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Thema: (?) (1713) Altdeutschland Bayern: Schöne Belege
Christian Am: 17.02.2009 22:40:58 Gelesen: 506949# 1 @  
Hallo zusammen!

Nachdem Richard der Meinung ist, dass das Thema "Belege aus Altdeutschland" regen Zuspruch finden dürfte, worüber ich mich sehr freuen würde, erschien eine Aufteilung nach den Gebieten sinnvoll. Deshalb stelle ich einen weiteren Beleg in einem neuen Thema vor und zwar eine Ganzsache aus Bayern. Ich wollte das Thema einmal nicht mit einem "Kreuzer-Beleg", die ich sehr schätze, eröffnen.



Bei dem Beleg handelt es sich meiner Einschätzung nach um den ovalen Wertstempel, Wappen in Kreuzerwährung zu 3 Kreuzer von 1872, da die Unterklappe den kreisförmigen Ausschnitt unter dem Klappenstempel aufweist. Leider verdeckt das Siegel auf der Rückseite das Posthorn. Bei dem was davon zu sehen ist, würde ich eher auf K1 als auf K2 tippen.

Wenn ich richtig liege handelt es bei dem Umschlag um einen U2 K1.Die Echtheit würde ich persönlich nicht anzweifeln.



Abgestempelt wurde der Brief im Postamt München I am 27.9. (1872 oder 1873?) zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags.

Zugestellt wurde der Brief in Ortrand(?) am 28.9.

Je nachdem wie herum man die Rückseite hält, würde ich Signum im Siegel als "M. T." oder S. W. interpretieren.

Eure Meinung sowie weitere Belege wären höchst willkommen!

Grüße

Christian
 
HEFO58 Am: 17.02.2009 23:19:49 Gelesen: 506941# 2 @  
@ Christian [#416]

Hallo
Christian

Ortrand ist eine Gemeinde im Landkreis Liebenwerda:

http://www.ulischubert.de/geografie/gem1900/gem1900.htm?sachsen_provinz/liebenwerda.htm

Gruß
Helmut
 
bayern klassisch Am: 18.02.2009 17:37:15 Gelesen: 506907# 3 @  
Hallo Christian,

na dann will ich auch mal einen hier präsentieren:

6er Block der Nr. 15 von Bayern auf Brief von Kissingen vom 1.7.1869 über Österreich nach dem Kirchenstaat. Der Brief war für die Strecke bis zur Grenze des Kirchenstaates um 6 Kr. überfrankiert. Ab da kostete es den Empfänger noch 25 Centesimi.



Gruß von bayern klassisch
 
Christian Am: 18.02.2009 18:27:31 Gelesen: 506889# 4 @  
@ bayern klassisch

Hallo Ralph,

ein schönes Stück, um dass ich dich beneide.

Hier noch ein Brief, frankiert mit 3 Kreuzer (Nr. 9a), abgestempelt in Ludwigshafen am 6.3.1866 nach Gimmeldingen im Pfälzerwald? Das Porto spräche dafür.



Grüße Christian
 
bayern klassisch Am: 18.02.2009 18:42:24 Gelesen: 506885# 5 @  
Hallo Christian,

na ja, Pfälzer Wald kommt der Sache schon recht nah; es war, wie die grössere Nachbarstadt Neustadt auch, an der Haardt gelegen. Heute eher an der Weinstrasse, aber diesen Terminus gab es damals noch nicht.

Dein Brief wurde für 3 Kr. Franko innerhalb der Pfalz bis 1 Loth Gewicht transportiert, die letzte Strecke aber mit dem Pfälzer Landpostboten, der, da fest angestellt ab 1.10.1858, kein Geld fürs Austragen bekam.

Wenn weitere 18 Kreuzer - Frankaturen von mir gewünscht werden, kann ich noch etwas nachlegen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Christian Am: 18.02.2009 18:53:18 Gelesen: 506881# 6 @  
@ bayern klassisch

Hallo Ralph,

ich wohne zwar in seit einigen Jahren in der Westpfalz, bin und bleibe aber ein Franke aus Nürnberg. Nicht ich habe die Behauptung von Gimmeldingen im Pfälzerwald aufgestellt. Das tat die Gemeinde höchst persönlich!

http://www.gimmeldingen.de

Ich bitte darum, noch etwas nach zu legen.

Herzliche Grüße

Christian
 
bayern klassisch Am: 19.02.2009 07:58:00 Gelesen: 506849# 7 @  
Hallo Christian,

dann zeige ich mal eine Einzelfrankatur der Nr. 13a auf Brief von Nürnberg vom 5.3.1864 nach Paris. Das Franko ab dem 1.7.1858 war für einfache Briefe auf 12 Kr. bis 10g Gewicht reduziert worden. Dieser hier wog mehr als 10g und hätte folglich als Doppelbrief 24 Kr. kosten müssen. Das hat man verpennt, denn der P.D. - Stempel dokumentierte ja sowohl der französischen Postverwaltung als auch dem Empfänger in Paris, dass er für diesen Brief nichts mehr zu zahlen hatte.

Einzelfrankaturen, noch dazu vom Rand, sind nicht häufig; ebenso wenig unerkannt durchgeschlüpfte Unterfrankaturen.

Bei Interesse, könnte ich noch etwas nachliefern. :-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
Christian Am: 19.02.2009 15:20:58 Gelesen: 506830# 8 @  
@ bayern klassisch

Hallo Ralph,

um auch die humoristische Variante nicht ganz außer Acht zu lassen, habe ich eine Drucksachenpostkarte mit Michel-Nr. 60y b (meine Einschätzung), gelaufen von Nürnberg nach Rothenburg ob der Tauber vom 22.10.1906.



Irgendwie würde ich den Begriff "Bekennerschreiben" aus heutiger Sicht anders interpretieren.



Mit der bitte um Nachlieferung verbleibt
herzlichst grüßend

Christian
 
bayern klassisch Am: 19.02.2009 19:00:27 Gelesen: 506814# 9 @  
Hallo Christian,

feine Karte - die Zuordnung wird wohl stimmen - ich bin aber kein Pfennigzeitsammler.

Wenn du erlaubst werde ich, um niemanden zu langweilen, mal zur Abwechslung eine 36 Kreuzer - Frankatur zeigen, ehe ich wieder auf die bekannten 18 Kr. Frankaturen zurück kommen werde.

Es war dies eine Parteisache aus Nürnberg vom 24.10.1852 an den Staatsprocurator in Strasbourg. Nach dem Vertrag vom 1.7.1847 waren Parteisachen, also Dienstbriefe, deren Inhalt von Privaten initiiert worden waren, ins Ausland zu frankieren, wie hier auch geschehen.

Ab dem 1.10.1851 waren Briefe nach Frankreich mit Marken, zuvor siegelseitig bar, zu frankieren. Es war somit ein Brief der 3. Gewichtsstufe, denn er kostete 3 x 9 Kr. für Bayern und 3 x 3 Kr. für Frankreich = 36 Kreuzer.

Das besondere an diesem Vertrag war, dass Briefe hin und her unterschiedlich behandelt und frankiert bzw. taxiert wurden.

Frankobriefe aus Bayern wurden nach halbem Lothgewicht frankiert (=8,75g), während Frankobriefe aus Frankreich nach 7,5g Gewichtsschritten zu frankieren waren.

Bei Portobriefen war es genau umgekehrt: Portobriefe aus Bayern wurden von Bayern nicht taxiert und nur von der franz. Postverwaltung mit manuellen Gebührenvermerken oder Taxstempeln versehen und wieder nach 7,5g Schritten tarifiert.

Bei Portobriefen aus Frankreich sollte die franz. Post diese unbehandelt lassen und Bayern tarifierte nach 1/2 löthigen Stufen die Briefe.

Dieser hier war also zwischen 1 und 1,5 Loth schwer.

Sollte jemand Fragen zu diesem Brief oder zu anderen haben, werde ich versuchen, mein spärliches Wissen zur Beantwortung derselben einzusetzen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 20.02.2009 08:00:25 Gelesen: 506797# 10 @  
Hallo Christian,

nachdem es keine Fragen zu geben scheint, möchte ich mal einen Brief aus 1864 zeigen, den man mir mal erklären könnte.

Er lief von München nach Rom, war aber jetzt ohne Taxansatz im Kirchenstaat geblieben.

Jede Antwort ist willkommen, keiner braucht sich zu schämen, wenn er es nicht 100%ig weiß.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 21.02.2009 07:57:46 Gelesen: 506759# 11 @  
Hallo,

nachdem ich mit PNs zugeschüttet wurde, hier noch ein letzter Versuch, die wunderbare bayerische Postgeschichte ins Laufen zu bringen.

Ein Laufzettel aus dem Jahr 1852 von Ansbach über Berlin nach Posen (Preußen) hat damals wie viel Geld gekostet?

Fragende Grüsse von bayern klassisch


 
duphil Am: 21.02.2009 10:06:26 Gelesen: 506742# 12 @  
@ bayern klassisch

Hallo bayern klassisch!

Bitte nicht aufgeben. Ich sammele kein Bayern oder Altdeutschland allgemein, bin aber hier wie bei vielen anderen Themen immer daran interessiert, etwas Neues zu lernen.

Eventuell musst Du halt ein wenig Geduld haben, bis sich die Spezialisten aus der "Deckung" trauen. Wie sich so etwas dann entwickeln kann, sieht man beim Thema "Rohrpost". Dazu kommt, das sicher viele Mitglieder erst am Wochenende hier reinschauen.

Ich hoffe jedenfalls, das diese Thema weiterhin ausgebaut wird, auch wenn Christian und Du im Augenblick die einzigen Schreiber hier seid.

Mit freundlichen Gruß
Peter
 
HEFO58 Am: 21.02.2009 11:27:33 Gelesen: 506731# 13 @  
Hallo

In meiner Belegesammlung habe ich zwar auch ein paar Belege aus der Kreuzerzeit und zeige Euch diese auch gerne, allerdings kann ich keine Erklärungen dazu abgeben mangels Wissen.

Gruß
Helmut




 
Christian Am: 21.02.2009 20:02:08 Gelesen: 506695# 14 @  
@ bayern klassisch

Hallo Ralph,

eine Frage zu Deinem 36 Kreuzer Beleg aus Nürnberg. Hast du die Marken bestimmt? Beim Typ würde mich festlegen auf Type II. Leider ist es immer schwer die Farbe zu erkennen. Wenn ich mich festlegen müsste, würde ich auf die 5c II tippen.

Wie ist Deine Meinung?

Herzliche Grüße
 
Richard Am: 21.02.2009 20:43:03 Gelesen: 506690# 15 @  
@ bayern klassisch

nachdem ich mit PNs zugeschüttet wurde

Hallo bayern klassich,

ich frage mich, warum Du mit PNs zugeschüttet wirst ?

Sind das Fragen zu den Belegen ? Diese sollten besser hier ins Forum geschrieben werden ! Dafür ist das Forum gedacht, hier soll die Diskussion stattfinden ! Es fehlen nämlich nicht nur die Fragen, sondern auch Deine Antworten.

Um ein Thema dauerhaft interessant zu machen, nutzte ich unter anderem den monatlichen Philaseiten Brief. Dort werden 10 interessante aus den meistgelesenen Themen seit dem letzten Brief vorgestellt und damit automatisch Liebhaber und Interessenten des jeweiligen Gebiets aufmerksam gemacht. Der nächste Brief erscheint am 10. März.

Schöne Grüsse, Richard
 
bayern klassisch Am: 21.02.2009 21:30:32 Gelesen: 506684# 16 @  
Hallo HEFO58,

danke fürs Zeigen deiner Stücke.

Der erste war ein sogenannter Lokalbrief, der von Feuchtwangen für 1 Kr. bis 15g Gewicht nach Dentlein lief. Der Postexpeditor hat ihn seinem Landpostboten übergeben, der ihn in dem Ort Dentlein zugestellt hat. So häufig ist das gar nicht.

Der 2. Brief von Landshut nach München wog ebenfalls einfach, hier jedoch noch bis 1 Loth (16,66g).

Der 3. Brief von Würzburg nach Augsburg trägt hinten 2 verschiedene Stadtbriefträgerstempel, woraus zu ersehen ist, dass der 1. Briefträger ihn nicht zustellen konnte und ein Oberbriefträger (in Augsburg im Gegensatz zu München und Nürnberg ohne O.B - Stempel) die richtige Lokalität ermitteln musste, ehe er ihn einem anderen Stadtbriefträger gab. Die Nummer des Stempels war personenbezogen; starb der Stadtbriefträger, wurde sie nicht mehr vergeben.

Ich hoffe, ich konnte ein wenig helfen, dir solche Briefe etwas näher ans Herz zu rücken.

Hallo Christian,

Herr Pfenninger und ich sahen/sehen das genauso - 5cIII, 5cIII, 5cII und 5cIII. Aber das ist wirklich bei der Betrachtung dieses Briefes nicht ausschlaggebend (außer es wäre eine 5aa oder 5b, dann schon). So aber dominiert der postgeschichtliche Charakter des Briefes vor Typen und Farben.

Hallo Richard,

meine Aussage war ironisch gemeint - ich habe bis dato noch keine PN bekommen.

Ich habe mich nur gewundert, warum ein gut frequentiertes Forum beim Anblick von Poststücken, die nicht gerade alltäglich sind, bis auf einen Sammlerfreund sich nicht regt. Wenn ich vor vielen Jahren solche Stücke im damals noch nicht existierenden Internet gesehen hätte, hätte ich tausend Fragen dazu gehabt.

Mit deiner Ansicht zur offenen Diskussion liegst du natürlich vollkommen richtig. Gerade die kommt hier nicht in Gang.

Also zeige ich mal einen Brief aus Bayern nach Österreich, von dem ich gerne wüsste, was der Absender am Postschalter in München hat bezahlen müssen?

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
HEFO58 Am: 21.02.2009 22:00:32 Gelesen: 506678# 17 @  
@ bayern klassisch

Hallo

Vielen Dank für die Informationen, einen Kreuzerbrief habe ich noch, der ist allerdings irgendwann mal Vandalen in die Finger gefallen.

Gruß
Helmut



 
Jürgen Witkowski Am: 21.02.2009 22:12:15 Gelesen: 506677# 18 @  
@ bayern klassisch

Obwohl Du leider so gut wie nie Maschinenstempel auf Deinen Belegen hast und immer alles von mehreren Personen mit zumeist für mich unleserlicher Handschrift vollgeschrieben ist, lese ich die Beiträge in diesem Thema mit viel Interesse und Vergnügen.

Daher traue ich mich, selbst auf die Gefahr hin, mit meinem Deutungsversuch voll daneben zu liegen, aus der Deckung.

Die zu zahlende Summe betrug 26 Kreuzer. 20 Kreuzer für den Brief und 6 Kreuzer Charge-Gebühr (Einschreibe-Gebühr). Es hegen sich aber bei mir leichte Zweifel, ob die gesamte Summe am Schalter in München gezahlt wurde. Den Vermerk "Franco" kann ich nämlich nicht entdecken.

Bei zwei weiteren Vermerken tappe ich im Dunkeln. Ist die 24 oben rechts so etwas wie eine Registriernummer für das Einschreiben? Was bedeuten die vier unterstrichenen Worte unten auf dem Brief?

Mit unsicheren Sammlergrüßen
Jürgen
 
bayern klassisch Am: 21.02.2009 22:35:27 Gelesen: 506669# 19 @  
Lieber ConcordiaCA,

es spricht klar für dich, dass du die Deutung so weit vorangetrieben hast. Prima!

So einfach ist die Kiste denn nämlich nicht und du hast schon vieles erkannt, wenngleich noch nicht alles. Aber das würden 98% aller Bayernsammler auch nicht.

Es war ein Porto - Chargébrief aus 1861, den es so erst seit den neuen Postvereinsvertrag ab dem 1.1.1861 geben konnte.

Der Absender hatte keine Zeit und kein Geld, daher schrieb er in Eile und verklebte auch kein Franko von 9 Kr. für den einfachen Brief über 20 Meilen in den Postverein.

Er war ihm aber dennoch wichtig, denn er wollte ihn eingeschrieben haben. Nur sollte der Empfänger alle Gebühren zahlen.

Daher gab er ihn am Bahnhof Münchens auf und bekam den Postschein mit der Nummer 24, die sich auch oben rechts auf dem Brief befindet. Der Annahmebeamte musste nun in der Währung der Abgabepost in Wien taxieren, denn Bayern stand ja das Porto voll zu.

Also rechnete er: Unfrankierter Brief von Bayern = 12 Kreuzer rheinisch = 20 Neukreuzer, die wir vorne in blau (diese Farbe war Vorschrift) sehen.

Da die Chargégebühr von 6 Kreuzer rheinisch aber in Bayern dem Annahmebeamten gehörte, hatte er ein Problem mit der Umrechnung (Reduktion) in die österreichischen Neukreuzer: 6 Kr. rheinisch waren = 10 Neukreuzer. Aber 10 Neukreuzer waren gleich 7 Kr. rheinisch! Diese Unlogik kannte unser treuer Staatsdiener. Er wollte auf keinen Fall die Postverwaltung um einen Kreuzer betrügen, denn ihm standen ja laut Dienstvertrag nur 6 Kr. zu und eben keine 7 Kr., die ihm nach der Zustellung aus Österreich überwiesen worden wären!

Daher schrieb er die Chargégebühr mit 6 Kr. rheinisch an und überließ seinen österreichischen Kollegen die Reduktion. Korrekt war das nicht.

Der Empfänger hat sicherlich 30 Neukreuzer bezahlt und die österreichische Post hat auch nach dem vorgegebenen Reduktionsverhältnis Bayern ausbezahlt (bzw. am Quartalsende verrechnet). Dem bayer. Postler wurden auch nur 6 Kr. gutgeschrieben, von daher war alles bestens.

Im Falle eines Verlusts des Briefes hätte Österreich an Bayern 24,5 Gulden rheinisch zahlen müssen, die die bayerische Post dem Inhaber des Postscheines erstattet hätte (auf Antrag).

Ich finde es toll, dass du auf den wichtigen fehlenden "Frei" oder "franko" - Vermerk geachtet hast. So weit sind nur wenige.

Ich hoffe, ich konnte dir zeigen, dass auch in markenlosen Briefen viele Informationen stecken können.

Liebe Grüsse von bayern klassisch, der sich erlaubt, noch ein kleines Schmankerl anzuhängen, das man auch erst einmal beschreiben können sollte. :-)


 
Christian Am: 24.02.2009 11:37:36 Gelesen: 506624# 20 @  
Hallo zusammen,

Nachdem sich der Kreis der Teilnehmer doch erweitert hat, hier noch ein Beleg aus Nürnberg vom 17. August 1855, versandt nach Bremen, portogerecht frankiert. Vom 1.7.1850 bis zum 1.7.1858 betrug die Gebühr für Briefe im Fernverkehr (über 20 Meilen) bis 1 Loth, 9 Kreuzer. 1855 galt für das Loth folgendes 1 Loth = 1/32 Zollpfund (500g), also ca. 15 2/3g



Bei der Marke würde ich mich nur beim Typ auf Type III festlegen wollen. Die Farbe lässt meiner Ansicht auch die Möglichkeit offen, dass es sich um eine Nr. 5b handelt, aber wahrscheinlich ist wohl doch eine 5d.

Die "Kehrseite" der Philatelie ist auch ganz schön. Ich vermute, dass es sich bei dem Rechnungsinhalt um Kräuter handelte. Wer kann hier weiterhelfen?


 
bayern klassisch Am: 24.02.2009 13:14:52 Gelesen: 506618# 21 @  
Hallo Christian,

na ja, groß erweitert hat sich der Kreis leider nicht. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden.

Dein Brief hat eine 5dIII. Die Auflösung des Inhalts ist nicht sehr hoch, aber da ich das Wort Ballen lesen kann, dürfte es sich um Spinnstoffe gehandelt haben.

Die Rückseite des Briefes wäre noch interessant - gibt es da Transitstempel?

Deine Beschreibung ist schon ganz gut - aber das zeitliche Limit für die Korrespondenz Bayerns nach Bremen im Postverein et vice versa war der 1.5.1851 bis zum 31.12.1867. Davor und danach war das anders.

Hast du dir mal Gedanken über meine schöne Farbfrankatur aus Landau / Pfalz nach der Schweiz gemacht?

Stell dir vor, auf einem Tauschtag würde dir jemand einen solchen Brief anbieten. Was würdest du dann tun?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Christian Am: 24.02.2009 15:39:57 Gelesen: 506603# 22 @  
@ bayern klassisch

Hallo Ralph,

es gibt nur einen sehr schlecht lesbaren Stempel auf der Rückseite, den ich als aus Bremen stammend interpretieren würde. Ich will ihn Dir nicht vorenthalten:



Zum Inhalt des Briefes: Vielleicht haben wir auch beide Recht. Ich konnte das Wort altehae entziffern. Das ist der lateinische Name von Eibischwurzeln. Bei der Firma Sagsteiger vormals Andreas Loewel handelt es sich um ein Handelshaus.

Zu Deiner Frage:

Leider bin ich im Vergleich zu Jürgen ein Stempel-Novize. Aber ich versuch's trotzdem einmal.

Der Unterschied zwischen Mischfrankatur und Farbfrankatur besteht darin, dass es sich bei Farbfrankaturen um Sendungen handelt, die nachgesendet wurden und somit oftmals einen unterschiedlichen Stempel auf den Marken aufweisen. Diese kann ich, genauso wie den Ort leider nicht entziffern. Da die Nummer 10 allerdings über dem Werbestempel des Absenders klebt ist davon auszugehen, dass es sich zuerst um einen Ortsbrief oder eine Brief innerhalb der Pfalz gehandelt haben müsste. Die zusätzliche Frankatur für einen Brief im Postverein nach Zürich dürfte wohl mit 6 Kreuzern richtig sein.

Ich werde den Brief später noch etwas studieren. Ich bin mir sicher, dass es noch die eine oder andere Besonderheit geben wird.

Herzliche Grüße

Christian
 
bayern klassisch Am: 24.02.2009 16:06:36 Gelesen: 506596# 23 @  
Hallo Christian,

danke für den Scan der Rückseite: Es handelt sich um den Ankunftsstempel von Bremen Thurn und Taxis, denn die Post von und nach Bremen mit Richtung Bayern war im August 1850 der fürstlichen Lehenspost übertragen worden (was sehr einträglich war).

Bei meinem Brief liegst du, leider, daneben.

Ich beschreibe ihn dir mal.

Nach dem Postvertrag Bayerns mit der Schweiz vom 1.10.1852 gab es nur noch voll frankierte Briefe, oder gänzlich unfrankierte Briefe zwischen beiden Staaten.

Von der Pfalz kosteten sie immer 9 Kr., da alle Orte der Pfalz zur Schweizer Grenze über 20 Meilen entfernt waren. Innerhalb der Schweiz kosteten Briefe bis 10 Meilen von der Grenze 3 Kr., darüber 6 Kreuzer. Der Brief hätte also mit 12 Kr. frankiert werden müssen.

Der Absender klebte aber nur 9 Kr., was 3 Kr. zuwenig war. Da Bayern den Postvereinsanteil von 9 Kr. komplett der badischen Post vergüten musste für ihren Transit in die Schweiz (gilt nur für die Pfalz!), notierte man unten links "ohne Weiterfranko", denn für die Schweiz blieb ja nichts mehr übrig.

Bei seiner Ankunft in Basel wunderte man sich, warum ein bayerischer Brief aus Lindau mit 9 Kr. unterfrankiert sein soll, denn man las nicht Landau sondern Lindau. Und von Lindau aus hätten die 9 Kr. allemal gereicht. Daher erhob man das zuwenig frankierte von 3 Kr. = 10 Rappen nicht vom Empfänger, worüber sich der sicher freute.

Der Brief war wohl noch etwas zu schwierig zu interpretieren. Ich werde zukünftig einfachere Briefe einstellen, die leichter nachzuvollziehen sind.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Christian Am: 24.02.2009 21:35:44 Gelesen: 506571# 24 @  
@ bayern klassisch

Hallo Ralph,

wenn die Marken im gleichen Ort abgestempelt wurden und vom Empfänger stammen handelt es sich meiner Meinung nach nicht um eine Farbfraktatur sondern um eine Mischfrankatur.

Darüber hinaus vermisse ich ein weiteren Beleg von Dir.

Liebe Grüße

Christian
 
bayern klassisch Am: 25.02.2009 08:35:28 Gelesen: 506550# 25 @  
Hallo Christian,

eine Farbfrankatur hat man vorliegen, wenn auf einem Brief 2 oder mehr Marken der gleichen Ausgabe mit unterschiedlichen Farben (bei Bayern Nominalen) kleben. Beide Marken wurden am 1.10.1862 verausgabt, daher ist es eine Farbfrankatur.

Was ich hier anfüge, ist eine Mischfrankatur, also eine Marke 2II, der 3 Kr. blau von 1850, eine 3I von Dezember 1850 und eine Nr. 6, 12 Kr. rot der Ausgabe von 1858.

Dazu noch eine Farbfrankatur der Ausgabe von 1862 mit der 9 Kr. braun und 18 Kr. rot, damit dir das klarer wird.

Mischfrankaturen bei Bayern sind in der Kreuzerzeit immer selten bis höchst selten; Farbfrankaturen sind es nur, wenn es nicht die üblichen 3 + 6 Kr. Kombinationen sind.

Sag mir noch, welchen Beitrag du vermisst, damit ich das nachholen kann.

Liebe Grüsse von bayern klassisch




 
Christian Am: 27.02.2009 23:07:34 Gelesen: 506508# 26 @  
@ bayern klassisch

Lieber Ralph,

Deine Belegsammlung scheint ja unerschöpflich zu sein und ich möchte dir ganz herzlich dafür danken, dass du diese hier vorstellst.

Abgesehen von meinem philatelistischen Interesse, finde ich die Inhalte oder die Angaben, die etwas über den Sender bzw. Empfänger aussagen spannend. Bei Deinem zweiten Brief hat sich der Empfänger den Brief in ein Cafe in Rom schicken lassen.

Der vermisste Beleg bezog sich auf Deinen Beitrag , der ungewohnter weise ohne einen Deiner schönen Belege abschloss. Ich freue mich jedes mal über diesen schönen Stücke. Den Begriff der Farbfrankatur würde ich, wie gesagt, enger fassen. In der Literatur gibt es durchaus auch unterschiedliche Meinungen.

Meine Frage wäre, ob es auch Belege nach Übersee gibt. Auf jeden Fall freue ich mich schon auf einen weiteren Beleg.

Herzliche Grüße

Christian
 
Mozart Am: 28.02.2009 00:25:35 Gelesen: 506496# 27 @  
Am 17. April 1862 sandte Herr J.L. Wolf Senior einen Brief von Wachenheim nach Wien.

Frankiert wurde der Brief mit einer 9 Kreuzer MI 5d, entwertet mit geschlossenem Mühlradstempel 549, den der Postbeamte herrlich zentrisch platzierte.
Leider hat man beim Schnitt der Marke die Schere etwas zu knapp an das Markenbild angesetzt, und die Marke allseits knapp geschnitten (Zwergenschnitt).



Der Ankunftsstempel dokumentiert, dass der Brief bereits 2 Tage später am 19. April 1862 in Wien eintraf.


 
bayern klassisch Am: 28.02.2009 10:56:22 Gelesen: 506477# 28 @  
Hallo Mozart und Christian,

vielen Dank für das Zeigen eines Briefes aus der Pfalz (meiner Heimat) nach Österreich mit einem seltenen Stempel. Der Postaustausch zwischen der Pfalz und Österreich war überschaubar, so dass man keinen Fehler macht, dergleichen Briefe in seine Sammlung aufzunehmen.

Mit meinem Posting Nr. 23 habe ich ja eine Frage gestellt und keinen Brief zeigen wollen.

Ich kann aber mal einen Überseebrief in die USA zeigen, der Spaß machen kann, wenn man sich für dergleichen interessiert.

Er lief vom 30.10.1853 mit 41 Kreuzern frankiert (Farbfrankatur) über Bremen nach Muscatine in Iowa, also recht weit westlich.

Wer etwas über diese Zeit in den USA erfahren will, kann gerne mal googlen - einfach war das Leben der dortigen deutschen Auswanderer sicher nicht (dem 1. den Tod, dem 2. die Not, dem 3. das Brot...).

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 01.03.2009 20:47:42 Gelesen: 506447# 29 @  
Kein Feedback - was ist, nicht schön genug?
 
Jürgen Witkowski Am: 01.03.2009 21:21:40 Gelesen: 506437# 30 @  
@ bayern klassisch

Die Stempel aus dem oberfränkischen Burgebrach zeugen von der Akribie des Postbediensteten. Er war wohl, wie Du immer schreibst, ein echter "Schönstempler".

Als mit dieser Zeitepoche nur wenig vertautem Sammler stellt sich mir die Frage, warum das Porto derart gestückelt wurde. Waren die höheren Werte nicht vorhanden, oder wurde hier "Resteverwertung" betrieben?

Zum USA-Teil des Briefes wäre noch zu fragen, warum neben den im New Yorker Transitstempel vorhandenen Paid-Vermerk noch ein weiterer Paid-Stempel abgeschlagen wurde. Stammt er aus dem Zielort Muscatine, Iowa oder wurde er bereits in Bremen vor der Verschiffung angebracht?

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
bayern klassisch Am: 02.03.2009 08:14:17 Gelesen: 506420# 31 @  
Hallo Concordia CA,

guten Fragen, die ich gerne beantworten will, so ich das vom Büro aus kann. :-)

Eine Resteverwertung kann man heute natürlich nicht ganz ausschliessen, aber die 18 Kr. gelb, Sem - Nr. 7, kam ja erst im Juli 1854 an die Schalter, so dass er diese Marke noch gar nicht verwenden konnte. Außerdem war es fraglich, ob ein Expeditor überhaupt diese hohen Nominalen vom Bezirksamt anforderte, denn er bekam ja nur die Marken zugesandt, die er auch bestellt hatte.

Zum USA - Teil: Der New York Stempel ist kein Transitstempel, sondern ein Eingangsstempel (auch wenn der Brief dann über NY hinaus lief). Die dortigen Beamten hatten zu prüfen, ob der für die USA frankierte Teil ausreichend war. In dem Paid - Stempel New Yorks rechts stand auch der für die USA vertraglich fixierte Betrag, der in Verbindung mit dem Wort "PAID" die Bezahlung dieser USA - Inlandsgebühr bestätigte.

Der links unten angebrachte "PAID" - Stempel verdeutlichte dies nur noch.

Ein Ämtchen wie Muscatine hat keinen Paid - Stempel besessen - diese blieben den Ämtern überlassen, die mit ausländischen Postverwaltungen im Korrespondenzaustausch standen, also Boston, New York, Baltimore, Philadelphia usw.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Jürgen Witkowski Am: 03.03.2009 12:06:11 Gelesen: 506392# 32 @  
@ bayern klassisch [#31]

Den New Yorker "Multifunktionsstempel" habe ich in dieser Form noch nicht gesehen. Sage noch einer, die bayrischen Belege seien nur etwas für die Liebhaber altdeutscher Spezialitäten.

Mir fallen bei näherer Betrachtung noch einige Marken auf, bei denen der Stempel nicht auf den Beleg übergeht. Kann es sein, dass dort Vorausentwertungen verwendet wurden?

Mit heute wieder besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
bayern klassisch Am: 03.03.2009 15:13:18 Gelesen: 506379# 33 @  
Hallo Concordia CA,

ich halte die rechte 3 Kr. blau für nachträglich appliziert, da die Originalmarke die evtl. abgefallen war oder von frühen Sammlern abgelöst wurde. Bei Laufwegen dieser Art ist/war das nicht ungewöhnlich. Um die Portogerechtheit zu demonstrieren, replatzierte man dann später ein schönes Stück mit gleicher Mühlradnummer.

Das hast du gut beobachtet. Ansonsten halte ich hier Vorausentwertungen für unwahrscheinlich, denn dergleichen ist von diesem Ort bisher nicht bekannt und bei einigen Marken gehen die Stempel ja auch über.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
duphil Am: 03.03.2009 15:20:47 Gelesen: 506378# 34 @  
@ bayern klassisch [#33]

Ich finde allerdings, dass die 9 Kr. links oben aussieht, als wenn sie vorausentwertet worden wäre. Besonders gut sieht man das am unteren Rand der Marke. Dort geht der Stempel deutlich nicht über den Markenrand auf das Briefpapier.

Das Gegenteil sieht man ja an der 9 Kr. rechts.

Mit freundlichen Gruß
Peter
 
bayern klassisch Am: 03.03.2009 15:30:33 Gelesen: 506376# 35 @  
Hallo duphil,

ja, das könnte man meinen. Aber es kann auch genauso gut etwas in dem Brief (ist heute nur eine Hülle ohne Inhalt) gelegen haben, dass für das abrupte Nichtdrucken des Stempels verantwortlich war.

Dergleichen habe ich bei mehreren Briefen schon gesehen, so dass es ein Indiz ist, aber eben halt nicht mehr.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Christian Am: 15.03.2009 18:33:35 Gelesen: 506179# 36 @  
Hallo zusammen,

hier noch ein Beleg aus der Kreuzer-Zeit.

Der Brief wurde am 18. Juli, frankiert mit 7 Kreuzer (Michel Nr. 25Xa), in Wasserburg aufgegeben und erreichte Stadtamhof am 20. Juli 1873 oder 1879 (ist leider nicht exakt lesbar). Absender ist das Königliche Bezirksgericht Wasserburg, Empfänger das Königliche Landgericht.

Kurioserweise datiert der Brief vom 22. Juli. Vielleicht hat ja jemand eine Erklärung dafür.





Noch eine Anmerkung: Stadtamhof war bis zur Eingemeindung im April eine eigenständige Stadt. Heute ist sie der Stadtbezirk 02 von Regensburg.

Herzliche Grüße

Christian
 
bayern klassisch Am: 15.03.2009 18:54:38 Gelesen: 506174# 37 @  
Hallo Christian,

dein Brief datiert aus dem Jahr 1873, denn 1879 gab es in Bayern keine Kreuzermarken mehr.

Es war eine Parteisache über 15 - 250g Gewicht, also die 2. Gewichtsstufe.

Dass die Daten innen und außen etwas unharmonisch wirken, hängt mit dem Inhalt zusammen. Bei Gerichtsbriefen, bei denen es fast immer auch um die gerichtsverwertbare Zustellung von Urteilen, Aufforderungen, Fristsetzungen und Bescheiden ging, war diese erst zu vollziehen, ehe die Rücksendung erfolgte.

Diese Rücksendung musste nicht zwangsläufig durch einen Wendebrief erfolgen, sondern konnte auch in einem neuen Umschlag erfolgen, was man dann nach der Plünderung des Gerichtsarchivs durch Trennung der Briefe / Hüllen / Akten nicht mehr 100%ig belegen kann.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Christian Am: 15.03.2009 19:58:49 Gelesen: 506160# 38 @  
@ bayern klassisch [#37]

Hallo Ralph,

ich weis sehr wohl, dass die ersten Pfennig-Marken am 1. Januar 1876 ausgegeben wurden. Allerdings habe ich nichts über die Gültigkeit der alten Marken gefunden. Aus diesem Grund ließ ich den Punkt mit dem Datum offen.

Im Verordnungsblatt Nr. 97 vom 9. August 1874 wurde die 1 RM-Marke zu 35 Kreuzern bewertet. Demnach entsprechen 7 Kreuzer 20 Pfennigen.

Der Vollständigkeit halber noch die Verordnung zur Ausgabe dieser Markenserie:

Verordnungsblatt vom 14. Juni 1870.
Die Einführung neuer Briefmarken betreffend.
Von den bayerischen Briefmarken in den Wertbeträgen von 1, 3, 6, 7, 12 und 18 Kreuzer ist eine neue Auflage hergestellt worden, welche nach Verbrauch des Vorrats aus der bisherigen Auflage ausgegeben wird. Die neuen Briefmarken unterscheiden sich von den bisherigen nur dadurch, daß dabei Papier mit durchzogenen roten Seidenfäden nicht mehr in Verwendung gebracht ist, die Ränder der einzelnen Marken dagegen bogenförmig ausgezackt erscheinen.
Herstellungsart und Form sowie die Farbe des Druckes der einzelnen Markengattungen bleiben unverändert. Ebenso erfolgt die Abgabe wie bisher in Blättern zu je 60 Stück und in Heften zu 50 Blättern. Die Postanstalten haben mit der Abgabe der neuen Auflage erst dann zu beginnen, wenn der Vorrat der betreffenden Markengattungen aus der bisherigen Auflage völlig aufgebraucht ist. Die bisherigen Marken haben neben den neuen unverändert die gleiche Gültigkeit, und findet daher ein Umtausch von Marken der bisherigen Auflage gegen neue nicht statt. Die Portomarken bleiben unverändert.
München, den 12. Juni 1870. Generaldirektion der k. Verkehrsanstalten
(gez.) Baumann (gez.) Le Sage


Wie wäre es mit einem weiteren Beleg von Dir?

Herzliche Grüße
 
bayern klassisch Am: 16.03.2009 10:24:59 Gelesen: 506132# 39 @  
Hallo Christian,

die letzten Kreuzermarken wurden am 01.01.1876 ungültig. Dies war der Tag, an dem Bayern philatelistisch auf Mark und Pfennig umschwenkte, zumal man ab 1873 bereits keine Kreuzer und Gulden Münzen mehr prägen ließ, was ein eindeutiger Wink mit dem Zaunpfahl war.

Nur die Poststücke, die bei der 1. Leerung am 1.1.1876 noch mit Kreuzermarken frankiert in den Briefkästen vorgefunden wurden, sollten ohne ein Nachporto abspediert werden. Von diesen Poststücken des 1.1.1876 kenne ich ganze 2 Exemplare, die mit jeweils einer 3 Kr. Marke als einfacher Brief bis 15g in der Pfennigzeit aufgegeben wurden.

Ich stelle heute Abend mal den spätesten, unbeanstandeten Bayern - Kreuzerbeleg in der Pfennigzeit hier vor, bei dem so ziemlich alles zusammen kam, was zusammen kommen konnte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 16.03.2009 20:26:22 Gelesen: 506108# 40 @  
Für einfache Briefe bis 1 Loth Gewicht war die Nr. 7 von Bayern mit 18 Kr. die klassische Einzelfrankatur. Hier auf einem Brief aus Nürnberg vom 25.3.1862 nach London.

Links unten steht 10W, also 10 Kreuzer Weiterfranko für die belgische und britische Postverwaltung.

Er lief via Ostende nach London, wo er den "London Paid" - Stempel und als Zeichen hierfür (doppelt gemoppelt) noch den roten P. - Stempel (für "Paid") erhielt.

Diese 18 Kr. Frankaturen kamen vom 1.7.1859 bis zum 31.12.1869 bei diesem Leitweg vor und sind daher nicht selten.

Beste Grüsse von bayern klassisch


 
Christian Am: 17.03.2009 22:05:46 Gelesen: 506069# 41 @  
@ bayern klassisch [#40]

Guten Abend Ralph,

Deine Belege sind einfach bewundernswert. Ich hoffe, dass du noch mehr davon zeigst. In der Zwischenzeit müssen wohl meine Belege ausreichen, das Thema am Leben zu erhalten.

Herzliche Grüße

Christian
 
Christian Am: 17.03.2009 22:25:22 Gelesen: 506064# 42 @  
Hier noch eine Ganzssache aus der Pfennig-Zeit. Es handelt sich um die Ganzsache P109, abgestempelt am 23.6.1920. Welche Stempelmaschine dafür verantwortlich war, kann Concordia CA bestimmt ergänzen.



Die Rückseite soll natürlich auch nicht vorenthalten werden:



Das Interessante an diesem Beleg ist, dass er zusätzlich noch eine Marke des Deutschen Reiches (Michel-Nr. 122) verwendete. Leider habe ich in meiner Literatur keine Hinweise bezüglich der Gültigkeit der Frankatur gefunden.

Dafür fand ich aber die Ausschreibung zur Gestaltung der Markenserie, die dann als "Freimarken Landarbeiter und Schutzpatronin Bavaria" als sogenannte "Abschiedsserie" in Gebrauch genommen wurde.



Briefkopie zum Wettbewerb der "Münchener neuesten Nachrichten" von 1919.

Herzliche Grüße

Christian
 
Jürgen Witkowski Am: 17.03.2009 22:52:38 Gelesen: 506058# 43 @  
@ Christian [#42]

Bin schon da. Der Stempel MÜNCHEN * 2 * stammt von einer Sylbe-Bandstempelmaschine. Sie war vom 03.12.1913 bis zum 11.09.1920 im Einsatz. Dein Stempel hatte also nicht einmal mehr 3 Monate vor sich, bis er aus dem Verkehr gezogen wurde.

Hier ein Bild aus seinem ersten Verwendungsmonat Dezember 1913. Um bei Postkarten den Textteil nicht durch Überstempeln unleserlich zu machen, konnten die Sylbe-Maschinen auch im Halbstempelmodus betrieben werden. Der Unterschied in der Länge des Stempelabdruckes zu Deiner Karte ist offensichtlich.



Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
BD Am: 17.03.2009 23:13:58 Gelesen: 506044# 44 @  
@ Christian [#42]

Die Ganzsachen von Bayern wurden schon am 31.5.1920 ungültig, wurden aber im Juni aber meist geduldet, da die Marken bis Ende Juni gültig waren. Deine Karte ist eine sehr späte Verwendung, wenn nicht die späteste dieser Ganzsache überhaupt !

Mit besten Grüßen BD
 
Christian Am: 17.03.2009 23:41:27 Gelesen: 506034# 45 @  
@ Concordia CA [#43]

Hallo Jürgen,

wie immer kann man sich auf deine Fachkompetenz verlassen. Danke für die Hilfe!

@ BD [#44]

Hallo BD,

danke für die Info. Sie deckt sich mit meiner Vermutung.

Herzliche Grüße

Christian
 
BD Am: 18.03.2009 18:46:18 Gelesen: 506000# 46 @  
@ Christian [#45]

Das waren die 1994 bekannten Letztdaten der Ganzsachen von Bayern !

Mit besten Grüßen BD


 
bayern klassisch Am: 23.03.2009 12:05:27 Gelesen: 505934# 47 @  
Hallo,

leider kann ich die Spätverwendung der Kreuzerpostkarte vom Februar 1876 nicht finden, aber ich hoffe, dass der folgende Brief dies kompensieren kann. :-)

Es ist ein innerbayerischer Brief, der mit 12 Kr. für die 2. Gewichtsstufe (über 1 - 2 Loth) und die 2. Entfernungsstufe (über 12 Meilen) am 16.11.1863 von Starnberg nach Leutershausen geschickt wurde.

Alle Farbfrankaturen innerbayerischer Briefe sind selten, da man ja mit 1, 3 und 6 Kr. alle Standardtarife mit der passenden Marke abdecken konnte. Die Ausgabe vom 1.10.1862 ist überdies seltener als die Vorgängerausgabe, weil mit der Gebührenreduzierung am 1.8.1865 auf maximal 6 Kr. innerhalb Bayerns praktisch keine Farbfankaturen mehr vorkommen (die Ausnahme wäre dreimal die 1 Kr. gelb und ein Stück der 3 Kr. rot, wovon es keine Handvoll Belege gibt). Daher kommen solche Frankaturen nur vom 1.10.1862 bis zum 31.7.1865 überhaupt einmal vor.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 24.03.2009 18:14:58 Gelesen: 505893# 48 @  
Am 26.9.1864 schrieb man im unterfränkischen Würzburg einen einfachen Brief nach Genf. Hierfür waren bis 1 Loth Gewicht fällig:

9 Kr. für Bayern bis zur CH - Grenze (über 20 Meilen nach dem Postvertrag vom 1.10.1852) und 6 Kr. ab da bis Genf (über 10 Meilen).

Die Leitung erfolgte nur aus der Pfalz und Unterfranken über die badische Bahnpost (Unterfranken im geschlossenen Transit, aus der Pfalz im offenen Transit); aus dem restlichen Bayern hätte man ihn über Lindau gesandt.

Für seine Transitleistung erhielt Baden 1 Kreuzer, der intern vergütet wurde.

Zur Verwendung kam ein Randpaar der Nr. 10 Platte 1 und eine Nr. 9a.

Dass er schon 2 Tage später zugestellt wurde, spricht nicht eben gegen die Schnelligkeit der damaligen Eisenbahnen. Heute braucht man fast schon so lange, um sich die richtige Fahrkarte aus dem Blechtrottel zu ziehen. Auch kein Fortschritt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
Christian Am: 26.03.2009 00:51:18 Gelesen: 505864# 49 @  
@ bayern klassisch [#48]

Lieber bayern_klassisch,

du hast einfach wunderbare Belege. Herzlichen Dank für das Zeigen hier im Forum.

Wenn meine Information stimmen, kann man diese und weitere im Mai in Essen in einer Ausstellung sehen. Darauf freue ich mich schon heute.

Herzliche Grüße Christian
 
bayern klassisch Am: 26.03.2009 09:17:22 Gelesen: 505847# 50 @  
Lieber Christian,

leider stelle ich in Essen nur eine meiner Sammlungen aus, die auf die Postverhältnisse Bayerns zu Frankreich von 1822 bis 1875 eingeht. Der ein oder andere Brief mit französischer Relevanz wird dort sicher ein Wiedersehen mit dir feiern können.

Daher werde ich nun bevorzugt Briefe einstellen, die keinen französischen Bezug haben.

Wiewohl ein Sammler immer die beste Qualität kaufen soll, die seine finanziellen Möglichkeiten hergeben, kommt man manchmal nicht umhin, etwas zu erwerben, was absolut einmalig ist, auch wenn die Schönheit hintangestellt werden muss.

So erging es mir, als ich vor 2 Jahren in Sindelfingen diese Paketkarte aus Maikammer in der Pfalz nach Basel sah, welche wohl schon damals, am 4.10.1874, kein übliches Poststück gewesen sein dürfte.

Der Expeditor von Maikammer war mit der Frankatur von 2 Gulden und 6 Kreuzern = 126 Kreuzern markenmäßig etwas überfordert, denn vorne passten diese beim besten Willen nicht auf die Paketkarte. Also blieb ihm nichts weiteres übrig, als seine höchsten Nominalen 3 und 7 Kr. (!) etwas zahlreicher als üblich auf die Rückseite zu kleben. Durch diese Massenfrankatur litt die Ästhetik ein wenig, aber bei echten Unikaten darf man als Pfälzer eben nicht allzu wählerisch sein (wenigstens hat man den Baseler Lager- und Ankunftsstempel vorzüglich abgeschlagen, aber das rettet auch nicht mehr viel).

Die Gebühr errechnete sich wie folgt: 18 Kg mal 7 Kr. für die 3. Tarifentfernung = 126 Kreuzer.

So ist das qualitativ mit Abstand schlechteste Stück meiner Sammlungen sicher keine Augenweide, aber im postgeschichtlichen Sinne sicher etwas ganz besonderes.

Liebe Grüsse von bayern klassisch




 
Christian Am: 27.03.2009 00:18:01 Gelesen: 505826# 51 @  
@ bayern klassisch [#50]

Hallo Ralph,

danke für die Info. Ich werde mir die Ausstellung in Essen auf jeden Fall ansehen.

Der letzte Beleg ist sicher etwas ganz besonderes. Hätte der Postbeamte es damals gewusst, hätte er bestimmt mehr Sorgfalt bei seinem "historischen Akt" an den Tag gelegt.

Herzliche Grüße

Christian
 
Christian Am: 27.03.2009 06:57:20 Gelesen: 505815# 52 @  
Als Liebhaber von Ganzsachen möchte ich hier noch Belege vorstellen, die bisher unberücksichtigt blieben:

Die Postanweisungen:



Michel Nr. A74 aus der Zeit zwischen 1903 und 1905. Auf der Rückseite sind die Gebühren für die einzelnen Entfernungsstufen zu sehen.

Bei Wikipedia gibt es folgende kurze Zusammenfassung:

Am 1. Januar 1865 führte Preußen statt der Briefe mit Bareinzahlungen die Postanweisungen ein. Die Postanweisung war vom Einzahler auszufüllen und wurde ohne Beförderungsnachweis mit der Briefpost versandt. Durch die Kostenersparnis konnte die Gebühr niedrig ausfallen. Braunschweig, Hannover und Sachsen führten Postanweisungen noch im gleichen Jahre ein, Bayern folgte am 1. November 1866, Württemberg am 1. Februar 1867. Wenig später, und zwar am 15. März 1867, wurde diese Zahlungsmethode dann auch in Österreich eingeführt. Im Vereinsverkehr blieben die Briefe mit Bareinzahlung noch länger bestehen.

Als Formular wurde ein in Kartenform hergestellter Vordruck verwendet. Er war vom Absender auszufüllen, der Empfänger bescheinigte den Empfang des Geldes. Ein kleiner Abschnitt der Karte diente dem Absender zu kleinen Bezugnahmen, dieser Abschnitt durfte erst ab dem 1. Juli 1866 abgetrennt werden. Weitere Änderungen folgten. Vom 1. Oktober 1883 wurde der Reichsbankgiroverkehr mit dem Postanweisungsdienst verbunden. Nun konnten die Beträge auch auf das Girokonto übermittelt werden.

Ein geregelter zwischenstaatlicher Verkehr wurde 1874 von Deutschland angeregt. Ein entsprechendes Übereinkommen wurde 1878 abgeschlossen. Ihm traten 14 Staaten bei.

Überbringer des Geldbetrags war der so genannte Geldbriefträger, ein insbesondere durch den in Fernseh-Quizsendungen der 1950er und 1960er Jahre mitwirkenden Walter Spahrbier bekannt gewordener Beruf. Der Zahlungsauftrag musste auf einem Formblatt erteilt werden, Inlandszahlungen wurden meist 1 bis 2 Tage später ausbezahlt. Es war jeweils eine Höchstsumme festgesetzt, diese betrug zuletzt € 1.500. Sonderformen wie Eilzustellung, Luftpostbeförderung oder Rückforderung waren möglich. Am 10. Mai 1949 wurden Funklotteriekarten eingeführt, Wertstempel 10 Pfg., Verkaufspreis 70 Pfg. , am 27. Juli 1951 auf 65 Pfg. gesenkt.

Telegraphische Postanweisungen wurden ohne Begrenzung des Betrags angenommen.
Auslandspostanweisungen auf mehrsprachigem (meist deutsch-französisch) Formblatt waren in bestimmte Länder ebenfalls möglich, die zulässigen Höchstbeträge waren dabei von Land zu Land unterschiedlich.

Eingeführt wurden Postanweisungen in England 1856, in den Staaten des Deutschen Reiches zwischen 1865 und 1867 und im Weltpostverein im Jahre 1879.

Durch die Einführung des "Minuten-Service" können jetzt ohne Betragsobergrenze Geldbeträge in Minutenschnelle weltweit an den Empfänger in größeren Postfilialen oder Niederlassungen der ausländischen Vertragspartner der Post zur Auszahlung gelangen, siehe zum Beispiel: Western Union.[IMG]




Michel Nr. A76 - A79

Herzliche Grüße

Christian
 
HEFO58 Am: 27.03.2009 12:23:57 Gelesen: 505796# 53 @  
@ Christian [#52]

Hallo

Von den Ganzsachen kann ich da auch noch zwei Sachen beisteuern.

Gruß
Helmut


 
bayern klassisch Am: 27.03.2009 14:06:12 Gelesen: 505786# 54 @  
Hallo ihr 2,

habt ihr die auch gestempelt?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gisi Am: 27.03.2009 19:35:30 Gelesen: 505757# 55 @  
Hallo,

habe mit grossem Interesse die Beiträge zu Altdeutschland Bayern gelesen und wieder viel dazugelernt. Vielen Dank für die Erläuterungen. Evtl. ist die Postanweisung auch von Interesse (bitte korrigiert mich, wenn's nicht dazugehört).

Habe auch Mi.Nr. 15 mit angehängt, weil die Abstempelung so schön klar ist. Der Brief reiste von Bamberg nach Oberlangenstadt bei Küps, wo er bereits am nächsten Tag ankam. Siehe Rückseite.




Habe noch einen Bayernbeleg von dem ich annehme, dass es sich um 2 II Platte 2 handelt mit Mühlradstempel 200 (266 ?).

Und mit dem letzten weiss ich überhaupt nicht wo dieser Beleg hingehört. Fräulein Dorette Eckart, Wohlgeboren zu Coburg, Steinthor, N. 751. Coburg gehörte zu der Zeit nicht in Bayern (Herzogtum Sachsen Coburg Gotha). Sagt es evtl. Franzensbahn, 5. Sept. ?

Viel Spass beim rätseln.

Gruss Gisi


 
bayern klassisch Am: 27.03.2009 20:23:54 Gelesen: 505751# 56 @  
Hallo Gisi,

der Brief aus dem österreichischen Franzensbad nach Coburg, Thurn und Taxis, hat mit Bayern nichts zu tun.

Der Brief mit der blauen 3 Kr. ist von der Auflösung her nicht geeignet, eine Platte zuzuweisen. Wenn der Brief Inhalt hat, könntest du dann den Absendeort und das Datum angeben? Dann könnte ich dir evtl. mehr sagen.

Beste Grüsse von bayern klassisch
 
Gisi Am: 27.03.2009 20:45:56 Gelesen: 505748# 57 @  
Hallo bayern klassisch,

der Brief wurde 1882 in Pfaffenhausen aufgegeben.

Habe noch einen Brief, der jedoch ohne Inhalt ist (blanke Innenseite). Mein Vater schrieb, dass es die Nr. 3 I sein soll. Ich kann Bahn? Bamberg erkennen, aber das war's dann schon.



Danke für alle Auskünfte, die sehr willkommen sind.

Gruss, Gisi
 
bayern klassisch Am: 27.03.2009 20:58:25 Gelesen: 505747# 58 @  
Hallo Gisi,

aus dem Kopf: 1882 ist sicher falsch, 1852 dürfte richtig sein. Dann ist es auch sicher eine 2II Platte 2, wie es mir schon an Anfang schien.

Der 2. Beleg war eine Ortsdrucksache oder ein Ortsbrief (wahrscheinlicher), die man am Bahnhof Bamberg aufgegeben hatte, und die bis zu 1 Loth (15,625g) wog. Die Marke ist eine 3Ia.

Beste Grüsse von bayern klassisch
 
Gisi Am: 27.03.2009 22:20:28 Gelesen: 505737# 59 @  
Hallo bayern klassisch!

Habe den Faltbrief mal kopiert und sende das Resultat. Sieht doch aus wie 1882, oder ?

Viele Grüsse, Gisi




 
HEFO58 Am: 27.03.2009 23:45:10 Gelesen: 505730# 60 @  
@ bayern klassisch [#54]


Leider nein, sollte mir mal eine gestempelt unterkommen werde ich sie hier zeigen.

Gruß
Helmut
 
bayern klassisch Am: 28.03.2009 18:39:18 Gelesen: 505701# 61 @  
Hallo HEF058,

Okay. Magst du mal ein paar aus der Kreuzerzeit sehen, die gelaufen sind?

Hallo Gisi,

der Brief stammt von todsicher von 1852, weil der Empfänger 1882 nicht mehr lebte. Dieser hat ihn jedoch als Advocat mit einem Datum unten versehen, und da steht dann 13.2.1852.

Was der triefelige Absender oben notiert hat, wird er wohl selbst nicht gewusst haben.

Als Anlage zeige ich mal für heute einen schnuckeligen 7 Kr. Brief mit vermutlich der Nr. 32 und 33 aus München vom 9.7.1875 nach Chicago. Wer einen früheren mit der Ausgabe hat, darf ihn gerne hier einstellen.

Quizfrage: Wie lange war es möglich, für 7 Kr. in die USA einen Brief zu schicken? Mal sehen, ob sich wer traut.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
Gisi Am: 29.03.2009 16:17:02 Gelesen: 505656# 62 @  
Hallo bayern klassisch,

das ist ein sehr schmuckes Stück dieser 7 Kreuzer Beleg nach Chicago 1875. War es möglich bis 1891 einen Brief für 7 Kreuzer nach Amerika zu schicken? Wie ich lese wurde am 1. April 1891 der Seepostdienst zwischen Deutschland und Amerika aufgenommen nach dem 1890er Abkommen mit der Hamburg-Amerika-Linie und dem Norddeutschen Lloyd, wo die Post dann während der Seefahrt von Postbeamten bearbeitet wurde?

Wahrscheinlich liege ich total daneben, aber ich lerne gerne noch dazu und bei bayern klassisch ist man in der besten Schule! Vielen Dank für die Aufklärung des 1852er Beleges. Man kann also das Jahr nicht am Stempel erkennen, sondern an der Marke, die zu der Zeit verwendet wurde. Nun habe ich im Anhang einen Beleg mit eingeprägter (embossed) Drey Kreuzer Marke, finde diese Ausgabe nicht in meinem Michel Spezialkatalog, oder schaue ich nicht richtig, wie ja schon mal.

Bedanke mich für jeden Hinweis.

Mit freundlichen Grüssen,
Gisi


 
Jürgen Witkowski Am: 29.03.2009 16:30:25 Gelesen: 505648# 63 @  
@ bayern klassisch [#61]

Nach reiflicher Überlegung komme ich zu dem Schluß, dass die Möglichkeit für 7 Kreuzer einen Brief in die USA zu schicken am 31. Dezember 1875 endete, da am 1. Januar 1876 die Pfennigzeit begann.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
bayern klassisch Am: 29.03.2009 21:27:30 Gelesen: 505628# 64 @  
Hallo ConcordiaCA,

ich stelle fest, dass das Produkt deiner reiflichen Überlegung völlig richtig ist.

Ab dem 1.7.1875 galten die Verträge der ratifizierenden Staaten des Allgemeinen Postvereins (später der Weltpostverein), so dass einfache Briefe zwischen diesen Staaten nur noch 7 Kr. bzw. 10 Neukreuzer für Österreich und 2 Groschen für das Deutsche Reich kosteten.

Um es mal etwas zu verdeutlichen: Das wäre so, als würde innerhalb von 30 Jahren der Spritpreis von jetzt 1,20 Euro auf unter 10 Cent fallen - heute für Autofahrer der 7. Himmel, damals für die Korrespondenten ein Grund in die Luft zu springen.

Bei einem Zeitfenster dieser Frankaturstufe von einem halben Jahr kann man sich ausmalen, wie viele Briefe es von Bayern mit 7 Kr. in die USA heute noch gibt.

Super gemacht und vielen Dank dafür. :-)

Hallo Gisi,

dein Ganzsachenumschlag (GSU) wirst du im Michel - Ganzsachenkatalog finden. Es gibt deren 3, die aber, ungeachtet der in Katalogen notierten Preisdifferenzen, finanziell alle recht nahe beieinander liegen. Sie werden dann gerne gesammelt und hoch bewertet, wenn ihnen postgeschichtliches widerfuhr, was etwas aus dem Rahmen fiel.

Begehrt ist die U1, also der 1. bayerische Umschlag, wenn der Wertstempel mit einem Mühlradstempel getroffen wurde. Da diese Umschläge am 1.2.1869 nur am Sitz der Oberpostämter erstmalig verkauft wurden, und die Mühlräder nach dem 9.3. desselben Jahres zurückgezogen wurden, war das Zeitfenster hierfür also genau 37 Tage - nicht eben viel!

Dazu muss man bemerken, dass sie vom Publikum nur sehr zögerlich angenommen wurden und nicht eben ein Kassenschlager der damaligen Zeit waren.

Gut bezahlt werden auch alle GSU mit Zusatzfrankaturen, umso mehr, wenn der Zielort im Ausland lag.

So ein oder zwei davon habe ich auch und werde sie mal hier im Lauf der Zeit vorstellen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 29.03.2009 23:07:07 Gelesen: 505615# 65 @  
Heute Abend möchte ich mal eine "simple" Nr. 4II Platte 2 auf Brief zeigen, die von Landau in der Pfalz am 6.3.1858 nach Forstfeld ins (französische) Elsaß lief. Würde man nur in den Katalog schauen, ohne die Besonderheit dieser Frankatur zu erkennen, könnte man denken, dass man ihn für 20 oder 30 Euro auf jedem besseren Flohmarkt bekommen könnte.

Wer erkennt, was das besondere dieses Briefes ausmacht?

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
reichswolf Am: 30.03.2009 01:00:38 Gelesen: 505599# 66 @  
@ bayern klassisch [#65]

Gab es nicht ein ermäßigtes Porto für Briefe aus der Pfalz in grenznahe französische Gebiete? Genau weiß ich es nicht mehr, aber in einem der Foren meine ich darüber schon etwas gelesen zu haben. Auf die Schnelle finde ich aber weder den betreffenden Beitrag noch den entsprechenden Postvertrag.

Beste Grüße,
Christoph
 
bayern klassisch Am: 30.03.2009 01:27:28 Gelesen: 505595# 67 @  
... und die richtige Antwort hat: Christoph!

Der Postvertrag vom 1.7.1847 bis 30.6.1858 zwischen Bayern und Frankreich bestimmte, dass für die Korrespondenz der Pfalz nach den französischen Grenzdepartements, hier "Bas Rhin", die Gebühr nur 6 Kr. betragen sollte (franko wie porto). Dieser lief von Landau im Paket nach Strasbourg, wo er die Stempel P.D. (alles bezahlt), 11 AED (11. Grenzpostbüro Frankreichs in alphabetischer Reihenfolge) und "Bavière Strasbourg" erhielt. Er hätte auch über das Landauer Paketschlußamt Weisembourg laufen können, aber dafür war die Zeit wohl nicht ideal, so dass man ihn über Baden (Kehl) nach Strasbourg spedierte. Gebührenmäßig war das fast egal, aber wohl schneller.

Die Gebühr von 6 Kr. (normaler Brief: 18 Kr. aus dem rechtsrheinischen Bayern, aus der Pfalz 12 Kr.) wurde am Ende des Quartals hälftig zwischen Bayern und Frankreich geteilt. Baden erhielt von Bayern noch einen Drittel Kreuzer für den einfachen Brief, was aber nicht zu sehen ist und nur vertraglich fixiert wurde. Interessant ist noch die Tatsache, dass wegen der unterschiedlichen Gewichte, Bayern rechnete mit dem halben Loth = 8,75g, Frankreich mit 7,5g als einfache Gewichtsstufe, ein Brief von Landau nach Forstfeld mit 8g in der 1. Gewichtsstufe lag, während er mit demselben Gewicht aus Frankreich nach Bayern schon in der 2. Gewichtsstufe (= 12 Kr. oder 40 Centimes) lag.

Diese Briefe sind nicht häufig - wer immer einen Brief nach Frankreich mit geringerer Frankatur als 12 Kr. vor dem 16.5.1872 (Reichspostvertrag mit Einheitstaxe von 9 Kr. aus Bayern bis 10g Gewicht) findet, sollte wissen, dass er etwas besonderes vor sich hat.

Vielen Dank dass du dich geoutet hast als Postgeschichtler - das nächste kleine philatelistische Rätsel kommt bestimmt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gisi Am: 31.03.2009 00:23:47 Gelesen: 505563# 68 @  
Hallo,

kann mich nur bedanken, mitreden kann ich da nicht mehr. Werde mir einen gebrauchten Ganzsachenkatalog zulegen.

Gruss,
Gisi
 
bayern klassisch Am: 31.03.2009 10:16:50 Gelesen: 505545# 69 @  
Hallo Gisi,

ich zeige dir mal 2 Postanweisungen (PA) aus Bayern nach Württemberg, weil ich das, wie alles andere auch, nach Destinationen sammle.

Die 1. stammt aus Feuchtwangen im Allgäu und lief nach Westheim bei Schwäbisch Hall. Am 7.6.1875 wurde sie aufgegeben, um den Betrag von 19 Gulden und 53 Kreuzern zu überweisen. Du siehst, man hatte nur 20 Gulden bei sich und abzüglich der Kosten für diese PA blieben noch 19 Gulden 53 Kr. als Überweisungsbetrag übrig.

Im Text links vermerkte der Absender auch diese "7x Porto". Das Verhältnis zwischen gebrauchten und ungebrauchten PA liegt etwa bei 500 zu 1.

Das Verhältnis 5.000 zu 1 erreichen wir nur durch eine PA wie diese, welche am 11.5.1875 von Immenstadt im Allgäu nach Stuttgart gerichtet worden war. Es ging um den Betrag von 15 Gulden.

Da PA nur von der Aufgabepost geschrieben werden durften, vermerkte man bei der Aufgabepost " Per Telegraph" und unterstrich dies rot. Gleichzeitig brachte man unter Stuttgart den Vermerk " postlagernd" an.

Dies scheint ein Widerspruch in sich zu sein, denn entweder ich schicke etwas auf die schnellste und teuerste Weise, also telegraphisch, oder ich lasse etwas auf der Post liegen, postlagernd.

Es geht also nicht ohne die Kenntnis der Behandlung seinerzeitiger Abläufe. Der Absender wollte die 15 Gulden schnellstmöglich dem Empfänger in Stuttgart zukommen lassen. Hierfür wurde ein Postanweisungstelegramm ("telegraphisch") von Immenstadt nach Stuttgart abgeschickt, welches 18 Kr. kostete. Der Expressbote in Stuttgart kostete 9 Kr. und die PA selbst 7 Kr., so dass dem Absender Kosten in Höhe von 34 Kreuzern (!) entstanden sind.

Weil es postlagernd war, konnte der Empfänger immer davon ausgehen, dass sein Geld am Stuttgarter Bahnhof für ihn bereit lag.

Aus der Kreuzerzeit sind nur 2 derartige PA von Bayern bekannt geworden.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
Gisi Am: 01.04.2009 17:25:48 Gelesen: 505497# 70 @  
Hallo bayern klassisch,

sehr aufschlussreich. Diese Ausführungen lassen mich mit einem ganz anderen Blick den Nachlass meines Vaters betrachten.

Vielen Dank und freundlichen Gruss,

Gisi
 
bayern klassisch Am: 01.04.2009 18:33:09 Gelesen: 505489# 71 @  
Hallo Gisi,

dafür mache ich das hier. :-)

Aus München vom 3.1.1872 zeigt uns ein schwerer Brief (oben links "2" in blau für die 2. Gewichtsstufe über 1 - 2 Loth) aus München nach Sinigaglia (= bayerische Orthographie) in Italien, dass auch späte Bayernbriefe schön sein können (die meisten sind es leider nicht).

Je 10 Kr. für Bayern und das Königreich Italien ergaben 20 Kreuzer, die verklebt wurden. Dazu kamen weitere 7 Kr. für die Einschreibung, die der Aufgabepost belassen wurden.

Am Münchner Bahnhof schlug man dafür den sog. Wiegestempel "Chargé" in blau ab. Eigentlich sollte die Rekonummer, hier die 691, in den Stempel selbst geschrieben werden, was man in der Regel auch tat, hier aber unterließ. In Italien erhielt er eine eigene Rekonummer, die 918, welche unter Benedetto notiert wurde.

Rekobriefe der 2. Gewichtsstufe ins Ausland sind nicht sehr häufig, und wer einmal ein solches Stück in gutem Zustand angeboten bekommt, sollte nicht zu lange zögern.

Passend dazu eine bayerische Drucksache aus München vom 31.10.1872 nach Padua, welche mit 2 Kr. für ein Gewicht bis 2 1/2 Loth treffend frankiert wurde. Warum man den P.D. - Stempel in rot vergaß, wird ewig ein Geheimnis Münchens bleiben.

Dieser Postvertrag über Österreich nach Italien wurde zum 1.4.1869 in Kraft und am 31.10.1873 außer Kraft gesetzt.

Ich habe diese beiden Stücke auf einer Seite einer meiner Ausstellungssammlungen - zweimal blau, zweimal rot, zweimal grün. Es gibt Seiten, die sehen schlechter aus ...

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
duphil Am: 01.04.2009 19:01:30 Gelesen: 505484# 72 @  
@ bayern klassisch [#71]

Hallo bayern klassisch!

Mittlerweile habe ich gelernt, dass es keine dummen Fragen gibt. Darum lege ich einfach mal los!

Was mich jetzt bei dem erstem Brief von München nach Sinigaglia irritiert, ist die Tatsache, dass die Gebühr für das Einschreiben nicht mit Postwertzeichen verrechnet wurde, jedenfalls nicht auf dem Brief.

Für mich würde das bei einem evtl. Erwerb erst einmal bedeuten, dass der Brief nicht portogerecht frankiert wurde.

Woran ist erkennbar, dass die Einschreibe-Gebühr doch bezahlt wurde? Nur am Charge-Stempel?

Gab es denn in Bayern eine Verordnung, Anweisung o.ä., die es den Postbeamten ermöglichte, Zusatzleistungen nicht mit Postwertzeichen zu verrechnen? Wie wurde das denn sonst abgerechnet? Oder war das nur bei Sendungen in das Ausland der Fall? Galt das dann für alle Zusatzleistungen oder nur für Einschreiben? War das vielleicht nur eine Sondervereinbarung zwischen Bayern, Österreich und Italien? Oder gab es noch ganz andere Gründe?

Entschuldige die Reihenfolge der Fragen, aber ich habe sie so aufgeschrieben, wie sie mir in den Sinn gekommen sind.

Mit freundliche Gruß
Peter
 
bayern klassisch Am: 01.04.2009 19:44:53 Gelesen: 505475# 73 @  
Hallo Peter,

dumm ist nur, wer auf Fragen keine Antwort geben kann. Also versuche ich mal, nicht dumm dazustehen.

In Bayern wurde die Chargégebühr erst ab dem 1.3.1874 in Marken verklebt. Vorher war das prinzipiell nicht möglich.

Ab dem 1.1.1861 - ich habe hier mal einen Brief in diesem Thread ab Bahnhof München nach Österreich gezeigt - waren auch Portochargébriefe zugelassen, bei denen der Empfänger sowohl das Porto als auch die Chargégebühr bezahlen musste.

Da mein Brief aus 1872 stammt, konnte also die Chargégebühr gar nicht frankiert werden.

Die Rekogebühr wurde, ob sie nun 4 Kr. bis 30.6.1850, 6 Kr. bis 31.12.1867 oder 7 Kr. ab 1.1.1868 betrug, kassiert und dafür der Postschein ausgestellt. Auf diesem war sie zu quittieren. Der Brief erhielt dieselbe Nummer wie der Postschein und wurde unter derselben Nummer im Rekomanual eingetragen, schließlich musste man ja wissen, wer wann an wen welchen Brief eingeliefert hatte.

War die Aufgabepost eine gewöhnliche Postexpedition, dann bekam der Postexpedtior die Chargégebühr unvermindert. Er musste aber dafür die Vordrucke auch kaufen bzw. bei der Materialverwaltung bestellen (100 Stück = 2 Kreuzer, wenn ich mich nicht irre).

War die Aufgabepost mit Beamten besetzt, dann bekam die Aufgabepost die Chargégebühr, nicht das Individuum. Diese floss in mehrere Kassen (Witwen- und Waisenkasse für Postbeamte usw.) und war somit mildtätigen Zwecken zugedacht.

Wollte ein Absender eingeschrieben versenden, musste er dies auf der Adress - Seite des Briefes kenntlich machen. Die Vermerke hierfür waren: Recommandirt, gegen Schein, gegen Postschein, Chargé oder später Einschreiben (ab 1874).

Gab ein Absender einen so bezeichneten Brief auf der Post ab, wollte dann aber doch nicht eingeschrieben versenden lassen (zu teuer), dann musste er den Vermerk streichen oder die Post einen entsprechenden Vermerk anbringen.

In dem Falle der Einschreibung war immer der Chargéstempel abzugschlagen.

Es gibt aber auch Briefe, bei denen man den Chargéstempel vergessen hatte (Stress). Um festzustellen, ob er dann chargiert worden war, oder nicht, sucht man die Rekonummer. Hat der Brief keine, war er auch nicht eingeschrieben. Hat er eine, war er eingeschrieben und der Stempel vergessen worden.

Zusatzleistungen waren neben dem bereits besprochenen Einschreiben auch die Versendung mit Expressen. Dieses ist ein hoch kompliziertes Kapitel, welches 99% der Bayernsammler überfordert (auch finanziell). Ich könnte hier mal einen eigenen Thread diesbezüglich aufmachen, wenn es gewünscht wird.

Diese Express - Beförderung war teils in bar, teils in Marken teils dem Empfänger zu überlassen bezahlbar gewesen. Eine Beurteilung wird nur der Experte vornehmen können, zumal sich die Vorschriften änderten und für private und dienstliche Express - Sendungen andere Regeln galten. Die Gebühren verblieben i. d. R. dem Expeditor der Abgabepost bzw. dem Expressboten für seinen Gang zum Empfänger.

Der Postlieferschein bzw. der Postrückschein, in Bayern Retour - Recepisse genannt, war ebenfalls kostenpflichtig, wurde aber in der Regel bar bezahlt. Teils kommt es bei spätern Kreuzerbriefen vor, dass diese Gebühr auf den Brief selbst geklebt wurde, teils auf den Rückschein. Alles ist sehr selten und ich habe nur ganz wenige Stücke dieser Art in meiner Sammlung (und gesehen).

Der Rückschein war aber der einzige Sonderdienst, der immer vom Absender getragen werden musste. Die Gebühr von 12 Kr. bis zum 30.6.1850, 6 Kr. bis zum 31.12.1867 bzw. 7 Kr. ab dem 1.1.1868 verblieb immer der Aufgabepost bzw. dem Expeditor der Aufgabepost.

Die Versendung mit poste - restante war ebenfalls kostenpflichtig bis zum 31.12.1867 und zwar mit 4 Kreuzern. Diese waren nicht frankierbar, sondern mussten vom Empfänger bei der Abholung bezahlt werden. Sie wurden aber nur ganz selten angeschrieben und verblieben auch der Abgabepost bzw. dem Expeditor der Abgabepostexpediton. Sie war ein Teil seines Gehaltes (das nannte man Emolument).

Diese Aufzählung bezieht sich auf innerbayerische und Postvereinsversendungen. Nach dem Ausland konnte dies abweichen.

So wurde vom 1.7.1858 bei Chargébriefen nach Frankreich bis zum 15.5.1872, die Chargégebühr für Bayern in bar entrichtet, die für Frankreich aber mit 6 Kr. in Marken verklebt. Bis dahin war in diesen Fällen die Gebühr für den Brief zu verdoppeln, so dass du dir vorstellen kannst, wie wenige Chargébriefe es zwischen diesen beiden Postgebieten gab und gibt.

Bei Sendungen nach Russland wurde im Falle der Einschreibung der russische Gebührenanteil verdoppelt, nicht aber der bayerische.

Bei Einschreiben bis 1854 über England nach den USA wurden 18 Kreuzer = 5 Silbergroschen in Marken oder bar bis zum britischen Ausschiffungshafen fällig, während die bayerische Chargégebühr von 6 Kr. wieder bar bezahlt wurde. Ab dem britischen Ausschiffungshafen war der Brief aber nicht mehr eingeschrieben, obwohl er so aufgegeben worden ist, weil niemand die Sicherheit für die einwandfreie Überfahrt garantieren wollte und konnte.

Das sind nur ein paar Beispiele von vielen, die dir zeigen sollen, dass diese Materie ungeheuer vielfältig und spannend ist.

Für weitere Fragen stehe ich gerne zu Diensten, so ich sie beantworten kann.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
duphil Am: 01.04.2009 20:04:36 Gelesen: 505471# 74 @  
@ bayern klassisch [#73]

Uff, dass muss sich jetzt setzen.

Ich stelle immer mehr fest, dass der klassische Teil der Briefmarkenausgaben von Deutschland und hier besonders der Briefeteil mein Interesse weckt. Vor allem (für mich) vor dem Hintergrund der Postgeschichte und besonders der verschiedenen Gebührenordnungen und -verordnungen. Natürlich sind da auch Postwege interessant und, und, und ... (Aber wem sage ich das?) Mal sehen, wohin mich das führt. "grins"

Ich sage erst einmal vielen Dank für die vielfältigen und aufschlussreichen Informationen.

Mit freundlichen Gruß
Peter
 
bayern klassisch Am: 02.04.2009 09:28:38 Gelesen: 505446# 75 @  
Hallo,

zum zurücklehnen eine kleine Rosine zur Abwechselung.

Mit dem Postvertrag Bayerns und Frankreichs vom 1.7.1858 wurde bestimmt, dass je 10g Briefgewicht 12 Kr. zu frankieren waren (18 Kr. Porto bei unfrankierter Absendung). In Nürnberg am 7.12.1869 notierte der Absender links unten zwar "fco" für franko, aber so ganz richtig war das nicht.

Zwar ließ sich noch die Nürnberger Aufgabepost von dem Vermerk beeindrucken und druckte auch artig den "P.D." - Stempel als Zeichen der Bezahlung aller Gebühren ab, ja man notierte in der linken oberen Ecke in blau auch "1P" für Premier Port, also 1. Gewichtsstufe, doch richtig war dies alles nicht.

So musste es kommen, dass man in Forbach am 8.12. den Brief wog und feststellte, dass er über 10g wog. Nun wurde links oben eine "2" über der "1" geschrieben, der Vermerk "Afranchissement insuffisant" (Freimachung ungenügend) angebracht und der "P.D." - Stempel gestrichen. Die Folge davon war eine Nachtaxierung von 8 Decimes (24 Kreuzer!) für den Empfänger.

Wie aber kam man auf 8 Decimes? Der Vertrag bestimmte, dass unterfrankierte Briefe wie gänzlich unfrankierte Briefe zu taxieren waren, abzüglich der verwendeten Frankatur.

Ein Portobrief kostete je 10g 18 Kr. (6 Decimes), ein schwerer also 36 Kr. bzw. 12 Decimes. Zieht man nun von 36 Kr. die verklebten 12 Kr. ab, so bleiben genau 24 Kr. übrig, die den 8 Decimes entsprechen. Ein teures Vergnügen, wenn man nicht aufpasste.

Als Beweis füge ich eine Portobrief aus München ein, der links oben mit der blauen "1" als tatsächlicher Brief der 1. Gewichtsstufe mit dem französischen Stempel "6" für 6 Decimes bedruckt wurde.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 25.04.2009 07:58:45 Gelesen: 505265# 76 @  
Hallo,

wenn eine Mischfrankatur noch nicht gezeigt worden ist, dann möchte ich mal mit einer der Nr. 20 und Nr. 22 beginnen.

Am 16.5.1871 sandte man von Regensburg einen Brief der 2. Gewichtsstufe nach Eppstein bei Frankfurt am Main. Hierfür waren 7 Kr. zu frankieren (im Portofall wären es 11 Kr. gewesen, so dass der Absender gut daran tat, mit Marken zu frankieren).

Vermutlich hatte er noch eine alte, aber gültige 6 Kr. braun, die am 1.10.1868 an die Schalter kam, aber schon am 1.7.1870 durch die Nr. 24 in gezähnter Version ersetzt wurde. Zur Auffrankatur bedurfte es eines Kreuzers, den man ja ab dem 1.7.1870 mit der Nr. 22 reichlich zur Verfügung hatte.

Mischfrankaturen Bayerns sind immer selten, so wie sie von anderen AD - Ländern auch recht häufig sein können. In Bayern war man fast immer bestrebt, mit der neuen Ausgabe einer Serie die alten Marken umzutauschen bzw. sie aufzubrauchen. Auch Restbestände wurden vom Markt genommen, um die neuen Marken zu platzieren.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
Christian Am: 30.04.2009 00:48:35 Gelesen: 505228# 77 @  
Hallo zusammen!

Hier noch ein amtlicher Brief von der Regierung von Niederbayern, gelaufen von Landshut nach Wolfstein (Rheinland Pfalz). Der Brief datiert vom 26. Dezember 1853. Ich finde in einfach schön. An dieser Stelle noch einen Dank an das Philaseiten-Mitglied, der ihn mir überlassen hat.

Den Inhalt konnte ich noch nicht komplett entziffern, werde ihn aber nachreichen.





Herzliche Grüße

Christian
 
bayern klassisch Am: 30.04.2009 07:33:09 Gelesen: 505220# 78 @  
Hallo Christian,

ich bedauere sehr, dich enttäuschen zu müssen, aber dieser Dienstbrief hat die Rheinpfalz erst gesehen, als du ihn aus dem Briefkasten geholt hast.

Es war ein Dienstbrief nach Wolfstein bei Landshut - daher brauchte man damals auch keine Präzisierung des Zielortes (Rheinbayern), den man weder damals noch heute als Ort in der Pfalz gekannt hätte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 29.05.2009 17:46:53 Gelesen: 505016# 79 @  
Postbetrug lag vor, wenn der Absender etwas suggerierte, was tatsächlich nicht so war.

Hier ein Beispiel aus Regensburg vom 24.10.1850, welches man als Drucksache mit nur einem Kreuzer nach Neuburg an der Donau frankierte. Drucksachen durften nichts geschriebenes enthalten, von der Adresse, dem Datum und der Unterschrift einmal abgesehen.

Hier hätte ein einfacher Brief mit 3 Kr. frankiert werden müssen. Die Ersparnis von 2 Kr. war es dem Absender wert, denn die Aufgabepost in Regensburg überprüfte den Inhalt der DS nicht und sandte sie einfach so nach Neuburg an der Donau (das Streifbändchen ist heute nicht mehr erhalten).

Die Scans des Inhalts belegen eindeutig den erfolgreichen Postbetrug, den auch ein BPP entsprechend attestierte. Darüber hinaus ist es eine recht späte Verwendung einer 1. Platte der schwarzen Eins.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
Martinus Am: 16.10.2009 11:07:13 Gelesen: 504101# 80 @  
Bin kein Bayernsammler, habe diesen Brief in einer Kiloware gefunden!

Kann mir jemand helfen, wie so etwas einzuordnen ist?

Danke lg Michael


 
bayern klassisch Am: 16.10.2009 11:44:58 Gelesen: 504096# 81 @  
Hallo Martinus,

der Brief ist verfälscht, weil der Stempel von Speyer der Type Braungardt mit der Einkerbung zwischen E und R ein Falschstempel ist.

Der Wert ist somit gleich Null anzusetzen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Martinus Am: 16.10.2009 21:17:34 Gelesen: 504061# 82 @  
Ok, gibt es dazu irgendwo etwas schriftliches zum nachlesen?

Dann behalte ich ihn trotzdem und kennzeichne ihn mit falsch!

lg Michael
 
bayern klassisch Am: 16.10.2009 22:35:41 Gelesen: 504054# 83 @  
Hallo,

du kannst gerne bei Dr. Joachim Helbig BPP nachfragen. Er hat vor mehreren Jahren ein Heft mit bekannten Falschstempeln heraus gebracht. Dieses Heft habe ich vor einem Jahr einem jungen Sammlerfreund gegeben, kann also den Falschstempel nicht mehr einscannen.

Dass du den Brief als verfälscht deklarieren willst, ehrt dich sehr. Würden das doch nur alle tun, die manipulierte Stücke besitzen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 12.12.2009 09:32:18 Gelesen: 503634# 84 @  
Liebe Sammlerfreunde,

um dem Thread wieder etwas auf die Beine zu bringen, zeige ich mal eine Postvereinsdrucksache von Regensburg nach Pabneukirchen in Österreich, die m. E. sehr hübsch ist.

Innen ist sie mit ... December 1850 datiert, aber man hat sie (leider !) erst am 7.1.1851 bei der Post aufgegeben.

Die verwendete Marke, eine 3Ia der Erstausgabe, zeigt noch den hervorragenden Druck der ganz frischen Platte.

Im Gegensatz zu den Angaben bei Michel und Peter Sem war die Marke nicht am 1.10.1850 an den Schaltern, sondern erst im Dezember 1850, da erst einmal die Restbestände der Schwarzen Eins abverkauft werden mussten.

6 Poststücke mit der Nr. 3 Bayerns aus 1850 sind mir bekannt - für über 25 Jahre der Suche und dem Studium von ca. 30.000 Auktionskatalogen aus aller Welt ist das nicht eben viel.

Daher der Tipp vom alten Hasen: Wenn ihr eine lose Nr. 3 mit dem sicheren Datum 1850 seht, hierbei kommen nur die Stempeltypen Zweikreis und Zweizeiler in Frage, dann schlagt zu. Bei einem Ganzstück sind 300% Aufschlag auf den vollen Katalogpreis ein Schnäppchen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
ligneN Am: 12.12.2009 10:43:38 Gelesen: 503618# 85 @  
Hallo @ bayern klassisch [#84]

Im Gegensatz zu den Angaben bei Michel und Peter Sem war die Marke nicht am 1.10.1850 an den Schaltern, sondern erst im Dezember 1850, da erst einmal die Restbestände der Schwarzen Eins abverkauft werden mussten.

So etwas gehört natürlich in den Michel-Spezial, in michelamtlicher ;-)) Sprache etwa so:

"Lt. Amtsblatt Ausgabeverfügung 1.10.1850, jedoch Verwendungen erst ab Dez. 1850 bekannt. Ggf. aktuelles FRÜHDATUM EINFÜGEN Zuteilungen vermutlich erst nach Aufbrauch der Lager- und Schalterbestände von Nr. 1."

Exkursion nach Altbayern:
ligneN
 
bayern klassisch Am: 12.12.2009 10:56:32 Gelesen: 503612# 86 @  
Hallo Excursor in bayerischen Landen,

ja, so sollte man es beim Schwaneberger Verlag schreiben. Ich darf einen Auszug aus einem Artikel des 37. Rundbriefs der ARGE Bayern klassisch (http://www.arge-bayer.net) aus meiner eigenen Feder hier einfügen, der nach wie vor Bestand hat und klärt, warum es keinen Ersttag oder gar Ersttagsverwendungen mit dieser Marke geben kann/konnte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch, der sich sehr freut, dass du hier auch mitliest ... :-)


 
bayern klassisch Am: 23.04.2010 12:23:04 Gelesen: 502626# 87 @  
Hallo,

ein guter Fang war ein Laufzettel, den S. Deider mir günstig zuschlagen konnte.

Er lief 1864 von Rülzheim über Landau, Speyer und Mainz nach Bingen. Der Absender eines Wertbriefes (Fahrpost) dachte, dass sein gutes Stück nicht den Empfänger in Bingen erreicht hätte und wurde bei seiner Postexpedition in Rülzheim vorstellig.

Da er nichts vorlegen konnte, was diese Befürchtung bestätigen konnte, musste er das tarifmäßige Franko von Rülzheim nach Bingen bezahlen. Dieses war bei einer Entfernung von über 10 bis 20 Meilen 6 Kr., wie man an der Marke mit mir unbekanntem Plattenfehler sieht.

Die Ausfertigung eines Laufzettels kostete 12 Kr., worin auch die Einschreibung enthalten war. Der LZ lief alle Poststationen ab, wurde vom Empfänger rein quittiert (= er hatte den Wertbrief damals gut erhalten) und kam dann mit diesen Notationen versehen zurück zum Absender, der ihn gegen Unterschrift und den Postschein ausgehändigt bekam.

Nicht deuten kann ich den Vermerk 3 / 1, welcher von der Taxispost angebracht worden sein musste. Jemand eine Idee?

Jedenfalls sind Laufzettel in den Postverein Seltenheiten und viel schönere als diesen in das Taxisgebiet wird man lange suchen müssen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch




 
bayern klassisch Am: 21.09.2010 16:49:24 Gelesen: 500280# 88 @  
Liebe Sammlerfreunde,

wenn man etwas schönes und außergewöhnliches günstig erwerben kann, sollte man nicht zögern, dies zu tun.

Einer der schönsten Briefe Bayerns in die Schweiz ist m. E. dieser aus München mit 4 Exemplaren der Nr. 9.

Üblich waren, gerade in den großen Städten, wo die Postexpeditionen alle Werte vorrätig hielten, Frankaturen mit 12 Kr. Marken, was nichts besonderes gewesen wäre.

4 breitrandig geschnittene Marken der Ausgabe von 1862, noch dazu auf einem Auslandsbrief, sind aber (leider!) die Ausnahme.

Für die Postgeschichtler unter uns: Postvertrag Bayern - Schweiz vom 1.10.1852. 9 Kr. für Bayern über 20 Meilen München - Lindau und 3 Kr. für die CH bis Luzern, die unten mit schwarzer Tinte als Weiterfranko notiert wurde.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 08.12.2010 17:32:53 Gelesen: 498771# 89 @  
Liebe Sammlerfreunde,

einen Brief aus dem idyllischen Lindau vom 21.11.1855 in das sardische Genua zeigt uns eine 20 Kr. Frankatur.

Wer kann die 6 und 8 siegelseitig und die Besonderheit(en) des Briefes, den mir der liebe Briefträger heute brachte, erklären?

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 10.12.2010 06:44:41 Gelesen: 498724# 90 @  
Liebe Sammlerfreunde,

vielleicht ist der gezeigte Brief doch etwas zu kompliziert, daher möchte ich ihn mal erklären:

Der Laufweg des Briefes war Lindau - Chur - Mailand - Genua. Obwohl er als Lindauer Brief bis zur Schweiz nur 3 Kr. nach dem Vertrag vom 1.10.1852 gekostet hätte, musste man mit 9 Kr. den Postvereinsanteil frankieren, weil es die Schweiz nur transitierte und somit kein bilateraler Brief war. Also 9 Kr. für Bayern für einfache Briefe über 20 Meilen in den Postverein plus 3 Kr. Transitgebühr für die Schweiz.

In Mailand, dem Auswechselpostamt Österreichs, erhielt er die Stempel P.D., Franca und Via die Svizzera (über die Schweiz), damit man sah, welchen Weg er bis Mailand genommen hatte. Möglich war damals auch die Leitung über Österreich (Füssen war bayer. Grenzausgangspost), wodurch man sich die 3 Kr. für die CH ersparen konnte, jedoch eine längere Laufzeit und unsicherere Verhältnisse in Kauf nehmen musste. Dies scheute unser Lindauer Absender jedoch.

Da nicht Bayern mit dem Königreich Sardinien abrechnete, sondern Mailand (= Österreich), musste die Rechnungslegung zwischen diesen beiden Postgebieten in Kreuzern Conventionsmünze stattfinden und nicht in den rheinischen Kreuzern Bayerns.

Da der Kreuzer CM etwa 1,2 Kreuzer rheinisch wert war, reichten die von Österreich hierfür vorgesehenen 6 Kr. CM Weiterfranko für Sardinien nicht aus. Im Gegensatz zu den anderen süddeutschen Staaten wie Baden und Württemberg, die in diesen Fällen 7 Kr. rheinisch von ihren Postkunden frankieren liessen, gab Bayern die Reduktion in 8 Kreuzern vor! Daher die siegelseitigen 6 Kr. CM und 8 Kr. rheinisch, die in diesem Fall als gleichwertig angesehen wurden, obwohl sie es nicht tatsächlich waren.

Erst die piemontesische Krieg vom Sommer 1859 machte einer solchen Leitung den Garaus, weil die Lombardei an Italien fiel und Österreichs eierlegende Wollmilchsau verloren ging.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 26.03.2011 21:57:16 Gelesen: 496212# 91 @  
Liebe Sammlerfreunde,

nun etwas leichtere Kost:

In Frankfurt am Main wollte man seine Drucksache vom Dez. 1850 nicht zur Post geben, denn so eilig hatte man es nicht damit. Am 23.1.1851 schleppte man ihn ca. 80 km weiter in das bayerische Karlstadt, wo sie mit einem Kreuzer frankiert nach Bayreuth auf die Reise ging. Die Marke ist eine 1II mit kleiner Abart oben rechts. Am 24.1. kam er in Bayreuth an.

Warum machte man das?

Von Frankfurt aus hätte man die DS als Brief aufgeben können, denn die Ermässigung als Drucksache (DS) grif erst ab der 2. Gewichtsstufe (ab 8,75g, hier nicht der Fall mit 3g). Daher hätte man für Thurn und Taxis 4 Kr. bis zur bayer. Grenze und ab da 8 Kr. bis Bayreuth für Bayern zahlen müssen.

Erst ab der 2. Gewichtsstufe progressierten die Kosten nur noch um ein Viertel, daher konnte man ohne finanzielle Einbußen DS als Brief versenden, wenn sie nicht schwer waren.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
Pommes Am: 26.03.2011 22:15:44 Gelesen: 496206# 92 @  
@ bayern klassisch [#91]

Schöner Beleg. Kannst Du etwas dazu sagen, ob hier ein "Pfennigfuchser" am Werk war oder, ob tatsächlich eine erhebliche Kostenersparnis im Hintergrund stand? Was konnte man sich denn ersparen wenn man die 80 km selbst zurück legte? - "Kaufkraft" - wie es heute so schön heißt. Ich nehme mal an, dass 4 Kr. Thurn und Taxis und 8 Kr. in Bayern/Baiern irgendwelchen "Umrechnungskursen" unterlagen? Falls nicht, wäre der Sprung von einem zu zwölf Kreuzern ja wirklich "heftig".

Von wegen 'leichte Kost' - vielleicht bei Euch Spezialisten, aber hier lesen auch Amateure mit.

Mit den besten Sammlergrüßen
Thomas
 
bayern klassisch Am: 26.03.2011 22:42:51 Gelesen: 496197# 93 @  
Hallo Thomas,

das ist schon leichtere Kost als der letzte, den ich gezeigt habe und ich freue mich, dass er dir gut gefällt.

Zur Kaufkraft, ein guter Einwurf von dir: Für 4 Kr. konnte man inklusive eines Getränkes zu Mittag essen. Da waren 11 Kr. Ersparnis schon ganz ordentlich Geld.

Die Möglichkeiten, wie die Drucksache (DS) von Frankfurt nach Karlstadt kam, sind vielfältig.

1) Die Firma schickt einen, der im Raum Bayern unterwegs ist, mit der DS dorthin und der frankiert sie günstig.

2) Einer schickt an eine Firma (Kunde) neben der Ware noch ein paar DS im Paket mit, die frankiert zur Post gegeben werden sollen. Das war Betrug an den beiden involvierten Postverwaltungen, kam aber hin und wieder vor.

3) Man sendet einen großen Brief, in dem diese 3g wiegende DS eingefaltet wurde. Eventuell stieg das Porto nicht mal dadurch an. Der in Bayern verklebte Kreuzer wird der Frankfurter Firma später in Rechnung gestellt und alle freuen sich (bis auf Taxis und Bayern).

4) Ein Karlstadter war in Frankfurt und bekam die DS zur Frankatur in der Heimat mit. Da beide Postgebiete (die freie Reichsstadt Frankfurt am Main und das Königreich Bayern) die gleiche Währung hatten, war das problemlos möglich.

Man kann schon viel enträtseln, aber halt nicht alles. Dafür machen solche Rosinen Spaß, mir jedenfalls.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 29.03.2011 20:27:36 Gelesen: 496104# 94 @  
Hallo,

weil auch bayerischen Briefen ohne Marke(n) das Attribut attraktiv verliehen werden kann, möchte ich mal zwei Armensachen zeigen, die mir gut gefielen.

Die erste aus Amberg wurde nach Würzburg gesandt, die zweite aus Ansbach lief nach Zailach eingeschrieben und vielleicht kann jemand erkennen, was an dieser Armensache außergewöhnlich ist?

Zur Erleichterung einen Scan der Vorschrift für bayerische Armensachen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch




 
Pommes Am: 29.03.2011 21:36:57 Gelesen: 496089# 95 @  
@ bayern klassisch [#94]

Die Belege hast Du wohl in der Reihenfolge verwechselt. Aber auf das besondere bin ich noch nicht gekommen. Lass uns noch einige Tage Zeit, vielleicht eine Lösung zu finden, bevor Du "auflöst".

Von Gericht an Gericht und von Anwalt zu Anwalt ... und dann von Privat aufgegeben ... usw. ist auch nicht ganz so einfach. Ich lese mal "Vom königl. Advokaten Dr. Rütsch (?) Jr.: An die ... dann wird's problematisch ... aber gib mir noch etwas Zeit mit der Fristsache ins Reine zu kommen ... jetzt gehe ich aber erst mal ins Bett!

Mit den besten Sammlergrüßen
Thomas
 
bayern klassisch Am: 29.03.2011 21:49:12 Gelesen: 496083# 96 @  
Hallo Thomas,

ich weiß nicht warum, aber früher konnte ich die Scans unten anfügen, heute rutscht alles hoch. Die Reihenfolge der Darstellung ist folglich genau umgekehrt, wie ich sie hoch geladen und beschrieben habe. Sonderbar.

Du gehst die Sache von der richtigen Seite an - gerne lasse ich dir und anderen Knobelfreunden Zeit zum Knacken des Rätsels.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 30.03.2011 17:19:25 Gelesen: 496039# 97 @  
Hallo Thomas,

dann will ich mal lösen: Der eingeschriebene Brief war als Armensache selbst portofrei. Normal wäre die Einschreibegebühr von 6 Kr. zu zahlen gewesen, doch wurde hier auf dem Brief des Advokaten keine Reconummer notiert, weil die bayer. Advokaten und Notare eigene Postscheine anfertigen durften, die von der Post zu akzeptieren und kostenlos auszufertigen waren. Die Nummerierung nahm dann auch der Absender, hier der Advokat Dr. Rütsch aus Ansbach, intern vor.

Er musste zuvor beim Ansbacher Stadtmagistrat jedoch die Korrektheit der kostenlosen Versendung als Armensache vorderseitig mit dem Dienstsiegel und der Unterschrift des prüfenden Beamten bestätigen lassen.

Weil es ein ein Dienstexpressbrief war, der 10 km von Ansbach entfernt bestellt werden sollte, war ein Expressbote zu suchen (dafür erhielt man 9 Kr.) und eine Ganggebühr auszuhandeln, die ich auf mindestens 1 Gulden veranschlage. Jene Gebühren war von dem zu tragen, der letztlich in dieser Dienstsache zahlungspflichtig wurde, was wir heute nicht mehr wissen können.

Wie du siehst, stecken in kleinen, alten Briefchen manchmal mehr Dinge, als in wesentlich größeren Poststücken aus späterer Zeit.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Pommes Am: 30.03.2011 19:50:32 Gelesen: 496024# 98 @  
@ bayern klassisch [#97]

Hallo,

wirklich interessante Details. Leider warst Du mit Deiner Antwort für mich noch zu schnell, weil ich eben erst nach Hause gekommen bin. Das nur ganz leicht abgeschlagene "Chargé" habe ich gestern auch wirklich nicht zur Kenntnis genommen. Entziffern konnte ich den Brief indes in weiten Teilen, aber die dritte Zeile ist für mich unleserlich. Vielleicht kannst Du eine "Übersetzung" liefern. ("An die ...")

Philatelie und Juristerei in einem. Hat mir viel Spaß gemacht, danke.

Vielleicht hast Du noch andere Gerichtspost bzw. "juristisch beeinflusste" (aus Bayern), die gezeigt werden sollten, ggf. sogar im einem eigenen Thema. Bei alten Belegen sicher interessant; aber auch die neueren Freistempler oder noch aktueller die vielen Besonderheiten bei den Privatposten.

Mit den besten Sammlergrüßen
Thomas
 
bayern klassisch Am: 31.03.2011 11:00:00 Gelesen: 495993# 99 @  
Hallo Thomas,

ich habe noch viel Gerichtspost, also ein paar Hundert Briefe. :-)

Schön, wenn es dir etwas Spaß gemacht hat. Hier die komplette Adresse:

Vom Königlichen Advokaten Dr. Rütsch dahier

An die Weberswittwe Barbara Messlinger

in Zailach Landgerichts Ansbach

Schein (= Chargé) Fristsache (= Expreß nur bei Dienstbriefen!)

Armensache vidit (besehen) der Stadtmagistrat Brand (Name des Beamten)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 01.04.2011 18:36:30 Gelesen: 495931# 100 @  
Liebe Sammlerfreunde,

was hat dieser Brief mit Bayern zu tun? Und was ist seine Besonderheit?



Er wurde in Pölitz in Preußen geschrieben und sollte an das Schultheißenamt im württembergischen Creglingen gehen. So weit, so gut. Die Datierung über den Stempel reicht von 1826 bis 1842, weil er keine siegelseitigen Stempel hat. Davor gab es den Stempel nicht, danach hätte es hinten Stempel gegeben.

Wer löst oder traut sich?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 02.04.2011 22:48:37 Gelesen: 495875# 101 @  
Hallo in die Runde,

da sich keiner traut, löse ich selbst:

Es war eine in Preußen portofreie K. Unterstützungssache (links unten notiert), daher war der Wer von Pölitz bis Hof (bayer. Grenze) kostenlos.

Die Portofreiheit erstreckte sich aber nicht auf bayerische Gebiet, so dass Bayern für Briefe bis 1/2 Loth (8,75g) von Preußen nach Württemberg 8 Kr. Transitkosten zustanden. Die hier notierten 12 Kr. zeugen von dem Gewicht über ein halbes bis 1 Loth, so dass der Faktor 1,5 anzusetzen war.

Creglingen in Württemberg lag nahe an der bayerischen Grenze und wurde bei Briefe aus oder über Bayern wie hier von Rothenburg ob der Tauber in Bayern bedient. Die bayer. Postkutsche fuhr also 3 km nach Württemberg und gab der dortigen taxischen Lehenspost den Brief mit 12 Kr. Belastung.

Weil Bayern die württembergische Post nicht zu bemühen brauchte, wurde auch kein Taxansatz vermerkt, so dass für einen 3-Länderbrief nur eine Taxe notiert wurde!

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Pommes Am: 02.04.2011 23:18:03 Gelesen: 495869# 102 @  
@ bayern klassisch [#101]

Und die 12 Kreuzer hat dann der "Schuldeneintreiber" aus Württemberg als Porto bezahlt? Ist eine Unterstützungssache eine Art Amtshilfe? Hat der rötliche Strich rechts oben eine besondere Bewandtnis?

Ist schon interessant, wie Du aus einer "12" einen Bezug zu Bayern herzustellen in der Lage bist! Macht echt Spaß solche Belege zu deuten, wenn man das nötige Wissen hat; danke für den Beitrag.

Mit den besten Sammlergrüßen
Thomas
 
bayern klassisch Am: 03.04.2011 01:11:54 Gelesen: 495859# 103 @  
Hallo Thomas,

ja, Württemberg musste die 12 Kr. einziehen und am Quartalsende an Bayern übergeben (bzw. verrechnen), wie es der Postvertrag von 1809 zwischen beiden Postgebieten vorsah. Bayern durfte ihn nicht austragen und konnte das auch nicht, weil man gar nicht wusste, wo jemand in dem Ort zu finden war. Dafür gab es einen Zusteller, der 1 Kr. am Ort und 2 Kr. im Bezirk Bestellgeld pro Poststück erhielt.

Portofreiheiten waren den preußischen Aufgabeposten bekannt, auch wenn sie häufig wechselten. Der rote Strich, damals die typische Farbe Preußens (und später auch Württembergs in den 1840er Jahren) sollte nur der besseren Kenntlichmachung dienen. Eine Unterstützungssache lag vor, wenn man etwas staatlich fördern wollte.

Das konnte vieles sein - eine verarmte Gemeinde (Brand, Überschwemmung), eine in Not geratene Institution oder ein Dombauverein, dem das Geld ausging. Man sandte eine Petition an den König und hoffte auf Einkünfte oder die Verringerung von Abgaben. Eine der Möglichkeiten des Staates war die Gewährung der Postportofreiheit in eigenen Angelegenheiten. Diese konnte befristet und unbefristet gewährt werden.

In der Zeit vor den Postverträgen mit Gemeinschaftscharakter (ab Beginn der 1840er Jahre) hatte sie aber nur Gültigkeit im eigenen Postgebiet, nicht, wie es später im Postverein der Fall war, bindend für alle anderen Staaten auch.



Wo liegt hier die Besonderheit?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
AfriKiwi Am: 04.04.2011 03:29:52 Gelesen: 495802# 104 @  
@ bayern klassisch [#103]

Hallo Bayern klassisch,

Wo liegt hier die Besonderheit?

Habe keine Ahnung wenn es über den Beleg geht.

Was ich bemerkte ist die schmale 3 im Oval, statt rund in der linken unteren Wertangabe der linken 3 Kreuzer Marke.

Erich
 
bayern klassisch Am: 04.04.2011 06:47:39 Gelesen: 495796# 105 @  
Hallo AfriKiwi,

die Marken sind o.K. und auch entsprechend geprüft - auch ist kein Plattenfehler dabei, wie du annehmen könntest.

Nein, die Besonderheit liegt in dem Chargé - Wiegestempel per se und dann noch in blau, wie ich ihn kaum einmal von einem so großen Amt wie München überhaupt gesehen habe. Als Auslandsbrief ist Chargé sowieso selten und hier als 2. Gewicht (links oben "2") natürlich noch etwas ungewöhnlicher.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 04.04.2011 11:56:25 Gelesen: 495775# 106 @  
Liebe Sammlerfreunde,

ein Postmandat des Jahres 1874 möchte ich zeigen, welches mit 11 Kr. = 3 Sgr. treffend frankiert worden war. Vor dem 1.1.1874 kostete ein Postmandat noch 18 Kr. = 5 Sgr.

Dieses war am das Postamt in Köln adressiert und innen lag der Wechsel zur Einlösung. Viele kenne ich nicht.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 13.04.2011 09:09:14 Gelesen: 495425# 107 @  
Hallo,

etwas aus der Knobelecke für den Freund altdeutscher Philatelie:

Welche Besonderheiten hat der Brief vom Oktober 1862 ?



Ich darf schon verraten, dass es 3 sind!

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Erdinger Am: 13.04.2011 16:08:24 Gelesen: 495413# 108 @  
Lieber bayern klassisch,

1. Der Brief wurde nicht in Fürth, sondern in Leipzig geschrieben (der Absenderstempel wurde zweimal, gegeneinander versetzt, abgeschlagen), mit einer anderen Sendung nach Fürth geschickt und von dort weiterexpediert.

Einem Fürther Expeditor hätte man nicht sagen müssen, dass Immenstadt in "Baiern" liegt.

2. Die Nr. 10 kam erst Anfang Oktober 1862 an die Schalter.

3. Der "7A"-Stempel

Liege ich richtig?

Viele Grüße aus Erding!
 
bayern klassisch Am: 13.04.2011 16:46:15 Gelesen: 495411# 109 @  
Lieber Erdinger,

Punkt 2 hatte ich nicht berücksichtigt, weil doch schon ein paar Tage zwischen Erstausgabe und Einlieferung lagen.

Fehlt noch die Tatsache, dass der 2. in der 2. Gewichtsstufe lag und daher mit 6 Kr. unterfrankiert war.

Da die erste Gewichtsstufe über 12 Meilen mit 6 Kr. frankiert war, die 2. jedoch nicht, rechnete die Post 6 Kr. Porto plus 3 Kr. Portozuschlag = 9 Kr., die in blauer Kreide vorne notiert waren und dem Empfänger belastet wurden (einen Tag später!).

Gut gemacht und fast perfekt beantwortet. :-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
DL8AAM Am: 11.08.2011 18:04:23 Gelesen: 492746# 110 @  
Zwar kein Briefbeleg aber trotzdem ein schöner historisch-philatelistischer Beleg ;-)

Das Buch von Dr. Erich Stenger (einem der alten Gurus der Bayern Philatelie) "Bogeneinteilung und Auflagenummern der Postwertzeichen Bayerns" von 1921 aus dem Bestand des Smithsonian findet sich unter vollständig (104 Seiten als PDF) unter

http://www.archive.org/details/bogeneinteilungu00sten bzw. direkt unter
http://ia600300.us.archive.org/19/items/bogeneinteilungu00sten/bogeneinteilungu00sten.pdf



Gruß
Thomas
 
bayern klassisch Am: 12.11.2011 08:55:37 Gelesen: 489665# 111 @  
Hallo in die Runde,

hier ein Briefchen, dass der Landbriefträger in Annweiler am 27,5,1872 in das nur 2 km entfernte Dörfchen Rinnthal brachte und das mit 1 Kr. treffend frankiert worden war.

Der Inhalt war für den Empfänger weniger erbaulich - eine Mahnung erhielt man schon damals nicht gerne. So musste der Schwanwirt Jacob Matz sehen, wie er an das Geld kam.

Liebe Grüsse von bayern klassisch




 
Pommes Am: 12.11.2011 13:56:22 Gelesen: 489614# 112 @  
@ bayern klassisch [#111]

Hallo Ralph,

kannst Du mir sagen, was ein Schwan(en)wirt(h) ist?

Fragt sich
Thomas
 
wuerttemberger Am: 12.11.2011 14:41:17 Gelesen: 489605# 113 @  
In Süddeutschland ein gängiger Begriff für den Betreiber einer Gaststätte mit Namen "Zum Schwan" o.ä.

Gruß

wuerttemberger
 
bayern klassisch Am: 26.11.2011 09:50:52 Gelesen: 489121# 114 @  
Liebe Sammlerfreunde,



hier ein Brief aus Nürnberg nach Paris, der interpretiert werden will. Wer wagt sich, den Werdegang des Briefes zu rekapitulieren?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 06.12.2011 16:50:16 Gelesen: 488639# 115 @  
Liebe Sammlerfreunde,

nun, dann will ich mal selbst lösen: Der Brief wurde zuerst mit einer 12 Kr. Marke frankiert. Dann bemerkte man, nachdem man sie bereits entwertet hatte, dass der Brief über 10 - 20g wog und somit in die 2. Gewichtsstufe fiel. Nun wurde er dem Absender zurück gegeben, der kurze Zeit später (s. die Zeitangabe in den Stempeln) wieder erschien und mit weiteren 12 Kr. korrekt frankierte.

Als Zeichen, dass man die richtige Gewichtsstufe erkannt hatte, notierte man links 2p für Deux Ports.



Heute mal einer aus Landshut in den Lokalbezirk, bei dem ich mal gerne wüsste, was für eine Marke das ist ...

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
LK Am: 06.12.2011 17:35:42 Gelesen: 488629# 116 @  
Hallo bayern klassisch,

ich wäre auch gern nach Sindelfingen gefahren um deine und natürlich auch andere AD - Sammlung zu bewundern, aber leider spielt die Gesundheit nicht immer mit.

Sehr schöner und auch seltener Brief mit einer 3 II (Platte II mit spitzen Ecken).

Damit kann nicht jeder Bayernsammler aufwarten.

Gruß und schönen Abend noch

LK
 
bayern klassisch Am: 06.12.2011 21:26:05 Gelesen: 488606# 117 @  
Hallo LK,

kein Problem - ich hätte dir gerne eine individuelle Führung zukommen lassen. 2012 möchte ich dort wieder ausstellen, dann aber die Postverhältnisse Bayern - Frankreich 1822-75 zeigen. Vlt. ist deine Gesundheit dann wieder hergestellt und ich kann dir diese Sammlung vorstellen.

Eine 3II ist bisher nur in 500 Exemplaren bekannt, davon keine 10% auf Brief und davon keine 10% auf Briefen in den Lokalbezirk.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 15.01.2012 11:29:29 Gelesen: 486676# 118 @  
Hallo in die Runde,

ob der folgende Beleg schön ist, liegt wohl im Auge des Betrachters - ich finde ihn nicht schön, aber dennoch geht ein gewisser Reiz von ihm aus, wenn man die Adresse liest und sich die Frankatur betrachtet:



Anfang des Jahres 1872 sandte man von Nürnberg einen Brief bis 1 Loth über Marseille nach Batavia, welches heute auf den Namen Jakarta hört und noch immer in Indonesien ansässig ist. Früher, zur Zeit des Briefes, war es aber eine niederländische Kolonie, die auf den Namen Niederländisch - Ostindien getauft worden war und erst viel später ihre Unabhängigkeit erlangte.

Der Absender zahlte schlappe 42 Kreuzer für ihn, dem Äquivalent von ca. 25 Euro heute. 3 Kreuzer verblieben Bayern, 39 Kreuzer musste man weiter vergüten, auch wenn das nicht auf dem Brief selbst zu erkennen ist.



Am 17.2.1872 traf er ein und das war keine schlechte Zeit für seine Reise um die halbe Welt.

Leider kann ich keine weiteren Briefe von Bayern nach dorthin zeigen, so interessant sie auch wären, denn Bayernbriefe mit dieser Destination in der Kreuzerzeit sind handverlesen und ich habe auch nur einen von dort nach Bayern in 30 Jahren sehen und kaufen können.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
LK Am: 15.01.2012 16:56:30 Gelesen: 486644# 119 @  
@ bayern klassisch [#118]

Hallo ,

na den hab ich doch schon mal in einem anderen Forum gesehen !

Ich hoffe Du kannst Ihn jetzt dein Eigen nennen, wäre zu wünschen !

Ich konnte mir das lachen bei einigen Kommentaren nicht verkneifen, insbesondere was die Seltenheit angeht, und zu den Wertvorstellungen (na ja, dafür würde ich die per 10 kaufen, geht leider nicht).

Schönheit ist bei solchen seltenen Destinationen zwar wünschenswert aber wenn man die Transportumstände in Betracht zieht (Schiffsreise im Postsack, Seewasser etc.) vollkommen belanglos.

Und nicht zu vergessen hier geht es um Postgeschichte.

Die Marken waren so weit ich mich erinnern kann wohl in Ordnung, bis auf den Vortrennschnitt im 3er Streifen.

Na denn viel Freude mit dem "schönen" Stück.

Es grüßt aus Pak Thong Chai

LK oder auch Wolf
 
bayern klassisch Am: 15.01.2012 18:04:00 Gelesen: 486634# 120 @  
Hallo LK,

ja, ich habe ihn von dem Sammlerfreund gekauft, der ihn in einem anderen Forum gezeigt hatte. Die Vortrennschnitte tangieren das Markenbild nirgends, daher ist die Frankatur fehlerfrei und das ist bei Briefen mit so weiten Laufwegen sehr selten (zumindest bei Bayern).

Der von einem anderen Forenmitglied genannte Preis war für mich ein Segen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 01.02.2012 16:35:11 Gelesen: 485915# 121 @  
Liebe Sammlerfreunde,

ein Brief der Nr. 10 mit einer Besonderheit möchte ich heute zeigen - mal sehen, wer sie erkennt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
Postgeschichte Am: 01.02.2012 17:02:30 Gelesen: 485909# 122 @  
@ bayern klassisch [#121]

Hallo Ralph,

vielleicht die Angabe, daß der Schlüssel des Paketes in dem Brief einliegt? "Mit einem Schlüssel".

Mit postgeschichtlichem Gruß
Manfred
 
Jahnnusch Am: 01.02.2012 17:47:37 Gelesen: 485905# 123 @  
Von Würzburg nach Bayreuth war er überfrankiert?
 
duphil Am: 01.02.2012 19:07:13 Gelesen: 485898# 124 @  
@ bayern klassisch [#121]

Hallo!

Ich kann keine Ziffer im Stempel auf der Marke erkennen. Liegt das nur an meinen Augen?

Mit freundlichen Gruß
Peter
 
bayern klassisch Am: 01.02.2012 20:03:14 Gelesen: 485892# 125 @  
Hallo in die Runde,

man ihr seid gut!

Nein, überfrankiert war er nicht, weil er einen Schlüssel als Inhalt hatte und der war sicher schwerer, als die heutigen kleinen Schlüssel.

Der Vermerk "Mit einem Schlüßel" kommt nur ganz selten einmal vor - wer Briefe damit findet, sollte mit dem Kauf nicht lange zögern. :-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 15.02.2012 17:52:16 Gelesen: 485185# 126 @  
Liebe Sammlerfreunde,

ein kleiner Brief aus dem Angebot von Postgeschichte - Kemser fiel mir heute in die Hände - er hat natürlich eine kleine Besonderheit und stammt aus Thiergarten, vom 9.10.1852, die Postaufgabe erfolgte erst am 11.10. in Regensburg, weil Thiergarten keine Post hatte und lief nach Mittenwald an den Instumentenbauer Neuner.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
Postgeschichte Am: 15.02.2012 18:26:10 Gelesen: 485176# 127 @  
@ bayern klassisch [#126]

Hallo bayern klassisch,

sollte die kleine Besonderheit der Leitvermerk "über München" oder der Vermerk "frei" sein? Der Brief war, ein Gewicht bis 1 Lot bei einer Entfernung von über 12 Meilen vorausgesetzt, gemäß Verordnung vom 19.6.1850 mit 6 Kr. korrekt frankiert.

Mit postgeschichtlichem Gruß
Manfred
 
bayern klassisch Am: 15.02.2012 20:53:42 Gelesen: 485160# 128 @  
Hallo Manfred,

ja, so war es. Der Absender hatte frei zu schreiben vergessen, daher wurde es später mit anderer Tinte nach geholt.

Leitwegsvorgaben innerbayerisch sind sehr selten - ob die Post sie interessierte, steht aber auf einem anderen Blatt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 07.04.2012 19:31:42 Gelesen: 482851# 129 @  
Hallo,

hier mal ein etwas ungewöhnlicher Brief, der mit Bayern eigentlich nichts zu tun hatte. Wer weiß, was da passiert ist?

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 10.04.2012 10:38:41 Gelesen: 482742# 130 @  
Liebe Sammlerfreunde,

eigentlich ganz einfach: Jemand klebte eine bayerische Marke im badischen Mannheim auf, wo sie natürlich nicht gelten konnte. Daher notierte man "ungilitg" unterhalb der Marke und taxierte den Brief bis 10 Meilen von Mannheim nach Heidelberg mit 3 Kr. plus 3 Kr. Portozuschlag = 6 Kr..

Was ist das besondere von dieser Drucksache?

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 03.05.2012 17:37:36 Gelesen: 481849# 131 @  
Liebe Sammlerfreunde,

die Besonderheit ist die Überstempelung des Münchener Briefträgerstempels durch denjenigen des dortigen Oberbriefträgers mit der Nr. 3. Derartige Belege sind nur ganz vereinzelt vorhanden, auch wenn man bei dem großen Postaufkommen Münchens denken könnte, derlei Stücke müssten Massenware darstellen.

Ein neuer Brief kam heute per Post, den ich euch nicht vorenthalten möchte.



Am 2.2.1867 sandte man einen Faltbrief mit über 1 bis 15 Loth Gewicht von München nach Sulzbach, der das Franko von 6 Kr. erforderte. Hierbei kam mein bayerischer Lieblingsstempel auf den Quadratmarken zum Einsatz, den es ähnlich auch am Bahnhof gab. Auch wenn der obere Randverlauf nicht optimal ist, gefiel mir der Brief auf Anhieb und erfreut mich sehr.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 28.08.2012 13:56:23 Gelesen: 478241# 132 @  
Liebe Sammlerfreunde,

heute eine feine Strecke von Briefen aus Bayern nach Grossbritannien der 1820er Jahre. Kaum einer ist gleich und an Herrn Huth in London (wohl die größte klassische Korrespondenz der Welt) findet man sie sogar von südlich des Weißwurstäquators.

Liebe Grüsse von bayern klassisch










 
bayern klassisch Am: 28.08.2012 14:01:53 Gelesen: 478240# 133 @  
Und schon folgte der 2. Teil:









Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 30.08.2012 09:14:26 Gelesen: 478009# 134 @  
Liebe Sammlerfreunde,

mal wieder etwas aus der Auslandskiste:

Ich hoffe, ihr mögt Überseebriefe auch so sehr, wie ich.

Liebe Grüsse von bayern klassisch






 
bayern klassisch Am: 01.09.2012 10:04:52 Gelesen: 477883# 135 @  
Liebe Sammlerfreunde,

manchmal muss man viele Jahre warten, bis man so etwas bekommt. Wer weiß, warum dieser "simple Brief" etwas besonderes ist?

Liebe Grüsse von bayern klassisch




 
Klaus S Am: 01.09.2012 10:23:45 Gelesen: 477872# 136 @  
Hallo,

gewusst wie !

Nette Portoersparnis. Vermutlich 6 Kreuzer, wenn von Frankfurt nach Scheinfeld über 20 Meilen, sonst immerhin 3 Kreuzer.

Gruß
 
bayern klassisch Am: 01.09.2012 14:34:26 Gelesen: 477834# 137 @  
Hallo Klaus,

vollkommen richtig - man hat in Frankfurt am Main 3 Einkreuzermarken gehabt (hatte dort ja auch nicht jeder!), sie übergehend mit dem Firmenstempel aufgeklebt und durch einen Reisenden oder in einem anderen Poststück nach Nürnberg geschmuggelt und sich so 6x gespart!

Die 2. Besonderheit ist die Entwertung der Marken mit 2 Mühlrädern von Nürnberg und der 3. Marke mit den Ortsstempel, also eine Duplexentwertung. Das war zwar gegen die Postvorschriften, wurde aber hin und wieder gemacht.

Danke fürs richtige Lösen und liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 01.09.2012 14:40:44 Gelesen: 477833# 138 @  
Weil ich gerade dabei bin, zeige ich mal eine Seite, die man für 30 bis 40 Euro kaufen kann. Nur ist sie nicht so häufig, dass man irgend einem Händler, Sammler oder Auktionshaus das Geld in die Hand drücken könnte und zwei solcher Briefe bekäme - diese sind nämlich selten. Warum?

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
Marcel Am: 03.10.2012 17:25:15 Gelesen: 476089# 139 @  
Hallo an unsere Bayernfreunde,

habe hier heute eine Postkarte des Schloßes Banz (ehemaliges Bennediktinerkloster) vom 23.09.1909 mit einem Reklamestempel der Schloßwirtschaft Banz - W. Stahl.

Das Kloster ist heute Tagungsstätte der CSU nahen Hanns-Seidel-Stiftung und gehört zur Stadt Bad Staffelstein.

Der Reim auf der Karte lautet:

Gestern geweilt in Coburg an der Itz,
Heute gewundert bei zierlicher Hitz.
Von Lichtenfels nach Kloster Banz
Freuen wir uns hier des Maintaler Glanz.
Der Hurten von Hannchen der ist nun verschwunden,
Gießet die Tanne,sonst hänge sie die Zweige nach unten.
Grüß Max & Hanna




in diesem Sinne schöne Grüße
Marcel
 
bayern klassisch Am: 29.10.2012 14:01:09 Gelesen: 475074# 140 @  
Hallo Marcel,

ein hübsches Kärtchen aus moderner Zeit - hier ein etwas älteres, nicht modern, sondern nach Modena. :-)

Briefe von und nach dem Herzogtum Modena, einem Postgebiet, welches es nur bis zum 17.3.1860 gab und das danach an Sardinien bzw. später an Italien angeschlossen wurde, sind beileibe keine Massenware.

Heute zeige ich einen aus Augsburg vom 24.7.1856 in die Stadt Modena selbst. Die Leitung ist trotz des Fehlens von Transitstempeln eindeutig und klar: Augsburg - Lindau - Chur - Mailand - Modena.

Der Absender wollte voll frankieren und zahlte bei der Aufgabe 17x, die sich wie folgt zusammen setzten, denn es galt 4 Postgebiete zu befriedigen:

1. Bayern

Von Augsburg bis zur CH - Grenze 6x für eine Entfernung über 10 bis 20 Meilen.

2. Schweiz

Geschlossener Transit Nord - Süd für 3x, die siegelseitig notiert wurden.

3. Österreich

Eingang beim Kartenschlußamt Mailand, wo er nach Kontrolle der Frankatur die Stempel FRANCA und VIA DI SVIZZERA erhielt, denn er hätte auch über Innsbruck laufen können und wäre dann günstiger geworden (auf Kosten einer um 2 bis 3 Tage verlängerten Laufzeit). Österreich kassierte hier nichts, denn Mailand wurde zur Vereinsausgangspost.

Ab 1.6.1852 hatte Österreich mit dem Herzogtum Modena, welche welchselseitig intime Beziehungen unterhielten, einen Postvertrag im Rahmen des ÖIPV = Österreichisch - Italienischen - Postvereins geschlossen, der 6x CM für derartige Briefe vorsah. Diese wurden bei allen süddeutschen Staaten in 7x rheinisch reduziert, nur Bayern verlangte von seinen Korrespondenten 8x rheinisch. Rein rechnerisch betrugen 6x Conventionsmünze 7,5x rheinisch, so dass alle abrundeten und nur Bayern "suplirte", also aufrundete. Schön für uns heute!

4. Modena

Wie o. g. 6x CM = 8x rheinisch je Loth wie hier.

Also ergibt sich folgendes Bild: 6x Bayern, 3x die Schweiz und 8x Modena, obwohl man dort den kürzesten Weg zurück zu legen hatte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 03.11.2012 09:31:08 Gelesen: 474905# 141 @  
Liebe Sammlerfreunde,

schön heißt für mich nicht immer mit schöner oder schönen Marke(n), sondern auch mal etwas ohne Marken, wenn es nicht gerade Allerweltsbriefe sind.

Die 3 hier sind sicher keine Allerweltsbriefe und alle Chargébriefe der Altdeutschland Staaten nach Frankreich verdienen unsere besondere Wertschätzung und Aufmerksamkeit.

Liebe Grüsse von bayern klassisch




 
bayern klassisch Am: 01.12.2012 10:16:14 Gelesen: 473630# 142 @  
Liebe Sammlerfreunde,

kein Brief nach Frankreich, auch nicht der allerschönste, aber wohl einer über Frankreich, soll heute hier gezeigt werden.

Am 21.2.1860 hatte einer in München keinen guten Tag - was mich freut! Der Postkunde wünschte einen Brief in die USA aufzugeben, der bis 7,5g wog. Die günstigste Möglichkeit hierzu wäre die Leitung über Bremen gewesen, wobei er hätte nur 22 Kreuzer frankieren müssen.

Warum auch immer, das machte man nicht, vlt. lief auch in dieser Zeit kein Schiff von Bremen Richtung USA ab, so dass man eine andere Route wählte. Dabei wäre eine Leitung über Preußen, Belgien und GB mit der "Prussian closed mail", also mittels verschlossener Briefpakete, auch möglich gewesen, was jedoch 45 Kreuzer gekostet hätte.

Über Frankreich gab es die Möglichkeit ab dem 1.7.1858 mit nur 33 Kreuzern in die USA zu verschicken und das war der geistige Impetus der damals handelnden Personen.

Offenbar war die Frankatur der beiden höchsten Nominalen von 12 und 18 Kreuzern so verwirrend, dass man vergaß, die noch benötigten 3 Kr. zu frankieren. Statt dessen stempelte man P.D. als Zeichen, dass alles nach dem Tarif frankiert worden war, was frankiert hätte werden müssen.

Frankreich übernahm ihn am Folgetag in Strasbourg und stempelte vertragskonform T.F. = Transit Francais, womit die Leitung über Frankreich amtlich war. "21" bedeuteten, dass der Brief nach der 21 US - Cents - Rate die USA erreicht hatte und demnach nichts mehr zu fordern war (21 Cents = 33 Kr. siehe Vertrag).

Die fehlenden 3 Kreuzer stehen neben dem Aufgabestempel Münchens und Frankreich hat diese der Aufgabepost intern belastet.

Ansonsten lief er durch bis Philadelphia, wo er am 14.3. oder 17.3.1860 eintraf.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
juni-1848 Am: 01.12.2012 19:20:23 Gelesen: 473601# 143 @  
@ bayern klassisch [#138]

Warum so selten ?

Die beiden Belege erinnern mich an die ebenso seltenen Belege im (Auslands)Grenzverkehr meiner Infla-Sammlung.

Als Alt-Deutschland-Laie versuche ich eine Antwort:

1. Hof liegt in Bayern (in Grenznähe zu Sachsen)
2. Plauen liegt in Sachsen
3. Die 1. (Gewichts- und) Entfernungsstufe wurde per Postvertrag Bayern/Sachsen, NICHT durch die Landes- (und Währungs)-Grenzen beschränkt.

So - und jetzt bin ich auf die korrekte Antwort gespannt.

Beste Grüße,
juni-1848
 
bayern klassisch Am: 01.12.2012 20:20:47 Gelesen: 473590# 144 @  
Hallo juni-1848,

zu [#138]

Danke für dein Engagement. :-)

Zu 1) Richtig!

Zu 2) Richtig!

Zu 3) Eben darum sind sie nicht häufig = selten, weil die Masse der größeren Orte mit hohem Korrespondenzaufkommen im 3. Rayon zueinander lagen (Leipzig, Dresden, Chemnitz zu Nürnberg, Augsburg und München). Schon Briefe in den 2. Rayon sind deutlich seltener, als Briefe in den 3. Rayon und am seltensten sind Briefe - wie hier hin und her gezeigt - in den 1. Rayon.

Dieser Rayon umfasste nur die Postanstalten, die bis 10 Meilen (74,5 km) in direkter Linie gegenüber lagen. Das waren nicht viele. Wenn du in 10 oder 15 Jahren 5 Briefe hin oder her bekommst, die nicht vom gleichen Ort in den gleichen anderen Ort liefen, bist du ein Glückspilz.

Von den allermeisten Ortspaaren kenne ich überhaupt keine Briefe und wenn man Hof in Bayern ausklammern würde, als Aufgabe- oder Zielort, könnte man die Darstellung der 3 Kr. Frankaturen praktisch ganz vergessen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 02.12.2012 10:35:10 Gelesen: 473558# 145 @  
Liebe Sammlerfreunde,

die Behauptung, nur Markenbriefe könnten schön sein, möchte ich zu widerlegen versuchen mit diesem Portobrief aus Kaiserslautern nach Marienhausen bei Montabaur, damals zum Postgebiet derer zu Thurn und Taxis gehörend.

Die Steingutfabrik Kaiserslautern versandte eine Rechnung an ihren Kunden, Herrn Johann Müller in Marienhausen und wollte auf Nummer Sicher gehen, dass jener sie auch bekam, so dass man nicht voraus frankierte, sondern ihn das Porto zahlen ließ.

Am 16.3.1863 taxierte ihn daher die Aufgabepost als einfachen Brief über 10 bis 20 Meilen Luftlinie von Post zu Post mit 9 Kr., die sich aus dem tarifmässigen Porto i. H. v. 6 Kr. und dem Portozuschlag i. H. v. 3 Kr. zusammen setzten.

Die ursprünglich notierte blaue "6" war falsch und wurde zurecht abgestrichen, weil sie den Portozuschlag nicht berücksichtigt hatte.

Über Mainz und Seltes an der Lahn (Stempel W. Selters) lief er nach Montabaur, welches postalisch zuständig war für den kleinen Ort Marienhausen (ohne eigene Post, da nur ca. 240 Einwohner damals!). Taxis stellte ihn für 2 Kr. Bestellgeld zu, die wie immer blau notiert wurden.

Auf der Siegelseite sehen wir also das von Bayern beanspruchte Porto von 9 Kr. und das Bestellgeld von 2 Kr. für den Boten, der diese 2 Kr. aber in Montabaur wieder abliefern musste, da sie dem Fürstenhaus zustanden, wie die 9 Kr. Bayern gehörten und der Bote selbst als fest angestelltes Individuum gar nichts von diesen 11 Kr. behalten durfte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 13.12.2012 08:17:57 Gelesen: 473073# 146 @  
Und weiter gehts mit einem Auslandsbrief, der sich hoffentlich sehen lassen kann.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
Bayernkarte Am: 15.12.2012 11:00:03 Gelesen: 472966# 147 @  
Hier 2 Belege aus Memmingen von 1814. Einer davon mit M 3 Memmingen statt R 3. Ich vermute Buchstabenverwechslung beim Stempelzusammenbau.


 
bayern klassisch Am: 15.12.2012 15:02:58 Gelesen: 472939# 148 @  
Hallo Bayernkarte,

ich dachte bisher, dass die Rayonstempel eine feste Rayonvorgabe hatten, die nicht veränderbar war. Alles andere machte ja keinen Sinn.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Bayern-Nerv Am: 15.12.2012 17:36:30 Gelesen: 472921# 149 @  
Hallo zusammen,

hier ein Brief vom 21.06.1820 von Berchtesgaden(R4 Stempel) nach Neustadt/Coburg.

Schöne Grüße
Bayern-Nerv Volker


 
bayern klassisch Am: 15.12.2012 18:28:11 Gelesen: 472908# 150 @  
Hallo Bayern-Nerv,

14x für Bayern, 2x für Thurn und Taxis und 1x Bestellgeld für den Boten (abzuliefern beim Fürsten höchstselbst) ergab die Gesamtkosten von 17x.

Aus Berchtesgaden sind mir Briefe bekannt, die aus Kostengründen von Österreich über die nahe Grenze geschmuggelt wurden und in Bayern günstig aufgegeben wurden. Verhält es sich hier auch so?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Bayernkarte Am: 15.12.2012 23:38:51 Gelesen: 472885# 151 @  
@ bayern klassisch [#148]

Dachte ich auch. Der Brief ist von Memmingen nach Kempten, also ca. 35 Km. Habe den Stempel mal vergrößert. Stempeldatum: 20. Aug. 1814. Mehrere andere Briefe aus gleicher Korrespodenz tragen alle R 3.


 
bayern klassisch Am: 16.12.2012 09:54:16 Gelesen: 472859# 152 @  
Hallo Bayernkarte,

und wieder ein Kuriosum mehr bei Bayern - ist das nicht herrlich ?

Vielen Dank fürs zeigen und

liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Fillemille29 Am: 23.12.2012 16:43:55 Gelesen: 472546# 153 @  
An alle Bayern,

ich möchte auch diese Seite nutzen, um auf den Aufruf "Not und Behelfsentwertungen bis 1923" aufmerksam zumachen. Ich beabsichtige, alle Päckchenstempel, Grobsendungsstempel, Sicherheitsentwertungen, Dienstsiegel etc. zu erfassen. Später (2-3 Jahren) soll ein Buch mit Katalogteil entstehen.

Literatur ist ja so gut wie nicht vorhanden. Danzig, Oberschlesien u. Württemberg ist alles bisher erfasste registriert. Nun fehlt vor allem Bayern und das restliche Deutsche Reich. Jeder gezeigte Beleg ist willkommen.

Tschüß

Achim
 
bayern klassisch Am: 31.12.2012 09:16:14 Gelesen: 472281# 154 @  
Liebe Sammlerfreunde,

einen schönen Brief aus Wunsiedel mit dem gM 600 (mein Lieblingsmühlradstempel) zeige ich, der nach Sachsen lief. Bis 1 Loth und über 20 Meilen Entfernung erforderten ein Franko von 9 Kr.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 06.01.2013 11:09:07 Gelesen: 472024# 155 @  
Liebe Sammlerfreunde,

ja, es gibt sicher schönere Briefe von Bayern, aber ob es noch einen zweiten nach Sylt gibt?



Ab dem 12.8.1865 war der Postvertrag Dänemarks (ja, dazu gehörte Sylt!) mit Preußen außer Kraft gesetzt worden und eine provisorische Portotaxe eingeführt worden.

Für Briefe aus Bayern nach dort hin galten jedoch die Porti und Franki weiter fort, so dass der Absender in Augsburg für diesen 1 bis 2 Loth schweren Brief der 2. Gewichtsstufe zwei mal 8 Kr. für Bayern und zwei mal 4 Kr. für Dänemark zahlen musste. Diese 8 Kr. Weiterfranko wurden unten links ausgewiesen, allerdings hätte man sie in roter und nicht in blauer Farbe notieren müssen.

Der Brief lief über Taxis Hamburg und erfreute Preußen mit 8 Kr., die es in umgekehrter Weise nicht mehr gegeben hat.

Die linke Marke des Briefes wurde replaziert - nicht ideal, aber bei einem Brief mit so seltenem Zielort habe ich das in Kauf genommen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
kreuzer Am: 06.01.2013 13:01:45 Gelesen: 472009# 156 @  
Hallo bayern klassisch,

da hat der Brief ja dann eine passende Marke gefunden. Bei der Destination muss man leider Abstriche in Kauf nehmen. Recht viele weitere Briefe wird es nicht mehr geben - wenn überhaupt.

Viele Grüße

kreuzer (der den Brief schon in Sindelfingen bewundern durfte)
 
bayern klassisch Am: 06.01.2013 15:35:19 Gelesen: 471993# 157 @  
Hallo kreuzer,

ja, das ist der aus Sindelfingen - gut, dass es einen Weiterfranko - Vermerk gibt, sonst hätte man nicht auf das korrekte Franko schließen können und dann wäre der Brief auch für mich wertlos gewesen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Bayernkarte Am: 06.01.2013 16:28:03 Gelesen: 471983# 158 @  
@ Fillemille29 [#153]

Hier ein Fernbrief aus Erkheim mit Päckchenstempel. Portoperiode vom 1.7.1922-30.9.1922.


 
Marcel Am: 08.01.2013 21:27:38 Gelesen: 471924# 159 @  
Heute mal wieder eine Postkarte gelaufen am 08. Oktober 1907 von Landau in der Pfalz nach Berlin.



Durch den Wiener Kongress kam die Stadt Landau mit der übrigen Pfalz 1816 an Bayern, nachdem es ab 1815 unter provisorischer österreichischer Verwaltung gestanden hatte. Landau war jetzt Bundesfestung ( http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesfestung ).

Der Wiener Kongress legte, durch die Niederlage von Napoleon, in Europa zahlreiche Grenzen neu fest und definierte neue Staaten. Nach dem Krieg 1871 war Landau keine Grenzstadt mehr, wurde entfestigt und neue Straßenzüge entstanden.

Man setzte auf das bayerische Militär und es entstanden umfangreiche Kasernenanlagen. Nach dem I.und dem II. Weltkrieg war Landau wieder französische Garnisonsstadt, als Teil der Besetzung des Rheinlands bis 1930 und als Teil der französisch besetzten Zone nach 1945. Heute ist Landau eine kreisfreie Stadt an der Südlichen Weinstraße im Bundesland Rheinland-Pfalz.

Der Schillerpark, ob die Ansicht auf der Karte heute noch so existiert?



schöne Grüße
Marcel
 
bayern klassisch Am: 09.01.2013 11:02:55 Gelesen: 471892# 160 @  
Liebe Sammlerfreude,

heute möchte ich aus dem Jahr 1820 eine Armensache von Gericht an Gericht zeigen, die in Regensburg aufgegeben portofrei nach Burglengenfeld lief.



Die Kanzlei hatte ihn richtig mit Armen - Sache tituliert, die Expeditionsnummer vermerkt, unter der er im Ausgangsbuch bei der Post und im Gericht eingetragen worden war und der Sachbearbeiter hat zu guter Letzt seinen Namen unter die Sache geschrieben, denn er war rechtlich verantwortlich für die Richtigkeit der portofreien Beförderung!

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Fillemille29 Am: 09.01.2013 17:49:27 Gelesen: 471873# 161 @  
@ Bayernkarte [#158]

Vielen Dank, weiter so.

Tschüß
Achim
 
bayern klassisch Am: 16.01.2013 15:27:10 Gelesen: 471490# 162 @  
Liebe Sammlerfreunde,

die kleinen Besonderheiten sind es manchmal, die einen Beleg attraktiv wirken und sein lassen. Hier war es eine privat hergestellte Postkarte/Drucksache, welche nur 1x kostete, und nicht 2 bzw. 3x wie eine Postkarte oder gar ein Brief.



Sie war auf sehr schönem und dicken Karton gedruckt worden. Die Entwertung erfolgte mit der verbotenen Farbe lilablau - interessant ist auch der Ankunftsstempel von Dietmannsried, der wie bei einer Postkarte vorne oben links abgeschlagen wurde, statt wie bei einer gewöhnlichen Drucksache hinten - und es ist eine Sondertype mit kleinem Kreis, eine Zwischentype von Winkler Nr. 19, die es nur in ganz wenigen Orten im bayerischen Schwaben gab, in Württemberg schon mehr, daher auch württembergische Type genannt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 18.01.2013 09:31:24 Gelesen: 471406# 163 @  
Liebe Sammlerfreunde,

um auch der Vormarkenzeit gerecht zu werden, hier mal ein hübsches Stück nach Frankreich.



Der Absender frankierte am 8.12.1812 in Kempten nach Colmar einen Batzen Geld für seinen schweren Brief:

46 Kreuzer für Bayern bis Strasbourg und 25 Kreuzer ab da bis Colmar, welche siegelseitig von den Beamten Strasbourgs in 9 Decimes reduziert wurden.

Mathematisch kann man die 46 Kr. für Bayern nicht nachvollziehen, aber das war damals nicht so wichtig, Hauptsache man hatte nicht zu wenig eingenommen, weil im Rahmen einer Revision einen sonst die finanzielle Keule des Staates Bayern getroffen hätte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 23.01.2013 00:39:57 Gelesen: 471290# 164 @  
Liebe Sammlerfreunde,

wer kann mir den Postlauf mit seinen Gebühren schildern?

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
Postgeschichte Am: 23.01.2013 01:50:24 Gelesen: 471288# 165 @  
@ bayern klassisch [#164]

Hallo Ralph,

ist zwar nicht meine Zeit, versuche mich mal daran.

Postlagerbrief von Neuburg nach Augsburg, da bis 12 Meilen mit 3 Kreuzer austaxiert. Auf Wunsch wurde der Brief nach Würzburg weitergeleitet. Die 3 Kreuzer wurden gestrichen und die neue Gebühr für über 12 Meilen in Höhe von 6 Kreuzern berechnet (und wieder gestrichen oder zittrige Handschrift?). Oben steht etwas mit .... Porto. Kann es aber nicht entziffern (Brille reicht nicht aus). Ist aber wie gesagt nicht meine Zeit.

Mit postgeschichtlichem Gruß
Manfred
 
bayern klassisch Am: 23.01.2013 10:04:16 Gelesen: 471271# 166 @  
Hallo Manfred,

vielleicht nicht deine Zeit, aber gut beschrieben allemal! :-)

Er ging von Neuburg an der Donau in das unter 12 Meilen entfernte Augsburg, wofür, wie du richtig geschrieben hast, 3x Porto nach dem Regulativ vom 1.7.1849 anfielen.

Weil er poste restante zu gestellen war, durfte er nicht ausgetragen werden, sondern verblieb bei der Hauptbriefpostexpedition Augsburg im Aushängekasten für restante gestellte Briefe. Das spielte sich alles am 4.7.1849 ab.

Dann muss aber ein Nachsendeauftrag vorgelegen haben, denn von sich aus waren diese Briefe 3 Monate lang auszustecken, was man hier nicht machte. Jedenfalls wollte der Empfänger seine Post nach Würzburg nachgesandt haben und zwar an das philatelistisch berühmte Handelshaus Venino. Herr Wierendorf wollte auch seine restante Briefe in Würzburg zugestellt haben, so dass die Augsburger Post in seinem Auftrag "poste restante" strich und die neue Adresse vermerkte.

Die 3 Kr. für die erste Strecke wurden abgestrichen und durch 6 Kr. ersetzt, weil es von Augsburg nach Würzburg über 12 Meilen waren. Dann hat man bemerkt, dass es ja ein restante Brief war, der mit der Ankunft in Augsburg als zugestellt galt und für den eben keiner zuvor das Porto bezahlt hatte.

Also notierte man oben links "pro 9 xr Porto", also abzuliefern für 9 Kr. Porto, denn die 6 Kr. kamen zu den in Augsburg bereits lastenden 3 Kr. hinzu.

Die Dienstleistung poste restante selbst kostete 4 Kr., war aber "erfolgsabhängig", das heißt, nur wenn der Empfänger auf der Post seinen poste restante gestellten Brief auch abholte, wurden sie von ihm verlangt und flossen in die Kasse der Abgabepost.

Da hier in Augsburg nicht ausgeliefert und für Würzburg als Abgabepost gestrichen, fielen sie erst gar nicht an.

Ich habe den Brief vor über 20 Jahren gekauft, weil mir auch die verschiedenfarbigen Stempel sehr gut gefielen und ich 3 Porti auf einem Brief - noch dazu mit poste restante - bis dato nicht gesehen hatte. Daran hat sich auch nach 20 Jahren intensivster Sammelei nichts geändert und es beweist sich immer wieder, dass gutes Geld für außergewöhnliche Briefe, die schon vor über 160 Jahren selten und ungewöhnlich waren, auszugeben nicht das dümmste ist, was ein Sammler machen kann.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 29.01.2013 11:25:57 Gelesen: 470915# 167 @  
Liebe Sammlerfreunde,

vermeintliche Schlichtheit muss nicht zwangsläufig bedeuten, das etwas Massenware ist oder war.

Noch bis ins frühe 19. Jahrhundert hinein kam es vor, dass zwei Menschen, die nahe beieinander wohnten, der selben Person einen Brief zu schreiben wünschten. In Anbetracht der für uns heute damals hohen Portokosten, versuchten die Korrespondenten dann, nur einen Brief bei der Post aufzugeben, der aber einen weiteren Brief enthielt. Dieses Verfahren nannte man "per Einschluss" bzw. "per Couvert".

Unter eine Couvertierung verstehen wir als die Einlage von Briefen, die andere, als der postalische Absender geschrieben haben. Das konnte einer sein, es gibt aber auch Fälle von bis zu 3 Briefen, die in ein großes Couvert eingetütet worden waren.



Er datiert vom 15.2.1833 und wurde in Dinkelsbühl geschrieben und war als typischer Faltbrief vom Bruder an die Schwester Auguste von Goes in Nürnberg gerichtet. Der Gesamtbrief wog ausweislich seiner Frankotaxe von 6x über 1/2 bis 1 Loth bei einer Entfernung von über 6 bis 12 Meilen, was man ihm nicht so ohne weiteres ansehen würde. Links auf der Adressseite steht noch "Wilhelm Zahn", was aber heutige Sammlerkreise weniger interessieren würde, oder?

Doch weit gefehlt - neben dem eigentlichen Brief lag noch einer von eben diesem Wilhelm Zahn (heute noch) bei, der an die selbe Empfängerin gerichtet war und unten links den Vermerk "p(er) Einschl(uß)" zeigt. Das hat man auch nicht so häufig, dass das Originalschreiben und der Einschlußbrief erhalten geblieben sind und wer weitere Einschlussbriefe von Bayern hat, darf sie hier zur Besprechung gerne zeigen. :-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 23.02.2013 12:29:45 Gelesen: 470073# 168 @  
Liebe Sammlerfreunde,

oftmals erheben sich Fragen bzgl. der Zustellung von Poststücken an Orten ohne eigene Postanstalt. 1844 waren die Postexpeditionen verpflichtet worden, auf den sog. Bestellkreuzer zu verzichten, der allgemein üblich war, auch wenn wir ihn nicht immer auf Briefen sehen.

Danach wurde der Bestellgeldkreuzer nur noch an den Orten erhoben, wo der Vertrag zwischen der bayer. Post und dem Postexpeditor diese Einnahmequelle als Emolument ausdrücklich vorsah.

Für die Zustellung auf dem "flachen Lande" war die Post in der Pfalz durch das neu installierte System der Landpostboten erst ab dem 1.10.1858 zuständig, was sich gut bewährte, so dass man dies 2 Jahre später auch im rechtsrheinischen Bayern einführte.

Zuvor war die Zustellung an Personen gebunden, die gewerblich Poststücke gegen Entgelt von der Postexpedition zum Empfänger brachten. Diese notierten, speziell bei mit Porto belasteten Briefen, ihren Lohn auf den Briefen selbst (Pfalz oft siegelseitig, Restbayern i. d. R. vorderseitig), oder unterließen es, wenn sie z. B. pauschale Abgeltung ihrer Kosten pro Woche oder pro Monat mit dem Empfänger vereinbart hatte (z. B. 2 Gulden je Woche, egal was anfiel, oder 5 Gulden je Monat plus Extras bei schweren Fahrpoststücken usw.).

Heute zeige ich zwei Briefe aus der Zeit des Reglements vom 1.7.1849, welches so bis zum 30.6.1850 in Bayern galt. Das Porto bzw. Franko war noch gleich, es gab also keinen Portozuschlag und das weitere sehen wir hier gleich.



1. Brief aus Würzburg vom 20.7.1849 lief porto, also unfrankiert, nach Michelbach bei Alzenau. 3 Kr. für Briefe bis 1 Loth und 12 Meilen waren korrekt taxiert worden und dieser Betrag stand der Post zu.

Dort angekommen übergab man ihm vertragsgemäß einem konzessionierten Boten zur Bestellung in das etwa 2,5 km entfernte Dorf Michelbach, welche keine eigene Post hatte. Hierfür war der Satz vertraglich auf 2 Kr. festgelegt worden, wie wir an der Summe von 5 Kr. für den Gesamttransport sehen können. Hierbei ist zu beachten, dass bei Portobriefen der Bote das Porto auslegen musste, denn ohne ihre 3 Kr. gab man den Brief natürlich nicht heraus. Kamen an einem intensiven Tag vielleicht 10 oder gar 20 Briefe für ein und denselben Empfänger an, die ja i. d. R. wesentlich höher taxiert worden sein konnten, als dieser "billige" hier, dann musste der Bote ein paar Gulden vorschliessen können, um überhaupt seine Arbeit erledigen zu können.

Hätte der Empfänger, was regelmäßig nicht der Fall war, die Annahme der Briefe verweigert, so wäre der Bote auf seinem "Vorschuss" sitzen geblieben, denn die Post hatte ihre Dienstleistung ja erbracht und alles weitere interessierte sie nicht mehr. Es gab also durchaus ein gewisses unternehmerisches Risiko für diese konzessionierten Boten.



Der 2. Brief datiert vom 3.8.1849 und lief von Augsburg Stadt (Hauptbriefpostexpedition, später verlegt an den Bahnhof) nach Babenhausen. Auch hier blieb der Brief einfach mit 3 Kr. Porto bis 12 Meilen und 1 Loth. Für Babenhausen, das hätte der Absender eigentlich spezifizieren müssen, war die Abgabepost von Illertissen zuständig. Dort wurden die 3 Kr. Postporto gestrichen und um 2 Kr. für den dortigen Boten auf 5 Kr. erhöht.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 26.02.2013 09:58:32 Gelesen: 469849# 169 @  
Liebe Sammlerfreunde,

heute hoffe ich eure Augen mit einem Brief der Nr. 10 zu erfreuen, der im Jahre 1864 auf die Reise ging. In Passau erhielt er die Sondertpye des offenen Mühlradstempels 385 mit geschlossenem Außenkreis, die nicht selten ist, aber selten so gut abgeschlagen vorliegt. Die 6 Kr. Frankatur war notwendig, weil der Brief bis 12 Meilen Entfernung über 1 bis 2 Loth war.

Die Anschrift ist lustig, wenn gleich heute noch existent in Altötting - er lief an "Die Oberin des englischen Fräulein - Instituts Frau Nepomuzena Meister". Diesen Vornamen habe ich noch nie gehört und ein englisches Fräulein - Institut kannte ich zuvor auch noch nicht. Aber man lernt ja ständig dazu:

https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&cad=rja&ved=0CDMQFjAA&url=http%3A%2F%2Fde.wikipedia.org%2Fwiki%2FKloster_St._Joseph_(Alt%25C3%25B6tting)&ei=LXEsUZz4KbPR4QSVj4GgCA&usg=AFQjCNEztDwn86FZRU8P-5CbJ7zp85V9ow&bvm=bv.42965579,d.bGE

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
doktorstamp Am: 26.02.2013 10:22:38 Gelesen: 469841# 170 @  
@ bayern klassisch [#169]

http://regiowiki.pnp.de/index.php/Kloster_und_Schule_Damenstift_Altenmarkt

Etwas mehr zu der Schule findet man hier:

Nach und nach gingen große Teile des Klosters und dessen landwirtschaftlicher Besitz in das Eigentum des Ordens der Englischen Fräulein (Maria Ward-Schwestern) über. Oberin Sr. Nepomuzena Meister, Leiterin des Klosters in Altötting, kaufte 1858 das Kloster in Altenmarkt. Am 25. November 1858 zogen sechs Schwestern und zwölf Zöglinge von Altötting kommend in die leer stehenden Klostergebäude ein. Sie legten damit den Grundstock für eine „Lehr- und Erziehungsanstalt“. Der Bau war „ruinös“, ein Großteil der Räume unbewohnbar und musste von den Schwestern erst hergerichtet werden.

Auszug aus der Wikiseite. Die erwähnte Frau müßte eigentlich Empfänger des Briefes sein.

Der Vorname der Frau ist für viele von uns heute ganz ungewöhnlich, aber wenn man ihn bei google eingibt scheint es in Österreich, Ungarn, und die Tschechoslowakai ziemlich weit verbreitet. Heute begegnet man den Namen in Polen, aber hier mit C statt Z geschrieben.

mfG

Nigel
 
bayern klassisch Am: 26.02.2013 10:34:31 Gelesen: 469838# 171 @  
Lieber Nigel,

habe vielen Dank für die Infos - ich habe den Namen noch nie gehört, aber andere Länder, andere Sitten. Wenn man schon 1858 von "ruinös" schrieb, kann man sich kaum vorstellen, wie diese Zustände auf uns heute gewirkt hätten. Es muss schlimm gewesen sein.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
filunski Am: 26.02.2013 11:12:12 Gelesen: 469836# 172 @  
@ bayern klassisch [#169]

"ein englisches Fräulein - Institut kannte ich zuvor auch noch nicht"

Diese "englischen Fräulein", heute auch Maria Ward Schwestern, betrieben wohl in manchen Städten ihre Institute. Oft waren das Realschulen für Mädchen, normale Mädchen aus dem Volke, keine Novizinnen. Ich kenne solch ein "Englisches Fräulein Institut" aus Augsburg, dort heute noch unter dem Namen "Maria Ward Realschule". Bei mir löste die Erwähnung des Namens aber schöne Erinnerungen an meine Jugendzeit damals in Augsburg aus.

Eine meine ersten Freundinnen war Schülerin bei den "Englischen Fräulein", wie es einfach nur hieß. Damals war es ein beliebter Sport als Junge zu versuchen auf das von den strengen Nonnen bewachte Schulgelände zu gelangen und dort möglichst lange zu verbleiben. Der Rekord damals lag bei 7 Minuten!
Dies nur eine kleine Episode zum Thema. Hier gibt's noch mehr dazu: http://www.mw-augsburg.de/index.php?id=29

Beste Grüße an bayern klassisch aus klassisch Altbayern :-),
Peter
 
bayern klassisch Am: 26.02.2013 12:41:23 Gelesen: 469816# 173 @  
[#169]

Hallo filunski,

vielen Dank für den Link - sieht schön aus!

Dann ist es vielleicht in Altötting auch einem gelungen, innerhalb kürzester Zeit dort meinen Brief zu schnappen und sich nicht erwischen zu lassen! :-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 27.02.2013 10:53:47 Gelesen: 469744# 174 @  
Wer sich als Philatelist mit dem Gebiet "Bayern Klassik" ernsthaft beschäftigen will, sollte sich zu Beginn angesichts der ungeheuren Materialmenge und der Vielzahl der Spezialthemen einen Plan machen. Was will ich und wo will ich hin?

Als bekennender Ludwig II.-Fan hatte ich es da leicht. Modern gesagt "focussierte" ich von Anfang an die geschnittene (1.) Wappenserie von 1868/69 (Mi.Nr. 14-21). Als Brief- und Ganzsachensammler nehme ich lose Marken nur ungebraucht in die Sammlung auf. Wer nun glaubt, die wenigen Marken (8 Stück + 5 Neudrucke von 1873 für die Wiener Ausstellung) hat man ungebraucht doch schnell zusammen, irrt gewaltig. Der Versuch eine Nr. 21 ungebraucht (nicht postfrisch, sondern mit sauberem Falz oder mit Falz und Restgummi oder sogar ohne Gummierung) mit guter Wappenprägung zu einem zumutbaren Preis kurzfristig (also z.B. innerhalb eines 1/2 Jahres) aufzutreiben, scheitert, sofern nicht großes Glück im Spiel ist. Die Nr. 21 ungebraucht der Wappenserie ist z.B. in der Erreichbarkeit (natürlich nicht im Preis) einer ungebrauchten Nr. 4I der Quadratausgabe gleich zu setzen.

Nun noch kurz zur ersten bayerischen Wappenserie. Ludwig hätte es gern gesehen, wenn sein Portrait auf den neuen bayerischen Briefmarken erschienen wäre (es existiert ein Essay), als der Vorschlag entstand für Bayern neue Briefmarken mit neuer Zeichnung herzustellen. Die Zeit war aber fortgeschritten und die alten "Königsbilder" auf Briefmarken überholt. Die Königreiche Preußen und Sachsen hatten längst Wappenserien eingeführt, so daß Ludwig auf Anraten der Verwaltung auf Portraitmarken verzichtete, vermutlich schweren Herzens.

Ich will noch schnell eine schöne Ludwig II.-Ansichtskarte von 1897 zeigen, die man selbstverständlich in die Wappenserie-Sammlung einbauen kann, schließlich hat er die Serie ja genehmigt.



Die Ansichtsseite zeigt alles, ich brauche sie nicht kommentieren. Die Anschriftsseite zeigt, daß die Karte in den Briefkasten eines Dampfers auf dem Starnbergersee eingelegt wurde.

Der Stempel lautet: " Starnberg-Dampfschiffs-Post, C(ours) III, 2.Sept. (18)97". Ich weiß nicht auf welchem Dampfer die Post aufgegeben wurde, ich bin da kein Spezialist, aber man könnte es klären.
 
bayern klassisch Am: 13.03.2013 14:24:52 Gelesen: 468549# 175 @  
Liebe Sammlerfreunde,

eine Seite, die ich lange herzustellen benötigte, die mir aber umso besser gefällt. Ich hoffe, euch auch!



Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 15.03.2013 08:31:50 Gelesen: 468413# 176 @  
Liebe Sammlerfreunde,

zu den beliebtesten Sammelgebieten innerhalb des großen Sammelgebiets Bayern gehören die Mühlradstempel, weil sie sich hoch spezialisiert sammeln lassen, aber immer noch zahlreiche Geheimnisse bergen, hinter die zu kommen schon vergangenen Sammlergenerationen nicht völlig gelang.

Zeigen möchte ich die Sondertype des offenen Mühlradstempels 211, dessen Ziffen so klein ausfielen, dass man sie nur dann sicher erkennen kann, wenn der Stempel nahezu perfekt abgeschlagen wurde, was man bei Bayern nicht unterstellen darf.

Hier zwei Briefe aus 1866 mit der Quadratausgabe und 1868 mit der Wappenausgabe, die das Argument, Altdeutschland sei, wenn es hübsch ist, teuer, denn man kann dergleichen für wenig Geld kaufen und viel Freude daran haben.

Liebe Grüsse von bayern klassisch




 
bayern klassisch Am: 15.03.2013 08:33:49 Gelesen: 468412# 177 @  
@ bayern klassisch [#176]

Und weil wir gerade bei Sondertypen offener Mühlradtempel sind, zeige ich hier das Gegenteil - einen übergroßen aus Schweinfurt von 1868 auf einen Dienst - Expressbrief nach Gerolzhofen, den man eigentlich hätte eingeschrieben verschickt haben müssen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
hajo22 Am: 24.04.2013 00:13:28 Gelesen: 467176# 178 @  
Jetzt habe ich eine Weile nichts von mir hören lassen zu diesem Thema.

Gerade beim Sichten meiner Bayern-Bestände fällt mir dieser schöne Auslandsbrief aus Erlangen nach Genf in die Hände, den ich hier im Forum - wenn auch zu später/früher Stunde - noch zeigen möchte.

15 xer Brief v. 4.12.(1860) nach Genf auf vollständigem Faltbrief. Ankunft Genf 6.12.1860. Interessant der Schweizer Zugstempel Z 17, datiert 5.12.1860.
Mi. 2II Pl4 und 4II Pl.2 (2x)

Viel Vergnügen beim Betrachten.



So und jetzt muß ich schlafen gehen.
Jochen
 
Altdeutschland Am: 24.04.2013 08:31:42 Gelesen: 467150# 179 @  
@ hajo22 [#178]

Hallo Jochen,

schöne 15 Kreuzer Vollfrankatur. Die Marken teilweise mit Schnittlinien, das Weiterfranco für die Schweiz vorschriftsmäßig mit 6 Kreuzern ausgewiesen.

Viele Grüße
Altdeutschland
 
kreuzer Am: 24.04.2013 21:04:36 Gelesen: 467063# 180 @  
@ hajo22 [#178]

Schöner Brief! Es fielen an 9 Kreuzer für den 3. bayerischen Rayon und wie Altdeutschland bereits richtig geschrieben hat, 6 Kreuzer Weiterfranko (2. Schweizer Rayon).

Viele Grüße

kreuzer
 
kreuzer Am: 25.04.2013 20:12:35 Gelesen: 466910# 181 @  
Hallo zusammen!

Schön anzusehen sind auch immer sogenannte Prägezierbriefe. Ich zeige hier ein Kuvert von Bayreuth nach Germersheim, frankiert mit einer Nr. 23.

Viele Grüße

kreuzer


 
hajo22 Am: 27.04.2013 17:19:20 Gelesen: 466745# 182 @  
(Klassische) Ziercouverts sind immer erste Sahne, wobei ich sagen muß, die farbigen gefallen mir noch besser. Leider besitze ich vom klassischen Bayern kein Exemplar.

Schön anzusehen sind auch die bayerischen Postablagestempel, sofern lesbar abgeschlagen.

Zeigen kann ich einen Brief mit 3 xer Quadratausgabe und "Postablage Wallenfels" (Oberfranken; Stempel in Schwarz), übergeordnetes Postamt Steinwiesen; Ankunftsstempel "Bahnh(of) Bamberg". Couvert ohne Jahresangabe.

Viel Spaß beim Betrachten:



Viele Grüße
Jochen
 
bayern klassisch Am: 27.04.2013 17:44:45 Gelesen: 466738# 183 @  
@ hajo22 [#182]

Hallo Jochen,

schönes Kuvert im Damenformat, das hat was. :-)

Kleine Korrektur: Nicht Postamt, sondern Postexpedition Steinwiesen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 27.04.2013 18:41:02 Gelesen: 466719# 184 @  
@ bayern klassisch [#183]

Hallo,

ja richtig, natürlich Postexpedition.

Da ich gerade meine Bayern-Ganzsachen sortiere, möchte ich 2 Ganzsachen zeigen und zwar die P 91 Type I, Bild 1 und 2. Beide Karten liefen - eingeschrieben - nach London (je Ankunftsstempel in schwarz und rot).

Nun könnte man prima vista denken die Ganzsachen seien mit 35 Pfg. um 5 Pfg. überfrankiert.

Aber halt, Irrtum. Der Wertstempel der Ganzsache (Entwurf Julius Diez) war nur für Post innerhalb des Deutschen Reiches und Österreichs gültig. Ins übrige Ausland=0. Also sind beide Ganzsachen frankaturgerecht. Der Beamte auf dem Postamt Passau Bhf. hat freundlicherweise in beiden Fällen den Ganzsachenwertvordruck entwertet, obwohl der Wertstempel nach London ungültig war. Streng gesagt wurde in dieser Verwendung aus einer Ganzsache ein Formularvordruck.

Beide Karten natürlich philatelistisch inspiriert, ich denke, Frankatur-/Markentausch.

Dennoch sind die Karten hübsch anzusehen, schönster Jugendstil-"Kitsch".




Schönen Abend und weiterhin viel Freude an der Bayern-Philatelie.
Jochen
 
bayern klassisch Am: 27.04.2013 19:58:23 Gelesen: 466707# 185 @  
@ hajo22 [#184]

Hallo Jochen,

ich würde das nicht Kitsch nennen und möchte nicht wissen, wie spätere Generationen heutige Sammlerkarten bezeichnen werden. :-)

Immerhin sind beide Karten postalisch befördert worden, auch wenn der Sinn und Zweck gerne philatelistisch angehaucht sein dürfte. Immerhin sind es Zeitzeugen einer Stilrichtung, der heute, vor allem im Bereich der Architektur, höchstes Lob gezollt wird.

Danke fürs zeigen und liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 27.04.2013 21:20:42 Gelesen: 466682# 186 @  
@ bayern klassisch [#185]

Hallo,

um nicht mißverstanden zu werden, mir gefällt der Jugendstil auch. Ich habe lange in München gelebt und in so manchem Treppenhaus in Schwabing ist der Jugendstil z.B. in Form von Glasmosaiken auch heute noch präsent. Aber nicht nur Architektur und Bilder, sondern auch Möbel und Gebrauchsgegenstände aller Art zeigen das Fin de Siècle im Jugendstil, dessen Kunstrichtung ja nach der Zeitung "Jugend" benannt wurde (wenn ich mich richtig erinnere). Allerdings auf diesen beiden Ganzsachen ist schon dick aufgetragen worden. Sie sind trotzdem nett anzusehen.

Zur Entspannung: Bei meinem heutigen Sortieren bay. Ganzsachen ist mir das eingescannte, ganz außergewöhnliche Stück in die Hände gelangt, das ich schnell noch zur Erbauung zeigen möchte.

Ein Irrläufer, wohl in den falschen Postsack gelangt:

Speyer 9.8.1889 nach Landau (Pfalz) adressiert, dann aber über den großen Teich nach New York 20.8., missent to USA 24.8., wieder über den großen Teich zurück und endlich am 3.9.1889 in Landau angekommen. Eine für die Zeit ganz respektable Reise in einer annehmbaren Zeit.



Schönen Abend.
Jochen
 
bayern klassisch Am: 27.04.2013 21:31:20 Gelesen: 466675# 187 @  
@ hajo22 [#186]

Hallo Jochen,

interessantes Stück - das mit dem falschen Postsack kann natürlich auch sein, das wird sich so lange danach nicht mehr perfekt rekonstruieren lassen. Was ich aber hin und wieder in den Postvorschriften dieser Zeit gefunden habe, sind Berichte bzw. Vorfälle, die darauf hindeuten, dass Poststücke "zusammenhingen", ineinander geschoben waren (Karte in Brief, kleiner Brief in großen Brief, Brief in Paket bei der Fahrpost) oder über Siegel miteinander verklebten, so dass das größere Poststück das kleinere mitschleppte.

Das Franko von 5 Pfg. war nicht in die USA möglich, hätte also dem tarifierenden Beamten auffallen müssen, wenn er den Beutel für Köln, Hamburg oder Bremen schnürte.

Es gibt auch einige Poststücke, bei denen "Landau" als London gelesen wurden - dann wäre sie nach England spediert worden, hätte aber eine Nachtaxe bekommen, was hier ja nicht der Fall war.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 27.04.2013 22:17:56 Gelesen: 466670# 188 @  
@ bayern klassisch [#187]

Ja richtig, es wird wohl an einem anderen Poststück gehangen sein oder es war eine Unaufmerksamkeit des Expedienten. Ja, Poststücke nach Landau sind auch gelegentlich in London gelandet (habe ich schon gesehen).

Auf jeden Fall kurios: Eine sehr, sehr weite Reise für 5 Pfg., nur vergleichbar mit dem deutschen Kolonialtarif wie z.B. für 5 Pfg. von Samoa oder den Marshall-Inseln nach Deutschland.

Hier als Beispiel eine Karte aus Deutsch-Neuguinea (Herbertshöhe 24.10.(19)08 nach München (ohne Ankunftsstempel, aber Briefträgerstempel; Bedarfspost). Auch für 5 Pfg. um die halbe Welt.



Nach dem Einwohner-Verzeichnis von DNG (Herausgeber Arge Kolonien) handelt es sich beim Absender um den Pflanzer Wilhelm Bradtke ("Aussteiger", Sonnenanbeter und Nudist auf der Insel Kabakon, 1920 enteignet).

Schönen Samstagabend und weiterhin viel Spaß an der Bayern-Philatelie.
Jochen
 
bayern klassisch Am: 27.04.2013 22:25:48 Gelesen: 466668# 189 @  
@ hajo22 [#188]

Hallo Jochen,

interessanter Text - sammlerisch, aber interessant, was unsere Altvorderen so alles "gedreht" haben, damit sie an ihre Marken, Kuverts, Stempel oder Postkarten kamen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 27.04.2013 22:41:12 Gelesen: 466667# 190 @  
@ bayern klassisch [#189]

Das Sammeln und Verschicken von Ansichtskarten war um die Jahrhundertwende 1900 ein beliebter Sammlersport. Dabei muß man bedenken, daß es die Ansichtskarte als Massenprodukt ja noch nicht so lange gab und Fernreisen für den Normalbürger unerschwinglich waren (aus Finanz- und Zeitgründen). Was blieb waren Ansichtskarten, also Fotos aus fernen Ländern.

Vor Jahren konnte man - z.B. in München - in Antiquariaten noch voluminöse Ansichtskartenalben aus dieser Zeit erwerben. Da waren tolle Sachen dabei; diese Zeit ist vorbei.

Schönen Abend.
Jochen
 
bayern klassisch Am: 28.04.2013 10:21:24 Gelesen: 466553# 191 @  
@ hajo22 [#190]

Hallo Jochen,

diese goldenen Zeiten sind ein für alle mal vorbei - schade, es gibt ja auch heute keine Händler mehr, die 4stellige, geschnittene Kreuzermarken in guter Qualität mehr auf Tauschtagen zeigen könnten, weil das Material sich längst verlaufen hat.

Was ist das Besondere an diesem Brief vom 1.1.1867 aus Warmensteinach?





Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 28.04.2013 11:19:23 Gelesen: 466544# 192 @  
@ bayern klassisch [#191]

Es wurde eine Portomarke als Freimarke verwendet, was sehr selten ist. Ich habe so ein Stück bis heute noch nie gesehen. Es soll auch Exemplare geben, bei denen "vom Empfänger" gestrichen wurde.

Ob das Ganze mit dem 1.1.1867 was zu tun hat, weiß ich nicht.

Schönen Sonntag und wenn ich dazukomme, zeige ich heute meinen besten Brief aus der 1. (ungezähnten) Wappenserie.

Schönen Sonntag.
Jochen
 
bayern klassisch Am: 28.04.2013 11:46:38 Gelesen: 466538# 193 @  
@ hajo22 [#192]

Hallo Jochen,

danke für deine Antwort - so ist es bzw. so war es. Bei Fernbriefen von Postexpedition zu Postexpedition waren Freimarken zu verwenden (3 Kr.) und nicht Portomarken, die nur am Ort oder im eigenen Lokalbezirk Verwendung finden konnten.

Man hätte den Brief auch bei der eigenen Postablage aufgeben können, die auch jeden Tag geöffnet hatte, wenngleich an Feiertagen wie hier nur in vermindertem Umfang.

Die Zahl der Portomarken, die als Freimarken nachweislich verwendet wurden, dürfte einstellig sein. Ich habe noch einen Brief, bei dem es ähnlich lief, aber als Sammler muss man froh sein, überhaupt einmal einen schnappen zu können.

Ich freue mich auf deinen Briefbeitrag sehr und hoffe, dass sich weitere Sammler uns anschließen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 28.04.2013 11:53:13 Gelesen: 466537# 194 @  
Jetzt habe ich doch noch ein bißchen Zeit und kann mein bestes Stück/besten Brief aus der 1. Wappenserie zeigen.

Es ist eine 24 xer -Frankatur mit 2x12 xer (Mi. Nr. 18) als Paar geklebt aus Nürnberg Bhf. 3.1.1870 nach Paris in der
2. Portostufe.

Grenzübergangsstempel "Bavière - Strassb(ourg) 5. janv(ier) (18)70; Bezahlt bis Bestimmungsort (PD). Ein Faltbrief ohne Inhalt.

Links unten das Prüfzeichen "Roumet Exp(ert)", Paris. Diesen Brief habe ich vor vielen Jahren auf einer Roumet-Auktion gekauft. Damals erhielt ich noch die angeforderten Auktionskataloge von Roumet. Leider blieben die Kataloge eines Tages aus, ich habe wohl zu wenig gekauft. Das lag auch daran, daß ich vor allem auf "Elsaß-Lothringen" fixiert war und stets, wirklich immer, überboten wurde. Dennoch ist meine Elsaß-Lothringen-Sammlung einigermaßen, mangels Masse jedoch noch stark ergänzungsbedürftig.

Leider konnte ich mir bis heute keinen Brief mit der 18 xer-Marke leisten (Mi. 19). Das sind oft Überseebriefe, die höchste Preise erzielen und für den Normalsammler außer Reichweite liegen. So blieb es bei diesem Brief als mein bestes Stück der 1. Wappenserie.

Und hier der Brief ohne weiteren Kommentar:



Schönen Sonntag.
Jochen
 
Altdeutschland Am: 28.04.2013 12:06:52 Gelesen: 466535# 195 @  
@ hajo22 [#194]

Hallo Jochen,

Auslandsbriefe der Altdeutschen Staaten der zweiten (oder höheren Gewichtsstufe) sind immer etwas Besonderes. Ein Brief mit der Nr. 19 zu bekommen, ist sicherlich nicht einfach. Das liegt glaube aber nicht so sehr an der Destination, sondern an der Marke selbst.

Schönen Sonntag
Altdeutschland
 
bayern klassisch Am: 28.04.2013 13:14:44 Gelesen: 466519# 196 @  
@ hajo22 [#194]

Hallo Jochen,

die meisten Sammler werden keinen Brief mit 2 Stück der Nr. 18 zeigen können - prima. Vlt. sollte man noch die Rötel - 2 oben in der Mitte als Zeichen der von Bayern festgestellten 2. Gewichtsstufe über 10 bis 20g festhalten. Die Leitung von Nürnberg über Strasbourg nach Paris war sicher nicht gewollt, weil der Regelweg Nürnberg - Forbach - Paris war, also eine (unbedeutende) Fehlroutung über Baden nach Frankreich, statt über Baden, die Pfalz und Preußen.



Wenn dir ein Brief mit der Nr. 19 fehlt, wundert mich das nicht. Auf einen Beleg mit der Nr. 19 kommen sicher 40 oder 50 mit der schwarzen Eins. Hier darf ich einen zeigen, den ich aus der vortrefflichen Slg. von Dr. Karl Zangerle, einem sehr guten Freund von mir, habe kaufen können. Gleicher Postvertrag, aber als Chargé sehr selten. Von den frankierten 18x gingen 4,8 Kr. an Bayern, 7,2 Kr. an Frankerich, 6 Kr. französische Chargégebühr ebenso und Bayerns Chargégebühr von 7 Kr. verblieb der Aufgabepost. Ich weiß nicht, ob es mehr als eine Handvoll Einzelfrankaturen mit Chargé nach Frankreich gibt. Als 25 Kr. Frankatur hat sie auch ihren besonderen Reiz, weil sie mehrfach gesiegelt wurde, wie es die Vorschrift verlangte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 28.04.2013 14:03:05 Gelesen: 466505# 197 @  
@ bayern klassisch [#196]

Ja, ein toller Beleg, beneidenswert.

Hier der richtige Leitweg mit einer 12 xer via Forbach 1871 nach dem Ende der Kampfhandlungen. Auch auf einer Roumet-Auktion gekauft.

Und die Bilder:



Schönen Sonntagnachmittag.
Jochen
 
bayern klassisch Am: 28.04.2013 14:12:12 Gelesen: 466501# 198 @  
@ hajo22 [#197]

Hallo Jochen,

ich muss dich etwas "enttäuschen", aber dein Brief lief nicht über Saarbrücken - Forbach, sondern über Avricourt, dem Austauschpostamt nach Beendigung der Kriegsumleitung 1870/71 über die Schweiz.

Der Stempel "Bavière - Forbach" mit der Nr. 3 wie hier, war nur der Eingangsstempel von Paris, nicht der Grenzübergangsstempel wie zuvor. Da war er bis 19.7.1870 (Kriegserklärung) mit den Nummern 1 ("Tour") und 2 ("Retour") noch in Forbach von der dortigen, französischen Bahnpost benutzt worden.

Hier wurde das bayerische Briefpaket in Avricourt geöffnet (s. Bahnpoststempel auf der Siegelseite) und nach Paris kartiert. Weil die "Verpackung" für die bayerischen Briefe in Avricourt blieb, wusste man in Paris, woher die Briefe stammten und hätte es auch an den Marken bzw. Aufgabestempeln ersehen können, so dass der dortige Ankunftsstempel mit der Nr. 3 vorderseitig abgeschlagen wurde.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 28.04.2013 17:19:59 Gelesen: 466465# 199 @  
Hallo,

wer kann helfen?

Kürzlich erwarb ich für die Sammlungsabteilung "Prinzregent" die eingescannte Auslandspostanweisung vom 2.12.1913 nach den USA, Ank. 15.12.1913 New York.

Meine Fragen:

- wie errechnet sich das Porto/die Gebühr in Höhe von 1,60 RM?
- war der Leitweg immer über Köln nach den USA für Auslandspostanweisungen aus Deutsches Reich/Bayern?
- es ist kein Stempel des Auszahlungspostamtes und auch keine Unterschrift des Empfängers auf der Rückseite dokumentiert.

Handelt es sich daher um einen Rückläufer?

Hier die Bilder:



Wer kann Licht ins Dunkle bringen?

Viele Grüße
Jochen
 
kreuzer Am: 29.04.2013 08:34:47 Gelesen: 466385# 200 @  
Hallo zusammen!

Kaum ist man mal zwei Tage weg, schon "geht hier die Post ab". ;-) Viele schöne Belege wurden in den letzten beiden Tagen hier gezeigt, da ich mich ja speziell mit den Postablagen befasse, muss ich die Steilvorlage mit dem Brief der Postablage Wallenfels nutzen:

Die königliche Districts-Schulinspektion in Kronach hat am 15. März 1866 an alle k. Lokalschulinspektionen des Bezirkes einen Brief geschrieben hat. Dieser trat, wie der Aufgabestempel belegt, am 17.3. bei der Postexpedition in Kronach seine Reise an. Die erste Station war Steinwiesen, wo der Brief noch am gleichen Tag eintraf. Im Inneren ist auch gut der Tag der Kenntnisnahme des Schreibens dokumentiert. In Steinwiesen war dies der 18.3. Am gleichen Tag ging der Brief in Steinwiesen wieder zur Postexpedition (PE) und wurde nach Neuengrün mit dem Landbriefträger gebracht (Landzustellbereich von Steinwiesen). Dort quitierte man das Schreiben am 20.3 und gab es wohl am gleichen Tag dem Landbriefträger wieder mit, der es nach Wallenfels brachte, wo man noch am gleichen Tag Kenntnis vom Inhalt nahm. Wieder aufgegeben bei der Postablage Wallenfels gelangte das Schreiben am 21.3. erneut zu der für Wallenfels zuständigen PE Steinwiesen. Die nächste Station war Zeyern, Landzustellbezirk von Unterrodach. Bei der dortigen PE ging der Brief am 22.3. ein und wurde noch am gleichen Tag beim Empfänger abgezeichnet. Dieser schickte es weiter nach Theisenort. Also zunächst wieder zurück zur PE Unterrodach, die am 24.3. Aufgabe stempelte und über die für Theisenort zuständige Expedition Küps dorthin. Der Ankunftsstempel von Küps ist leider schlecht lesbar, allerdings wurde der Brief am 26.3. in Theisenort gegengezeichnet. Anschließend ging der Brief weiter nach Neukenroth (PE Stockheim), wo er am 29.3. quitiert wurde. Für diese Strecke lässt sich keine postalische Behandlung nachweisen.

Auch der Inhalt des Briefes ist noch vollständig vorhanden. Der Brief befand sich in der Sammlung von Dr. Richard Bader, der auch das bekannte Büchlein über die bayerischen Postablagen geschrieben hat.

Viele Grüße

kreuzer




 
bayern klassisch Am: 29.04.2013 09:20:38 Gelesen: 466376# 201 @  
Hallo kreuzer,

wie sagt Peter Sem immer so schön: Ein Vortragsstück! Recht hat er, denn ohne einen fachkundigen "Vortrag" wie deinen hier wüsste man nicht so recht etwas mit dem erstklassigen Brief anzufangen. Danke für deine umfangreichen und erhellenden Erklärungen zu dieser Besonderheit.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 30.04.2013 15:06:34 Gelesen: 466283# 202 @  
Liebe Sammlerfreunde,

heute zeige ich ein kleines Schmankerl, nach dem ich lange Jahre gesucht habe, ehe es mir die Bucht ermöglichte, es zu schnappen.



In Augsburg wurde am 11.1.1855 ein Portobrief nach Paris geschrieben, der auf dem gemeinsamen Postvertrag vom 1.7.1847 fußt. Da die Bestimmungen nicht reziprok waren, kam es zu Ungleichgewichten im wahrsten Sinne des Wortes, die man suchen kann und mit viel Glück findet.

Frankierte Briefe aus Bayern waren einfach, wenn sie bis 8,75g wogen (halbes Münchener Loth). Ebenso waren sie einfach, wenn sie von Frankreich unfrankiert nach Bayern liefen. Dann wog die bayerische Post ab und stellte das Gewicht und somit die Gebühr fest.

Anders verhielt es sich bei Briefen, die frankiert von Frankreich nach Bayern und unfrankiert von Bayern nach Frankreich liefen. Nun galt es für die französischen Postbeamten zu wiegen und zu taxieren. Es galt daher die Gewichtsgrenze von 7,5g und nicht mehr das halbe Loth.

Man kann sich vorstellen, dass die Spanne von 7,5g bis 8,75g nicht eben groß war und die allermeisten Briefe nicht in sie fielen, aber ein paar taten dies doch.

Hier stempelte die Aufgabepost mit dem Zweikreisstempel - mehr nicht. Einen Tag später (Augsburg hatte einen direkten Kartenschluss mit Strasbourg) kam er in Strasbourg an, wo er gewogen wurde. Die ermittelten 8g waren oben links zu notieren. Damit wog er über 7,5g und war folglich doppelt schwer. Einfache Briefe kosteten 5 Decimes Porto in Frankreich, die 15 Kr. entsprachen. Nun, da doppelt, notierte man 10 Decimes = 1 Franc, also 30 Kr..

Der gleiche Brief aus Paris nach Augsburg hätte nur 18 Kr. gekostet (über 8,75 bis 17,5g doppelt dann 36 Kr.). Also waren nicht nur die Gewichte unterschiedlich, sondern auch die Porti. Frankreich geringeres Gewicht und weniger Porto, Bayern höheres Gewicht und höheres Porto.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
kreuzer Am: 01.05.2013 15:14:05 Gelesen: 466204# 203 @  
Hallo zusammen!

Heute ein Brief mit der bayerischen Erstausgabe zu 6 Kreuzern, der Nr. 4 I. Es handelt sich um einen Brief vom 25.12.1850, der von Kaiserslautern nach Nürnberg gelaufen ist. In Nürnberg brachte man auf der Marke den bekannten Portokontrollstrich an. Es handelt sich um einen Brief bis 1 Loth zwischen der (bayerischen) Pfalz und Bayern.

Viele Grüße

kreuzer


 
BD Am: 01.05.2013 16:19:11 Gelesen: 466189# 204 @  
@ hajo22 [#199]

Hallo Jochen,

leider kann ich nur die Gebühr klären.

Postanweisungen in die USA unterlagen einer Gebühr von 20 Pf. pro 40 Mark der Überweisungssumme.

Umrechnungskurs ca: 4,22 Mark = 1 Dollar

68,50 Dollar = ca. 289 Mark= 8*20 Pf.= 1,60 Mark Postanweisungsgebühr für 281-320 Mark.

Beste Grüße Bernd
 
hajo22 Am: 01.05.2013 16:40:19 Gelesen: 466178# 205 @  
@ BD [#204]

Hallo Bernd,

da sage ich herzlichen Dank. Kannst Du mir eine Literaturquelle benennen? Könnte dann beim nächsten Besuch in der philatelistischen Bibliothek München mich noch schlauer machen. Diese Auslandspostanweisungen tauchen ja hie und da auf. Diese kostete mich bei ebay mit allen Nebenkosten rd. 110 €. Wie ich finde noch erträglich. Ich hatte auf Auktionen schon welche gesehen, aber die waren mir zu teuer. Zum Ausruf muß man ja heute mindestens Nebenkosten von 30%+ einkalkulieren. Allerdings gilt der vorgenannte Preis für 1 Mark Prinzregent, bei höheren Markwerten steigen die Preise natürlich entsprechend.

Wurde die APA Deiner Meinung nach ausbezahlt? Keine Unterschrift, kein Stempel Ankunftspostamt.

Die Anweisung gibt doch noch Rätsel auf.

Viele Grüße, schönen Feiertag und nochmals vielen Dank für Deine Mühe.
Jochen
 
kreuzer Am: 01.05.2013 16:42:51 Gelesen: 466177# 206 @  
Hallo zusammen!

Eine Paketkarte kann ich auch noch zeigen:

Es handelt sich um eine Paketkarte vom 06.12.1918. Die Paketkarte fällt damit in die Portoperiode 1.10.1918 bis 30.9.1919. Frankiert wurde die Karte mit 1,50 Mark (3 x Nr. 101 II) und somit für ein Paket von 5-6 kg in der Entfernungsstufe 375-750 km.

Aufgegeben wurde das Paket in Aunkirchen - da fingen die Schwierigkeiten schon an, im Großteil der Sekundärliteratur kommt der kleine Ort nicht mal vor. Laut der Angabe bei Helbig erhielt Aunkirchen am 1.6.1896 eine Postablage, die am 1.10.1898 (und damit 1 Monat vor Auflösung bzw. Umwandlung sämtlicher Postablagen) zur Agentur erhoben wurde. Das Paketaufkommen in Aunkirchen war aber wohl nicht sehr hoch, so dass man noch über 20 Jahre nach der Umwandlung die Paketzettel der Postablage Aunkirchen verwendete.

Viele Grüße

kreuzer


 
BD Am: 01.05.2013 17:14:27 Gelesen: 466158# 207 @  
@ hajo22 [#205]

Hallo Jochen,

versuche diesen Nachdruck der ARGE Germania zu bekommen, eine phantastische Aufstellung fast aller Gebühren aus der Zeit von ca. 1906-1916 mit Auslandsgebühren je Land (weltweit) incl. Pakettarife bis 5 kg. und Telegrammgebühren!

Eine Retoure halte ich für ausgeschlossen, eine Unterschrift wurde vielleicht in einem Ausgabebuch in den USA vorgenommen. Über die Entwertungsmodalitäten der Postanweisungsbelege in den USA liegen mir keine Informationen vor. Der Stempel M.O.Office = Money Order Office könnte eine Auszahlung belegen?

Beste Grüße Bernd


 
Postgeschichte Am: 01.05.2013 17:53:17 Gelesen: 466141# 208 @  
@ BD [#207]

Hallo Bernd,

schau doch mal in die Bücherbörse, da findest Du das Heft.

Gruß
Manfred
 
BD Am: 01.05.2013 20:03:53 Gelesen: 466109# 209 @  
@ Postgeschichte [#208]

Hallo Manfred,

ich habe es, es war ein Hinweis für Jochen. In Bezug auf den Inhalt ist der Preis in der Bücherbörse geradezu lächerlich. Das Heft mit den Erläuterungen ist eigentlich für einen Germaniabelegesammler unverzichtbar. Bei Auslandspost Deutsches Reich = Bayern

Liebe Grüße Bernd

20:30 Uhr: Weg ist es, Gratulation dem Käufer.
 
hajo22 Am: 02.05.2013 09:38:10 Gelesen: 465969# 210 @  
@ BD [#209]

Hallo Bernd,

da habe ich Pech gehabt, erst gerade in die Philaseiten gesehen, aber in der Bibliothek sicher auszuleihen.

Nochmals herzlichen Dank für die Mühe

Viele Grüße und schönen Tag.
Jochen
 
hajo22 Am: 02.05.2013 09:59:36 Gelesen: 465965# 211 @  
Duplexentwertung

Es wurde zwar schon eine Duplexentwertung aus Nürnberg gezeigt, aber hier noch ein ähnliches Exemplar. Es saß wohl ein "Gewohnheitstäter" beim Postamt. Vorschriftsmäßig sollten alle Marken ja ausschließlich und einzeln mit dem Mühlradstempel entwertet werden.

Hier also aus meiner Sammlung ein Brief mit Dreierstreifen der Nr. 8, gestempelt Nürnberg 1.Juni 1864 nach Erlangen:



Schönen Tag und viel Freude am Betrachten.

Jochen
 
kreuzer Am: 02.05.2013 19:22:58 Gelesen: 465935# 212 @  
@ hajo22 [#211]

Hallo Jochen,

ein schöner Brief! Duplexentwertungen sind immer hübsch anzuschauen. Es gibt auch Briefe der Postablage Steinbühl, bei denen mit dem Postablagestempel die Marken schon entwertet wurden und der Nürnberger Expeditor nochmals seinen Mühlradstempel auf der Marke zum Einsatz brachte.

Aus Nürnberg kann ich das leider nicht zeigen, aber aus Gunzenhausen: Auf diesem Brief vom 30.12.1867 entwertete der Postablageninhaber die Marke vorschriftsmäßig mit seinem Stempel. Der Expeditor in Gunzenhausen musste mit seinem Ortstempel Aufgabe stempeln. Zusätzlich schlug er auch seinen Mühlradstempel als Entwerter nochmals auf der Marke ab.

Viele Grüße

kreuzer


 
hajo22 Am: 02.05.2013 20:08:16 Gelesen: 465925# 213 @  
@ kreuzer [#212]

Ja, ein schöner Brief. Die 6 Kreuzer Einschreibgebühr wurden wohl bar verrechnet. Postablage und Mühlradstempel auf einer Marke habe ich auch noch nicht gesehen. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Das bestätigt sich mal wieder.

Schönen Abend und weiterhin viel Spaß an der (Bayern-)Philatelie.
Jochen
 
kreuzer Am: 02.05.2013 20:19:54 Gelesen: 465921# 214 @  
@ hajo22 [#213]

Hallo Jochen,

genau richtig, die 6 Kreuzer Einschreibegebühr (ab 1.1.1868, also zwei Tage später, wären es 7 Kreuzer gewesen) wurden in bar über den Postschein verrechnet. Erst ab 1.3.1874 bestand Frankaturzwang auch für die Einschreibegebühr. Eingeschriebene Briefe von Postablagen sind nicht gerade häufig.

Ebenfalls noch einen schönen Abend!

kreuzer
 
hajo22 Am: 02.05.2013 23:37:33 Gelesen: 465891# 215 @  
@ kreuzer [#214]

Jetzt bin ich ein wenig verunsichert. Nach Michel-Briefekatalog wurden die Einschreibe-Gebühren erst zum 1.1.1872 auf 7 Kreuzer erhöht. Ab 1.10.1868 erfolgte allerdings eine Portoerhöhung für Fernbriefe > 1 Loth von 6 auf 7 Kreuzer. Deshalb wurde ja ab 1.10.1868 die 7 Kreuzer Marke herausgegeben.

Hier ein Einschreibbrief vom 4.10.1868 (also 4 Tage nach Portoerhöhung) mit 7 Kreuzer für den Fernbrief, Einschreibgebühr bar verrechnet. Noch frankiert mit 1+6 Kreuzer-Marken (wahrscheinlich vom Abs. frankiert, der Postler hätte vorschriftsgemäß eine 7 Kreuzer-Marke verwendet, vielleicht lag sie aber noch nicht vor).

Hier der R-Bf. von Wörth 4.10.(1868) nach Landshut (Ankunft am selben Tag):



Ich wünsche angenehme Ruhe.
Jochen
 
bayern klassisch Am: 03.05.2013 00:58:36 Gelesen: 465885# 216 @  
@ hajo22 [#215]

Hallo Jochen,

Jetzt bin ich ein wenig verunsichert. Nach Michel-Briefekatalog wurden die Einschreibe-Gebühren erst zum 1.1.1872 auf Kreuzer erhöht. Ab 1.10.1868 erfolgte allerdings eine Portoerhöhung für Fernbriefe > 1 Loth von 6 auf 7 Kreuzer. Deshalb wurde ja ab 1.10.1868 die 7 Kreuzer-Marke herausgegeben.

Bitte, bitte nichts aus dem Michel übernehmen. Dort ist so vieles falsch, dass man schon keine Lust zur Korrektur mehr hat.

Chargégebühr ab 1.1.1868 7 Kreuzer; alles andere ist Quatsch.

Ab 1.1.1868 erfolgte die Erhöhung von 6 Kreuzer auf 7 Kreuzer, nicht zum 1.10.1868. Dass man die Nr. 21 - 7 Kreuzer als Ergänzungswert erst zum 1.10.1868 verausgabte, hat damit nichts zu tun. Man dachte, dass man mit 1 Kreuzer und 6 Kreuzer Marken gut klar käme, reagierte aber auf die gestiegene Mühewaltung, änderte die Farben und gab dann die passende Nr. 21 heraus.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
kreuzer Am: 03.05.2013 20:09:33 Gelesen: 465778# 217 @  
@ hajo22 [#215]

Hallo Jochen,

vereinzelt wurde auch auf dem Brief die Bezahlung der Reco-Gebühr angeschrieben. Bei diesem Brief von Hof nach Stollberg war dies der Fall. Man notierte mit Blaustift 7 x rec. Der Brief ist entwertet mit dem offenen Mühlradstempel 211 von Hof (große Sondertype).

Viele Grüße

kreuzer


 
hajo22 Am: 09.05.2013 17:22:08 Gelesen: 465287# 218 @  
Ich hoffe, ich schreibe nichts Falsches, wenn ich den 1.7.1850 als Eintrittsdatum Bayerns zum deutsch-österreichischen Postverein benenne.

Das war für die damalige Zeit eine große Erleichterung bei der Berechnung von Postgebühren ins Ausland.

Hier zeige ich einen vollständig erhalten gebliebenen Faltbrief aus Miltenberg (Mühlradstempel 2. Verteilung Nr. 315) vom 27.10.(1865) nach Pest (heute Budapest), frankiert mit 9 Kreuzer braun (Mi.Nr. 11).

Die Rückseite dokumentiert sehr schön den Leitweg via Aschaffenburg-Wien-Pest (an 30.10.)

Keine Rarität, aber ein sehr schön erhalten gebliebener Auslandsbrief in die k.u.k. Monarchie.

Hier das Bild:



Schönen Feiertag.
Jochen
 
kreuzer Am: 10.05.2013 07:20:06 Gelesen: 465251# 219 @  
@ hajo22 [#218]

Hallo Jochen,

das Datum ist richtig, Bayern trat dem Deutsch-Österreichischen Postverein mit Vertrag vom 06.04.1850 bei, der ab 01.07.1850 gültig war.

Du zeigst einen schönen Brief nach (Buda)Pest. Die Nr. 11 ist eine schwierige Marke, ein vollrandiges Stück auf Brief zu bekommen ist gar nicht so leicht, wie man meinen sollte.

Viele Grüße

kreuzer
 
hajo22 Am: 10.05.2013 09:43:23 Gelesen: 465239# 220 @  
@ kreuzer [#219]

Dieser Aussage stimme ich voll zu, vollrandige Stücke der Mi.Nr. 11 sind nicht leicht auf Brief zu bekommen.

Ich will noch einen 2. Postvereins-Brief mit der 9 Kreuzer braun zeigen, diesmal in die Capitale der Habsburger Monarchie, nach Wien.

Es ist ein gesiegeltes "Damenbriefchen" (leider ohne Verzierung) an das Hochwohlgeborene Fräulein Modesta von Aichenegg. Gestempelt in Ampfing (offener - schlecht lesbarer - Mühlradstempel 17) v. 27.11.(ohne Jahr) via Altötting-Passau nach Wien (an 29.11.).

Auf der Rückseite des Briefes hat das "Hochwohlgeborene Fräulein Modesta" ihren Montag/Dienstag Besuchs-oder Empfangs-Dienstplan vermerkt. Nett.

Hier die Bilder:



Schönen Gruß an alle Bayernsammler aus dem heute verregneten Unterallgäu.
Jochen
 
bayern klassisch Am: 27.05.2013 09:58:39 Gelesen: 464327# 221 @  
Liebe Sammlerfreunde,

für die farbenfreudigen unter uns kann auch mal eine Einzelfrankatur herhalten, zumindest dann, wenn die Marke braun, die farbigen Stempel aber blauviolett, blau oder rot sind.



9x, das Wasserzeichen kann ich nicht bestimmen und hoffe auf das X, war das Franko für einfache, bis 10g wiegende Briefe ab dem 16.5.1872 nach Frankreich. Ab diesem Datum war die, wie bei jeder Markenausgabe nur für Frankreich eingeführte 12x Marke obsolet geworden und Bayern brauchte bis 1873, um für den neuen Tarif endlich eine Marke zu emittieren.

Der Aufgabestempel ist recht selten, der Laufweg aus der Pfalz hinreichend belegt. Das Weiterfranko für Frankreich, das zuerst der Reichspost zu vergüten war, wurde jedoch statt in roter Schrift links unten oben rechts in schwarzer Tinte notiert, wo man es sicher in der Alltagshektik kaum hat lesen/finden können. Eine kleine Contravention also.

1 1/2 Groschen waren 6x, die Bayern an die Reichspost vergütete, die sie wieder an Frankreich weitergab. Die Siegelseite, wie bei fast allen Briefen dieser Zeit, ist blank.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 04.06.2013 13:51:28 Gelesen: 463994# 222 @  
Liebe Sammlerfreunde,

weil ich meinen anderen Brief mit der P2 nicht finde, muss diesmal eine Postkarte herhalten, von der ich zwar nicht sicher überzeugt bin, aber durch den Kauf schon in eine Richtung (die ja auch falsch sein kann) tendiere.



Für 2x ging es am 21.4.1874 von Wangen (Württemberg) nach Langenargen in Bayern.

Text: Bitte mir über Lindau von da per Fuhrmann Schneider 1 Fass Exxig 2 Gulden 13 Kreuzer wie gewöhnlich senden zu wollen. Rud. Salis & Schammer.

Halten wir also fest, dass man offenbar einen Auftrag an die Firma Bass & Keller in Langenargen am Bodensee aufgab, das ca. 20 km von Wangen entfernt lag.

Von Langenargen nach Lindau sind es ca. 10 im über den Bodensee, bei Landleitung ca. 15 km.

Frau Brettl hat "heimlich" attestiert, dass sie nicht beweisen kann, dass die Marke ursprünglich haftet, aber die Zusammengehörigkeit zur Postkarte für sehr wahrscheinlich hält.

Meinungen zu dem außergewöhnlichen Stück sind erbeten.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
roteratte48 Am: 12.06.2013 18:46:47 Gelesen: 463640# 223 @  
Lieber Ralph,

ein außergewöhnliches Stück - auf Grund der Präsenz aber wohl kaum je "beweisbar". Aber toll anzuschauen, in dieser Form sicher möglich und ein spannendes Stück Postgeschichte! Gratulation dazu - und zum "Mut", auch ein solches Stück aufzunehmen!

Liebe Grüße - Rolf
 
bayern klassisch Am: 12.06.2013 19:43:51 Gelesen: 463631# 224 @  
Lieber Rolf,

der Preis schrammte am Dreissteller gerade so vorbei, da kann man wenig falsch machen. Wenn Maria Brettl die Marke als seit 140 Jahren authentisch haftend ansieht (ich auch), dann war es halt so und ich habe eine Karte, wie man sie nicht an jeder Ecke findet.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 16.06.2013 09:16:08 Gelesen: 463401# 225 @  
Liebe Sammlerfreunde,

die Hinwendung von Destinationen ist bei den Altdeutschland Staaten seit über 20 Jahren bevorzugtes Sammelziel vieler Philatelisten und Postgeschichtler. Bei mir ist das nicht anders.

Allerdings geht bei mir damit nicht einher, Postvereinsdestinationen gering zu schätzen, denn das haben diese nicht verdient.

Ich fange mal heute an, ein paar Destinationen zu zeigen und beginne mit der bayerischen Pfalz nach Österreich, wobei dieser Brief über Baden, Thurn und Taxis und Sachsen nach Österreich lief, was weiß Gott nicht eine Standardleitung darstellte, auch wenn das ständig sich erweiternde Eisenbahnnetz die Kutschen aufs Abstellgleis schob.



Der Damenbrief vom 20.6.1858 von Bad Bergzabern nach Wien mit einer simplen, aber nicht unattraktiven Farbfrankatur, musste wohl, um sicher anzukommen, selbst bei der Haupt- und Resindenzstadt Wien mit dem Vermerk "Österreich" ergänzt werden, weil man davon ausgehen konnte, dass nicht jeder in der Pfalz wusste, wo Wien genau liegen würde. Waren das noch Zeiten ...

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Pommes Am: 17.06.2013 00:44:39 Gelesen: 463337# 226 @  
@ bayern klassisch [#225]

wobei dieser Brief über Baden, Thurn und Taxis und Sachsen nach Österreich lief, was weiß Gott nicht eine Standardleitung darstellte

Klingt nach Umweg, woher aber weißt Du so genau wie der Laufweg war? Rückseite, Literatur oder gab's damals auch ein Hochwasser in Bayern? Ist kein "Vorwurf", sondern ernst gemeinte Nachfrage - ab und zu wird man hier im Forum bei Fragen ja auch missverstanden.

Und noch eine kleine Nachfrage: Heißt das da unten Walfischgasse?

Darf ich als Sprachfetischist kritisieren? "nicht eine" = keine. ;-)

In der letzten "Philatelie" (Zeitschrift) dürftest Du ja auch Sachen gesehen haben, die bei Dir den Sammlertrieb auslösen? Ist die dort angesprochene Sammlung wirklich so außergewöhnlich und warum ließt man - falls zutreffend - dann hier nichts darüber? Mußt Du nicht beantworten, wenn Du nicht willst, kam mir gerade so in den Sinn - bei Deinem Benutzernamen.

Mit den besten Sammlergrüßen
Thomas
 
bayern klassisch Am: 17.06.2013 11:51:32 Gelesen: 463293# 227 @  
@ Pommes [#226]

Die philatelie habe ich wohl nicht erhalten, daher kann ich dazu nichts sagen.

Die Leitung ist siegelseitig dokumentiert. Umwege im Postverein waren häufig, weil nur die Schnelligkeit zählte, sonst nichts.

Wallfischstraße lese ich da - tja, Wale waren schon damals keine Fische, sondern Säugetiere, aber ob man das im Wien vergangener Jahrhunderte gewußt hat?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 19.06.2013 18:28:46 Gelesen: 463102# 228 @  
Heute nichts Besonderes, sondern ganz einfach nur ein schöner Brief mit der geschnittenen Wappenserie (Mi.Nr. 14).

Es ist ein waagrechter Dreierstreifen der 1 Kreuzer, gestempelt Bahnh(of) Augsburg 8.11.(1871) nach Nürnberg Bahnhof, am gleichen Tag angekommen.

Einfach schön anzusehen. Direkte Bahnstrecke von Bahnhof A nach Bahnhof N, keine Umwege, keine Leitstempel, kein Weiterfranko, kein Grenzübergang, nichts dergleichen.

Und so sieht er aus:



An einem Tag mit soviel Hitze ist was Einfaches einfach das Beste.

Schönen Spätnachmittag verbunden mit der Hoffnung auf Abkühlung.
Jochen
 
bayern klassisch Am: 19.06.2013 20:04:13 Gelesen: 463087# 229 @  
@ hajo22 [#228]

Nur die Stempelfarbe war verboten, in Nürnberg und anderswo!

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
kreuzer Am: 19.06.2013 21:01:37 Gelesen: 463076# 230 @  
@ hajo22 [#228]

Und ein Nürnberger Briefträgerstempel ist auf der Siegelseite auch vorhanden.

Viele Grüße

kreuzer
 
bayern klassisch Am: 19.06.2013 21:06:39 Gelesen: 463075# 231 @  
@ kreuzer [#230]

Aber der wenigstens in schwarz, der amtlich vorgeschriebenen Stempelfarbe Bayerns von 1849 bis ultimo.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 09.07.2013 16:30:38 Gelesen: 461822# 232 @  
Liebe Sammlerfreunde,

auf allgemeinen Wunsch eines einzelnen (Richard) zeige ich mal vorab eine Seite meiner Sammlung Bayern - Frankreich et vice versa, die ich später (gegen Ende des Jahres) versuchen will, hier komplett zu zeigen.

Die Briefe zeigen, dass der bayerische König Ludwig I (ja, der mit der scharfen Lola Montez herum machte, ehe man ihn ablöste) im Exil von seiner Leibgarde nicht verlassen war, sondern sicher ein angenehmes Leben führte.

Er verstarb am 28.2.1868 daselbst - der 1. Brief an Franz von Gmainer wurde kurz vor dem Tode seiner Majestät verschickt, der 2. kurz danach, als es wohl etliches zu regeln gab zwischen der Haupt- und Residenzstadt München und dem Bürgermeister von Nizza.

Ich hoffe, sie gefällt euch und macht Appetit auf ca. 100 mehr in Sindelfingen im Oktober 2013.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bignell Am: 09.07.2013 18:29:49 Gelesen: 461800# 233 @  
@ bayern klassisch [#232]

Wow - mehr davon bitte. ;)
 
bayern klassisch Am: 09.07.2013 19:02:01 Gelesen: 461789# 234 @  
@ bignell [#233]

Schön, wenn dir das Blatt gefällt. Später gerne mehr - die Slg. hat zur Zeit ca. 160 Seiten. Wenn ich im Sept. fertig werden sollte, was ich sehr hoffe, stelle ich sie noch vor Sifi 2013 zum Anfüttern hier ein (ich hoffe, der Scanner überlebt das auch). :-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
heku49 Am: 09.07.2013 20:14:42 Gelesen: 461780# 235 @  
Hallo bayern klassisch,

wie jedes von Deinen Blättern wieder ganz großes Kino.

Freue mich schon auf die Fortsetzung. Drücke dem Scanner die Daumen.

Gruß Helmut
 
zockerpeppi Am: 09.07.2013 21:42:16 Gelesen: 461758# 236 @  
@ bayern klassisch [#232]

Später war Ludwig aber nicht mehr so ganz von Lola angetan! Ich liebe historische Romane und habe die ganze Geschichte gelesen: Der König und die Tänzerin. Vor einiger Zeit gab es zudem bei Arte eine Reportage.

Schade, dass ich nicht nach Sindelfingen kann und mir deine Sammlung ansehen.

schönen Gruß
Lulu


 
bayern klassisch Am: 10.07.2013 09:30:58 Gelesen: 461726# 237 @  
@ zockerpeppi [#236]

Hallo zockerpeppi,

danke für die netten Worte. Mittlerweile habe ich erfahren, dass sich die Geschichte etwas anders abspielte, wie ich es geschrieben habe. Ich darf das Blatt also abändern. Er war nicht im Exil, wie ich im Internet ungünstigerweise recherchiert habe, sondern ab 1848 wegen der feschen Lola zurückgetreten worden und weilte nur den Winter über im schönen Nizza (hätte ich an seiner Stelle auch getan) und außerdem verstarb er am 29.2.1868 und nicht einen Tag davor.

Was lernen wir daraus? Nicht allem aus dem Internet stimmt und sollte 1 zu 1 übernommen werden, nicht mal bei schönen Briefen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 27.07.2013 08:53:19 Gelesen: 460773# 238 @  
Liebe Sammlerfreunde,

heute möchte ich etwas aus der Rubrik "hin und her" zeigen.



Der 1. Brief aus Köln datiert vom 16.7.1850, ist also ein ganz früher Postvereinsbrief. Er wurde in Köln mit 12x taxiert und lief über Frankfurt am Main nach Würzburg. Wir erinnern uns, dass Taxis (die hessischen Gebiete und die freie Reichsstadt Frankfurt/Main wurden erst ab dem 1.5.1851 Teil des Postvereins) für diesen Transit nichts erhielt und somit auch kein Transitporto in Ansatz kam. Die Leitung erfolgte von Köln im eigenen Kartenschluss nach Würzburg im verschlossenen Briefbeutel, so dass sich natürlich keine taxischen Stempel finden.

In Würzburg schlug man den Auslagestempel auf den 12x ab und 2 Tage später stellte man ihn in Mittenwald zu. Dort waren die 12x für Preußen zu bonificiren, so dass Bayern an diesem Brief nichts verdiente.



Den umgekehrten Weg lief ein Portobrief aus Würzburg vom 7.3.1851 nach Köln. Die bayernischen 4 Sgr. in schwarz wurden, wie am Anfang des Postvereins üblich, von Köln blau abgestrichen und durch die eigenen 4 Sgr. ersetzt. Spätenstens ab 1854/55 finden sich diese "ich streiche deine 4 und setze meine eigenen 4" Streichungen nicht mehr. Auch hier war Taxis noch nicht im Postverein und Bayern bezog die 4 Sgr., die ja paritätisch 14x entsprachen, von Preußen. Preußen machte hier aber einen Gewinn, weil sie 4 Sgr. = 14x kassierten, Bayern aber nur 12x gaben, so dass man 2x = 1/2 Sgr. netto einstrich.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 30.07.2013 19:24:12 Gelesen: 460624# 239 @  
Liebe Sammlerfreunde,



heim ins Reich kam über den großen Teich ein kleines Schmankerl, das ich euch nicht vorenthalten möchte. Am 1.2.1862 kostete ein Brief über 4 bis 5 Loth von München nach Moosburg 5 mal 3 = 15 Kreuzer. Man beachte, dass die Vorschrift immer noch gültig war, dass Briefe bis 4 Loth der Briefpost, schwerere aber eigentlich der Fahrpost zu überantworten waren. Von dieser Regel sollte nur abgewichen werden, wenn man "Mit der Briefpost" vermerkte. Hier hat das keinen interessiert. Das Bezirksgericht rechts der Isar = Au klebte ein Paar der 4II Platte 3 (danke dafür!) und eine späte 3 Kr. auf und schaffte sogar, was bei dergleichen Briefen eher unüblich ist, akkurate Stempelabdrucke hin zu bekommen. Der dämliche Scanner hat den rechten Rand von Marke und Brief leider abgeschnitten.

5. Gewichtsstufen sind nicht häufig und dürfen immer mitgenommen werden.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
zackeingo Am: 04.08.2013 04:07:30 Gelesen: 460320# 240 @  
Hallo,

anbei eine Quittung (Fuhrmannsbrief) über eine Fracht von Fuhrmann Funck aus Audorf (heute wohl Oberaudorf) über München nach Rattenberg/Tirol/bayer. Zeit ca. 1810. Kann jemand etwas über den Ovalstempel sagen?


 
bayern klassisch Am: 04.08.2013 09:12:55 Gelesen: 460299# 241 @  
@ zackeingo [#240]

Bei der geringen Auflösung nicht.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
zackeingo Am: 04.08.2013 12:37:10 Gelesen: 460259# 242 @  
@ bayern klassisch [#241]

Vielen Dank. Anbei der vergrößerte Ausschnitt mit dem Stempel. Ich hoffe, es reicht.

Grüß
zackeingo


 
bayern klassisch Am: 04.08.2013 13:05:00 Gelesen: 460242# 243 @  
@ zackeingo [#242]

Danke! Es könnte ein Fuhrmanns- oder Güterbestätterei - Stempel sein. Ich habe irgendwo ein Buch über diese Thematik und muss mal morgen schauen, ob ich dort etwas über ihn finde.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
zackeingo Am: 04.08.2013 13:44:28 Gelesen: 460230# 244 @  
@ bayern klassisch [#243]

Vielen Dank. Aus der Rückseite geht hervor, dass der Beleg aus 1812 stammt. Der Empfänger "Herr Anton Atzwanger Frau Witwe" bezog seinen (ihren) Tabak in Fässern von Martin Förster aus Stadeln bei Nürnberg von dort ging es per Fuhrmann nach München. Dort erfolgte in der Regel die Übergabe an Fuhrmann Joseph Funk (oder Funck) aus Oberaudorf (auch Audorf), der die Ware nach Rattenberg in Tirol weiterexpeditierte. Auf früheren oder auch späteren Fuhrmannsbelegen oder Zollquittungen ist mir der Stempel nicht bekannt. Vielleicht hilft das noch etwas weiter.
 
wuerttemberger Am: 04.08.2013 17:22:59 Gelesen: 460204# 245 @  
@ zackeingo [#242]

Dieser Stempel ist im Buch "Im Namen und Geleite Gottes" von Willy Königs auf Seite 100 abgebildet. Die Überschrift lautet: Ungeklärte Stempel.

Gruß

wuerttemberger
 
zackeingo Am: 05.08.2013 15:13:10 Gelesen: 460108# 246 @  
@ wuerttemberger [#245]

Vielen Dank für den Hinweis.

Könnte der Stempel etwas mit der französischen Besatzungsmacht in Nordtirol zu tun haben? Evtl. eine Art Zensur?

Ich habe ihn unter -zig Belegen nur auf zweien in 1812 gefunden. Alle weiteren Fracht- Fuhrmannsbelege sind ohne jegliche Stempel. Die Zollquittungen aus der Zeit sind teilweise vorgedruckt, teilweise handschriftlich. Aber auch ohne jegliche Abstempelung.

Gruß
zackeingo
 
bignell Am: 05.08.2013 18:06:49 Gelesen: 460074# 247 @  
Hallo Ingo,

vllt handelt es sich um einen Stempel des Absenders: Contessa G. zu H.

Lg, harald
 
bayern klassisch Am: 05.08.2013 20:36:38 Gelesen: 460037# 248 @  
@ bignell [#247]

Hallo Harald,

ich lese Conts: G: II H:

Bei einer Contessa (Gräfin) hätte man nicht die erste, zweite oder dergleichen geschrieben oder im Stempel vermerkt, weil es diese Abstufungen nur für Regenten gab. Von daher ist entweder Contessa falsch, oder II hatte eine andere Bedeutung.

An einen Zensurstempel kann ich nicht glauben, weil Zensur damals heimlich statt fand und nicht erkannt werden sollte und konnte. Die Herren, die diesen Job betrieben, waren Meister ihres Fachs.

Es bleibt rätselhaft ...

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bignell Am: 05.08.2013 21:05:08 Gelesen: 460029# 249 @  
@ bayern klassisch [#248]

Hallo bk,

ich lese dasselbe. Kommt auf die Sprache an, was das II bedeuten könnte, französisch deux => de vllt ==> Contessa Genoveva de Hannover (nur mal so als Denkbeispiel). Früher hat man oft das : als Zeichen für eine Abkürzung verwendet, wie heute den Punkt. Und Nummern als Worte verwenden ist ja auch keine neue Erfindung, time2go etc :)

Lg, harald
 
bayern klassisch Am: 05.08.2013 21:20:21 Gelesen: 460023# 250 @  
@ bignell [#249]

Hallo Harald,

möglich ist alles - die Herrschaften hatten ja Zeit und konnten sich so manches ausdenken in diesen Kreisen. Jedenfalls bleibt es eine spannende Knobelei.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
zackeingo Am: 06.08.2013 02:52:56 Gelesen: 459988# 251 @  
@ bignell [#247]

Hallo,

mit dem Absender kann der Stempel nichts zu tun haben.

Die Firma Atzwanger in Rattenberg / Tirol bezog Ihren Tabak lt. weiterer Frachtbriefe meistens von Firma Martin Förster aus Stadeln bei Nürnberg und manchmal von der Matteischen Tobakfabrik in München (andere Sorte?) in Fässchen, Kübeln oder auch Kisten. Der Transport erfolgte per Fuhrmann nach München und wurde dort in der Regel dem Fuhrmann Funck zur Weiterleitung nach Rattenberg übergeben.

Da Nordtirol in der Zeit zu Bayern gehörte, kann es auch kein Zollstempel sein.

Hilfreich wäre es vielleicht, wenn man wüsste auf welchem Beleg der Stempel war, der in dem Buch von Willy Königs abgebildet ist.

Gruß
zackeingo
 
wuerttemberger Am: 06.08.2013 06:37:15 Gelesen: 459962# 252 @  
@ zackeingo [#251]

Der Stempel war auf einem Fuhrmannsbrief aus Bruck bei Erlangen aus dem Jahre 1812.

Gruß

wuerttemberger
 
zackeingo Am: 06.08.2013 11:53:30 Gelesen: 459916# 253 @  
@ wuerttemberger [#252]

Hallo,

war der Empfänger auch in Tirol? War München auch die Zwischenstation? Dann könnte man das etwas eingrenzen.

1812 scheint schon zuzutreffen (wie bei meinen beiden Belegen) und weist auf den französischen Einfluss hin. Evtl. ein französischer Besatzungskommandeur oder ähnliches?

Gruß
zackeingo
 
wuerttemberger Am: 06.08.2013 12:34:33 Gelesen: 459908# 254 @  
@ zackeingo [#253]

Es gibt nur die Abbildung des Stempels mit den oben genannten Informationen.

Gruß

wuerttemberger
 
bayern klassisch Am: 13.08.2013 13:39:14 Gelesen: 459253# 255 @  
Liebe Sammlerfreunde,

vielleicht nicht der schönste Brief in meiner Sammlung, aber einer, der von der Adresse her unüblich ist/war. Statt zuerst den Namen, Stand usw. anzugeben und darunter den Wohnort zu benennen, wie das noch heute Usus ist, stellte der Absender alles auf den Kopf. Trotzdem kam er zeitig an (Folgetag) und zeigt, wie flexibel die bayerische Post schon 1855 bei Adressen war, die gar nicht so recht ins Konzept passten.



Wie man es richtig machte, zeigte der Freiherr Karl von Gumppenberg in seinem Büchlein von der Post für das Volk, in dem er sogar eine fiktive Adresse abbilden ließ, damit keine Unklarheiten aufkommen sollten.



Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 13.08.2013 21:37:04 Gelesen: 459185# 256 @  
Was sind "schöne Belege"? Sicher nicht nur Briefe, die farbenfroh aussehen wie 3 verschiedene Marken der Quadratausgabe Kreuzer oder Wappenserie. Fast man den Begriff "schön" weiter, sind auch interessante post- und zeitgeschichtliche Belege eingeschlossen, wie schon in anderen Beiträgen hier gezeigt.

Aus der Bayrischen "Marken-Endzeit" möchte ich einen "schönen zeitgeschichtlichen" Brief aus Neu-Ulm/Donau vom 18.März 1920 mit einem 3er-Streifen der 5 Pfg.-Prinzregentenmarke zeigen (die schon ungültigen Marken wurden nicht beanstandet).

Das Interessante an dem Brief sind weder die Marken noch der Stempel. Es ist der Absender, der uns an eine schwere Zeit nach dem verlorenen 1. Weltkrieg erinnert: "Vereinigung der aus Elsass-Lothringen Vertriebenen/Ortsgruppe Ulm a.D."

Der Brief ging an das Ulmer Fürsorgeamt, die Vertriebenen hatten wohl nur das Notwendigste mitnehmen dürfen.

2014 jährt sich der Beginn des 1. Weltkriegs zum 100. Mal.



Schönen Abend.
Jochen
 
bayern klassisch Am: 21.08.2013 13:30:35 Gelesen: 458709# 257 @  
Liebe Sammlerfreunde,

von besonderem Interesse sind heute noch vorhandene komplette Drucksachen (DS), die unter Streifband verschickt wurden. Weil in 99,99 % aller Fälle der Empfänger das Streifband abgerissen und die Marke dadurch beschädigt oder vernichtet hatte, sind solche Belege nur noch in geringer Zahl vorhanden.

Aufwändig war das schon damals, aber solche Versendungsformen kommen noch bis in unsere Tage vor.





Zwei Belege aus dem schönen Würzburg zeigen die damals nicht unübliche Versandart bei einem Gewicht bis 1 Loth ohne Rücksicht auf die Entfernung in Bayern gut.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 21.08.2013 14:14:27 Gelesen: 458698# 258 @  
@ bayern klassisch [#257]

Dieser Aussage ist uneingeschränkt zuzustimmen, vollständige Streifband-Drucksachen sind aus klassischer Zeit schwer zu bekommen. Das gilt nicht nur für Bayern, sondern für alle Altdeutschen Staaten. Man denke nur an die vielen Drucksachenschleifen bei denen der Sachsen-Dreier die Befestigungsfunktion übernahm und dabei oftmals zertrennt wurde. Die Dreier wurden später dann - auch aus unterschiedlichen Dreierteilen - zu ganzen Dreiern "restauriert/zusammengesetzt" und gesammelt.

Auch nicht mehr häufig anzutreffen sind Retour-Recepissen (also Rückscheine) aus der semi-klassischen Zeit. Wenn man so etwas in die Hand bekommt, dann zumeist mit Bezug auf Gerichtsangelegenheiten.



10 Pfg. Wappenserie gezähnt, gestempelt Wasserburg 16.7.1879, Ankunft Traunstein am gleichen Tag.

Schönen Tag und bis demnächst.
Jochen
 
bignell Am: 21.08.2013 19:10:30 Gelesen: 458664# 259 @  
@ hajo22 [#258]

Hallo Jochen,

da haben wir es in Österreich leichter, meist wurden die Marken auf Streifbändern nicht übergehend geklebt, und manchmal sind sogar Kreuzbänder mit vollständiger Frankatur erhalten.

Auch wenn es nicht wirklich hier rein passt, aber als Beispiel:



Lg, harald
 
bayern klassisch Am: 21.08.2013 19:15:29 Gelesen: 458662# 260 @  
@ hajo22 [#258]

Ein Traumstück! Manchmal ist die Semi - Klassik, warum weiß der liebe Gott allein - schwieriger zu bekommen, als die Klassik. So schön kann die Pfennigzeit sein!

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 21.08.2013 19:17:16 Gelesen: 458660# 261 @  
@ bignell [#259]

Lieber Harald,

auch das ist für mich ein Klassestück! Natürlich gab es sehr, sehr viel Post in Österreich. So viel, dass man als Bayernsammler manchmal neidisch werden könnte. Trotzdem sind Stücke wie deines auch dort nicht leicht zu finden.

Danke fürs zeigen und schöne Klassik oder Semiklassik tut jedem Thread gut, auch diesem. :-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 22.08.2013 20:36:39 Gelesen: 458590# 262 @  
@ bignell [#259]

Hallo Harald,

ich kann zwar keine vollständige Drucksachen-Schleife aus Bayern Klassikzeit zeigen, aber um die sonstige altdeutsche Klassik bei dieser Versandart zu retten eine aus Sachsen. Es ist "leider" nur der grüne 3er, aber dafür ist die Schleife komplett mit Inhalt und Ausgabestempel.

Ich zeige alles auf 4 scans:



Inhalt der Schleife



Vorderseite der Schleife: Leipzig 4.9.(1858, denn 1868 geht nicht mehr)



Rückseite der Schleife: Ausgabe 5.9.

und wieder zusammengesetzt sieht die (vorzeigbare) Schleife so aus:



So, jetzt muß aber Schluß sein mit außerbayerischen Stücken.

Allen einen schönen Abend.
Jochen
 
heku49 Am: 22.08.2013 20:51:09 Gelesen: 458584# 263 @  
Hallo Jochen,

ein sehr schönes Stück alle Achtung. Besonders der Inhalt gefällt mir gut.

Gruß Helmut
 
bignell Am: 22.08.2013 20:55:31 Gelesen: 458576# 264 @  
@ hajo22 [#262]

Hallo Jochen,

ein sehr schönes Stück. Warum eigentlich "nur der grüne 3er", die Marke ist doch auch nicht billig, und auf Ganzstück sicher alles andere als Massenware.

Lg, harald
 
hajo22 Am: 22.08.2013 21:23:12 Gelesen: 458567# 265 @  
@ bignell [#264]

Ja, stimmt. Dennoch der rote Dreier, das wäre dann schon ein tolles Stück. Aber man kann und muß nicht alles haben!

@ heku49 [#263]

Ja, der Text gefällt mir auch sehr gut. Damals wurde der Kunde noch als "König" behandelt und nicht wie heute: "Zum Bestellen klicken Sie hier"

Allen einen schönen Abend.
Jochen
 
bignell Am: 22.08.2013 22:37:49 Gelesen: 458557# 266 @  
@ hajo22 [#265]

Ah eh nur der rote Dreier. Vielleicht am besten als Mischfrankatur mit dem Bayern-Einser und als Nachporto die Penny Black. ;)
 
hajo22 Am: 23.08.2013 18:20:02 Gelesen: 458477# 267 @  
Damit wieder eine bayerische Marke aus der Klassikzeit gezeigt wird, hier eine 9 Kreuzer grün (Mi.Nr. 5, Farbe kann ich nicht bestimmen, c oder d?) auf komplettem Faltbrief nach Hükeswagen (Regierungsbezirk Köln) aus München vom 29.9.1857.

Interessant der Leitweg (Rückseite) Bahnpost Halle-Eisenach 30.9. III. (Cours) und Ausgabe-Stempel 1.10.



Eine noch vollrandige 9xer mit offenem Mühlradstempel 325 (München) auf Brief über 20 Meilen. Nichts Seltenes, aber schön anzuschauen. Die Marke ist so zentrisch gestempelt, man könnte meinen eine Vorausentwertung vor sich zu haben.

Schönen Freitagnachmittag und weiterhin viel Spaß an der Bayernphilatelie.
Jochen
 
hajo22 Am: 23.08.2013 18:38:07 Gelesen: 458472# 268 @  
@ bignell [#266]

Ich bedauere, ich habe meinen schwarzen 1er schon vom Brief abgelöst (leider, leider).

Es ist die Type IIa mit geschlossenem Mühlradstempel "14"=Aschaffenburg. Wenn ich doch das Couvert noch hätte!



Grüße nach Österreich.
Jochen
 
bayern klassisch Am: 23.08.2013 18:52:45 Gelesen: 458470# 269 @  
@ hajo22 [#267]

Hallo Jochen,

du hast eine 5d. Beim Laufweg war Bayern in das Eisenbahnnetz der Zeit dahin gehend integriert, dass man immer die schnellste Verbindung zu nehmen hatte, nicht die kürzeste.

Der Einser ist schön - vielleicht findet sich die Drucksache noch?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 23.08.2013 19:09:35 Gelesen: 458463# 270 @  
@ bayern klassisch [#269]

Die Drucksache findet sich sicher nicht. Wenn ich verulkt werde wie hier mit Brief Sachsen-Dreier in Mischfrankatur Schwarzer 1er und Nachporto 1 p Black, ulke ich selbstverständlich zurück.

Die Marke habe ich vor Jahren (im letzten Jahrtausend) natürlich lose auf einer SEM-Auktion gekauft. Er hatte damals einige schöne Exemplare im Angebot. Da konnte ich nicht widerstehen. Schönheit hat seinen Preis kann ich hier nur sagen.

Schöne Grüße und danke für die Farbbestimmung. Ich lag ja nahe dran.
Jochen
 
bignell Am: 23.08.2013 19:10:48 Gelesen: 458460# 271 @  
@ hajo22 [#270]

Ich glaube, das hat BK auch nicht ganz ernst gemeint. ;)
 
hajo22 Am: 23.08.2013 19:25:31 Gelesen: 458453# 272 @  
@ bignell [#271]

Na klar, ein bißchen scherzen muß schon sein, das lockert die Atmosphäre und vertreibt den Bierernst aus der Philatelie. Meine Frau sagt nicht "Philatelie", sondern "Altpapiersammlung".

Servus.
Jochen
 
hajo22 Am: 25.08.2013 13:04:15 Gelesen: 458367# 273 @  
Heute ein Briefchen aus vorphilatelistischer Zeit. München 9.10.1845 nach Bonn (Ausgabest. 12.10.). Preussischer (Grenz-)übergangsstempel im ovalen Kreis "Bayern".

Versand "franco". Aber wie hoch waren die Gebühren?



Schönen Sonntag.
Jochen
 
bayern klassisch Am: 25.08.2013 14:46:49 Gelesen: 458356# 274 @  
@ hajo22 [#273]

Hallo Jochen,

bei Briefen aus dieser Zeit waren die Gebühren, wenn der Absender zahlen wollte oder konnte, siegelseitig zu notieren.

Wenn ich korrigieren darf: Bayern war kein Grenzübergangsstempel - die gab es damals zwischen Bayern und Preußen nicht, sondern ein Herkunftsstempel.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

P.S. Ich habe heute meine Bayern - Schweiz - Sammlung in das virtuelle Album überspielt. Bitte auch den Schweizer Freunden weiter sagen; für Verbesserungen jedweder Art bin ich sehr dankbar.
 
bayern klassisch Am: 10.09.2013 09:45:45 Gelesen: 457360# 275 @  
Liebe Sammlerfreunde,

aus der guten, alten Zeit stammt ein besonderer Brief aus Bayreuth nach Altenburg, postalisch zum Königreich Sachsen gehörend.



Er wurde am 10. Jan. geschrieben, weist aber vorn wie hinten keine Taxen auf. Der Grund ist in der linken, unteren Ecke vorn zu finden: Es war ein Brief des Postmeisters von Bayreuth, dem der König die aktive Portofreiheit verliehen hatte.

Demzufolge durfte dieser Briefe schreiben, musste jedoch nicht frankieren mittels Marke oder in bar, sondern hatte nur seine Unterschrift und seinen Stand "Postmeister" zu notieren und alles war und blieb gratis.

Interessant ist, dass er auch im Königreich Sachsen portofrei belassen wurde, denn auf diese Strecke erstreckte sich die bayerische Portofreiheit natürlich nicht.

Bis heute sind genau 2 dieser Briefe aufgetaucht, die absolut gleich aussehen, es ist aber zu vermuten, dass es damals schon ein paar mehr gegeben haben dürfte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 13.10.2013 11:01:31 Gelesen: 454076# 276 @  
Liebe Sammlerfreunde,

heute möchte ich einen Brief zeigen (das Auktionshaus Köhler war gestern so nett, ihn mir zu überlassen), der recht lustig ist, weil man sieht, mit welchen Alltagsproblemen auch erfahrene Postler in Bayern zu kämpfen hatten.



Am 4.8.1862 sandte man einen mit 12x (2 mal 4II Platte 3) frankierten Brief nach Frankreich ab (Departement Seine et Oise). Für einfache Briefe bis 10g nach Frankreich waren 12x das treffende Franko.

Die Aufgabepost in Kissingen, der Stadt mit dem relativ umfangreichsten Auslandsverkehr, las aber in der französisch gehaltenen Anschrift - trotz des Vermerks "France" in der linken oberen Ecke eine Destination in der Schweiz. Für dergleichen Briefe gab es auch 12x Frankaturen, nämlich 9x für Bayern und 3x für die CH für Orte im 1. Rayon! Ergo notierte man eine blaue 3 für das CH - Weiterfranko und sandte den Brief nach Basel (6.8.), wo man den Fehler bemerkte und ihn über Zürich - St. Gallen - Romanshorn - Lindau zurück schickte, wobei er den Weg per Dampfboot über den Bodensee nahm.

Jetzt hatte ihn Bayern wieder an der Backe und sandte ihn am 7.8. über Württemberg und Baden geschlossen nach Strasbourg, wo er am 8.8. ankam. Dort erhielt er den Stempel Bavière - Strasbourg und konnte seinen Lauf endlich zum Chateau du Galluis fortsetzen. Hier ein Link, der das schöne Schlösschen zeigt.

http://fr.topic-topos.com/chateau-de-lieutel-galluis

Das dazugehörige Attest zeige ich lieber nicht, sonst könnte man die dortige Beschreibung noch ernst nehmen. Natürlich hat Frankreich nicht 3x von der Schweiz (! ??) für den Transit (! ??) bekommen, sondern die rote 3 und der Hinweis durch Unterstreichung des Ziellandes "France" durch die Schweizer Posten verdeutlichte nur, dass man die einst von Bayern bonifizierten 3x wieder zurückrechnen musste, den für Fehlleitungen der Post war kein Porto/Transitporto anzusetzen. Bayern erhielt also die ursprünglich der CH gutgeschriebenen 3x rückvergütet.

Dafür durfte es nicht 9x behalten, sondern nur 4,8x, weil es an Frankreich 7,2x entrichten musste.

Wenn man etwas tiefer in der Materie steckt, weiß man auch, warum die CH den Brief nicht über Baden oder Württemberg, obwohl das möglich gewesen wäre, zurück schicken musste, sondern über Bayern. Ich bin gespannt, wer weiß, warum das so war. ;)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 13.10.2013 13:02:11 Gelesen: 454043# 277 @  
@ bayern klassisch [#276]

An den Postverträgen (PV) zwischen der Schweiz und Frankreich von 1850 (?) und dem Postvertrag Schweiz mit Bayern 1852. Ein Transit (also auch eine Rücksendung) aus der Schweiz über Frankreich war nicht vorgesehen, daher konnte die Rücksendung nur über deutsches Gebiet (hier Bayern) erfolgen.

Viele Grüße
Jochen
 
bayern klassisch Am: 13.10.2013 17:36:35 Gelesen: 453990# 278 @  
@ hajo22 [#277]

Hallo Jochen,

danke für deinen Lösungsvorschlag - der Postvertrag Schweiz - Frankreich spielte hier keine Rolle, weil es ja kein Schweizer Brief war und Transite aus dem Postverein über die Schweiz nach Frankreich unbekannt waren und ergo auch vertraglich nicht geregelt waren.

Der Grund war ein anderer: Hätte ihn die Schweiz über Baden oder Württemberg zurück geschickt, hätten diese die 3x für die Schweiz gutgeschrieben bekommen, nicht aber Bayern! Somit wäre die Abrechnung durcheinander gekommen, denn Baden bzw. Württemberg hätten dann 3x für nichts bekommen, denn ein Transitporto war für fehlinstradierte Sendungen nicht anzusprechen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 23.10.2013 08:44:18 Gelesen: 452997# 279 @  
Liebe Sammlerfreunde,

heute darf ich eine neue Briefrosine zeigen, die mir ins Netz gegangen ist:



Am 2.12.1859 sandte man ein Muster anhängend an diesen Brief von Pappenheim nach dem badischen Aden bei Singen.

Die Entfernung betrug über 20 Meilen, so dass ein einfacher Brief 9 Kr. gekostet haben würde.

Hing ein Muster ohne Wert an ihm, so durfte der Brief selbst unter 1 Loth, mit dem Muster zusammen aber schon 2 Loth wiegen.

Hier haben wir eine 18 Kr. Frankatur vor uns, womit der Brief selbst wiederum nur bis 1 Loth wiegen durfte, aber mit dem Muster zusammen waren jetzt über 2 bis 4 Loth möglich.

Dazu kam, dass man von Singen aus den Landboten bemühen musste, der für seine Tätigkeit gewichtsunabhängig 2 Kr., die blau von der Abgabepost notiert wurden, kassierte, so dass die Gesamtkosten mit 20 Kr. zu veranschlagen sind.

Viele bayerische Musterbriefe nach Baden kenne ich leider nicht ...

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 23.10.2013 08:57:37 Gelesen: 452994# 280 @  
Liebe Sammlerfreunde,

auf einem Bein steht man nicht, daher schieße ich gleich den zweiten hinterher.

Mit dem Begriff Unikat sollte man ja bekanntlich eher sparsam umgehen. Bei folgendem Brief scheint es aber angebracht zu sein, ihn als solches zu betiteln. Gerne lese ich aber einen Einwand mit Scan. ;)



In Braunau am Inn (Österreich) schrieb man am 3.10.1867 einen einfachen Brief nach Ering an den dortigen Gastwirt Gottfried Mayer. Das wäre an sich nichts besonderes, denn es würde eine österreichische 5 Neukreuzermarke auf ihm prangen, was Massenware darstellt und für 3 bis 5 Euro in jeder besser sortierten Händlerkiste zu finden sein dürfte (unter Auswechselung der Adressdaten).

Hier bewegte den Absender aber weniger das Gefühl, seinem Heimatland 5 Nkr. zukommen zu lassen, als den bayerischen Staat mit 3 Kr. rh. zu beschenken. Um dies zu bewerkstelligen überschritt er den Inn und gab den Brief in Simbach auf, was nur ein paar Hundert Meter entfernt Braunau gegenüber lag.

Als wäre dieser Frevel nicht schon genug, klebte der dortige Expeditor statt einer Freimarke - zu vermuten wäre eine Nr. 15 - eine Portomarke auf, welche für Fernbriefe nicht zu verwenden gestattet war. Ering hatte ab dem 1.7.1861 eine eigene Postexpedition erhalten, also nicht gerade gestern, so dass man dies in Simbach am Inn wusste.

Am gleichen Tag wurde der Brief in Ering ankunftsgestempelt und - wie auch immer - zugestellt. In seinem Inneren sind noch 2 weiter Wachssiegelteile vorhanden, was auf einen Einschluss in diesem Brief hindeutet, was ihn nun vollends zur eierlegenden Wollmilchsau macht. :P :D

Den Bug verzeihe ich dem Simbacher Expeditor, denn der Brief ist schnuckelig klein und ein Aufkleben auf der Siegelseite wäre ja nun wirklich der Oberhammer.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 17.11.2013 08:00:50 Gelesen: 449856# 281 @  
Liebe Sammlerfreunde,

was ist die Besonderheit dieses Briefes?



Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 17.11.2013 08:06:54 Gelesen: 449854# 282 @  
@ bayern klassisch [#281]

Es dürfte sich um eine sogenannte "Vorausentwertung" handeln, d.h. die Marke war vor dem Aufkleben schon entwertet worden (natürlich vom Postler).

Schönen Sonntag.
Jochen
 
bayern klassisch Am: 17.11.2013 09:26:03 Gelesen: 449830# 283 @  
@ hajo22 [#282]

Hallo Jochen,

mit Adleraugen erkannt und völlig richtig - von dem Ort Marktheidenfeld sind ein paar Briefe bekannt geworden, bei denen die Marken vorausentwertet wurden - nur zu sehen an den oben übergegangenen Schaufelspitzen des Mühlradstempels 199.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 18.11.2013 14:37:08 Gelesen: 449646# 284 @  
Liebe Sammlerfreunde,

mal etwas aus der modernen Zeit: In Bayern mit 5 Pfg. frankiert ins Deutsche Reich, dann mit weiteren 5 Pfg. "auffrankiert" in die Schweiz, dort aber nicht zustellbar und wieder zurück ins Deutsche Reich. Letztlich angekommen, aber mit Mühen, zur Freude heutiger Sammler, denn auffrankierte Poststücke nach Abzug ins Ausland sind keine Massenware.



Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
buzones Am: 18.11.2013 20:02:27 Gelesen: 449594# 285 @  
@ bayern klassisch [#281]

Lieber Ralph,

falls dir der Adressat Oberbiliothekar und Landtagsabgeordnete Dr. A. Ruland in München ggf. nichts sagt, hier näheres zur Person:

http://www.deutsche-biographie.de/sfz77335.html

Weiter so! :)

Beste Grüße
Ralf
 
bayern klassisch Am: 02.12.2013 14:06:37 Gelesen: 447880# 286 @  
@ buzones [#285]

Lieber Ralf,

vielen Dank für den Link - es gibt einige Briefe an ihn und ich freue mich immer wieder, wenn ich etwas sehe. Hätten nur mehr Leute ihre Korrespondenzen behalten ...

Liebe Sammlerfreunde,

heute ein besonderer Brief, bei dem man aber lesen können muss. Er weist Besonderheiten auf und ich bin mal gespannt, wer sie heraus bekommt.



In Speyer ging er am 29.6.1843 auf seine Reise.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 02.12.2013 17:21:07 Gelesen: 447847# 287 @  
@ bayern klassisch [#286]

Na ja, es ist ein Brief an den König (Max) zu eigenen Händen (also "direkt", sprich nur ihm ohne vorheriges Öffnen durch Personal/Domestiken zu übergeben). Ich lese Stempel von Speyer, Aschaffenburg und München. Ich denke, der König war gerade auf Reisen in die bayerische Pfalz unterwegs.

Kann auch alles verkehrt sein, aber eine Resonanz hast Du, lieber "bayern klassisch".

Viele Grüße
Jochen
 
bayern klassisch Am: 02.12.2013 17:51:25 Gelesen: 447834# 288 @  
@ hajo22 [#287]

Lieber Jochen,

vielen Dank für dein Feedback!

König in Bayern, das war hier der Empfänger, war Ludwig I (der wegen der feschen Lola Montez zurückgetreten wurde).

Der Brief ist aber in Speyer geschrieben worden - der "Kini" war also nicht in der Pfalz. Aber wo war er denn?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
filunski Am: 02.12.2013 18:36:31 Gelesen: 447820# 289 @  
@ bayern klassisch [#288]

Vielleicht in Aschaffenburg, um nach dem Baufortschritt seines Pompejanums zu sehen? Der Brief ging jedenfalls erst nach München, Ankunftstempel vom 2.7., dann weiter nach Aschaffenburg, Ankunftstempel dort vom 5.7.

Schönen Gruß,
Peter
 
hajo22 Am: 02.12.2013 18:41:48 Gelesen: 447818# 290 @  
@ bayern klassisch [#288]

Sorry, dann war er wohl in Unterfranken, also Aschaffenburg. Wahrscheinlich geht`s dann um den Eisenbahnbau die Ludwig-Strecke Nord-Süd oder so.

Schönen Abend und das kommt davon wenn man aus der Hüfte schießt.

Grüße
Jochen
 
bayern klassisch Am: 02.12.2013 18:49:29 Gelesen: 447808# 291 @  
@ bayern klassisch [#286]

Hallo filunski,

wer in dem Forum einen Stern hat, trägt den nicht zu Unrecht. :-)

Du hast Recht - er lief zuerst von Speyer nach München, aber dort war er nicht mehr. Eine Änderung der Adresse, wie bei jedem Sterblichen üblich, brauchte es hier nicht. Warum?

Weil München als Haupt- und Residenzstadt natürlich wusste, wo die Majestät war und mit dem Pompejanum hast du Recht. Er war ein paar Tage zuvor in die bayerische Toskana gefahren, um dort den Einweihungsakt zu feiern.

Da Briefe an die Majestäten im eigenen, königlichen Briefbeutel befördert wurden, steckte man also in München alle angekommenen Poststücke in diesen eigenen Briefbeutel und schrieb "Aschaffenburg" auf die Beutelfahne. Jetzt wusste jeder, was zu tun ist, auch ohne Adressänderung.

In Aschaffenburg wurde der Briefbeutel geöffnet, die Handschuhe heraus geholt (Briefe der Majestäten waren nicht mit bloßen Händen anzufassen!) und die Eingangsstempel anzubringen. Dann erfolgte per Expressbote die Zustellung im Palais des Regenten. Auch wenn niemals "per Express" auf dergleichen Briefen steht, waren alle Briefe an die Majestäten sofort zu stempeln und zuzustellen - da musste alles andere liegen bleiben. Klasse gelöst!

Lieber Jochen,

ich habe auch schon aus der Hüfte geschossen und daneben getroffen - das macht uns doch nicht unsympathisch, oder? :-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
filunski Am: 02.12.2013 18:54:10 Gelesen: 447804# 292 @  
@ bayern klassisch [#291]

Danke für die "Blumen". Die Stempel, wie so oft, erzählen ja immer eine Geschichte und das Pompejanum passte da eben mit hinein. Der Rest deiner Darstellung zur "königlichen Postzustellung" ist höchst interessant und sicher nicht nur mir so nicht bekannt gewesen. Danke dafür. :-)

Schöne Grüße,
Peter
 
bayern klassisch Am: 02.12.2013 19:03:37 Gelesen: 447796# 293 @  
@ filunski [#292]

Ehre, wem Ehre gebührt. :-)

Ich habe es etwas ausführlicher geschildert, weil vieles, was gar nicht einmal so lange her ist, heute völlig in Vergessenheit geraten ist und solche kleinen Aspekte oft ein besseres Bild einer Zeit zeigen können, als das Lesen eines Geschichtsbuches, in dem nur die große Welt dargestellt wird, nicht aber der Alltag, der hundertmal wichtiger war.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 12.12.2013 13:13:16 Gelesen: 447286# 294 @  
Liebe Sammlerfreunde,

heute mal ein kleiner Knobler - von vorn ist alles zu sehen, denn hinten ist der Brief blank. Was ist seine Besonderheit?



Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 13.12.2013 19:33:35 Gelesen: 447189# 295 @  
Liebe Sammlerfreunde,

dann möchte ich mal lösen: Der Absender fungierte als Relais - Station für den Empfänger in Stuttgart und empfing Briefe für ihn in Nürnberg. Mit diesem Brief, der unter 1 Loth wog, sandte er "Herrn Ferd(inand) Schmidt mit Briefen des Herrn Haueisen & Sohn" eben diese als Einlage mit. Viele werden es nicht gewesen sein.

In jedem Fall hatte man sich, woher auch immer diese Briefe ursprünglich stammten, Geld gespart, denn es fielen nur einmal 9 Kr. an, statt ein Mehrfaches davon.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 28.12.2013 10:49:01 Gelesen: 446594# 296 @  
Liebe Sammlerfreunde,

heute zeige ich einen einfachen, frankierten Brief aus Abensberg nach München. Der Absender zahlte 3 Kr. für den einfachen Brief, die auf der Siegelseite notiert wurden.



Das besondere an ihm ist das Datum - der 29.10.1849. Wie wir wissen, kamen die ersten 3 Marken am 1.11.1849 an die Postschalter und gleichzeitig wurde die Stempelfarbe schwarz befohlen. Zuvor hätte man zwar auch schon schwarz stempeln sollten, doch war es für die bayerische Postverwaltung keine wichtige Angelegenheit und man ließ auch rote, blaue, orange und sogar grüne Stempelfarbe zu.

Der Brief aus Abensberg beweist, dass man noch bis zum Schluss in blau gestempelt hat und erst 3 Tage später auf schwarz umstellte. Der Grund der Farbumstellung war die Furcht, dass farbige Stempel keine hinlänglich deutlichen Entwertungen abliefern würden und rotbraune Stempelfarbe auf einer rotbraunen Marke (Nr. 4I) kaum zu erkennen gewesen wäre.

Da der Stempelabdruck aber zweierlei Funktionen hatte, 1. die Entwertung der Marke (ganz wichtig!) und 2. die Weitergabe von Informationen (woher, wann aufgegeben), wählte man Druckerschwärze als Stempelfarbe aus. Ein Problem war dabei die schwarze Eins, denn auf dieser Marke war ein schwarzer Stempel auch nicht gut lesbar.

Etwas off topic: Weil hier im Forum zumindest ein Thread existiert, der bei unserem Hobby stark auf die finanzielle Komponente abzielt, möchte ich hier mal eine Lanze für Altdeutschland / Bayern brechen. Dieser Stempel steht mit 15 Euro im Feuser und man kann solch einen Brief für 5 bis 10 Euro kaufen. Andere, auch keine Massenstempel, kosten kaum mehr, oft noch weniger. All die Details (Kalligraphie, Adressat, Absender, Lokalität, Stempelform und Farbe, Ankunftstempel, Inhalt, Postregulativ / Postvertrag usw. gibt es gratis dazu.

Das Sammeln muss also nicht teuer sein - das Vorurteil, dass "Altpapier" unerschwinglich sei und vor allem Markenbriefe einer finanziellen Elite vorbehalten seien, ist ein Märchen. Ein dicker Geldbeutel ersetzt auch nicht die Liebe zur Philatelie, niemals.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 31.12.2013 09:58:06 Gelesen: 446464# 297 @  
Liebe Sammlerfreunde,



in Germersheim (Pfalz) am 1.7.1849 als einfacher, unter 1/2 Loth schwerer Portobrief aufgegeben, wäre er allein schon deshalb hochinteressant, weil an diesem Tag die ersten bayer. Briefmarken hätten verwendet werden sollen, zeitgleich mit dem neuen Taxregulativ, das schon auf die Nominalen der Marken abstellte. Wie wir wissen, hat es sich dann aber noch 4 Monate heraus gezögert, sonst wäre das ein "Ersttagsbrief", auch wenn die Verwendung von Marken für Briefe ins Ausland noch nicht geduldet wurde.

Aber zurück zu Realität. Germersheim liegt sehr nah an Baden - praktisch nur über den Rhein und wenn man als maximale Entfernung Germersheim - Karlsruhe annimmt, dann kommt man nur auf 3 Meilen.

Das war aber nicht mehr relevant, seit es den fortschrittlichen Postvertrag Bayerns mit Baden vom 1.8.1843 gab,in dem festgehalten wurde, dass es 3 Klassen von Gemeinschaftsporti gab und die höchste Klasse bei Entfernungen über 15 Meilen bayerische - badischer Gesamtstrecke nur noch 12x waren. Germersheim notierte diese 12x rechts und sie wurden, von wem auch immer, sogar unterstrichen. Da das Gemeinschaftsporto halbscheidig zu teilen war, bekam Bayern satte 6x für einen Brief, der nur wenig Transportstrecke erforderte, während Baden ihn 180 km weit zu befördern hatte und auch nicht mehr bekam.

Da der Brief mit der badischen Bahnpost (leider ohne Stempelung) nach Basel lief, glaube ich, dass man für Basel 2x = 14x ansetzte. Wer für die weiteren 6x zuständig war, um auf die notierten 20x zu kommen, kann ich nicht sicher sagen. Evtl. Bern?

In Genf dürfte man 9 Decimes = 27x Porto kassiert haben. Für Korrekturen / Verbesserungen der Beschreibung wäre ich sehr dankbar.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
kreuzer Am: 31.12.2013 12:43:27 Gelesen: 446447# 298 @  
@ bayern klassisch [#297]

Hallo bayern klassisch,

sehr schöner Brief! Aber das mit den bayerischen Marken hatte zum damaligen Zeitpunkt noch vier Monate Zeit (1.11.)

Viele Grüße

kreuzer
 
bayern klassisch Am: 31.12.2013 13:32:05 Gelesen: 446438# 299 @  
@ kreuzer [#298]

Hallo kreuzer,

richtig, aber die neuen "Marken - Tarife" galten schon ab dem 1.7.1849 - nur die Druckerei hatte es noch nicht geschafft, Druckerzeugnisse = Briefmarken so herzustellen, dass sie über dem Makulatur - Niveau anzusiedeln waren. Um brauchbares Material zu liefern, fing man ja gerade mit der schwarzen Eins an und ließ die anderen beiden Marken erst einmal links liegen.

Erst nachdem man den Druck (man hatte kein Erfahrung in diesem Bereich) beim Einser ordentlich hin bekommen hatte, druckte man die 3x und 6x Marken probehaft, natürlich noch in der "Farbe", die man bisher einzig verwendet hatte, nämlich in schwarz, die ja eigentlich für den Einser vorgesehen war.

Nachdem auch die Probedrucke auf dem Seidenfadenpapier der schwarzen Eins problemlos verlaufen waren (gewissermaßen eine technische Übergangsmarke zu den beiden farbigen), kamen die Farbtöpfe blau und braunrot hervor und der Zauber konnte im Oktober beginnen, so dass alle 3 Marken in der letzten Woche des Okt. 1849 - endlich! - fertig gedruckt, gummiert und wohl getrocknet in den neu gestalteten Bogentaschen an die Bezirkskassen der OPÄ versandt werden konnten.

Die Alternative wäre gewesen, das alte Regulativ vom 1.1.1843 - entgegen der internen Ankündigung - per Sofortdekret bis zum allenfallsigen Start der Markensaison weiterlaufen zu lassen. Das hätte aber keinen Druck erzeugt und wer weiß, wann man dann mit der Markenausgabe angefangen hätte, vermutlich erst 1850. Dabei waren die 4 Monate doch schon peinlich genug.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
kreuzer Am: 01.01.2014 07:56:44 Gelesen: 446400# 300 @  
@ bayern klassisch [#299]

Hallo bayern klassisch,

da habe ich Deine Ausführungen etwas missverstanden. Die Marken wurden nicht rechtzeitig fertig, da gebe ich Dir recht. Hatte das "sollte" so aufgefasst, dass schon vorhandene Marken zur Frankatur hätten verwendet werden sollen.

Viele Grüße

kreuzer
 
bayern klassisch Am: 01.01.2014 10:25:02 Gelesen: 446392# 301 @  
@ kreuzer [#300]

Frohes Neues Jahr kreuzer!

Das macht doch nichts. Wäre eigentlich eine Pflichtübung für den Michel Spezial, dort mal die Chronologie der bayerischen Marken ernst zu nehmen, wenn man sie denn kennen würde.

"And now for something completely different ..." :-)



Ein schöner Brief lief innerhalb Münchens am 10.7.1869 an das Kgl. Handelsgericht nach München rechts der Isar, also der Vorstadt Au. München und Au waren zwei eigenständige Poststellen, jedoch galt hier, ohne dass dies jemals irgendwo erwähnt worden wäre, ein besonderer Tarif, nämlich der Lokaltarif für einfache Briefe von 1 Kreuzer. 1869 kostete ein Brief über 1 bis 15 Loth somit nur 2 Kr., statt als normaler Fernbrief 7 Kr., was eine erhebliche Reduzierung der Kosten für alle Beteiligten bedeutete.

Der kleine, blaue Stempel, der mit "AU" anfängt, ist nicht geklärt. Vielleicht weiß hier einer mehr ?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 08.01.2014 13:37:55 Gelesen: 446112# 302 @  
Liebe Sammlerfreunde,

heute darf ich einen Brief vorstellen, der mir allein schon wegen seiner Farben gut gefiel: Grüne Marke, violett-rote und dunkel-rote Marke, blauer Faltbrief, knalliger Firmenstempel und schwarze Schrift, ich finde, das hat was.



Die Firma W. Frank aus München schrieb am 19.9.1873 einen Brief mit anhängendem Muster ohne Wert nach Dornbirn in Österreich (Österreich fügte die Münchener Post hinzu, weil den Ort nicht jeder in Bayern kannte). Man achte auf den sehr frühen Absenderstempel, der einem damaligen Zweikreisstempel der Post gleicht!

In der Periode vom 1.1.1872 bis zum 31.12.1875 gab es für derlei Briefe keine Moderation mehr - die blieb nur für reine Muster erhalten, denen KEIN Brief beigeschlossen sein durfte. Gab man einem Brief ein Muster ohne Wert mit (mit Bindfaden angehangen), dann war der Brief mit dem Muster rein nach dem Gewicht für Briefe zu frankieren / taxieren. Hier also 7x Franko = über 15 bis 250g Gewicht zusammen.

Ich habe nicht viele Briefe mit anhängenden Mustern in dieser Tarifperiode von Bayern nach Österreich gesehen - vielleicht kommt hier der ein oder andere nach? Ich würde mich freuen!

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bignell Am: 12.01.2014 13:10:54 Gelesen: 445953# 303 @  
@ bayern klassisch [#302]

Hallo Bayern-Freunde,

viel habe ich nicht zu Eurem Sammelgebiet beizutragen, aber vielleicht gefällt Euch ja dieser Beleg:



Rechnung geschrieben in Mannheim am 19.6.1861 nach Nördlingen, zur Post gegeben in Augsburg am 23.6., vermutlich wegen Portoersparnis ("Forwarder").

Lg, harald
 
bayern klassisch Am: 12.01.2014 14:51:14 Gelesen: 445935# 304 @  
@ bignell [#303]

Hallo Harald,

schönes Stück - 6 Kr. sparte sich der Mannheimer durch diese Postaufgabe.

Danke fürs zeigen und liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Mondorff Am: 12.01.2014 15:48:39 Gelesen: 445923# 305 @  
@ bayern klassisch [#296]

Lieber Klassikfreund,

"Das Sammeln muss also nicht teuer sein - das Vorurteil, dass "Altpapier" unerschwinglich sei und vor allem Markenbriefe einer finanziellen Elite vorbehalten seien, ist ein Märchen. Ein dicker Geldbeutel ersetzt auch nicht die Liebe zur Philatelie, niemals."

Auch wenn "Altpapier" bei mir nicht unbedingt in der ersten Linie zu finden ist – die Liebe zur Philatelie ist es. Vor etlichen Jahren hatten wir 'mal Kontakt; natürlich über bayerisches "Altpapier".

Bleib munter

DiDi
 
bayern klassisch Am: 12.01.2014 16:53:17 Gelesen: 445904# 306 @  
@ Mondorff [#305]

Lieber DiDi,

gerne sehe ich dein "Altpapier" - ob von Bayern, oder etwas anderes. :-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 22.01.2014 10:22:42 Gelesen: 445395# 307 @  
Liebe Sammlerfreunde,

ein Brief aus Kraiburg von 1859 gibt ein kleines Rätsel auf:



Als Brief bis 12 Meilen über 1 bis 2 Loth mit 6 Kreuzer korrekt frankiert, weist er eine korrigierte Absenderbehörde auf - zuerst den Magistrat vor Ort, dann gestrichen und mit Kirchenverwaltung überschrieben. In der Art sehe ich das zum ersten Mal und wenn jemand etwas vergleichbares aus Bayern zeigen könnte, wäre ich sehr erfreut. Leider hat meiner keinen Inhalt mehr. :-(

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 28.01.2014 11:25:52 Gelesen: 445103# 308 @  
Chargé - Recommandation - Einschreiben - gegen Schein

Liebe Sammlerfreunde,

ein dankenswertes Thema ist das o.g., weil es hierzu in Bayern nicht nur vieles, interessantes, sondern auch spezielles gibt, das noch dazu farbenfroh daher kommt, was uns Augenmenschen um so mehr erfreut, als doch viele Poststücke aus dieser Zeit eben nicht so bunt sind, wie wir sie uns erhoffen.



Ein Postschein für ein recommandirtes Schreiben in München zeigt, dass es Absender gab, die weder für den Brief, noch für dessen Einschreibung etwas zu zahlen hatten, also die vollkommene aktive Portofreiheit besassen. Hier zeigt die rote Farbe sofort, dass es sich um eine Recommandation handelt, denn ab 1.1.1861 war dies die Farbe hierfür.



Das die farbliche Auslegung in Bayern auch die Hauptstadt nicht gänzlich verschonte, zeigt ein Postschein mit violettem Abschlag des gleichen Stempels, bei dem sogar das Jahr nicht hervor geht. Wer sich jedoch lange genug mit dieser Thematik befasst, kann ihn doch datieren - und zwar auf 1867. Im Januar 1866 gab es diese Farbe noch gar nicht und im Jahr 1868 war die Recommandationsgebühr auf 7 Kr. angestiegen, so dass dann Scheine mit korrigierter Chargégebühr zu verwenden waren.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 29.01.2014 15:20:16 Gelesen: 445035# 309 @  
Liebe Sammlerfreunde,

hier ein kleiner Knobler zur Wochenmitte:

Was ist die Besonderheit an diesem Stück, bei dem die Marke nicht ganz perfekt ist ?



Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bignell Am: 29.01.2014 15:56:17 Gelesen: 445028# 310 @  
@ bayern klassisch [#309]

Hallo bk,

kann die Schrift oben nicht lesen, würde aber mal vermuten, ex-offo aus Österreich, an der bayrischen Grenze frankiert.

Lg, harald
 
bayern klassisch Am: 29.01.2014 16:06:22 Gelesen: 445023# 311 @  
@ bignell [#310]

Lieber Harald,

"von der k. k. Hütten- und Hammerverwaltung Kierfer" steht da. Du bist mit deiner schnellen Antwort ganz nah dran.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 30.01.2014 09:29:42 Gelesen: 444978# 312 @  
@ bayern klassisch [#309]

Liebe Sammlerfreunde,

die Besonderheit lag in der Tatsache, dass es eine österreichische Stelle in Bayern gab, die ihre Post nicht über die nahe Grenze in das österreichische Kufstein brachte, sondern einfach in Bayern aufgab, was Bayern erfreute, denn es partizipierte an diesem modus operandi.

Heute zeige ich eine späte Verwendung eines bayerischen Ganzsachenkuverts aus dem Jahr 1927. Die Gültigkeit aller Kreuzerausgabe, also auch der Kuverts, endete mit dem 31.12.1875 bzw. dem 1.1.1876, wenn zum letzten Zeitpunkt Poststücke bei der ersten Leerung noch im Briefkasten gefunden wurden.

Hier hatte der Absender ein altes Bayernkuvert benutzt, um einen Ortsbrief zu schreiben, der dann prompt nicht ausgeliefert werden konnte, also retour die ganze Sache, ääh, die Ganzsache. :-)



Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 30.01.2014 18:01:48 Gelesen: 444941# 313 @  
@ bayern klassisch [#312]

Schade um das klassische Couvert. Der Absender war entweder ein eingefleischter Nostalgiker oder einfach ein Depp.

Schönen Abend.
Jochen
 
bayern klassisch Am: 30.01.2014 18:30:12 Gelesen: 444939# 314 @  
@ hajo22 [#313]

Es gibt 2 Möglichkeiten: Er hatte zahllose von diesen Kuverts und legte keinen Wert auf eines mehr oder weniger.

Alternativ: Er musste schnell etwas schreiben, hatte kein zeitgenössisches Kuvert greifbar und nahm dann schnell, was er bekommen konnte.

In jedem Fall hat sich alles gerächt, weil das Kuvert doch nicht zugestellt werden konnte. Das hatte er nun davon, der Frevler. :-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 04.02.2014 18:15:51 Gelesen: 444635# 315 @  
Liebe Sammlerfreunde,

was am 18. Juni im Jahre des Herren 1853 in Kempten passierte, wird sich so leicht nicht rekapitulieren lassen, aber das Ergebnis hinsichtlich der Markenentwertung ist und war schon etwas eigentümlich ...



Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 04.02.2014 20:05:49 Gelesen: 444612# 316 @  
@ bayern klassisch [#315]

Schwer zu erkennen. Eine doppelte Entwertung mit Mühlradstempel. Der vermeintlich "obere" Stempel liest sich wie "15(5)", also Kempten, den vermutlich "unteren" kann ich nicht entziffern.

Und hier auch was zum Nachdenken:



Schönen Abend.
Jochen
 
bayern klassisch Am: 04.02.2014 20:21:21 Gelesen: 444608# 317 @  
@ hajo22 [#316]

Auch ein schönes Stück mit geklebter Zustellgebühr als Quittung - gefällt mir!

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 04.02.2014 21:40:21 Gelesen: 444588# 318 @  
@ bayern klassisch [#317]

Die Verzollungsgebühr (laut Gebührenzettel 25 Heller) hätte auch in Freimarken verklebt werden können, wenn nicht das Hauptzollamt Bregenz das Paket "zollfrei" gestellt hätte (Stempel unter dem Gebührenzettel gemeinerweise).

Du weißt schon: "Hätte, hätte, Fahrradkette" (nach einem bekannten Politiker).

Als Beispiel hier eine Paketkarte aus Berlin nach Danzig mit 50 Pfg. Verzollungsgebühr in Portomarke verklebt (gängige Praxis in Danzig).



Schönen Abend.
Jochen
 
bayern klassisch Am: 05.02.2014 09:59:53 Gelesen: 444547# 319 @  
... and now for something completely different ... (Monthy Python)

Liebe Sammlerfreunde,

für die älteren von uns sind auch Briefe interessant, die während politisch problemhafter Zeiten nicht direkt, sondern über "Umwege" versendet wurden. Einen solchen Fall haben wir hier vorliegen.



Ein Brief wurde am 10. Februar 1808 in Basel geschrieben. Dort hätte man ihn nach Spittal in Österreich auch aufgeben können, doch das wollte man nicht. Statt dessen (wie?) transportierte man ihn nach München zur Firma Seb(astian) Pichler seel(ige) Erben, wie man siegelseitig lesen kann. Da man dies lesbar aufschrieb, gehe ich davon aus, dass er einem Reisenden mitgegeben oder einem anderen Handelshaus in München in einem anderen Brief versteckt zusandte.

Dort gab man den Brief nicht nur einfach auf, denn Briefe nach Österreich unterlagen ja dem Frankozwang, so dass die Firma Pichler ihn bis zur Grenze (gewünscht war vom Absender "p(er) Linz" mit 4x frankierte (die zuvor notierten 6x wurden wohl abgestrichen, weil der Brief nur bis 1/2 Münchener Loth gewogen hatte und nicht bis 1 Loth).

Ab der Grenze wurden 24x CM notiert, die der Empfänger, Herr Gottlieb Weinmeister, zahlen durfte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Meinhard Am: 05.02.2014 10:58:41 Gelesen: 444536# 320 @  
Hallo bayern klassisch,

kannst Du den Brief übersetzten, würde mich sehr interessieren, da es meine Heimatstadt ist.

Liebe Grüße, Meinhard
 
bayern klassisch Am: 05.02.2014 11:59:18 Gelesen: 444523# 321 @  
@ Meinhard [#320]

Ich kann leider etliches nicht lesen, sehe nur, dass es um Warentransporte geht. Vielleicht kann Rolf mehr heraus bekommen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 13.02.2014 10:11:10 Gelesen: 444131# 322 @  
@ bayern klassisch [#309]

Liebe Sammlerfreunde,

es ist mir gelungen, und daran zu glauben wäre vermessen gewesen, das Gegenstück zu dem Brief [#309] zu finden, auch wenn es nicht gerade eine Schönheit ist - jetzt also von Bayern innerbayerisch und ausgetragen nach Österreich.



Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 24.02.2014 20:30:37 Gelesen: 443287# 323 @  
Liebe Sammlerfreunde,

einen schnuckeligen Damenbrief, geschrieben aber von einem Herrn in Bayern an seinen Bruder Edwin Seyssel d´Aix nach Bamberg, kann ich mit einer 4II Platte 1 und geschlossenem Mühlradstempel 281 von Regensburg als Sondertype (der große Regensburger) zeigen.



Wer Genealoge ist, darf sich an dieser Familie gerne gütlich tun - einer war sogar Chef der Leibwache eines bayer. Königs, andere hohe Militärs mit Kriegserfahrung - ein Dorado für den Forscher in Bayern.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 27.02.2014 09:52:28 Gelesen: 443171# 324 @  
Liebe Sammlerfreunde,

ein weniger attraktiver Brief darf ob seiner Besonderheit auch hierher.





Geschrieben wurde er in Wunsiedel am 14.2.1853, zur Post gebracht aber erst 2 Tage später in Passau (Wunsiedel - Passau 195 km). Gerichtet war er an Herrn Stuhlberger in Ering ("Ehring") bei Simbach am Inn. Die Entfernung von Passau nach Simbach betrug nur 47 km. Daher frankierte man in Passau nur mit 3 Kr. bis 12 Meilen, die ausreichten.

Hätte man ihn bereits in Wunsiedel zur Post gegeben, hätten man mit 6 Kr. (über 12 Meilen) frankieren müssen.

Ein konzessionierter Bote lief am 18.2. von Simbach aus in das ca. 10 km entfernte Ering und setzte für seinen Marsch entlang des Inns 2 Kr. mit Bleistift an.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 01.03.2014 12:44:13 Gelesen: 442985# 325 @  
Liebe Sammlerfreunde,

heute zeige ich drei Ganzsachenumschläge.



Der erste zeigt sich sehr hübsch und lief von Nürnberg nach Hamburg am 29.4.1870; schöner Standard eben.



Der zweite zeigt, dass Stress keine Erfindung späterer Jahrhunderte war und ist hinsichtlich seiner Aufgabe, Leitwegs und Datums leider (oder Gott-sei-Dank?) nicht zuordenbar.



Der dritte war damals eher im Ärger geschrieben worden, zaubert uns heute aber ein Lächeln aufs Gesicht, schrieb doch der Absender in Neumarkt auf seinen Brief an das Freifräulein (an die Baronin) Eleonore von Schleich: "Sollte dem Absender ein weiterer Brief auf der Route Passau verloren gehen, so wird selber beim K. Oberpostamte Klage stellen".

Offenbar war der 34. Brief dieser Korrespondenz abhanden gekommen, so dass der Absender diesen nun mit 34 1/2 betitelte. Den 35. suche ich noch ...

Da war der Wunsch der Vater des Gedanken, denn der Verlust einer nicht qualifizierten Postsendung (hier: gewöhnlicher Brief) war nicht reklamationsfähig.

So sind auch kleine Stücke schön, fehlerhaft oder interessant, jedenfalls nach heutiger Sichtweise.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 04.03.2014 14:30:47 Gelesen: 442764# 326 @  
Liebe Sammlerfreunde,

der geneigte Bayern - Sammler kennt Briefe an und von dem kgl. bayer. Advocaten Götz aus Landshut bestens, weil diese Korrespondenz äußerst ergiebig ist und Tausende von Briefen (mehr an ihn, als von ihm natürlich) bekannt sind und es gibt sogar, vlt. einmalig bei Bayern, Sammler, die speziell Briefe seiner Korrespondenz kaufen.

Dergleichen trifft auf mich nicht zu, aber einen interessanten Götz - Brief verschmähe ich natürlich nicht.



Ein Kanzlist des Adv. Götz schrieb einen Brief am 19.1.1868 in Landshut an "Herrn Sebastian Eisenberger, Hausbesitzer und Zimmermann in Dingolfing". Götz notierte mit "851" selbst die Nummer der Akte in seiner typisch (fast schon infantilen) Schrift und mit 3 Kr. frankiert ging er ab.

Er kam auch an und zwar am nächsten Tag, doch konnte dort keine Zustellung erfolgen. Der Grund hierfür war eigentlich auf der Siegelseite zu vermerken - hier schrieb der Postbote adressseitig das folgende auf: "abgereist unbekannt wohin Ziegler Postbote".

Da er nicht befugt war, Adressen zu korrigieren, machte dies sein Vorgesetzter, der Postexpeditor von Dingolfing, indem er Dingolfing strich und der Ort der Aufgabe "Landshut" mit blauem Stift deutlich notierte.

Wiederum einen Tag später kam der Brief dort an und wurde seinem Absender zugestellt, weil man wohl a) die Handschrift bzw. den Vermerk von Götz kannte, oder b) das Wachssiegel mit J. Götz, K. Advo... gut lesen konnte.

Es ist erstaunlich, dass er nicht zugestellt werden konnte, weil "Hausbesitzer" nur ganz selten "unbekannt verzogen". Die damalige Mobilität war, von Auswanderern mal abgesehen, eine im Vergleich zu heute eher geringe und oft starb man auch in dem Haus, in dem man geboren worden war.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Altdeutschland Am: 04.03.2014 16:31:11 Gelesen: 442744# 327 @  
Hallo zusammen,

nichts weltbewegendes diese EF der Nr. 14 auf einer Drucksache nach Dietmannsried, jedoch sehr schön erhalten und Drucksachen haben für mich bei Altdeutschland immer eine besondere Anziehungskraft.



Das fand Herr Sem auch.



Viele Grüße
Altdeutschland
 
bayern klassisch Am: 04.03.2014 18:30:48 Gelesen: 442726# 328 @  
@ Altdeutschland [#327]

Ein schönes Stück aus bekannter Korrespondenz (Käsehändler), das auch von hinten einen sehr guten Eindruck hinterlässt.

In den letzten beiden Rundbriefen der ARGE Bayern klassisch e. V. habe ich einen größeren, zweigeteilten Artikel über Drucksachen geschrieben, der dich sicher interessieren dürfte, wenn du Drucksachen so sehr magst, wie ich - eine weit unterschätzte Versendungsform. Vielleicht kannst du in einer philatelistischen Bibliothek mal Einsicht nehmen - es würde dir gefallen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Altdeutschland Am: 04.03.2014 18:38:56 Gelesen: 442722# 329 @  
@ bayern klassisch [#328]

Danke für den Hinweis. Drucksachen sind unterschätzt. So richtig bewußt geworden ist es mir, als ich vor Jahren immer wieder einen Sammler aus dem Norden von Deutschland auf Ausstellungen traf. Er hatte mehrere Ausstellungssammlungen zur Drucksache beginnend beim Norddeutschen Postbezirk bis zur INFLA Zeit meine ich.

Viele Grüße
Altdeutschland
 
bayern klassisch Am: 04.03.2014 19:18:31 Gelesen: 442707# 330 @  
@ Altdeutschland [#329]

In meinem Aufsatz wirst du nur Drucksachen mit bayerischem Bezug sehen: Von Bayern, nach Bayern oder durch Bayern - aber nur bis 1875.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 18.03.2014 16:43:41 Gelesen: 442084# 331 @  
Liebe Sammlerfreunde,

simple Briefe sind eigentlich nicht so ganz mein Metier - warum wohl kauft man dann aber einen solchen?



Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Altdeutschland Am: 18.03.2014 17:28:09 Gelesen: 442078# 332 @  
@ bayern klassisch [#331]

Ohne Bayern Experte zu sein oMR auf Nr. 2 I.

Liebe Grüße
 
rostigeschiene Am: 18.03.2014 18:11:22 Gelesen: 442071# 333 @  
An der Nr. 2 kann es nicht liegen. Die verwendete Marke ist eine 2 II. Vielleicht liegt es an dem Vermerk unten links.

Werner
 
bayern klassisch Am: 18.03.2014 19:32:09 Gelesen: 442055# 334 @  
@ rostigeschiene [#333]

Hallo Werner,

du hast Recht - dort steht: "franco m(ittelst) 2 Marken". Einen derartigen Vermerk, der die Anzahl der verwendeten Marken aufzählt, habe ich noch nie gesehen und das von ganz Altdeutschland nicht.

Sollte jemand einen Brief haben, der vergleichbares zeigt, würde ich ihn gerne sehen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
rostigeschiene Am: 18.03.2014 22:37:54 Gelesen: 442027# 335 @  
@ bayern klassisch [#334]

Hallo Ralph,

wer Dich und Dein Sammelgebiet kennt, oder die von Dir in den verschiedenen Foren geschriebenen Beiträge verfolgt, weiss, dass es nicht um die verwendeten Marken gehen kann.

Es geht fast immer um außergewöhnliche Versendungsformen, Transportwege oder Porti resp. Francobeträge.

Leider habe ich keinen vergleichbaren Brief, den ich hier zeigen könnte.

Werner
 
bayern klassisch Am: 19.03.2014 06:25:53 Gelesen: 442001# 336 @  
@ rostigeschiene [#335]

Hallo Werner,

mit dem "Statement" hast du wohl Recht - ich finde immer mal interessante Sachen bei Bayern, die jenseits des üblichen liegen, darum aber nicht teuer sein müssen oder bei vielen anderen Begehrlichkeiten auslösen.

Bei dem Versuch der Dokumentation, was unsere Ur-Ur-Großväter so alles geschrieben, verschickt oder gemacht haben, gibt es viele Teilaspekte, die sich zu untersuchen lohnt - der Michelkatalog hilft da nicht.

Von daher sehe ich den Titel dieses Threads etwas lockerer und zeige neben schönen auch interessante und auffällige Briefe, stets in der Hoffnung, dass der ein oder andere dadurch bei seiner Art zu sammeln auch etwas über den (Katalog-)Tellerrand schaut. Es lohnt sich auf alle Fälle. :-)

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Altdeutschland Am: 26.03.2014 16:56:57 Gelesen: 441577# 337 @  
Hallo zusammen,

ich bin wie gesagt kein Spezialist für Bayern vermute aber das der nachstehende Ortsbrief aus 1872 mit der Nr. 22 aus Augsburg an einen Gerichtsvollzieher nicht zu den Alltäglichkeiten gehört. Reizvoll finde ich auch den Stempelabschlag vom Bahnhof in einer für mich ungewöhnlichen Farbe. Ob das hier stimmt, weiß ich nicht.



Viele Grüße
Altdeutschland
 
bayern klassisch Am: 26.03.2014 18:07:14 Gelesen: 441558# 338 @  
@ Altdeutschland [#337]

Dein Ortsbrief zeigt einen Stempel der Type 13, wie ich ihn kaum einmal gesehen habe. Er soll 1872 das zeitliche gesegnet haben, was mich bei dem perfekten Abschlag auf deinem Briefchen verwundert, denn er hinterlässt bei mir einen frischen und kaum gebrauchten Eindruck.

Die Farbe, welche in Bayern für 1872/73 zwar verboten war, aber ebenso häufig vor kam, passt. In der Primärliteratur ist über ihr Aufkommen ab Ende 1871 nichts zu finden; in der Sekundärliteratur liest man, dass es Stempelkissen der Telegraphenämter gewesen wären, die man bei den Briefpostexpeditionen eingesetzt hätte. Das halte ich für - mit Verlaub - Blödsinn, denn ich konnte nachweisen, dass es Orte gab, wo mit dieser Farbe gestempelt wurde, die überhaupt keinen Zugang zu einem Telegraphenamt hatten. Die Ursprünge bleiben also in Dunkeln.

Ein hübsches Briefchen, keine Rarität, aber schön zu sehen - vielleicht macht es bei dir Geschmack auf mehr von Bayern? Ich würde mich freuen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Altdeutschland Am: 27.03.2014 13:20:36 Gelesen: 441506# 339 @  
@ bayern klassisch [#338]

Danke für die Erläuterungen.

Lust auf Bayern ist nicht das Problem.

Viele Grüße
Altdeutschland
 
bayern klassisch Am: 31.03.2014 21:28:19 Gelesen: 441277# 340 @  
@ Altdeutschland [#339]

Wenn Lust nicht das Problem ist, hilft deiner Motivation vielleicht dieser Brief etwas weiter.



Von der Pfalz in die Schweiz kenne wir zahlreiche 12x Frankaturen, nämlich 9x für Bayern und 3x für die CH. Mit 15x Franki wird es da schon merklich dünner, denn die Masse der CH - Korrespondenten residierten nahe der deutschen Grenzen und weniger im Hinterland oder der welschen Schweiz.

Heute zeige ich einen solchen Brief aus Bad Dürkheim vom 16.3.1855, der über Ludwigshafen - Mannheim - Karlsruhe nach Basel lief, wo er am 17.3. schon eintrudelte. Innerhalb von 24 Std. in der Schweiz zu sein Mitte der 1850er Jahre war das alleinige Verdienst der badischen Bahnposten, welche hervorragend abgestimmt waren und erstklassig arbeiteten.

Schon am Folgetag war er in Langnau und wurde dem Empfänger, der W(ittw)e Joost zugestellt.

Gebührenaufteilung: 9x Bayern, Baden nichts, 6x die Schweiz. Da Bayern an Baden das Weiterfranko, hier erst gar nicht ausgewiesen, zu vergüten hatte, hatte die badische Bahnpost dieses ungeschmälert an die Basler Post zu überweisen.

Im Falle eines Retourbriefes hätte die Schweiz 6x bekommen und Baden 9x; dann wäre Bayern leer ausgegangen, aber so einen suche ich noch mit schönen Rayonmarken.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 09.04.2014 13:41:20 Gelesen: 440770# 341 @  
Liebe Sammlerfreunde,

ein Brief aus Straubing war einst nach Griesbach unterwegs gewesen und hatte einen wichtigen, gerichtlichen Inhalt (Kuratel - Sache). Das königliche Landgericht Straubing wollte über die ordnungsgemässe Zustellung vom Landgericht Griesbach durch eine vollzogen Recepisse Kenntnis erlangen. Diese Recepisse, abgeschickt am 2.10.1866, war keine postalische beauftragte, welche 6x für den Expeditor gekostet hätte, sondern eine private, welche als Partei - Sache mit 3x Stempelpapier und einer Frankatur von 3x in Marke letztlich aber genau so teuer war.



Solche Recepissen, die als unscheinbare Briefe von außen wenig spektakulär wirken, sind gar nicht mal so selten, aber finden muss man sie halt erst einmal, denn von außen sieht man ihr Inneres nicht. Auch wenn es nebensächlich ist, aber eine breitrandigere Nr. 9 muss man erst einmal auf Normalbrief finden, zumal vom Rand und der klare Stellschraubenabdruck mach auch was her.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 10.04.2014 18:15:18 Gelesen: 440697# 342 @  
Liebe Sammlerfreunde,

wenn sich in einer Woche zwei schöne Stücke ergattern lassen, soll man sie auch zeigen. :-)



Etwas kurios ist, dass der Absender Johann Petermichl in Holzkirchen (über den ich nichts bei google heraus finden konnte) seinen Brief vom 28.12.1854 in Waldmünchen an der Grenze Bayerns zu Böhmen aufgab, denn dieser Ortswechsel hatte keinerlei Auswirkungen auf die Höhe der Gebühren - es blieb bei 9 Kr. für Bayern als Postvereinsbrief über 20 Meilen.

Kurios ist die Leitung - statt via Passau und Wien nach Pest (heute: Budapest)zu laufen, sandte ihn die bayerischen Post über Hof, Leipzig und Bodenbach nach Prag, bis wohin die "neue" Eisenbahnlinie "Bodenbach 3" für einen schnellen Transport sorgte.

Am 2.1.1855 war er dann in Pest - für die damalige Zeit eine sehr zügige Verbindung, die mit Kutschen und Pferden einfach nicht zu realisieren war, zumal die Witterungsbedingungen eine Reise per Kutsche wohl kaum erstrebenswert machten.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Altdeutschland Am: 11.04.2014 12:14:32 Gelesen: 440640# 343 @  
@ bayern klassisch [#342]

Hallo zusammen,

paßt nicht so ganz zum Titel "Schöne Belege" - Briefbuf + 3 Kr. unten angeschnitten - paßt aber doch zum letzten Brief mit der Destination Pest (Budapest). Nachstehender Brief stammt aus 1863.



Aufgegeben am 25. September und zugestellt am 27. September.

Viele Grüße
Altdeutschland
 
bayern klassisch Am: 11.04.2014 12:22:24 Gelesen: 440637# 344 @  
@ Altdeutschland [#343]

Hallo,

eine Farbfrankatur schmeichelt immer dem Auge, worauf man dann nicht mehr so genau auf Büge oder ähnliches schauen sollte.

Man beachte die unterschiedliche Leitung, denn aus Nürnberg und Fürth gab es zu dieser Zeit auch noch Leitungen über Sachsen und Bodenbach - Prag.



Am 6.8.1869 ging ein bis 1 Loth schwerer Brief auf eine lange Reise von München nach San Francisco. Am 3.9.1869 kam er dort auch an. Man kann sich heute kaum noch vorstellen, was solch eine Beförderung für eine Mühe und auch eine große Gefahr war.

Der Absender zahlte 14 Kr., wovon 3 Kr. bei Bayern verblieben und 3 Silbergroschen (11 Kr.) an fremde Posten abzuführen waren.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
LK Am: 11.04.2014 13:36:59 Gelesen: 440619# 345 @  
@ bayern klassisch [#344]

Hallo,

schönes Stück.Nur Briefvorderseite ?

Wenn komplett bitte auch die Rückseite zeigen.

Die kurze Beförderungszeit lässt auf Atlantiküberquerung mit Dampfer schließen und Weitertransport mit der Transkontinentalen Eisenbahn zumindest bis Sacramento.

Bis zum Ende des Bürgerkrieges wäre der Weg viel abenteuerlicher gewesen und hätte doppelt so viel Zeit beansprucht.

Gruß

LK
 
bayern klassisch Am: 11.04.2014 13:45:26 Gelesen: 440611# 346 @  
@ LK [#345]

Hinten leider blank, wie so viele späten USA - Briefe aus Altdeutschlasnd.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 16.04.2014 10:15:52 Gelesen: 440410# 347 @  
Liebe Sammlerfreunde,

kuvertierte Briefe findet man ab und an mal - aber einen solchen mit anhängendem Muster ohne Wert wird man schon ein wenig länger suchen müssen. Die wunderbare Bucht hat mir solch eine Rosinchen ins Album gespült und ich will ihn gerne hier zeigen.



Geschrieben wurde er am 6.4.1867 in Frankfurt am Main von der Firma Spengel und Compagnie. Der Empfänger war J. L. Kneitz in Kulmbach. Zur Post gegeben wurde er aber am 8.4. in Nürnberg, wo offenbar ein sehr guter Kunde der Fa. Spengel Briefe für andere bayer. Kunden residierte.

Daher sparte man sich satte 6x bei dieser innerbayerischen Postaufgabe, denn Frankfurt am Main und Kulmbach lagen über 20 Meilen auseinander.

Dem Brief, siehe Inhalt, war ein Caffee - Muster angehängt worden, welches leider heute nicht mehr vorhanden ist. Hätte meine Frau den Brief von der Post abgeholt, wäre ich mir nicht sicher, dass es vlt. doch dabei gewesen wäre.

Jedenfalls wogen Brief und Muster zusammen unter 1 Loth (16,66g), so dass die 3x reichten (ab 1.8.1865-31.12.1867).

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 18.04.2014 13:35:12 Gelesen: 440256# 348 @  
Liebe Sammlerfreunde,

vlt. kann ich mit der eingefügten Seite meiner kleinen Ausstellungssamlung Bayern - Schweiz 1806-75 den ein oder anderen animieren, auch mal auszustellen? Muss ja nicht Bayern sein, es gibt ja so viele lohnenswerte Bereiche, die würdig sind, der Öffentlichkeit gezeigt zu werden.



Beim oberen Brief aus Deidesheim geht es um die Leitung von Briefen der Pfalz über das Dt. Reich nach der Schweiz.

Beim unteren vom rechtsrheinischen Bayern ab Erkheim "direct" über Württemberg und das Reichsgebiet nach Basel, was nicht so häufig ist.

Ich hoffe, die Seite vermag zu gefallen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Bayern-Nerv Am: 18.04.2014 17:24:02 Gelesen: 440225# 349 @  
Hallo zusammen,

@ bayern klassisch

eine sehr ansprechende Seite!

Hier von mir 2 Briefe aus der Mühlradstempelsammlung.



Schöne Grüße
Bayern-Nerv
Volker
 
bayern klassisch Am: 18.04.2014 18:06:21 Gelesen: 440214# 350 @  
@ Bayern-Nerv [#349]

Hallo Bayern-Nerv,

die Seite sieht aber auch klasse aus! Vor allem der Brief nach Kreuzhütte in Österreich mit Botengang von Waldmünchen ist ein Hingucker!

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 20.04.2014 13:45:12 Gelesen: 440093# 351 @  
Liebe Sammlerfreunde,

worin liegt die Besonderheit bei diesem Brief vom 1.2.1847?



Gute Augen braucht man schon.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
reichswolf Am: 20.04.2014 13:51:10 Gelesen: 440091# 352 @  
@ bayern klassisch [#351]

Was steht denn da wohl unter dem linken CBR3-Stempel? Wurde da eine falsche Angabe korrigiert?

LG und frohe Ostern,
Christoph
 
abrixas Am: 20.04.2014 14:00:43 Gelesen: 440086# 353 @  
@ bayern klassisch [#351]

Servus Ralph,

meine Brillenputztücher sind aufgebraucht! Ich sehe nichts als nicht ganz perfekt abgeschlagene und daher leicht unleserliche Stempel! Ich bin auf des Rätsels Lösung schon gespannt!
 
bayern klassisch Am: 20.04.2014 14:06:12 Gelesen: 440083# 354 @  
@ reichswolf [#352]

Lieber Christoph (Adlerauge),

da ist tatsächlich ein Stempel unter dem C.B.R.3. - aber welcher?

Nun ja, viele Stempel mit 3 Buchstaben gab es in Bayern damals nicht.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 20.04.2014 14:06:57 Gelesen: 440082# 355 @  
@ abrixas [#353]

Lieber abrixas,

auch du bist nah dran - einfach mal an Österreich denken.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
kreuzer Am: 20.04.2014 14:53:07 Gelesen: 440077# 356 @  
@ bayern klassisch [#354]

Hallo bayern klassisch,

hat sich da ein BOC-Stempel auf den Brief verirrt?

Viele Grüße

kreuzer
 
bayern klassisch Am: 20.04.2014 15:25:02 Gelesen: 440069# 357 @  
@ kreuzer [#356]

Schiff versenkt! "What an eye he has", sagt der Franzose. :-)

Die Überstempelung des B.O.C. (Bayerisch Oesterreichische Correspondenz) war nicht sehr gut gelungen, so dass er seinen Vertragsstempel C.B.R.3. (Correspondance Bavaroise Rayon 3) nochmals daneben abschlug.

So entstand ein ungewöhnlicher Brief, der noch dazu im doppelten Gewicht war und 26 Decimes Porto kostete.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 07.05.2014 15:46:24 Gelesen: 439052# 358 @  
Lieber Sammlerfreunde,

heute kam mir ein Stück zu, das etwas außergewöhnlich ist.



Eine markenlose, bayerische Correspondenz - Karte ziert eine 5 Neukreuzer Österreich Marke, die am 5.5.1872 im österreichischen Eger aufgegeben wurde. Gerichtet war die Karte an die Fa. Köhler, Glasfabrick in Leipzig.

Hier dir Rückseite der Karte.



Der Absender schreibt der Firma Köhler folgendes: "Schleiz, Hof, Asch, jetzt gehe ich nach Eger. Briefe treffen mich in Regensburg. Post restande ..."

Man sieht hier ganz klar, dass ein Reisender in Glaswaren das Reich, Bayern und Österreich bereiste, um Geschäfte zu machen. Vermutlich hatte er sich im bayerischen Hof ein paar Karten mitgenommen und verklebte dann jeweils die Marken des Landes, in dem er sich gerade aufhielt.

In jedem Fall gibt es praktisch kaum einmal bayerische Vordrucke mit Fremdmarken und der schnuckelige Fingerhutstempel von Eger ist für mich immer eine kleine Augenweide.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 10.05.2014 10:01:03 Gelesen: 438796# 359 @  
Liebe Sammlerfreunde,

heute zeige ich ein Stück, das man nicht an jeder Ecke findet.





Das bedeutende Verlagshaus G. J. Manz in Regensburg sandte am 9.8.1852 eine mit einer Nr. 3Ia frankierte Drucksache offen an "Seiner Hochwürden Wohlgeboren Herrn Candjutar Th. Weber franco Theissendorf bei Salzburg".

Der Inhalt war für den Empfänger etwas weniger erfreulich, denn er sollte als Subscribent auf das Buch "Geist der christlichen Ueberlieferung" als 2. Band mit 2 Gulden in Vorlage treten, was ihm offensichtlich nicht passte.

Er vermerkte daher im Inneren der Drucksache folgendes: " Der Unterzeichnete hat von diesem Werke nie eine Lieferung erhalten, da er nicht Subscribent ist, und verwahrt sich gegen alle weitere Sendung dieses Werkes. In Hochachtung Einer hochlöblichen Buchhandlung - Theodor Weber Coadjutor".

Nun frankierte er mit einer 1I auf der umgefalteten Rückseite und sandte die DS dem Verlagshaus Manz zurück.

Offenbar war man in Teisendorf, welches natürlich in Bayern liegt und nicht in Österreich, in Anbetracht des Absenders so hingerissen, dass man den Inhalt erst gar nicht kontrollierte und so einen Brief abliess, der nur mit 1x frankiert worden war. Am 13.8.1852 gab es dort einen schönen Abschlag des Mühlrades 343 und am 15.8.1852 erreichte das gute Stück die Firma Manz, welche ihre weiteren, geschäftlichen Tätigkeiten mit diesem Kunden daraufhin vermutlich eingestellt haben dürfte.

Viele Nach- bzw. Rücksendungen mit schwarzen Einsern fallen mir auch nach längerer Überlegung nicht ein, von dem Brief an Sattler - Schweinfurt - aus Bad Kissingen, den Peter Sem verauktioniert hat, mal abgesehen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bignell Am: 10.05.2014 11:41:08 Gelesen: 438772# 360 @  
@ bayern klassisch [#359]

Hallo BK,

herzlichen Glückwunsch zu diesem Ausnahmestück, beide Marken überrandig, optisch perfekt komponiert und eine interessante Geschichte auch noch, das findet man schwer.

Lg, harald
 
bayern klassisch Am: 10.05.2014 17:49:17 Gelesen: 438696# 361 @  
@ bignell [#360]

Hallo Harald,

vielen Dank für die netten Worte - schön, wenn dir das Stück gefällt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Mondorff Am: 10.05.2014 18:31:11 Gelesen: 438685# 362 @  
@ bayern klassisch [#361]

So 'was kann's nur ein Mal geben!

Gratulation
DiDi
 
bayern klassisch Am: 10.05.2014 19:17:35 Gelesen: 438676# 363 @  
@ Mondorff [#362]

Hallo DiDi,

mit deiner Meinung stehst du sicher nicht allein - ich habe so etwas in fast 35 Jahren auch noch nicht gesehen.

Danke für deinen netten Kommentar. :-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
doktorstamp Am: 13.05.2014 13:46:35 Gelesen: 438477# 364 @  


Nachnahme Belege sind an sich keine Seltenheiten. Aber wie viele aus dem Britischen Konsulat zu Nürnberg es geben dürfte, vermag ich nicht zu schätzen.

Brief 20-250g 20Pfg
Einschreibgebühr auch 20Pfg
Vorzeigegebühr 10Pfg

Dieser Beleg wird demnächst meine NN Sammlung zieren.

mfG

Nigel
 
doktorstamp Am: 13.05.2014 13:57:06 Gelesen: 438473# 365 @  


Vorderseite



Und die Rückseite

Ein Ortswertbrief, die auch nicht an jeder Ecke zu finden sind.

Wohl gehört dieser Brief zur zweiten Gewichtsstufe bis 250g, da Umschlag samt Siegel noch so seine 30g haben.

Mit den Gebührentafeln aus Michel tue ich mich schwer die Gebührenzusammensetzung zu erraten.

Bis 10 Meilen und bis 600Mk waren 95Pfg fällig, jede weitere 1.000Mk erforderte 40Pfg, erbringt 175Pfg, verklebt sind 170Pfg. Das Postler sich verrechnen ist bekannt, ob das hier der Fall ist?

Und was die Stempel betrifft da scheint in München die Tusche ausgegangen zu sein.

Um eine Berichtigung oder Bestätigung wäre ich sehr dankbar.

mfG

Nigel
 
bayern klassisch Am: 13.05.2014 14:02:56 Gelesen: 438471# 366 @  
@ doktorstamp [#364]

Lieber Nigel,

schön zu sehen, dass man auch auf der schönsten Insel der Welt Bayern sammelt. :-)

Bei dem Stück ist aber m. E. das besondere die Mischfrankatur wertstufengleich der 10 Pfg. Werte. Gerade beim echten Bedarf wie hier ist das nicht häufig und wunderschön ist der Brief ja so wie so. Herzlichen Glückwunsch zu dieser Rosine.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
stampmix Am: 13.05.2014 14:30:07 Gelesen: 438459# 367 @  
@ doktorstamp [#365]

Nach Reichsposttarif richtig frankiert mit:

Ortsbrief 67gr. - 20Pf
Wertbrief 3000M - 70Pf + 2*40Pf

Gesamtporto 170 Pf.

Der Unterschied im Tarif 1.10.19 Bayern/Reichspost liegt nur im Wertbrief- und Nachnahmeporto.

Vielleicht wurde in Bayern im Dezember 1919 der Reichsposttarif angewandt? Hier müsste noch recherchiert werden.

M.E. müsste das bayerische Porto 20Pf. + 95Pf. + 3*40Pf = 235Pf. betragen.

beste grüsse
stampmix
 
bayern klassisch Am: 21.05.2014 11:11:20 Gelesen: 437893# 368 @  
Liebe Freunde,

nach Nigels vorzüglichem Ausritt in die Semiklassik hier nun wieder eine olle Kamelle, die es aber doch in sich hat.



Am 6.10.1823 gab das K. B. Stadtgericht Erlangen einen Brief auf, der nicht so ganz zu den damals geltenden Vorschriften für Dienstbriefe passen will. Zwar war er mit dem Dienstsiegel verschlossen worden, zeigte auch die vorgeschriebene Expeditions - Nummer an ( 90), aber oben auf der Adressseite hatte man sich nicht benannt und ob es eine kostenpflichtige Partei - Sache oder eine kostenlose Regierungs - Sache war, ging auch nicht aus dem guten Stück hervor.

Dennoch hat die dortige Poststelle das alles hingenommen, wie auch immer, denn der Brief war ja schon 3 Tage zuvor geschrieben worden!) und den Brief recommandirt, obwohl auch dazu jeder Vermerk auf dem Brief selbst fehlt. Listigerweise hat man den Aufgabestempel in schwarz, den sehr wichtigen Chargé - Stempel aber in rot abgeschlagen, damit der Brief ja nicht zu den gewöhnlichen gelegt werden sollte. Eine Reco - Nr. wurde aber niciht gezogen, so dass es wohl auch keinen Postschein dafür gegeben haben dürfte.

Es wurde auch eine "4" notiert, aber die wäre mit einem Porto zu verwechseln gewesen, denn der Adressat war "der Kaiserlich Königlich Oesterreichische Kämmerer Herr Franz Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg in Weißenfels" gewesen, also beileibe kein "Niemand" in der damaligen Zeit.

Streng verboten war es alles Aufgabeposten, Recommandationsgebühren, die natürlich allein der Absender zu entrichten hatte, dem Empfänger anzulasten. Doch gab es ein paar Fälle, in denen eine Behörde unter Recommandation zu versenden hatte, aber die Reco - Kosten dafür nicht abschreiben bzw. aufzubringen gewillt war. In diesen Fällen versuchte man die Aufgabepost dazu zu bewegen, diese 4x damals vom Empfänger einziehen zu lassen. Daher vermerkte die Aufgabepost "4 kr. Rec. Gebühr" und stellte sie Weißendorf in Rechnung, wo sie auch sicher bezahlt wurden.



Transkription des Inhalts:

"Von Königlich Bayerischen Kreis- und Stadtgerichts wegen wird dem Kaiserl. Königlich Oesterreichischen Kämmerer, Herrn Franz Ludwig Freiherrn von und zu Guttenberg in Weißendorf, in Sachen von Guttenberg gegen Mattmann anher gelangten und unterm 27.ten September heurigen Jahres publizirten Oberappellationsgerichts Erkenntnis, in der Anlage die erbettene Abschrift mitgetheilt. Gez. Utnerschrift".

Eine eindeutige und, wie ich finde, sehr attraktive Form einer Contravention, die bisher keine 10 Mal vorgelegen hat.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 03.06.2014 16:08:07 Gelesen: 437222# 369 @  
Liebe Sammlerfreunde,



die Nr. 9 ist ja nun wirklich mit der Nr. 2 und Nr. 4 DIE Massenmarke unter den Quadratausgaben Bayerns - und dennoch muss man schon einige Zeit suchen, um einen wirklich höchsten Anforderungen entsprechenden Brief zu finden, so wie den hier, der mir vor 25 Jahren so gut gefallen hat, wie heute. Danke an den Expeditor!

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 03.06.2014 17:27:37 Gelesen: 437204# 370 @  
@ bayern klassisch [#369]

Ich empfehle Dir aus Vorsichtsgründen die Fotoecke über der Marke zu entfernen, 2 oder 3 Fotoecken - wie hier möglich - genügen völlig. Außerdem sieht das hässlich aus.

Viele Grüße
Jochen
 
bayern klassisch Am: 03.06.2014 18:12:20 Gelesen: 437190# 371 @  
@ hajo22 [#370]

Hallo Jochen,

danke für den Tipp - hatte ich noch gar nicht drauf geachtet.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
BD Am: 04.06.2014 08:18:52 Gelesen: 437133# 372 @  
@ doktorstamp [#365]

Hallo Nigel,

leider ist mir keine Quelle bekannt, in der die Postgebühren Bayerns ab dem 1.10.1919 aufgeführt sind.

Bei der Portoerhöhung 1919 fürs Reich war der innere Verkehr in Bayern nicht inbegriffen. Also muß Bayern eine Extraverfügung getroffen haben. Kommen wir zum Michel-Postgebührenhandbuch. Über die Extraportostufen ab 6.5.1920 für Bayern kann man sich nur wundern, da gab es gar keine eigenständige bayrische Post mehr.

Betrachten wir 1.10.1919:

Das auch in Bayern die Versicherungsgebühr 40 Pf. pro 1000 Mark betrug ist sicher. Somit wären der Rest bei dem Beispiel von Wertbrief bis 600 Mark (95 Pf) 55 Pf. Dieses Beispiel mit 600 Mark wurde einfach weitergeschrieben, obwohl es in der Periode absolut unsinnig ist. Die 55 Pf. könnten sein:
Eine Wertbriefgebühr bis 10 Meilen von 55 Pf. oder Ortsbrief 25 Pf. plus Einschreibung 30 Pf.

Beides hätte 6 Monate später bei dem Übergang der bayrischen Post in die Reichspost eine Portoänderung für Wertbriefe in Bayern verlangt, die es nicht gab. Für mich ist sicher, das Porto in Bayern war gleich dem Reichspostporto ab dem 1.10.1919.

Dein Wertbrief:
Ortsbriefporto bis 250 gramm = 20 Pf.
Einschreibungsgebühr = 30 Pf.
Versicherungsgebühr = 1,20 Mark ( 3 *40 Pf. für 3000 Mark)
Gesamtporto: 1,70 Mark

Beste Grüße Bernd
 
bayern klassisch Am: 13.06.2014 12:10:40 Gelesen: 436664# 373 @  
Liebe Sammlerfreunde,

ein Brief aus 1860 mit einer 6 Kreuzer Marke birgt ein Geheimnis - aber welches?



Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Mondorff Am: 13.06.2014 13:57:45 Gelesen: 436647# 374 @  
@ bayern klassisch [#373]

Salue Ralph,

schöner Faltbrief.

frei
gegen Schein
Terminablauf
18. Mai


lese ich. Sollte dies das Geheimnis sein?

Das käme mir zu einfach vor.

Schönen Gruß
DiDi
 
bayern klassisch Am: 13.06.2014 14:55:59 Gelesen: 436634# 375 @  
@ Mondorff [#374]

Ja, das steht da, aber sein Geheimnis ist, dass es ein Expressbrief war. Diese waren lt. Verordnung von 1848 einzuschreiben (damit mussten sie, wenn sie portopflichtig waren wie hier, auch frankiert werden) und sofort bei der Ankunft zu expedieren.

Der Absender - ein königlicher Advocat - zahlte also 6 Kr. Franko, 6 Kr. Chargégebühr und 9 Kr. für den Expressboten.

Man achte auf das Aufgabedatum: 18.5., das heißt, die Post musste den Brief annehmen, eintragen, einen Schein lösen, verpacken, abschicken, dort dekartieren, austragen und einen Boten finden, der ihn sofort übernimmt und das alles innerhalb eines Tages.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 21.06.2014 15:02:41 Gelesen: 436198# 376 @  
Liebe Sammlerfreunde,

vor der ersten Express - Verordnung war dieses Thema keines, bei dem man seitens der Führung in München oder der Oberpostämter glaubte eingreifen zu müssen, denn was auf einer unteren Ebene (Poststall, Postamt, Postexpedition) statt fand, interessierte Mittel- oder gar Oberbehörden nicht die Bohne.

Daher waren alle Briefe mit entsprechenden Vermerken (Cito, Citissime, Sofort zu bestellen, per Expresse, dringend, Terminsache usw.) bei der Aufgabe ganz gewöhnlich zu behandeln, denn die expresse Bestellung interessierte ja nur die Abgabepost.

Anders war es bei dienstlichen Schreiben, die ja die quantitative Mehrheit damaliger Postsendungen darstellte und deren Charakter eine hin und wieder eine besondere Dringendheit denkbar erscheinen lässt.

Vor der Verordnung vom 19.5.1848 kenne ich nur die vom 16.4.1847, die sich auf den Wildwuchs der privaten Expressbriefe bezog. 1848 war geregelt worden, dass Dienstexpressbriefe, die durch die Absenderbehörde (also nicht durch die Post!) mit dem Vermerk "dringend, sehr dringend oder citissime oder einer anderen, die besondere Wichtigkeit der Sendung bezeichnenden Bemerkung zu versehen waren", von der Aufgabepost "ohne besonderes Verlangen" zu recommandiren waren" und bei der Abgabepost "unverzüglich, auch ausser den gewöhnlichen Bestellzeiten bei Tag und Nacht an die Adresse zu bestellen waren".

Was die Praxis angeht, zeigt sich, dass es mehrere Dienstbriefe gibt, die zwar die entsprechenden Vermerke aufweisen, aber NICHT recommandirt wurden.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten: 1. hat man seitens der Aufgabepost einen Fehler begangen und dies zu tun unterlassen, oder 2. hat man ihn, trotz Auszeichnung, nicht als Expressbrief angesehen, nicht recommandirt und auch bei der Abgabepost wie einen gewöhnlichen Brief normal ausgetragen.

Gegen letztere Variante spricht, dass praktisch alle von mir eingesehenen Dienstbriefe mit entsprechenden Vermerken einen Inhalt hatten, der ihre Dringlichkeit klar offenbarte, teils waren diese so wichtig, dass man in ihnen lesen konnte, dass sie per Expressen am Tage der Aufgabe bzw. am Tage des Abgangs auch noch zugestellt würden!

Des weiteren kann ich mir nicht vorstellen, dass die zahlreichen Beamten Bayerns, die ja bei allen möglichen Dienststellen tätig waren, zuhauf sinn- bzw. wirkungslose Expressvermerke kritzelten, die dann doch keine interessierten und ihren dienstlichen Interessen entgegenlaufen mussten, wenn die Briefe liegen blieben.

Aber darüber kann man auch gerne diskutieren.



Heute zeige ich einen Dienstbrief aus Neustadt an der Haardt von 1844 nach Deidesheim, der den Vermerk "R.S. dringend", also Regierungs - Sache dringend = Express trägt. Leider ist kein Inhalt mehr vorhanden, aber das Landcommissariat Neustadt war dem Bürgermeisteramt in Deidesheim natürlich weisungsbefugt, umgekehrt war das nicht so (der geneigte Postgeschichtler kann auch mal schauen, wer wem Expressbriefe zukommen ließ und wird feststellen, dass dies praktisch immer von oben nach unten oder auf gleicher hierarchischer Ebene geschah, aber so gut wie nie von unten nach oben, obwohl es dafür auch Möglichkeiten gab).

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
kreuzer Am: 21.06.2014 18:11:59 Gelesen: 436173# 377 @  
Hallo bayern klassisch,

die Beobachtung, dass Dienstexpressbriefe (wohl in der Mehrzahl) nicht recommandiert worden sind, kann ich nur bestätigen. Hierzu eine Seite aus meiner Postablagensammlung.



Viele Grüße

kreuzer
 
bayern klassisch Am: 21.06.2014 18:43:02 Gelesen: 436164# 378 @  
@ kreuzer [#377]

Hallo kreuzer,

eine schöne Seite und mit Postablagenstempel muss man das erst einmal zeigen können.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
kreuzer Am: 22.06.2014 21:02:20 Gelesen: 436058# 379 @  
Hallo zusammen!

Ab dem 01.07.1870 war es in Bayern gestattet, Post- bzw. Korrespondenzkarten zu verschicken. Anfangs war dies mit 3 Kreuzer ein recht teures Vergnügen, da für den gleichen Betrag auch ein Brief der ersten Gewichtsstufe hätte versendet werden können. Bei einem Brief konnte aber nicht jeder den Text lesen und die räumliche Beschränkung war auch nicht so gegeben, wie bei einer Postkarte.

Ab dem 01.01.1872 (bis 31.12.1875, Ende der Kreuzerzeit) kam es dann zu einer Verbilligung auf 2 Kreuzer, wie diese Korrespondenzkarte nach Mainz vom 28.01.1873, frankiert mit einem Paar der Nr. 22 Yb belegt. Aufgegeben wurde die Karte bei der Postablage Damm. Die zuständige Postexpedition Aschaffenburg stempelte am 29.1. Aufgabe. Siegelseitig ist ein Ausgabestempel vom gleichen Tag vorhanden.

Die Karte wurde vom Absender bei der Post gekauft. Es bestand auch die Möglichlkeit, die Korrespondenzkarte beim Landbriefträger zu erwerben. Die von diesem mitgeführten Karten Karten wurden aus Platzgründen üblicherweise in der Mitte gefaltet.



Viele Grüße

kreuzer
 
bayern klassisch Am: 14.07.2014 14:01:14 Gelesen: 434630# 380 @  
@ kreuzer [#379]

Hallo kreuzer,

ein wirklich tolles Stück, um das dich jeder Bayernsammler beneiden wird. Aber du hast ja noch viele andere, beneidenswert schöne Stücke in deiner Sammlung, die du in dieser Woche von Freitag bis Sonntag in Würzburg - Lengfeld dem interessierten Publikum zeigen wirst und ich freue mich schon jetzt auf ein Wiedersehen mit dir und deiner vorzüglichen Kollektion von bayerischen Postablagen. :-)



Interessant erschien mir dieser Brief aus dem Jahr 1851, bei dem die Aufgabepost in Würzburg die Jahreszahl nicht einsetzte, was ich so noch nie gesehen habe. Wer weitere Belege mit diesem Stempel hat, darf sie gerne zeigen. :-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
kreuzer Am: 16.07.2014 21:54:45 Gelesen: 434470# 381 @  
@ bayern klassisch [#380]

Hallo bayern klassisch,

freue mich auch auf ein Wiedersehen in Würzburg. Man muss allerdings auch erwähnen, dass neben vielen anderen schönen Sammlungen eine absolut sehenswerte Bayern - Schweiz Sammlung auf die Besucher wartet.

Viele Grüße

kreuzer
 
bayern klassisch Am: 22.07.2014 15:40:58 Gelesen: 434092# 382 @  
Liebe Sammlerfreunde,

heute zeige ich, wohl aus 1861, ein Damenbriefchen, das einen besonderen Verschluss bekommen hat und zwar ein Siegel mit Goldspänen. So etwas habe ich auch noch nicht gesehen und es deutet wohl auf ein hohes Maß an Zuneigung der Korrespondenten zueinander hin.



Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
kreuzer Am: 22.07.2014 21:13:53 Gelesen: 434055# 383 @  
@ bayern klassisch [#382]

Schönes Briefchen, kommt mir irgendwie bekannt vor. :-)

Schön ist auch die in blauer Tinte geschriebene Anschrift, was in dieser Zeit auch nicht so häufig ist.

Viele Grüße

kreuzer
 
bayern klassisch Am: 22.07.2014 21:18:04 Gelesen: 434052# 384 @  
@ kreuzer [#383]

Hallo kreuzer,

stimmt - kenne ich erst vereinzelt ab der Mitte der 1840er Jahre und setzte sich erst allmählich in den 1860er Jahren bei der Hautevolee durch, wurde aber nie wirklich populär (im Gegensatz zu vielem anderen damals).

Schön, wenn er dir noch geläufig ist. :-)

Ich hoffe, dass ich morgen die Dienst - Expressbriefe einstellen kann, sind ja auch ein paar.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 24.07.2014 13:28:29 Gelesen: 433914# 385 @  
Liebe Sammlerfreunde,

heute zeige ich eine U1 der Ausgabe vom Feb. 1869, die entzückendst adressiert wurde:



Herrn Georg von Zerzog Director der Saline Salzbronn bey Saaralbe Deutsch Lothringen. über Saarbrücken u(nd) Saargemünd.

Die Anschrift suggeriert eine Verwendung des Jahres 1871ff und siegelseitig findet man in französischer Schrift mit Graphit vermerkt: Le 9. Août 1871.

An dem Datum zweifle ich also nicht. Jedoch zeigt das Kuvert keine Stempel. Es wurde oben in typischer Weise geöffnet, so dass ich an echten Bedarf und keine sammlerisch indoktrinierte Herstellung unterstellen möchte.

Gemeint müsste dieser Ort sein:

http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=2&cad=rja&uact=8&ved=0CCsQFjAB&url=http%3A%2F%2Fde.wikipedia.org%2Fwiki%2FSarralbe&ei=NgzRU6W0Bqby7AaPioCAAw&usg=AFQjCNEBjTOR7F7t-YyZKlfBDzPi8_gN0w&sig2=UY13oAeLZSsAfPP3Z6jblA&bvm=bv.71667212,d.ZGU
 
bayern klassisch Am: 01.08.2014 14:26:18 Gelesen: 433237# 386 @  
Liebe Sammlerfreunde,

heute bekam ich das Pendant zu meinem "Altbrief", den ich schon über 25 Jahre hatte.

Beide aus Augsburg, einmal über die Schweiz nach Egg bei Zürich, einmal über das einheimische Oberstaufen. Letzteres dürfte die Regel gewesen sein, das andere ganz sicher nicht.



Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
sotos Am: 01.08.2014 18:50:10 Gelesen: 433205# 387 @  
@ bayern klassisch [#386]

Hallo bayern klassisch,

mir gefallen beide Briefe richtig gut. Aber der Oberstaufener ist sicher ein Schmankerl.

Habe auch zwei Briefe, die ich hier gerne zeigen werde, welche an die gleiche Anschrift gesandt wurden, der eine dürfte sogar von der gleichen Korrespondenz sein.



Der andere ist wie schon gesagt auch an den Herrn Caspar nach Egg adressiert, wurde jedoch von Kempten aus gesandt.



Grüße sotos
 
bayern klassisch Am: 01.08.2014 19:09:40 Gelesen: 433197# 388 @  
@ sotos [#387]

Hallo sotos,

so klein ist die Welt!

Der obere ist sicher aus der selben Korrespondenz, jetzt aber mit anderem Laufweg über Bregenz. Auch schön zu sehen, dass es bei einer Korrespondenz aus der gleichen Zeit schon 3 Laufwege gab! So etwas gibt es heute nicht mehr und wenn, dann könnte man es nie belegen.

Der 2. Brief ist sehr schön - Postvereinsbrief bis 10 Meilen unter 1 Loth mit sehr schöner, farbkräftiger Marke und qualitativ hochwertigen Stempelabschlägen - da freut sich mein Herz! :-)

Vielen Dank fürs zeigen und liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 09.08.2014 09:07:39 Gelesen: 432664# 389 @  
Liebe Sammlerfreunde,

die folgende, neue Seite zeigt einen Brief mit geteilter Frankoabgeltung von München nach Bern 1853, als das noch Vorschrift war. 9 Kr. für Bayern und 6 Kr. für die CH.

Der Text ist von ganz besonderem Interesse und wenn es meine dünne Portokasse zulässt, werde ich versuchen, das im Inhalt besprochene Bild des Malers Richard Zimmermann (1820-1875)zu erwerben. Den Brief hätte ich ja schon.

Liebe Grüsse von bayern klassisch


 
bayern klassisch Am: 27.08.2014 13:56:49 Gelesen: 431501# 390 @  
Liebe Sammlerfreunde,

eine der Marken, um die sich einige Geheimnisse ranken, ist eine der häufigsten von Bayern überhaupt, die Nr. 9.

Die wichtigsten farblichen Merkmale dieser Marke möchte ich hier nach dem Erhalt einer Prüfsendung des lieben Franz Stegmüllers kurz aufzeigen.

Der Standard im Farbenbereich ist die sog. 9a, eine Marke mit schwankendem Rot. Hier ein Beispiel:



Der Brief von Regensburg nach Straubing aus dem Jahr 1865 zeigt einen guten Druck bei mittlerem Rot.

Interessanter Weise lief der Brief auch in die andere Richtung, jedoch wollte hier der Absender nichts dafür bezahlen. Weil der Brief im Rahmen seiner Rundreise auch noch erheblich an Gewicht zugenommen hat, wog er doppelt schwer und kostete so statt 6 Kr. Franko nun 12 Kr. Porto seinen Empfänger.



Seltener, aber weiß Gott keine Rarität, ist die sog. 9b, die dunkelrote Schwester der 9a.



Hier auf Brief aus Augsburg vom 5.9.1866 an den Baron von Welser, ein berühmtes Handelshaus für Kaiser und Könige im ausgehenden Mittelalter (Fugger und Welser zu Augsburg). Man achte auf die schöne Farbe und den guten Druck auf sättigendem Papier.

Zu den kleinen Seltenheiten gehört aber die sog. 9c, eine Marke, die sich viele Sammler im Album wünschen, aber die nicht viele haben, jedenfalls nicht in schön, oder gar auf Brief.



Hier ein frisches Stück aus Ludwigshafen am Rhein vom 10.12.1867 nach Otterberg in typischer dunkler Farbe auf dickem, kartonartigen Papier, welches die Farbe nicht gut aufnahm und daher etwas spröde Drucke hinterließ.

Die 2. Besonderheit liegt im Aufgabestempel, den sehr seltenen Typ "7 A" von Ludwigshafen. 7 A wird mit 7 Uhr Abends gedeutet, doch gibt es in der Primärliteratur keine Hinweise auf diese Halbkreisstempeltype überhaupt.

Es gibt nur wenige Orte Bayerns, die überhaupt mit dieser Stempeltype bedacht wurden und Ludwigshafen dürfte der seltenste davon sein - ich kenne den Stempel nur von Ende 1866 in wenigen Abschlägen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 07.09.2014 19:07:56 Gelesen: 430952# 391 @  
Liebe Sammlerfreunde,

heute möchte ich eine kleine Stempelrosine vorstellen.



Am 17.4.1866 stempelte man mit seinem Halbkreisstempel in Immenstadt wohl einen Block Postscheine vorab, so dass man nicht jeden bei Gebrauch neu stempeln musste. Das machten Bayerns Expeditoren gerne mit ihrem Ortsstempel OHNE Datumseinsatz, weil sie ja zu dem Zeitpunkt der Vorabstempelung nicht wissen konnten, wann die Postscheine gebraucht werden.

Wenn man dann mit diese Arbeit fertig war, brauchte man nur schnell den Datumseinsatz einfügen und konnte loslegen mit der Aufgabestempelung der abgegebenen Briefe.

Am 17.4. aber hat das unser Mann bei der Post in Immenstadt vergessen und, vermutlich nur einmal, noch mit dem "aptierten" Stempel gearbeitet, bis er dann vermutlich das Datum wieder eingefügt hat.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
briefmarkenwirbler24 Am: 07.09.2014 19:58:33 Gelesen: 430941# 392 @  
Guten Abend,

diesen Beleg habe ich während meines Praktikums geschenkt bekommen:



Der Brief ist in Treuchtlingen am 23.1.(?) aufgegeben worden, Nummernstempel 527 --> MR (geschlossener Mühlradstempel, Treuchtlingen (Quelle "Nummernstempel der Altdeutschen Staaten"). Verschickt wurde dieser an Herrn Christian Bergmüller in Erlangen, wo er einen Tag später, also am 24.1 angekommen ist, dokumentiert mit einem siegelseitigen Ankunftsstempel.

Frankiert wurde er mit einer Michelnummer 9a, 3 Kreuzer rot, ein sehr breitrandiges Exemplar!

Eventuell kann jemand etwas ergänzen, oder vielleicht habe ich auch schon alles gesagt. :)

MfG

Kevin
 
bayern klassisch Am: 07.09.2014 21:22:14 Gelesen: 430926# 393 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#392]

Hallo Kevin,

da hast du einen schönen Brief bekommen, denn Treuchtlingen hatte einen Schönstempler als Postexpeditor.

Das Datum kann man schwer präzisieren - es scheint mir auch eher eine 9b, als eine 9a zu sein, was den Brief ja nicht schlechter macht.

So kann es dort weiter gehen. Ich schicke dir dann mal später meine Fehlliste zu, falls du noch mehr Briefe geschenkt bekommen solltest. :-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
briefmarkenwirbler24 Am: 08.09.2014 19:48:20 Gelesen: 430826# 394 @  
@ bayern klassisch [#393]

Hallo Ralph,

vielen Dank für deine nähere Einschätzung, dann notiere ich die Marke als 9b.

MfG

Kevin
 
bayern klassisch Am: 10.09.2014 19:22:04 Gelesen: 430709# 395 @  
Liebe Sammlerfreunde,

für viele sind Fingerhutstempel eine der attraktivsten Entwertungen in Bayern, vor allem auf Marken sind diese Ministempelchen sehr gesucht.

Heute zeige ich zwei frühe Markenbriefe, die diese vormarkenzeitlichen Stempel schön zeigen - mal einer, mal zwei auf einer Marke.



Wer beim 1. Brief genauer hin schaut, kann Besonderheiten entdecken. :-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
heku49 Am: 10.09.2014 19:35:04 Gelesen: 430704# 396 @  
@ bayern klassisch [#395]

Lieber Ralph,

wie Du weisst, kann ich die Schrift nicht lesen, sehe aber die Federzugentwertung der Marke und zusätzlich den Stempel. Das war doch wohl nicht normal.

Gruß Helmut
 
bayern klassisch Am: 10.09.2014 19:49:59 Gelesen: 430698# 397 @  
@ heku49 [#396]

Lieber Helmut,

doch, das war sogar die Vorschrift, denn der Brief datiert ja vom 20. Nov. 1849, da hatte man die neuen Vorschriften frisch im Kopf.

Es bleiben noch 2 kleine Besonderheiten, die unentdeckt sind.

Danke für deinen Beitrag - du hast noch eine Chance. :-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
heku49 Am: 10.09.2014 20:10:31 Gelesen: 430687# 398 @  
@ bayern klassisch [#397]

Lieber Ralph,

schade, dass ich die Schrift nicht lesen kann, sondern nur raten. Links steht etwas: Mit XXband. Es gehörte entweder etwas dazu oder der Brief gehörte irgendwo dazu.

Gruß Helmut
 
bayern klassisch Am: 10.09.2014 20:31:00 Gelesen: 430683# 399 @  
@ heku49 [#398]

Lieber Helmut,

Schiff ist angeschossen - mit Einband hast du richtig gelesen. Dieser Terminus kam zum Einsatz, wenn einem Brief eine so große Beilage mitgegeben wurde, dass sie nicht mehr in den Faltbrief passte und daher mit dem Brief "eingebunden" werden musste.

Jetzt darfst du dir die Marke mal etwas genauer anschauen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bignell Am: 10.09.2014 20:34:46 Gelesen: 430682# 400 @  
@ bayern klassisch [#399]

Hallo BK,

Plattenfehler am Y?

Lg, harald
 
heku49 Am: 10.09.2014 20:45:48 Gelesen: 430674# 401 @  
@ bayern klassisch [#399]

Lieber Ralph,

ich tippe wie Harald auf den Plattenfehler.

Gruß Helmut
 
bayern klassisch Am: 10.09.2014 20:59:50 Gelesen: 430662# 402 @  
@ bignell [#400]

Lieber Harald, lieber Helmut,

genau so ist es - aber was sagt das dem Markensammler, dem Philatelisten?

Die Marke, die ja im 1. Monat verwendet worden ist, zeigt mit dem Plattenfehler, dass die Platte der 4I schon sehr früh Defekte aufwies. Vermutlich wurden die allermeisten 4I im Jahr 1849 gedruckt, evtl. noch ein paar Wochen oder wenige Monate länger.

Im August 1850 gab es schon die 4II, die ja suggeriert, es wäre eine Neuauflage der "alten" 4I. Das stimmt aber nicht, denn die 4II hatte mit der 4I nichts zu tun - es war und ist eine ganz andere Marke, die eigentlich eine andere Michel - Nummer bekommen müsste.

Aber die alten, eingeschlagenen Pfade verließ man in Bayern nie, daher wird dieser Katalogmurks auch noch unsere Enkel beschäftigen, jedenfalls befürchte ich das.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
heku49 Am: 10.09.2014 21:16:54 Gelesen: 430653# 403 @  
@ bayern klassisch [#402]

Lieber Ralph,

vielen Dank für die ausführliche Erklärung. Leider kenne ich die feinen Unterschiede der Marken nicht so genau. Auch der Michel-Spezial hat mich da nicht viel weiter gebracht.

Vielleicht muss ich doch noch Bayernsammler werden. :-)

Gruß Helmut
 
bayern klassisch Am: 11.09.2014 06:20:53 Gelesen: 430609# 404 @  
@ heku49 [#403]

Lieber Helmut,

glaube mir nach über 35 Jahren, dass es schlimmeres gibt, als Bayern zu sammeln. :-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bignell Am: 23.09.2014 20:21:09 Gelesen: 429709# 405 @  
Liebe Bayernsammler und natürlich speziell BK, ;)

bitte um Eure Hilfe:





Hierbei handelt es sich um einen Brief von 1865, wo eine 1 KR mit einer anderen überklebt wurde. Ein Stempel Obermarchthal 4.11.1865 wurde gestrichen, ein zweiter Stempel Obermarchthal 26.12.1865 wurde links neben die Marke gesetzt. Handelt es sich eher um eine sogenannte Portemonnaie-Frankatur (zwei Marken sind im Geldbörsel übereinandergeklebt und wurden versehentlich als eine verwendet) oder wurde der Brief zweimal versendet? Ich tendiere eher zu zweiterem, weil die untenklebende Marke entwertet scheint.

Bitte um Eure Meinung.

Danke,
harald
 
bayern klassisch Am: 24.09.2014 19:45:58 Gelesen: 429640# 406 @  
@ bignell [#405]

Lieber Harald,

ich denke, der Brief wurde zwei Mal verschickt. Portemonnaie - Marken gab es nur bei Privaten, nicht bei Dienstbriefen.

Gerade bei Württemberg finden sich viele mehrfach verschickte Briefe mit behördlichen Adressen. Da er heute wohl nicht mehr inhaltlich komplett sein dürfte, bleibt nur die starke Vermutung, dass es hier auch so ist, nur ein Beweis ist schwer zu erbringen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bignell Am: 24.09.2014 21:44:08 Gelesen: 429622# 407 @  
@ bayern klassisch [#406]

Hallo BK,

danke für die Info. Der ursprüngliche Brief vom 10.11.1865 dürfte komplett sein, allerdings habe ich mir noch nicht die Mühe gemacht ihn zu entziffern, bei der Schrift wird es mir auch schwer fallen. Falls beim zweiten Versenden Anlagen dabei waren, die sind verloren.

Lg, harald
 
bayern klassisch Am: 24.09.2014 22:12:28 Gelesen: 429617# 408 @  
@ bignell [#407]

Lieber Harald,

wenn die Inhalte/Akte(n) nicht komplett sind, wird die Rekonstruktion immer schwierig, weil es auch Versendungen ohne die Post geben konnte, oder keine Stempel drauf kamen und noch vieles andere mehr, wobei man sich fragt, wer solch einen "Mist" verzapft hat, jedenfalls bei Bayern gibt es Dutzende von Dienstbriefen, die jeder Vorschrift spotten.

Aber ein Brief mit 2 Marken gleicher Nominale und unterschiedlichen Stempeldaten ist natürlich immer etwas tolles. :-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 01.10.2014 19:40:01 Gelesen: 429108# 409 @  
Liebe Sammlerfreunde,

das Haus Köhler war so nett, mir einen Zuschlag zu erteilen, über den ich mich sehr gefreut habe.



Für meine Bayern - Frankreich Sammlung konnte ich einen recht hübschen Brief mit 18x Franko aus Nürnberg von 3.3.1856 mit dem Vermerk "Echantillons sans valeur" = Muster (hier ist der Plural gemeint) ohne Wert an Land ziehen. Für die Spezialsammler: 5c links Type III, rechts Type II (ohne diese Besonderheit hätte ich den Brief natürlich nie gekauft!).

Im PV vom 1.7.1847 war festgehalten worden, dass Briefe mit Muster(n) ohne Wert zu den Gegenständen der Briefpost gehörten. Im § 8 lesen wir:" Für Waarenproben und Muster ist nur der dritte Theil des nach vorstehender Progression (bis 1/2 Loth, bis 1 Loth usw.) nach ihrem Gewichte treffende Briefporto - in keinem Falle jedoch weniger als die Taxe des einfachen Briefes - zu berechnen, wenn dieselben

a) für sich allein unter Kreuzband versendet werden, und außer der Adresse nichts Geschriebenes beigeschlossen haben, und

b) entweder nach Frnakreich selbst gehören, oder durch Vermittlung der französischen Posten und Schiffsgelegenheiten weiter zu befördern sind.

Werden dagegen Waarenmuster mit Briefe verschickt, so ist

a) wenn die Muster dem Briefe in einer Weise angehängt sind, daß sie ihre Eigenschaft unzweifelhaft erkennen lassen und besonders gewogen werden können, sowohl für den Brief als auch für die Muster die nach dem Gewichte eines jeden für sich treffende Taxe zu berechnen;

b) andernfalls aber oder wenn die Muster dem Briefe beigeschlossen sind, die nach dem Gesammtgewicht treffende volle Brieftaxe zu erheben.

Das ganze galt auch für unfrankierte Waarenmuster, wovon ich aber noch keines gesehen habe.

2 Fälle aus der Praxis also:

Ein bayerischer Absender schickte einen Brief mit 1/4 Loth Gewicht und ein anhängendes Muster mit 1/4 Loth Gewicht ab. Demnach musste er für den Brief 18x bezahlen und für das Muster auch 18x, da beide für sich einfach waren und die Kosten somit 36x ausmachten.

Legte derselbe Absender dieses Muster nun in den Brief ein, so wöge dieser auch nur 1/2 Loth und käme in den Genuss eines günstigeren Frankos von 18x.

Wog ein Brief 1/4 Loth und das Muster dazu 3/4 Loth, so war ein Versand anhängend mit 18x für den Brief und 18x plus ein Drittel von 18x = 6x für das Muster = 42x teuer.

Packte er das Muster in den Brief, wog der 3/4 Loth und kostete demnach nur 36x als Brief der 2. Gewichtsstufe. Selbst hier war ein inliegendes Muster noch günstiger.

Nach meinem mathematischen Verständnis waren daher Muster anhängend nur sinnvoll, wenn sie schwer waren und über die Regelung des Drittelgewichts günstiger wurden. Vlt. kennen wir deshalb kaum einmal Briefe mit anhängenden Mustern ohne Wert nach Frankreich bei diesem Vertrag.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 08.10.2014 16:24:48 Gelesen: 428714# 410 @  
Liebe Sammlerfreunde,

ein schöner Dienstbrief aus Speyer vom 2.4.1851 ist nach Dillkirchen (heute: Dielkirchen) in der Pfalz.

Der Inhalt ist hoch interessant - es ging um das Einschreitung gegen die Darmstädter Zeitung "Lucifer".





Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
briefmarkenwirbler24 Am: 26.10.2014 09:16:16 Gelesen: 427758# 411 @  
Guten Morgen,

ich konnte auf der Messe in Sindelfingen folgenden Beleg ergattern:



Diese herrliche Dienstsache ist von München am 04.08.1860 verschickt worden und am 06.08.1860 in Rostock, Mecklenburg-Schwerin angekommen. Der Absender ist das "königlich akademische Senat der Universität München" und der Empfänger "Die großherzoglich, mecklenburgische Universität in Rostock".

Ein solcher Beleg passt natürlich perfekt in meine Sammlung, nämlich einerseits als "Incoming Mail" für Mecklenburg-Schwerin und andererseits als "ausgehender Brief" von Bayern.

MfG

Kevin
 
Gernesammler Am: 30.10.2014 17:05:23 Gelesen: 427526# 412 @  
Hallo zusammen,

habe gestern diesen Frachtbrief bekommen, hier wird ein Fass Essig zu 720 Pfund mit der Bahn versendet, dafür wurde eine Nachnahmegebühr von 4 Gulden und 56 Kreuzern erhoben, mit allen Gebühren waren es dann 6,17 Gulden. Versendet wurde ab Nördlingen nach Kleinfeld mit der Königlich Bayerischen Staats-Eisenbahn.

Genial ist ja das rückseitig die gesamte Transportverordnung abgedruckt ist. Das gute Stück passt eigentlich nicht so richtig in meine Sammlung aber liegenlassen konnte ich so etwas schönes auch nicht, vielleicht kommt ja noch etwas dazu.

Gruß Rainer




 
bayern klassisch Am: 01.11.2014 17:52:57 Gelesen: 427403# 413 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#411]

Hallo Kevin,

schön, dich persönlich kennengelernt zu haben. :-)

Jetzt hast du auch ein Stück aus meiner Sammlung in deiner Sammlung und eine hübschere Verbindung beider Postgebiete wird sich schwer finden lassen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 01.11.2014 17:54:35 Gelesen: 427402# 414 @  
@ Gernesammler [#412]

Hallo Rainer,

schönes Stück - darf ich kurz korrigieren? Der Ort hieß "Pleinfeld". Ich hatte auch das ein oder andere Stück aus diesem Bestand in meiner Zollsammlung Bayern.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 05.11.2014 13:09:37 Gelesen: 427152# 415 @  
Liebe Sammlerfreunde,

heute möchte ich ein Thema anschneiden, dass der liebe Dr. Joachim Helbig bereits vor vielen Jahren in der Zeitschrift "Die Postgeschichte" aus dem Haus Schwarzenbach erstmalig aufgefasst hat. Es geht um das Thema der Postaufgabe von Briefen aus dem großen, württembergischen Ulm im kleinen, aber sehr nahe gelegenen Neu-Ulm in Bayern. Die meisten Briefe gab man wohl auf, um sich Porto/Franko zu sparen.

Andere gibt es, bei denen nichts gespart wurde, aber unterstellt werden kann, dann man über die Donaubrücke mit mehreren Poststücken gelaufen war, bei denen man in Bayern Geld sparen konnte und bei anderen eben nicht. Auch (oder gerade) diese sind interessant.

Ich beginne meine Trilogie mit einem herrlichen Brief einer 4I vom 2.7.1850 aus Ulm/Neu-Ulm nach Nürnberg.



Der württembergische Absender schrieb und gab ihn am selben Tag auf. Wir erinnern uns, dass einen Tag zuvor der DÖPV in Kraft trat und ab diesem Datum auch in Bayern erstmals Portobriefe teurer als Frankobriefe waren - eine Tatsache, die damals ungeheuerlich war, kosteten doch bisher alle Briefe, egal ob porto oder franko, stets das Gleiche.

Aber unser schlauer Schwabe scheint wohl informiert gewesen zu sein, denn er wollte nicht ein württembergisches Porto bis Neu-Ulm zahlen und auch das Inlandsporto Bayerns nach dem Reglement vom 1.12.1810 hätte ihn sehr gestört, sah dies doch allein für die Strecke Neu-Ulm bis Nürnberg von 19 Meilen bis 8,75g schon 8 Kr. vor. Bei einer Postaufgabe in Bayern galt nun aber das Loth mit 15,625g und, da er hierfür einfach war, das Maximalfranko über 12 Meilen von nur 6 Kr.

So zahlte er nicht 2 Kr. für Württemberg und 8 Kr. für Bayern = 10 Kr., sondern nur total 6 Kr. Dennoch schadete er sowohl der württembergischen, als auch der bayerischen Postkasse!

Als auch Württemberg schon am 1.9.1851 in den DÖPV kam, waren die Gewichte längst vereinheitlicht, nicht jedoch die Entfernungen. Nun galten die 3 Rayons bis 10, über 10 bis 20 und über 20 Meilen in direkter Linie zwischen der Auf- und Abgabepost (Achtung: Nicht zwischen Aufgabe- und Abgabeort!).



Am 31.3.1860 frankierte ein Ulmer in Neu-Ulm mit 3 Kr. einen einfachen Brief nach Dietmannsried korrekt. Von Ulm aus hätte er auch nur 3 Kr. gekostet, denn Dietmannsried lag nur 9 Meilen entfernt, so dass es dann ein Postvereinsbrief des 1. Rayons gewesen wäre. Nun war es ein Bayernbrief des 1. Rayons bis 12 Meilen, was auf das gleiche hinaus kam. Offenbar hatte man an dem Tag Post in viele Teile Bayerns dabei und gab den halt in Neu-Ulm mit auf, weil man sich nicht noch in Ulm anstellen wollte.



Der 3. Brief mit einer ganz dunklen 9b datiert vom 23.2.1867 und lief nach Fürth. Hier haben wir nun eine deutliche Ersparnis, denn als Frankobrief von Ulm hätte er bei einer Entfernung von 19 Meilen 6 Kr. gekostet, weil in Bayern aber zum 1.8.1865 einfache Briefe nur noch 3 Kr. frankiert kosteten, sparte er sich so eben 3 Kr..

Es wäre schön, weitere Ulm - Briefe hier sehen zu können.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
roteratte48 Am: 18.11.2014 12:58:33 Gelesen: 426631# 416 @  
Nicht nur Groschensammler gelangen manchmal an blaue 3er - auch beim "Altpapier" taucht hin und wieder so etwas auf. Und weil ich neugierig bin, täte ich schon gern wissen tun, um was es sich bei diesem Dreierstreifen handelt:



Und auf diesem Briefchen hat ein Vorbesitzer mit Bleistift notiert "Nr. 2, I u. II" Solche Notizen stimmen selten mit den Tatsachen überein - ich tendiere bei der linken Marke zu Platte 3, aber was heißt das schon bei 'nem Badensammler ? ;o)):



Grüße an alle Forumler - Rolf
 
bayern klassisch Am: 18.11.2014 16:41:24 Gelesen: 426574# 417 @  
@ roteratte48 [#416]

Lieber Rolf,

da muss ich dich leider enttäuschen; du hattest schon richtig geschrieben, dass diese Bleistiftangaben oft mit der Realität wenig zu tun haben und so ist es auch hier. Ein Brief mit 2 Ex. der 2I aus 1853 wäre schon sehr ungewöhnlich.

Es ist aber kein übles Briefchen mit 2 Marken der 2II Pl. 2.

An dem verrückten Briefchen aus Frankreich in die Pfalz wäre ich als Pfälzer natürlich interessiert, da ich aus dieser Korrespondenz schon das ein oder andere Stück besitze. Es wäre schön, wenn ich es dir abkaufen könnte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 23.11.2014 18:31:17 Gelesen: 426303# 418 @  
Hallo zusammen,

heute bekommen, unfrankierter Bahnpostbrief von München nach Zürich vom 22.Juli.1862 denke mal bis Lindau am Bodensee dann weiter mit Bahnpost in der Schweiz, siehe Bahnpoststempel Winterthur - Aarau (Zug 9) angekommen und ausgegeben in Zürich am 23.Juli.1862.

Zum Porto kann mir bestimmt Ralf etwas sagen.

mit besten Grüßen aus Berlin
Rainer


 
bayern klassisch Am: 23.11.2014 19:33:07 Gelesen: 426288# 419 @  
@ Gernesammler [#418]

Lieber Rainer,

der mit "ph" kann ...

Postvertrag Bayern - Schweiz vom 1.10.1852 aus dem 3. Rayon (über 20 Meilen) Bayerns in den 1. Rayon (bis 10 Meilen) der Schweiz = 9 Kr. für Bayern und 3 Kr. für die Schweiz.

Oder in Schweizer Währung: 30 Rappen für Bayern und 10 Rappen für die Schweiz = 40 Rappen, wie von Zürich notiert.

In Bayern durfte er 16,6g wiegen, in der Schweiz nur 15g. Deiner hier wog also max. 15g, weil er einfach taxiert wurde.

Bahnpostaufgaben waren nicht so häufig, weil die Briefe in den Schlitz des Waggons eingeworfen werden mussten. Dort mussten die Bahnpostbeamten wissen, welche Verträge welche Taxen nach sich zogen. Da sie die Strecke München - Augsburg befuhren, mussten sie bei jedem Halt wissen, ob es noch über 20 Meilen oder unter 20 Meilen (Augsburg) vom Grenztaxpunkt zur Schweiz weg war. Gar nicht so einfach damals.

Danke fürs zeigen und liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 23.11.2014 20:17:55 Gelesen: 426272# 420 @  
Hallo Ralph,

danke für die Erklärung des Briefes, ich hatte diesen vorigen Monat gesehen und der Dame am Stand gesagt wenn keiner die komplette Bayernsammlung kauft, dann hätte ich gerne diesen Brief. Heute war es soweit und ich hatte ein schönes Stück für meine Schweizer Sammlung für Post aus Bayern.

Hier das nächste Stück ein Vorphila Brief vom 15.September 1800 von Ansbach (V.ANSPACH) nach Friedberg, rückseitig ist nur das Siegel der Kriegs und Domainen Kammer innen noch ein Rest einer Siegelschnur.

Ich habe mal vom Text etwas beigefügt.

Gruß Rainer


 
bayern klassisch Am: 23.11.2014 20:52:24 Gelesen: 426259# 421 @  
@ Gernesammler [#420]

Hallo Rainer,

ein schöner Brief - zwar nicht meine Zeit, aber sagen kann ich, dass der Empfänger 1 1/2 Batzen zahlen musste.

1 Batzen war 4 Kreuzer, also 6 Kr. Porto total. Das lief alles per Reichspost, da Bayern 1800 noch keine Staatspost hatte.

Danke fürs Zeigen und liebe Grüsse von bayern klassisch
 
roteratte48 Am: 23.11.2014 21:01:40 Gelesen: 426258# 422 @  
@ Gernesammler [#420]

Hallo Rainer,

ein hübscher Beleg mit "Gesicht" - der adlige Stempel von Ansbach ist keine große Seltenheit, aber derart saubere Belege an die Reichsritterschaft am Mittelrhein sind auch zu dieser relativ späten Zeit nicht allzu häufig. Wunderschön geprägtes Siegel - und der Text ist durchaus interessant:

Es geht um die Anmahnung eines recht beträchtlichen Zahlungsrückstandes von 6000 Gulden und die Erklärungen, die der säumige Schuldner zu seiner Entlastung bemüht. Die Verantwortung trage natürlich nicht er, sondern "namentlich Johann Georg Häuser jun. seel. Wittwe, welche seine Geschäfte zu Burgfriedberg gewöhnlich besorge, und dere er auch die nähere Berichtigung dieser Angelegenheit aufgetragen."

Schöner Brief, den viele gerne in der Sammlung hätten - Danke fürs Zeigen!

Liebe Grüße - Rolf
 
Gernesammler Am: 24.11.2014 09:56:47 Gelesen: 426208# 423 @  
@ bayern klassisch [#421]
@ roteratte48 [#422]

Hallo Ralph, hallo Rolf,

vielen Dank für die Erklärung des Briefes in Porto und Text, der Brief selbst hat etwa 3 Seiten Text.

Vielleicht kann ich ja doch eine kleine Bayern Sammlung bei mir mit einfügen.

Gruß Rainer
 
bayern klassisch Am: 24.11.2014 11:22:53 Gelesen: 426192# 424 @  
@ Gernesammler [#423]

Hallo Rainer,

wie sagt man so schön zu deinem Ansinnen: A bissel wos gehd ollaweil! :-)

Es gibt Sammelgebiete, zu denen ich dir weniger raten könnte und im Forum wirst du damit auch nicht alleine gelassen.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 24.11.2014 13:07:50 Gelesen: 426177# 425 @  
Liebe Sammlerfreunde,

damit man sieht, dass auch markenlose Briefe ihren Reiz haben können, hier das jüngste Briefchen meiner Sammlung:

Der folgende Beleg gibt mir derzeit ein Rätsel auf, das ich mit Hilfe des Forums zu lösen hoffe. Der Aufgabestempel zeigt München, den 20.12.1851, der preußische Ankunftsstempel den 23.12. ohne Datum.





Eine Hand aus der Zeit schrieb aber 15. December 1850 darüber, was auch sein kann. Der Absender schrieb "Louis" und da der Inhalt nichts mehr vollständig ist, kann über ihn keine genaue Datierung erfolgen. Empfänger könnte der hier gewesen sein:

http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&cad=rja&uact=8&ved=0CCMQFjAA&url=http%3A%2F%2Fmatrikel.adbk.de%2F05ordner%2Fmb_1841-1884%2Fjahr_1849%2Fmatrikel-00752&ei=lBtzVIi0JsWAywOapoLQCQ&usg=AFQjCNG8k85xcfFm_1SF-JhxPeG_omsagA&sig2=ePCSQe6LzrS6-JTqYaJAwQ

Kommen wir zum Salz der Suppe, den Taxen. Bayern hat ganz sicher 6 notiert, wobei das wohl Silbergroschen gewesen sein sollten. Da Hamburg aber leider etwas weiter von München weg lag, als bis 20 Meilen, war ein einfacher Brief mit 4 Sgr., ein schwerer wie hier mit 8 Sgr. zu taxieren.

In Hamburg selbst wurden diese 8 Sgr. siegelseitig von Hamburg/Preußen wiederholt, denn sie waren Bayern gut zu schreiben und frontseitig 11 Schilling Courant notiert, wenn ich das richtig reduziere.

Hierbei ist nicht unwichtig, dass Hamburg selbst erst zum 1.1.1852 Mitglied im DÖPV wurde, die DÖPV - Taxen mithin eigentlich gar nicht anwendbar gewesen wären (also auch keine 20 Meilen = 3. Rayon - Regelung und kein Portozuschlag, den es ja vor dem DÖPV nicht gegeben hatte). Allerdings gibt es da eine VO aus 1850, die ich hier anhänge und die sehr interessant ist.

Zur Vorstadt St. Georg habe ich wenig gefunden - scheint wohl erst später als der Brief "eingemeindet" worden zu sein, hatte aber dennoch wohl Hamburger Tarife.

Für Optimierungen und Präzisierungen wäre ich sehr dankbar.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 01.12.2014 16:01:05 Gelesen: 425806# 426 @  
Liebe Sammlerfreunde,

heute zeige ich eine vorschriftswidrige Entwertung in Landau (Pfalz) vom 6.12.1860 nach Annweiler auf einer 2II Platte 5.

Hat man auch nicht jeden Tag.



Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
briefmarkenwirbler24 Am: 01.12.2014 17:48:36 Gelesen: 425774# 427 @  
@ bayern klassisch [#426]

Hallo Ralph,

ein tolles Briefchen, perfekt geschnittene Marke und in der Erhaltung eine echte Rosine!

LG

Kevin
 
Gernesammler Am: 02.12.2014 19:32:16 Gelesen: 425651# 428 @  
Hallo zusammen,

heute ein Brief aus Bayreuth nach Frankfurt am Main, im Fernverkehr wurden hier 3 Kreuzer verklebt (Mi.Nr.15 mit rotem Seidenfaden). Der Brief wurde geschrieben von einem Herrn Karpeles an einen Herrn B.Sommer, bei Google findet man zu Karpeles entweder einen Arzt oder einen Biographen von J. Brahms die zu dieser Zeit dort gelebt haben.

Gruß Rainer




 
Gernesammler Am: 07.12.2014 11:34:53 Gelesen: 425205# 429 @  
Hallo zusammen,

heute ein Brief von München nach Abensberg, geschrieben als Rechnung der "Neuen Münchener Zeitung" an das wenn ich richtig gelesen habe Königlich Bayrische Bentamte. Innen oberhalb auf der Rechnung ist ein Stempel über einen Betrag von 3 Kreuzern abgeschlagen, ist dieser jetzt die Bezahlung für die Bekanntmachung oder gibt es dafür einen anderen Zweck.

Frankiert wurde der Brief mit einer Mi.Nr.4 II zu 6 Kreuzer auf der linken Seite leider etwas beschnitten, dafür aber auf den anderen Seiten breitrandig geschnitten.

Gruß Rainer




 
bayern klassisch Am: 07.12.2014 13:29:51 Gelesen: 425181# 430 @  
@ Gernesammler [#429]

Hallo Rainer,

nicht uninteressant, was du da geschnappt hast. Der Brief zeigt den spätesten Münchener Mühlradstempel geschlossen 217, der später an Holzkirchen (ab 1.12.1856) ging und dein Brief wurde kurz vor der Umtauschzeit (20.11.1856 - 30.11.1856) geschrieben.

Die 6 Kr. Marke deckte das Franko für einen Brief der 2. Gewichtsstufe (über 1 - 4 Loth) ab, demnach muss noch etwas in dem Brief drin gewesen sein, denn heute dürfte er weniger als 15.625g wiegen (wenn du mal nachwiegen möchtest).

Die 3 Kr. innen = Stempelgeld = Fiskalgebühr hatten mir dem Franko nichts zu tun. Sie waren nach Vorschrift zu erheben, in diesem Fall kostete das Ausstellen der Rechnung 3 Kr., denn der Inhalt hier ist ja eine Quittung an das Rentamt (heute: Finanzamt), die bescheinigt, dass man eine Einrückung (Insertion) in der Zeitung hatte vornehmen lassen und dass der Betrag hierfür eingegangen war. Daher auch im Text die Notation "Inclus(ive) Porto" unter dem Betrag.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 07.12.2014 18:07:54 Gelesen: 425104# 431 @  
@ bayern klassisch [#430]

Hallo Ralph,

vielen Dank für die ausführliche Beschreibung des Briefes, ich sollte mir mal ein Stempelhandbuch zulegen.

Gruß Rainer
 
bayern klassisch Am: 07.12.2014 18:15:23 Gelesen: 425099# 432 @  
@ Gernesammler [#431]

Hallo Rainer,

ich fürchte, das hilft hier nicht wirklich weiter. Da braucht es schon etwas mehr:

http://www.arge-bayern.net

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 19.12.2014 13:22:59 Gelesen: 424164# 433 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen frisch erworbenen Brief, von dessen Existenz ist nie überzeugt war, weil seine Behandlung so gegen die Vorschriften verstieß, dass man es kaum für möglich hält.

Aber nun ist er hier und ich möchte ihn euch vorstellen.





Geschrieben in Nürnberg am 2.12.1854 war er nach Altdorf in den Kanton Uri (Schweiz) gerichtet. Der Absender, die Firma Conrad Weiß dortselbst, hatte 9 Kr. frankiert in der Annahme, dass die Schweiz zum Postverein gehören würde und über 20 Meilen im Postverein kostete es nun mal 9 Kr.. Das war leider (für 2014: Gott-sei-Dank!) falsch.

Der Postvertrag (PV) zwischen Bayern und der Schweiz vom 1.10.1852 war hinsichtlich unterfrankierter Briefe eindeutig. Im Artikel 10 sagte man ganz klar, dass eine teilweise Frankatur nicht statthaft war. Briefe, welche ungenügend frankiert waren, sollten als ganz unfrankiert behandelt werden und das volle Porto kosten.

Da Altdorf in der Schweiz im 2. Rayon zum Grenztaxpunkt Bayerns lag, reichten die verklebten 9 Kr. zwar bis zur Grenze aus, die 6 Kr. für die Schweiz (20 Rappen) fehlten aber, so dass die Aufgabepost hätte zwar die Marke annullieren müssen, aber gleichzeitig das bayerische Porto von 9 Kr. als Forderung an die Schweiz notieren sollen.

Das hat sie nicht getan - vielmehr tat sie genau das Gegenteil, indem sie mit Rötel 6 x Schwyzgr (Schweizergrenze) als Porto für die Schweiz bestimmte, wie wohl sie das gar nicht konnte.

Aber auch die Schweizer spielten mit und akzeptierten, was nicht zu akzeptieren war. Man nahm nicht 50 Rappen (15 Kreuzer) vom Empfänger, sondern nur 20 Rappen (6 Kr.) und beließ es dabei.

Nun kommt automatisch die Frage, warum 2 Postverwaltungen mit sehr großen Ämtern (Nürnberg und Zürich) solch einen Trick anwendeten.

Möglich wäre, dass es hüben wie drüben großen Ärger gab, wenn Absender und Empfänger heftigst zur Kasse gebeten wurden, weil einer nicht wusste, wie viel zu frankieren war. Bis zum 31.3.1854 hatte Bayern sogar die interne Vorschrift gehabt, den Schweizerischen Anteil bei frankierten Briefen bar zu kassieren, aber keine Marke(n) zu verkleben, sondern ihn nur der Höhe nach auf der Siegelseite vorzumerken und der Schweiz über die Abrechnung in der Briefkarte zu bonifizieren. Im Dezember 1854 war das natürlich längst Geschichte und auf der Siegelseite findet sich natürlich auch kein bar kassiertes Weiterfranko.

So muss der Brief rätselhaft bleiben, aber da ich hübsche, rätselhafte Briefe schätze, habe ich mich mit ihm selbst ein wenig beschenkt, denn es ist ja jetzt die Zeit dafür.

Liebe Grüsse von bayern klassisch und ein frohes Fest für alle, die ihren Spaß an Marken und Briefen haben, seien sie jung, oder so alt wie hier.
 
bayern klassisch Am: 31.12.2014 12:06:52 Gelesen: 423473# 434 @  
Liebe Sammlerfreunde,

heute möchte ich mal einen gewöhnlichen Postablagenbrief zeigen, der als R.S. portofrei von Lanzendorf (2.12.1868 ) über Himmelkron und Neuenmarkt via Marktschorgast nach Berneck befördert wurde.



Interessant ist für mich der Laufweg: Von Lanzendorf (gab es dort einen Briefkasten für die Ruralbriefe?) nach Himmelkron, dort Aufgabe gestempelt, dann nach Norden zur PE Neuenmarkt, dann nach Osten Richtung Marktschorgast und dann weit nach Süden nach Berneck.

Offenbar funktionierte hier nicht, was wir anderswo schon vermutet bzw. bewiesen haben, dass die Landbriefträger (LBT) ihre Briefe der Einfachheit halber dem anderen LBT mitgaben, damit er diese gleich austragen konnte.

Mich freute aber neben der Leitung (immerhin alles an einem Tag!), aber erst 2 Tage gelegen, ehe er auf die Reise geschickt werden konnte, auch die außerordentliche Qualität, mit der alle 4 Poststellen ihre Abdrücke hinterlassen haben. Chapeau meine Herren!

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 05.01.2015 10:26:39 Gelesen: 423172# 435 @  
Hallo zusammen,

da ich gerade beim Aufarbeiten meiner Berliner Stempel bin, fiel mir diese Karte in die Hände.

Es ist eine Ganzsachen-Karte von Bayern zu 5 Pfennig, gestempelt und versendet innerhalb von Berlin SW, dies wird bestimmt nicht oft gewesen sein. Bayern gehörte seit 1871 auch dem Deutschen Reich an, also wurde diese Karte ohne Beanstandung der Post bearbeitet.

Gruß Rainer


 
bayern klassisch Am: 05.01.2015 13:32:13 Gelesen: 423151# 436 @  
@ Gernesammler [#435]

Hallo Rainer,

das mit dem Deutschen Reich angehören ist so eine Sache - politisch sicher richtig, aber postalisch war Bayern mit niemandem vereint. Von daher hätte man in Berlin die Karte als unfrankiert ansehen und nachtaxieren müssen.

Umso schöner, wenn man das nicht gemacht hat, denn so hast du ein ganz besonderes Stück, um das dich jeder Pfennigzeitsammler beneidet - der bayerische am meisten! :-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 10.01.2015 14:17:26 Gelesen: 422822# 437 @  
Hallo zusammen,

hier mal eine Ganzsache zu 3 Kreuzer vom 10.4.1870, versendet von Würzburg nach Ludwigshafen, auf der Rückseite hat der Absender eine Werbevignette seines Ladens verklebt. Die Ganzsache habe ich bekommen als U 2, erstens ist das richtig und zweitens wie erkennt man dies?

Gruß Rainer


 
kreuzer Am: 10.01.2015 16:55:10 Gelesen: 422782# 438 @  
@ Gernesammler [#437]

Hallo Rainer,

es handelt sich hier um den Umschlag U1, ausgegeben ab 1.2.1869, U2 ist erst ab Juli 1872 bekannt. Unterschied ist die Form der Klappe des Umschlages, bei U! abgerundet, bei U2 kreisförmig ausgeschnitten.

Viele Grüße

kreuzer
 
kreuzer Am: 10.01.2015 17:00:18 Gelesen: 422778# 439 @  
Hallo zusammen!

Zum Thema bayrische Belege möchte ich noch einen Postablagenbrief vorstellen.

Die Nürnberger Ultramarin Fabrik schickte am 08. Juni 1864 einen Brief auf die Reise ins weit entfernte St. Petersburg (Russland). Dort hatte man noch den julianischen Kalender, so dass der Brief am 01. Juni dort ankam. Zwischen gregorianischem und julianischem Kalender bestand damals eine Differenz von 12 Tagen, so dass die Ankunft in St. Petersburg nach "Nürnberger Zeitrechnung" am 12. Juni war.

Aufgegeben wurde der Brief bei der Postablage Steinbühl, die die Marken (13a + 2 x Nr. 8 ) vorbildlich mit ihrem Postablagestempel entwertete. Bei der Expedition in Nürnberg stempelte man Aufgabe und zusätzlich wurden die Marken mit dem oMR 356 entwertet, was nicht so vorgesehen war, aber eine hübsche Duplexentwertung ergab. Diese ist ist aus Steinbühl häufiger bekannt.

Postablagebriefe aus der Kreuzerzeit in das Nichtpostvereinsausland sind nicht gerade häufig.

Der Vereinsanteil für Bayern betrug 9 Kreuzer Das Weiterfranko betrug 11 Kreuzer, die in rot auf der Vorderseite angeschrieben wurden. Diese entsprechen 10 Kopeken bzw. 3 Silbergroschen, die dann auch in blau rückseitig angeschrieben wurden.

Viele Grüße

kreuzer


 
bayern klassisch Am: 10.01.2015 22:54:15 Gelesen: 422733# 440 @  
@ kreuzer [#439]

Hallo kreuzer,

ein phantastischer Brief, den jeder Bayernsammler gerne hätte, ohne Ausnahme.

Wie viele 20 Kreuzer Frankaturen mit Postablagenstempel mag es heute noch geben? Ich behaupte, dass es keine 3 sein werden.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
briefmarkenwirbler24 Am: 11.01.2015 11:03:38 Gelesen: 422642# 441 @  
@ kreuzer [#439]

Hallo kreuzer,

was für eine Bombe, der Beleg ist ja optisch schon nicht mehr zu übertreffen, von der Seltenheit mal ganz zu schweigen!

Das Geld ist allemal sehr gut angelangt mit diesem Schmuckstück!

LG

Kevin
 
kreuzer Am: 11.01.2015 16:46:25 Gelesen: 422576# 442 @  
@ bayern klassisch [#440]
@ briefmarkenwirbler24 [#441]

Vielen Dank Euch zwei! Der Preis ist bereits vergessen. 20 Kreuzer Frankaturen von Postablagen kenne ich noch zwei weitere, beide auch von Steinbühl. Es handelt sich um einen Brief aus gleicher Korrespondenz, bei der anderen Frankatur leider nur um "ausgeschnittene Marken". Beide Male allerdings Nr. 7 und 2 x Nr. 3 als Marken, also die Vorgängerausgabe zu meinem Brief.

Viele Grüße

kreuzer
 
briefmarkenwirbler24 Am: 14.01.2015 20:16:06 Gelesen: 422341# 443 @  
@ kreuzer [#439]

Hallo kreuzer,

ich kann zwar nicht so eine Bombe zeigen wie du es vor einigen Tagen getan hast, aber wie du sicherlich durch "altpostgeschichte" schon mitbekommen hast, hat mir Ralph einen sehr schönen Brief von Bayern nach Schweiz vermacht, den ich mit Beschreibung mal zeigen möchte:



Ich hoffe der Beleg gefällt euch allen, ich zumindest werde den Brief noch eine längere Zeit anstarren müssen! :)

LG

Kevin
 
bignell Am: 14.01.2015 20:24:05 Gelesen: 422338# 444 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#443]

Hallo Kevin,

gratuliere zu dem Beleg, und auch noch mit Beschreibung ist ja Luxus. :)

Lg, harald
 
bayern klassisch Am: 15.01.2015 14:12:47 Gelesen: 422271# 445 @  
Liebe Sammlerfreunde,

dieser Brief mit einer 9b aus Bamberg vom 5.7.1864 an Sattler ("Schweinfurter Grün") nach Schweinfurt, dem der Absender "Inliegend Muster ohne Werth" beigeschlossen hatte, so dass es keine Portomoderation für ihn gab, flog mir zu.



Die Frage, warum man so etwas überhaupt schrieb, wo es doch keine finanziellen Konsequenzen für alle Beteiligten hatte, lässt sich schnell beantworten: Hätte die Post etwas in dem Brief "gefühlt", wäre sie von einer Warensendung (natürlich mit Wert) ausgegangen und hätte den Brief mit der Fahrpost spedieren lassen. Das wollte keiner der Beteiligten, denn dieser kam so innerhalb eines Tages in Schweinfurt an und wurde zugestellt, etwas, worauf heutige Postkunden in Bayern verzichten müssen und nicht nur dort ...

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
kreuzer Am: 15.01.2015 20:18:36 Gelesen: 422224# 446 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#443]

Hallo Kevin,

einen sehr schönen und seltenen Brief zeigst Du. Ich habe keinen in der zweiten Gewichtsstufe. Und noch dazu in der Qualität ist der schon etwas Besonderes.

Viele Grüße

kreuzer
 
briefmarkenwirbler24 Am: 15.01.2015 21:43:39 Gelesen: 422197# 447 @  
@ bignell [#444]
@ kreuzer [#446]

Guten Abend,

Vielen Dank für eure positiven Rückmeldungen bzgl.des Briefes! :

Sollte ich jemals einen solchen Brief von der Schweiz nach Bayern bekommen, hätte ich schon eine schöne Ausstellungsseite sicher! :)

LG

Kevin
 
filunski Am: 16.01.2015 16:06:23 Gelesen: 422141# 448 @  
Verehrte Freunde klassischer Belege,

die folgende Karte ist zwar weder besonders wertvoll noch kann sie sonst mit den hier vorgestellten "Bayerischen Schmankerln" von unserem geschätzten bayern klassisch konkurieren (soll sie auch gar nicht!), aber eine kleine Besonderheit weist sie doch auf:



Die Karte lief Ende Januar 1879 vom fränkischen Städtchen Schillingsfürst über Rothenburg ob der Tauber in die Landeshauptstadt München.

Wem fällt daran etwas auf? ;-)

Beste Grüße,
Peter
 
Gernesammler Am: 16.01.2015 19:22:43 Gelesen: 422105# 449 @  
@ filunski [#448]

Hallo Peter,

bis jetzt eigentlich nur das WC Zeichen 00 anstatt 30 im Rothenburger Stempel und das bei der Post in Bayern damals nur Nachmittags gearbeitet wurde, siehe alle Stempelabdrücke überall Nm. :-)

Wenn ich da fehl liege, dann werde ich es noch erfahren, ich bin gespannt.

Gruß Rainer
 
Gernesammler Am: 16.01.2015 19:38:45 Gelesen: 422096# 450 @  
Hallo zusammen,

ich möchte auch eine Ganzsachenkarte mit Zusatzfrankatur zeigen, Porto 10 Pfennig für die Karte ins Ausland.

Die Postkarte wurde versendet von München nach Aarau im Kanton Aargau in der Schweiz.

Was besagt eigentlich im Münchener Bandstempel der Zusatz unten 2 B.P., steht dies für Bayern Post?

Interessant macht diese Postkarte natürlich auch der Ankunftsstempel von Aarau, ein Rasierklingenstempel vom Typ 1.03 A.

Gruß Rainer


 
bayern klassisch Am: 17.01.2015 08:43:17 Gelesen: 422022# 451 @  
@ filunski [#448]

Im Gegensatz zu Rainer lese ich 3 Stempel mit Datum vom 30.1.. Ein Transitstempel war zu dieser Zeit in Bayern unüblich bei der Umkartierung und bei so "simplen" Poststücken wie Postkarten taucht einer nur selten auf.

Hallo Rainer,

B.P. hieß in diesem Zusammenhang Brief - Post. Nicht mit Bahn - Post zu verwechseln - diese Bereich waren STRIKT voneinander bei Strafandrohung getrennt, weil eigene Verwaltungszweige der Postbehörden.

Off topic: Die bayer. Post arbeitete schon zu Napoleons Zeiten rund um die Uhr - nicht überall, aber überall da, wo Kurse gepflegt und Zeiten eingehalten werden mussten und das war fast überall, wo etwas los war.

Liebe Grüsse von bayern klassich
 
filunski Am: 17.01.2015 12:09:14 Gelesen: 422000# 452 @  
@ Gernesammler [#449]
@ bayern klassisch [#451]

Hallo Rainer, hallo Ralf,

ich danke euch für eure Antworten und Meinungen, treffen sie doch genau den Punkt, den ich meinte.

0 oder 3, was stimmt nun? Auf den ersten Blick erging es mir wie Rainer, den Beleg mit bloßem Auge betrachtet und auch auf dem abgebildeten scan scheint der Rothenburger Stempel das Datum 00.1. zu zeigen. Bei genauerem Hinsehen könnte man aber auch, wie Ralf schreibt, eine (undeutliche) 3 erahnen, was dann als Datum durchaus passen würde.

Deshalb hier mal ein 600dpi scan des Stempels:



Schon deutlicher, aber Zweifel bleiben, deshalb noch ein 1200 dpi Scan des Datums:



Der Ansatz einer 3 scheint hier deutlicher, aber ist es wirklich eine solche? Vielleicht noch durch irgendwelche ineinander laufende Farbspuren zu einer 0 geformt. Verglichen mit den anderen Dreien, in Schillingsfürst oder München zumindest wesentlich undeutlicher.

Wir werden es wohl nicht mit 100%iger Sicherheit sagen können, oder findet eventuell noch Jemand einen anderen Lösungsansatz? ;-)

Beste Grüße,
Peter
 
bignell Am: 17.01.2015 12:25:22 Gelesen: 421997# 453 @  
@ filunski [#452]

Hallo Peter,

das ist eindeutig eine 3. Beim Stempelabschlag wurde leicht nach oben gewischt, das sieht man beim O von Rothenburg ganz gut. Deshalb ist das linke untere Ende von der 3 nach oben verlängert und fliesst so in das linke obere Ende. Die Spitze der 3 in der Mitte ist deutlich erkennbar.

Lg, harald
 
filunski Am: 17.01.2015 12:34:10 Gelesen: 421993# 454 @  
@ bignell [#453]

Hallo Harald,

ja, ich denke auch Du hast Recht! Danke für den Hinweis. ;-)

Beste Grüße,
Peter
 
Gernesammler Am: 17.01.2015 22:07:39 Gelesen: 421937# 455 @  
@ bignell [#453]
@ filunski [#454]

Hallo ihr Beiden,

bei 1200 dpi ist die drei doch noch ganz gut zu erkennen.

@ bayern klassisch [#451]

Hallo Ralph,

danke für den Hinweis mit der Briefpost.

Gruß Rainer
 
Heinz 7 Am: 19.01.2015 19:30:33 Gelesen: 421771# 456 @  
@ bayern klassisch [#284]

Guten Abend,

wenn ein Thema schon fast 6 Jahre läuft und weit über 400 Beiträge hat, ist es schwierig, noch etwas Neues beisteuern zu können. Zu meiner Freude scheint mir dies aber zu gelingen. Ich habe eine seltene Verwendung einer unzerteilten Antwortpostkarte.

Ralph sagt: "auffrankierte Poststücke nach Abzug ins Ausland sind keine Massenware".

1896 sandte ein Herr Georg Nagl, (königlicher Eisenbahnrevisor!) eine Inland-Antwortpostkarte an einen Briefmarkenhändler (?) in Bukarest eine Mitteilung "... mitzutheilen, dass ich mit Ihnen gerne in Tauschverbindung treten möchte ...". Für Bukarest genügte die 2 x 5 Pfennig-Ganzsache natürlich nicht, sodass Herr Nagl 2 x eine 5 Pfennig Marke dazuklebte und damit aus der Inland- eine Ausland-Antwortpostkarte schuf. Am 21. Januar 1896 verliess die Karte München und traf schon zwei Tage später in Bukarest ein.



Der Empfänger sah sogleich, dass die Antwort im Voraus bezahlt war und antwortete zwei Tage nach Eingang, am 25. Januar 1896. Offenbar war er an einem philatelistischen Austausch interessiert und konnte dem Fragesteller auch durchaus lohnende Geschäfte vorschlagen ("Ich kann Ihnen beinahe alles von Rumänien completieren...").

Am 25. Januar 1896 trat unsere Ganzsache die Reise zurück nach München an, und kam dort 3 Tage später heil an. Ungewöhnlich ist, dass der erste Empfänger die GANZE (Doppel-) Karte zurücksandte; vorgesehen war (seitens der Post) eigentlich nur, dass der Antwortteil zurückgesandt wird! Jedoch hatte Herr Nagl ausdrücklich um die Rücksendung der GANZEN Karte gebeten, und der rumänische Empfänger/Absender erfüllte diesen Wunsch. Ich freue mich ebenfalls darüber!



Freundliche Grüsse
Heinz
 
bayern klassisch Am: 19.01.2015 19:38:12 Gelesen: 421767# 457 @  
@ Heinz 7 [#456]

Lieber Heinz,

da hast du ein ganz außergewöhnliches Stück aufgetrieben, das mit einer besseren Destination und der Auffrankatur allein schon gut wäre - mit der original belassenen Karte hin und her natürlich noch eine Stufe besser.

Aus der Pfennigzeit sind solche Karten selten und aus der Kreuzerzeit habe ich nur 2 bisher gesehen, wobei ich die hübschere von beiden schnappen konnte und morgen als Pendant hier vorstellen werde.

Vielen Dank fürs Zeigen dieser Rosine und liebe Grüsse,
Ralph
 
Heinz 7 Am: 19.01.2015 20:23:25 Gelesen: 421758# 458 @  
@ bayern klassisch [#457]

Lieber Ralph,

vielen Dank für die anerkennenden Worte. Rumänien ist für Bayern als Destination schon ganz nett, natürlich vor allem die ganz alten Briefe. Einen solchen kann ich zwar nicht zeigen, immerhin aber einen schönen Brief von 1907 von München nach Bukarest. "Monseigneur Baud" war meines Wissens Geistlicher an der "Cathédrale de St. Joseph" in Rumäniens Hauptstadt.



Der Brief hat rückseitig einen Ankunftsstempel "30 DEC 1907", die Reise dauerte also nicht lange. Der Posthörnchen-Stempel vorne ist in Bukarest angebracht worden. Die Marke ist ungewöhnlich gut gezähnt, und so gefällt mir der Brief ebenfalls sehr.

Herzliche Grüsse

Heinz
 
bayern klassisch Am: 19.01.2015 20:27:05 Gelesen: 421755# 459 @  
@ Heinz 7 [#458]

Lieber Heinz,

das Posthörnchen ist ja allerliebst - selten so etwas schnuckeliges gesehen. Wieder ein Schmankerl mehr in diesem tollen Thread.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bignell Am: 19.01.2015 21:53:49 Gelesen: 421736# 460 @  
Hallo,

hier ein Brief von München über Salzburg und Ried an die Graf Arco-Valley Patronatsvertretung in Aurolzmünster [1]





Über die Arcos siehe [2]:

Mitglieder der Familie wurden tirolische Landsassen, allerdings blieb ihre Grafschaft trotz des Verlusts der Reichsunmittelbarkeit weiterhin Reichslehen. 1695 wurde ihnen die Edelmannsfreiheit verliehen. Zweige des Geschlechts wurden in Bayern, Schlesien und Österreich sesshaft. Die bayerische Linie teilte sich im 19. Jahrhundert in die zwei gräflichen Äste von Arco auf Valley und von Arco-Zinneberg.

Bis heute sind die Besitzungen in Valley, Adldorf und das Palais Arco-Zinneberg in München in Besitz der Familie geblieben, ferner gelangte auf dem Erbweg Moos von der Familie Preysing an die Arcos. 1998 erfolgte der Erwerb der böhmischen Burg Vysoký Chlumec. Arcobräu in der niederbayerischen Gemeinde Moos befindet sich im Besitz der Familie Arco-Zinneberg.

Eine Frage zu dem Brief: Die 9 Kreuzer scheint mir zum Brief zugehörig, allerdings scheint sie zum Stempel verschoben. Kann es sein, dass sie nach dem Aufkleben und Entwerten noch verrutscht ist, oder gibt es dafür eine andere Erklärung?

Danke, harald

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Aurolzm%C3%BCnster
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Arco_(Adelsgeschlecht)
 
Heinz 7 Am: 19.01.2015 22:29:39 Gelesen: 421732# 461 @  
@ bayern klassisch [#459]

Lieber Ralph,

es macht Spass, Dich (als "Grossmeister") ein wenig verwöhnen zu können!

Sicherlich gefällt Dir auch die beiliegende Postkarte.

Joseph Strobel von Essleben sandte am 20. April 1903 Herrn Dr. Aug. Anthones ein philatelistisches Tauschangebot. Unser Herr Anthones wohnte aber nicht "um die Ecke", sondern einige Seemeilen weiter: in Viktoria / Kamerun. (Heute: "Limbe").



Am 20. April ging die Ausland-Postkarte auf ihre lange Reise, und kam viele Tage später am Bestimmungsort an. In Kamerun stellte man aber fest, dass der Adressat neu an einer neuen Adresse wohnt(e), in Bucarest / Rumänien; also wurde die Karte am 26. Mai nachgesandt (siehe handschriftlicher Vermerk). Per Schiff tuckerte die Postkarte zurück nach Europa, diesmal in den Südosten. Die Karte war offenbar wiederum mehr als einen Monat auf Reise (Ankunftsstempel 30. Juni). In Bukarest schliesslich stellte man fest, dass der Adressat, Dr. Aug. Anthones abgereist war (siehe: Postkleber "Parti (Plecat)"). Was tun? Der Postbeamte griff zum Blaustift und die zweite Adresse wurde durchgestrichen, und es wurde fett vermerkt "zurück Essleben".

Bayern - Kamerun - Rumänien - Bayern. Wer träumt denn von sowas?

Herzliche Grüsse
Heinz
 
bayern klassisch Am: 20.01.2015 06:22:32 Gelesen: 421674# 462 @  
@ bignell [#460]

Lieber Harald,

ich muss dich leider sehr enttäuschen, aber die Marke hat auf dem Brief nichts zu suchen. Der Brief selbst ist echt und in München geschrieben, aber die Marke hat den offenen Mühlradstempel 356 von Nürnberg und das passt leider gar nicht. Daher sieht sich auch so verquetscht aus. Bitte entferne die Marke sorgsam vom Brief, damit nach dir keiner Schabernack treibt mit dem guten Stück.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 20.01.2015 12:46:33 Gelesen: 421607# 463 @  
@ Heinz 7 [#456]

Lieber Heinz,

wie versprochen mein Stück aus der Kreuzerzeit:



Ich kenne 2 komplette, gebraucht erhaltene Doppelkarten aus der Kreuzerzeit - die andere sieht so aus, dass du sie nicht sehen möchtest.

Meine lief von Würzburg nach Hassfurt und von Hassfurt komplett wieder nach Würzburg zurück und das alles innerhalb von 24 Stunden.

Gegen Rumänien kann ich damit nicht anstinken, das ist eh klar, aber ganz adrett ist das Stück meine ich dennoch.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Heinz 7 Am: 20.01.2015 14:07:56 Gelesen: 421595# 464 @  
@ bayern klassisch [#463]

Ein geniales Stück! 1874 ist alt, sehr alt, das habe ich überhaupt noch nie gesehen, aber wenn Du schreibst, es gibt nur zwei, dann ist das auch nicht verwunderlich.

Die Erhaltung ist (in einem solchen Fall) zwar nahezu "unwichtig", aber wenn sie dann sogar so schön ist, wie im vorliegenden Fall, dann macht das Ganze noch mehr Freude! Diese Karte ist 140 Jahre alt, sieht aber super aus, hat offenbar keine Brüche, vier intakte Ecken. Herz, was willst Du mehr?

Gratulation zu diesem Stück!

Heinz
 
bayern klassisch Am: 20.01.2015 17:12:36 Gelesen: 421569# 465 @  
@ Heinz 7 [#464]

Lieber Heinz,

du sprichst mir aus der Seele. Sie wurde mir vor über 20 Jahren angeboten und der Preis war stattlich. Aber das Geld war schnell vergessen und ich erfreue mich des Stücks täglich und ich denke mir, wie du auch, es ist sagenhaft, dass solch eine Rosine diese Zeiten so gut überdauert hat.

Ich hoffe, ich haben den hier nicht schon gezeigt:



Nürnberg - Hamburg über 20 Meilen kosteten 9 Kreuzer. Zwar hat der Brief einen waagrechten Bug und von der Post rechts einen seltenen, alten Fingerabdruck, aber ansonsten kann man da wohl nicht meckern, zumal die Nr. 11 Bayerns auf wirklich schönen Briefen (noch dazu mit etwas besserer Destination Hamburg) wahrlich nicht an jeder Ecke zu finden ist.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bignell Am: 20.01.2015 18:47:13 Gelesen: 421550# 466 @  
@ bayern klassisch [#462]

Hallo BK,

wie? Habs über Dampf probiert, aber da hat sich wenig getan. Wässern kommt nicht in Frage, das würde den Brief zerstören - und der ist für mich wertvoller als die Marke, zudem sie wenn sie für "Mache" verwendet wurde wahrscheinlich eh hell ist.

Danke, harald
 
briefmarkenwirbler24 Am: 20.01.2015 18:47:21 Gelesen: 421549# 467 @  
@ bayern klassisch [#465]

Hallo Ralph,

schöner Brief und noch schönere Destination!

Der Empfänger, Wilhelm Sibeth, war Außenhandelskaufmann in Hamburg gewesen, geb. 16.07.1827 und gest. 12.06.1912.

LG

Kevin
 
bayern klassisch Am: 20.01.2015 19:28:37 Gelesen: 421537# 468 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#467]

Hallo Kevin,

vielen Dank für diese Info - dann passt ja alles. :-)

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Heinz 7 Am: 20.01.2015 21:37:07 Gelesen: 421507# 469 @  
@ bayern klassisch [#465]

Hallo Ralph,

gute Stücke haben fast immer ihren Preis! Teils mehr, teils weniger. Glücklich ist, wer sich auch ab & zu ein teures Stück leisten kann / tut. Meist sind es dann genau DIE Stücke, die Jahre später den Wert der Sammlung entscheidend beeinflussen.

@ Heinz 7 [#461]

Ein Kommentar des Kenners zu meinem Beitrag "Kamerun" würde mich natürlich schon noch interessieren. Ich nehme nicht an, dass es Dir ganz die Sprache verschlagen hat.

;-)

Herzliche Grüsse
Heinz
 
bayern klassisch Am: 20.01.2015 22:05:32 Gelesen: 421504# 470 @  
@ Heinz 7 [#469]

Lieber Heinz,

diesbezüglich bin ich leider kein Kenner, aber auch mir hat sich sofort erschlossen, dass dieses Stück etwas ganz Besonderes ist. Die Pfennigzeit ist natürlich reich an Destinationen, die einem Kreuzerzeitsammler abgehen, weil es solche Pretiosen damals gar nicht gab. Aber diese Leitung hin und her, mit Kamerun und Rumänien, ist natürlich großes Kino, aber mit Rumänien kann ich leider nicht dienen und mit Kamerun natürlich noch weit weniger.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bignell Am: 24.01.2015 13:51:58 Gelesen: 421181# 471 @  
@ bayern klassisch [#463]

Hallo BK,

eine Doppelkarte aus Bayern mit Zusatzfrankatur kann ich auch zeigen, allerdings nur einen Frageteil aus der Pfennigzeit:



Gelaufen 1904 von Augsburg nach Magdeburg. Wenn ich sie richtig identifiziere, Nummer 55 II nach Weltganzsachenkatalog 1938.

Lg, harald
 
Gernesammler Am: 24.01.2015 15:36:00 Gelesen: 421169# 472 @  
Hallo zusammen,

diese nette Paketkarte konnte ich diese Woche erwerben, benutzt wurde das gute Stück für zwei Pakete von München in die Schweiz. Versendet im Mai 1887 zur Pfennigzeit wurden hier die MichelNr. 49, 52 und 53 verklebt, so das insgesamt 1,60 Mark Porto anfielen. Rückseitig ist der Ankunftsstempel von Rorschach abgeschlagen.

Gruß Rainer


 
bayern klassisch Am: 24.01.2015 15:41:48 Gelesen: 421165# 473 @  
@ Gernesammler [#472]

Lieber Rainer,

schönes Stück und feines Farbspiel - freu dich, sie lief über den Bodensee und somit hast du eine "Überseepaketkarte".

80 Pfg. war der Standardtarif für ein Paket, von daher stimmen die 160 Pfg. perfekt.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Gernesammler Am: 24.01.2015 19:56:49 Gelesen: 421145# 474 @  
Hallo Ralph,

habe mich auch bemüht das Farbenspiel ein wenig runter zu handeln, hat auch geklappt.

Hallo an Alle,

hier eine Ganzsachen Postkarte zu 3 Kreuzer von 1875, versendet im Fernverkehr von Bergtheim nach Nürnberg an die Aktien Brauerei Henninger. Rückseitig ist der Ankunftsstempel von Nürnberg abgeschlagen und der Briefträgerstempel Nr.33.

Gruß Rainer


 
bayern klassisch Am: 24.01.2015 20:17:51 Gelesen: 421134# 475 @  
@ Gernesammler [#474]

Hallo Rainer,

schöne Karte - eine kleine Contravention ist aber auch dabei, denn der Abgabestempel (Ankunftsstempel) sollte oben links auf der Vorderseite abgeschlagen werden. Gerade bei Postkarten mit potentiell interessantem Inhalt bemerkt man aber immer wieder, dass die Ankunftsstempel auf der Rückseite abgeschlagen wurden. Ich habe die Vermutung, dass man die Karten schnell gelesen hat und dabei auch den Stempel anbrachte.

Nicht umsonst wussten die alten Postler mehr, als in der Zeitung stand.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
LK Am: 24.01.2015 22:33:17 Gelesen: 421118# 476 @  
@ Gernesammler [#474]

Hallo,

es ist übrigens eine 2 Kreuzer Ganzsache Mi P1 I.

Porto für Postkarten im Fernverkehr ab 1.7.1872 = 2 Kreuzer.

Zudem hatte der Ort Bergtheim 1872 nur ca. 300 Einwohner, entsprechend dürfte das Postaufkommen sich in Grenzen gehalten haben.

Schönes Stück

Gruß
 
Gernesammler Am: 25.01.2015 14:12:20 Gelesen: 421072# 477 @  
@ bayern klassisch [#475]
@ LK [#476]

Hallo Ihr Beiden,

schönen Dank für den Hinweis, das mit dem Porto hatte ich doch glatt übersehen.

Dann hier nochmals eine Ganzsachen Postkarte über 2 Kreuzer von 1875 gesendet von Kissingen nach Leipzig. Hier hat ja dann der Postbeamte den Ausgabestempel richtig gesetzt aber doch dann heimlich die Karte gelesen was der Ankunftsstempel von Leipzig bezeugt.

Kann mir jemand sagen was das P.V. im Stempel von Leipzig bedeutet?

Gruß Rainer


 
Gernesammler Am: 26.01.2015 20:02:38 Gelesen: 420954# 478 @  
Hallo zusammen,

habe hier eine Ganzsachen Postkarte über 5 Pfennig, versendet an die Firma Hutter & Cie. den Rest kann ich leider nicht entziffern unter anderem welcher Ort gemeint ist.

Die Karte ist am 15.6.1881 gestempelt und verschickt worden und rückseitig gestempelt mit Kreissegmentstempel von Rossberg 18.6.1881. Kann mir hier jemand mehr dazu sagen? Danke.

Gruß Rainer


 
LK Am: 26.01.2015 20:16:00 Gelesen: 420945# 479 @  
@ Gernesammler [#478]

Hallo,

es handelt sich um einen württembergischen Bahnstempel.

Roßberg (Wolfegg), Ortsteil der Gemeinde Wolfegg, Landkreis Ravensburg, Baden-Württemberg

Gruß
 
Saguarojo Am: 27.01.2015 14:50:41 Gelesen: 420876# 480 @  
Habe hier einen Brief von 1862 Königreich Hannover. Es fehlt die 1 Groschen-Marke. Auf dem Brief steht mit blauem Stift 1,5. Ist das Strafporto?



Gruß Joachim
 
bayern klassisch Am: 27.01.2015 14:54:51 Gelesen: 420874# 481 @  
@ Saguarojo [#480]

Hallo Joachim,

m. E. fehlt da keine Marke, weil nie eine auf dem Brief klebte.

Es war ein Portobrief und er Empfänger zahlte einen Gutengroschen und 5 Gutepfennige.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Saguarojo Am: 27.01.2015 16:21:17 Gelesen: 420856# 482 @  
@ bayern klassisch [#481]

Vielen Dank Ralph.

Mir war nicht bekannt, dass nach der Vorphilazeit noch Portobriefe in der Form verschickt worden sind.

Viele Grüße Joachim
 
bayern klassisch Am: 27.01.2015 17:08:58 Gelesen: 420840# 483 @  
@ Saguarojo [#482]

Hallo Joachim,

ich meine, bin aber kein Bund - Spezialist, dass man noch vor ca. 5 oder 10 Jahren hier Portobriefe verschicken durfte.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 28.01.2015 13:20:59 Gelesen: 420755# 484 @  
Liebe Sammlerfreunde,

auch einfache Briefen können manchmal gefallen - wie der hier aus Fürth mit Postaufgabe Fürther Kreuzung und offenem Mühlradstempel 639 vom 2.10.1865 nach Ravensburg in Württemberg. Bei über 20 Meilen Entfernung waren 9 Kr. korrekt frankiert. Schön, dass man den Rand nicht kupiert hat.



Siegelseitig kann man schön die zwei unterschiedlichen Bahnpoststempel Württembergs sehen - einer vom 2.10. mit Angabe der Zug - Nummer und einer vom 3.10. mit Jahreszahl. Hat man ja auch nicht jeden Tag ...

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Heinz 7 Am: 28.01.2015 14:02:27 Gelesen: 420750# 485 @  
@ bayern klassisch [#484]

Hallo Ralph

schön, was Du als "einfachen Brief" bezeichnest. ;-)

Buntfrankatur, vier verschiedene Stempel, eine Marke mit Bogenrand, Brief fast 150 Jahre alt, genau zu datieren. Ein sehr schöner Brief! Gratuliere!

Heinz
 
bayern klassisch Am: 28.01.2015 14:17:39 Gelesen: 420740# 486 @  
@ Heinz 7 [#485]

Hallo Heinz,

den habe ich günstig bei einem Auktionshaus in Köln gefischt und die Beschreibung ist für einen, der hier mit liest, ja ein Klacks.

Der hier ist auch einfach, aber wie ich finde recht hübsch, denn er zeigt eine schöne Einzelfrankatur der 12 Kr. (Nr. 18) auf einem Brief von Fürth (3.8.1868) nach Mailand. Von den 12 Kr. bei der Leitung über Österreich behielt Bayern 6 und gab 6 davon (s. Weiterfrankovermerk) an Italien weiter.



Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 30.01.2015 14:12:09 Gelesen: 420450# 487 @  
Liebe Sammlerfreunde,

im März 1866 gab eine Firma aus Ulm diesen Brief nach Hindelang in Neu-Ulm (Bayern) auf. Warum wohl?





Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
LK Am: 30.01.2015 14:46:12 Gelesen: 420442# 488 @  
@ bayern klassisch [#487]

Hallo,

Ulm gehörte seit 1810 zu Württemberg, Neu-Ulm zu Bayern.

Dem entsprechend ein Inlandbrief.

Ab Ulm wäre der DÖPV Tarif fällig gewesen.

Ob dieser höher war kann ich leider nicht sagen, habe nie Württemberg gesammelt. Zumindest war die Transportzeit wohl kürzer, da kein Postaustausch stattfand.

Gruß

LK
 
bayern klassisch Am: 30.01.2015 17:59:59 Gelesen: 420397# 489 @  
@ LK [#488]

So ist es - ganz richtig. Im Postverein (Ulm - Hindelang) galten 10 Meilen - Schritte je 3 Kr. Franko. Die Distanz betrug über 10 bis 20 Meilen, so dass der Absender in Ulm mit 6 Kr. hätte frankieren müssen.

Indem er den Brief über die Donau brachte (und vlt. andere Postsachen auch), sparte er sich wie man sieht 3 Kr., weil es dadurch ein bayerischer Inlandsbrief wurde und ab 1.8.1865 alle Inlandsbriefe nur noch 3 Kr. kosteten, ohne Unterschied der Entfernung.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 30.01.2015 20:10:28 Gelesen: 420364# 490 @  
Hallo Ralph,

schöne Briefe, die Du hier zeigst, solch einfache Sachen hätte mancher gern, gerade der Brief von Fürth nach Mailand ist einfach toll.

Ich habe hier eine Ganzsachen Postkarte von 1876 zu 5 Pfennig gestempelt mit Postablage Wiersberg, (Frage dazu: Seit wann hat sich die Schreibweise des Stadtnamens geändert, siehe Rückseite Wirsberg/Oberfranken 10.6.1876). Versendet nach Tübingen in Würtemberg und gestempelt Neuenmarkt (Bahnpoststempel?).

Gruß Rainer


 
bayern klassisch Am: 30.01.2015 20:23:01 Gelesen: 420358# 491 @  
@ Gernesammler [#490]

Hallo Rainer,

zur Namensdeklination von Wiersberg kann ich wenig beitragen - es gab einige Ort in Bayern, deren Namen im 19. Jahrhundert modifiziert wurde - auch mal hin und her (Speier, Speyer; Zweybrücken - Zweibrücken; Tittmaning, Tittmoning usw.).

Postablagestempel gehören zu den beliebtesten Entwertungen in Bayern - unser Mitglied kreuzer hier hat eine sehr gute Sammlung hierzu, die schon mit großem Erfolg ausgestellt wurde. Vlt. kann er zu Wiersberg näheres sagen.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
kreuzer Am: 31.01.2015 20:10:34 Gelesen: 420222# 492 @  
@ Gernesammler [#490]

Hallo Gernesammler,

es handelt sich bei der Schreibweise "Wiersberg" wohl um eine lautmalerische Schöpfung des Stempelschneiders, angelehnt an die mundartliche Aussprache "Wärschberch". Es gibt ein interessantes Buch "Lexikon der fränkischen Ortsnamen" von Wolf-Armin Freiherr von Reitzenstein, in dem auch die historisch in Urkunden belegten Schreibweisen genannt sind. "Wiersberg" war nie dabei. 1634 heißt es im Bürgerbuch von Kulmbach "Wierperg", 1651 "Wierschberg", 1664 ist wieder (ca. 1342 zum ersten mal) "Wirsberg" belegt.

Viele Grüße

kreuzer
 
kreuzer Am: 31.01.2015 20:22:59 Gelesen: 420217# 493 @  
Hallo zusammen!

Und hier noch ein Brief von der Postablage Wirsberg vom 10.07.1867 nach Münchberg. Es handelt sich um einen portofreien Dienstbrief. Zuständige Postexpedition für die Postablage war Neuenmarkt.

Viele Grüße

kreuzer


 
Gernesammler Am: 01.02.2015 17:16:19 Gelesen: 420123# 494 @  
@ kreuzer [#492]
@ bayern klassisch [#491]

Hallo Kreuzer, hallo Ralph,

Vielen Dank für die Deklination der Schreibweise von Wirsberg, habe es gleich übernommen und die Postkarte auf eine Seite gezogen.

Ich hatte vor kurzem das Glück eine kleine Stempelsammlung von Bayern preiswert zu bekommen, da war diese Karte mit dabei.

Gruß Rainer
 
Gernesammler Am: 04.02.2015 09:50:46 Gelesen: 419885# 495 @  
Hallo Sammlerfreunde,

hier ein Brief von 1826, von Dillingen nach Kempten mit dem Hinweis diesen im Rössl abzugeben. Hier wird die Freundin der geschrieben wurde gewohnt haben.

Wurde für diesen Brief 1 Kreuzer veranschlagt?

Rückseitig ist kein Ankunftsstempel nur ein aufgebrochenes Siegel. Ich habe mal eine Seite des Textes mit angefügt, wenn dieser von Interesse ist, kann ich die anderen beiden Seiten noch zeigen.

Gruß Rainer


 
bayern klassisch Am: 04.02.2015 09:57:46 Gelesen: 419882# 496 @  
@ Gernesammler [#495]

Hallo Rainer,

der Empfänger hat 6 Kr. bezahlt - das ist eine verkrüppelte 6 rechts, keine 1.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Gernesammler Am: 04.02.2015 10:38:45 Gelesen: 419873# 497 @  
@ bayern klassisch [#496]

Hallo Ralph,

Danke! Ich hatte diese 6 nur als Strich gesehen und da ich leider noch keine Literatur zu den Portostufen habe konnte ich den Brief nicht genau beschreiben.

Gruß Rainer
 
bayern klassisch Am: 04.02.2015 11:47:11 Gelesen: 419866# 498 @  
@ Gernesammler [#497]

Taxregulativ vom 1.12.1810:

Bis 1/2 Loth (= 8,75g) bis 6 Meilen (1 Meile = 7,5 km) 3 Kreuzer. Über 6 - 12 Meilen 4 Kr.. Über 12 - 18 Meilen 6 Kr.. Über 18 - 24 Meilen 8 Kr. und so weiter.

Über 1/2 bis 1 Loth in den Entfernungsstufen von oben 4 Kreuzer, 6 Kr., 9 Kr. usw..

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 06.02.2015 15:10:43 Gelesen: 419604# 499 @  
Liebe Sammlerfreunde,

heute möchte ich ein Los aus einer rheinländischen Auktion vorstellen, wie ich es noch nicht hatte.

Er lief im April 1868 von Straubing nach Mallersdorf und war als Portobrief 11 Kreuzer teuer.

Dann lief er im Mai 1868 von Mallersdorf nach Straubing retour und war mit 7 Kreuzern frankiert.

Also Porto hin und franko retour.

Aber das ist nicht mal die postgeschichtliche Besonderheit, die der Brief aufweist (obwohl das auch keine Massenware ist, von der Farbfrankatur mal abgesehen). Wer findet sie?



Liebe Grüsse,
Ralph
 
Magdeburger Am: 07.02.2015 14:45:13 Gelesen: 419485# 500 @  
@ bayern klassisch [#499]

Lieber Bayern Klassisch,

vielleicht löst du selbst auf.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
bayern klassisch Am: 07.02.2015 15:35:48 Gelesen: 419468# 501 @  
@ Magdeburger [#500]

Lieber Magdeburger,

dann mache ich das doch glatt. :-)

Das Gericht in Straubing sandte eine portopflichtige Parteisache "erga recepisse", also gegen Rückschein, an das Gericht in Mallersdorf.

Die Mitgabe einer Retour - Recepisse setzte immer voraus, dass der Brief selbst einzuschreiben war, wie auch die Retour - Recepisse selbst eingeschrieben war.

In dem Falle hätte man einen Porto - Chargébrief gegen Rückschein aufgeben müssen. Das hätte 11 Kr. Porto für den Brief über 1 - 15 Loth und 7 Kr. Reco - Gebühr in Mallersdorf gekostet, während die Gebühr für die Retour - Recepisse stets vom Absender zu tragen war, hier also mit weiteren 7 Kr. zu Buche geschlagen hätte.

All das ist nicht passiert - man hat den Vermerk übersehen bzw. am Schalter nicht auf die richtige Behandlung gepocht.

Die Rückseite zeigt auch einen gewöhnlichen Brief als Partei - Sache über 1 bis 15 Loth, die aber mit 7 Kr. frankiert aufgegeben worden war - ohne Recommandation und ohne Rückschein, was wunder.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Magdeburger Am: 07.02.2015 16:33:53 Gelesen: 419433# 502 @  
@ bayern klassisch [#501]

Lieber Bayern Klassisch,

Danke!

Liebe Sammelfreunde



Am 1.August 1856 wurde in Erlangen „An die Fürstlich Lippische interimistische Oberappellations Gerichtskomission zu Detmold“ ein Paket von 2 Pfund 26 Loth mit einem Postvorschuß von 21 Gulden 52 Kreuzer versendet.



Die Sendung lief nicht über Frankfurt/Main wie zu erwarten wäre, sondern über Hof – Plauen – Leipzig – Magdeburg – Braunschweig – Hannover weitestgehend mit der Eisenbahn, wie auch die Siegelseite zeigt.

Taxierung erfolgt nach Grenzpunkten laut 1. Revidierten Postvertrag des DÖPV incl. der Verträge zwischen den einzelnen Posthoheiten.

Für Bayern ergibt sich für den Postvorschuß von 21 Gulden 52 Kreuzer (375 Sgr.) ein ProCura von 22 Kreuzer (6 ½ Sgr.). Dazu kommen 7 Kreuzer (2 Sgr.) Mindestfahr-Posttarif.

Für den Transit durch Sachsen von der festen Länge von 18 Meilen ergeben sich 2 Sgr. Mindestfahr-Posttarif. Insgesamt ergeben sich so die 385 ½ Sgr., welche in Magdeburg in Auslage genommen wurden.

Für den Transit von 18 Meilen durch Preußen sind 2 Sgr., sowie den Transit durch Hannover und Braunschweig als gemeinsames Gebiet von 3 Sgr. und schlußendlich noch 1 Sgr. für den Taxischen Teil, jeweils als Mindestfahr-Posttarif dazu zu addieren. So ergeben sich die 391 ½ Sgr. gesamt. Dazu kommt noch ½ Sgr. Bestellgeld.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
bayern klassisch Am: 07.02.2015 18:12:21 Gelesen: 419406# 503 @  
@ Magdeburger [#502]

Lieber Magdeburger,

danke fürs zeigen und erläutern dieses multinationalen Fahrpostbriefes, dessen Taxerklärung hohe Spezialisiertheit verlangt, die du ohne Zweifel hast.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Magdeburger Am: 07.02.2015 19:03:32 Gelesen: 419393# 504 @  
@ bayern klassisch [#503]

Lieber Bayern Klassisch,

danke für die Blumen.

Liebe Sammelfreunde,

hier nun ein weiterer Beleg aus dieser Korrespondenz vom 22. September 1856 (leider nicht mein Beleg):



Der Beleg für ein Paket von 22 Pfund 15 Loth incl. einem Postvorschuß von Achtundsechzig Gulden 50 Kreuzer lief über den den eigentlichen Laufweg!

Auch hier gilt der 1. Revidierte Postvertrag zum DÖPV incl. der Verträge zwischen den einzelnen Posthoheiten.

Der Austauschpunkt (AS) zu Bayern wird die Mitte zwischen Hanau und Dettingen (heute eher Karlstein am Rhein) beschrieben, was weniger als 1 Meile von Frankfurt in Richtung Bayern entfernt liegt.

Die Entfernung von Erlangen zum AS beträgt etwas über 20 Meilen, was der 5. Entfernungsprogression (PS) entspricht. (Nach Frankfurt sind es etwa 21 Meilen.) Von Frankfurt/Main bis nach Detmold sind es weitere 27 Meilen, dies entspricht der 6. PS.

Als erstes wird der Postvorschuß reduziert, also:

68 f 50 x = 4130 x = 14160 Pfennige = 1180 Sgr. = 39 Thaler 10 Sgr.
Für den Postvorschuß mußte eine Procuragebühr entrichtet werden. Diese errechnete sich für jeden Teil eines Gulden 1 Kreuzer – mindestens jedoch 3 Kreuzer bzw. je ½ Sgr. für den angefangen Thaler – mindestens 1 Sgr.
Damit ergibt sich 69 Kreuzer = 19 ¾ Sgr. aus der Guldenwährung bzw. 20 Sgr. wenn dieser aus der Thalerwährung berechnet wird (Richtig ist, aus der Guldenwährung ! ).

Für Bayern ergibt sich für das Paket nach Gewicht:

7/12 Kreuzer * 23 Pfund * 5 PS = 67,08 Kreuzer = 68 x (= 19 1/2 Sgr.), dazu die Rechnung in Thalerwährung: 2 Pfennige * 23 Pfund * 5 PS = 230 Pfennige = aufgerundet 19 ¼ Sgr.

Addiert man die Kreuzerwerte, also 4130 + 68 + 69 = 4267 = 71 Gulden 7 Kreuzer - es stehen 2 Kreuzer mehr – 71 f 9 Kreuzer.

Die Differenz läßt sich so errechnen:

7/12 Kreuzer * 23 Pfund * 1 PS = 13,41 Kreuzer aufgerundet 14 Kreuzer. Da es 5 Entfernungsstufen sind, rechnete hier der Postbeamte also 14 Kreuzer * 5 PS = 70 Kreuzer = 20 Sgr.

Ersetzt man nun die 68 Kreuzer durch die falschen 70 Kreuzer erhöht sich die Summe auf die ausgewiesenen 71 Gulden 9 Kreuzer.

Doch damit nicht genug, denn diese Summe sind auf keinen Fall die angegebenen 1220 Sgr., sondern nur 1219 ¾ Sgr.

Einzig die unterstrichenem Zahlen nun addiert ergeben den Wert von 1220 Sgr., insgesamt ein ¾ Sgr zuviel.

Für den Taxische Teil stimmt es wieder für das Paket:

2 Pfennige * 23 Pfund * 6 PS = 276 Pfennige = 23 Sgr.

Die Summe von 1220 Sgr + 23 Sgr = 1243 Sgr = 41 Thaler 13 Sgr + 1/2 Sgr. Bestellgeld paßt dann wieder.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
clark_steward Am: 08.02.2015 10:22:56 Gelesen: 419280# 505 @  
Einige Belege von mir:


 
clark_steward Am: 08.02.2015 10:28:50 Gelesen: 419270# 506 @  

 
bignell Am: 08.02.2015 10:45:44 Gelesen: 419265# 507 @  
@ clark_steward [#506]

Sehr hübsch: Falsch eingesetztes Z bei Sulzbach.

Lg, harald
 
clark_steward Am: 08.02.2015 10:47:00 Gelesen: 419263# 508 @  

 
bayern klassisch Am: 08.02.2015 13:43:12 Gelesen: 419238# 509 @  
@ clark_steward [#505]

Hallo,

es wäre schön, wenn du deinen Briefen eine Beschreibung folgen lassen könntest, denn nicht immer geht alles Wichtige von der Vorderseite aus. Oder hast du Fragen zu deinen Briefen, was ja auch möglich wäre?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 08.02.2015 17:11:18 Gelesen: 419191# 510 @  
Hallo Sammlerfreunde,

habe hier einen Brief von 25.12.1846 der verschickt wurde vom königlisch bayrischem Pfarramt Mainbernheim/ Unterfranken an das Großherzogliche badische Pfarramt in Wertheim. Dieser Brief müsste da von einer kirchlichen Institution versendet portofrei gewesen sein.

Leider ist der Stempel von Mainbernheim nicht so toll abgeschlagen.
Rückseitig ist das Papiersiegel von Mainbernheim noch in recht gutem Zustand erhalten.

Gruß Rainer


 
kreuzer Am: 08.02.2015 19:23:33 Gelesen: 419163# 511 @  
@ Gernesammler [#510]

Hallo Rainer,

Du liegst richtig, es handelt sich um einen portofreien Dienstbrief. Dies sieht man an der Franchise R.S. links unten, was Regierungssache bedeutet.

Viele Grüße

kreuzer
 
kreuzer Am: 08.02.2015 20:01:39 Gelesen: 419151# 512 @  
@ bignell [#507]

Hallo Harald,

bei diesen Stempeln war nur der Datumseinsatz variabel. Bei dem gezeigten Stempel (Typ 12a) hat der Stempelschneider das Z verkehrt herum geschnitten. Der Stempel war laut Winkler (Handbuch der bayerischen Poststempel) ca. 5 Jahre lang in Gebrauch. Auch in Zorneding gabs einen Halbkreisstempel mit verkehrtem Z, der aber ca. 28 Jahre lang im Einsatz war.

Viele Grüße

kreuzer
 
Gernesammler Am: 10.02.2015 17:42:59 Gelesen: 418897# 513 @  
Hallo Sammlerfreunde,

habe hier einen Brief von Hof/ Oberfranken nach Altenburg in Thüringen, versendet wurde der Brief von einem Herrn Püttner am 5.2.1865 an einen Herrn Müller, innen deklariert als Preiscourante.

Der Brief ist in der 1.Gewichtsstufe bis 1 Loth und bei einer Entfernung von 11 Meilen mit 6 Kreuzern laut DÖPV in der Tarifperiode vom 1.1.1861 - 31.12.1867 portogerecht frankiert. Verklebt wurde hier eine Michel Nr.10 mit einem Teil der 2ten Marke, der Stempel auf der Marke ist nicht zu entziffern. Rückseitig wurde der Ankunfts- Ausgabestempel von Altenburg abgeschlagen. Der Zweizeiler "HOF B.E." ist im Feuser Vorphila nicht enthalten, kann mir jemand Daten dafür nennen? Danke!

Gruß Rainer


 
bayern klassisch Am: 10.02.2015 17:56:02 Gelesen: 418887# 514 @  
@ Gernesammler [#513]

Hallo Rainer,

der Stempel sollte 211 von Hof sein. Die Marke ist außergewöhnlich breit geschnitten - gerade die Nrn. 10 und 11 von Bayern sind i. d. R. recht knapp geschnitten. Warum das so ist, weiß keiner.

Der späte HOF B E stand für Hof Bahnhofs Expedition und kamm in den 1860er Jahren vor. Im Feuser sind nur vorphilatelistische Stempel, da kann er nicht vorkommen, weil es keine Grotesk - Stempeltypen in Bayern der Vormarkenzeit (VMZ) gab.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 14.02.2015 12:40:00 Gelesen: 418595# 515 @  
Liebe Sammlerfreunde,

in der Zeit vom 20.11.1856 bis zum 30.11.1856 waren die Mühlradstempel in München zur Neuverteilung, daher musste in dieser 11 tägigen Phase mit dem Ortsstempel allein gearbeitet werden. Klebten Marken auf den Briefen waren sie mit dem Ortsstempel zu entwerten, daher nennt man diese Ortsstempelentwertungen "Umtauschstempel".



Hier zeige ich eine Rosine einer Rosine, denn einen Umtauschstempel findet man nicht an jeder Ecke, zumal auf Brief. Am 23.11. und am 30.11. waren aber an den Sonntagen die Postexpeditionen nur beschränkt geöffnet, so dass das Postaufkommen natürlich geringer war, also während der Woche (damals 6 Tagewoche!).

Dazu kommt, dass der Brief aus Ulm stammt, also über die Donaubrücke verbracht wurde, um bei einer Postaufgabe in Neu-Ulm Geld zu sparen. Statt 6 Kr. für einen Postvereinsbrief Württemberg - Bayern über 10 bis 20 Meilen, wurde so ein bayerischer Inlandsbrief bis 12 Meilen. Für die gesparten 3x gab es damals ein paar Weißwürste mit Senf und Kraut - also hat sich der morgendliche Spaziergang gelohnt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 16.02.2015 19:15:21 Gelesen: 418491# 516 @  
Hallo Sammlerfreunde,

hier ein Portobrief vom 28.4.1855 von Eichstädt nach Burglengenfeld an einen Herrn Paulus, es wurden für den Brief 6 Kreuzer veranschlagt, 3 Kreuzer für den Brief sowie weitere 3 Kreuzer für die unfreie Aufgabe.

Rückseitig ist der Durchgangsstempel von Regensburg abgeschlagen und der Ausgabestempel von Burglengenfeld.

Gruß Rainer


 
bayern klassisch Am: 16.02.2015 19:53:32 Gelesen: 418477# 517 @  
@ Gernesammler [#516]

Hallo Rainer,

ein sehr schöner Portobrief - ist die Taxe grün oder blau? Leider kann ich das nicht gut erkennen.

Wenn es eine grüne Taxe wäre, wäre das sehr selten, weil Bayern damals:

a) schwarze Tinte, b) blaue Tinte, c) blaue Kreide, d) rote Tinte oder e) Rötelstifte benutzte.

Wenn einer für 500 Briefen grün taxiert wurde, ist das schon viel.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Gernesammler Am: 16.02.2015 20:04:18 Gelesen: 418470# 518 @  
@ bayern klassisch [#517]

Hallo Ralph,

ich wollte eigentlich schon fragen, warum die Taxzahl in grün ist, aber durch Deine Antwort erübrigt es sich.

Hier noch einmal die Taxzahl in 600 Dpi, da sollte das grün besser zu sehen sein.

Gruß Rainer


 
bayern klassisch Am: 16.02.2015 20:35:32 Gelesen: 418463# 519 @  
@ Gernesammler [#518]

Hallo Rainer,

klasse, ich freue mich sehr für dich. Grüne Taxen sind äußerst selten, weil grün gar keine Postfarbe war und diese Stifte nur von außen in die Postverwaltung kommen konnten. Ich habe keine 10 Bayernbriefe mit grüner Taxe gesehen.

In meiner Contraventions - Sammlung habe ich auch einen, kann ich vielleicht morgen mal einstellen.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 17.02.2015 18:25:42 Gelesen: 418398# 520 @  
@ Gernesammler [#516]

Hallo Rainer,

ich habe die Seite gefunden - und hoffe, sie macht dir etwas Freude.



Liebe Grüsse,
Ralph
 
Gernesammler Am: 17.02.2015 22:53:38 Gelesen: 418361# 521 @  
@ bayern klassisch [#520]

Hallo Ralph,

gerade gelesen, tolle Seite, schau ich mir Morgen Früh genau an, jetzt habe ich erst einmal Feierabend.

Hätte man nicht die rote 6 streichen müssen wenn man die blaue 6 korrekt notiert das wäre doch die optimale Variante gewesen.

Gruß Rainer
 
briefmarkenwirbler24 Am: 18.02.2015 19:55:29 Gelesen: 418262# 522 @  
@ Gernesammler [#518]
@ bayern klassisch [#519]

Guten Abend Ralph,

was hältst du denn von diesem Brief?



Es handelt sich hierbei um einen Brief von Siegsdorf, der nach Fischach verschickt werden sollte!

Urtümlich wurde der Brief aber nach Fischbach versendet und der Postbeamte unterstrich mit Grünstift den richtigen Ort. Ist dieser Brief mit der Grünstiftnotierung auch selten?

Liebe Grüße

Kevin
 
bayern klassisch Am: 18.02.2015 20:34:54 Gelesen: 418249# 523 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#522]

Hallo Kevin,

ja, das ist auch sehr selten, weil grün keine Farbe war, die die bayerische Post an ihre Poststellen verteilt hatte. Diese Stifte wurden also privat beschafft und dann im Dienst (illegal) eingesetzt. Vermutlich waren sie günstiger, als die blauen oder roten Stifte.

Dein Brief ist hochinteressant - d. h. Fischach (das heißt Fischach) schrieb man drauf und "per B(ahn) P(ost) Augsburg - Ulm".

2 Besonderheiten auf einem hübschen Brief sind nicht übel!

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 20.02.2015 18:55:08 Gelesen: 418105# 524 @  
Liebe Sammlerfreunde,

eben gekauft - Portobrief aus Würzburg nach Rixheim, der 30 Decimes kostete, ein kleines Vermögen, weil 1,5 Gulden.

Was die linke "2" soll, erschließt sich mir aber nicht. Der zugrunde liegende Postvertrag war der von 1801 Thurn und Taxis mit Frankreich, in den Bayern fast unmodifiziert bis 31.12.1821 hinein geschlüpft ist.



Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 21.02.2015 13:02:40 Gelesen: 418054# 525 @  
Liebe Sammlerfreunde,

leider nicht mir, aber ich bleibe gerne für liebe Sammlerfreunde zurück, wenn ich die Scans bekomme.

Im November 1869 ging ein Kuvert aus Edenkoben auf die Reise nach Vevey in der welschen Schweiz.





Wer erkennt die Besonderheit? Wer hier fleißig mit liest, hat gute Chancen!

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Heinz 7 Am: 21.02.2015 14:31:15 Gelesen: 418034# 526 @  
@ bayern klassisch [#525]

Eine schöne Ganzsache mit Zusatzfrankatur in Ausland!

Am 15.11. erfolgte der Versand. Trotz Zusatzfrankatur vor 4 Kreuzern reichte die Frankatur von 7 Kreuzern nicht, um die Einschreibe-Sendung zu bezahlen, weshalb eine Zusatz-Taxe vermerkt wurde. Offenbar wurde darum das Schreiben an die Schokoladenfabrik Cailler in Vevey refüsiert und am selben Tag zurückgesandt.

Hinweg: Stempel "Edenkoben" und "Basel" und "Vevey"
Rückweg: Stempel "Lausanne" und "Bad. Bahnhof"

Heinz
 
bayern klassisch Am: 21.02.2015 15:46:31 Gelesen: 418021# 527 @  
@ Heinz 7 [#526]

Hallo Heinz,

könnte man meinen ... aber so war es nicht. Der Brief war einfach (bis 1 Loth); wäre er doppelt schwer, hätte man ihn mit 50 Rappen nachtaxieren müssen, aber das hat man nicht.

Die Reco-Gebühr von 7 Kr. wurden bar bezahlt, daran lag es auch nicht.

Die Adresse darf man sich mal genauer durchlesen und ich meine damit nicht den süßen Teil davon. :-)

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Heidelberg Collector Am: 21.02.2015 16:51:16 Gelesen: 418005# 528 @  
Hallo Zusammen,

viele Bayern-Belege habe ich schon weggetauscht, aber einer hat sich noch gut versteckt. Von den Marken her nicht wirklich bewegend, aber immerhin eine Mehrfachfrankatur und als Nachnahme gelaufen. Das schöne (meiner Ansicht nach) sind die vier abgeschlagenen Stempel von Lindau vom 16. September 1897.



Gelaufen von Lindau nach Dresden



Ankunftsstempel von der Rückseite

Die Kaufleute Braun & Schaidler brachten es 1869 zumindest in ein Polytechnisches Journal. Es ging um die Aufbewahrung von Petroleumfässern [1]. Wie lange es die Kaufleute gab, habe ich allerdings noch nicht herausfinden können. Aber vielleicht liest ja gerade ein Lindauer mit und kann da weiter geschichtlich ausholen.

Beste Sammlergrüße,

Yoska

[1] http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj193/ar193029
 
Magdeburger Am: 21.02.2015 17:09:25 Gelesen: 417996# 529 @  
@ bayern klassisch [#527]
@ Heinz 7 [#526]

Hallo Heinz 7,

der Laufweg war über die Badische Bahnpost nach Basel, von dort über Bahnpost Bern - Lausanne nach Vevey.

Lieber Bayern Klassisch,

die 36 wird die Chargenummer gewesen sein. Mit der "2" kann ich nichts anfangen. Die 3 dürften von Baden notiert worden sein.

Das einzige was mir noch auffällt, ist, dass auf dem Brief unter dem Empfänger "mit Briefen d(es) Herrn F. L. ???" steht, was bedeuten würde, dass Briefe im Brief mitgeschickt wurden. War dies überhaupt zulässig?

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
bayern klassisch Am: 21.02.2015 18:05:42 Gelesen: 417987# 530 @  
@ Magdeburger [#529]

Lieber Ulf,

tata - so ist es. 3 Kr. notierte Bayern als Weiterfranko für die Schweiz, musste sie aber zuerst an Baden vergüten, weil nur Baden mit der Schweiz abrechnete.

Jemand hatte Briefe, die nicht vom Absender stammten, dem Kuvert beigeschlossen, vermutlich Bestellungen an die Schweizer Schokoladenfabrik. Verboten war das nicht, nur mussten die Briefe offen sein, also nicht selbst gesiegelt in die Ganzsache eingelegt worden sein.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Heinz 7 Am: 21.02.2015 18:39:20 Gelesen: 417972# 531 @  
@ Magdeburger [#529]

Okay. Ich habe den Stempel "Basel" als Datum "15.11." gelesen und bin darum davon ausgegangen, dass der Baden-Stempel später kam "16.11.", darum meine Vermutung der Rücksendung. Wobei ich gebe es, es wäre sehr "sportlich", wenn der Brief bereits am 16.11. wieder in Deutschland gewesen wäre.

:-)

Freundliche Grüsse
Heinz
 
Gernesammler Am: 22.02.2015 16:03:29 Gelesen: 417913# 532 @  
Hallo Sammlerfreunde,

hier ein Brief aus Regensburg in der 1. Gewichtsstufe im Fernverkehr nach Kitzingen, korrekt frankiert mit 3 Kreuzern. Abgeschlagen der Stempel von Regensburg sowie der Nummernstempel 418 für Regensburg, auf der Rückseite der Segmentstempel von Kitzingen.

Gruß Rainer


 
Gernesammler Am: 09.03.2015 20:12:52 Gelesen: 416800# 533 @  
Hallo Sammlerfreunde,

gestern auf dem Flohmarkt bekommen, Postkarte mit Anwortkarte versendet innerhalb von Würzburg. An einen Herrn Modlmayr wurde die Karte am 18.5.1890 versendet aber die bezahlte Rückantwort ließ auf sich warten, denn dies geschah erst am 11.4.1891 fast ein Jahr später.

Verklebt wurden für den Hinweg eine Michel Nr.60 und für den Rückweg eine Michel Nr.54.

Gruß Rainer


 
bayern klassisch Am: 10.03.2015 06:31:22 Gelesen: 416757# 534 @  
@ Gernesammler [#533]

Hallo Rainer,

da hast du ein besonderes Stückchen, denn diese Karten blieben fast nie zusammen (und sollten es ja auch nicht). Dazu eine Bogenecke, beide wunderschön gestempelt und fast 1 Jahr auseinander liegend - ich kann mir nicht vorstellen, dass man auf dem Flohmarkt so wissende Verkäufer hat, die das richtig einschätzen können.

Glückwunsch zu dem Schmankerl, das ich auch mitgenommen hätte, auch wenn ich keine Pfennigzeit sammle.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 10.03.2015 14:31:51 Gelesen: 416687# 535 @  


Heute zeige ich eine schöne Armensache, die mir in die Hände gefallen ist - geschrieben am 14.7.1838 in Markt Bibart (noch ohne eigene Post), wurde sie erst am 19.7. in Langenfeld aufgegeben.

Unten links lesen wir: "Armensache attestirt K. Landgericht M: Bibart - (von) Praun". Der schöne Abschlag des roten Dienstsiegels ist leider etwas über die Kante gegangen, aber mir gefiel er auch so. :)

Empfänger war das freyherrlich Wallerrathische Patrimonial Gericht I. Claße in Ippesheim.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 30.03.2015 16:50:20 Gelesen: 415635# 536 @  
Hallo Sammlerfreunde,

habe diesen Brief bekommen, an Herrn Pfarrer Lipps in Mutterstadt gesendet aus Speyer am 27.2.1849. Verschickt wurde dieser als Franco Brief, auf der Rückseite ist eine 4 vermerkt, warum eigentlich 4 Kreuzer?

Gruß Rainer


 
bayern klassisch Am: 30.03.2015 17:02:23 Gelesen: 415629# 537 @  
@ Gernesammler [#536]

Hallo Rainer,

Mutterstadt war eine ganz kleine, unbedeutende Postexpedition, daher wertet Feuser diesen Stempel auch mit 150 DM auf Brief, auch wenn siegelseitige Abschläge natürlich nicht so gefragt sind, wie Aufgabestempel.

Eine Expedition erhielt man dort erst zum 1.1.1848.

In Speyer zahlte der Absender 4 Kreuzer für einen Brief über 1/2 bis 1 Loth bis 6 Meilen (45 km). Ein einfacher Brief hätte nur 3 Kr. gekostet, dann 4 Kr., dann 6 Kr. usw.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Gernesammler Am: 30.03.2015 19:37:23 Gelesen: 415612# 538 @  
@ bayern klassisch [#537]

Hallo Ralph,

danke für die schnelle Antwort.

Das mit dem Stempel von Mutterstadt auf der Rückseite kann ich verschmerzen, man kann halt nicht alles haben. Ich bin ja schon zufrieden, dass ich überhaupt solch einen Brief zeigen kann.

Deshalb gleich zwei neue Briefe, beide aus Ansbach und beide auch nach Weissenburg. Diese Briefe wurden versendet als Regierungssache (diesmal habe ich auf das "RS" geachtet). Leider sind diese Briefe nicht direkt datierbar.
Was mich interessieren würde, der Einkreisstempel von Ansbach ist im Durchmesser 21 mm, im Handbuch von Herrn Winkler finden sich Einkreisstempel zu Ansbach, aber nicht in der Größe 19 - 22 mm.

Die Rückseiten zeigen auch jeweils den Halbkreisstempel von Weissenburg auch hier mit Unterschieden, was ich natürlich toll finde. Wenn ich den Winkler richtig lese, sollte der erstere die 12a und der zweite die 11a sein.

Gruß Rainer


 
bayern klassisch Am: 30.03.2015 20:31:54 Gelesen: 415606# 539 @  
@ Gernesammler [#538]

Hallo Rainer,

die Datierung von Briefen anhand der Auf- und Abgabestempel ist bei Bayern besonders schwwierig, weil es zahllose Stempel gab, die ein paar Jahre eingesetzt wurden, dann verschwinden, dann wieder auftauchen, dann wieder verschwinden usw..

Ich würde deine beiden Briefe in die 1860er Jahre datieren, wobei der mit dem kleinen Einkreisstempel auch noch um 1870 vorkommt. Ansbach führte mehrere "kleine" Stempel, die alle häufig abgeschlagen wurden, weil das Briefaufkommen der Verwaltungsstadt sehr hoch war.

Den Ausführungen von Karl Winkler aus den 1950er Jahren ist auch heute noch wenig hinzu zu fügen.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Gernesammler Am: 31.03.2015 17:52:32 Gelesen: 415548# 540 @  
@ bayern klassisch [#539]

Hallo Ralph ,

danke für Deine Einschätzung der Briefe, das Handbuch von Karl Winkler habe ich seit kurzen mit allen Beilagen und es ist auch sehr informativ.

Jetzt möchte ich noch einen Brief zeigen von 1843, der von Kaiserlautern versendet wurde nach Obermoschel einem der kleinsten Orte in der damals bayrischen Pfalz. Auf der Rückseite ist ein Siegel des Staats Prokurators zu Kaiserslautern abgeschlagen.

Gruß Rainer


 
bayern klassisch Am: 31.03.2015 18:30:14 Gelesen: 415542# 541 @  
@ Gernesammler [#540]

Hallo Rainer,

auch wenn Obermoschel sehr klein und eher unbedeutend war, so hat sich relativ viel Post dorthin erhalten. Ich nehme an, dass dort ein Archiv gelagert war, das er nach dem 2. Weltkrieg gelüpft wurde und dessen Briefe in alle Ecken verteilt wurden (auch ich habe da was).

Liebe Grüsse,
Ralph
 
roteratte48 Am: 02.04.2015 16:01:13 Gelesen: 415415# 542 @  
Mein kleinster bayerischer Altbrief - und die Fragen, die er aufwirft.

Ich bilde das Briefchen hier mal ab (ca. 8,6 x 4,7 cm groß, kaum größer als eine Streichholzschachtel).



Gerichtet ist er an Fräulein Caroline von Seckendorff, Auf der Eremitage; geschrieben wurde er im August 1796. Links unten "mit einem Glas bel. Räucherpulver". Keine Ortsnennung, kein Absender, keine postalischen Stempel oder Vermerke.

Der Ort ist sicherlich Bayreuth, dort gibt es sowohl eine Eremitage als auch zu dieser Zeit einen Minister von Seckendorff. Aber was war wohl mit der Beförderung? Wenn keinerlei postalische Behandlung zu ersehen ist - gab es in Bayreuth im ausgehenden 18. Jhdt. eine (private) Botenpost? Ist es, dem Vermerk l.u. folgend, ein Paketbegleitbrief? Rückseitig findet sich ein kleines Lacksiegel, das wohl ritterschaftlich sein könnte - lässt es Schlüsse auf den Absender zu (der im Text nur mit "M" unterzeichnet)? Im Text (sehr freundschaftlich und mit Verehrung verfasst) schreibt er : "um Sie für dieses lange Warten für die Folge zu entschädigen, sollen Sie womöglich jeden Post-Tag einen Brief von mir haben" - also vielleicht Stadtpost?

Hier noch der Text des Briefes - mir hat er bei der Beantwortung der Fragen nicht weiter geholfen:





Mal richtig gespannt bin - Liebe Grüße - Rolf
 
bayern klassisch Am: 02.04.2015 17:26:52 Gelesen: 415403# 543 @  
@ roteratte48 [#542]

Lieber Rolf,

typisches Adelsbriefchen - untypisch mit Beilage - welches die Post nicht gesehen hatte.

Ortsbriefe der Post gab es nicht - gab jemand bei der Post ein Brief für den Ort selbst ab, konnte der Posthalter kassieren, was er wollte, weil es mit der Reichspost nichts zu tun hatte, wenn ein Brief am Ort der Aufgabe verblieb.

Die 9 stellt sicher die Nummerierung des Empfängers dar.

Diese Briefe wurden Lakaien oder Reisenden mitgegeben - hier war das nicht mal illegal, weil es noch kein Postgesetz in Bayern gab (oder wo auch immer) und der Unterschleif, so der terminus technicus, blühte.

Danke fürs Zeigen und liebe Grüsse zum Osterfest,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 02.04.2015 17:33:14 Gelesen: 415397# 544 @  
Lieber Sammlerfreunde,

heute stelle ich euch meine Lieblings - Fingerhutstempelbrief vor, der am 23.8.1845 in Weisendorf geschrieben und am 25.8.1845 in Emskirchen zur Post gebracht wurde. Der Brief vereint m. E. mehrere Besonderheiten, auf die ich hier näher eingehen will.





Äußerlich ein klassischer Damenbrief, geschrieben auf gefaltetem Bath - Papier, ergo leicht und bekömmlich, wie Loriot zu sagen pflegte. Die Absenderin wollte kein Franko bezahlen, ihn jedoch unter Chargé und poste restante verschicken. Für die Recommandation zahlte sie 4x, das wars.

Die Post rechnete 14 Kr. von Emskirchen bis zur bayer. Grenze. Diese entsprachen genau 4 Sgr. Preußen addierte 3 1/2 Sgr. bis zur belgischen Grenze = 7 1/2 Sgr.

Wie bei den Benelux - Staaten üblich, notierte man kein eigenes Porto, sondern "reduzierte" das fremde Porto in heimische Währung und addierte sein Porto obendrauf. Dadurch bekam der Baron Hermann von Guttenberg 24 Decimes (ca. 1 Gulden 10x) angesetzt und ob dabei eine Restante - Gebühr noch dazu kam, weiß ich leider nicht; vlt. können unsere Luxemburger Spezialisten hierzu etwas sagen? Müsste ja in LUX und BE gleich gewesen sein.

Dass die Post auch ohne die Absenderangabe "par Francfort a/M et Aix - la - Chapelle" (=Aachen) den Brief wie üblich geleitet hätte, steht wohl fest. Gleichwohl ist der heute noch vollständig erhaltene Inhalt nicht uninteressant (von Guttenberg an und zu Guttenberg gewissermaßen):

"Mit wahrem Schmerz entnehme ich deinem letzten Brief, mein armer Hermann, daß du unbegreiflicher Weise noch keinen Brief erhalten und also gänzlich ohne Nachrichten bist. Ich kann mir deine Rage und dein Staunen vorstellen und wäre wirklich untröstlich wenn Nachlässigkeit meiner Seits daran Schuld wäre. Aber wir haben dir schon dermal geschrieben und nach deinem verlängerten Aufenthalt am Rhein hoffte ich du würdest zwei Briefe in Ostende finden. Leider brachten dir dieselben keine guten Nachrichten denn seit du weg bist war die arme Mutter sehr leidend ..."

Hier wird durch den Inhalt alles erklärt: 2 Briefe scheinbar verschwunden (wohl frankierte, daher jetzt unfrankiert).
Weil Briefe verschwanden, jetzt Versendung per Chargé mit 25 Gulden Ersatzleistung, wenn auch dieser verschwunden sein sollte.
Weil er unterwegs am Rhein war, die Lagerung als poste restante.

So schließt sich der Kreis wieder und alles wird klar.

Dazu ein grüner, belgischer Transit und ein oranger Ankunftsstempel, gepaart mit einem gelben (!) Siegel - fertig ist der Traumbrief.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
roteratte48 Am: 02.04.2015 17:45:56 Gelesen: 415392# 545 @  
@ bayern klassisch [#543]

Lieber Ralph,

einmal mehr Dank für Deine Antwort - also Privatbote oder durch Güte. Schade - ich hatte auf eine Briefbeförderung durch die Botenanstalt spekuliert, denn die scheint es in Bayreuth ja gegeben zu haben. Als Quelle dazu habe ich einen Satz aus dem Brief eines Bibliothekars in Bamberg - er schreibt: "wenn die K. Regierung einen Elementarlehrer, den sie nach 20jährigem Dienste seines Amtes umwürdig erklärt, als meinen Verweser ernennt, so stehe ich tiefer als der Botenmeister zu Bayreuth".

Woran wäre denn ein Brief, der durch eine städtische Botenmeisterei bestellt wurde, kenntlich? Hast Du mal im Bereich "Virtuelles Album" meine Botenbriefe (zumeist Lindauer Bote, aber auch die "Zulieferer" von Kempten oder Basel) gesehen - auch sie zeigen keinerlei Beförderungshinweise.

Egal - es bleibt (allein schon durch das Miniformat) ein drolliger Beleg - gehört halt zum Randbereich.

Danke für die Ostergrüße, die ich aufs Herzlichste erwidere!

Rolf
 
bayern klassisch Am: 02.04.2015 18:28:52 Gelesen: 415381# 546 @  
@ roteratte48 [#545]

Lieber Rolf,

Boten gab es ja viele - staatliche (wenn es eine Staatspost gab, hier nicht), private mit Konzession, private ohne Konzession (illegale), Amtsboten der diversen Behörden und und und. Auch die Lehnsrössler haben manchmal Briefe mitgenommen.

Ein Botenmeister war nur der Postmeister; ihm unterstanden auch die Amtsboten, aber mit einer Ortsboteninstitution hatte das m. E. nichts zu tun.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Gernesammler Am: 10.04.2015 11:02:10 Gelesen: 414865# 547 @  
Hallo Sammlerfreunde,

hier ein Brief aus München vom 17. Januar 1860 nach Würzburg, versendet von der Firma Gebr. Pichler. Der Brief über 20 Meilen wurde frankiert mit 12 Kreuzer (2x Michel Nr.4 II) und gestempelt mit oMR 325.

Es müsste ja ein doppelt schwerer Brief gewesen sein, da ja für die Portoperiode ab 1.7.1858 für den einfachen Brief über 12 Meilen 6 Kreuzer gefordert waren. Rückseitig ist der Ankunftsstempel zwar komplett zu sehen, aber durch das neue falten des letzten Besitzers hat sich das ganze etwas verschoben.

Gruß Rainer


 
Gernesammler Am: 13.04.2015 10:34:06 Gelesen: 414480# 548 @  
Hallo Sammlerfreunde,

habe diesen Brief erstanden vom 4.1.1825 in Münchberg geschrieben von einem Herrn Roessler an Herrn Nico Zumstein und Söhne in Kempten. Der Brief wurde aber erst in Nürnberg gestempelt am 5.1.1825. Wurden hier jetzt portotechnisch 12 Meilen gespart?

Gekauft hatte ich den Brief wegen dem Stempel des Forward Agenten "Leonhard Kalb in Nürnberg", wurde der Brief bis zu diesem Herrn Kalb kostenfrei mitgenommen oder hat dieser den Brief selbst bis Nürnberg mitgenommen um diesen dann dort bei der Postexpedition aufzugeben und dann weiter spedieren zu lassen nach Kempten dann würde es auch passen mit den 10 Kreuzern die vorderseitig notiert wurden.

Ich habe mir erlaubt den Text des Briefes anzufügen, vielleicht kann mir jemand mehr dazu sagen.

Gruß Rainer




 
bayern klassisch Am: 13.04.2015 13:14:54 Gelesen: 414449# 549 @  
@ Gernesammler [#548]

Hallo Rainer,

dass auch reine Inlandsbriefe interessant sein können, beweist deiner. :-)

Der Absender hätte von Münchberg aus nach Nürnberg einen Brief mit 97 km = 13 Meilen = 4 Kreuzer frankieren müssen, bzw. von Nürnberg aus für 200 km = 27 Meilen = 10 Kreuzer.

Von Münchberg nach Nürnberg waren es 295 km = 39 Meilen, die 14 Kreuzer gekostet hätte - somit hatte er eine Ersparnis von 4 Kreuzern erzielt. Das war ein Mittagessen mit Getränk damals und von daher lohnend.

Der Brief dürfte in einer Warensendung oder einem anderen Brief an Kalb beigelegt worden sein.

Leonhard Kalb war einer der größten "Forwarder" in Bayern, der sich regelmäßig seiner Kunden im In- und Ausland bedienen konnte. Ich habe auch 2 oder 3 durch ihn vermittelte Briefe, finde sie aber derzeit leider nicht. Meines Erachtens sind Auslandsbriefe über ihn mit seinem Stempel häufiger, als Inlandsbriefe wie hier (auch wenn das den Markt wenig interessiert).

Da hast du ein gutes Stück Postgeschichte und auch der Empfänger Nicolaus Zumstein ist ja wahrlich kein Unbekannter.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 13.04.2015 20:12:24 Gelesen: 414415# 550 @  
Liebe Sammlerfreunde,

über 25 Jahre durfte ich suchen, ehe ich eine Nr. 39 aus der Pfalz vom 1. Monat der Ausgabe (Jan. 1876) finden konnte und, voila, hier ist sie.

Es ging von Neustadt an der Haardt (heute Neustadt an der Weinstraße) ins nahe Lambrecht und 10 Pfg. für den einfachen Brief waren das korrekte Franko.





Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 28.04.2015 20:09:27 Gelesen: 413356# 551 @  
Hallo Sammlerfreunde,

hier ein Portobrief von Hof nach Kobylopole (Kobylepole)in Posen vom 29. Dezember 1845. Versendet von einem Herrn Micielski der sich gern in Kobylepole aufhielt bezahlt hatte er für den Brief 5 Kreuzer. Gestempelt mit Zweizeiler von Hof und Grenzübergangsstempel Bayern im Oval, der Laufweg des Briefes war über Berlin nach Posen.

Rückseitig ist nur ein gebrochenes Siegel aber kein Ankunftsstempel, ist der kleine Stempel links im Bild ein Taxstempel?

Gruß Rainer




 
bayern klassisch Am: 28.04.2015 21:36:55 Gelesen: 413340# 552 @  
@ Gernesammler [#551]

Hallo Rainer,

ein schöner Brief - klasse! Du wirst dich gewundert haben, dass der Brief aus Bayern nach Preußen keine 2 Taxen aufweist, wie man es doch erwarten könnte.

Aber die Spezialität (gab es in ganz Bayern nur von Hof!) war die, dass in Hof ein bayerischer, sächsischer und preußischer Beamter war und bayerische Briefe nach Preußen erhielt der preußische Beamte dort, so dass er von Seiten des Portos her als reiner preußischer Inlandsbrief galt.

Das Resultat sehen wir bei deinem Brief, für den allein Preußen 5 Silbergroschen (Kreuzer gab es nicht in Preußen) zu zahlen hatte und Bayern nichts bekam (das Gehalt des preußischen Beamten wurde aber auch von Preußen bezahlt, wenigstens was).

Wegen dieser Besonderheit hieß es auch "Gränzpostamt Hof", einen Titel, den es sonst nicht gab.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 29.04.2015 12:26:11 Gelesen: 413265# 553 @  
Liebe Sammlerfreunde,

nicht immer, was nach einem Ortsbrief aussieht, ist auch wirklich einer gewesen ...



Von Schweinfurt statt für 3 Kr. frankiert nach Würzburg verbracht und dort nur mit 1 Kr. als Ortsbrief frankiert. Den hätte man sich vlt. auch noch sparen können ...

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 29.04.2015 13:55:23 Gelesen: 413232# 554 @  
@ bayern klassisch [#552]

Hallo Ralph,

danke für die ausführliche Beschreibung des Briefes, ich habe mir erlaubt, den Text mit kleiner Änderung zu übernehmen und habe den Brief gleich aufgezogen und im Ordner abgeheftet.

Gruß Rainer
 
bayern klassisch Am: 03.05.2015 08:53:06 Gelesen: 412374# 555 @  
@ bayern klassisch [#550]

Liebe Sammlerfreunde,

den Folgebrief, 2 Tage später geschrieben und den Dank für die Beantwortung des 1. Briefes beinhaltend zeige ich vom 17.1.1876 mit der Nr. 39a, der Erstauflage.



Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 12.05.2015 10:57:01 Gelesen: 411041# 556 @  
Hallo Sammlerfreunde,

habe diesen Brief bekommen, eine normale Regierungssache aus München vom 6.2.1843 an den Magistrat der Stadt Nürnberg. Interessant ist hierbei der Nebenstempel N.Abg. (nach Abgang der Post), hiermit wurde dem Empfänger mitgeteilt das der Brief zu spät aufgegeben wurde und um möglichen Beschwerden der Postkunden aus dem Weg zu gehen.

Gruß Rainer


 
hajo22 Am: 14.05.2015 11:50:32 Gelesen: 410809# 557 @  
@ Gernesammler [#556]

Die Kutsche war schon weg und wir wissen ja, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Dieser - ich nenne ihn mal "Verzögerungsstempel" - war bei den Postverwaltungen allgemein beliebt. Hier ein Brief aus Zürich (vom Cantonal Verhöramt), der den Text voll ausgeschrieben zeigt: "Nach Abgang der Post". Fehlinterpretationen daher nicht möglich.



Hat hier "eigentlich" nichts zu suchen, aber einfach nur um zu zeigen, daß diese Handhabung keinesfalls nur in Bayern so praktiziert wurde.

VG, hajo22
 
bayern klassisch Am: 16.05.2015 11:33:04 Gelesen: 410495# 558 @  
Liebe Freunde,



ein Brief des Oberpost- und Bahnamts Augsburg vom 17.7.1866 "An die Eisenbahn Officials Gattin Mathilde Gossinger in Culmbach (Kulmbach)" zeigt einen interessanten Inhalt.



Der wunderbare Vordruck zeigt folgenden Text: "Auf der Rückseite erhält Adressatin Abschrift der in rubr(izirtem) Betreffe von hoher Stelle anher ergangenen Entschließung. Der Königliche OberPostmeister u(nd) OberInspector Wimmer".

Nun folgt der Text, den man in München formuliert hatte:



"München den 12. Juli 1868

Im Namen
etc. etc.

Betreff w. ü.

Die in Culmbach lebende Gattin des in der Irrenanstalt Irsee untergebrachten, pens(ionirten) Eisenbahn - Officialen Albert Gossinger hat in einem am 9. Juli anher gerichteten Gesuche um Uebernahme der Verpflegungsgebühren ihres Mannes auß dem Unterstützungsfond gebeten.
Abgesehen davon, daß Gossinger als früherer pragmatisch angestellter Beamter auf den Pens(ions) und Unterstützungsfond keinen Anspruch hat, ist zu bemerken, daß Gossinger eine Pension von 577 fl 30 xr bezieht, von welcher dessen Gattin, da seine Verpflegung in Irsee nach einer Mittheilung der kgl. Regierung in Augsburg nur jährlich 146 und wenn man noch 54 fl für Extraausgaben hinzu rechnet 200 fl beansprucht, immer noch 377 fl 30 xr also bei Weitem mehr verbleiben, als wenn Gossinger in Aktivität verstorben wäre, der Wittwe als Pension zugeflossen wäre. Bei solcher Sachlage besteht keine Grund, das fragliche Gesuch weiter zu würdigen.

gez(eichnet) Freiherr von Brück"

Wir halten fest: Wer weiß, was ein "pragmatischer Beamter" ist? Auf der anderen Seite folgern wir besser nicht, warum ein Beamter damals im Irrenhaus gelandet ist. Jedenfalls war für 200 Gulden im Jahr eine geschlossene Anstalt nicht so leicht zu bezahlen, denn das war das Jahresgehalt eines Postboten bzw. Hilfspostboten. Aber auch mit den 377 Gulden 30 Kreuzer, die der Wittwe noch verblieben, war sie nicht völlig dem damaligen Prekariat ausgeliefert.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 23.05.2015 10:08:55 Gelesen: 409340# 559 @  
Liebe Freunde,

ein wunderschöner Brief fiel mir in die Hände, der es noch dazu in sich hat.



Absender war die "fürstlich Thurn und Taxische Oekonomie - Commission in Regensburg", Empfänger war der Weinproduzent Poulet pere & fils in Beaune an der Cote d´or.

Der Absender vermerkte unten links "F.D.S." = Fürstliche - Dienst - Sache und bekam somit in Bayern bis zur französischen. Grenze die Portofreiheit gewährt.

Am 29.1.1848 wurde in Strasbourg "BADE STRASBOURG 1" gestempelt, was natürlich falsch war, weil Regensburg noch immer zu Bayern gehörte und niemals badisch war.

Da ihn Bayern nicht taxiert hatte, taxierte allein Strasbourg 9 Decimes als rein französisches Porto von dort bis Beaune, womit wir einen Teil - Portobrief vor uns haben und das ist alles, nur nicht häufig.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 25.05.2015 14:13:56 Gelesen: 408977# 560 @  
Liebe Sammlerfreunde,



am 2.11.1843 passierte es in Kempten, dass man einen über 1/2 bis 1 Loth schweren Brief nach Hilpoltstein (Postexpedition erst ab 1851, zuvor erfolgte die Versorgung von Pleinfeld aus) frankiert aufgeben wollte.

Bei ca. 22 Meilen Entferung in direkter Linie hätte der Brief 8 + 4 = 12 Kr. gekostet (über 18 - 24 Meilen). Tatsächlich verlangte man aber vom Absender 15 Kr., die treffend waren für Brief über 24 - 30 Meilen).

Dazu kam, dass die Abgabepost in Pleinfeld 2 Tage später den Ankunftsstempel (Fingerhutstempel) auf der Vorderseite abschlug, was natürlich falsch war, weil in Bayern Ankunftsstempel immer siegelseitig abzuschlagen waren.

So kam eines zum anderen und für mich ist der Brief sehr attraktiv und ungewöhnlich, weil ich keinen anderen fehlfrankierten von Kempten überhaupt kenne.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Heinz 7 Am: 26.05.2015 23:05:18 Gelesen: 408750# 561 @  
@ bayern klassisch [#560]

Lieber Ralph,

zwei Fehler von zwei verschiedenen Postbeamten auf einem Brief sind wohl für die treuen Staatsdiener des 19. Jahrhunderts unserer Region eher ungewöhnlich, da wirst du wohl rechthaben. Aber beide Fehler sind "verständlich". Ob 22 oder 25 Meilen, da ist die Differenz nicht gross. Und vielleicht war der Postbeamte in Pleinfeld einfach übermüdet, als er den Brief stempelte? Immerhin hat er den Fehler wohl bemerkt und den Ankunftsstempel wieder annulliert. Vielleicht plagte ihn danach sogar das schlechte Gewissen?

Immerhin haben diese zwei Fehler bewirkt, dass wir nun, 172 Jahre später, darüber sprechen. Da sage noch jemand, Philatelie hinterlasse nicht dauerhafte Spuren.

Heinz
 
bayern klassisch Am: 26.05.2015 23:34:37 Gelesen: 408743# 562 @  
@ Heinz 7 [#561]

Lieber Heinz,

wo du Recht hast, hast du Recht. Wie viele Briefe wird man finden, bei denen Taxe und Stempel gänzlich gegen die Vorschrift verstießen? Wenige, sehr wenige.

Philatelie lebt - hier und heute, wie vor 172 Jahren und das ist gut so.

Liebe Grüsse,
Ralph

P.S. Schön, wenn ich dir etwas Freude aus deiner Heimat machen konnte.
 
Heinz 7 Am: 27.05.2015 13:41:00 Gelesen: 408634# 563 @  
@ bayern klassisch [#562]

Hallo Ralph,

meine Heimat liegt, eng gesehen, zwar nicht "dort", aber wenn man sich als "Weltbürger" sieht, dann geht es auf.

Heinz
 
bayern klassisch Am: 28.05.2015 14:31:04 Gelesen: 408464# 564 @  
Liebe Freunde,

mir fiel dieser Brief in der Bucht auf, weil er unten einen merkwürdigen Vermerk hat und dass der Stempel eine Type 7A sein könnte, wie man sie von Straubing kennt - ich schätze ihn daher auf 1869 oder 1870.



Darüber hinaus zeigt die Marke 3 Kratzer, was nicht eben wenig ist, auf gut. 2 qcm, einen riesenrandigen Schnitt, dem eine Marke rechts zum Opfer fiel und die typische Abrißkante oben links, welche darauf hin deutet, dass der Postler einen Streifen waagrecht aus dem Bogen geschnitten, Vortrennschnitte angebracht und dann nur noch leicht abzureißen hatte, um sie schnell aufzukleben zu können.

Aber zurück zu unserem Vermerk: "Marke wurde bezahlt steht da tatsächlich. Also darauf wäre ich jetzt nicht gekommen, dass man die Marken bei der Post auch noch kaufen musste! Das ist ja allerhand! Was der Absender, von dem dieser Vermerk ohne Zweifel angebracht wurde, mit dieser Aussage bezwecken wollte, weiß ich leider nicht. Für Ideen bin ich aber immer dankbar (die Adresse lautet übrigens: Seiner Wohlgeboren Herrn Andreas Koch Schieferdeckermeister in Bamberg")

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 08.06.2015 10:43:53 Gelesen: 406656# 565 @  
Liebe Freunde,

"en passant" eingekauft habe ich diesen Brief aus Lambrecht nach Colmar (wunderschöne Stadt - wer noch nicht da war, bitte besuchen; wer schon da war, bitte wieder hinfahren) vom 7.11.1866. Der bis 10g leichte Brief wurde nicht direkt über Neustadt, Landau und Wissembourg spediert, sondern über Karlsruhe (geschlossener Transit, nie zu sehen) und Kehl Richtung Strasbourg, wo er am Folgetag eintraf und noch am selben Tag nach Colmar gelangte.

Es ist immer reizvoll, innerhalb eines Postvertrages die Leitwege zeigen zu können - für den Vertrag von 1858 wären dies aus der Pfalz Forbach, Wissembourg und Strasbourg.

4,8x verblieben von den frankierten 12x Bayern, 7,2x waren intern an Frankreich zu vergüten. Für beide wohl kein schlechter "deal" bei diesen eher kurzen Strecken.



Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 18.06.2015 13:59:56 Gelesen: 405597# 566 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen Dienstbrief des Stadtmagistrats Augsburg von 11.5.1849 an das württembergische Oberamt in Backnang. Da es ein reiner Dienstbrief war, notierte man, wo auch immer, R.S. D.G. und 12026.



R.S. = Regierungs - Sache ist klar, also portofrei. D.G. = kenne ich nur als Abkürzung für "Durch Güte", eine Beförderungsart, deren sich nur die Privaten bedienten und die der Verkürzung des Postlaufs diente, weil der Brief einen Teil der Strecke durch die Güte einen Privaten zurücklegte und demnach günstig für den Empfänger wurde. Bei einem Dienstbrief machte er keinen Sinn, womit ich davon ausgehe, dass D.G. etwas anderes bedeutet haben musste.

12026. war die Expeditionsnummer, heute Geschäftszeichen, unter der die Sache beschieden wurde.

Schön noch der Briefkopf und Inhalt:



"An das Königliche Würtembergsche Oberamt Backnang

Kur- und Verpflegskosten des Schlossergesellen Karl Freitag von Backnang betreffend.

Man beehrt sich zu erwidern, daß die mit verehrlichem Schreiben vom 2. d. Monats rubrizirten Betreffs anhergesendeten 2 Florin 24 Kreuzer richtig eingelaufen sind.

Hochachtungsvollst
Der I. Bürgermeister usw."

Schön zu sehen, dass die jeweiligen Heimatgemeinden für Kosten ihrer Bürger in der Fremde aufzukommen hatten.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 27.06.2015 11:18:12 Gelesen: 404604# 567 @  
Liebe Freunde,

Farben bedeuten mir fast nichts, aber hier musste es halt ein hübscher Brief mit einer 5b von Augsburg, 21.8.1854, nach Debreczin in Ungarn sein, weil die Marke halt nun mal 4 Schnittlinien hat und der Laufweg über München und Wien ins wunderschöne Ungarn führte und nicht, wie ich es auch zeigen kann, über das entfernte Bodenbach zwischen Sachsen und Böhmen.



Von daher hoffe ich, dass er trotz des anspruchsvollen Titels dieses Threads hier zurecht gezeigt werden darf.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 29.06.2015 20:12:31 Gelesen: 404369# 568 @  
Hallo Sammlerfreunde,

habe diesen Brief bekommen, der am 12.4.1846 versendet wurde aus dem schwäbischen Schwabmünchen nach Lausanne in der Schweiz, Bayern berechnete für den Brief 10 Kreuzer wovon 6 Kreuzer an Bayern gingen.

Was aber hat die durchgestrichene 2 zu bedeuten? Gestempelt wurde hier mit einem Halbkreisstempel (11a) aus der Periode von 1843 - 1849 wo dieser Stempel in rot abgeschlagen wurde. Rückseitig ist der Stempel von Lausanne etwas schwach abgeschlagen auch wurde der Brief etwas unsanft geöffnet.

Gruß Rainer


 
bayern klassisch Am: 29.06.2015 22:33:16 Gelesen: 404349# 569 @  
@ Gernesammler [#568]

Hallo Rainer,

ich glaube, ich muss da etwas korrigieren. Bayern notierte 6 Kr. für sich bis zur Grenze nach Lindau.

Dort wurden 10 Schweizer Kreuzer notiert in der typischen Farbe von Zürich (Paketschluß Lindau - Zürich nach dem PV von 1829).

Mit 16 Schweizer Kreuzern belastet kam er dort an - also:

6 rheinische Kreuzer für Bayern,
6 Schweizer Kreuzer für Zürich (Postgebiet, nicht Kanton) und
4 Schweizer Kreuzer für Waadt (Lausanne).

Es könnte 2 oder 20 heißen, sieht mir aber eher nach Bleistift aus - damit durfte man früher keine Briefe taxieren.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Gernesammler Am: 30.06.2015 19:14:18 Gelesen: 404263# 570 @  
@ bayern klassisch [#569]

Hallo Ralph,

danke für die genaue Portobeschreibung, die 20 ist in blauer Farbe und jemand hat leider versucht da etwas zu radieren, siehe das kleine Loch zwischen 2 und 0.

Gruß Rainer
 
bayern klassisch Am: 30.06.2015 19:51:30 Gelesen: 404256# 571 @  
@ Gernesammler [#570]

Hallo Rainer,

dann lass es am besten so, wie es jetzt ist - da kann man nichts mehr machen und gut sieht der Brief ja allemal aus.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 09.07.2015 19:30:20 Gelesen: 403583# 572 @  
Liebe Freunde,

die Bilder sind aus der Bucht, daher nicht so dolle, aber ich habe mich trotzdem sehr gefreut, das folgende Briefchen aus Unterfranken schnappen zu können.





Aufgegeben in Karlstadt am 16.6.1853 galt noch die Regelung der geteilten Frankoabgeltung, so dass Bayern für seine Strecke 9x in Marken und für die Schweiz 3x bar vereinnahmen musste.

Die Marken sind sehr ungewöhnlich frankiert - statt der obligaten 9x grün hat man diesmal 3 mal 1x und 1 mal 6x frankiert. Zwar ist das Schnittergebnis nicht überwältigend, aber eine solche Kombination in Verbindung mit einem Auslandsbrief wird man lange suchen müssen.

Siegelseitig die 3x für die Schweiz - leider hat das Attest keine Wirkung hier und muss neu verfasst werden, um der postgeschichtlichen Besonderheit Rechnung zu tragen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Magdeburger Am: 11.07.2015 20:48:08 Gelesen: 403395# 573 @  
@ bayern klassisch [#572]

Lieber Bayern Klassisch,

vor kurzem habe nachfolgenden Beleg bekommen, der natürlich in keinster Weise mit deinen gezeigten mithalten kann.



Aufgeben am 01.10.1872 in Regensburg und (na klar) nach Magdeburg gesendet. Dazu waren 3 Kreuzer erforderlich - hier wurden 3 Einzelmarken von je 1 Kreuzer dazu verwendet. Die Ankunft war am Folgetag.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
bayern klassisch Am: 11.07.2015 22:59:22 Gelesen: 403377# 574 @  
@ Magdeburger [#573]

Lieber Magdeburger,

dafür lief deiner nach Magdeburg - meiner nicht.

Ich würde etwas gegen den Stock machen, sonst kann das ins Auge gehen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 17.07.2015 17:59:41 Gelesen: 402822# 575 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen Brief vom 18.9.1875 aus Kempten, der mit 7 Kr. frankiert wurde und den es so nur vom 1.7.1875 - 31.12.1875 geben konnte, weil es bereits der UPU - Tarif war und dieser galt nur 6 Monate für Bayern in der Kreuzerzeit, weswegen solche Briefe auch keine Massenware darstellen, sondern selten sind.





Gerichtet war er an Giuseppe Gambarova im piemontesischen Vercelli. Ausweislich des Ankunftsstempels kam er 2 Tage später dort an.

Den Inhalt hätte ich vor 15 oder 20 Jahren wohl noch übersetzen könnten, aber so ...

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 31.07.2015 15:34:12 Gelesen: 401561# 576 @  
Liebe Freunde,

ein Stück, wie man es nicht jeden Tag findet, zeige ich heute.



I. Möglich war eine Leitung über Lindau - Schweiz - Mailand, oder über Innsbruck / Reutte. Mein Brief lief über Füssen - Innsbruck, damit ist die Schweiz draußen.

Für die Strecke Bayern - Österreich - Grenze zu Modena galt das Loth exklusive, für die Strecke Grenze Modena bis zum Empfänger galt das Loth inklusive (s. S. 203 oben).

Die siegelseitig notierten 3 Kr. CM = 4 Kr. rheinisch hätten also zu den 9 Kr. (Augsburg - österreichische Grenze zu Modena von über 20 Meilen Entfernung) = 13 Kr. kommen müssen, um den Brief voll zu frankieren.

Der Absender zahlte aber 17 Kr., weil er wohl die Leitung über die Schweiz (via Lindau - Mailand) erwartete, doch machte ihm Augsburg einen Strich durch die Rechnung.

Ich freue mich daher sehr über den Brief, weil:

1. Briefe von Bayern in das Herzogtum Modena handverlesen sind,
2. Fehlfrankierte Briefe mir bisher nicht bekannt waren,
3. er in einer Transit - Austria - Sammlung von Bayern aus perfekt passt und
4. er für den Transit über die Schweiz frankiert war, womit die Sammlung Bayern - Schweiz auch zu Ehren kommt.







Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 01.08.2015 12:39:36 Gelesen: 401446# 577 @  
Liebe Freunde,

der hier war lange in der Bucht, dann habe ich mich seiner erbarmt und ihn an Land gezogen, denn Brüderchen hat er hier ganz gewiss.



In Lindau im Bodensee am 24.3.1868 schrieb man nach Schwyz in der Schweiz einen einfachen Brief. Dabei reichten die verklebten 6 Kr. aber nicht.

Hintergrund: Der Altvertrag mit der Schweiz vom 1.10.1852 muss immer im Zusammenhang mit dem DÖPV gesehen werden. Als letzterer zum 31.12.1867 seine Äuglein zu machte, dachten auch viele, der Vertrag mit der Schweiz wäre beendet worden, denn zum 1.1.1868 trat ja der neue Vertrag mit allen deutschen Staaten, Luxemburg, Österreich und Ungarn in Kraft, der ja nur noch 3 Kr. entfernungsunabhängig von der dänischen Grenze bis zur Grenze Rumäniens vorsah. Warum sollte da ausgerechnet die mitteleuropäische Schweiz nicht inkludiert worden sein? War sie aber nicht ...

Die alten Tarife bis 10, über 10 bis 20 und über 20 Meilen zur Schweiz galten noch bis zum neuen Vertrag vom 1.9.1868, so dass sowohl die Korrespondenten, als auch die Postler genau aufpassen mussten, wohin die Post gehen sollte.

Von Lindau nach Schwyz waren es genau 99 km, so dass zu rechnen war: 1. Rayon Bayern = 3 Kr. plus 2. Rayon der CH = 6 Kr. = 9 Kr. Franko. Da nur 6 Kr. verklebt waren, war der Brief unterfrankiert und mit dem fehlenden Franko von 3 Kr. = 10 Rappen nach zu taxieren. Auch hier gab es einen Unterscheid, in dem kein Strafporto zu taxieren war, wie es im DÖPV und ab 1868 sonst üblich war (Erhöhung teils um 100%).

Die bayerische 3 zeigte also an, was fehlte und die Lindauer notierten gleich die Schweiz - Währung mit 10 Rappen dazu - was ungewöhnlich war, denn die Schweiz taxierte eigentlich IMMER in Rötel, nie in Blau!

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 04.08.2015 14:04:48 Gelesen: 401024# 578 @  
Liebe Freunde,

auf solch einen Brief wartete ich noch, hielt seine Existenz für möglich, wenn auch nicht gerade wahrscheinlich und dann kam er zum Sofortkauf in der Bucht an und musste nicht lange dort verweilen.



Vom württembergischen Stadtschultheißenamt Ulm wurde ein Dienstbrief (!) an das bayerische Landgericht Lauingen frankiert und chargiert abgesandt, der am 22.7.1867 6 Kr. Franko und 6 Kr. Recogebühr kostete. Aber nicht etwa in Ulm, wie sich das gehört hätte, sondern in Neu-Ulm, was die Aufgabepost wohl so stark verwirrt hat, dass sie den roten Chargé - Stempel sogar gegen die Vorschrift siegelseitig abschlug, was man bei Baden hin und wieder, bei Bayern aber praktisch nie findet. Voila - hier kam alles zusammen.

Unter der Reco - Nr. 703 aufgenommen, wurde er am selben Tag in Lauingen zugestellt. Der Inhalt betrifft eine verlorene Rechtssache einer bayerischen Dame, die für die Kosten aufzukommen hatte. So war der einen Pech des anderen Glück!

Die Entfernung war hier überhaupt nicht ausschlaggebend, denn Ulm und Lauingen lagen im 10 Meilen Rayon, der nur 3 Kr. bei der Aufgabe frankiert gekostet hätte. Aber als Postvereinsbrief wäre er mit 3 Kr. je Loth zu frankieren gewesen, während er nun als innerbayerischer Brief bis 15 Loth wiegen durfte, um maximal 6 Kr. wie hier zu kosten. Also dürfen wir davon ausgehen, dass er mindestens in der 3. Gewichtsstufe lag, so dass sich der illegale Grenzübertritt über die Donau gelohnt hatte.

Wenn ich jetzt noch einen bayerischen Brief aus Neu-Ulm fände, der in Ulm aufgegeben wurde ...

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 06.08.2015 15:25:16 Gelesen: 400777# 579 @  
Liebe Freunde,

war der vorherige Brief ohne Qualität, aber mit viel Postgeschichte behaftet, so ist er hier umgekehrt.



Weil ich auch mal einen Neujahrsbrief zeigen möchte, präsentiere ich diesen hier vom 1.1.1864 von Wunsiedel nach Neustadt an der Kulm, 27 km Entfernung und mit 6 Kreuzer daher im 2. Gewicht. Viel schöner geht es wohl kaum, oder?

Der Kenner schaut noch erfreut auf die Sondertype des kleinen Aufgabestempel, den es so nur in Wunsiedel gab. Dazu ein gelernter Schönstempler, dessen 600er immer traumhaft gut saß. Meinen herzlichen Dank dafür noch posthum, Herr Expeditor.

Liebe Grüsse von bayern klassich
 
bayern klassisch Am: 18.08.2015 15:17:02 Gelesen: 398250# 580 @  
Liebe Freunde,

ein Hin- und Herbrief aus Straubing 5.9.1864 vom Notar dort ans Landgericht in Landau an der Isar. Dort am 6.9.1864 eingeschlagen.





Retour als portofreie Regierungs - Sache vom Gericht in Landau an der Isar an den Notar Hingerl nach Straubing vom 21.9.1864, in Straubing am 22.9.1864 angelandet. Rückseitig der Vermerk: "Ins. der K. Post dahier am einundzwanzigsten September 64 Karl Grehts (?)" Die Insinuation von 4 Kreuzer war aber zahlbar.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 23.08.2015 17:03:41 Gelesen: 397454# 581 @  
Hallo Sammlerfreunde,

habe diesen Brief bekommen, sollte ein Paketbegleitbrief sein für ein Paket von 11 3/4 Lot, welches von einem Herrn Adam Nadig aufgegeben wurde am 15.6.1840 in Hof und verschickt wurde nach Gera an Herrn C.J. Mengel.

Der Stempel in der Sonderform "von HOF" No.9 ist ja nicht so häufig, was aber hat die 9 zu bedeuten, ist dies die Aussage für das Gesamtporto und die 6 1/2 in Rötel dann das was an Porto Thüringen zugesprochen wurde? Bin für Hinweise und Korrekturen dankbar.

Gruß Rainer


 
bayern klassisch Am: 23.08.2015 18:28:32 Gelesen: 397434# 582 @  
@ Gernesammler [#581]

Lieber Rainer,

die 9 im Stempel ist die Manualnummer in Hof gewesen - diese Nummer wurde auch auf dem Postschein vermerkt, den der Absender bekommen hat.

6 1/2 Silbergroschen war das Porto, das der Empfänger zahlen durfte.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Gernesammler Am: 23.08.2015 18:44:29 Gelesen: 397427# 583 @  
@ bayern klassisch [#582]

Hallo Ralph,

danke für die schnelle Antwort, nach meinem letzten Brief aus Hof, den Du mir beschrieben hattest, welcher auch in Silbergroschen notiert war, hatte ich den selben Gedanken beim Porto, war mir aber nicht sicher und deshalb frage ich lieber nach.

Gruß Rainer
 
bayern klassisch Am: 24.08.2015 10:53:53 Gelesen: 397310# 584 @  
@ Gernesammler [#583]

Hallo Rainer,

nachfragen schadet nie, zumal wir hier einen ausgewiesenen Experten für die Altdeutschland Fahrpost haben (der liebe Magdeburger), für den solche Briefe kein Problem darstellen sollten.

Noch etwas zu den bayerischen Fahrpoststempeln: Diese wurden regional bzw. vor Ort gefertigt, daher gibt es auch eine Vielzahl von Sonderformen und eigenartigen Typen. Fast allen gemein war im oder unter dem Stempel eine Freizeile, in der die Manualnummer eingetragen werden sollte (Contraventionen sind ganz selten, weil Fahrpostbriefe i. d. R. sehr wichtig waren).

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 10.09.2015 14:38:20 Gelesen: 395893# 585 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen Brief, der es im wahrsten Sinne des Wortes "in sich" hat.



Geschrieben wurde er am 28.2.1865 in Ludwigshafen am Rhein und der Adressat spielt hier, ausnahmsweise, überhaupt keine Rolle (pro forma: Firma Orth in Marktheidenfeld).

Denn der Absender war die amtsbekannt schlaue Firma Lippmann und Biernbaum in Ludwigshafen und Mannheim. Weil L & B mal bayerische, mal badische Kunden belieferten und somit in Korrespondenzkontakt standen, galt es zu schauen, dass die gemeinsamen Korrespondenzen "wohlfeil" blieben.

Ging das legal nicht, ging es eben anders ...

So ließ sich unsere Ludwigshafener Firma die Briefe aus Baden nach Mannheim schicken, wohin selbige ab dem 1.10.1862 nur noch entfernungsunabhängig 3 Kr. kosteten, während man Wert- und Geldsendungen an die eigentliche Adresse in Ludwigshafen geschickt sehen mochte.

Solche kleinen Sachen sind es, die den eigentlichen Reiz in der Postgeschichte und damit der Philatelie ausmachen, weniger die blauen und roten Mauritius nahe der afrikanischen Küste.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 10.09.2015 19:09:28 Gelesen: 395847# 586 @  
@ bayern klassisch [#585]

Hallo Ralph,

ein tolles Stück, was Du da zeigst und jetzt weiß ich wenigstens, wer mich überboten hat. :-)

Gruß Rainer
 
Gernesammler Am: 10.09.2015 19:33:01 Gelesen: 395840# 587 @  
Hallo Sammlerfreunde,

ich möchte hier einen Brief von 1830 zeigen der verschickt wurde aus Kirchheimbolanden einem kleinen Ort in der Pfalz der aber schon in den 1830er Jahren mehr als 5000 Einwohner zählte.

Im Jahre 774 wurde der Ort Kirchheim erstmals erwähnt, später gehörte er den Herren von Bolanden. Ende des 13. Jahrhunderts war Kirchheim durch Erbschaft im Besitz der Sponheimer Nebenlinie Bolanden-Dannenfels. Graf Heinrich II. von Sponheim-Bolanden († 1393) ließ das Dorf 1368 zur Stadt erheben und machte diese zu seiner Residenz. Über seine Enkelin Anna von Hohenlohe († 1410) und ihren Mann Philipp I. von Nassau-Saarbrücken-Weilburg fiel schließlich Kirchheimbolanden und der gesamte Sponheim-Bolander Familienbesitz an das Haus Nassau, das ihn bis zum Ende der Feudalzeit besaß.

Aufgrund der auf dem Wiener Kongress (1815) getroffenen Vereinbarungen und einem Tauschvertrag mit Österreich kam die Region 1816 zum Königreich Bayern. Ab 1818 war Kirchheim Sitz eines Landkommissariats im bayerischen Rheinkreis.

Jetzt zurück zum Brief dieser wurde gesendet an das Grossherzogliche Badische .... Stadtamt zu Sulburg/Müllheim.

Abgeschlagen wurde ein Einzeiler von Kirchheimbolanden in rot und auf der Rückseite ist ein Stempel den man leider nicht entziffern kann.

Gruß Rainer


 
bayern klassisch Am: 10.09.2015 20:26:22 Gelesen: 395826# 588 @  
@ Gernesammler [#587]

Hallo Rainer,

tut mir leid, dass ich dich überboten habe - wenigstens bleibt er im Forum und das ist doch schon was. :-)

"Bürgermeisteramt" steht auf deinem schönen Brief.

Den Absenderstempel vermag ich leider auch nicht zu entziffern, aber dieses Forum wäre nicht dieses Forum, wenn es nicht einer zumindest könnte.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Gernesammler Am: 11.09.2015 09:10:46 Gelesen: 395775# 589 @  
@ bayern klassisch [#588]

Hallo Ralph,

danke für den Hinweis mit dem Bürgermeisteramt, im Stempel steht im Aussenring "Oberbürgermeister" den Rest kann ich nicht erkennen. Da bin ich dann auf die Hilfe von allen angewiesen.

Gruß Rainer
 
stampmix Am: 11.09.2015 09:29:12 Gelesen: 395767# 590 @  
@ Gernesammler [#587]

Ich lese:

An das
Großherzoglich-Badisches
Bürgermeisteramt
zu Sulzburg
p Mühlheim

mit bestem Gruß
stampmix
 
bayern klassisch Am: 11.09.2015 14:21:19 Gelesen: 395726# 591 @  
Liebe Freunde,

bei manchen Briefen fragt man sich unweigerlich, wie der Brief mit der anderen Marke aussah.



Das ist übrigens eine Michel - Nr. 23 1/4.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 17.09.2015 13:55:36 Gelesen: 394987# 592 @  
Liebe Freunde,

mit dieser Neuerwerbung hoffe ich doch sehr, dem Titel dieses Threads Genüge tun zu können.



Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Heinz 7 Am: 17.09.2015 14:40:37 Gelesen: 394974# 593 @  
@ bayern klassisch [#592]

Grossartiges Stück! Gratuliere, Ralph!

Ich liiiiebe Zeitungsschleifen.

Heinz
 
bayern klassisch Am: 17.09.2015 14:57:26 Gelesen: 394969# 594 @  
@ Heinz 7 [#593]

Hallo Heinz,

ich liebe sie auch - aber sie sind halt nicht sooo häufig, als dass man sie zu einem eigenen Sammelgebiet machen könnte. Ich hatte ein paar mehr, habe sie aber vor Jahren verkauft und ärgere mich nun, dass ich das getan habe. Ich wollte unbedingt ein schönes mit der schwarzen Eins, dann kam eines ins Angebot, ich würde überboten und war dann leicht frustriert. :-(

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bignell Am: 17.09.2015 18:37:53 Gelesen: 394938# 595 @  
@ bayern klassisch [#594]

Hallo Ralph,

gratuliere zu dem Traumstück, da ist ja alles perfekt. Ein Sammelgebiet Zeitungsschleifen ist aber nicht so schwer, Du müsstest Dich nur etwas weiter nach Süden verlagern, in Österreich gibt's davon wohl mehr als in Bayern.

Lg, harald
 
bayern klassisch Am: 17.09.2015 18:43:33 Gelesen: 394935# 596 @  
@ bignell [#595]

Hallo Harald,

wenn man 15 oder 20 Stück in seinem Leben findet in dieser Qualität, liegt man bei Bayern schon an der Spitze.

Österreich ist ein wunderbares Sammelgebiet, das ich sehr schätze - dort ist es sicher leichter, so eine Sammlung aufzubauen. Vlt. haben wir hiermit einen animiert, dies genau zu tun?

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bignell Am: 17.09.2015 19:06:24 Gelesen: 394928# 597 @  
@ bayern klassisch [#596]

Hallo Ralph,

ist ja nicht so dass ich nicht schon genügend Sammelgebiete hätte, aber Zeitungen gehören bereits dazu. Hab deshalb das Thema "Alte Zeitungen aus aller Welt" [1] aufgemacht, aber mea culpa schon lang nix mehr reingeschrieben.

Im Thema "Low Cost Collection - sinnvoll, hilfreich oder einfach nur verwerflich" [2] Eintrag #3 ist mein leider nur mehr teilweise erhaltener roter Merkur zu bewundern.

Im Thema "Die schönsten Stücke aus meiner Sammlung" [3] Eintrag #66 auch ein besonderes Stück, vier Zeitungsmarken und eine Zeitungsstempelmarke in Mischfrankatur.

Auch hier im Thema habe ich etwas gezeigt [#259] - Du ja auch [#257]. Weitere Bilder schlummern noch in der Scanhalde. :)

Lg, harald

[1] http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=7639&CP=0&F=1
[2] http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=6798
[3] http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=6671
 
bayern klassisch Am: 17.09.2015 19:15:31 Gelesen: 394923# 598 @  
@ bignell [#597]

Hallo Harald,

oh ja, ich liebe alte Zeitungen auch - habe auch welche als Einlagen, aber auch da ist mit Streifband und hübschen Marken bei Bayern nur wenig zu erben.

Danke für die Links - Kinder, wie die Zeit vergeht.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Gernesammler Am: 20.09.2015 16:09:33 Gelesen: 394675# 599 @  
Hallo Sammlerfreunde,

nicht so ein tolles Stück wie Ralph es zeigte, aber interessant genug, um gezeigt zu werden.

Ein Brief als Regierungssache am 26.9.1811 versendet an das Landgericht in Ansbach. Waren die 3 Kreuzer jetzt eine Botengebühr?

Das Schreiben kam vom Königlichen General Commisariat als Königliche Communal Administration.

Alles konnte ich nicht entziffern, aber wenn ich richtig gelesen habe geht es hier um ein Protokoll das zurück gesendet wurde, nur was den Inhalt angeht da könnte vielleicht einer helfen.

Gestempelt mit Einzeiler in rot "Ansbach R 3", wobei R 3 mehr einem Klecks gleicht und man den Stempel anhand des Datums begründen kann.

Gruß Rainer


 
bayern klassisch Am: 20.09.2015 16:21:45 Gelesen: 394674# 600 @  
@ Gernesammler [#599]

Hallo Rainer,

es war eine K.D.S. = Königliche Dienst Sache, die portofrei nach Schwabach (nicht Ansbach) verschickt wurde.

Im Inhalt ging es um eine genehmigte Abschrift. Für die Übersendung derselben waren 3 Kr. Stempel zu zahlen - einen Botenlohn für Schreiben an Gerichte gab es nicht, weil die Gerichte eigene Boten (Gerichtsboten) hatten, die die Poststücke selbst bei der Poststelle abholten.

Den Inhalt kann ich schwerlich lesen - um 1800 ist eine üble Zeit für die Transkriptoren von heute.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Gernesammler Am: 20.09.2015 16:29:43 Gelesen: 394670# 601 @  
@ bayern klassisch [#600]

Hallo Ralph,

danke für den Hinweis mit Schwabach und der "Königlichen Dienst Sache". Das gute Stück gabs heute für nen 5er auf dem Trödelmarkt.

Gruß Rainer
 
bignell Am: 20.09.2015 16:42:21 Gelesen: 394669# 602 @  
@ Gernesammler [#599]

Hallo Rainer,

am Scan leider nicht deutlich zu erkennen, der Anfang lautet:

Das Landgericht Schwabach erhält in der Anlage ??? Genehmigung ... 27. vorigen Monats eingereichtes Protokoll über ???
Datiert mit Ansbach, den 20. September 1811

Lg, harald
 
Gernesammler Am: 20.09.2015 17:14:45 Gelesen: 394661# 603 @  
@ bignell [#602]

Hallo Harald,

schon mal Danke im voraus, hier noch einmal der Scan - jetzt in 600 dpi - vielleicht jetzt besser.

Gruß Rainer


 
Gernesammler Am: 09.10.2015 19:52:29 Gelesen: 392588# 604 @  
Hallo Sammlerfreunde,

vom letzten Besuch einer Börse mitgebracht, Brief von München nach Augsburg versendet am 11.1.1864 von einem Herrn Mayer an Anton Baron von Bech....., verklebt wurde eine Bayern Nr.10 (6 Kreuzer).

Rückseitig ist der Rest eines Siegels und ein Halbkreisstempel "Bahnh.Augsburg".

Für Hinweise, Ratschläge und Tipps bin ich wie immer dankbar.

Gruß Rainer



Innenseite des Briefes


 
bayern klassisch Am: 09.10.2015 20:09:03 Gelesen: 392575# 605 @  
@ Gernesammler [#604]

Hallo Rainer,

Anton Baron von Beck senior war der Empfänger.

Es war ein Brief der 2. Gewichtsstufe, da einfache Briefe von München nach Augsburg immer nur 3 Kr. kosteten.

Viel gibt es aber nicht dazu zu sagen.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Gernesammler Am: 09.10.2015 20:18:01 Gelesen: 392572# 606 @  
@ bayern klassisch [#605]

Hallo Ralph,

trotzdem Danke, den Namen konnte ich leider nicht entziffern.

Gruß Rainer
 
Gernesammler Am: 10.10.2015 20:15:34 Gelesen: 392289# 607 @  
Hallo Sammlerfreunde,

hier jetzt ein Brief aus dem Jahr 1865 gesendet von München über Wien nach Graz, versendet wurde der Brief von einem Herrn Bachmann an einen Herrn C. Greinitz in Graz. Auf der Rückseite die Stempel von Wien und Graz, verklebt wurde für das Porto eine Bayern Nr.11.

Gruß Rainer


 
bignell Am: 10.10.2015 20:21:51 Gelesen: 392285# 608 @  
@ Gernesammler [#607]

Und geprüft Pfenninger, wenn ich das Signum rechts unten richtig entziffere.

Lg, h.
 
bayern klassisch Am: 10.10.2015 22:36:10 Gelesen: 392262# 609 @  
@ bignell [#608]

Ja, Pfenninger ist richtig, wobei ich nie verstanden habe, warum man solche Briefe signiert - es gibt keine Fälschungen der Nr. 11. Aber ganz vorsichtige Sammler haben halt alles zum Franz geschickt und die Gebühren gerne bezahlt.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 13.10.2015 16:57:31 Gelesen: 391958# 610 @  
Liebe Freunde,



heute zeige ich einen 6 Kr. Brief (Nr. 4 II Platte 3) von Eichstätt, bei dem der Expeditor gegen die Vorschrift seinen offenen Mühlradstempel 106 zwei Mal abgeschlagen hat. Das kam häufiger vor, wenn einer etwas daneben ging und der andere alles besser machen sollte.