ja bereits in der Rohrpostgebühr verankert - ergo ist das Weiterleitungsporto ohne Reichsabgabe. Ist zu 99% bei allen mir bekannten Belegen dieser Art so falsch frankiert.

Noch ein kleiner Hinweis zu der gezeigten Depeschenbeförderung von 1879: "Die Sütterlinschriften, meist auch einfach Sütterlin genannt, sind zwei 1911 im Auftrag des preußischen Kultur- und Schulministeriums von Ludwig Sütterlin entwickelte Ausgangsschriften. Neben der bekannteren deutschen Sütterlinschrift, die eine spezielle Form der deutschen Kurrentschrift ist, entwickelte Ludwig Sütterlin auch eine weniger bekannte, stilistisch vergleichbare lateinische Sütterlinschrift."

Quelle: Wikipedia.de

Der R1-Stempel "Börse" in blauer oder schwarzer Farbe wurde auch bereits oben besprochen. Was mich in richtigen Erklärungsnotstand bringt, ist die Stempelzeit und -farbe "1877" statt "1888/89" ... - eines von beiden muß unrichtig /falsch sein - nur welches ? Könnte jetzt ein Ganzsachensammler aufgrund des Wertstempels vermutlich mehr sagen ?

Wo isser ?
 
blaujacke Am: 12.08.2009 22:00:27 Gelesen: 959231# 431 @  
@ Schmuggler [#430]

Mir brennen mittlerweile die Augen, nachdem ich alle Rohrpost-Beiträge zum wiederholten Male durchgesucht habe; aber Aussagen zu dem Rahmenstempel "Börse" konnte ich nicht finden! Werde ich geholfen?

Danke, sagt blaujacke
 
Schmuggler Am: 13.08.2009 10:29:26 Gelesen: 959204# 432 @  
@ blaujacke [#431]

Ich habe z. Zt. auch nicht den Nerv wg. dem Beitrag alles abzuklappern.
Deswegen kurz und schmerzlos zusammenfassend und neu:

In den Jahren 1888 und 1889 verwendete das Rohrpostamt am Telegraphenamt II (= TA 2/RP 9) einen anfangs blauen R1 Nebenstempel mit der Inschrift "Börse"; will sagen, dass der bekannte bisherige Rohrpost Brückenstempel als Entwertungs- und Eingangsstempel weiterhin im Gebrauch ist - aber während dieser Zeit nicht der von diesem Rohrpostamt bereits früher verwendete und bekannte Stempel der Stempelautomation mit Minutenzeit! Mehr kann möglicherweise Concordia dazu beitragen.

Der bisher nachgewiesene Verwendungszeitraum ist von ca. 6/88 bis ca. 10/89. In dieser Zeitspanne schwankt die Stempelfarbe von anfangs hellblau über dunkelblau bis letztendlich schwarz. Eine Verwendung zu einer abweichenden Zeit ist bisher nicht bekannt geworden - weder früher noch später.

Festhalten möchte ich:

- Die von Dir gezeigte Karte ist für mich, nach optischer Einschätzung der Stempel, von 1877 und eine im Papier "helle RP 2" - wenngleich erstaunlich und ausserordentlich früh, denn die Masse dieser Farbe und dieser hellen Karte erscheinen erst ab 1878/79 ...

- Zum Wertstempel kann ich nichts sagen.

- Die beiden Stempel von NO 43 sind erst laut KBHW ca. 3 Monate im Gebrauch, aber zumindest optisch für das Alter schon verblüffend abgegriffen. Entwertungs und Ankunftsstempel (lt. Position) sind vom gleichen Postamt.

- Dieses Briefpostamt wurde bereits 12/1876 an das Rohrpostnetz angeschlossen, verwendete aber noch keinen eigenständigen Rohrpoststempel. Die Entwertung ist ergo grundsätzlich zeitgerecht.

- Ein weiterer Ankunftsstempel (ausser "Börse") sehe ich nicht. Der Leitvermerk in blauer Farbe ist korrekt mit R 9 angebracht.

Jetzt pack ich erstmal meine Koffer weiter - sonst bekomme ich plötzlich ein ganz anderes "Problem" ...
 
blaujacke Am: 13.08.2009 17:38:18 Gelesen: 959177# 433 @  
@ Schmuggler [#432]

Herzlichen Dank und dann einen schönen Urlaub, so dieser denn ansteht!

Zu der gezeigten Karte kann ich sagen, dass es sich vom Format her um eine RP 1 handelt!
 
Jürgen Witkowski Am: 13.08.2009 23:46:14 Gelesen: 959129# 434 @  
@ joey [#359]

Gerade habe ich beim Sortieren auch einen dieser "Botenstempel" entdeckt, die mit Sternen versehen sind. Der Beleg vom 30.IV.02 mit dem Stempel *5* weist aber, bis auf eine undefinierbare handschriftliche Notiz auf der Rückseite, keinerlei Merkmale auf, die auf eine Bearbeitung durch die Rückbriefstelle hindeuten würden.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
DerLu Am: 14.08.2009 07:52:16 Gelesen: 959110# 435 @  
@ Concordia CA [#434]

Auch in meiner Sammlung befindet sich ein Brief mit einem solchen Stempel, bei mir '*4*'. Der von dir gezeigte Brief hatte eine Laufzeit von knapp 20 Minuten, meiner von 30 Minuten. Für mich eigentlich zu kurz für eine Bearbeitung durch die Rückbriefstelle.

Der von mir gezeigte Brief ging an die Redaktion einer großen Berliner Zeitung, daher dachte zuerst an einen Bearbeitungsstempel der Zeitungsredaktion o.ä.. Da deren Adresse sicherlich bei den Boten sehr gut bekannt war gab es m.M. keinen Grund den Brief über die Rückbriefstelle laufen zu lassen falls z.B. die Hausnummer falsch gewesen wäre.

Anzumerken wäre noch, dass beide Brief aus dem Jahr 1902 stammen und vom PA 12 zugestellt wurden.



mit besten Grüßen

DerLu
 
blaujacke Am: 14.08.2009 09:00:16 Gelesen: 959107# 436 @  
@ Concordia CA [#434]
@ DerLu [#435]



Nun spricht ja wohl alles für einen Botenbestellstempel beim PA 12 oder ?
 
DerLu Am: 14.08.2009 16:32:36 Gelesen: 959077# 437 @  
@ blaujacke [#436]

Auf den ersten Blick ja, und ich persönlich glaube auch nicht, dass es sich in diesen Fällen um Stempel der Sachbearbeiter der Rückbriefstelle handelt. Was mir aber doch zu Denken gibt ist die abweichende Stempelfarbe: die überwiegende Mehrheit der Botenstempel sind schwarz, ganz wenige blau bzw. blau/schwarz. Diese sind aber violett!

Vielleicht von Interesse: Ich habe einen Beleg aus dem Jahre 1905 der vom PA 12 zugestellt wurde: dort ist die '5' wieder ein "normaler" Botenstempel.
 
blaujacke Am: 15.08.2009 22:40:57 Gelesen: 959003# 438 @  
@ DerLu [#437]

Die drei hier bislang gezeigten vermeintlichen Botenstempel haben anders gestaltete Sterne als der von joey in [#359] gezeigte!

Den Botenstempel (?) mit Stern haben wir hier vom 30.04.02 (Nr. 5), vom 06.06.02 (Nr. 4) und vom 11.06.04 (Nr. 6)gesehen. Gibt es mehrere?

Ich habe meine Belege mit Ankunftstempel des PA 12 durchgesehen und komme zu folgendem Ergebnis:

- 9 Belege aus dem Zeitraum 24.11.86 - 05.02.02 ohne Botenstempel
- 2 Belege 21.11.03 und 13.05.05 mit normalem Botenstempel

Daraus ließe sich schließen, der Botenstempel mit Stern kam zuerst zum Einsatz und wurde ab 1903 (?) noch übergangsweise genutzt.

Ob nun alle Leser einmal Ihre entsprechenden Rohrpostbelege anschauen und die Ergebnisse melden?
 
DerLu Am: 16.08.2009 11:29:23 Gelesen: 958967# 439 @  
@ blaujacke [#438]

Meine Statistik der "PA12-Belege":

2 Belege 14.11.1901 und 19.12.1901 ohne Botenstempel

1 Beleg 6.6.1902 mit '*4*' - Stempel -> [#435]

2 Belege 19.3.1905 und 25.03.1905 mit normalem Botenstempel
1 Beleg 6.6.1921 ohne Botenstempel

M.W. wurden de Botenstempel erst 1901 eingeführt, daher habe ich die Belege vor 1900 nicht aufgeführt (sind alle ohne Botenstempel).
 
Jürgen Witkowski Am: 16.08.2009 21:38:13 Gelesen: 958946# 440 @  
@ blaujacke [#438]

Meine Sichtung der Rohrpostbelege mit Ankunftstempel vom PA12 wird die Klärung nicht weiter beschleunigen:

4 Belege von 1881 - 1896 sind wie erwartet ohne Botenstempel.
1 Beleg vom 30.04.1902 hat den bereits gezeigten Botenstempel *5*.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Postgeschichte Am: 16.08.2009 22:43:55 Gelesen: 958926# 441 @  
@ blaujacke [#438]

Meine beiden Belege an das Postamt 12 vom 5.12.00 und 15.11.11 tragen keine Botenstempel. Da sie beide an das Wolffbureau gerichtet sind, besteht auch die Möglichkeit, daß dieses Abholer beim Postamt 12 war und daher der Botenstempel schon aus diesem Grund entfiel.

Mit besten Sammlergrüßen
Manfred
 
kauli Am: 18.08.2009 23:59:25 Gelesen: 958864# 442 @  
Erstmal Danke an alle die zur Übersetzung des Telegrammes beigetragen haben.

Der Rohrpost Thread ist wirklich Super.

Hier ein Brief der wohl Portofreiheit genossen hat:


 
DerLu Am: 21.08.2009 18:08:17 Gelesen: 958782# 443 @  
Zu folgendem Beleg habe ich eine Frage:

Die Karte lief am 7.7.1923 vom PA 9 nach Grunewald. Nach meinen Unterlagen betrug zu diesem Zeitpunkt (PP 14) das Porto für eine Rohrpostkarte innerhalb Berlins 520 Mark, verklebt sind aber 525 Mark, also 5 Mark zu viel. Da die "5 Mark zu viel" quasi als extra Marke verklebt sind scheint sich der Absender wohl etwas dabei gedacht zu haben. Weiß jemand warum, oder übersehe ich etwas ?


 
Schmuggler Am: 02.09.2009 08:53:57 Gelesen: 958551# 444 @  
@ DerLu [#443]

Nein - Du hast defintitiv und postalisch-logisch nichts übersehen: Grunewald kam 1901 in den Nachbar-Ortsverkehr zu Berlin, kam 1912 in den Rohrpostbezirk und mit den vielen anderen Postorten 1920 zu Gross-Berlin.

Ergo betrug am 7.7.1923 die Rohrpostgebühr für eine Postkarte 520 Mark. Die eventuelle Vermutung, dass in der Gebührenübersicht von Oechsner auch diese Gebührenperiode falsch oder fehlerhaft sein könnte (analog zur 22. Periode), kann ich nicht bestätigen.

Ferner gab es eine möglicherweise angedachte Bestellgebühr für gewöhnliche Sendungen in den Land-Bestellbereich ab 1920 nicht mehr. Ich sage dass so konzentriert, da die eventuell gewünschte Land-Eilbestellgebühr innerhalb von Gross-Berlin (gabs!) hätte frankiert oder taxiert sein müssen; die "Bettinastr." lag jedoch fast mittig in der adressierten Kolonie.

Kurzum: Es sind definitiv 5 Mark, d.h. ca. 5 Pfennig Kaufkraft zu dieser Zeit, zuviel+zusätzlich verklebt worden. Das WIESO und WARUM bleibt bis auf Widerruf ungeklärt.
 
Schmuggler Am: 02.09.2009 09:16:49 Gelesen: 958546# 445 @  
@ kauli [#442]

Darf ich dezent und freundlich etwas korrigieren ?

"Die Post" hatte nie eine Porto- und Gebührenfreiheit! Auch wenns erst einmal verrückt klingt: So isses.

Es wurde ihr aber formal "in eigenen dienstlichen Angelegegenheiten" zugestanden, im Sinne der kameralistischen Kassenführung kein Porto bzw, Gebühr zu zeigen/verrechnen.

Damit die Darstellung nicht ganz so gestelzt und abgehoben klingt, kurz die allgemeinen, historischen Erläuterungen dazu: Vor 1868 war die damalige Post fast pleite. Die einerseits ausufernde Verteilung von postalischen "Freiheiten" an jedermann und jeden war die Ursache. Entsprechend "scharf, kantig" und korrekt wurden die neuen Freiheiten von 1868 formuliert - und im Laufe der Zeit kaum aufgeweicht!

Andererseits war es nachvollziehbar recht Aufwändig, wenn für jeden internen Vorgang eine Briefmarke o.ä. hätte verklebt werden müssen. So wurde im entsprechenden Gesetz ein entsprechender Paragraph mit der elastischen Formulierung (siehe oben) verankert.

So ganz nebenbei und Rohrpost bezogen: Es gibt einige K.A.-Briefumschläge (= eine "Königliche Angelegenheit" mit Porto- und Gebührenfreiheit), welche dennoch frankiert sind - meist auf dem vorgedruckten K.A. links unten: In diesem Fall wurden dienstliche Briefumschläge sehr korrekt für nicht-dienstliche Angelegenheiten frankiert.
 
DerLu Am: 04.09.2009 08:29:36 Gelesen: 958451# 446 @  
@ Schmuggler [#444]

Kurzum: Es sind definitiv 5 Mark, d.h. ca. 5 Pfennig Kaufkraft zu dieser Zeit, zuviel+zusätzlich verklebt worden. das WIESO und WARUM bleibt bis auf Widerruf ungeklärt.

Danke für die Ausführungen, Kaufkraft hin oder her, damit ist die Karte aber überfrankiert. :-(
 
kauli Am: 06.09.2009 22:21:58 Gelesen: 958360# 447 @  
@ Schmuggler

Danke für die Information, so tief stecke ich in der Rohrpostmaterie nicht drin. Hab zwar etwas Literatur, da steht darüber nichts drin.

Rohrpost läuft im Rahmen meiner Berliner PA Sammlung mit. Hätte ich nicht gedacht, aber man hatte dann doch einen Weg gefunden die Frankatur einzusparen.

Gruß kauli
 
Postgeschichte Am: 07.09.2009 01:11:38 Gelesen: 958351# 448 @  
@ Schmuggler [#445]

Hallo Schmuggler,

schön, daß es Dir wieder besser geht und wir Dein Wissen zum Thema Rohrpost wieder "anzapfen" können.

Die von Kauli [# 440] gezeigte Postsache finde ich sehr schön. Deine Aussage

"Die Post" hatte nie eine Porto- und Gebührenfreiheit! Auch wenns erst einmal verrückt klingt: So isses.

möchte ich nach den mir vorliegenden Unterlagen etwas ergänzen.

Es ist richtig, daß die Portofreiheiten 1869 neu geregelt wurden. Welche Sendungen danach innerhalb des Deutschen Reichs noch Portofreiheit genossen, ergibt sich aus dem Portofreiheitsgesetz vom 5. Juni 1869 und dem vom vormaligen "General-Postamt erlassenen Regulativ über die Portofreiheiten" vom 15.12.1869. Nach diesem Gesetz waren alle bisherigen Portofreiheiten bis auf wenige Ausnahmen abgeschafft.

Die Portofreiheit für Postdienst-Angelegenheiten blieben aber weiter bestehen!! Dies ergibt sich aus der Anlage 2 zu dem vom General-Postmeister erlassenen Regulativ. Hier heißt es kurz und bündig:

§ 1 Portofreithum in Postdienst-Angelegenheiten
Die Correspondenz in Postdienst-Angelegenheiten wird allgemein portofrei behandelt.


Es wird zwar nicht davon gesprochen daß die Post Portofreiheit genießt, aber die Sendungen wurden als portofrei behandelt. Also quasi doch Portofreiheit in Postdienst-Angelegenheiten. Auch im Weltpostverkehr waren diese Sendungen gebührenfrei (Art. 11 des Weltpostvertrages von Rom am 26.5.1906). Ein weiteres Beispiel für die gebührenfreie Versendung sind die Postscheckbriefe. Die Gebührenfreiheit ist im Postscheckgesetz verankert.

Mit philatelistischen Gruß
Manfred
 
blaujacke Am: 11.09.2009 20:12:14 Gelesen: 958197# 449 @  
Und immer wieder geben mir die Rohrpostbelege Rätsel auf.

Die RP-Karte wurde am 18.02.00, 11.20 V., beim PA25/R36 aufgegeben. Ankunft Schöneberg, 18.02.00 12- V, Stempelung 5-Pf.-Marke Schöneberg, 18.02.00,12.10 N (!)

Nach meinem bislang Erlernten (Philaseiten sei Dank): Schöneberg lag im Rohrpostbezirk Berlin. Die RP-Karten-Gebühr dürfte demzufolge doch 25 Pf betragen haben ? Wo wurde (Entwertung in Schöneberg!) warum die Marke aufgeklebt?
 
blaujacke Am: 11.09.2009 20:29:34 Gelesen: 958190# 450 @  
Mir hat die Technik einen Streich gespielt! Ich versuche es nochmals mit dem Scan des Beleges:


 
Schmuggler Am: 12.09.2009 09:30:46 Gelesen: 958168# 451 @  
@ blaujacke [#449]

Schöneberg wurde bereits im Januar 1894 an das Rohrpostnetz - ganz richtig erkannt! - angeschlossen.

Die Karte ging ursprünglich um 11,20 Uhr in Berlin ab nach Schöneberg (rotes "SCH"). Ankunft dort gegen 12 Uhr. Einen adressierten Empfänger kann ich nicht sehen/erkennen/lesen.

Nur ca. 10 Minuten später erhielt die Sendung in Schöneberg ein vermutliches Porto von 5 Pfennig für die Briefpostbeförderung nach Berlin - die Anschrift lautete "W., Ludwigstr. 4".

Einen Bestellstempel in Berlin kann ich nicht erkennen.

Egal was man jetzt vermutet: Es passt letztendlich nicht 100%ig zu der Gesamtdarstellung und ist so nicht komplett nachvollziehbar. Alleine die Zeitdifferenz in Schöneberg zwischen eintreffen und wiederaufgabe der Sendung in nur 10 Minuten ist absoluter Weltrekord; man meint ja fast, dass der ursprüngliche Adressat nur auf die Karte gewartet habe um sie sofort neu zu addressieren und wieder abzusenden.

Woher wusste der Empfänger vom eintreffen der Sendung zu der Uhrzeit am Postamt? Per Telefon? - dann hätte er auch ebenso schnell damit rückantworten können!
 
blaujacke Am: 12.09.2009 09:46:50 Gelesen: 958165# 452 @  
@ Schmuggler [#451]

Ich erlaube mir zu widersprechen!

In der Vergrößerung des Beleges ist die Anschrift erkennbar: Aug. Junge, städt. Lehrer (?), Belziger Str. 4, I. Aufg.

Die Belziger Str. liegt in Schöneberg. Das "W" auf der Adresse kann ich mir nicht erklären.

Ich wünsche ein schönes Wochenende!
 
Schmuggler Am: 12.09.2009 16:03:21 Gelesen: 958140# 453 @  
@ blaujacke [#452]

Begründeter Widerruf ist immer gut - und er war es!

Ich habe mich von dem "W." leiten lassen, ohne den Kopf zu benutzen. Trotzdem kann ich mir die Nachfrankierung nicht erklären; es gibt für mich keinen erkennbaren Grund für die verschenkten 5 Pfennig. Im Prinzip das gleiche Ergebnis wie im Beitrag [#446] von DerLu.
 
Schmuggler Am: 12.09.2009 16:52:14 Gelesen: 958136# 454 @  
@ Postgeschichte [#448]

Nachdem ich jetzt intensiv mich mit dem Thema beschäftigt, diverse befreundete ArGe - Mitglieder kontaktiert und das mir vorliegende Material gesichtet habe, muß ich Dir wohl letztendlich Recht geben.

Das Seltsame an dem Vorgang ist z. Zt. für mich noch, dass dieser korrekt zitierte § 1 in dieser Form niemandem bekannt ist bzw. vorliegt; mir wird diese Passage erstmals in einem Posthandbuch von 1875 bestätigt, gedruckt von R. v. Decker im Verlag der Königlichen Geheimen Ober-Hofdruckerei, mit der Hauptüberschrift: "Sammlung der auf das Postwesen des Deutschen Reichs bezüglichen Gesetze, der Postordnung etc.".

In dem Unterkapitel A. wird vor § 1. zitiert: "Portofreiheiten, welche auf besonderen, mit einzelnen Regierungen oder Postverwaltungen abgeschlossenen Verträge oder Übereinkommen beruhen".

Der soeben zitierte § 1. hat die Überschrift: " Portofreiheiten in Postdienst-Angelegenheiten." und wird in Folge genannt: "Der Schriftwechsel in Postdienst-Angelegenheiten wird allgemein portofrei behandelt."

Gleichwohl bleiben zu meiner Darstellungen Fragen offen, welche für das allgemeine Rohrpostverständnis aber letztendlich nicht relevant sind. Ebenso möchte ich eine theoretische Diskussion vermeiden. Kurz: Es ist ohne Begründung real richtig, dass die Post in eigenen dienstlichen Angelegenheiten weder Porto noch Gebühr zeigte; das betrifft auch den dienstlichen Schriftverkehr mit Privat bzw. dem Postkunden. In wieweit dieser Vorgang als "Porto- und Gebührenfreiheit" verstanden werden muß, bleibt meinerseits offen.

Die von mir zitierte Seite 1

und Seite 2
 
Schmuggler Am: 12.09.2009 17:30:24 Gelesen: 958127# 455 @  
Im aktuellen Auktionsgeschehen ist mir ein Los "etwas" aufgefallen und sollte den Leser sensibilisieren:



Ein um 70% (!!) optisch reduzierte "Rohrpostkarte", korrekt (!!) am 31.5.1921 mit 2 (!!) Markenheftchenseiten plus Ergänzungen zum Wertstempel frankiert.
Eine Frankierung für die Rohrpostbeförderung ist mir mit einer kompletten Markenheftchenseite grundsätzlich nicht bekannt gewesen - mit gar 2 Markenheftchenseiten noch viel weniger ... Das dadurch entstehende und gezeigte Format ist wohl auch bisher einmalig ...

Schaut man sich jedoch die Stempel an, könnte man sich fragen, welchen Sinn es haben soll im Ortsverkehr von Schöneberg solch eine Karte zu versenden: Es gab zu dieser Zeit dort nur 1 Rohrpostamt ...

Wem das Stück letztendlich vermutlich ca. 100 EUR wert sein sollte, kann sich gerne vertrauensvoll zwecks Auktionsnachweis an mich wenden.
 
Postgeschichte Am: 12.09.2009 19:00:20 Gelesen: 958107# 456 @  
@ Schmuggler [#454]

Das Seltsame an dem Vorgang ist z. Zt. für mich noch, dass dieser korrekt zitierte § 1 in dieser Form niemandem bekannt ist bzw. vorliegt;

Mir ist der § 1 bekannt und liegt mir auch im Original vor, lässt sich auf Grund der Bindung nur schlecht kopieren. Daher hatte ich zitiert.

Gruß
Manfred
 
Schmuggler Am: 12.09.2009 19:21:56 Gelesen: 958099# 457 @  
@ Postgeschichte [#456]

O.k. - dann korrigiere ich den Satz um "die von mir befragten Sammler" statt "niemand". So sollte es auch im Zusammenhang verstanden werden und nicht als eine mögliche Spitze o. ä. gegen Dich und Deine Unterstützung: Ich wollte nur aufzeigen und belegen, warum und wie ein Mißverständnis und Fehlformulierung durch unterschiedliche oder gar nicht-vorhandene Buchbestände entstehen kann.
 
Postgeschichte Am: 12.09.2009 20:03:11 Gelesen: 958091# 458 @  
@ Schmuggler [#457]

Ich hatte es auch nicht als Spitze verstanden. Ältere Amtsblätter und Verfügungen sind nicht so häufig vorhanden und man muß mit Kopien vorlieb nehmen. Ich bin froh, daß ich zahlreiche Vorschriften im Original vorliegen habe.

Gruß
Manfred
 
Postgeschichte Am: 14.09.2009 13:13:31 Gelesen: 958010# 459 @  
@ Schmuggler [#457]

Im Beitrag [#448] hatte ich den Nachweis der Portofreiheit in Postdienst-Angelegenheiten erbracht. Du schreibst darauf hin u.a. in Deinem Beitrag [#454]:

Gleichwohl bleiben zu meiner Darstellungen Fragen offen, welche für das allgemeine Rohrpostverständnis aber letztendlich nicht relevant sind. Ebenso möchte ich eine theoretische Diskussion vermeiden. Kurz: Es ist ohne Begründung real richtig, dass die Post in eigenen dienstlichen Angelegenheiten weder Porto noch Gebühr zeigte; das betrifft auch den dienstlichen Schriftverkehr mit Privat bzw. dem Postkunden. In wieweit dieser Vorgang als "Porto- und Gebührenfreiheit" verstanden werden muß, bleibt meinerseits offen.

Da Du noch immer Zweifel an der Gebührenfreiheit in Rohrpostangelegenheiten, bzw. keine Fundstelle hierzu hast, kann ich die möglichen Zweifel eventuell zerstreuen. Die Gebührenfreiheit für Rohrpostsendungen ist in der Rohrpost-Betriebs-Ordnung geregelt.

§ 5.

Rohrpostbriefe und Rohrpostkarten genießen nur dann Gebührenfreiheit, wenn sie in Angelegenheiten der regierenden Fürsten des Deutschen Reichs, deren Gemahlinnen und Witwen oder unter der Bezeichnung Post- bz. Telegraphensache abgesandt werden.


Damit dürften Deine Zweifel hinsichtlich der Gebührenfreiheit in Rohrpost-Angelegenheiten zerstreut und eine mögliche Diskussion über die Begriffe "Porto" und "Gebühr" überflüssig sein.

Gruß
Manfred
 
Schmuggler Am: 15.09.2009 12:23:21 Gelesen: 957965# 460 @  
@ Postgeschichte [#459]

Manchmal liegt alles so nah und dicht vor der Nase, auf dem Schreibtisch oder in dem Regal - und man findet dennoch nicht die Lösung. :-((

Haste wirklich "gut" gemacht - meine Anerkennung! :-))

Das Thema "Porto und Gebühr" greife ich (zumindest im Ortsverkehr) nicht wieder auf. Das die Rohrpostbeförderung eine "Gebühr" und keine Porto kostete, zitierst Du ja ganz richtig in dem § 5.

Oder habe ich mal wieder etwas verquer verstanden ?
 
Postgeschichte Am: 15.09.2009 13:04:16 Gelesen: 957959# 461 @  
@ Schmuggler [#460]

Oder habe ich mal wieder etwas verquer verstanden ?

Wie energisch Du die Begriffe "Gebühr" und "Porto" definierst, ist mir aus den o.a. Beiträgen nicht verborgen geblieben. :-) Die von mir genannte Fundstelle belegt doch, daß auch bei der "Rohrpostgebühr" Gebührenfreiheiten existieren und daher sind diese Diskussionen doch überflüssig. Dies wollte ich damit sagen. :-))

Gruß
Manfred
 
Schmuggler Am: 28.09.2009 13:20:19 Gelesen: 957563# 462 @  
@ Postgeschichte [#461]

Das ich das Thema konsequent verfolge, haben mir schon diverse Sammler verziehen. :-)) Hat mir im Zweifelsfall aber nicht nur Freunde gemacht.
Im Ortsverkehr bin ich in der Vergangenheit sehr heftig und sehr persönlich wegen falscher Begriffsverwendung attackiert worden. Das hinterlässt Narben.

Schaut man sich die historische Entwicklung im Ortsverkehr von damals bis heute an, ergibt sich folgende allgemeine Darstellung:

Grundsätzlich kostete bis ca. 1865 (wenns genauer gewünscht wird, muß ich erst in meinem Archiv wühlen) der Ortsbrief weder Porto noch Gebühr, denn jede Sendung wurde grundsätzlich vom Empfänger im Amt gegen (Benachrichtigungs-) Schein vom Empfänger abgeholt. Ausnahme: Der Empänger oder Absender bestimmte, dass die Sendung an die Wohnungstüre (!) gebracht wurde - dieser Service wiederum kostete die sogenannte "Bestellungs Gebühr" (Benachrichtigungsscheine wurden nur bis zur Haustüre gebracht).

Die Beförderung eines Ortsbriefes von Postamt zu Postamt im eigenen Aufgabe- und Bestellbezirk war somit einerseits kostenfrei, wurde andererseits nicht häufig praktiziert und selbst Herr (von) Stephan sah seinerzeit in diesem Sektor keine wesentliche Steigerungsrate. Aber: Als die allgemeine Pflichtzustellung von Briefpostsendungen im Orts-Bestellbezirk eingeführt wurde, wurde die bestehende Bestellgebühr schlicht und einfach auf den Ortsbrief übertragen: Ein Ortsbrief kostete auch weiterhin kein Porto sondern nur die ursprüngliche Bestellgebühr und wurde für diese Gebühr jetzt natürlich auch bis an die Wohnungstüre bestellt. (In diese postalisch/juristische Beförderungslücke im Ortsverkehr stießen in Folge des steigenden Postverkehrs bis zum 1.4.1900 die sogenannnten "Privaten" Postanstalten. Ferner: In Berlin wurde Hausbriefkästen erstmals versuchsweise 1880 eingeführt)

Bis ca. 1915 trennte die Reichspost diese beiden Begriffe ebenfalls sehr konsequent - siehe u. a. die Amtlichen Verfügungen und Erlässe. Bereits mit Ende des Kaiserreiches werden im Ortsverkehr Porto und/oder Gebühr sehr lax und nur noch oberflächlich gehandhabt. Nur die Rohrpostgebühr blieb auch weiterhin eine Gebühr und das eventuell benötigte Entgelt für die Weiterbeförderung "aus dem Rohrpostnetz bzw. Rohrpost- bzw. Stadtpostbezirk heraus" verblieb beim Begriff Porto. :-))
 
blaujacke Am: 02.10.2009 19:50:06 Gelesen: 957390# 463 @  
@ Postgeschichte [#441] und vorausgegangene Beiträge zum Thema "Botenstempel mit Sternen":

Die Meldungen waren nicht sehr aufschlußreich! Wen es denn aber interessiert, ich habe 5 neue Belege aus dem Zeitraum 19.04.1904 - 14.06.1904 von der RP-Betriebsstelle SW 12 (Stempel * 12 a), allesamt adressiert an "Berliner Tageblatt":

19.04.04 = Botenstpl. *2.*, 03.06.04 = Botenstpl. *10.* (rechter Stern größer!), 08.06.04 = Botenstpl. *5* , 10.06.04 = Botenstpl. *1.* ,14.06.04 = Botenstpl. *4*
 
Schmuggler Am: 05.10.2009 16:24:25 Gelesen: 957274# 464 @  
Immer wieder werde ich im Hintergrund gefragt, was denn dies oder das für einen "Wert" habe.

Viele Fragen beantworte ich nicht, da die Wahrscheinlichkeit "falsch" zu liegen sehr hoch ist. Einige Beispiele aus den letzten Auktionen.



Ein Brief am 9.9.1914 aus den Niederlanden, frankiert für die Eilbestellung in Hamburg - dort per Rohrpost beschleunigt befördert. Nach meinem Empfinden korrekt mit 60 EUR ausgerufen - für 260 EUR plus Aufgeld verkauft. Oder:



Eine Ganzsachenkarte der Rohrpost mit 5 Pfennig Ergänzungsporto für die Weiterleitung nach Eberswalde. Beim Ausruf von 80 EUR war ich bei der optischen Erhaltung schon SEHR zurückhalten. 130 EUR plus Aufgeld hats gebracht.

Ganz das Gegenteil ergab sich bei einem mit der MiNr. 49 frankiertem Formular - die Marke hatte die kompetent und aktuell attestierte die wirklich nicht häufige Unterfarbe "aa". Der Ausruf sollte 500 EUR sein - "wir" Fachleute aus der ArGe Krone/Adler waren SEHR zurückhaltend im Vorfeld: Rohrpostsammler geben kein Geld für "Farben" aus, Farbensammler interessiert nicht die Versendungsart. Dachten wir.

Das Ergebnis war knapp 1.200 EUR plus Aufgeld - und wir haben gestaunt.



Andererseits wurden bei der gleichen Auktion Rohrpostbelege mit wesentlichen Unterangeboten verkauft, welche in keiner Form der Marktsituation entspricht.



Ein Ganzsachenumschlag mit 10 Pfennig Ergänzungsporto für die Weiterleitung der Sendung nach Schöneberg und dabei die sehr schöne MiF verschiedener Markenausgaben.

Schöneberg wurde 1894 an das bestehende Rohrpostnetz angeschlossen. Der Verkauf erfolgte für 110 EUR plus Aufgeld.

Schade - und Sie akzeptieren bitte meine Entscheidung.
 
Schmuggler Am: 05.10.2009 16:43:04 Gelesen: 957265# 465 @  
Ein ganz anderes Thema, welches wir bereits mal besprochen hatten: Der sog. Ersttag des einheitlichen Rohrpoststempel von 1886 für Berlin.

Wie ganz richtig von einem aufmerksamen Leser gezeigt wurde, wurde am 1.3.1886 noch der bisherige Briefpost Tages- oder Rohrpost Versuchsstempel in der Rohrpost abgeschlagen. Seit über 10 Jahren geisterte das Datum 5.3. für den neuen Stempeltyp durch die Literatur; seit ca. 5 Jahren ist der der 3.3. belegbar. Beide Daten wurden auch von mir so veröffentlicht. Ganz neu(!) ist mir nun endgültig der 2.3. belegt geworden.



Ein Datenfehleinstellung liegt nicht vor.

Optisch noch kein Knaller - kommt aber noch, wurde mir versprochen.

Kurzum: Somit ist der 2.3.1886, einem Dienstag, der Ersttag für den neuen Rohrpost-Stempeltyp.
 
Jürgen Witkowski Am: 06.10.2009 19:52:25 Gelesen: 957199# 466 @  
Auf einer beschnittenen Briefvorderseite, vermutlich von einem Drucksachenumschlag ist mir ein Stempel aufgefallen, der dort eigentlich nichts zu suchen hat: Ein Rohrpoststempel BERLIN, W *P9 (R6)* 27.II.03*9.10N vom Postamt Potsdamer Bahnhof.

Wegen der typischen Papierstärke und der Frankatur von 5 Pf. denke ich, dass es sich tatsächlich um eine Drucksache handelt.

Der Stempel ist laut einer Aufstellung der Berliner Rohrpoststempel mit der Minutengruppe mit arabischen Ziffern vom 16.04.1896 - 06.01.1903 bekannt. Zudem gibt es noch für den 09.10.1918 und für den 08.01.1931 nachgewiesene Verwendungsdaten.

Was hat der Stempel aber auf einer Drucksache zu suchen? Verwendung als Reservestempel oder Grobsendungsstempel nach seiner Ausmusterung bei der Rohrpost? Fragen über Fragen.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
Martinus Am: 07.10.2009 00:04:07 Gelesen: 957181# 467 @  
Nun dann möchte ich mich auch mal an den verschiedenen Themen beteiligen. Dank an Concordia für den Hinweis auf diese Seite.

Am letzten Wochenende habe ich die beigefügten Belege gefunden und ich habe mich sehr darüber gefreut. Mich würde interessieren, wann diese Rohrpost in Berlin eingestellt worden ist. Einige sagen 1977, andere berichten schon in den 50ern ?

Danke für die Hilfe!


 
Schmuggler Am: 07.10.2009 10:28:04 Gelesen: 957151# 468 @  
@ Concordia CA [#466]

Die gezeigten 5 Pfennig müssen zu keiner Drucksache passen (das wären im Ortsverkehr zu dieser Zeit die 3. Gewichtsstufe * ...!!), sondern ich vermute mal einen gewöhnlichen ehemaligen Ortsbrief - trotz der auffälligen Absenderangabe.

Der Name "Wedekind" ist häufiger Natur und ohne Vornamen kommen wir dort nicht weiter; eine "Correspondenz Wedekind" ist nicht archiviert und findbar. Alles andere ist z. Zt. Spekulation.

Zur Verwendungszeit dieses Stempels kann ich wenig bis nichts beitragen. In den Ausarbeitungen wird fast nur der sog. Ersttag gesucht, die gesamte Verwendungszeit bleibt oft im vagen Dunkel.

Was sagen denn unsere Grammatik- und Sprachexperten zu der "Des"-Anrede?! Klingt für mich alles etwas zu holprig und zu sehr gestelzt - und als "Telegrammadresse" ein mittelständisches Hotel - "Abteilung Wichtigmacher" ohne Realitätsbezug ?

Wo immer Du das Stück gefunden hast: Gut geguckt! :-))

* 1. Gew. St. bis 50 Gramm,
2. Gew. St. 50 - 100 Gramm,
3. Gew. St. 100 - 250 Gramm

Das Höchstgewicht in der Rohrpost betrug zu dieser Zeit offiziell bereits 15 Gramm - plus einer geringen Toleranz.
 
Schmuggler Am: 07.10.2009 10:41:45 Gelesen: 957148# 469 @  
@ Martinus [#467]

Herzlich Willkommen! :-))

Wann der pauschale Letzttag für "die Rohrpost" ist kann ich spontan auch nicht sagen, also gucke ich im Internet bei Wikipedia unter dem Stichwort "Rohrpost, Berlin": Dort ist 1963 der Letzttag für die Rohrpost in West-Berlin und 1976 der Letzttag für Ost-Berlin genannt. Guck für die genaueren Daten und zusätzlichen Informationen mal bitte selber nach.

Ferner findest Du bei West-Berlin in den Internet-Auktionen immer wieder philatelistische Angebote zum Letzttag. Guck mal rein!

Sagst Du uns bitte noch wie Du die Rohrpost sammelst/sammeln möchtest, damit wir ein Bild/Motivation zu Deinen erworbenen Belegen bekommen. Alternativ: Du sagst es selbst.
 
Jürgen Witkowski Am: 07.10.2009 10:54:53 Gelesen: 957144# 470 @  
@ Schmuggler [#468]

Zu Wedekind hätte ich das Angebot Frank Wedekind, einem Enfant terrible seiner Zeit.

http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/WedekindFrank/index.html

Verschiedenen Quellen zufolge soll er zu jener Zeit in Berlin am Theater von Max Reinhardt tätig gewesen sein.

Vielleicht ein Werbegag? Der Umschlag(rest) hat das dicke Papier von Drucksachenumschlägen, in denen seinerzeit Zeitschriften verschickt wurden.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Schmuggler Am: 07.10.2009 11:58:10 Gelesen: 957113# 471 @  
@ Concordia CA [#470]

Mit dieser Hintergrundinformation liest sich "des Königs Majestät" + etc. besser und bekommt wohl die richtige Betonung. :-))

Dennoch bleibe ich beim Ortsbrief - auch wenn ich den dort gezeigten Stempel zweifelsfrei der Rohrpost zuordnen kann. Dass das Stück aber nicht per Rohrpost gelaufen ist/befördert wurde, darüber sind wir uns doch einig ?
 
reichswolf Am: 07.10.2009 12:06:56 Gelesen: 957112# 472 @  
@ Schmuggler [#468]

Die Formulierung der Anrede hat für heutige Ohren sicher einen seltsamen Klang, doch ist sie grammatisch völlig richtig. Und für besonders ungewöhnlich halte ich sie auch nicht. Die Majestät bedeutet soviel wie Hoheit, und man schrieb z.B. auch an seine (nicht etwa die) kaiserliche Hoheit. Majestät und Hoheit sind nämlich dem Kaiser bzw. König zugeordnete Eigenschaften, im lateinischen Ursprung wohl seine Größe.

Beste Grüße,
Christoph
 
Jürgen Witkowski Am: 07.10.2009 13:11:13 Gelesen: 957105# 473 @  
@ Schmuggler [#471]

Selbstredend besteht Einigkeit in der Vermutung, dass der Beleg kaum eine Rohrpostbüchse von innen gesehen haben wird.

Alldieweil die Ursache und die Sinngebung des Rohrpoststempels darauf weiterhin ein ungelöstes Rätsel darstellt. Den Stempelabschlag selbst halte ich für echt. Der markante Schaden an der oberen Sehne ca. 8 mm vom linken Rand stimmt eindeutig mit mit vorliegenden Abschlägen aus dem Jahr 1902 überein.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Martinus Am: 07.10.2009 22:02:06 Gelesen: 957081# 474 @  
Hi,

ich habe bisher nur die zwei gezeigten Belege! Da mein Hauptaugenmerk bisher nur der Reformation und Luther galt. Nun denn, ich beteilige mich an einer Studiengruppe und hoffe, dass ich bei nächster Gelegenheit immer mal wieder den ein oder anderen Beleg zur Rohrpost beisteuern kann!

Dazu finde ich gerade die Phase der DDR Gründung bzw. den Übergang in Berlin als sehr interessant! Dazu habe ich auch schon einen Tip bekommen! Was mir noch fehlt, wäre ein wenig Literatur, denn ich möchte mich schon etwas darüber informieren!

Und dann sehe ich, wo ich meine Rohrpost Sammlung einteilen möchte.
 
Bundpostfrischsammler Am: 09.10.2009 14:47:34 Gelesen: 956930# 475 @  
Alle diejenigen die in Sindelfingen vom 23-25.10.2009 auf der Messe sind, finden dort in der internationalen Postgeschichtsausstellung "Postgeschichte live" folgendes Expoant zur Rohrpost:

"Die Berliner Stadtrohrpost vom 1.12.1876 bis 1945"

Exponat- Nummer 213.
 
Schmuggler Am: 23.10.2009 09:19:35 Gelesen: 956215# 476 @  
Nun stand die Texteingabe von Bundespostfrischsammler als Info für Sindelfingen 2009 fast 10 Tage jungfräulich im Netz - und über 700 Klicks in diesem Zeitraum zeugen von einer interessierten und aufgeschlossenen Hintergrund-Leserschaft. :-))

Kurz: Mögen alle Besucher gleichzeitig die Ausstellungsrahmen suchen und finden - und der Aussteller sich vor Schreck nicht blicken lassen?! - und die angedachte Vorstellung der Ausstellungssammlung ausführen!

Noch kürzer: Allen eine Gute Fahrt so wie viel Spaß und Erfolg in SiFi!

PS: Nach der Rückkehr möchte ich aber bitte "hier" etwas an aktuellen Rohrpostbeiträgen "ex SiFi" lesen und sehen! ;-))
 
Jürgen Witkowski Am: 23.10.2009 23:37:38 Gelesen: 956177# 477 @  
@ Bundpostfrischsammler [#475]

In einer ruhigen Stunde gegen Ende der Messe hatte ich Gelegenheit mir dieses tolle Exponat anzusehen. Endlich einmal wird (fast) die gesamte Periode der Berliner Rohrpost dargestellt und nicht nur auf eine der üblichen, von Briefmarkensammlern geprägten Sammelperioden reduziert. Ich halte es für ein sehr gelungenes Beispiel, wie man eine "Generalsammlung" präsentieren kann.

Falls Du am Samstag oder Sonntag noch in Sindelfingen bist, würde ich mich über ein persönliches Gespäch sehr freuen. Zu finden bin ich am Stand der Poststempelgilde direkt neben dem Zentrum Philatelie.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Bundpostfrischsammler Am: 26.10.2009 09:18:40 Gelesen: 956116# 478 @  
@ Schmuggler [#476]

Leider ist bei mir die Zeit doch sehr begrenzt, so dass ich nur ab und an was einstellen kann.

Hier aber mal die Grob-Gliederung des Exponats

Gliederung:

1. Teil 1876 bis 1916

A. Der Beginn der Rohrpost in Berlin

B. Die Beförderung innerhalb des Rohrpostnetzes

I. Rohrpostgebühren

II. Zur Rohrpost geeignet

1. Ganzsachen
2. Formulare und Postkarten
3. Briefumschläge
4. Telegramme
5. Admiralstab der Marine
6. Für die Rohrpost ungeeignet

III. Aufgabe des Beleges

IV. Die Leitvermerke

V. Entwertungen

VI. Ankunft der Sendung

VII. Zustellung der Sendung

C. Aus dem Rohrpostnetz heraus

D. In das Rohrpostnetz hinein

E. Weiter durch Rohrpost

F. Durch Berlin per Rohrpost hindurch

2. Teil: 1.08.1916 bis 30.11.1923

A. Die Rohrpostgebühren
B. Rohrpostganzsachen
C. Besonderheiten der Inflationszeit


3. Teil: 01.12.1923 bis 1945

A. Die Beförderung innerhalb des Rohrpostnetzes

I. Rohrpostgebühren

II. Zur Rohrpost geeignet

1. Ganzsachen
3. Formulare/Postkarten
4. Briefumschläge
5. Besonderheiten
6. Weiterleitung von Eilboten
und Luftpostsendungen
7. Ungeeignete Sendungen

III. Aufgabe der Rohrpostsendung

IV. Die Rohrpostbeförderung

V. Ankunft der Rohrpostsendung

B. Aus dem Rohrpostnetz heraus

C. In das Rohrpostnetz hinein

D. Späte Rohrpost
 


 

Bundpostfrischsammler Am: 26.10.2009 21:49:06 Gelesen: 956088# 479 @  
Im Folgenden will ich kurz zwei Belege vorstellen, die ich in Sindelfingen erwerben konnte.



Eine portogerechte Mehrfachfrankatur der 10 Pfennig.



Das gleiche mit der Ausgabe Germania "Deutsches Reich".
 
Bundpostfrischsammler Am: 26.10.2009 22:09:04 Gelesen: 956077# 480 @  
Die Mehrfachfrankaturen lassen sich natürlich fortsetzen:



Germania Ausgabe "Reichspost"



Ausgabe Krone Adler



Seltener sind aber Sendungen, die in Berlin mit der Reichspost befördert wurden und dann ins Ausland gingen: In diesem Fall nach Holland.
 
Jürgen Witkowski Am: 26.10.2009 22:42:18 Gelesen: 956072# 481 @  
@ Bundpostfrischsammler [#479]

Eine Menge blitzsauberer Belege, die sich bestimmt gut in die Ausstellungssammlung einfügen lassen.

Zu dem oberen Beleg sei mir die Frage gestattet, was die mit der unüblichen violetten Farbe geschriebene und anschließend durchgestrichene 24 für eine Bedeutung hat. Der richtige Leitvermerk 22 mit der damals noch üblichen blauen Farbe steht ja in doppelter Form darunter. Handelt es sich bei der 24 um einen falschen Leitvermerk oder gibt es eine anderen Deutung?

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Bundpostfrischsammler Am: 27.10.2009 09:39:11 Gelesen: 956054# 482 @  
@ Concordia CA [#481]

Es handelt sich um einen "Irrläufer", der zunächst nach R 24 und dann nach R 22 gesandt wurde. Auf der Rückseite befinden sich auch die beiden Ankunftstempel.

Beste Grüsse
Helmut
 
Schmuggler Am: 27.10.2009 16:00:02 Gelesen: 956040# 483 @  
@ Bundpostfrischsammler [#478]

Wieder "herzlich Willkommen" im philatelistischen Alltag!

Diese Gliederung finde ICH ausgezeichnet und würde jedem Rohrpost-Moderator gut ins Notizbuch passen - wenn die Moderation wie geplant ablaufen könnte. :-))

Aber mal ganz im Ernst: Diese Gliederung ist kurz und schmerzlos phänomenal und von jedem Sammler mit Breitband-Rohrpostinteresse zu verwenden!

Als Autor würde mir z. B. die "Technik" als Kapitel fehlen, aber das ist für eine Ausstellungssammlung in dieser Größenordnung völlig unerheblich.

Eine ganz andere Frage: Der von Dir genannte Ausstellungsbereich wird "Philatelie live" genannt. Darf in der Formulierung die neue Regelung für die ursprüngliche "Sozial Philatelie" verstehen ? Bitte, macht mich schlau!
 
Schmuggler Am: 27.10.2009 20:01:00 Gelesen: 956015# 484 @  
@ Bundpostfrischsammler [#479]

Mit stiller Freude halte ich für mein Archiv den nun 3. bekannten Beleg aus der Herzog-Korrespondenz fest. Was meine Vermutung zu einer vorfrankierten Rückmeldung an das Kaufhaus immer mehr bestätigt - und nicht ein philatelistisches Machwerk war.

Die in den Abschnitten 477 und 478 gezeigten Belege sehen ja soo harmlos aus - aber einen Dreierstreifen der 10 Pfennig Briefmarke (in der Briefpost kein Knaller, hier in der Rohrpost schon) ein 2. mal zu finden, kann durchaus über 10 Jahre dauern. Klingt erst einmal verrückt, aber wie ich bereits andeutete war das Jahresvolumen an Rohrpost statistisch bei der Reichspost in einem Tag abgearbeitet. Noch anders formuliert: Ich kann mir diese Sammlung mit all ihren Überraschungen gut vorstellen. Ein anderer Sammler ist jetzt ebenfalls mit dem Rohrpost-Bazillus infiziert worden, so er wird bald feststellen, dass solch eine Sammlung heute nicht mehr "einfach so" zu wiederholen ist. Auch nicht mit viel Geld.

Andererseits soll solch eine Präsentation (denke ich) auch eine Art Werbeschau für dieses spannende Sammelgebiet sein. Nur "Kracher" können da schnell den Betrachter depremieren.

So kann man z. B. die in Nr. 478 gezeigte Rohrpostkarte mit +10 Pfennig in das Ausland fast als "Massenware" bezeichnen - es sind aus der Zeit von Germania II volle 5 Stück (2 nach Holland, 3 in die Schweiz) im Archiv - vor 1900 gar nix.

Von diesen Erfahrungen und Wissenschätzen kann sich jetzt der neue Sammler "hier" sein Sammelgebiet aussuchen, das zur Verfügung stehende Material samt Marktpreis überprüfen und seine neue Sammlung aufbauen.
 
Bundpostfrischsammler Am: 27.10.2009 20:26:12 Gelesen: 956009# 485 @  
@ Schmuggler [#483]

Wenn ich Dich richig verstehe, soll ich erläutern, was unter der Ausstellung "Postgeschichte Live" auf der Messe in Sindelfingen, zu verstehen ist.

Genau gesagt, wusste ich dies bis vor 8 Wochen selbst nicht, obwohl die Veranstaltung schon jahrelang in Sindelgingen durchgeführt wird. Habe bisher meist mehr Zeit bei den Händlern verbracht oder die Rangausstellung angesehen.

Dieses Jahr hatte ich mich dann für die Rang 3 Ausstellung auf der Messe in Sindelfingen mit meinem Rohrpost-Exponat angemeldet. Aber diese viel ja aus. Hierüber wurde ja in diesem, sowie in anderen Foren berichtet.

Als ich dann den Veranstalter anrief, um mir die Gründe für die Absage persönlich erläutern zu lassen, wurde ich dann gefragt, ob ich nicht an der Ausstellung "Postgeschichte Live" teilnehmen wollte. Die Veranstaltung wird auch als "Internationale Meisterschaften der Postgeschichte" bezeichnet. Zwar kann sich theoretisch jeder dort anmelden. Intern gilt jedoch wohl die Regelung, dass wohl nur mit Gold bei einer Rangausstellung ausgezeichnete Exponate angenommen werden sollten. Hatte ich dieses Jahr auf der Rang 3 in Schwieberdingen erreicht.

Leider haben nur sehr wenige Exponate an der Ausstellung teilgenommen. Trotzdem haben die anderen Teilnehmer meist schon in Rang 1 oder sogar International erfolgreich ausgestellt. Als Unbekannter, der erst einmal zuvor ausgestellt hatte, war ich mir auch der Chancenlosigkeit bewusste, hatte mir aber durch das Jurygespräch einiges erhofft. Mir wurde zuvor auch gesagt, dass man dort wertvolle Hinweise bekommt. Die wertvollen Hinweise gabs leider nicht, dafür konnte ich am Donnerstag nach dem Aufbau meiner Sammlung einige gute Belege erwerben und die Kontakte für weitere herstellen, so dass sich die Sache gelohnt hat.
 
blaujacke Am: 27.10.2009 21:05:04 Gelesen: 956002# 486 @  
@ Bundpostfrischsammler [#478]

Vielen Dank! Hätte mir damit das "Abpinseln" der Gliederung sparen können!

Die Sammlung hat mich sehr beeindruckt, muß alles sacken lassen und meine Sammlung einmal kritisch durchblättern.

Hatte leider nur einen Tag in Sindelfingen und mich dabei mehr auf den Kolonialbereich konzentriert. Wäre schön, bei nächster Gelegenheit einmal die Gesichter der Hauptakteure dieses Forums zu sehen. Hatte leider nur (vergeblich) bei der Arge Krone/Adler nach "Schmuggler" gefragt.
 
Schmuggler Am: 28.10.2009 10:42:18 Gelesen: 955975# 487 @  
@ blaujacke [#486]

Jau, so wars dieses mal :-((

Musste u. a. das Viehzeuch hüten und auch für dieses Forum Dinge im Hintergrund vorbereiten. Dafür bin ich mit Frau, Hund und anderen Fans beim ArGe-Treffen im November in einem Seitental bei Fulda. Dauert zeitlich genau so lang und ist (mindestens) ebenso so schön; zumindest Landschaftlich.
 
die_ganzsache Am: 08.11.2009 12:42:06 Gelesen: 955715# 488 @  
Am 06.05.1920 wurde eine Erhöhung des Portos für Rohrpostumschläge auf 1,40 Mark durchgeführt; private Auftraggeber liessen RU 9 von der Reichsdruckerei mit zwei 40-Pfg-Wertstempeln bedrucken; der Michel führt diesen Umschlag unter RUZP 7



Gruss
Joachim

[Anmerkung der Redaktion: Aus dem Thema "Ganzssachen mit Wertstempelzudruck" zusätzlich hierher kopiert]
 
Jürgen Witkowski Am: 19.12.2009 13:07:52 Gelesen: 954459# 489 @  
Passend zur Jahreszeit eine Postkarte im Ortsverkehr aus Berlin:

Fröhliche Ostern wünscht Familie Reineke(?). Wir sitzen vor unserer Laube.

Die Karte ist, wenn ich es richtig interpretiere, ohne Verlangen des Absenders per Rohrpost befördert worden.

Freigemacht mit der 2 Pf. Germania, MiNr. 53, erhielt sie am 31.03.1902 den Aufgabestempel des Postamtes Berlin SO 36, Görlitzer Bahnhof. Der Bestellstempel vom gleichen Tag stammt vom Postamt O 27, Blumenstraße.

Ich denke mal, dass die Postkarte fehlgeleitet war, da die Empfängeradresse in der Hollmannstraße, die in Kreuzberg liegt, nicht zum Postbezirk O 27 gehörte. Nun kommt die Rohrpost ins Spiel. Die Karte erhielt der Stempel Zur Rohrpost! und mit Rotstift den Leitvermerk 13. Das Rohrpostamt 13 entspricht, wenn ich es richtig sehe, dem Hofpostamt Berlin C 1, an der Spandauer Straße gelegen. Von dort wurde die Karte dann auf den richtigen Weg zum Absender gebracht.

Da es mir an alten Stadtplänen von Berlin mangelt, bitte ich um Meinungen, ob der von mir beschriebene Weg der Karte plausibel ist.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
DerLu Am: 20.12.2009 11:02:11 Gelesen: 954369# 490 @  
Der Rohrpostleitvermerk bezeichnete seit der Reorganisation der Rohrpost 1890 nicht mehr die Nummer der Rohrpostamts, sondern die Nummer des Postamtes, hier also das Postamt SW13. Die Hollmannstrasse lag (zumindestens für 1904 belegt) im Bestellbezirk des Postamtes SW 13, Alte Jakobstr. 169/170 (Quelle: Postbuch für Berlin und Umgebung, 1904).

Gruß
 
blaujacke Am: 20.12.2009 12:35:02 Gelesen: 954350# 491 @  
@ Concordia CA [#489]

Hallo Jürgen,

vielleicht hilft Dir http://www.alt-berlin.info/index.htm weiter!

Noch'n schönen Adventssonntag!

Gruß
Uwe
 
Bundpostfrischsammler Am: 07.02.2010 22:21:34 Gelesen: 951630# 492 @  
Dann will ich mit ein paar Neuerwerbungen unser schönes Rohrpostthema wieder in Gang bringen:

Infla-Rohrpost aus der letzten Portoperiode mit insgesamt 60 Mrd. frankiert, da vierfach gewertet wurde mit 240 Mrd. portogerecht.



Das gleiche nur farbenfroher frankiert:




Sehr frühe Rohrpost nach außerhalb (deshalb zusätzlich 5 Pf frankiert) auf einer RP 1.



Zuletzt ein wohl auf Rohrpost noch nicht bekannter SoSt der Landwirtschaftlichen Ausstellung. Der Stempel wurde vom 04.06-13.06.1894 verwendet.



Viele Grüsse
 
muemmel Am: 07.02.2010 22:44:17 Gelesen: 951622# 493 @  
@ Bundpostfrischsammler [#492]

Bei Rohrpost lese ich immer "nur so nebenbei" mit, da ich das Gebiet sehr interessant finde. Doch neben meinen Rosetten möchte ich kein neues Fass aufmachen.

Aber die gezeigten Rohrpost-Belege aus der Hochinflation lassen mir das Wasser in die Augen schießen. Und ich bin auch überhaupt kein bißchen neidisch (grummel grummel), zumal ich bisher noch keinen RoPo-Beleg mit Rosettenmarken in meiner Sammlung habe.

Aber auch die anderen Belege können das Herz erfreuen. Vielen Dank fürs zeigen.

Schönen Gruß
Harald
 
BD Am: 08.02.2010 07:27:27 Gelesen: 951601# 494 @  
@ muemmel [#493]
@ Bundpostfrischsammler [#492]

Tja Harald, und so etwas hat jemand der Bund postfrisch sammelt, ist das nicht ungerecht!

Wunderschöne Belege.

Viele Grüsse Bernd
 
Bundpostfrischsammler Am: 08.02.2010 12:51:52 Gelesen: 951588# 495 @  
@ muemmel [#493]
@ BD [#494]

Freut mich, dass die Belege gefallen. Um an solche Belege zu kommen, musste ich doch ne Weile warten; sparen, Informationen Sammeln und einen freundlichen Menschen finden, der mir sie im Direktverkauf überlässt, ohne dass ein Auktionhaus daran verdient (und ohne lästigen Mitbieter).

Die Sammlung werde ich auch in Bruchsal auf der Rang 2 am 19-21.03 ausstellen. Da ein Exponat ausgefalllen ist, hat man mich letzte Woche angesprochen, ob ich nicht ausstelle. Also wer nicht allzu weit entfernt wohnt, sollte sich das nicht entgehen lassen. Für die anderen werde ich ab und zu hier Scans einstellen.

Beste Grüsse
Helmut Knapp
 
cartaphilos Am: 11.02.2010 22:19:05 Gelesen: 951466# 496 @  
@ bundpostfrischsammler

Bin wirklich auf ihre Rohrpostsammlung gespannt, zumal sie doch schon so gute Belege derzeit als Doubletten verkaufen und verkauft haben. ;-)

Anbei nur zur Info einen Rohrpost-Beleg, der hier vor gut einem Jahr bei mir (ex Sammlung Koegel) eingeflogen ist. Ist eine nette Kombination: 30 Pf Rohrpost, 10 Pf für Einlieferung eines regelmäßigen Bahnhofsbriefes sowie 10 Pf für Brief außerhalb des Rohrpostbezirks, macht hübsche 50 Pf Germania EF. und das alles noch mit Beförderungsanweisung: per Orient-Express!

Einen schönen Abend noch allen
pneumaticos


 
Bundpostfrischsammler Am: 11.02.2010 23:15:34 Gelesen: 951457# 497 @  
@ telosgraphein007 [#496]

Der Bahnpostsbrief ist natürlich das optisch auffälligste Stück der Germaniazeit und war auch das teuerste Einzelstück der Koegelsammlung. Da haben Sie ein sehr schönes Stück erworben !

Wenn man eine Ausstellungssamlung aufbaut, sieht man sehr schnell, welche Stücke zwar auch gut sind, aber nicht mehr unbedingt in die Sammlung müssen. Und ich kann mich davon auch trennen.

Zur Zeit haben es mir die Infla-Belege angetan, die ich lang vernachlässigt habe.



Und das Stück, wonach jeder Juror sofort sucht, habe ich auch noch (mit Attest) gefunden:



Ab Sommer 1941 wurde die Eilbotenzustellung nicht mehr durchgeführt, so dass die Karte, welche schon in Auftrag gegeben war, um 40 Rpf überfrankiert war, weshalb nur wenige nachweislich gelaufene Stücke existieren.
 
cartaphilos Am: 12.02.2010 07:29:47 Gelesen: 951439# 498 @  
Guten Morgen,

recht so, Rohrpost zur Infla-Zeit, besonders zur Hochinflazeit ist die absolute Kür. Der Beleg mit 3 x 20 Milliarden zur Vierfachzeit vom 29. November 1923 ist da natürlich so ein Highlight.

Die RP26 ist natürlich ein schönes und seltenes Stück. Als es anfing mit Ganzsachen, da berichtete mir Max Schaller, der Altmeister der deutschen Ganzsachenphilatelie, daß es maximal genau die drei Stück gebe, die er selbst aufgegeben habe. Das ist dreißig Jahre her. Inzwischen gibt es einige mehr und seit einigen Jahren sind auch Münchener Verwendungen bekannt und im Michel notiert. Jetzt bringe ich aus Wien die Nachricht mit, daß es die Karte auch dort verwendet gibt. Die Zeit bringt alles an den Tag. Mal schauen, wann die ersten Stücke davon auch abbildungsmäßig greifbar sind.

Nicht weniger seltenes - wenngleich ungleich weniger teueres - als Bahnhofssendung per Rohrpost oder RP26 gibt es von andernorts zu vermelden. Beispiel Rohrpost Marseille: Was dem Deutschlandsammler die Münchener Rohrpost ist dem Frankreichsammler die Rohrpost von Marseille ... nur: Dort gab es maximal sieben Rohrpostämter, während die Münchener Rohrpost schon von der Streckenlänge her kaum hinter der Berliner Rohrpost stand und praktisch ganz München an der Röhre hing.

Eingerichtet wurde die Rohrpost in Marseille im Jahre 1913, geschlossen wurde sie 1963. Im Gegensatz zu Deutschland / München gab es bis in die 1930er Jahre hinein eigene Ganzsachen mit eigener Zeichnung.

Hier einige Belege aus Marseille:

Die ersten Rohrpostganzsache von Marseille zeigen den Stadtplan des historischen Zentrums der Stadt:



Es kommen Zusatzfrankaturen vor, wenn bestimmte Gewichtsgrenzen überschritten wurden. In Marseille sind also Zusatzfrankaturen auf Rohrpostganzsachen durch die Portovorschriften in bestimmten Fällen zwingend erforderlich und daher eher wertsteigernd als wertmindernd. Reichte das Porto nicht aus, kommen auch entsprechende Nachtaxierungen durch Portomarken vor:



Zuletzt verzichtete man auf die Wiedergabe des Stadtplans. Es handelt sich bei der abgebildeten Karte um die vorletzte Rohrpostganzsache für Marseille: Wertstempel Cahpelain 1,50 Fr.



Die letzte wurde mit einem Wertstempel Cahpelain zu 2,00 Fr herausgegeben und kam kaum noch zur Verwendung:



Danach wurden die Rohrpostganzsachen aus Paris, gegebenenfalls mit Zusatzfrankatur, verwendet:



Wie in Paris konnten auch in Marseille gewöhnliche Briefe und Postkarten mit entsprechender Freimachung per Rohrpost versendet werden:



Ebenfalls kommen Absenderfreistempelungen vor und - hiervon existieren wohl keine fünf Belege - auch noch Freimachungen durch Abdruck der ersten französischen Schalterfreistempelungen:



Der Beleg mit Schalterfreistempel stammt aus der letzten Phase des Betriebs der Rohrpost von Marseille.

Nach Schließung der Rohrpost wurde diese jedoch intern - wie in Berlin, München und Wien - weiterverwendet. Eilbriefe können somit noch lange nach Schließung der Rohrpost von Marseille deren Transportmerkmale aufweisen:

Hier ein Eilbrief aus Sankt-Gallen in der Schweiz vom 28. Februar 1968 nach Marseille.



Rückseitig finden wir alles, was uns so richtig Spaß macht:

1. Stempel von Nizza, 28. Februar 1968, 20:30 Uhr
2. Stempel Marseille - Gare (= Bahnhof), 29. Februar 1968, 4:30 Uhr
3. Stempel Marseille - avenue du Prado, 29. Februar 1968, I * (Eingangsstempel der Rohrpost = Bearbeitungsstempel der Eilbriefstelle)



Einen schönen Tag noch an alle

pneumaticos
 
blaujacke Am: 26.02.2010 15:01:09 Gelesen: 950541# 499 @  
Hallo,

Frage an die Rohrpostspezialisten, was von dem nachstehenden Rohrpostbeleg - eindeutig philatelistisch beeinflußt (es gibt viele Becker'sche Rohrpostbelege) - zu halten ist.

Auf der Rückseite steht als Absender "Gefr. Wolfg. Becker Fpnr. 19142". Die Marken sind gestempelt BERLIN C 2 NACHTRÄGLICH ENTWERTET 12.6.44 6-7, im oberen Segment steht "D S". Rohrpoststempel BERLIN C 2 von 8.30 h. Ein Ankunftstempel von Berlin- Steglitz fehlt. Wofür die Luftfeldpost-Zulassungsmarke? Sollte der Brief wirklich ungestempelt "aus dem Felde" gekommen sein? Kann es eine Rohrpost-Beförderunmg gegeben haben?

Ich bin gespannt auf Eure Meinung!


 
Bundpostfrischsammler Am: 27.02.2010 00:05:42 Gelesen: 950515# 500 @  
@ blaujacke [#499]

Eine Rohrpostbeförderung wäre aus meiner Sicht nur nachweisbar, wenn auch ein Rohrpostankunftsstempel abgeschlagen ist.

Sieht doch ziemlich nach philatelistischer Mache aus. Sieht aber ganz nett aus.

Ein einwandfreier vergleichbarer Beleg ist mir bisher nicht bekannt.
 
Bundpostfrischsammler Am: 27.02.2010 00:19:18 Gelesen: 950513# 501 @  
@ blaujacke [#499]

In der Kögelsammlung, die vor zwei Jahren bei Schlegel versteigert wurde befand sich folgendes Stück, was aber auch nicht mit Rohrpost befördert wurde.



Ein nachweislich mit Rohrpost (aber ohne Feldluftpost) befördertes Stück sieht so aus:



Bei Ebay waren schon einige fragwürdige Stücke in den letzten Monaten zu bestaunen.

Woher hast du denn das Stück, Preis ?

Beste Grüsse
 
blaujacke Am: 27.02.2010 09:55:25 Gelesen: 950499# 502 @  
@ Bundpostfrischsammler [#501]

Habe den Beleg mit der Sammlung meines vor einigen Jahren verstorbenen Vaters übernommen. Der Preis ist mir nicht bekannt. Darunter sind auch allein 5 Heinrich-Becker-Belege (neben anderen) als Feldpost an Oblt. Becker, Brückenbau-Ausb.-Batl. 3, Metz. Mit der jeweiligen Rohrpostgebühr (10 bzw. 50 RPf.) versehen sind die Briefe entsprechend den Vermerken und Aufklebern ("Rohrpost" bzw. "Rohrpost und Eilbote") innerhalb Berlins per Rohrpost über SW 11 befördert worden.

Ein angenehmes Wochenende wünscht blaujacke
 
Jürgen Witkowski Am: 27.02.2010 15:26:17 Gelesen: 950476# 503 @  
@ blaujacke [#499]

Mich macht stutzig, dass der Feldpostbrief Front - Heimat keinen Feldpoststempel trägt und keinerlei sichtbare Beförderungsspuren aufweist. Die Wahrscheinlichkeit, dass er Berlin nie verlassen hat und aus Gefälligkeit abgestempelt wurde, ist sehr hoch. Zumal auch der Rohrpoststempel Steglitz fehlt.

Andere Merkmale wie Luftpostaufkleber und Rohrpostaufkleber sind auf Feldpostbriefen Richtung Front - Heimat ebenfalls nicht üblich. Das liegende rote Kreuz war nur für den Postverkehr Heimat - Front vorgeschrieben, nicht aber in Richtung Front - Heimat.

Es gibt viele Fragezeichen.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
Schmuggler Am: 28.02.2010 15:43:12 Gelesen: 950424# 504 @  
@ Muckgel [#523]

Vor 1 Jahr und fast 11 Monaten eröffnetes Du mit der Frage Nr. 1 mehr oder minder zufällig diesen erfolgreichen Beitrag/Threat über die Rohrpost.

Über 23.000 (!) "Klicks" später wurde bereits der 500te (!) Beitrag durch blaujacke aufgespielt - ich denke, dass ist zumindest einen virtuellen "Gruß aus Coblenz" von 1902 wert!



Ich danke allen Beteiligten im Vorder- und Hintergrund für diese tolle Aktivität und Interesse zu diesem (scheinbar) kleinem Sammelgebiet. Bleibt am Ball - besser noch: "Am Rohr"! :-))

SALUTE!
 
blaujacke Am: 01.03.2010 11:59:08 Gelesen: 950360# 505 @  
@ Concordia CA [#503]

Der Beleg ist zweifelsfrei eine philatelistische Mache, wie auch die nachstehend gezeigten. Warum aber einmal (zum früheren Zeitpunkt) die nachträgliche Entwertung (wer kennt diesen Stempel?) und später der Rohrpoststempel?

Die neu gezeigten Becker-Belege dürften mit Sicherheit per Rohrpost gelaufen sein. Sie haben auf der Rückseite den Steglitz 1-Stempel. Auffällig ist auf dem rechts abgebildete Brief der Siegelstempel des PA Berlin C 43. Herr Becker hatte womöglich gute Postkontakte oder war er gar selbst Postbeamter?



Prost Schmuggler!
 
blaujacke Am: 05.03.2010 22:24:40 Gelesen: 950011# 506 @  
Wer weiß es besser?

Die abgebildete Karte wurde als "Eil-Post-Karte" ("Rohrpost-Karte" durchstrichen) am 31.07.02, 4-5 N., beim PA BERLIN N.W.40 mit Bestimmungsort Ilmenau/Thüringen aufgegeben. Unterhalb des Wertstempels ist entweder eine "30" oder eine "50" in blau vermerkt. Ich deute dies als Taxierung; aber:

- als Eilkarte errechne ich 5 Pf. PK-Porto + 25 Pf. Eilzustellung. Also fehlen 5 Pf.
- als Rohrpost nach außerhalb mit Eilzustellung errechne ich 25 Pf. RP-Geb. + 5 Pf. Porto + 25 Pf. Eilzustellung. Dann fehlen gar 30 Pf.

Ich habe auf diesen Seiten (nach Schmuggler) gelernt: Ab 1898 Taxierung durch Rohrpost = fehlender Betrag zzgl. 10 Pf. (bei der Briefpost doppelter Fehlbetrag).

Wie ist des Rätsels Lösung? Die Post wird sich gewiß nicht verrechnet haben!


 
Rohrpostler Am: 15.03.2010 10:32:17 Gelesen: 948952# 507 @  
Hallo Blaujacke,

hier fehlen tatsächlich 5 Pf. Porto für die Fernkarte. Ob die blaue Zahl eine 30 oder 50 ist kann ich auch nicht erkennen. Warum die damals sehr aufmerksamen Postler den Fehlbetrag übersehen haben ist nicht mehr zu klären. Der Beleg ist interessant, denn Rohrpostbelege in Form von amtlichen Rohrpostkarten bzw. Rohrpostumschlägen, sind als Fernkarten/-briefe nicht alltäglich.

Übrigens ist die Rohrpostkarte aus Mönchengladbach nach Venlo [#43] wieder bei EBAY verkauft worden. Diesmal betrug der Preis 23,05 Euro plus Porto. Dies dürfte ein angemessener Wert für ein Rohrpostformular als Auslandskarte in der Inflationszeit sein.

Schöne Grüße aus Berlin

Rohrpostler
 
Hawoklei Am: 17.03.2010 20:22:38 Gelesen: 948720# 508 @  
Hallo an die Spezialisten,

ich gehe mal wieder ca. 2 Jahre zurück und zeige eine schöne EILBOTEN Sache aus PP 6!

Gelaufen von Wilmersdorf nach Charlottenburg am 12.10.21 8:50 N. Dabei ist die 50 in der Uhrzeit höher gestellt. Habe ich so auch noch nicht gesehen!

Ankunftsstempel Charlottenburg 12.10.21 9.-N.! Frankatur mit 14 Marken gesamt 190 Pf.! Tarif 40 Pf. für Ortsbrief u. 150 Pf. Eil-Bestellgebühr also portorichtig!

Handschriftlich: "früh 7 Uhr zu bestellen".

Ich finde, das ist eine schöne Geschichte!

Schöne Grüsse
Hans


 
Jürgen Witkowski Am: 17.03.2010 20:37:53 Gelesen: 948714# 509 @  
@ Hawoklei [#508]

Die Stempel mit Minutenangabe waren der Berliner Rohrpost zugeordnet und bei Deinem Beleg handelt es sich um einen Rohrpostbeleg aus der INFLA-Zeit. Glückwunsch zu dem schönen Stück.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
muemmel Am: 17.03.2010 21:26:15 Gelesen: 948706# 510 @  
@ Hawoklei [#508]

Guten Abend Hans,

Jürgen hat ja soweit bereits alles geklärt, aber auch ich kann zu dem Beleg nur gratulieren. Rohrpostbriefe der Inflationszeit sind schon echte Sahneteilchen. Leider habe ich noch keinen in meiner Sammlung, schnief.

Zackige Grüße
Harald
 
Hawoklei Am: 18.03.2010 10:09:18 Gelesen: 948654# 511 @  
@ Concordia CA [#509]
@ muemmel [#510]

Danke an euch beiden für die Beurteilung meines Beleges! Ich habe nicht bemerkt, dass es ein Rohrpostbrief ist. Um so besser!

Meine Frage noch: Habe ich das Porto richtig aufgezeigt und galten Tarife für Normalpost genau so auch für Rohrpost?

Schöne Grüsse
Hans
 
Jürgen Witkowski Am: 18.03.2010 10:27:41 Gelesen: 948651# 512 @  
@ Hawoklei [#511]

Es handelt sich bei Deinem Brief um eine Rohrpostsendung ohne Verlangen des Absenders. Der Eilbrief wurde mit der Rohrpost befördert, weil das nach Entscheidung eines Postbeamten in diesem Fall die schnellste Beförderungsart war. Daher galten das Porto und die Gebühren für den Eilbrief. Die Rohrpostgebühr wurde daher nicht eingefordert.

Es gibt sogar einfache Postkarten, die auf diese Weise befördert wurden, wenn es vorher, etwa durch vergebliche Zustellversuche, zu Verzögerungen gekommen war. Einige Beispiele dazu findest Du ab Beitrag [#234]

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen

[Die Beiträge 506 bis 510 wurden redaktionell kopiert aus dem Thema 'Deutsches Reich Inflationsbelege]
 
Jürgen Witkowski Am: 05.04.2010 23:07:47 Gelesen: 947270# 513 @  
Dank eines Hinweises unseres allseits geschätzten Mitgliedes Schmuggler konnte ich unten gezeigten Rohrpost-Beleg erwerben. Er zeigt einen dieser Ausgefertigt-Stempel, über deren Sinngebung und Herkunft in der einschlägigen Literatur keine schlüssigen Theorien zu finden sind.

Der Ausgefertigt-Stempel stammt wohl vom T.A.2 (Börse) und ist vielleicht mit einer dieser elektrischen Zeitstempelapparate aufgebracht worden, wie sie in den Telegrafenämtern auch zur Telegramm-Bearbeitung eingesetzt wurden.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen




(Quelle: http://www.zeno.org/Meyers-1905/I/Wm18930d )
 
kauli Am: 06.04.2010 17:54:37 Gelesen: 947186# 514 @  
Von den "Ausgefertigt" Stempeln kann ich noch weitere verschiedene Ausführungen zeigen.

Hätte auch gerne näheres darüber gewußt, aber wie Concordia schon bemerkt, ist nicht viel drüber zu erfahren.


 
blaujacke Am: 10.04.2010 21:08:47 Gelesen: 946931# 515 @  
Ich melde mich wieder einmal mit einer Frage an das Forum zu den von Joey in [#366] bereits beschriebenen Ankunftsstempeln ab 01.07.1879: Für welche Uhrzeit stehen die Zahlen 1 - 60 ?

Lt. Joey entspräche die "1" (und so habe ich es auch schon gelesen) dem Zugabgang 07.00 Uhr (vom 01.Okt. bis 31.März = 08.00 Uhr!). In einem Artikel "Vorkommende Stempel der Berliner Rohrpost" von Georg Sprenger, Leiter der Bundesarge "BERLIN", Datum nicht bekannt, heißt es aber: beginnend mit der Nr. 1 (Zeit 7 Uhr 15 Min. früh) bis Nr. 60 (zeit 9 Uhr 45 Min. abends)

Was ist nun richtig? Wer hat eine verlässliche Quelle?

Allen Rohrpostlern ein schönes Wochenende
 
Postgeschichte Am: 10.04.2010 21:28:51 Gelesen: 946928# 516 @  
@ blaujacke [#515]

Hallo Uwe,

geht man von den Zugabgängen im 15 Minuten-Takt aus, würde es mit den Nummern 1 - 60 passen, wenn der Beginn um 7.00 Uhr und das Ende um 9 Uhr 45 abends gelegen hätte (60 15-Min. Zeiträume). Bei dem von Herrn Sprenger genannten Zeitrahmen von 7 Uhr 15 Min bis 9 Uhr 45 Min. abends, wären es nur die Nummern 1 - 59.

Gruß
Manfred
 
Martinus Am: 10.04.2010 21:47:01 Gelesen: 946927# 517 @  
Rohrpost - Brief

vom 23.01.1905 aus Berlin gelaufen von Berlin NW 7, 1.20 Uhr zu Berlin SO 16, 1.40 Uhr würde also sagen, der Beleg war 20 Minuten unterwegs? Waren die damals so schnell?





Was hat die 7 auf der Rückseite zu bedeuten?

mfg Martinus
 
Jürgen Witkowski Am: 10.04.2010 22:00:41 Gelesen: 946923# 518 @  
@ Martinus [#517]

Genau die Schnelligkeit war ja einer der Hauptgründe zur Errichtung des Berliner Rohrpostnetzes! Der Nummernstempel mit der 7 ist ein Botenstempel, wie er auf den meisten Rohrpostbelegen jener Zeit zu finden ist.

Mit besten Sammlergüßen
Jürgen
 
blaujacke Am: 11.04.2010 11:49:30 Gelesen: 946877# 519 @  
@ Postgeschichte [#516]

Hallo Manfred,

den Fehler bei Sprenger hatte ich übersehen! Aber dennoch: Der Rohrpostbetrieb begann um 07.00 Uhr bzw. 08.00 Uhr im Winter. Ging dann auch sogleich der erste Zug ab oder mußten nicht erst die Büchsen gefüllt werden? Theoretisch wäre somit die erste Fahrt (Zug 1) um 7.15 Uhr denkbar. Zug 60 entspräche dann 22.00 Uhr!

Da im Winterbetrieb Zug 1 eine Stunde später abging, dürfte es übrigens während dieser Zeit keine Stempelabdrucke mit den Zügen 57 bis 60 geben!

Gruß
Uwe
 
Postgeschichte Am: 11.04.2010 12:40:18 Gelesen: 946871# 520 @  
@ blaujacke [#519]

Hallo Uwe,

die Dienstzeiten der Rohrpostämter und der Beginn des Dienstbetriebes waren festgelegt und sind bekannt. Ausgehend vom Rohrpostamt Nr. 1 (Haupt-Telegraphenamt) wurden täglich in beide Kreise alle 15 Minuten Rohrpostzüge abgesandt. Dabei wurde in Südkreise und Nordkreise unterschieden, mit jeweils unterschiedlichen Abgangszeiten (Stand 1882):

Nach dem Südkreis: Erster Zug 7 bzw. 8 Uhr Morgens; letzter Zug 9 Uhr 5 Minuten Abends

Nach dem Nordkreis: Erster Zug 7 Uhr 10 Minuten, bzw. 8 Uhr 10 Min Morgens; letzter Zug 9 Uhr 10 Min Abends

Die Zeiten sind Abgangszeiten, d.h. die Büchsen waren schon befüllt! Wenn Du die möglichen Zugnummern zuordnen möchtest, mußt Du u.a. die einzelnen Kreise beachten. Des weiteren mußt Du Sonderzüge berücksichtigen, die zum Beispiel während der Börsenzeit innerhalb des normalen viertelstündlichen Absendemodus zusätzlich zwischen den Rohrpostämtern 1 und 9 eingesetzt wurden. Auch zwischen den Rohrpostämtern 4 und 3, 3 und 22, 15 und 12 verkehrten nach Bedarf Extrazüge. Ob diese Extrazüge in die Nummernfolge 1 - 60 einbezogen wurde, ist fraglich. Vielleicht ergeben sich weitere Anhaltspunkte, wenn eine Aufstellung der Belege mit Zugnummern, Stempeln, sowie Absende- und Empfangspostamt vorliegt.

Gruß
Manfred
 
blaujacke Am: 11.04.2010 21:55:37 Gelesen: 946837# 521 @  
@ Postgeschichte [#520]

Hallo Manfred,

für Deine Aufklärung herzlichen Dank! Damit werde ich in der Beschreibung meiner Belege es wohl künftig unterlassen müssen, die Ankunftsstempel in eine konkrete Zeitangabe um zu deuten; denn - was ich bislang unbeachtet ließ - die Zugnummern der anderen Rohrpostämter beziehen sich ja wohl immer auf die Abgangszeit beim HTA!

Deine Angaben werfen mir zudem neue Fragen auf: 1.) Die Zeiten für den Südkreis ergeben nicht durchgängig einen 15-Minuten-Rhythmus und 2.) für den normalen "Zugbetrieb" in beiden Kreisen kann es gar keine 60 Züge gegeben haben.

Gruß
Uwe
 
Postgeschichte Am: 11.04.2010 22:43:15 Gelesen: 946832# 522 @  
@ blaujacke [#521]

Hallo Uwe,

ich glaube, daß Dein Ansatz hinsichtlich des 15-Minuten-Rhytmus Dich auf falsche Fährten bringt. Die Abgangs- und Zugangszeiten anhand der Stempel exakt nachweisen zu wollen, stelle ich mir als unmöglich vor. Dann müsste der Abgang unmittelbar nach der Abstempelung erfolgt sein und der Empfang unmittelbar nach dem Eintreffen? Das dürfte in den seltensten Fällen so gelaufen sein.

Die Laufzeiten zu den einzelnen Rohrpostämtern waren ja unterschiedlich. So betrug die Ankunftszeit der Rohrpost vom Rohrpostamt 1 (Haupt-Telegraphenamt) zum Rohrpostamt 7 (Postamt 64 Unter den Linden) 17 Minuten. Wenn Du einen Beleg dieser Strecke hast, kannst Du ja mal anhand des Absendestempels und des Ankunftstempels die Zeit feststellen, die aber mit der reinen Transportzeit nicht übereinstimmen dürfte, oder doch? Die von Joey in #364 aufgezeigten Ankunftzeiten mit römischen Ziffern könnten auf einen 20Minuten-Rhytmus hindeuten. Ich möchte Dich nicht verwirren, nur neue Denkanstöße geben.

1.) Die Zeiten für den Südkreis ergeben nicht durchgängig einen 15-Minuten-Rhythmus

Woraus schließt Du das? Hast Du die Abgangszeiten?

2.) für den normalen "Zugbetrieb" in beiden Kreisen kann es gar keine 60 Züge gegeben haben

Doch, wie ich in meinen Unterlagen gerade feststelle. Ich werde mich nach Studium melden.

Gruß
Manfred
 
philipaachen Am: 17.04.2010 02:23:00 Gelesen: 946424# 523 @  
Liebe Freunde der Philatelie,

hat jemand an so etwas Interesse?

Gruß
philipaachen

Link von der Redaktion entfernt, Texte und Bilder der Anzeige von der Redaktion ergänzt.

Rohrpostkartusche ca. 20er Jahre, Messing- und Ledereinfassung
Preis: 4.500 EUR VB

Rohrpost aus den 20er Jahren. Es handelt sich hierbei um eine wahre Rarität; vom Museum für Kommunikation Berlin bestätigt, dass es sich um eine Rohrpost-Kartusche aus den 20ern oder früher handelt. Sie ist mit Leder und Messingringen umfasst und funktioniert mechanisch einwandfrei. Sie ist bei Abbrucharbeiten eines Flugplatztowers in den 90ern gefunden worden.
Die Kenner unter Ihnen kennen sicherlich den Wert einer solchen Rarität. Der hohe Preis ist ein Schutz vor meinem Unwissen. Ich freue mich über Ihre Vorschläge.




 
Postgeschichte Am: 17.04.2010 10:12:52 Gelesen: 946402# 524 @  
Schönes Teil "einer" Rohrpost, zumal das Museum für Kommunikation Berlin nur bestätigt hat, daß es sich um eine Rohrpostkartusche handelt. Ein gut erhaltenes Teil, das muß ich neidlos anerkennen.

Die Kartusche weicht von den mir bekannten Kartuschen der Berliner Rohrpost ab, so daß ich davon ausgehe, daß es sich um ein Teil einer privaten Rohrpost handelt. Diese Vermutung wird auch durch den Fundort der Kartusche bestärkt. Mir ist nicht bekannt, daß der Flugplatz an das Rohrpostnetz angeschlossen war (muß auch ein alter Flugplatz mit Speicher gewesen sein). Außerdem waren m.W. die Büchsen nummeriert.

Damit die Bilder zumindest erhalten bleiben, wäre es nett, wenn sie jemand hier einstellen könnte.

Gruß
Manfred
 
Jürgen Witkowski Am: 17.04.2010 12:15:16 Gelesen: 946385# 525 @  
@ philipaachen

Es wäre interessant, zu wissen, in welcher Stadt der im Angebot erwähnte Flughafen-Tower sich befunden hat.

Um es etwas anschaulicher zu machen, worum es sich handelt, habe ich in ein Bild aus deinem Angebot ein Foto einer Rohrpostbüchse aus dem Berliner Haupttelegrafenamt (HTA) hineinkopiert. Es zeigt eine Rohrpostbüchse, wie sie dort bis zum Schluß verwendet wurde.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
cartaphilos Am: 17.05.2010 19:56:12 Gelesen: 943989# 526 @  
Guten Abend,

schön, daß einmal die Behältnisse selbst zum Thema werden, mit denen unsere so schönen Belege - hoffentlich - transportiert wurden. Die Büchse aus dem Flughafenturm XYZ gehört zum Thema "Hausrohrpost", das auch in der technischen Literatur entsprechend separat behandelt wird, und in der Regel mit den postalischen Verfahren und Notwendigkeiten nichts zu tun hat. Interessanter sind die Originalbüchsen, die bei der Post selbst zum Einsatz kamen. Diese wurden von den verschiedenen Firmen, die an der Entwicklung der Rohrpost beteiligt waren, konstruiert und gebaut. Allen voran Siemens in Berlin, dann Carl August Schmidt & Söhne in Hamburg, Zwietusch in Berlin und schließlich Mixt & Genest in Berlin-Schöneberg.

Diese Firma wurde in den 1950er Jahren nach Umzug nach Stuttgart aufgekauft und im Jahre 1958 in die SEL umgewandelt. Als solche baute und modernisierte sie weiter Rohrpostanlagen und eben auch die dazughörigen Büchsen. Dies geschah auch noch zu einer Zeit, als in München und West-Berlin die Stadtrohrpost längst nicht mehr für den Publikumsverkehr zur Verfügung stand. Jedoch blieb ein Teil des Berliner Rohrpostnetzes weiterhin in öffentlichem Betrieb, nämlich die Rohrpost in Ost-Berlin. Für diese baute die SEL weiterhin Rohrpostbüchsen. Mindestens ein Exemplar ist erhalten geblieben und hat die Wende überlebt.



An der Büchse links erkennt man die Ringeinstellungen, mit denen die von der Büchse selbst bewirkte automatische Weichenstellung innerhalb des Netzes der Stadtrohrpost bis zum Zielort ausgelöst wurde. Die Ringeinstellungen stehen für bestimmte Stromkreiskombinationen im Kopf der Büchse selbst, die dem System beim Einschleusen der Röhre in das Netz übermittelt werden und dann zu entsprechenden Weichenstellungen führen. Diese Büchse war nach Auskunft der Vorbesitzers noch bis mindestens 1989 im Einsatz und zwar im Postamt 1020 Berlin (Alexanderplatz). Von dort aus gab es postinterne Verbindungen zum PA 1017 Berlin sowie diverse Hauspostanschlüsse in Richtung der DDR-Ministerien sowie der Berliner Zeitung am Alexanderplatz und dem Neuen Deutschland in der Straße der Pariser Commune (1017 Berlin). In der Seitenansicht der Büchse kann man sehr schön das von dem Graphiker Anton Stankowski zu Beginn der 1960er Jahre gestaltete Logo der Firma SEL erkennen.



Was so ein Stück wert ist? Keine Ahnung? Bei ebay habe ich 6 Euronen dafür bezahlt - froi froi froi ;-) -, was wohl nicht zu teuer ist und genau 4494 Euronen unter dem Schutzpreis für die nichtpostalische Flughafenbüchse liegt.

Viele Grüße an die Rohrpostarchäologen und an alle pneumaticos
 
DerLu Am: 30.05.2010 17:18:45 Gelesen: 941895# 527 @  
Ich möchte das Thema mal wieder hervorholen und einen Beleg, verbunden mit einer Frage, vorstellen: eine Postkarte gelaufen als Postsache am 14.10. 1919 vom Paketpostamt N3 zum Postamt SO 26. Es handelt sich um eine vorgedruckte Postkarte auf deren Rückseite sich ein Formulartext befindet. Mit ihm wurden anscheinend Angestellte kurzfristig zum Dienst bestellt ("Sie wollen sich am … zur Dienstleistung in der Ankunftspackkammer hier einfinden. Sämtliche Führungszeugnisse sind mitzubringen. Tagegeld 3 M 30 Pf."). In diesem Fall sind aber große Teile des Textes durchgestrichen (bemerkenswert: auch das Attribut "Kaiserliches" des Paketpostamtes, schließlich gab es den Kaiser schon seit fast einem Jahr nicht mehr) und es wird darin ein Postbote am nächsten Tag zur Verhandlung geladen.



Meine Frage: kennt jemand noch weitere dieser Rohrpostkarten mit Formulartexten von Seiten der Post (ich meine nicht die Karten verschiedener Berliner Zeitungen mit Wahlergebnissen), und kann sie hier vorstellen ?

Mit besten Sammlergrüßen

Ludger
 
blaujacke Am: 31.05.2010 22:02:13 Gelesen: 941563# 528 @  
@ DerLu [#527]

Hallo Ludger,

schön mal wieder einen Rohrpostler zu erleben! Ich kann Dir nachstehend einen gleichen Beleg vom 20.12.1918, ebenfalls adressiert an Herrn Türk, zeigen. Das Paketpostamt hatte für diese Mitteilungen sicherlich großen Bedarf. So gab es denn nach Kriegsende eben noch Restbestände. Auf meinem Beleg ist das Kaiserreich sowohl im Text als auch im Dienststempel noch existent!



Für vergleichbare Zwecke wurden aber auch einfache Postkarten-Formulare verwendet, wie nachstehend von der Postverzollungsstelle 4 gezeigt.



Aber auch die Postamts-Zeitungsstelle hatte Formulare, die per Rohrpost zur Verwendung kamen.



Es grüßt
Uwe
 
DerLu Am: 01.06.2010 07:07:16 Gelesen: 941536# 529 @  
@ blaujacke [#528]

Danke für deine Belege, dein erster Beleg scheint ja der/ein Vorgänger meines Beleges zu sein (gleiche Formularnummer, geringfügig anderer Text / Satz).

Etwas off-topic: Wg. dem "Kaiserlichen" : Bei deinem Beleg war der Kaiser ja gerade erst seit einem Monat im Exil und die Republik noch nicht richtig etabliert.

Nur: Warum sind 10 Pfennig verklebt ? Die Karte ist doch eindeutig als Postsache deklariert, und muste daher nicht frankiert werden ?

Gruß

Ludger
 
cartaphilos Am: 17.06.2010 07:25:31 Gelesen: 938979# 530 @  
Es gibt etwas zum Thema Ortstarif für Berliner Rohrpostsendungen von und nach außerhalb Berlins zu vermelden.

Bei ebay wurde eine RP 25 mit bemerkenswerter Adressierung verkauft: Empfänger ist ein SS-Scharführer, der nicht in Berlin, sondern im noblen Villenvorort von Berlin-Zehlendorf, in Klein-Machnow lebte. Die Karte ist ohne Zusatzfrankatur, aber auch ohne Taxierung in einen Ort außerhalb Berlins transportiert und dort auch zugestellt worden.



Die Karte wurde am 13. April 1937 zum Spätschalter des Postamtes Berlin SW 11 gebracht und dort mit Minutenstempel 21.10 Uhr versehen. Von dort ging die Karte weiter Richtung Norden nach Berlin W 9 zum Anschluß an das Fahrrohr Richtung Zehlendorf erhielt dort den Ankunfststempel um 21.30 Uhr. W 35, W 57, Schöneberg 1, Friedenau, Steglitz, Lichterfeld, Zehlendorf 1. Ob dir Karte noch den letzten Rohrpostanschluß ereichte und vor 22 Uhr in Berlin-Zehlendorf ankam oder nicht, kann aufgrund der postalischen Merkmale auf der Karte nicht erkannt werden. Im Zuständigkeitsbereich des Postamtes Zehlendorf - genauer des Amtes Zehlendorf 4 - lag nun auch Klein-Machnow. Dieser Ort gehörte zu den wenigen außerhalb Berlins gelegenen Orten, die jedoch postalisch von Berlin aus versorgt wurden. Daher gehört er auch zum Zustellgebiet Berlin und es war der Tarif für Ortssendungen anzuwenden. Dies galt nun auch für die Beförderung per Rohrpost, wobei nicht klar ist, ob diese Karte noch per Rohrpost oder schon mit einem anderen Mittel nach Berlin-Zehlendorf 1 befördert wurde. Dort erhält sie einen Ankunftsstempel (Stunde 24), was bedeutet, daß sie von der dort nachts arbeitenden Telegrammzustellung in Empfang genommen wurde. Ob sie noch nachts in die Zustellung gelangte, kann man nicht ermesen werden. In jedem Fall war hier alles getan worden, um die Karte zum Ortsportotarif so schnell wie möglich an den Empfänger außerhalb Berlins zu bringen. Klein-Machnow wurde nach dem zweiten Weltkrieg noch einige Jahre von Zehlendorf 4 versorgt, obwohl es in der Sowjetischen Besatzungszone lag, bis es dann im Laufe des Jahres 1949 definitiv aus dem Zuständigkeitsbereich berliner Postämter ausgegliedert wurde. Bis dahin düfte aber sioher auch die Möglochkeit bestanden haben, Sendungen nach Berlin - also auch Rohrpost-Sendungen - in Klein-Machnow zum Ortstarif aufzugeben.

Während Klein-Machnow über viele Jahre postalísch Berlin zugeordnet war, gibt es auch einen Ort, der postalisch nur für ganz kurze Zeit dem berliner Zuständigkeitsbereich zugeschlagen wurde: Döberitz im Westen von Berlin, wo das Olympische Dorf für die männlichen Teilnehmer der Spiele eingerichtet war. Döberitz wurde für die Zeit der Olympischen Sommerspiele 1936 dem Ortsbezirk Berlin zugeschlagen, so daß es möglich war, Sendungen nach Berlin zum Ortstarif aufzugeben. Der Stempel gibt jedoch nicht den Ortsnamen Döberitz wieder, sondern liest "Berlin Olympisches Dorf". In Wirklichkeit bezeichnet dieser Stempel also einen Postort außerhalb Berlins. Folgerichtig konnten auch Sendungen per Rohrpost zum Ortstarif zum Versand kommen. Davon sind nur wenige bekannt. Nachfolgender Beleg zeigt eine Frankatur zu 58 Pf mit Olympiamarken auf dem Umschlag des Olympischen Dorfes. Er ist am 13. August 1936 12.20 Uhr in Berlin-Charlottenburg 2 der Rohrpost übergeben worden



und über die Stationen HTA, C 2, C 25 und C 27 um 13.20 Uhr am Postamt Berlin O 17 angekommen.



Von dort ist der Weitertransport nach Berlin SO 16 mit der Eilzustellung erfolgt. Zwar verfügte das PA SO 16 auch über einen Rohrpostanschluß, aber über keine eigenen Eilzustellung, sonst wäre der Brief über C 27 Richtung SO 36 über SO 16 abgeleitet worden.
Die Angaben der Uhrzeit lassen eine letzte Frage stellen; weshalb war der Brief von Charlottenburg 2 nach O 17 etwa 50 Minuten unterwegs? Die Beschriftung legt nahe, daß das richtige Bestimmungspostamt S0 16 erst nachträglich auf dem Brief vermerkt worden ist, denn es handelt sich um eine andere Tinte. Da der Brief in Charlottenburg 2 nicht ohne Bestimmungspostamt in die richtige Richtung geschickt vwerden konnte, war hier also Nachbearbeitung erforderlich. Es sieht jedenfalls so aus, oder?

fragt freundlich alle Rohrpostspezialisten grüßend

telosgraphein007
 
AhdenAirport Am: 17.06.2010 17:58:35 Gelesen: 938801# 531 @  
@ telosgraphein007 [#530]

Meine Interpretation der Karte ist, dass sie nur bis W 9 (= Potsdamer Bahnhof) per Rohrpost gelaufen ist, deutlich durch Leitvermerk und Ankunftstempel. Ab W 9 dürfte sie per Zug nach Zehlendorf befördert worden sein, Zehlendorf 1 erhielt nach meinen Informationen erst 1939 einen Rohrpostanschluss.

Grüße aus Berlin,
joey
 
muemmel Am: 17.06.2010 22:04:15 Gelesen: 938795# 532 @  
"Rohrpost" ist zwar nicht meine Kampfstätte, aber es ist schon toll, was hier zu dem Thema so vorgestellt wird. Wollte ich nur mal so gesagt haben.

Ich suche immer noch einen Rohrpostbeleg mit Rosettenmarke(n).

Schönen Gruß
Harald
 
cartaphilos Am: 18.06.2010 07:06:59 Gelesen: 938705# 533 @  
@ joey [#531]

Danke joey für die Informationen.

Dem muß einmal nachgegangen werden: Wann wurden die beteiligten Postämter an die Rohrpost angeschlossen? W 35, W 57, Schöneberg 1, Friedenau und Steglitz schon viel früher, weil es frühere Belege aus Steglitz gibt. Nach Hueske sind die Rohrpostlinien nach Lichtenrade und Zehlendorf erst 1939 in Planung genommen, aber niemals vor 1945 fertiggestellt worden. Aber wie hat der Transport von W 9 oder von Steglitz aus nach Zehlendorf dann stattgefunden? Von W 9 per Rohrpost nach Steglitz wäre wegen des Erreichens von Steglitz vor Rohrpostschluß um 22.00 Uhr noch möglich gewesen. Von dort wäre es dann weitergegangen nach Zehlendorf 1 und die Sendung wäre dort in Stunde 24, also irgendwann zwischen 23.00 und 24.00 Uhr dort angekommen und zur Zustellung nach Klein-Machnow gebracht worden. Natürlich ist ein analoges Vorgehen, nur jetzt ohne Ableitung per Rohrpost nach Steglitz, denkbar, wenn die Sendung von W 9 aus nach Zehlendorf transportiert worden wäre, doch die Ableitung per Rohrpost nach Steglitz erscheint mir am wahrscheinlichsten. Aber: warum trägt die Sendung dann keinen Stempel aus Steglitz, fragt

alle pneumaticos freundlich grüßend

telosgraphein007
 
DerLu Am: 18.06.2010 09:35:48 Gelesen: 938679# 534 @  
Hallo,

wahrscheinlich war bereits bei der Aufgabe am PA SW 11 klar ( oder unsicher ) dass die Karte bis zum Rohrpostschluß sein Ziel nicht erreichen würde. Zu diesem Zeitpunkt war wahrscheinlich die Weiterleitung zum Potsdamer Bahnhof und von dort Weiterbeförderung mit dem Zug die schnellste Beförderungsvariante.

Die Postämter W35, W57, Schöneberg1, Friedenau und Steglitz sind bereits vor dem 1. Weltkrieg an das Rohrpostnetz angeschlossen worden:
W35 1887
W 57 1901
Schöneberg 1 1894 ( 1895 ? )
Friedenau 1 1907
Steglitz 1 1913

Zu deinem zweiten Beleg aus dem Olympischen Dorf:

Die Adresse ist eindeutig mit zwei unterschiedlichen Stiften geschrieben worden, mir scheint aber mit ein und der selben Schrift. Auch ist die Adresse die mit dem ersten Stift geschrieben wurde unvollständig : "im Verlag der", und dann erst mit neuem Stift "D.A.F. Abtl Druck." Die Absender hat die Adresse m.M. nach in zwei "Durchgängen" geschrieben. Ein Postbeamter hätte einfach nur das Zustellpostamt ergänzt, mehr nicht ( er hätte ja auch nicht gewusst in welcher Abteilung der Adressat arbeitet ). Die Adresse lag, zu mindesten früher einmal, im Zustellbereich des Postamtes SO 16. Eventuell ist der Brief wg. technischer Probleme ( Leitungsstörung. o.ä. ) nach O 17 geleitet worden.

Gruß

Ludger
 
cartaphilos Am: 21.06.2010 08:49:23 Gelesen: 937313# 535 @  
Hallo Ludger [#532],

danke für Diskussion und Anregung, die mich noch einmal zu vertieftem Studium der Unterlagen und Nachdenken über die Verhältnisse veranlaßt haben.

Zum ersten Beleg ist es klar, daß nur die Ableitung über W 9 sinnvoll war, denn nur über dieses RPA konnte der Anschluß nach Steglitz erreicht werden. Mir scheint, daß die Zeit noch ausreichend gewesen sein dürfte, die Sendung vor Rohrpostschluß (22.02 Uhr für Steglitz) bis Steglitz durchzubekommen. Von W 9 bis Steglitz ist nach Rohrpostfahrplan folgende Fahrtzeit anzusetzen:

W 9 - 2 min. - W 35 - 2 min. - W 57 - 3 min. - Schöneberg 1 - 3 min. - Friedenau - 3 min - Steglitz

Es ergibt sich eine Gesamtfahrtdauer auf dieser automatisierten Schnellrohrpostlinie von 13 Minuten.

Da auf der Schnellrohrpostlinie HTA - Steglitz im 5-Minutentakt gefahren wurde, käme auf diese Weise selbst eine Rohrpostsendung, die mit dem Zug um 21.45 Uhr abgesendet würde, noch vier Minuten vor Rohrpostschluß in Steglitz an. Da die vorliegende Sendung um 21.30 in W 9 bearbeitet wurde, ist es sehr wahrscheinlich, daß sie noch einen der vier Rohrpostzüge (21.30, 21.35, 21.40, 21.45) oder gar den letzten Richtung Steglitz um 21.50 Uhr erreichte, der laut Rohrpostfahrplan um 22.02 Uhr dort ankam. Nach den technischen Daten und den Fahrplänen stand also einem rechtzeitigen Erreichen von Steglitz per Rohrpost nichts im Wege.

Wie es dann von dort aus weiterging, kann man nur erahnen: mit dem Krad, mit dem Auto, gar mit dem Postbeutel auf der Wannseebahn, einer Teillinie der Berliner S-Bahn (gab es diese Beförderungsart überhaupt vor dem Postschnelldienst von 1949?)

Beim zweiten Beleg stellt sich die Frage, wo sich die zuständige Eilzustellung befand, denn nicht jedes Postamt verfügte auch über eine Eilzustellung. Außerdem ist es fraglich, ob ein so großer Postkunde wie der Verlag der sogenannten DAF nicht Selbstabholer war, der mehrfach am Tag die eingehende Post abholte, und die Selbstabholung auch Eilsendungen betraf. Wir wissen nicht, wie im Jahre 1936 das Reglement zwischen der Reichspost und dem Verlag war. Aus eigener Beobachtung kann ich jedoch sagen, daß noch bis in den Beginn der 1990er Jahre hinein Selbstabholer aus den in dieser Region Berlins zahlreich angesiedelten Verlagen auch aus anderen, entfernteren Zustellbereichen ihre Post an den Paketschalter des Postamts O 17 (in der DDR dann 1017 Berlin) brachten, denn dies war der Schalter für Massenauflieferungen und ZKD-Sendungen, und von dort auch abholten. Warum dies so war, kann man einfach erklären: Die im Verlagswesen für das Hin- und Hersenden von Druckplatten und Korrekturfahnen so wichtigen Bahnhofssendungen wurden über O 17 eingeliefert und dort, so wie es laut Ordnung für die Bahnhofssendungen vorgesehen war, vom Empfänger auch abgeholt. Weshalb O 17 und kein anderes Amt? O 17 war das Bahnpostamt mit eigenem Postbahnhof direkt am Ostbahnhof gelegen, hier kam die kiloschwere Post für die Verlage per Bahn an.

Kann man aus den Verhältnissen von 1990 auf die von 1936 schließen? Ja und nein: Politisch war alles anders geworden, doch in den Verfahren der Post gibt es eine unglaubliche Beständigkeit: was sich einmal als funktional erwiesen hat, wird so schnell nicht geändert.

Es waren also - so ist mit einiger Berechtigung anzunehmen - regelmäßig Boten der Verlage in Richtung O 17 unterwegs, um dort Postgeschäfte zu erledigen. Ist das eine Erklärung für die Ableitung der Rohrpost-Eilboten-Sendung aus dem Olympischen Dorf nach 0 17 anstelle von SO 16? Denn wenn wir nicht den dargelegten Umstand oder eine Rohrpoststörung annehmen, dann hätte die Sendung über O 27 nach SO 16 abgeleitet werden müssen, wenn dies ein Zustellamt mit Eilzustellung gewesen wäre.

einen schönen Tag noch
wünscht
telosgraphein007
 
DerLu Am: 21.06.2010 14:58:46 Gelesen: 937291# 536 @  
@ telosgraphein007 [#535]

Hallo telosgraphein007,

ich meinte, dass die Karte nicht mit der Rohrpost-Schnelllinie nach Steglitz und dann mit Boten weiter nach Zehlendorf geleitet wurde, sondern vom Potsdamer Bahnhof mit dem Zug (Stichwort Wannseebahn) direkt nach Zehlendorf geleitet wurde. Dies war zu dem fraglichen Zeitpunkt wahrscheinlich schneller als mit der Rohrpost nach Steglitz und von dort mit Boten nach Zehlendorf.

Zur Frage O17 oder SO16:

Vorweg ich bin mit dem Zeitraum nach 1923 nicht ganz so vertraut, aber ich wundere mich über die Aussage dass das Postamt SO16 keine Eilbestellung besaß. M.M. nach macht ein Rohrpostamt ohne Eilbestellung keinen Sinn. Zumindestens bis 1923 hatte jedes Postamt mit Rohrpostbetriebsstelle eigene Boten, die für die sofortige Bestellung der eingehenden Telegramme und Rohrpostsendungen bereitstanden. Denn nur so war die unverzügliche Zustellung gesichert.

Gruß

Ludger
 
cartaphilos Am: 21.06.2010 23:47:32 Gelesen: 937273# 537 @  
@ DerLu [#536]

Hallo Ludger

zu Beleg 1.

möglicherweise wäre die Verladung in die Wannseebahn ab S-Banhhof Potsdamer Platz nach Zehlendorf schneller gewesen, zumal das Umladen in Steglitz in die S-Bahn oder die Übergabe an einen Boten entfallen wäre. Aber auch in diesem Fall der direkten Übergabe an die Wannseebahn hätte die Karte oder der Postsack, in dem sie transportiert wurde, erst einmal zur S-Bahn gebracht werden müssen, was auch seine Zeit kostet.

Zudem habe ich ja nicht gesagt, daß die Karte per Rohrpost-Schnellinie transportiert worden ist, sondern daß die Zeit allemal ausgereicht hätte, sie innerhalb des Postbetriebes selbst noch zeitgerecht bis nach Steglitz zu befördern. Leider ist kein Stempel von Steglitz drauf, was uns weiter rätseln läßt. Nun eien Frage: was hat es mit dem Postsack auf sich, der per S-Bahn nach Zehlendorf transportiert worden ist. Wo gibt es Informationen darüber?
Bekannt ist (gemäß der damaligen Berlin-Reiseführer), daß bereits gegen 1914 eine Schnellpostverbindung unter Nutzung der S-Bahn nach Grunewald in Betrieb war. Belege fehlen jedoch. Gab es so etwas auch Richtung Zehlendorf - immerhinn auch eine reiche Ecke von Berlin mit ihren speziellen Privilegien?

zu Beleg 2.

Nach reiflicher Überlegung scheint es mir die - von mir als Vermutung formulierte - These plausibel zu machen, daß SO 16 wahrscheinlich keine eigene Eilzustellung hatte: Rohrpostanschluß bedeutete damals vor allem, daß die Sendungen laufend eine der vier bis sechs täglichen Zustellungen erreichen konnten. Das war ja auch der Sinn der Entkoppelung von Rohrpost- und Eilbotenporto ab ca. 1933/34. Man konnte Sendungen per Rohrpost zur nächsten Zustellung befördern lassen.

Nach meinen Erfahrungen - gelernter Spandauer, wobei Spandau vergleichbar ist mit einer Stadt mit ca. 220.000 Einwohnern - gab es in Spandau für den ganzen Bezirk eine einzige Eilzustellung - also von Hakenfelde im Norden bis nach Kladow im Süden, von Staaken im Westen bis nach Siemensstadt im Osten -, obgleich es natürlich zahlreiche Postämter gab (so um die 14 einschließlich Kladow, Gatow, Hakenfelde, Haselhorst, Siemensstadt, Staaken, die meistens jeweils mehr als ein Postamt hatten). Die Rechnung lautete also nicht pro Postamt eine Eilzustellung, sondern die 'Eilbullen' (wie wir sie Anfang der 70er Jahre als Aushilfszusteller der Bundespost in Spandau nannten) deckten den gesamten Bezirk ab. Sinn der Maßnahme war es, daß es ökonomisch effizienter war, die ca. 15 bis 20 Eilzusteller alle Stunde oder nach Zugang einer ausreichenden Menge an Telegrammen und Eilsendungen auch öfters mit dem Motorrad in alle Richtungen des Bezirks loszuschicken, als pro Postamt eine eigene Eilzustellung zu unterhalten.

Wenn man nun bedenkt, daß auch für das Stadtzentrum entsprechende ökonomische Überlegungen galten, dann scheint es plausibel, daß eine Eilsendung, wenn sie denn als solche zugestellt worden sein sollte - immerhin fehlt dieser Sendung das rückseitige 'Brikett', der in Berlin übliche brikettförmige Botenstempel also -, dann wohl von 0 17 ausgehend, einem Postamt, das sich weniger als 2 km vom Postamt SO 16 entfernt befand.

Hier wird wohl die Regelung, die bis 1923 galt, schon aufgeweicht gewesen sein: keine eigenen Boten für jedes Rohrpostamt, denn dies war einfach zu kostenintensiv hinsichtlich des variablen Kapitals, also der Personalkosten. Die ganze Geschichte der Rationalisierung der Post weist in diese Richtung des Herunterfahrens des Personalbestandes, und die Rohrpost selbst ist genau schon ein Ergebnis dieser Entwicklung, Sendungen mit geringem oder keinem Personaleinsatz von A nach B befördern zu können.

Aber beenden wir die Spekulationen: was wir brauchen sind zeitgenössische (also 1935-1937) Rohrpost-Eilbotenbelege nach SO 16, die tatsächlich auch den entsprechenden RP-Stempel und dann auch noch den Brikettstempel des Eilboten aufweisen. Dann sehen wir - vielleicht - klarer.

pneumatische Grüße
von
telosgraphein007
 
DerLu Am: 22.06.2010 11:12:12 Gelesen: 937245# 538 @  
Hallo telosgraphein007,

ich hoffe ich kann es für 1904 belegen (aus "Postbuch für Berlin und Umgebgend" Oktober 1904):

"Unter Postverbindungen von Berlin nach den Orten der Umgebung" sind für die Postorte die Abgangszeiten und das Abgangspostamt gelistet.
Unter "Vorbemerkung" heisst es : "" ..; bei den an den Bahnhöfen belegenen Postämtern 4, 9, 11, 17, 36 und 40 ist jedoch als Abgangszeit der mit der Eisenbahn beförderten Posten die Abfahrtszeit des Eisenbahnzuges angegeben."

Unter "Zehlendorf (Wannseebahn)" sind die Postämter "Berlin C1 u. C2" und "Berlin W 9" als Abgangspostämter gelistet. Zusammen mit den Vorbemerkungen ziehe ich den Schluß, dass die Post ab W 9 mit dem Zug nach Zehlendorf gelangte (dort ist übrigens an Werktagen der letzte Zug um 23:30 gelistet).

Ob man natürlich diese Verhältnisse auch ins Jahr 1937 extrapolieren kann, weiß ich nicht.

Gruß

Ludger
 
cartaphilos Am: 22.06.2010 15:24:27 Gelesen: 937219# 539 @  
@ DerLu [#530][#531][#533][#534][#535][#536][#537][#538]

Danke.

Diese Belege historischer Vorschriften haben einiges für sich, doch die Frage ist, ob Zehlendorf noch im Jahre 1937 postalischerseits zu den Vororten zählte, die mit einem eigenen Bahnpostwagen entsprechend beliefert wurden. Der Ankunftsstempel von 24 Uhr legt nahe, daß die Karte nicht schon spätestens um 22.02 Uhr in Steglitz war, denn von dort nach Zehlendorf 1 ist es erheblich kürzer, sodaß eine Abstempelung zur Stunde 23 hätte drin gewesen sein müssen.

Doch ein weiteres: Wie der Zufall so spielt, entdecke ich soeben in einem Konvolut von Berliner Telegrammen, die allesamt per Rohrpost gelaufen sind, folgendes:



Das Telegramm ist adressiert an die Köpenicker Str. 88, also genau 34 Hausnummern oder - gemäß der Hausnummernverteilung in Berlin: rechts die ungeraden, links die geraden oder umgelehrt, je nachdem aus welcher Richtung man kommt - 17 Häuser neben dem PA SO 16, das in der Köpenicker Str. 122 untergebracht war. Das zuständige Zustellamt ist jedoch O 17, wie die rote Wegevorschrift durch das sicherloich gut informierte HTA Berlin und der Ankunftstempel der Rohrpost in O 17 belegt. Mein Schluß: Wenigstens im Jahre 1937 war das für den Einzugsbereich des PA SO 16 für Eilsendungen und Telegramme zuständige Amt das PA O 17. Dies würde erklären, weshalb der Beleg aus dem Olympischen Dorf ebenfalls über O 17 der Zustellung zugeleitet wurde.
 
cartaphilos Am: 24.06.2010 20:00:19 Gelesen: 937072# 540 @  
@ DerLu [#538][#539]

Ergänzung zum vorherigen:

Fahre heute zufälligerweise am Köllnischen Park im Bezirk Mitte vorbei und plötzlich beginnt die Köpenicker Straße:

Alles Nummern unter 100, und zwar westlich noch der Brückenstraße und des Standortes des ehemaligen PA SO 16 in der Köpenicker Str. 122. Das bedeutet, daß sogar das PA SO 116 selbst im Zustellgebiet der Telegramm- und Eilzustellung des PA O 17 gelegen war und der Eilbote regelmäßig - wenn er z.B. in die Köpenicker Str. 88 oder gar in die weiter westlich gelegenen Verlagshäuser wollte, am PA SO 16 vorbeifuhr. Es sieht also so aus, als sei dies nicht nur 1937 - wie das Telegramm es zeigt - sondern auch im Jahre 1936 bei der Beförderung des Rp-Eil-Orts-Bfes aus dem Olympischen Dorf per Eilzustellung des PA O 17 der Fall gewesen. Eine Eilzustellung des PA O 16 ist wohl vorerst nicht zu vermuten.

einen schönen Tag noch
und pneumatische Grüße
telosgraphein007
 
DerLu Am: 25.06.2010 07:32:48 Gelesen: 937037# 541 @  
@ telosgraphein007 [#540]

Das ist natürlich praktisch, wenn man quasi vor Ort mal eben vorbei schauen kann. ;-)

Nur zur Ergänzung aus einem "Strassenverzeichnis von Berlin mit Angabe der Zustellpostanstaltenanstalten" aus dem Jahre 1925, dort ist für die Cöpenicker Str. mit den Hausnummern 30 - 142 das PA SO16 genannt ( für die Hausnummern 1-20 und 143 bis Ende war das PA SO33 zuständig ). Für den Köllnischen Park wird ebenfalls das SO16 genannt.

Jetzt wäre es interessant heraus zu finden ob es ein Einzelfall war, dass das größere PA O17 die Eilzustellung für das SO16 übernahm (ab wann ?) oder dahinter eine strategische Umorganisierung der Eilbestellung stand bei der die Eilbestellung auf wenige Postämter konzentriert wurde. Steht dies eventuell auch in Zusammenhang mit dem Aufheben der zwangsweisen Verbindung zwischen Eilbestellung und Rohrpostversand im Jahre 1935?

Dann könnte man aber auch spekulieren, dass der Rohrpostbrief aus dem Olympischen Dorf wäre er ohne verlangte Eilbestellung dann doch nach SO16 geleitet worden wäre?

Gruß

Ludger
 
cartaphilos Am: 25.06.2010 12:35:46 Gelesen: 937015# 542 @  
@ DerLu [#540]

Genau meine Meinung: Gewöhnliche Zustellung - auch mehrmals täglich - über SO 16, Eilzustellung, die einen wesentlich größeren Zustellbezirk hatte, über O 17. Das hat seinen Sinn darin, daß die Zahl der Eilsendungen und Telegramme erheblich geringer ist als die der gewöhnlichen Post, es also sinnvoll ist, Zusteller für größere Bezirke vorzusehen. Der Hintergrund der Aufsplittung des einheitlichen Rohrpostportos in den Rohrpost- und den Eilbotenanteil scheint mir einleuchtend, wenn nicht mehr alle Zustellämter auch über eine Eilzustellung verfügten. Die Nagelprobe wäre dann tatsächlich der einfache Rohrpostbeleg, der nur "zur nächsten Zustellung" tatsächlich nach SO 16 gefahren worden wäre. So ein Beleg liegt mir noch nicht vor, ich bin aber sicher, daß so etwas auch auftauchen wird. Immerhin hat Hueske zwei Brücke-Gitter-Stempel (einer mit Sternchen) von SO 16 aus den späten 30er Jahren abbilden können, wobei es sich in beiden Fällen um Ankunftstempel handeln dürfte.

beste Grüße

telosgraphein007
 
DerLu Am: 28.06.2010 11:05:37 Gelesen: 936803# 543 @  
@ telosgraphein007 [#542]

Ich habe noch einmal meine Unterlagen befragt. Laut einer Quelle war bereits ab dem 1. August 1927 für Sendungen nach außerhalb Berlins, die innerhalb von Berlin per Rohrpost nach Bahnpostämtern bzw. zum Flughafen gesendet wurden die Eilbestellgebühr nicht mehr zwingend erforderlich. Diese Trennung der Rohrpostbeförderung und Eilbestellung wurde dann später auf weitere Sendungen ausgeweitet.

Ich glaube, dass es für die Zeit zwischen 1923 und 1945 bei der Rohrpost noch viel zu erforschen und zu entdecken gibt.

Zu dem SO16 Rohrpoststempel: Wieso meinst du, dass es "nur" ein Ankunftsstempel war? M.W. waren Rohrpoststempel immer zugleich Aufgabe- und Ankunftsstempel.

Gruß

Ludger
 
cartaphilos Am: 01.07.2010 23:15:29 Gelesen: 936697# 544 @  
@ DerLu [#543]

Ich denke, daß Hueske Ankunftstempel abgebildet hat, weil die Reproduktion so klar ist. Inwiefern Rohrpoststempel tatsächlich am Schalter eingesetzt wurden, läßt sich schwer sagen, insbesondere für SO 16, solange keine entsprechende Sendung, und hier bitte möglichst ein am Schlter eingeleifertes Einschreiuben per Rohrpost vorliegt. Nach der Rohrpostordnung für Berlin, die mir in verschiedenen Fassungen der Zwischenkriegszeit vorliegt, sollten die für die Rohrpost bestimmten Sendungen am Schalter angenommen und die Marken entwertet werden, dann zur Rohrpostabfertigung weitergeleitet und dort mit dem Minutenstempel bedruckt werden. Der Minutenstempel - vulgo: Rohrpoststempel - dokumentiert also die vom Schalter aus durchgehenden und weiterzuleitenden oder die mit den Rohrpostzügen eingehenden Sendungen. Es gibt Sendungen, bei denen die Frankatur mit dem Minutenstempel entwertet ist. Ob dies am Schalter oder erst in der Rohrpostbearbeitung des entsprechenden Postamtes stattgefunden hat, ist schwer zu sagen. Per Rohrpostbriefkasten eingelieferte Sendungen sollten in jedem Fall zur Dokumentation dieses Sachverhalts am für die Rohrpostkastenleerung zuständigen Schalter gestempelt werden, und das ist dann wieder der gewöhnliche Stempel. In jedem Fall macht die Rohrpostordnung für Berlin einige erstaunliche Unterschiede hinsichtlich der Behandlung der Sendungen, die alle jeweils genau auf die Behandlungsart der entsprechenden Sendung hinweisen. Das auszuführen müßte man jedoch ausführlioch die Vorschriften der Rohrpostordnung für Berlin zitieren. Vielleicht ein andermal. Nach den Informationen aus den Dienstordnungen waren die Minutenstempel vor allem hausinterne Durchgangs- und natürlich auch Ankunftstempel. An welchen Sachalten Minutenstempel im Einsatz waren, ist ungewiß. Nach meinen Beobachtungen aus den 1960er Jahren dürften es in der Regel immer nur der Schalter 1 oder ggf. auch der Achalter 2 gewesen sein. Schalter 1 oder die beiden ersten Schalter waren für die Annahme vorrangiger Sendungen zuständig: Über der Schalteröffnung befand sich ein Transparent mit Schriften wie "Telegramme und Eilsendungen" oder auch ein rotes Transparent mit der Inschrift "Rohrpost". Wer solche Sendungen einzuliefern hatte, durfte auch mit Vorrang vor alle anderen Wartenden in der Schlange nach vorne treten - nicht ohne vorher gefragt zu haben, ob noch jemand anderes eine schnelle Sendung aufzugeben hatte - und seine Sendung aufgeben.

Diese SAchalter komen jedenfalls für den Einsatz der Minutenstempel in Frage. Fütr das dauernde Umstellen der Stempel - jedenfalls der gewöhnlichen Stempel, wie ich es beobachten konnte - gab es spezielle Kräfte, die beständig im Einsatz waren, die Stempel im Postamt umzustellen und die Umstellung durch einen entsprechenden Abdruck auf einem Kontrollblat zu dokumentieren. Man stelle sich vor, was der zuständige Postbeamte am Rohrpostschalter in Berlin-Neukölln zu tun hatte, zumal dort mindestens ein 5-Minutenstempel zum Einsatz kam! 12 mal pro Stunde schritt er zur Tat!

Einen schönen Abend noch

wünscht telosgraphein007
 
cartaphilos Am: 03.07.2010 13:42:40 Gelesen: 936519# 545 @  
Guten Morgen,

irgendwie bringt mich die Frage der Behandlung unzustellbarer oder mit Schwierigkeiten zustellbarer Sendungen immer tiefer in meine Belegekisten, und schon kommt ein Telegramm nach Berlin vom 25. September 1899 mit massiven Rohrpostmerkmalen zum Vorschein:



Es geht an eine Hochzeitsgesellschaft oder wenigstens an eine der an der Eheschließung beteiligten Personen. Die Freunde, Verwandten oder Bekannten aus Schochwitz, die auch telegraphisch gratulieren wollten, wußten wohl nur in etwa, wo die Feier stattfinden sollte (in Berlin üblicherweise in einer Gaststätte, einem Wirtshaus, einer Schenke oder eben ganz proletarisch in einer Kneipe) und adressierten voller Postvertrauen wohl an eine der Hauptpersonen der Hochzeitsgesellschaft in der Cottbuserstraße 41. Dabei ist es ganz bemerkenswert, daß der Ortsname in diesem Straßennamen korrekt mit "C" geschrieben ist, während entsprechende Berliner Straßennamen, wie der des Kottbuser Tores, der Kottbusser Straße und des Kottbusser Dammes bis heute falsch mit "K" geschrieben werden.

Das Telegramm kam im HTA (Haupttelegraphenamt) Berlin an und damit begannen die Probleme. Wohl gibt es eine Kottbusser Str. im Bezirk Kreuzberg (Bereich des PA SO 26) und schon ging das Telegramm - eingegangen beim HTA um 15.16 Uhr - per Rohrpost von HTA nach SO 26, wo es um 15.50 respektive 3.50 N ankam. Nur eien Frau Arnold in der Kosbusser Str. 41 konnte der Telegramm- und Eilzusteller nicht ermitteln. Ein anderer Straßenname mußte her: Kottbusser Damm - gleich die Verlängerung der Kottbusser Straße - oder gar Putbusser Straße im zwei Bezirke weiter nördlich im Bezirk Wedding gelegenen Gesundbrunnen.

Die Odyssee dieses Telegramms im Berliner Rohrpostnetz ist mustergültig durch die verschiedensten Minutenstempel dokumentiert. Die verschiedenen Zuleitungen des Telegramms per Rohrpost sind gemäß Rohrpostordnung Berlin oben links mit Rotstift als Wegevorschriften aufgeschrieben und ggf. auch wieder ungültig gemacht worden:

25.9.99, 3.50 N, Berlin SO 26
25.9.99, 5.10 N, Berlin S 59
25.9.99, 6.50 N, Berlin SO 26
25.9.99, 8.50 N, Berlin SO 26
25.9.99, 9.15 N, Berlin HTA
26.9.99, 7.15 - 8.45 V, Zustellversuch durch PA SO 26, dann wieder Rohrpost
26.9.99, 9.#5 V, Berlin W ?
26.9.99, 9.50 V, Berlin N 31

Danach verlaufen sich die Spuren des Weges im Nichts. Ob dieses Telegramm jemals seine Adressaten erreicht hat, ist zweifelhaft. Der letzte verzweifelte Zustellversuch führte dieses Telegramm nach intensiven Bemühungen um seine Zustellung im Grenzbereich zwischen Kreuzberg und Neukölln gar noch am nachfolgenden Tag nach Wedding, dies schon zu einer Zeit, als die Teilnehmer dieser Hochzeitsgesellschaft wohl irgendwo in Berlin noch ihren Rausch ausschliefen, das Brautpaar aber schon längst vollzogen hatte, was es in einer Hochzeitsnacht womöglich eben so zu tun gab.

Aber:

Der 25. September 1899 war ein Montag und wer heiratete schon an einem Montag? Also war dies nur ein nachträgliches Glückwunschtelegramm und die Brautleute waren schon woanders hin verzogen? ;-) Oder hatten wenigstens noch schöne Erinnerungen an ihre Hochzeit, die sie am 23. September 1899 auf dem Standesamt, und am 24. September 1899 wohl in der Kirche und zwischendurch und anschließen in der Gaststätte oder wo auch immer vebracht hatten.

einen schönen Tag noch, pneumatische Grüße und ein spannendes Fußballspiel heute nachmittag.

telosgraphein007
 
cartaphilos Am: 03.07.2010 20:30:18 Gelesen: 936498# 546 @  
@ Schmuggler # 115

Ich hole heute einmal eine alte Kamelle hervor. Vor zwei Jahren rauschte folgender Beleg mit dem rätselhaften Rohrpost-Stempel BERLIN *Ztr* hier durch den philatelistischen Cyberspace: